Es ist: 23-01-2018, 19:14
Es ist: 23-01-2018, 19:14 Hallo, Gast! (Registrieren)


VI 14 Kinderaugen
Beitrag #1 |

VI 14 Kinderaugen
So fliehe ich stündlich vor der Sonne,
in die Schatten,
zurück zu dir.

Dort wo keine Lieder singen,
Stumm an deiner Seite,
drücke deine Hand.

Sehe nicht nach oben Kind,
und lauf,
solang du kannst.

Müde Beine, schwere Schritte,
taube Arme,
die mich halten.

Bis wir gemeinsam über Grenzen wanken.

Sind wir endlich da?







Weil mein Schatten auch nur ich selber bin.

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Beitrag #2 |

RE: VI 14 Kinderaugen
Hallo Eltair,

ich weiß auch nicht, wieso ich mich gerade durch die Lyrik ackere, obwohl mir die Prosa um einiges besser liegt. Icon_lol  Das will ich mal vorausschicken, nur damit du weißt, dass du es mit einer hauptberuflichen Hobbyprosaschreiberin auf lyrischen Abwegen zu tun hast. Icon_smile

Du hast da ein sehr überschaubares Gedicht, darum will ich mich ihm Strophe für Strophe widmen. 

Zitat:So fliehe ich stündlich vor der Sonne,
in die Schatten,
zurück zu dir.
Du zeichnest hier schon ein sehr eindrucksvolles Bild. Das "zurück" verweist für mich auf Vergangenes, sprich LI und das Du haben eine Vergangenheit, auf die ein Bezug hergestellt wird. Obwohl das Gedicht Kinderaugen heißt, war ich dann doch irritiert, dass später wirklich die Rede von einem Kind ist. Ich hätte eher Kinderaugen im Sinn von "damals sahen wir alles durch Kinderaugen" interpretiert. Wie gesagt, in dieser Strophe habe ich damit gerechnet, jemanden "auf Augenhöhe" als Du zu treffen (an den sich eine gemeinsame Vergangenheit knüpft) und nicht ein Kind.

Zitat:Dort KOMMA wo keine Lieder singen,
Stumm an deiner Seite,
drücke deine Hand.

singen würde ich durch klingen ersetzen, da Lieder gesungen werden
drücke würde ich durch drück' ich ersetzen, da es sonst arg verstümmelt wirkt.

Zitat:Sehe nicht nach oben KOMMA Kind,
und lauf,
solang' du kannst.

sieh statt sehe

Und hier beginnt für mich ein anderes Gedicht, weil der passive Teil (ein Erinnern an Vergangenes, ein Verharren) abrupt vom aktiven (plötzliche Bewegung, ein Appell zum Aufbruch) abgelöst wird.

Zitat:Müde Beine, schwere Schritte,
taube Arme,
die mich halten.

Ich sehe hier kein Kind, dass das LI hält, denn das würde sich wohl eher festhalten, sondern wie oben angedeutet jemand auf Augenhöhe, der das LI stützt. Indem du einfach nur "Kind" schreibst, weckst du gewisse Assoziationen und die sind (bei mir): klein, schwach, abhängig. Dazu passt das hier gezeichnete Bild allerdings nicht ganz. Wenn dem Kind wirklich ein stärkerer Pol zukommen sollte, solltest du das im Vorfeld durch eine genauere Beschreibung festlegen und nicht nur mit Allgemeinplätzen wie "das Kind" arbeiten.

Zitat:Bis wir gemeinsam über Grenzen wanken.

Sind wir endlich da?

Wird hier die Flüchtlingsproblematik angerissen?

Von wem stammt die Frage? Fragt das LI das Kind? Würde mich bisschen ratlos zurücklassen. Fragt das Kind das LI? Das kommt nicht klar genug rüber.

Richtig ratlos macht mich jetzt der Titel, da ja nichts per se durch Kinderaugen geschildert wird, sondern eher ein Aufbruch mit einem Kind im Schlepptau geschieht.

Ich hoffe, du kannst mit meinen Anmerkungen etwas anfangen.

LG

Sniffu

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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Beitrag #3 |

RE: VI 14 Kinderaugen
Hallo Eltair,

kaum zu glauben, dass es solange gedauert hat, bis hier endlich kommentiert wird ... noch dazu ein Gedicht zu einem Versipuls. Schande über mich, dass das bei mir untergegangen ist.

Die Versipulszeile passt inhaltlich sehr gut, ich finde es auch schön, dass sie das Gedicht eröffnet. Allerdings passt sie stilistisch nicht zum Rest, ich fände es passender, wenn du sie etwas umbaust: "Ich fliehe stündlich vor der Sonne" - das würde sich viel besser lesen und passt stilistisch besser.

Ich muss sagen, dass mir der Titel nicht gefällt, weil ich ihn als effekhascherisch empfinde und weil er auch nicht ganz zum Inhalt passt, zumindest meiner Meinung nach nicht. Der Text hat eine getriebene Atmosphäre, als wären das LyrIch und LyrDu auf der Flucht (musste dabei an Flüchtlinge denken). Dieses Gefühl des Getriebenseins ist sehr stark, hat für mich aber mit Kinderaugen wenig zu tun.

Die Bilder der einzelnen Strophen erscheinen mir wie Fragmente, sie stehen jeweils für sich allein, bauen nicht aufeinander auf. Was sehr gut zum Inhalt passt, zum Thema Flucht, wo sich die Bilder haltlos aneinanderreihen.

Mir hat es gut gefallen!

Viele Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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