Es ist: 11-12-2017, 14:05
Es ist: 11-12-2017, 14:05 Hallo, Gast! (Registrieren)


Naturschwund
Beitrag #1 |
Exclamation 

Exclamation  Naturschwund
Mein Vater erzählt mir von seiner Kindheit.
"Zum Wald und zum Acker hatt' ich es nie weit!"
Dort erlebte er Abenteuer und tobte wild!
Hat mit Freunden an stillen Seen gegrillt!
Er spürte die Sonne, die Wärme, das Licht,
Roch Tannen und Kiefern und auch mal ne Ficht'!
Er sprang über Flüsse,
Aß Früchte und Nüsse.
Rannte über Felder,
Durch dichte Wälder!
Kam auf Bäumen zu Ruh,
Und schaute Rehen beim Grasen zu!

Will ich ein Reh sehen,
Muss ich in den Zoo gehen.
Seh ich ein Feld,
Hab ich schnell festgestellt,
Es ist von Menschen gemacht,
Und nicht zum Betreten gedacht.
Grauer Beton versperrt mir die Sicht,
Auf Sonne, und Sterne - natürliches Licht!
Will ich in den Wald, muss ich stundenlang gehen,
Um endlich 'nen richtigen Baum zu sehen!

( Warum?

Konsum -
Abfallproduktion,
Plastik im Meer,
Tiere sterben.

Konsum-
Fabriken zur Warenherstellung
Global Warming,
Tiere sterben.

Konsum-
Bäume werden gefällt,
Lebensraum wird genommen,
Tiere sterben.

.................................)

Die Menschheit bleibt Stur,
Ich seh kein Ende der Prozedur,
Drum bedaure ich sehr, die kleine Statur
Mein Kind zu mir: "Was ist Natur?"


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Beitrag #2 |

RE: Naturschwund
Hallo Sam,

dein erster Beitrag hier, ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie aufgeregt ich damals war, als es darum ging, einer völlig fremden LeserInnenschaft meine Werkchen zu präsentieren. Willst du dich nicht einmal vorstellen, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben?

Nun aber zum Text.

Zum Metrum möchte ich mich gar nicht äußern, da gibt es Lyrik affinere Leute im Forum. Mich beschleicht aber auch die Ahnung, dass es dir in erster Linie so gar nicht ums Dichten geht, sondern dir vor allem die Botschaft am Herzen liegt und du dich wohl für eine lyrischere Umsetzung entschieden hast, da es dir so leichter fällt, den Inhalt griffiger zu formulieren. Das Gedicht als solches gestaltet sich für mich in drei Teile, die stilistisch zumindest unabhängig voneinander sind, wodurch sich eine Art Patchworkmuster ergibt, was nicht zu einem richtig flüssigen Lesegenuss führt.

Am meisten habe ich an dem zweiten Teil, diesem Einschub, zu knabbern. Du wirfst eine Frage auf und gibst dir gleichzeitig die Antwort, setzt das Ganze in Klammer, um es zusätzlich als Exkurs zu kennzeichnen, der eigentlich in dem Gedicht deplatziert ist und versiehst es schlussendlich mit einer Zeile, die nur aus Punkten entsteht, was einer Wertung gleichkommt (... = ohne Worte). In der Geschichte, wie die einzelnen Generationen Natur erlebten, hat dieser Einschub zu berichterstattenden, informativen und belehrenden zugleich Charakter, dabei spiegelt er doch gerade die Wahrnehmung vom Naturschwund der zweiten Generation weiter. Du wolltest, indem du die Form vom Rest hervorhebst, wahrscheinlich die Dringlichkeit des Empfindens und der Schilderung des erzählenden Ichs betonen, doch damit gerät der lyrische (!) Text in eine Schieflage.

Worum geht es dir hierbei eigentlich? Darum (lyrische) Texte zu produzieren oder den Finger zur Anklage zu erheben? Letzteres ist genauso okay wie erstes, nur bewegst du dich hier in einem Literaturforum, in dem in erster Linie lyrisches und prosaisches Empfinden zählen, solche expliziten Mahnrufe schnellen da meiner Meinung eher am Ziel vorbei und sind in den Diskussionsbereichen zu Politik und Co besser aufgehoben.

Noch ein paar textliche Anmerkungen: Die übermäßige Verwendung von Rufzeichen schwächt dein Argument, dass früher alles besser war, sprich, die Natur noch Natur war. In der zweiten Strophe wären sie meiner Meinung nach besser aufgehoben, eben um zu betonen, dass Natur heute ad absurdum geführt ist und das erzählende Ich sie nicht wie seine Vorfahren erleben kann.

Manche Reime sind arg erzwungen:
Zitat:Er spürte die Sonne, die Wärme, das Licht,

Roch Tannen und Kiefern und auch mal ne Ficht'!

Du schreibst in Hochdeutsch, das hier ist aber bestenfalls ein Dialektalwort, um den Reim mit Licht zu ermöglichen, und liest sich unangenehm.

Zitat:Die Menschheit bleibt Stur,
Ich seh kein Ende der Prozedur,
Drum bedaure ich sehr, die kleine Statur
Mein Kind zu mir: "Was ist Natur?"

stur.
Die markierte Zeile passt auch nicht so recht. Da fehlt auf jeden Fall ein Satzzeichen nach Statur bzw. streich das Komma nach sehr.
Außerdem ist das hier wieder ein erzwungener Reim, der Sprecher wird sein Kind wohl kaum "die kleine Statur" nennen, womit diese Formulierung wieder unangenehm aus dem Text stolpert.

Zitat:Mein Vater erzählt mir von seiner Kindheit.
"Zum Wald und zum Acker hatt' ich es nie weit!"
Dort erlebte er Abenteuer und tobte wild!
...

Zurück zum Anfang; im Folgenden erzählst du, wie der Vater von seiner Jugend erzählt, setzt aber nur eine Zeile in direkte Rede und erzählst alles weitere nach. Meine Vermutung für diesen Bruch ist, dass du das direkte Zitat verwendet hast, um ein Reimschema beizubehalten (hatt' ich statt hatte er), doch ganz ehrlich, ich kann kein konsequentes Reimschema im Text erkennen, sodass du hier getrost auch auf das indirekte Zitat zurückgreifen kannst. Es würde sich auf jeden Fall stimmiger lesen.

Bitte nimm nichts von meinen Anmerkungen persönlich und lass dich keinesfalls davon entmutigen.

Hoffentlich lesen wir noch mehr von dir hier.

LG

Sniffu

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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