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Literarisches Tagebuch - Druckversion

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RE: Literarisches Tagebuch - Libertine - 16-10-2010

Ich hab gehört, sie haben dich auf Reise geschickt, Johann,
weil du es wolltest und nichts als das, als Werner starb.
Ich hab gehört, dein Vater hat sich dagegen gesträubt
und du, du hast das Meer geliebt.
Ich hab gehört, die Geschichte ist geendet, wie der Satz deines Vaters,
als er sagte: Als Seefahrer endest du auf dem Meeresgrund.

Und ich hab gehört, du gibst dich nicht Preis, Johann,
du sagst nichts, Johann, du schweigst nur, ob du's willst oder nicht
und auch wenn du nichts dafür kannst: Sprich.
Und wenn du von den Toten dafür auferstehst.

Denn irgendwo warten Menschen, die wollen von dir hören.
post mortem post sciptum.


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 16-10-2010

Dunkelheit flimmert über den verlassenen Sitzreihen - obwohl, nicht ganz verlassen: Eine einsame Gestalt hat sich in die Mitte der zweiten Reihe gekauert und blickt bang zum Licht der Bühne auf.
Ein einziger Scheinwerfer - ein Spotlight (Shietkram, das muss ich ja auch noch machen ...) - brennt seinen Lichtkegel auf den Bühnenboden. Ein Mikroständer - von altmodischer Statur, er sieht aus, als würde er bei jeder Berührung quietschen - wartet geduldig. Im Hintergrund sieht man nur das riesige weiße Stofflaken, das die sorgfältig gemalten Kulissen vor dem Angriff der Staubarmeen bewahrt.
Stille liegt in dem Theater, aber diese drängt und wispert seltsam wortlos.
"Na kommt schon", presst die Gestalt in der Sitzreihe zwischen den Zähnen hervor. "Kann sich nicht wenigstens eine von euch trauen?"
Huschen, Wispern - am Rande des Lichtkegels. Kurz erscheint darin die Spitze eines Kleidersaums, die rasch wieder weggezogen wird. Ein Stöhnen kommt aus dem Zuschauerraum.
"Wofür?" Anklagend schneidet das Wort die Dunkelheit. Sogar das wortlose Wispern der Stille verstummt. Die Gestalt erhebt sich von ihrem Sitz.
"Es ist zwecklos!"
Sie schiebt sich die Reihe entlang zur Seite, zur rechten, bis sie den Gang erreicht. Absätze klappern auf dem Boden, während sie näher kommt.
"Womit habe ich euch nur verdient?"
Näher.
"Womit?!"
Am Rande des Lichtkegels, direkt vor der Bühne kann man nun die Umrisse einer kleingewachsenen Gestalt erkennen. Der äußerste Schimmer fällt auf blondes Haar, das straff zurückgebunden ist. Die Gestalten auf der Bühne weichen zurück. Erschrockenheit.
"Wenn ihr nicht singen wollt!"
Nun ist die Anklage in den glanzberührten Augen deutlich zu erkennen. Etwas regt sich auf der Bühne, dann tritt eine Frau an den gegenüberliegenden Rand des Lichtkegels - entschlossenes Gesicht, dunkle, feurige Augen, eine seidenglatte, schwarze Mähne. Die Finger sind in dem bunten Rock verkrallt, der bis zum Fußboden reicht. Um den Hals liegt ein bunter Seidenschal, vollkommen ruhig.
Die Luft bewegt sich nicht.
Die blonde Frau vor der Bühne hebt eine Augenbraue an.
"Und, Assassia? Hast wenigstens du es dir anders überlegt?"
"Mach es doch selbst, Trin!", zischt die Schwarzhaarige und stapft mit ihren flachen Ballerinas auf den Boden. Dumpf, es hallt nicht. "Wieso wir?"
Einen Augenblick lang duellieren sich die Frauen, Blick an Blick, blitzend.
Dann Blinzeln.
Beide.
"Weil", erwidert die Blonde und reibt sich die Schläfen, "ich für euch - und nur für euch!" Der Blick schweift ärgerlich in die Dunkelgrauheit neben dem Lichtkegel ab, woher ein besorgtes Wispern ertönt. "Ein komplettes Musical auf die Beine gestellt habe!
Eine Handlung!"
Die Blonde schlägt mit der Faust auf die Bühne.
"Ein funktionierender Plot!"
Schlag.
"Ein Konflikt, den ich mir aus meine Hirn gesogen und trotz Experimentalcharakters nirgendwo auch nur das kleinste Bisschen abgeguckt habe!"
Besonders dumpfer Schlag.
"Glaubwürdige Charaktere!"
Schlag plus besonders wütender Blick in die Runde.
"Spannende Wendungen!"
Leere - kein Schlag. Die Faust ruht auf dem Bühnenboden.
Einige Rockzipfel haben sich an den Rande des Lichtkegels getraut, weitere Schuhe scharren leise. Die Schwarzhaarige sieht halb wütend, halb ängstlich auf die Blonde hinunter.
"Und ihr wollt nicht singen."
Eine Feststellung.
Eine Regung im Licht - die Schwarzhaarige seufzt, tritt einen Schritt vor ... nimmt den Seidenschal ... verschleiert ihren gesamten Kopf damit. Die Blonde starrt, verfolgt jede Geste.
"Was wird das, Assassia - ich meine, Sistala? Sis?"
Die Schwarzhaarige - nun ist nichts mehr von ihrem Gesicht, noch von ihrem Haar zu erkennen - steht stolz und mit ausgestreckter Hand im Licht.
"Wir machen einen Deal, Trin", sagt sie. "Wir fangen vorne an. Ganz vorne. Die Story steht und du - du schreibst das erste Lied. Und wir singen."
Die Blonde guckt, verharrt - streckt die Hand entgegen.
"Deal."
Kann das wirklich so einfach sein? Und ... was haben wir eigentlich gerade verändert?



17.10.2010

Sterbensmüd'glücklich
Todleinschwer
sinkt Stein im Grunde
der Frohleiche ...
Schwer -
so
...



RE: Literarisches Tagebuch - Lilith 13 - 04-11-2010

VerderbenGedanken so sinnlos wie ein Furunkel

Verderben ist in vielerlei Hinsicht sehr Vielfältig.
Nehmen wir nur mal den Geschmack – meist ist er völlig geschmacklos.
Oder die Haltung – sie ist völlig haltlos, vor allem, wenn man kein Rückgrat hat. Man verbiegt sich in alle nur denkbaren Richtungen.
Oder die Meinung – man kann etwas meinen, ohne eine Meinung zu haben. Das ist schon sehr kurios. Zumal man meist auf seiner meinungslosen Meinung pocht und nicht merkt, wenn jemand anderes etwas anderes meint. Vermeintlich unabsichtlich.
Lebensmittel können verderben – obwohl sie uns in der heutigen Zeit auch unverdorben die Gesundheit verderben können.
Alles auf Anfang - ich glaube, mich hat’s verdorben, als ich angefangen habe darüber nachzudenken. Ich bitte um Vergebung und bin schon ruhig.
Aber - Vergebung ist in vielerlei Hinsicht auch sehr Vielfältig ... Icon_panik

Mrgreen


RE: Literarisches Tagebuch - Lilith 13 - 28-11-2010

Adventskerzen

Wachstropfend schmelzen
im flackernden Glanz
dahin
die farbverwirrten Todgeweihten

Tannenduftend gebettet
auf spießige Kissen
gesteckt
in chromverhüllte Schlünde

Entzündet verschwindend
und heldentapfer zeigend
langsam
die Zeit bis Weihnachten



RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 07-12-2010

(Freitag, 31.10.2010)

In der Ferne waren die französischen Schiffe zu sehen. Wehende Segel, knarrende Masten. Sie schaukelten schwerfällig hin und her - während am Strand bereits die ersten feindlichen Soldaten britannischen Boden betraten.
Pfeile schwirrten durch die Luft, fraßen sich in Augen, Köpfe, Hälse.
Fallende Krieger, während sich bereits von allen Seiten die Heerscharen der englischen Lords näherten. Unerbittlich ...

"Es ist gleich Mitternacht", sagte Ibi, drückte auf einen Knopf und das Bild erstarrte.

Kurz darauf saßen sie vor einem der beiden Monitore. Ein Blick zur Uhr.
"Noch eine Minute", sagte Dread. "Willst Du den Knopf drücken?"
"Mein Gemahl, ich weiß, wieviel Euch dies bedeutet." Ibi schmunzelte. "Wohlan, habt Ihr alles vorbereitet?"
"Mylady, Ihr müsst nur zweimal auf den roten Knopf dort klicken."
"Jetzt?"
Dread schaute auf die Forenuhrzeit in der rechten oberen Ecke.
00:01 Uhr.
"Ja."
Sie klickte zweimal und ließ sich dann die neuesten Beiträge anzeigen.
"Des Nachtvogels Schattenherz ist gestartet, Mylord."
"Danke, mein Engel."
"Ich weiß, wieviel Dir das bedeutet ..."
"Es ist nur ein kleines Puzzleteil."
"Aber das Erste, das sie kommentieren können."
Dread seufzte.
"Das ist egal", meinte er. "Ich gehe nicht davon aus, dass sich alle darauf stürzen werden."
Warum auch immer ...
Er starrte auf die beiden neuesten Beiträge, während Ibi an seinem Ärmel zog.
"Ich bedaure Mylord von diesem Anblick fortzureißen, aber da wartet noch ein Gesetzloser aus dem Sherwood Forest in unserem Wohnzimmer."
"Ja, ... lass uns wieder", flüsterte er und erhob sich aus seinem Ledersessel. "Wir sollten Herrn Hood nicht warten lassen."
Ein letzter Blick auf den Monitor.
Flieg Baby - flieg!


RE: Literarisches Tagebuch - Lilith 13 - 17-12-2010

Es gibt Tage, an denen man sein E-Mail-Postfach öffnet und die erfreuliche Nachricht liest, dass man bei einer Ausschreibung gewonnen hat und das eingereichte Gedicht demnächst in einer Anthologie veröffentlicht werden wird. Grinsend läuft man den restlichen Tag durch die Gegend, denn immerhin hat man sich (lt. Verlag) wohl unter vielen teilnehmenden Autoren aus mehreren Ländern durchgesetzt.
Man druckt stolz den Vertrag aus, unterschreibt brav und schickt alles ordnungsgemäß ab. Vorsichtshalber bekommt der Verlag auch noch eine Mail, dass der Vertrag unterwegs ist, denn bei der Post weiß man ja nie ...

Dann kommt noch eine Zeit des Wartens, da man als veröffentlichter Autor zusätzlich noch Sachpreise gewinnen kann. Eines schönen Tages ist es so weit. Man sieht auf der Webseite des Verlages, dass nun die Gewinner feststehen. Leider war Fortuna nur für andere tätig, aber was soll’s. Das Wichtigste ist doch, dass man bei der Anthologie mit dabei ist. Man ist einen kleinen Schritt weiter an sein Ziel gekommen. Das ist die Hauptsache.
Doch dann liest man sich die Liste der veröffentlichten Autoren dieser Anthologie durch und stellt verwundert fest, dass man auch beim siebenten und achten Mal angestrengtem Suchen seinen Namen nicht finden kann.
Völlig optimistisch schreibt man dem Verlag eine E-Mail, und weist höflich darauf hin, dass dort ein Name fehlt.
Nach Tagen des Wartens eine Antwort – aber ist es denn wirklich eine Antwort auf das, was man geschrieben hat? Diese verwirrende Anhäufung von Wörtern, die das Problem nicht klären? Man sagt sich irgendwie „nein“, wenn dort Sachen stehen wie: ... Mail aus dem Spam-Ordner gefischt ... wahrscheinlich war es bei dem Gedicht damals genauso und es ist deshalb nicht angekommen ... reichen Sie Ihr Gedicht doch bei einem anderen Verlag ein, dort wird es sicherlich abgedruckt ...
Man kommt sogar etwas ins Grübeln und schickt schon weniger optimistisch gleich eine zweite Mail hinterher, in der man erklärt, dass das Gedicht dort im Verlag durchaus angekommen sein muss, da man ja bereits die Zusage bekommen hat, dass es abgedruckt wird.
Die Sache wird sich schon aufklären lassen, denkt man. Tja, nur wie, wenn man darauf gar keine Antwort mehr bekommt?
Da man ja als Hobbyautor die Frechheit besitzt, der Sache auf den Grund zu gehen, schickt man nach Tagen des erneut geduldigen Wartens einfach noch eine Mail hinterher und bittet darum, die Fragen die man sich da ausgedacht hat und die nun merklich mehr geworden sind, zu beantworten und es schön wäre, nicht wieder ignoriert zu werden.
Nun bekommt man tatsächlich eine Antwort, diesmal sogar vom „Team“ und nicht mehr von der Chefin. Wow! Da kommt man sich doch gleich viel wichtiger und ernstgenommener vor in seiner Rolle als Gedichteschreiberling.
Die Erklärung eindeutig und völlig nachvollziehbar: Es war aus Layout-Gründen leider nicht mehr möglich, den Text zu veröffentlichen.
An der Stelle im Text kratzt man sich verwundert am Kopf, da es sich um ein Gedicht von 10 Zeilen handelt. Einen Augenblick später sieht man natürlich ein, dass das viel zu lang ist und einfach jeden Rahmen sprengen muss! Zumal es ein solch unkalkulierbares Risiko ist, wenn man als Verlag so mutig ist und sich Gedichte raussucht, die dann zu solch wahrer Größe mutieren! Dafür hat jeder Autor doch Verständnis, denn es ist ja einleuchtend.
Man liest beruhigt weiter und stellt fest, dass der Verlag sich nun als recht großzügig erweist, indem er anbietet, das Risiko-Gedicht in einer der nächsten Anthologien zu veröffentlichen.
Da man als Nicht-ernst-genommener-Autor ja nicht ausverschämt sein will, lehnt man solch ein großzügiges Angebot natürlich ab. Man will den Verlag ja mit dieser Verlegenheitsgeste nicht noch weiter in Verlegenheit bringen. Man schreibt noch dazu (vorsichtshalber als Frage formuliert), ob man anmerken darf, dass sich die Layout-Erklärung eher nach einer billigen Ausrede anhört. Den Rest verkneift man sich aus rechtlichen Gründen lieber. Was man sich nicht verkneift, ist zu schreiben, dass man es traurig findet, dass der Verlag es nicht einmal für nötig hält, einen über den „Nichtabdruck“ zu informieren. Senden. Fertig.
Fertig - oh ja. Und wie!
Letztendlich versucht man sich zu beruhigen und tröstet sich damit, dass man ja zum Glück kein Exemplar des Buches vorbestellt hat – ein ganz großer Fehler! Denn mit diesem vermeintlichen Trost schleichen sich still und heimlich ganz fiese kleine Gedanken in das kranke Möchtegernschriftstellergehirn, die einem doch tatsächlich einreden wollen, dass einem vielleicht gerade das zum Verhängnis geworden ist ...
Völlig erschrocken über solch eine dunkle Macht, die da den klaren Verstand ausschalten möchte, sucht man sich ganz schnell eine Wand, an der man seine Wut und seine verteufelten Gedanken wieder raushämmern kann und siehe da, der verwirrte Geist hört auf, sich aufmüpfig zu verhalten und wird wieder zu einem flauschigen Schäfchen.
Ein Schäfchen, dass nun am Schluss sein Sarkasmus-Schildchen noch ein Stückchen höher hebt und sagt: Ich bin Glücklich über diese tolle Erfahrung! Solche Verlage braucht man dringend, um sich als Autor so richtig zu entwickeln. Ein Verlag, der einem pflichtbewusst und völlig uneigennützig die ganzen Steine aus dem Weg räumt. Vielen Dank für die Mühe!


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 19-12-2010

Kerzenlicht, es kriecht über die Wände wie hinaufrinnendes Wachs. Schatten zeichnen weiche Ornamente an die Decke; flüsterndes Lachen scheint die Stille zu unterstreichen. Tonlos, verquer.
Stehen wir auf dem Kopf? Oder hat die Zeit den Raum gewendet?

Kein Wind bewegt die Äste - die Säulen der Baumstämme stehen, atmen nicht. Die eigenen Tränen schmecken zu süß. Im Dunkeln wäre immerhin der Schatten des Unbekannten gewesen, aber das Zwielicht herrscht über die wahre Stille. Unbewegtheit. Man selbst ist dieser Fremdkörper, der die Ruhe nicht in sich aufzunehmen vermag.
Müde Ruhe, Stein - auf diesem Grabstein sitzen. Tränen, die man nicht sieht.
Die Feder streicht durch die Luft, langsam; verkündet mit all dem Weiß nur Wunden. Kein Hoffen, keine Wörter - wo sind sie geblieben? Wie kann man diese Gefühle beschreiben, festhalten?
Wie soll man jetzt warnen?

Die eigene Seele steht abseits, sieht einen selbst dort hängen. Das Zwielicht hat zuviel von den Konturen gelassen, man sieht alles in einem schmerzlichen Abriss der Wahrheit, die hinter allem stehen könnte.
Wahrheit. Was bedeutet sie in diesem Traum, der doch nur dies sein kann. Kein Leben könnte sich das ausdenken - oder doch?
Das Papier bleibt leer. Es ist kein Platz mehr da, um Worte hinzuzufügen, es ist zu schwer von all den Erwartungen des Niederschreibens. Alles ist bereits vorhanden.
Denken, Fühlen. Zu viel auf einmal.
Auf einmal.

Ein Tintentropfen löst sich in schleichender Perfektion aus der Spitze; quillt hervor so dicht mit Tränen verbunden. Ein Krampf, der darauf wartet, dass man zusammenfällt, um endlich nicht mehr existieren zu müssen, es geht nicht mehr.
Die Federstruktur reißt sich an den Fingern auf, als sie fällt; tintenschwer nach unten. Nach oben. Ins Nichts.
Tropfen quillt; Atemzug; fällt. Alleine.
Der Aufprall ist
zu leicht für die Schwere der Bedeutung. Dunkelheit tropft auf den Zwielichtsboden, zusammengefallen. Umwunden von hellen Striemen, Strähnen ... Federleicht gestürzt.
Stille, kalter Boden - vor diesem Grabstein liegen.

Endlich aufgeben - endlich wiedergeboren werden können.


RE: Literarisches Tagebuch - LadydesBlauenMondes - 29-12-2010

Tagebuchnachtrag 26.12.2010

Nicht mehr lange
Du stehst am Fenster, schaust hinaus in die weiße Welt. Die Kaffeetasse in deiner Hand
zittert. Die Kerzen werfen warmes, flackerndes Licht in den Raum, Ich beobachte dich und bin
doch noch gefangen in meiner Welt der Wörter, zwischen den Buchseiten. Nicht mehr lange und
ich sehe die letzte, leere Seite, das Ende. Nicht mehr lange un du beginnst die Stühle zu
rücken, in großen Töpfen zu rühren, den Tisch zu decken. Nicht mehr lange und das Haus wird
voller Leben sein. Es dauert nicht mehr lange bis unsere Gäste kommen.



RE: Literarisches Tagebuch - Porter - 30-12-2010

Getan

Ein Arbeitstag geht zu Ende. Ein Wintertag im Dezember. Es ist bereits dunkel draußen. Die Lichter gehen an. Es ist getan, wieder einmal. Getan, was getan werden musste. Wenn man den anderen glauben darf. Den anderen, die sich ausgedacht haben, was getan werden muss. Manchmal hätte es nicht getan werden müssen. "Hinterher ist man immer schlauer", sagen sie dann und: "Hauptsache, es ist getan!" Meistens habe ich getan, was ich konnte. Was ich gelernt habe. Was ich beherrsche.

Oft habe ich getan, was ich wollte. Und in vielen Fällen davon haben die, die sagten, was getan werden musste, über das gestaunt, was getan werden konnte.

Jemand hat es gesehen, beim anderen. "Warum der, warum nicht wir?", wird gefragt. Damit kommt der Moment, wo ich tun muss, was ich ursprünglich nur tun wollte. Scheiß Spiel.


RE: Literarisches Tagebuch - lu - 08-02-2011

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Wir waren zusammen; ich lag am Rücken, du saßt auf meinem Bauch – so kann man besser reden. Als wir zu müde wurden, hast du gefragt, ob wir alles haben, und ich überprüfte die Ausstattung, auf der meine Beine lagen: "Zwei Tische, aber die brauchen wir nicht, wir sind ja tot. Wollen wir uns also hinlegen? Zu Grabe legen?" Als du still wurdest, im Finstern gegen die Erde gelehnt, hab ich mich gefragt, ob wir wohl wieder aufwachen werden, nach der Nacht.


Was man halt so träumt, diesmal mit meiner Schwester. In letzter Zeit träum ich oft, dass ich tot bin, aber noch nicht ganz. Als würd ich noch ein bisschen herumhängen, bevor ich verblasse. Aber es hat nichts Schreckliches, es ist eben. Nur zur Erklärung Icon_wink