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Literarisches Tagebuch - Druckversion

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RE: Literarisches Tagebuch - LadydesBlauenMondes - 17-03-2012

Tagebuchnachtrag 16.03.2012

Erblühen

Die Welt ist erwacht. Sonnenstrahlen werfen ihr Licht auf uns. Wärmen und färben das Land.
Vögel singen ihr Lied hinaus. Feiern das neu entdeckte, erblühende Leben. Der Wind trägt die
letzten Reste des Winters mit sich fort. Lässt bunte Eier fröhlich schaukeln.
Wohlfühlmoment.
Kinderlachen untermalt den Augenblick. Und du seufzt zufrieden. Rollst dich
zu einem perfekten Kreis zusammen. Hälst die Augen geschlossen, aber die Ohren aufrecht. Ein
letztes Gähnen, gepaart mit einem leisen "Mau" hören wir, bevor der Katzenschlaf dich träumen lässt.


RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 20-03-2012

Seit ein paar Tagen geht es mir nach einer viel zu langen Tiefphase endlich wieder so richtig gut und in einem heftigen Selbstbewusstseinsschub am heutigen Morgen, ausgelöst von zahlreichen Gesprächen mit und Nachrichten von lieben Menschen, überkam mich vorhin endlich wieder einmal der Drang, etwas aufzuschreiben. Viel aufzuschreiben. Den Kopf auf positive Weise leer zu schreiben. Und natürlich ist das eine Sache, an der ich meine Leser teilhaben lassen möchte und muss, weil es nicht nur ein persönlicher Erfolg und Fortschritt ist, sondern hoffentlich auch der Startschuss in eine neue kreative Phase.

Dabei herausgekommen sind zahlreiche Gedanken und sicherlich auch einiges an Selbstbeweihräucherung, aber seien wir mal ehrlich: Brauchen wir denn Bestätigung von außen, wenn wir in unserem Inneren von uns überzeugt sind?

Eine Hommage an alle starken Frauen.
Für “meine” Mädels.
Und für mich!

Zitat:Immer wieder hört man, dass Männer vor starken Frauen Angst haben. Aber warum eigentlich? Wegen ihren eigenen Schwächen? Und wovor genau? Dass sie nicht mithalten können? Und redet überhaupt irgendeiner dieser Männer über diese Angst, geht den Dingen auf den Grund oder sogar dagegen an? Oder wird stattdessen von den starken Frauen erwartet, dass sie etwas an der Situation, an sich selbst ändern? Dass sie Schwäche(n) zeigen?

Männer, stellt euch vor, auch starke Frauen haben mal schwache Phasen. Wenn ihr starke Frauen in einer dieser Phasen kennen lernt und später feststellen dürft, dass sie gar nicht so schwach sind, wie sie anfangs den Eindruck machten – löst das eure Angst aus? Wünscht ihr sie euch dann wieder schwächelnd, sodass sie euren starken Arm braucht, eure Schulter zum Ausweinen?
Jeder Mensch hat Phasen, in denen diese Dinge gebraucht werden. Doch selbst während derer sind sie stark, weil sie in ihrem Inneren trotzdem überzeugt von sich sind und sein können. Warum darf das bei Frauen nicht auch der Fall sein? Ist Stärke dem starken Geschlecht vorbehalten?

Männer haben also Angst vor starken Frauen.
Aber ist das Grund genug, dass wir uns klein machen, damit sie sich größer fühlen? Kann das Grund genug sein, dass wir uns mehr oder weniger massiv einschränken, um ihnen ihre Ängste zu nehmen? Kompromisse hin oder her, haben wir deshalb die Pflicht, unser Selbstbewusstsein und unser Selbstwertgefühl drastisch zu beschneiden?

Nein! Weil wir allen erdenklichen Grund dazu haben, selbstbewusst zu sein und es zu bleiben, denn wir sind tolle Frauen.
Wir sind voller Kraft,
wir sind schön,
wir sind intelligent
und wir haben auf so vielen Ebenen jede Menge zu geben – kurz gesagt:
Wir sind einfach der Oberhammer!

Und wir müssen uns nicht mit weniger zufrieden geben, als wir verdienen, weil wir es verdammt noch mal wert sind, das zu bekommen, was wir verdienen! Oder sind wir etwa weniger wert, weil Männer Angst vor starken Frauen haben?

Sicherlich kann man das auch gar nicht so pauschalisieren. Grundsätzlich besteht jedoch trotzdem die Frage: Ist das unser Problem?
Ich denke nicht. Vielmehr sollten die Männer endlich lernen, damit umgehen zu können. Denn zu einer starken Frau passt nun mal ein starker Mann.



RE: Literarisches Tagebuch - lu - 20-04-2012

.
Markus

Rote Früchte
in den Fluss,
Opfer für Opfer;
Blumen felsgefallen -

Die Narben zugedeckt,
(wissenslos
– was wärst du gewesen,
wärst du nur geblieben?)

Schlaflieder
leise,
leise deinem Schatten nach
im hellen Wasser;

und Blattgoldschiffe,
eins für jedes
genommene Jahr,

statt dir in die Welt.

9.4.2012


in memoriam


RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 08-06-2012

Hamburg am 08.06.2012

Da liegt was in der Luft ...

Nach ein paar Tagen typischen Hamburger Wetters (über das ich mich keineswegs beschweren möchte – ich liebe Regen auf der Haut und Wind in meinen Haaren! Aber bitte nicht zeitgleich und schon gar nicht mit nahezu frostigen Temperaturen .) scheint heute endlich mal wieder die Sonne von einem blauen Himmel und das Thermometer soll im Laufe des Tages noch bis auf 23 Grad klettern.

Doch wo das Wetter zu wünschen übrig ließ, fehlte es trotzdem nicht an frühlingshafter Atmosphäre. Überall um mich rum haben Menschen für Wärme und Sonnenschein gesorgt – einfach weil sie da sind und weil sich mein Leben bereichern und weil sie gute Gefühle auslösen. Weil man einfach auf die Straße gehen kann und man lächelnden Menschen begegnet. Offen lächelnden Menschen, deren Lächeln ansteckend ist und die zurückgrinsen, wenn man selbst lächelt. Und gleich fühlt man sich ein bisschen größer, ein bisschen besser, ein bisschen freier – nur wegen eines Lächelns, das einem ein wildfremder Mensch geschenkt hat.

Mir geht es gut wie lange nicht mehr. Sehr lange. Und unter meinen Fingern brennen so viele Texte, die ich schreiben, die ich ausarbeiten will, aber einfach nicht dazu komme, weil es mich nicht in der Wohnung, nicht auf der Couch, nicht am Laptop hält, weil es mich nach draußen zieht, in die Sonne, an die frische Luft, zum Hafen mit seinen stürmischen Winden, zu den Menschen, die mir in den letzten Wochen so ans Herz gewachsen sind. Weil es mich zum Leben zieht und weil es mir schwer fällt, einfach ruhig da zu sitzen, wenn ich nicht gerade einen Moment festhalten und genießen möchte.

Ich bin auf der Jagd. Nach neuen Momenten, neuen Erfahrungen, neuen Eindrücken, neuen Begegnungen. Ich bin auf der Jagd nach all dem, was ich so lange verpasst habe, worauf ich so lange unwissentlich verzichtet habe. Mein Körper schreit nach Bewegung und freut sich über den qualvollen Muskelkater am nächsten Tag. Mein Herz schreit nach Berührungen und quillt über vor all diesen wunderbaren Gefühlen.

Überall um mich rum liegt Liebe in der Luft. Nicht nur im klassischen Sinne, sondern in jedem erdenklichen Sinn: Die Liebe zum Leben, zur Literatur, zur Musik, zum Lachen, zu anderen Menschen, zu Erfahrungen, zu Erlebnissen, zu Momenten.

Liebe, Liebe, Liebe!
Spürt ihr das? Berührt euch das?
Lebt das. Er-lebt das!


Europameisterschaft - Porter - 09-06-2012

Das Hirn ist national ausgerichtet. Dieser kleine gemusterte Ball und die Körper von elf ihn tretenden Vertretern Deutschlands sind eine abgeschlossene Welt, ein Faszinosum, dem man sich nicht entziehen kann. Oder doch?

Wenn man gerne Probleme wälzt, dann könnte man sich doch mal ein bisschen Sorgen machen. Sorgen um unsere Währung, um unser derzeit so marodes Finanz- und Wirtschaftssystem, um den schwächelnden Euro. Ein paar Gedanken um Syrien vielleicht? Das ist so weit weg und die Demokratie geht momentan nicht weiter als bis zur benörgelten Schiedsrichterentscheidung. Ist auch nicht nötig, die Nachrichten in der Halbzeitpause erinnern an alles. Danach wieder der Ball und die erwähnten elf männlichen Fußballhelden.

Not, Armut, Elend, Tod, Mord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Märtyrer, Blut (oh, mein Gott, der hat ihn ja ganz schön getreten!); alles fällt wieder über den Rand unserer Gedanken hinunter.

Wenn Deutschland die Europameisterschaft im Fußball gewinnt, dann ... dann ... ja, was in Gottes Namen, ist denn dann. Dann fallen wir selber über den Rand, mitten hinein in das Elend dieser Welt. Wieder fünfzig Tote bei einem Flugzeugabsturz (wann wollten wir noch gleich in die Karibik?). Erdbeben in Italien, tausende von Menschen ohne Obdach. Ein toter Terrorist, über dessen Ableben wir uns eigentlich freuen sollten. Tun wir's?

Beinahe vergessen: DIE ELF inkl. Trainer und Tross haben ihre Schuldigkeit getan. Sie haben uns entweder glücklich oder enttäuscht zurückgelassen, ihre Probleme waren für kurze Zeit die unseren. Und wir hatten Spaß und nur darum geht es. DANKE ihr Lieben, das habt ihr gut gemacht, auch wenn ihr im Viertelfinale ausgeschieden seid und außerdem schlecht gespielt habt, so dass nicht mal großes Bedauern aufkommt. Verdammt, hättet ihr nicht ein wenig besser ... ok, ok. Ihr müsst auf eure 300.000 Euro Titelprämie verzichten, aber den Urlaub, der kommt, werdet ihr trotzdem genießen. Die Werbung hat ja genügend Geld in eure Kassen gespült. Was braucht ihr uns? Ach ja: Irgendjemand muss ja zuschauen, sonst macht's ja keinen Spaß mehr. Brot und Spiele, die antiken Römer hatten schon recht.

Jetzt aber erst mal das nächste Spiel. Genügend Bier und Chips im Hause? Oder Obst- und Gemüse-Schnipsel mit Dip und ein saftiges gegrilltes Steak. Keine Sorgen jetzt - Fußball ist unser Leben, der König Fußball regiert die Welt ...


RE: Literarisches Tagebuch - LadydesBlauenMondes - 16-06-2012

16.06.2012

Katzenliebe

Auf samtigen Pfoten erklimmst du die Treppe, erreichst die oberste Stufe und schaust mich aus allwissenden Augen an. Einen Moment verharrst du, während deine Gedanken zu rasen scheinen. Doch dann hast du deine Entscheidung getroffen und mit trippelden Schritten kommst du auf mich zu. Ein für dich einfacher Sprung und du lässt dich neben mir auf das Sofa fallen. So nah, dass nichts mehr zwischen uns passt. So nah, dass ich deine Wärme spüren kann. Ich darf dein weiches Fell berühren und kaum spüre ich dein Wärme unter meinen Fingern erfüllt dein Schnurren die Luft.


RE: Literarisches Tagebuch - poLet - 05-07-2012

05.07.12 - (ohne zeitlichen bezug!)

Marrakesch
oder der Gesang der Sonne

Natürlich grub März mich lichtwärts aus. Mit schluckenden Schauern aus nordgrauen Wolken wurd’ ich, mich schüttelnd, zwischen Schatten gerülpst.
Natürlich.
Was bleibt von einem übrig? Ein Baum? Ein Haus?
Beides zusammen verrußt nur, will man brennen.

Also März hob mich übers Schwarzweiß der Nacht in lindgrüne Winde, die Felder besäten. Darob war ich schwitzend aufgewacht; ich sah Pfützen, Trostgebinde, erblickte eine Stätte in rotgoldner Pracht. Ein Himmel spie sein kostbarstes Gut in die Gassen der Versehrten.

Die Brandermittler schritten vors Schafott. Eindeutig, die Beweise.

Natürlich gräbt März mich nordwärts aus. Die südschwangren Wolken explodieren.
Natürlich.
Was bleibt denn übrig? Ein Mensch gleich den Tieren? Ein Menschentiergeschöpf?

Natürlich. Aus dem Antlantik schöpf’ ich April.
Leise.
Still.


RE: Literarisches Tagebuch - Adsartha - 05-07-2012

Hi polet,
tolles Gedicht, insbesondere diese Zeile:

Zitat:Natürlich grub März mich lichtwärts aus. Mit schluckenden Schauern aus nordgrauen Wolken wurd’ ich, mich schüttelnd, zwischen Schatten gerülpst.
-- Obwohl ich statt lichtwärts schattenwärts setzen würde, um die Falschheit des Gefühls auszudrücken. Das beißt sich dann allerdings mit den Schatten in der nächsten Zeile. Hm, schade.

LG
Addi

Edit: Habe das Gedicht jetzt verstanden und revidiere meinen Kommi bezüglich der Schatten. *Hand gegen Kopf schlag*


RE: Literarisches Tagebuch - Adsartha - 25-07-2012

Meine Premiere hier.

Jahreszeiten weichgespült

Fleckig ist des Sommers Tracht,
Blut und Dreck und Eingeweide,
es tobt die große Wolkenschlacht.

Im Herzen stehen Felder kahl,
Nager lernen Windeln binden.

Pest und Cholera.
Hurra!


Herbst verkommt zur Greulichkeit -
Sturm und Flut und Ungewitter,
reißt vom Baum das letzte Blatt.

Der Nebel tanzt im letzten Akt,
treibt im Wasser in dünnen Fäden.

Pest und Cholera.
Hurra!


Frühling sucht den Winter heim,
Sonne und Meer und Eisgetränk,
so lebt das heimisch' Gartenglück.

Mücken überm Januarteich,
mir dünkt, Pest und Cholera.
Hurra!


RE: Literarisches Tagebuch - Porter - 25-07-2012

Generell bekommt ein Apfel
gern mal einen kleinen Wurm.
Dieser übersteht darin
garantiert den nächsten Sturm.

So viel zum Thema "Alles hat 2 Seiten" Doh