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Literarisches Tagebuch - Druckversion

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RE: Literarisches Tagebuch - poLet - 31-07-2013

31.07.2013


Abnehmender Mond
im Sommertaumel –

Ballongeschaukel –

die Starkstromadern
zieh’n wie Memoiren
Wege durchs Gewölk,
als wollten sie flieh’n –

morgen bin ich
in Berlin;


entnommener Ton
aus Mondgesängen –

Ballonverwehen –

die Bahngeleise
zieh’n als Verheißung
Blankes ins Gefühl,
wie tränenbeschrien –

morgen, ja, morgen,
morgen bin ich
in Berlin.


RE: Literarisches Tagebuch - sandy1000009511 - 20-08-2013

20.8.13


In deinen Armen fühl' ich mich
An dich gekuschelt zufrieden
In deinen Armen glücklich
Einfach nur bei dir liegen

Deinen Herzschlag höre ich
Geborgen in seinem Klang
Du legst deinen Arm um mich
Und küsst mich lang

Du gibst mir das Gefühl
Wertvoll zu sein
Und wenn du flüsterst über mir
„Das wahre Geschenk liegt neben mir“
Dann wird mir warm und ich weiß
Geliebt zu werden
So wie man ist
Respektiert zu werden
Beschütz zu werden
Das ist Glück.


RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 26-08-2013

Kennt ihr diese Momente, in denen ihr nicht mehr richtig atmen könnt und der Grund dafür in eurem Herzen verborgen liegt? Diese Momente, die ihr festhalten möchtet, obwohl euer Körper sich dagegen auflehnt und ihr das Gefühl habt, entweder ersticken oder richtig laut schreien zu müssen? Diese Momente, in denen ihr euch nur wenige Minuten zurückwünscht, um etwas anderes zu tun oder zu sagen? Diese Momente, in denen die Sehnsucht sich in eurem Herzen festbeißt, sich einnistet und ihr nichts anderes tun könnt als abzuwarten, dass es irgendwann vorbei geht und ihr endlich wieder frei atmen könnt?

Und wenn diese Momente vorbei sind ... wünscht ihr euch dann nicht auch, dass der nächste dieser Momente direkt auf den vorhergehenden folgt?

(25.08.2013)


RE: Literarisches Tagebuch - lu - 09-09-2013

.

Im Clara Schumann-Saal

Wie
ein Stück Fleisch
den Augenpaaren

sagten mir in mein Gesicht
ich

stünde ihnen zu
von Anfang an –
kein Inhalt und kein
Wert
als

Amüsement, aus
Étiquette
noch meine Eigenständigkeiten

darf ich gaukeln,
kurz,
um mich dann

aufzugeben
diesem kalten Rausch –
wie

widerlich

die
kreativen Männer
sind.

9.9.2013



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RE: Literarisches Tagebuch - Eselfine - 12-09-2013

12.09.2013

Trippeln. Kältestarre
Finger
verkrümmt im Regen.

Irgendwo packt der Herbst
seine Koffer und
zieht.
Zu UNS?
Wer will schon noch hierher?

Weggang. Häuserstarre
Abriss
verstaubt in Sonne.

Und der Geruch nach
altem Beton
sterbenden Platten,
die ihre Seele aushauchen.
Ausharren.

Der Herbst kommt.


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 13-09-2013

Traum-Uhr.

Eine kleine Sekunde, in der man sich fragt, warum man das getan hat. Nur eine unschuldige, kleine Sekunde, und das "das" war unwichtig. Vielleicht fängt es so an.
(Tick)

Eine kleine Sekunde, in der man etwas tut, das nicht so unwichtig ist. Und lange Stunden, in der man fragt, wer man in der einen, kleinen Sekunde war. Vielleicht geht es so weiter.
(Tick-tack)

Tick-Tack, Tick-Tack ...


RE: Literarisches Tagebuch - poLet - 15-09-2013

Fernstraßenfieber –
abgelaicht
die Schummelei
von Heimlichkeiten
in Rechenschieber
mentalität

Freiheiten
abgesessen –

die Hitze der Stirn
durchzittert
Serpentinen –

unangemessen.


RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 16-09-2013

Sonntagsgedanken.
… an einem Montagabend.

Das liegt daran, dass diese Gedanken im gestrigen Tag entstanden und dort haften geblieben sind, mich aber trotzdem auch in und durch den heutigen Tag begleitet haben. In der Hoffnung, dass sie ein (Teil-)Grund für meine massiven Schlafprobleme in der letzten Nacht waren, möchte ich sie daher heute Abend mit euch teilen. Auch wenn ihr vielleicht nicht alles versteht. Auch wenn ihr vielleicht mehr versteht als ich denke, erwarte, hoffe, möchte.

Fast direkt hinter meinem Haus, nur zwei Gehminuten entfernt, gibt es einen kleinen Spielplatz. Manchmal, wenn mir meine Wohnung zu eng wird und ich das Gefühl habe, in diesen vier Wänden nicht mehr atmen zu können, gehe ich rüber, setze mich auf eine Bank und sehe den Kindern beim Spielen und Schaukeln und Toben und Lärmen und Leben zu. Und dann frage ich mich oft, ob und wann ich eigentlich aufgehört habe, Kind zu sein.

So auch gestern, als ich am frühen Nachmittag von einem Treffen wiederkam, das mich erwartungsgemäß gedanklich lange festhielt. Eigentlich immer noch festhält. Ein Treffen, das sehr viel mit Berlin zu tun hat und sehr viel von Berlin wieder in Erinnerung gerufen hat. Viel von Berlin und viel von meiner Vergangenheit und viele von den Fragen, die zwischendurch immer mal wieder meinen Kopf fluten.

Es gibt Momente, in denen ich gerne wieder Kind wäre. In denen das Kind in mir wieder geweckt wurde und schaukeln möchte, toben möchte, lärmen möchte, wippen möchte, auf Bäume klettern möchte. Einfach wieder Kind sein möchte.
Und dann gibt es Momente, in denen ich froh bin, das Kindsein hinter mich gebracht zu haben. Die Zeit überstanden zu haben, erwachsen geworden zu sein, überlebt zu haben, trotz allem, was passiert ist. Trotz allem, was mich hätte zerstören können.

Doch stattdessen bin ich immer noch hier, stehe mit beiden Beinen im Leben, bin angekommen an einem Ort, an den ich zu gehören scheine, und habe trotzdem oft das Gefühl, hier nicht richtig zu sein. Doch wenn ich mich umschaue, wenn ich zurückschaue, wenn ich nach vorn schaue und manchmal einfach nichts und manchmal alles sehe, dann weiß ich nicht, wohin ich noch gehen könnte. Und ob ich mich dort weniger verloren fühlen würde.

Seit Berlin ist irgendwas anders.
Ich schlafe nicht mehr richtig, obwohl mein Körper sich erschlagen fühlt. Ich esse nicht mehr richtig, obwohl mich der Hunger manchmal zerreißen möchte. Ich kann nicht mehr richtig weinen, obwohl meine Augen brennen und mein Kopf vor zurückgehaltenen Tränen schier platzen will. Und ich kann nicht mehr richtig denken, obwohl sich in meinem Hirn alles überschlägt und ich fast wahnsinnig werde wegen der vielen Gedanken, die sich weder sortieren noch greifen lassen.

Und dann vergesse ich manchmal das Atmen.
Manchmal schrecke ich aus meinen Gedanken hoch und frage mich, wie ich dort gelandet bin, wo ich gerade festhänge. Dann denke ich an den Spielplatz hinter meinem Haus und an den alten Apfelbaum im Garten meiner Großeltern und an den See in der Stadt meiner Kindheit und an all die Abende, die ich an diesen einzelnen Orten verbracht habe. Die Zufluchtsorte sind und waren und dass ich trotz all der Zeit seitdem niemals davor wegrennen kann, was war.

Und dann wünsche ich mir die Zeit zurück, in der ich ungehemmt schaukeln und lärmen und toben und leben konnte. In der ich Kind sein durfte. In der dieser Spielplatz hinter meinem Haus mein Revier gewesen wäre. Für einen Augenblick bin ich in meinem Kopf dann wieder Kind.
Und nur einen Moment später bin ich wieder erwachsen. Und frage mich, ob nicht beides möglich ist. Ob es nicht möglich ist, ein erwachsenes Kind zu sein und mich auf diese Schaukel dort hinter dem Haus zu setzen und nur für einen winzigen Moment lang einfach ich sein zu dürfen.

Seit zwei Tagen habe ich wieder Gesellschaft beim Schlafen. “Digga”, den ich vor ein paar Jahren auf der Frankfurter Buchmesse gekauft habe, ist ein mit Wärmeperlen gefüllter Plüschbär, der nach Lavendel duftet. Jeden Abend darf er erst für drei Minuten in die Mikrowelle und dann für die dunklen Stunden mit unter meine Bettdecke. Weil mir seit Berlin immer so kalt ist.

Mehr Kindsein erlaube ich mir nicht. Nicht mehr.
Und warum?

(16.09.2013)


RE: Literarisches Tagebuch - LadydesBlauenMondes - 18-09-2013

18.09.2013

Diamantengeglitzer auf Fensterglas.
Wolkengrau am Horizont.
Papierfetzenduft in der Luft,
von Kaffeeduft umwabert.

Herbsthauch gefühlt,
regennasse Welt,
Blätterbunte Bäume,
von Licht gebrochen


RE: Literarisches Tagebuch - Jan95 - 18-09-2013

19.09.2013

Aus meiner Erinnerung

Laute Stimmen drängen an mein Ohr, doch sie klingen fern, fernab von mir.
Ich sitze im selben Raum und doch bin ich weit weg, kriege nichts mit, nur Stimmen die vorbeifliegen wie ein Schwarm wilder Bienen.
Ich sitze da, kaum bemerkt von den anderen und doch bin ich da, da wie ich es schon immer war. Es ist nicht schlimm zu sein wie ich, doch das bemerkt man erst wenn man sich daran gewöhnt hat. Unsichtbar zu sein birgt gewisse Vorteile, denn wenn dich niemand bemerkt, will er auch nichts von dir.
Ich sitze also hier, die Arme dicht verschränkt, die Augen ins Leere gekehrt und denke an nichts, oder an das was anderen verborgen bleibt. Ich höre Stimmen, aufgeregtes Gekreische und die eindringlichen Worte eines Einzelnen. Doch all das lässt mich kalt, bleibt unberührt und zieht an mir vorbei wie die Zeit.
Nur Gedanken halten für die Ewigkeit.