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Literarisches Tagebuch - Druckversion

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RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 21-09-2013

September 1994.
St.Patricia, England. Nadeshda.

Die Überreste hatten etwas Beklemmendes an sich. Verlassen und vom Zahn der Zeit zernagt, dazu noch das dämmerige Licht der Kavernen. Sie saß auf der Schwelle zum inneren Heiligtum, an die eine Seite des Torbogens gelehnt und ließ den Blick über die Ecken und Kanten der Dunkelheit schweifen. Mit St Patricia und den vergessenen Heiligen im Rücken, die nun seit der Umsiedelung des Cobwebs wieder alleine in diesen Gefilden hausten. Unsichtbar, aber sie meinte sie zu spüren, als würden sie als Genii loci über sie als Besucherin wachen. Letztlich war sie ein häufiger Gast, mehr Asylant als Besucher, auf der Flucht vor den eigenen Fremdgedanken.
Der Steinbogen in ihrem Rücken drückte, sie seufzte. Setzte sich anders hin und stemmte einen Fuß gegen die andere Seite des Bogens. Ihre Finger spielten mit dem Hut, der nun zwischen ihren Knien lag. Die Zwieschatten legten geradezu zärtlich einen Schimmer auf die Sicherheitsnadeln, die darin befestigt waren, während ihr Zeigefinger eine besonders lange, lockere um die in den Stoff geschobene Achse drehte. Jedesmal, wenn sie sie nach unten drückte, erklang das metallische Geräusch, mit dem die Nadel auf eine ihrer Schwestern stieß. Der einzige Rhtythmus neben ihrem schalen Atmen. Ein bisschen Zeitlosigkeit schwebte vorbei, durch sie hindurch, benebelte ihre Gedanken. Irgendwann schnippte der Verschluss der langen Sicherheitsnadel, fast ohne dass sie es bemerkte.
Erst als ihre Finger begannen, die Nadel aus dem Hut zu ziehen wie ein Piercing aus der Unterlippe, verfing sich ihr Blick überhaupt an diesem Tun. Als die Nadelspitze zittrig in der Luft schwebte, hob sie die Hand vor die Augen und lehnte müde den Kopf gegen die Steine. Ihre unnachgiebige Härte tat auf eine merkwürdige Art und Weise gut, selbst wenn ihr Kreuz sich beschwerte und die Schultern von den Kanten malträtiert wurden. Es schien, als wären diese Unbequemlichkeiten der einzige Impuls, der in ihr leeres Innere drangen. Als wäre sie ein Dummy, in dem ab und zu Gedanken rumorten. Es schien eine nebensächliche Geste zu sein, mit der sie den ohnehin nur locker um ihren Körper geschlungenen Stoff der Strickjacke von ihrer Schulter rutschen ließ. Nicht einmal die Kühle dieses Ortes konnte sie wirklich erreichen, es war nur kühl, nicht kalt. Wieso fror sie nicht wenigstens?
Sie saß nicht lange so da, es hätte jedoch genauso gut eine kleine Ewigkeit sein können, in der sie ihren Blick über die Haut an ihrem Arm wandern ließ. Natürlich war sie nicht so glatt und porzellanfarben wie die Protagonistinnen in Romanzen oder den Manga-Mädchen, die das Internet eroberten. Etwas bläulich vielleicht, aus der Nähe fleckig wirkend, und man konnte die Struktur der Haut durchaus erahnen. Im Dämmerlicht waren die sanften Linien vom letzten Besuch kaum noch zu erkennen, wenn man nicht genau wusste, wo sie saßen. Wo der Ärmel die Haut wieder verdeckte, blitzte die weiße Ecke eines Pflasters unter dem Stoff hervor, säuberlich auf dem Arm platziert. Sie achtete nicht auf diese Spuren, denn sie brachten nichts mehr. Kein Blut, nicht ansatzweise Schmerz. Nicht einmal irgendein nennenswertes Gefühl, sie heilten so schnell.
Die Nadel noch zwischen den Fingern schob sie den Ärmelansatz ihres T-Shirts hoch und suchte sich sehr sorgfältig eine Stelle aus. Die metallische Spitze verblieb in die Luft getaucht und wurde schließlich wieder gesenkt, fand den Weg zurück auf den Hut. Wurde abgelegt. Die nun freie Hand fand kurzfristig Ersatz: Flasche und Etikett trotzten weiß gegen das angenehm gedämpfte Licht, ein rotvioletter Schatten und die blauen Flecken der Schrift verrieten, um was es sich handelte. Bedächtig zog sie die Plastikkappe vom Sprühkopf und schob wieder den T-Shirt-Stoff hoch, um die Stelle mit dem Mittel zu desinfizieren. Dann die Sicherheitsnadel.
Alleine dieser Begriff. Sicherheitsnadel. Sicherheit. Nadel.
Das Spray stand neben dem Hut, griffbereit. Als die Nadelspitze die Haut berührte, zuckte sie nicht zusammen. Es tat nicht weh. Die Spitze wanderte, spurlos. Mit mehr Druck gelang es ihr schließlich, ein Gefühl heraufzubeschwören - bis es an die Oberfläche drang, unwillig und rötlich, musste sie nachziehen. Einmal, zweimal, viele. Es tat immer noch nicht weh. Sie spürte kaum etwas, auch als ihre Finger tastend nach der frischen Linie tasteten, drückten, zerrten. Nur ein bisschen Blut, nur eine winzige Regung. Kaum eine Zungenspitze voll Schmerz, kaum ein Geschmack, als sie kostete.
Es tat nicht weh, als sie das Desinfektionsspray in die Wunde sprühte. Kein Brennen, gar nichts. Es war nur die Sinnlosigkeit, das Aufwachen eines Restes von Normalbürgerlichkeit, die sie dazu bewog, die Nadel wieder sinken zu lassen. Es hatte nichts gebracht, auch diesmal nicht.
Benetzt mit Tröpfchen des Desinfektionsmittels fand die Nadel ihre alten Löcher im Stoff des Hutes wieder. Willig ließ sie sich zurückschieben, als wäre nichts geschehen.
Sie fühlte sich auch so, als wäre nichts geschehen. Es reichte ein neues Pflaster, vorgeschnitten und nur ein bisschen zu klein, um alles zu verschleiern. Sie schob die kleine Sprühflasche zurück in ihre Tasche und ließ sich wieder gegen den Torbogen sinken.
Kein Schmerz, nur der leichte Geruch eines eigentlich geruchlosen Mittels. Sie tastete auf dem Pflaster herum, suchte. Kaum ein Gefühl.
Nur geschnitten, die Wahrheit. Eine ganz normale Strickjacke reichte, damit niemand fragen würde, selbst wenn sie es nicht darauf anlegte - nicht einmal ihr Vater. Nichts verstecken, und dennoch ... Wie zu müde ließ sie zu, dass ihr Kopf kraftlos auf ihre Schulter sank, geführt von Fugen zwischen altem Stein.
Ein kleiner Tod, und niemand bemerkte es.

EDIT (Gehört einfach dazu).


RE: Literarisches Tagebuch - lu - 25-09-2013

.


Wie mein Herz dich sucht.
Wir kämen auf Pfade
nah den
Sternenlichtern
und Wind wäre,
leise,
in den nachtgrauen Blättern
der Ebene.
Du wüsstest den Weg,
doch es ist deiner,
wortlos,
ich gehöre nicht hierher.
Ein dunkler
Gipfelhorizont;
du gehst nicht fort von hier.
Unter dem Mond
säße ich neben dir
auf Ascheerde,
wortlos,
ich gehöre nicht hierher.
Wie mein Herz dich sucht.

25.9.2013


.


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 10-10-2013

Ein Experiment. Der abgesetzte Refrain sowie zwei Zeilen im Text sind dem Titel „Jeanny“ (Part 1) des großartigen Sängers Falco entnommen. Und wohl immer noch nichts fürs Skriptorium, schade.


September 1994.
England, manchmal. Jeanny.

Leise Musik über die Kopfhörer, die schwarzen Polster speckig glänzend und teils schon aufgerissen. Regenklatschen auf dem feuchtem Bahnsteig, wie weit entfernt. Ein Reisender ruft, unverständlich hinter dem Takt. Doch mit dem Blick starr in den Herbstnebel verwandeln sich auch dieser in ein schwammig-feuchtes Netz, das nach ebenso verklebten Gedanken fischt. Sie schließt die Augen, ruckt mit dem Kopf. Schüttelt das Netz, sodass sie vorbeifallen. Zu durcheinander, um sie erkennen zu können. Rauschgrau hinter den Lidern. Ihre stummen Lippen folgen sklavisch den Zeilen, die sie immer weniger hört. Ein einsamer Lichtreflex aus der Außenwelt streicht über ihre geschlossenen Augen, hinter die sie Bilder zu beschwören versucht. Formel für Formel, Zeile für Zeile. Gedanke für Gedanke, tick-tack, und ein leichtes Jucken auf ihrem Handrücken; angeschwitzt unter dicken Armstulpen.
Bilder. Die Blumen zuhause, nieverblühend plastilin, und ein paar hingeschubste Teekerzen auf dem Küchentisch. Wandernde Bücherdünen in der Wüste der Unordnung. Verstreute Skizzen, und ein türkiser Kolibri im Farbmoment. Sockenhaufen, Staub und Normalität. Auf dem Nachttisch ein Taschenmesser, winzig und wacholdergrün lackiert.
Das Jucken mischt sich mit dem Wunsch, zu kratzen. Ein Blinzeln voll Bahnhof, hinter ihrem Rücken fährt ein Zug ein. Bewegung wie ein Sog, als ob es Wunsch wäre, zu treiben. Ein Uhrgedanke offenbart fast still stehende Zeit.
Bilder. Alterndes Chaos, um die Tastatur arrangiert. Über dem Schreibtisch hängend: ein Familienfoto. Alle lächeln, im Hintergrund das Grün hinter ihrem Elternhaus. Mama fragt, wie es ihr geht. Ob sie genug isst. Am Telefon, die Leitung knistert unangenehm. Das Lachen ihrer Freundin funkt dazwischen, die gespürte Wiedersehensfreude, bevor Kalenderblätter vom Sturm wild von der Wand gerissen werden. Zwischen ihrem rasenden Flug verschwimmen die Scherben zu einem Vielblitzen, dass sie wieder blinzeln will. Nicht blinzeln.
Ein Unterton in Unbehagen wächst zur atmenden Angst, juckend auf ihrer Hand, zuckend in ihrer Brust. Wispernd in ihrem Kopf. Ein Schatten schleicht über die Scherben, erstickt alles in Tinte. Neue
Bilder, gestochen scharf. Ein angedunkelter Bahnsteig. Eine kaum verständliche Durchsage gegen Regenklatschen, und nach und nach Schritte. Eine klare Kante, weiß von Farbe, dahinter die Schienen von feuchtem Glanz betupft. Ferse, Fußballen. Ferse, Fußballen. Ferse. Eine Tasche fällt unbeachtet auf den Boden, als der Schemen mit der runden Nase auftaucht. Fußballen. Sekundenfall, sanft kippender der Blick ohne den Willen dahinter. Den kleinen Fersenstoß nicht gewollt haben können, sich nur fragen, wie sanft Stahl sein will. Wie Traumge-

danken, aber sie schüttelt den Kopf. Uhrblick, mit tiefem Einatmen, kaum verronnene Minute, und widerwillig beschenkt von einem Moment fremder Häme, die sich in ihr Herz bohrt.
Fremd genug?

Jeanny, quit leaving on dreams,
Jeanny, life is that what it seems.

Vereinzelte Lichtecken, ab und zu verlöschend. Abendspuk vor gekippten Fenstern. Die Rolläden hochgezogen, damit Dunkelheit hinaussickern kann. Ein bisschen falsche Vertrautheit in wandernden Chatzeilen, bevor die Namen dahinter ergrauen. Danach die kühle Fensterscheibe im Rücken, einen Fuß gegen die Kommode gestemmt. Einer baumelt, vom Fensterbrett erhängt. Zwischen den Fingern schimmert das Telefondisplay, verstohlene Blicke, wie zufällig immer wieder aktiviert.

Such a lonely little girl

Ein Fenster doch aufgerissen, ihr dünnes Hemd spürt den Nachtwind nicht. Sie streckt die Nase hinaus, versucht vergeblich, die Frische zu riechen. Unter der schon aufgeschlagenen Decke sucht nur Kälte nach Schlaf.

In a cold, cold world

Ihre Blicke gleiten ziellos durchs Nichts, streifen zu oft das Display. Telefon stumm, eine letzte Erinnerung an „Geh nicht zu spät schlafen, ja?“, und ein Knistern.
Ein letztes Lichteck lässt Wacholdergrün glänzen.

There's someone who needs you

Ein Familienfoto verschwimmt mit der späten Stunde im Schwarz über dem Schreibtisch, ist trotzdem da. Ihre Finger streifen nur einen winzigen Gegenstand. Sie schließt die Augen, als ihr Puls stolpert.
„Jeanny, come, come on“, flüstert sie wie ein Mantra. Ihre Stimme hangelt sich an den Worten fort ins Lautlose.
Bilder dazu, Bilder. Der Park ihrer Kindheit, sommers mit Kinderlachen bestäubt. Sanft wogende Graufluten, die sich unter ihren Sohlen an den Steg kuscheln. Tanzende Sonnenflecke und Eistee, der über Eiswürfel schwappt in zuckrigem Schmutzbraun, mit jedem Stolpern rötlicher. Ein bisschen Wacholdergrün mit einem Schweizer Logo, das auf dem staubbeflusten Teppich landet, und ihre Knie geben nach. Nur wenig Druck, so wenig Druck, und sie braucht nur zu einzuschlafen, irgendwann. Ein Newsflash, wenn das Telefon klingelt und nicht mehr knistern wi-
ürde, sie sackt auf die Bettkante. Ein höhnisches Lachen in ihrem Hinterkopf, während ein Salzwasserfilm sich auf ihre Wangen bettet. Kraftlos stößt eine beinahe herrenlose Geste das Taschenmesser vom Nachttisch, sodass es stumpf in die Dunkelheit sackt. Der nächste Moment will es wieder finden, das runde Aufprallgeräusch verwandeln. Klare Linien, die glänzend aus dem Wacholdergrün hervorbrechen. Fremdbetrachtet, mit zittrigen Gedanken und alles wirbelt durcheinander, das Lachen, dieses Lachen verstummt nicht, schwillt an.
Das Datum des Newsflash, in die Höhe getrieben von gemiedener Menschlichkeit und trocknendem Blut. Ein schlechtes Gewissen hinter dem Knistern,
bitte Routine zu werden, und Sorge in Stille nicht und schließlich nur die Ahnung nein eine nicht einmal aufgebrochene Wohnungstür, zweitschlüsselgeschont, und – kissenersticktes Schreien
Sie werden dich nicht finden, niemand wird dich finden, du bist“, nur ein Wispern, „bei mir.

You're lost in the night,
Don't want to struggle and fight

Nach Nichtzeiten aufgeblickt, die Augen hitzeverquollen. Ein Herz, das nicht mehr weiß, in welche Richtung es zu Boden stolpern soll.
Über dem Schreibtisch: ein knisterndes Familienfoto, und darum herum ganz viel belauschte Stille. Und sie.
Noch da.

There's someone who needs you



RE: Literarisches Tagebuch - Eselfine - 12-10-2013

Ein ausgeartetes Interview mit einem Chara aus den "Federn" - nun ja.

Zwischenraum
ebenda, irgendwann zwischen 1978 und 2025

Dunkelheit, bevor sie die Augen öffnete. Halbdunkel, als von irgendwo her ein schmaler Streifen Licht durch ihre Träume zog und nach ihrer Hand griff, sie an die Oberfläche holte und ihr Leben einhauchte. Ein Leben, das sich fremdartig anfühlte, beinahe unwirklich. Ein Leben bestehend aus den Regentropfen, die dumpf gegen ihre Schläfen trommelten und sie aufweckten. Sie öffnete die Augen und verharrte im Nichts. Allein.

Auf einem Stuhl sitzt eine junge Frau und flechtet ihr rotblondes Haar zu einem Zopf. In ihrer Versunkenheit wirkt sie beinahe so, als würde sie dies seit Urzeiten tun - sitzen und einen Zopf flechten; als wäre sie ein nur zur Hälfte lebendiges Inventar. Über ihr Gesicht gleitet ein Lächeln, als sich in den Schatten hinter ihr etwas regt und ein leises Scharren zu hören ist.
„Komm herein“, murmelt sie in die anschließende Stille hinein und wieder bewegt sich der Schatten. Die Frau schlingt einen Haargummi um die Spitze des Zopfes und wirft ihn über ihre Schulter, dann dreht sie sich um, sieht in die Schatten hinein und runzelt die Stirn.
„Du kannst nicht hereinkommen, oder? Ich erinnere mich.“ Sie seufzt und erhebt sich, schiebt den Stuhl zur Seite und macht einen Schritt in die Dunkelheit. Hinter ihr wartet das Nichts. Allein.

Diese Stimme. Sie kannte diese Stimme, hatte sie oft genug gehört, wenn sie in die Zwischenräume getreten war, um herauszufinden, was die anderen planten. Hatte oft genug mit ihr diskutiert, wenn die anderen ihre Souveränität ausreizten, hatte sie oft genug niedergeschrien, wenn sie vorlaut wurde. Nachher war sie sich sicher gewesen, alles richtig gemacht zu haben, sie auf die richtige Art und Weise gebannt zu haben, doch immer waren die Zweifel geblieben: woher nahm sie das Recht, über die anderen zu bestimmen? Woher die Sicherheit, dass ihr eigener Weg der beste war? Woher die Selbstgefälligkeit, ohne ihre Beteiligung über ihr Leben zu entscheiden?
Und jetzt waren ihr die Entscheidungen aus der Hand genommen worden. Da raschelte es im Halbdunkel, bewegte sich etwas am Rande ihrer Wahrnehmung, erklang diese Stimme. Wieder, aber diesmal direkt an sie gerichtet. Offiziell.


Dunkelheit umschlingt sie und löst ihren Körper auf, nimmt ihr das Gefühl des Seins. Sie hat diese Erfahrung schon öfter gemacht, immer wenn sie den Rest überredet hatte, aufzubegehren, sich bemerkbar zu machen. Schon oft hat sie die Tür ihrer Wohnung verlassen, nicht ohne sich darauf wie auf eine lange Reise in ein unbekanntes Land vorzubereiten. In ihrer Vorstellung ist die Welt jenseits der Dunkelheit nicht anders. Zumindest nicht allzu sehr. Doch während mancher Begegnungen, in denen sie auf Unverständnis traf, in denen sie zurückgewiesen wurde, war ihr klar, dass sie sich täuschen musste.
Noch ein Schritt, dann kitzelt sie ein Lichtschein, lockt sie aus dem Nichts hervor. Ein weiteres Treffen, im gegenseitigen Einvernehmen. Offiziell.

Sie richtete sich auf, wischte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und wartete, bis sich ihre Augen an das schlechte Licht gewöhnten. In der Mitte stand ein Tisch, und wenn sie darüber hinwegblickte, gähnte sie das schwarze Loch einer Tür an. Sie musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass hinter ihr ebenfalls eine solche Tür war, eine Öffnung, die sie ausgespuckt hatte und es ihr nun nicht mehr gestattete, zu fliehen. Gegenüber von ihr löste sich der Umriss einer Frau aus der Türschwärze. Sie wusste, wer es war, auch ohne sie zu erkennen, ohne die Stimme ein weiteres Mal zu hören, um sich sicher zu sein. Zögernd machte sie eine Bewegung zu dem Tisch hin und kniff überrascht die Augen zusammen, als plötzlich Licht auf die Raummitte fiel. Auf den Tisch mit einem Wasserglas und einem leeren Blatt Papier.

Auf der anderen Seite drückt sich der Umriss eines Mädchens herum, beinahe als würde es einer Begegnung entgehen wollen. Wieder überzieht ein Lächeln ihr Gesicht, denn das Wissen, dass ihr Schweigen Eindruck hinterlassen hat, erheitert sie. Erheiterung ist ihr eine Zeit lang fremd gewesen, eine Zeit, in der sie ihre ständige Rebellion aufgegeben hat, aber nun ist sie sich sicher, dass sie sich alle getäuscht haben. Es gibt mehr als diese zwei Welten, um deren Existenz sie von Anfang an gewusst haben. Ihr Lächeln wird noch breiter, als sie das Zusammenzucken ihres Gegenübers sieht, als Licht auf den Tisch zwischen ihnen fällt. Auf den Tisch mit einem Wasserglas und einem leeren Blatt Papier.

Schweigen. Halbdunkel und atmende Stille. Abwarten und gegenseitiges Betrachten. Gemeinsam richten sie den Blick auf den Tisch, verfangen sich im Funkeln des Wasserglases und des blanken Weiß des Papiers.

„Verzeih mir“, wispert das Mädchen, und ihn ihrer Miene spiegeln sich Schuldbewusstsein und Trauer wider, „Verzeih mir, dass ich es dir noch schwerer gemacht habe.“
Die Frau lächelt weiter, schüttelt sacht den Kopf und deutet dann auf den Tisch. „Es ist lange her, seit du zum letzten Mal an uns gedacht hast. Und noch länger ist es her, dass du diese Entscheidung getroffen hast, die unser letztes Gespräch zunichte gemacht hat. Vielleicht nicht vollständig, aber zu großen Teilen.“ Ein dunkler Schatten, der seinen Arm von außerhalb des Lichtkreises ausstreckt, huscht über ihr Gesicht und zwingt sie zu einer Pause.
„Warum sind wir hier?“, führt sie dann das Gespräch fort, auch wenn sie langsam argwöhnt, dass es zu einem Monolog werden könnte. Das Mädchen spricht nie viel, wenn sie hier sind, es hört immer nur zu, bis es nicht mehr hören kann. Die Dunkelheit ist nicht die einzige Bedrohung im Umkreis dieses Tisches, auch die Taubheit ist es. Eine Taubheit, die sich anschleicht und ihre Beute mit einem kurzen Genickbiss tötet. Wie der Wind. Und die Amsel. Sie beißt die Zähne zusammen und verscheucht den Gedanken. „Willst du mich fragen, was ich über Merles Tod denke?“
Ihre Direktheit lässt das Mädchen erschauern, und sie weiß, dass sie richtig liegt. „Wir sind nur Figuren in den ‚Federn‘. In gewisser Weise real in unserer Welt, doch in deiner Welt nur lebendig in deiner Fantasie. Ein interessanter Sonderstatus, der uns unsterblich macht. Wir sterben vielleicht in der Geschichte, aber in dir bleiben wir erhalten, auch wenn unser Tod schon eine Weile zurück lag. Vielleicht sind wir doppelt. Einmal in der Geschichte, in der wir verletzbar und sterblich sind, Menschen, ob wir nun normal sind oder es nur sein wollen. Und dann dort, in den Räumen hinter dieser Tür auf deiner Seite, wo wir als Ideen wachsen, reifen und verankert bleiben, bis du uns vergisst. Wo wir jetzt sind? Dazwischen? Es ist ein eigenartiger Raum, findest du nicht? Nur dieser Tisch, das Wasserglas und ein Blatt Papier. Wozu?“
Das Mädchen zuckt mit den Schultern und verzieht den Mund zu einem gequälten Lächeln, als sei ihm bewusst geworden, dass es beinahe zu ernst wirkt. „Wozu auch?“, nimmt es schließlich den Faden auf, die Stimme kerzenhaft flackernd vor Widerstreben, „Wir haben uns hier getroffen, um eine Art Interview zu führen. Dieser Raum hat ein Eigenleben, es sei denn, jemand, von dem wir beide nichts wissen, nutzt ihn und gestaltet ihn für uns. Die Dunkelheit? Die Taubheit? Die Toten, die auf deiner Seite nicht mehr zugelassen und auf meiner nur körperlose Ideen sind? Ich weiß es nicht. Sicher werde ich es nie wissen. Aber wenn wir annehmen, dass etwas oder jemand diesen Raum für ein Interview vorbereitet hat, gibt es eine Aufteilung. Das Wasserglas ist für dich, auch wenn es leer ist; dieses Papier dort für mich, auch wenn der Stift fehlt. Du redest und ich schreibe. Ich stelle Fragen und du beantwortest sie. Ich habe Merle nicht mehr gesehen, seit sie gestorben ist – und es war ihr eigener Entschluss. Ihre Idee ist noch da, ja – aber sie selbst fehlt. Woher willst du wissen, dass ihr unsterblich seid?“
Das Lächeln der Frau verblasst, als der Ton des Mädchens energischer wird, sie mehr an die zahllosen Stunden der gewaltsamen Niederschlagung ihres Protests erinnert. Die Dunkelheit aus diesem Raum war damals in ihre Welt eingedrungen, erhellt nur vom bläulichen Flackern der Prophezeiung, der irregeleiteten Magie und beinahe hatten sie erwartet, von ihr verschlungen zu werden. Es war kein Vorfall der Geschichte gewesen, eher ein ungewolltes Freisetzen ähnlich dem, das sie verhindern konnte. Nur dass es nicht Merle gewesen war, sondern das Mädchen, voller Angst, die Kontrolle zu verlieren. Das war nicht ihr Plan gewesen, aber dennoch hatte es manchmal den Anschein gehabt, als ob. Doch sie hatten es überlebt. Waren stiller geworden, eins mit der Taubheit. Aber da.
„Erinnerst du dich an das jiddische Volkslied, das der Chemnitzer Chor beim Eröffnungskonzert in der Martinskirche Sindelfingen gesungen hat, „Mir lebn ejbik“? In der Kirche mit der Holzbohlendecke und der ungewöhnlichen Akustik? Ein Teil davon trifft auch auf uns zu. Du hast uns irgendwann mal erschaffen. Uns in deine Fantasie, die Geschichte und diesen Raum gesperrt. Mit Rhabarberkuchen und falschen Versprechungen gelockt und unterworfen. Uns getäuscht und benutzt und irgendwann unsere Rebellion niedergeschlagen. Als wir schwiegen, haben wir uns heimlich unser Mitspracherecht genommen, auch Fjóla, obwohl du es nicht glauben magst. Vielleicht haben diesen Raum doch unsere Toten eingeräumt. Vielleicht gehören diese Zwischenräume ihnen. Vielleicht stehen sie immer noch auf der Seite, die sie verlassen mussten und dieses Wasserglas ist leer, weil ich es am Ende unseres Gesprächs ausgetrunken habe. Vielleicht gibt es hier nur ein Blatt Papier und keinen Stift, weil du unser Stift bist. – Wir leben ewig. Wir sind da.

Dunkelheit, als sie die Augen öffnete. Einzelne Traumbilder huschten noch verschwommen über die Innenseite ihrer Lider, waren in unnatürlich grellen Farben gemalt und verzerrt. Ein Expressionismus ihrer wabernden Gedanken, aufgesaugt von der eindringenden Alltäglichkeit. Regen trommelte gegen die gesprenkelten Fensterscheiben und der Herbstwind brachte die Lichttropfen an den Wänden zum Schwanken. Müde hob sie den Kopf, drehte ihn, um einen Blick auf die Uhr zu erhaschen und setzte sich dann auf. Als sie nach dem Wasserglas auf dem Schreibtisch griff, um ihren Durst zu löschen, war es leer.

(12.10.2013)


RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 12-10-2013

Trin? Fine?

Echt stark, was ihr da geschrieben habt!
* Dreadnoughts musste das mal gesagt haben.

LGD.


RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 02-11-2013

'Es ist sehr speziell', hatte Libbi mal gesagt. 'Man zwängt sein Gegenüber in ein Gedankenkonstrukt hinein.'
Ich denke darüber nach, wie ich Dir das am Besten veranschaulichen kann.
Aber bist Du auch bereit dazu?
Versuch wir es.
Du, ich und das Bühnenbild, das denkbar einfach ist:
Ich sitze in einem Wagen. Fahrersitz. Innenausstattung schwarz. Alles schwarz.
Es hat etwas Beruhigendes. Etwas Beschützendes. Und es ist vorteilhaft: Nachts wird man vom Schwarz nicht abgelenkt und kann sich in Ruhe auf den Weg nach Hause konzentrieren. (Da draußen sind schließlich genug Idioten unterwegs, die ihren Führerschein bei Ebay ersteigert und den Wagen vom Schrottplatz geklaut haben.)
Jetzt stehe ich hier, an dieser unscheinbaren Ampel der belebten Kreuzung im Niemandsland des Verkehrskontrollwahns und warte auf das erlösende Grün. Ungeachtet des Nieselregens sind eine Menge Menschen unterwegs. Mit Einkaufstaschen. Ohne. Mit Zeit im Gepäck - und ohne.
Meine Finger trommeln auf dem Lenkrad im Takt zur Musik, die aus den Boxen dröhnt. Obwohl es eher ein knurrendes Donnern ist.
Zu Deiner Information: ich kann nicht wirklich singen, bewege nur die Lippen zum Text. Damit das aber nicht auffällt, habe ich den Volume-Regler auf 'Max' gestellt.
"And I would do anything for love."
Eine männliche, reife, knurrende und doch sensible donnernde Stimme.
"I'd run right into hell and back ..."
Die jüngere Frau im VW Up rechts neben mir schaut etwas angewidert herüber. Ich glaube kaum, dass sie mitsingen will, obwohl sie es könnte: die Scheiben meines Wagens sind komplett heruntergefahren und der Bass von Meat Loaf bringt die ihren zum Zittern.
Geil. Wie in alten Zeiten, oder? So wie damals.
Damals ...
... als im Erdgeschoss des Hauses links neben mir noch eine Videothek war. Damals, als CDs noch das Nonplusultra waren, und nicht die zarten Sticks mit ihren Gigabyte von Musik, für die wir niemals ein Wort übrig gehabt hätten. Lieder, die nur aus Refrains bestanden, die drittklassige Menschen ohne Talent vor sich hinträllern. Damals, als Hits noch bei Peters Pop-Show entstanden, und nicht bei Youtube durch I-like-it-Klicks.
Damals. Vergangen. Wie-lange-ist-das-her? ist als Frage irrelevant. Das, was als Stein im Magen aufblüht, ist die Schnelligkeit, mit der das Gestern hinweggefegt wurde.
Ich weiß, dass es müßig ist, darüber nachzudenken. Aber wir sind doch aus einem anderen Jahrhundert. Aus einem anderen Jahrtausend. Sollten wir das nicht bewahren?
Ich schaue auf das Geschäft, das mittlerweile dort heimisch geworden ist.
Gesundheit, weiße Zähne, strahlende Frauen mit blonden Haaren und blauen Augen auf den Werbeplakaten im Schaufenster. Wahlweise garniert mit einem ebenfalls der Retorte entsprungenem Mann oder einem Kind, dass mit seinen Kulleraugen so treuherzig zu mir hinüberschaut, dass selbst meinen kritischen Gedanken unwohl wird, bei all der Anprangerei.
"Will you raise me up and help me down?"
Die Stimme hat inzwischen gewechselt. Anstelle des männlichen Donnerns ist eine engelsgleiche Frauenstimme getreten. Und mit der Strophe kommen die Erinnerungen an das Video zurück. Das Video mit der Frau im weißen Kleid. Sitzend auf einem Sofa, das plötzlich zu schweben beginnt.
Ich weiß noch, wie ich das Lied rauf und runter gehört hatte. Stundenlang. Eine der ersten CDs, die sich in meinem Besitz befanden. (Die erste - sogenannte - Scheibe war übrigens Mylene Farmer mit Desenchantée.)
Ich hatte immer wieder auf Track-1 gedrückt. Immer wieder. Repeat gab es bei dem Phillips-CD-Spieler ja noch nicht. Ich habe gedrückt und geweint. Damals, vor zwanzig Jahren. In einem anderen Jahrtausend. Lauschend der Frau, während mein Herz innerlich das erste Mal verbrannte. Die erste große Liebe.
Weg. Ausgehaucht. Zerrissen. Zerfetzt. Trocken gelegt wie das Schiff von Kapitän Charon in der Wüste.
Die Gedanken entvölkert. Sinnentleert. Der Sand knirschte zwischen den Zähnen.
Totgeliebt.
Ich lasse das Lied noch einmal abspielen. Wieder das Heulen des Motorrades am Anfang. Wieder der knurrende Donner.
"I will do anything for love ..."
Zwanzig Jahre. Schrecklich,wenn einem eine solche Zahl vor Augen springt, oder?
20. Jahre. Her.
Wie oft lagen Du und ich am Boden? Wie oft haben wir geheult, Gott verflucht und uns gehen lassen? Wie oft sind wir beide besoffen vor Schmerz durch die Nächte gezogen, die uns mehr Schutz versprachen, als die Helligkeit am Tage?
Weißt Du noch, wie sinnlos das Leben war? Damals, nach der großen Liebe?
Das Haus ist immer noch in meinem Blickfeld, genau wie die gegenüberliegende Seite mit den restaurierten Häusern. (Restauriert bedeutet hier aber nicht, dass es sich um den Originalzustand von Anno-Dazumal handelt. Hauptsache alt, der Rest geht schweigend in den Keller und versteckt die Wahrheit.)
Du weißt ja, dass man manchmal, an bestimmten Punkten im Leben den Blick hat, der einem wie zufällig hinter den Augen vorbei rauscht. Der Blick, der Berge wandern lässt.
Das Erdgeschoss mit dem Gesundheitsscheiß wird plötzlich leer. Die Schaufensterscheiben werden erst schmutzig, dann blind. Die Restaurationen auf der anderen Seite verlieren den Glanz der frischen Farbe, dunkeln sich zurück ins Leben und werden ersetzt durch gläserne Fassaden. Irgendwann fahren keine Autos mehr vorbei, die Häupter der Ampeln welken plötzlich müde herunter. Gras sprießt durch aufgebrochene Löcher in der Fahrbahndecke hervor und bevölkern die entvölkerte Kreuzung.
Über mir rauschen am Himmel weiße Streifen vorbei. Auch wenn man es nicht genau sehen kann, dass es abstürzende Satelliten sind, die keiner mehr steuern kann - man wird das Aufschlagen irgendwo in den Ruinen der Innenstadt hören. Aber dann bin ich schon lange weg.
Sind wir alle weg.

"... and you know it's true and thats a fact, there'll never be a turning back."
Ein Blinzeln, und das Gesundheitsgeschäft ist wieder da. Begleitet vom weinenden Himmel im Heute, der ferne Morgen wie weggewischt. Das Gestern rückt sich wieder in den Mittelpunkt. Zwanzig Jahre alte Bilder von meinem achtzehnten Geburtstag.
Mit dem Mädchen, dass meine erste große Liebe werden sollte ...
Mein Herz sitzt wieder allein im Kino des Kopfes und schaut sich den alten Film an. Mit Wehmut in der Popcorntüte. Und dem Schmerz neben sich.
Weißt Du, immer wenn die Frau anfing zu singen, habe ich mir damals gewünscht, dass meine erste Liebe plötzlich auftaucht und sich neben mich setzt.
Und mit mir singt. Zusammen. Wie in dem Video.
Ja, es tut irgendwo immer noch weh, aber es zerreißt einen nicht mehr. Und man lebt weiter. In die nächsten zwanzig Jahre hinein.
"As long as the wheels are turning, as long as the fires are burning ..."
Die Haare werden ab-, und die Beschreibungen für entstehenden Wüsten auf dem Kopf zunehmen. Schwerfälligkeit wird sich hinzugesellen. Verbohrtheit. Verdruss. Schließlich das hohe Alter.
Dann das Aufgeben. Irgendwann. Das Warten auf die Erlösung. Und der Blick am letzten Geburtstag - wie wird Deiner aussehen?
"Entschuldigen Sie junger Mann!" Die jüngere Frau aus dem Up hat das Fenster heruntergekurbelt und ihr Gesicht schreibt gerade Bände voller Anklagen. "Können Sie freundlicherweise die Musik herunterdrehen?"
Ich schaue verwundert hinüber zu ihr.
Ganz schön dreist, denke ich mir und hätte ihr am liebsten den Satz entgegen geschleudert, dass ich heute Geburtstag habe. Dass ich machen und tun und lassen kann, was auch immer durch meinem Kopf aus einem anderen Jahrtausend geht!
Für eine Millisekunde erfriert die Welt im Standbild. Ihr Gesicht, dass wahrscheinlich noch nie ans Gestern gedacht hat. Ihre Züge, die Verbitterung ausstrahlen. Ihre Haare, die müde vor sich hin splissen. Sie, die junge Frau in dem kargen VW, indem das alles, was bei mir im alten BMW zur Serienausstattung gehört, nicht mehr zu finden ist.
Nicht nur zwischen meinem Wagen und dem Up liegen Jahre.
Aber wie Einstein schon sagte: Zeit ist relativ. Egal, ob bei Menschen oder Maschinen.
Ich sage nichts, als sie mir den Mittelfinger zeigt und wegfährt. Der Mittelfinger, der irgendwann an ihrer gealterten Hand unter Tonnen von Erde im Grab liegen wird. Irgendwann. In zig Jahren.
Alles relativ. Wichtig ist nur meine Frage an Dich:
Was wird bleiben, wenn alles geht?
Das höllische Rot der Ampel versinkt im hoffnungsvollen Grün. Ich lege den ersten Gang ein und fahre los. Irgendwo auf der Kreuzung, dem Gestern im Rückspiegel und dem fernen Morgen, der sich hinter den Regenwolken versteckt, weiß ich, dass das die falsche Frage war.
Die richtige ist:
Glaubst Du nicht auch, dass man sich wie ein 28-Jähriger fühlen kann, obwohl die Uhr des Kalenders schonungslos auf die 38 zeigt?


RE: Literarisches Tagebuch - LadydesBlauenMondes - 02-11-2013

Sorry, aber ich muss es einfach loswerden: Yeah, mein Lieblingslied! music Icon_cuinlove Mrgreen Hab ich schon tausend mal in meinem Föxchen mitgesungen.


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 16-11-2013

('Binne nich tot', schätze ich mal. Danke an D. für das Zitat, das ihm im Text vielleicht bekannt vorkommen könnte.)


November 2013.
Ein Café, Deutschland.

„Ich frage mich wirklich, wie wir auf dieses Thema gekommen sind“, sagte die junge Frau und strich nachdenklich über den Rand ihrer Kaffeetasse.
Ihre Tischnachbarin winkte ab. „Das ist doch egal“, antwortete diese ungeduldig. „Wichtig ist nur, wie es nachher aussieht.“
Damit fing sie sich einen Blick voller Skepsis ein, die sie mit einem enthusiastischen Lächeln übersah.
„Das Exzerpt.“ Sie kostete dieses Wort mit sichtlichem Genuss. „Das ist das einzige, was zählt. Wir können hier soviel belanglosen Blödsinn zwischendurch reden, wie wir lustig sind, denn nachher bleibt nur die Essenz übrig.“
„Belanglosen Blödsinn?“, wiederholte die erste Frau und zog die Augenbrauen in die Höhe. „Na, danke für die Anteilnahme.“
Konfrontiert mit so viel Unverständnis verdrehte die andere die Augen.
„Für die Welt“, präzisierte sie. „Für das Exzerpt. Ich höre dir ja gern zu, aber da interessiert es niemanden, dass deine Schlange Schnupfen hat. Richte ihr aber bitte gute Besserung von mir aus, ja?“
Etwas besänftigt nickte die erste und nahm dann einen Schluck Kaffee. Der Tassenpegel näherte sich, obwohl gerade erst von der Bedienung gebracht, bedrohlich dem Boden.
„Also“, fuhr die andere mit ihren Ausführungen fort. „Die Essenz. Da sitzen also eines Tages zwei Frauen in einem Café ...“
„An einem überraschenden letzten Herbsttag.“
Wieder winkte die Frau ab. „Ob Herbst oder nicht, das interessiert nachher keinen.“
„Und nur zwei Frauen? Du bist ziemlich herzlos, weißt du das?“ Seelenruhig nahm sie einen weiteren Schluck.
„Na schön. Da sitzen also zwei Freundinnen in einem Café – besser?“
„Besser“, sagte ihre Freundin. „Ich nehme an, Namen kommen in deinem Exzerpt auch nicht vor, richtig?“
„Stimmt. Wir sind kein Platon und kein Seneca. Tut mir Leid, Liebes.“ Bedauernd zuckte sie mit den Schultern. „Eigentlich ist nur wichtig, dass man uns da unterscheiden kann.“
Wieder ein Stirnrunzeln. „Dann ist 'die eine, die andere' vielleicht nicht die eleganteste Lösung. Und ständig 'sie' irritiert auf Dauer auch.“
Die andere hob augenverdrehend die Hände.
„Na schön, na schön.“ Unter dem skeptischen Blick ihrer Freundin strich sie sich über den etwas dilettantisch gefärbten, bordeauxroten Schopf. „Dann nach Haarfarben. Kurz und praktisch.“
Die Blonde verzog die Miene, als würde sie noch ein weniger schmeichelhaftes Adjektiv anfügen wollen, nippte aber stattdessen wieder an ihrer Tasse.
„Also: Zwei Freundinnen sitzen in einem Café –“ Eine kurze, prüfende Pause, ob noch ein Einwand kam, aber auf der anderen Seite des Tisches blieb es still. „– und reden über Gott und die Welt.“
Ein tiefes Seufzen folgte dem Punkt.
„Oh, bitte nicht“, widersprach die Blonde genervt. „Ich erinnere mich gut an unsere letzte Diskussion über Gott und ich könnte immer noch schwören, dass die Raumtemperatur währenddessen um mindestens zehn Grad gestiegen ist.“
Ihre Freundin ließ sich zurückfallen und zog einen Schmollmund.
„Man kann es dir auch einfach nicht Recht machen“, beklagte sie sich. „Aber irgendetwas muss es zwischen dem ganzen Rest ja noch geben, sonst wird das Exzerpt ja witzlos.“
Aber die Blonde blieb hart. „Such dir was anderes aus.“
Nachdem sie etwas umständlich die Tasse abgestellt hatte, winkte sie eine zufällig, aber passend vorbeilaufende Kellnerin zu sich, um eine weitere Runde Koffein zu bestellen. Als sie diese schließlich vor sich stehen hatte, hatte sich ihre Freundin gesammelt.
„Der Sinn des Lebens“, verkündete sie und sah streng über den Tisch.
„Zweiundvierzig“, antwortete die Blonde gelassen, aber als sie den Blick sah, lenkte sie mit einem Achselzucken ein. „Meine Güte, in Ordnung: der Sinn des Lebens. Auch wenn du dir da einen Klassiker ausgesucht hast, mit dem man entweder Tage und Wochen und gar keine Zeit verbringt. Aber nichts dazwischen.“
„Warum denn nicht?“ Die Rothaarige legte nachdenklich einen Finger an den Nasenflügel. „Muss es denn gleich etwas Großes sein? Ich meine, die Menschen verbringen die meiste Zeit damit, kleine Dinge zu tun. Einkaufen, etwas Musik hören, Hausaufgaben ...“
„Belanglosen Blödsinn reden?“
„Genau. Warum sollte der Sinn des Lebens das unberücksichtigt lassen?“
„Sollte es nicht der Sinn des ganzen Lebens sein? Das verlangt doch etwas Größeres. Sonst bleibt man nur so sitzen und tut nichts anderes als diese Dinge“, entgegnete ihre Freundin.
„Es gibt aber ziemlich viele davon. Träumen, ja, aber tun, nur sehr wenige. Aber der Sinn des Lebens ist für die Masse, jedenfalls auch.“ Sie malte mit dem Finger einen Kreis auf die Tischplatte. „Und wer sagt, dass es nicht in Wirklichkeit der Sinn des Lebens ist – zumindest für die meisten – kleine Dinge zu tun und nur ab und zu ein bisschen was darüber? Damit die Größeren es bleiben, meine ich. Stell dir vor, alle täten Großes, dann müssten die Größeren sich irgendwann so ins Zeug legen, dass sie viel bessere Voraussetzungen bräuchten als alle anderen.“
Die Blonde sah unzufrieden aus. „Das Kleine den Kleingeistern?“, fasste sie zusammen.
„Irgendwie schon. Sonst sticht ja keiner mehr heraus, so als Spitze der Menschengeschlechter.“
„Du wirst theatralisch. Aber ich ahne, worauf du hinauswillst – das Exzerpt der Geschichte.“
Die Rothaarige grinste. „Fraktal, nicht wahr?“
„Aber dann geht es doch bei unserem Gespräch“, ihre Freundin gestikulierte zwischen ihnen beiden hin und her, „auch nur darum, dass wir darum reden, weil wir sonst nicht über so etwas reden. Sondern übers Einkaufen, Musik Hören und“, sie kniff die Augen zusammen, „belanglose arme, kranke Schlangen, die sich nachts fürchterlich quälen.“
Das Grinsen der Rothaarigen geriet noch etwas breiter.
„Sitzen zwei Freundinnen in einem Café“, sagte sie genüsslich, „und reden über den Sinn des Lebens. Die Blonde glaubt, dass jeder zu Großem bestimmt ist.“
„Hm.“ Ihre Freundin lehnte sich nun auch zurück und strich wieder nachdenklich über den Rand ihrer Kaffeetasse. „Das habe ich so nicht gesagt. Das wäre auch ziemlich traurig, weil dann so viele ihren Lebenssinn nicht erreichen würden, aber trotzdem friedlich sterben. Also kann das auch nicht ganz hinkommen. Eher kann jeder Großes leisten. Jeder sollte danach streben, schätze ich, auf seine Art.“
Sie dachte noch einen Moment über diesen Gedankengang nach, bevor sie des gespannten Blickes gewahr wurde, der sie beim Denken verfolgt hatte.
„Ach richtig.“ Die Blonde seufzte. „Darum geht es ja gar nicht. Nur, dass wir darüber geredet haben.“
„Das habe ich so nicht gesagt“, richteten sich die eigenen Worte nun gegen sie. Die Rothaarige stützte das Kinn auf und lächelte versonnen. „Aber es ist ein interessanter Gedanke, findest du nicht? Denn überleg mal: Wenn wir nur darüber reden, damit wir darüber geredet haben, haben wir dann wirklich darüber geredet – oder haben wir gewissermaßen nur so getan?“
„Suchen wir eine Antwort, um eine Antwort zu suchen, oder damit wir ein Fazit für dein doofes Exzerpt haben?“, übersetzte die Blonde zynisch und ertränkte ein Seufzen in Kaffee.
Von der anderen Seite des Tisches kam ein leises Kichern.
„Zwei Freundinnen sitzen in einem Café“, sagte sie und ignorierte das genervte Stöhnen der Blonden. „Und reden über den Sinn des Lebens. Die Blonde glaubt, jeder müsse nach Großem streben, wie er es kann.“
Geräuschvoll stellte ihre Freundin die Tasse ab. „Und die Rothaarige, was glaubt die?“
„Und die Rothaarige glaubt, dass man keine Lebenssinn-Pauschale formulieren kann.“ Sie legte lächelnd den Kopf schief. „Sondern nur für jeden den seinen.“
„Der ihre beispielsweise“, die Blonde überbetonte die Formulierung, „bestand darin, jedes noch so harmlose Gespräch in eine nervige Endlos-Diskussion zu verwandeln.“
Die Rothaarige lachte. „Warum nicht? Damit kann ich leben – jetzt die Preisfrage: Warum bist du hier?“
Ihre Freundin verdrehte sie Augen. „Ja“, murmelte sie. „Das frage ich mich langsam auch.“
Es blieb einen Moment still zwischen den beiden Frauen, bis die Blonde schließlich dem immer noch erwartungsvoll auf sie gerichteten Blick nachgab.
„Ich“, sagte sie und ein wehmütiges Lächeln nippte an ihrer Tasse. „Ich bin nur auf diese Welt gekommen, um einen Kaffee zu trinken.“


RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 17-11-2013

Davor. Danach. Mittendrin.

Die letzte Zigarette vor dem Schlafen.
Allein in einer fremden, wunderschönen Wohnung. Nach der Lesung. Mit so vielen Worten, Gedanken und Gefühlen.
Worte, die im Kopf ihr Echo hinterlassen.
Gedanken, die in der Stille verharren.
Gefühle, die das Herz zerreißen.
Und mittendrin das Nichts, das alles vereint.

Ich bin angekommen. Im stillen Nichts.
Und finde den Weg aus diesen gedankenlosen Gefühlschaos nicht wieder ...

(16. November 2013, 23:43 Uhr)



RE: Literarisches Tagebuch - Eselfine - 23-12-2013

23.12.2013.

Zwischenraum

Atmende Stille und das sanfte Rascheln seiner Federn. Federn. Wieder und wieder flackern die Buchstaben des Wortes in ihrem Bewusstsein, erzittern mit dem Atmen der Stille und ersterben dann zischend unter den Wachstropfen der ersterbenden Kerze. Sie sieht auf, verfängt sich für einen unfassbar kurzen Moment der Ungewissheit in der umherziehenden Dunkelheit und erkennt dann die Umrisse, aus denen sich Gesichter schälen.
„Ihr“, stößt sie hervor, beinahe entsetzt oder schockiert von dem unangekündigten Besuch. Ihr begegnet zweifaches Lächeln, eine Hälfte spöttisch, die andere ehrlich amüsiert.
In diesem Raum ist man nicht lange allein, wispern die Schatten um sie herum, schlingen sich um den glühenden Docht und ersticken den letzten Rest der Flamme. Dunkelheit, mit einem Mal. Dunkelheit, in der die Türen des Raumes sich ausdehnen und seine Grenzen ins Ungefähre, Grenzenlose verschwimmen. Ihr Atem taumelt unter der Wucht der plötzlich verschmolzenen Welten. Insbesondere, wenn man das sein will. Stumm wehrt sie sich gegen diese Erkenntnis, doch das Atmen ihrer Besucher macht ihre Versuche schon im Ansatz zunichte. Atmende Stille und das Rascheln seiner –
„Ich habe keine Federn. Jedenfalls im Moment nicht.“ Seine Stimme hallt überraschend in dem kleinen Raum, aber in der vollkommenen Dunkelheit ist es auch möglich, dass er gewachsen ist und nun mehr umfasst, als sie sich vorstellen kann. Die Welt, in der sie lebt. Die Welt, in die sie ihre Ideen pflanzt und ihnen beim Wachsen zuschaut. Und die Welt, die dazwischen ist, die dahinter liegt, die sich in ihren Träumen bis ins Äußerste weitet und noch zum Zerreißen gespannt stabiler und damit realer ist als alles, was am Tage um sie herum geschieht. Zwischenraum.
„Nein“, ist alles, was ihr darauf einfällt, während ihre Gedanken abschweifen, hinstreben zu seinen Träumen, denen, die er verleugnet und deren Existenz er lange verbirgt. Auch vor ihr.
In einer Ecke des Raumes flackert nun wieder ein Licht auf, entspringt einem Funken und wächst einer Pflanze gleich in die Höhe, um sich in einem unmerklichen Windzug zu ducken und um sein schwaches Leben zu kämpfen. Der Raum nimmt wieder Konturen an, weiße Wände im Dämmerlicht, bewacht von gähnenden Löchern an zwei gegenüberliegenden Seiten. Schwaden ziehen heran, Nebel vielleicht oder Dunkelheit, genau kann sie es nicht erkennen. Doch sie sieht ihre Gegenüber, und das überraschend deutlich. Eine junge Frau, immer noch lächelnd, wissend diesmal, und die sich keine Mühe macht, ihre einmal geklärte Überlegenheit zu verbergen. Ein Mann, unwesentlich älter, der in ihrem Schatten steht und gleichzeitig einen eigenen, noch größeren wirft. Federn.

„Was wollt ihr?“, fragt sie mürrisch, das Mädchen an dem Schreibtisch, mit zerzausten Haaren und geröteten Wangen und dem kleinen, gelben Fleck am Kinn, ein Überbleibsel der letzten Wochen. Ihre Zunge sucht nach den Fäden, die da bis vor kurzem noch waren, sucht nach einer Beschäftigung, die ihr jede Antwort auf Rückfragen erspart.
„Wir?“, wieder breiten sich zwei Lächeln synchron auf zwei unterschiedlichen Gesichtern aus, die Reaktion wirkt beinahe eingeübt, trainiert und perfektioniert in jahrelanger Arbeit. Sechzehn Jahre hatten sie dafür Zeit. Ob sie lachen würden, wenn sie den Verdacht hören würden?
„Unsere Geschichte, so wie du es uns versprochen hast. Einen winzigen Teil davon, und unser Mitspracherecht.“ Das Mädchen seufzt und senkt den Kopf, schließt die Augen und genießt den kurzen Augenblick, in dem es sich vormachen kann, dass es träumt. Mitsprachrecht – ein großes Wort, eines, das in ihrer Gegenwart öfter fiel. Und diese Geschichte, die sie forderten …
„Ihr bekommt sie. Aber nicht heute, so weit ist sie noch nicht. Und auch nicht morgen, übermorgen oder nächste Woche. Nicht im nächsten Monat, nicht mal im nächsten Jahr. Vielleicht.“ Ihre Antwort ist schwammiger als sonst und der Mann und die Frau schütteln ihre Köpfe, wieder synchron.
„Dass wir sie eines Tages bekommen, wissen wir. Aber so, wie du es uns versprochen hast? Unseren Teil davon?“, beharrt der Mann auf dem Gesagten, setzt sich fest im Denken des Mädchens und wird eins mit dem flackernden Licht der Kerze, das in ihre Augen dringt.
„Mitspracherecht“, seufzt sie, „Ist es das? Werde ich deshalb nie fertig? Weil euer winziger Teil einen Prozent des Gesamten ausmacht, es aber umgekehrt sein müsste?“ Ihre Frage verhallt zwischen den Wänden und wird von den Türöffnungen aufgesogen wie von einem Schwamm. Atmende Stille und das Rascheln seiner Federn.
Wieder erstickt die Kerze in der Dunkelheit, wieder weitet sich der Raum ins Unermessliche. „Ist es so?“, fragt sie erneut in die Leere, doch dann leuchtet ihre Umgebung auf, erstrahlt im Glanz eines prächtig geschmückten Weihnachtsbaumes. Ihre Besucher sind verschwunden, so wie sie gekommen sind, doch in den roten, matten und glänzenden Kugeln erkennt sie die Handschrift der Frau, in den akkurat gesetzten Kerzen die des Mannes. Es ist unverkennbar ihr Weihnachtsbaum, so wie ihnen der Zwischenraum gehörte. Das Mädchen lächelt, als ihm der Duft von Lebkuchen und Grünkohl in die Nase steigt, folgt ihm zu den Schatten einer der Türen und dreht sich noch einmal um. Von der anderen Seite des Raumes, im Türrahmen stehend, schauen ihr ihre Ideen zu, versammelt und in festliche Kleidung gesteckt, alle beieinander, wie sie es nicht mehr gesehen hatte, seit ihre Geschichte ihren Lauf nahm.
Frohe Weihnachten, wispern der Baum, die Kerzen und die atmende Stille, frohe Weihnachten. Sie dreht sich um und verlässt den Raum, glücklicher nun als zuvor. Frohe Weihnachten.