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Literarisches Tagebuch - Druckversion

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RE: Literarisches Tagebuch - Porter - 01-01-2014

Jeden Tag beginnt ein neues Jahr
Jede Stunde beginnt ein neuer Tag
Wie es weitergeht?
Unendlich, was für eine Frag'
Jeden Moment, jeden Augenblick,
ändert sich dein Sein,
nur nach vorn - nie zurück.

Ist das nicht ein Glück?

Viel Glück im neuen Jahr - es beginnt ...

JETZT!!!


RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 24-01-2014

Manchmal gibt es so Momente im Leben.
Momente, die einem die Luft noch in der Lunge abschnüren.
Momente, in denen die innere Kälte alles um einen herum erfrieren lässt.
Momente, in denen das Herz für viel zu viele Augenblicke zu schlagen aufhört.
Momente, in denen der Schmerz einen fast zu zerreißen scheint.
Momente, die nicht nach dem nächsten Wimpernschlag vorbei sind, sondern sich endlos ausdehnen.
Momente, die keine Momente bleiben, sondern sich im Kopf festsetzen, das Denken blockieren und alles in dunklem Grau versinken lassen.
Momente, die sich ins Hirn und ins Herz brennen.
Momente, an deren Vergessen man lange arbeiten muss.
Momente eben, die es im Leben manchmal so gibt.

(Hamburg, 24. Januar 2014)

(den ganzen Artikel auf Schattenwege.net lesen ...)



RE: Literarisches Tagebuch - Reisbällchen - 28-01-2014

Seiten unter meinen Fingern,
ein Programm, voll mit Sätzen,
ein Stapel Papier neben mir.
Arbeit mit Manuskripten.
Nach und nach entfaltet sich
ein Buch mit seinen Kapiteln,
unter meinen einfügenden Händen.
Ich hatte Angst, es wäre schlimm.
Ich hatte Angst, entdeckt zu werden
als jemand der schreibt.
Ich war skeptisch, da es keine Romane sind,
die derzeit entstehen.
Doch ich habe eines eingesehen:
Die Lebendigkeit der Worte ist
auch hier immer noch präsent.
Sie war niemals abgeschwächt.
Und das hat mich überrascht.
Und trotzdem habe ich mich verraten.


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 25-02-2014

Wenn man unkonzentriert im Alltag sitzt, weil man an das denkt, was man zu Hause zurückgelassen hat.
Wenn man sich am Abend nur von dem Gedanken nach Hause getrieben wird, dort weiterzumachen, wo man morgens zwischen Daunen und Wärme aufhören musste, nachdem der Wecker klingelte.
Wenn man das bisschen Hunger vergisst und LPT im Hintergrund zu Rauschen verblasst.
Wenn man tatsächlich das Gefühl hat, ein bisschen voranzukommen.
Wenn es doch mal funktioniert.

Ich habe so lange nur halb begonnene Texttotgeburten zustande gebracht, dass ich fast vergessen habe, wie sehr ich es eigentlich liebe zu schreiben.

... Icon_cuinlove


RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 04-03-2014

Outlines

"Warum, so frage ich sie hier, warum ist es so schwer zu verstehen?"
Die Frage hallte aus dem Lichtkegel, in dem der Fragende stand, hinaus in die Dunkelheit. In das spärliche Zwielicht, indem man - wenn man ein zwei Minuten wartete - mehrere Menschen erkennen konnte, die im Hörsaal saßen.
Die Frage prallte auf die Gesichter, die abseits des Lichts gespenstisch gleich aussahen. Individuelle Merkmale, wie die Form der Nasen, der Haare, ihrer Länge und Farben, verschwammen abseits des Lichts in einer einheitlichen Masse aus bleichen Klecksen. Als hätte ein Maler auf einer schwarzen Leinwand dezent ein paar Pinseltupfer gesetzt. Völlig ausreichend für eine schweigende Masse, deren Aufgabe nur das Zuhören umfasste.
"Finden sie das etwa langweilig?", fragte der Mann, an dem im Gegensatz zu den Zuhörern jedes noch so kleine Detail klar zu erkennen war: Irgendwo zwischen 170 und 180 Zentimetern hatte sein Körper das Wachstum eingestellt, aber das war schon einige Jahre her. Auf dem Kopf spärliches Haar. Die Stirn in Falten. Die Haut wettergegerbt - sie hatte auch schon bessere Sommer gesehen.
Er stand zusammen mit einem Pult im Lichtkegel, wartete eine Sekunde - nur der Höflichkeit halber - dann schüttelte er seufzend den Kopf.
"Oder nehmen sie es einfach nur hin?"
Nichts, die Masse starrte ihn weiterhin von allen Sitzplätzen aus an und ersparte sich eine Antwort. Man konnte sehen, dass ihn das nicht zufrieden stellte. Seine Finger, die das Pult eben noch fest in der Hand hatten, begannen mit den Fingerkuppen auf das Holz zu tippen. Unter normalen Umständen wäre es außerhalb des Hörsaals im lauten Meer des Alltags untergegangen - doch hier war es so still, dass es wie Hammerschläge durch den Raum zog.
Er ließ das Pult los, wandte seinen schweigenden Mitmenschen den Rücken zu und wollte sich entfernen, doch das Licht ließ nicht von ihm ab. Es begleitete seine zwei Schritte, fuhr an der Hand hoch, als diese aus dem Abseits ein Stück Kreide nahm und sich damit einer grünen Tafel näherte.
"Ich versuche es jetzt mit ganz einfachen Bildern", murmelte der Mann und die Hand begann im Duett mit dem weißen Stück in seinen Fingern zu malen.
Zuerst ein kleines Quadrat, drumherum malte er ein größeres. Das Weiß der Linie wischte er aber links an einer Stelle und rechts an zwei Stellen mit dem Handrücken weg. Stattdessen zeichnete er an diesen Stellen die Linien weiter fort. Es sah aus, als würde man von einer Straße links in einen eckigen Kreisverkehr fahren, den man nur auf der anderen Seite oben und unten verlassen konnte.
"Das ist das Herz", sagte er und sein rechter Zeigefinger tippte auf das Innere des kleinen Quadrats. "Das war einmal sehr dicht bebaut. Häuser eng aneinander. Und in der rechten Hälfte der Dom, der übrigens immer noch dort steht. Heutzutage allerdings einsam und allein."
In die linke Gasse, die in den eckigen Kreisverkehr mündete, schrieb er das Wort 'Pregel'. Und in die Gassen auf der anderen Seite des Quadrats oben 'Neuer Pregel' und unten 'Alter Pregel'.
"Das ist der Fluss", erklärte er, dann zog er die Tafel ein Stück herunter und begann von oben einen großen zusammenhängenden Kreis um das eben Gezeichnete zu malen. Nur im Osten unterbrach er die Linie mehrmals. Beinahe sah es aus, wie ein alter Morsecode.
"Das ist der ehemalige Wall", erklärte er zur Tafel gewandt. "Aus diesem hat sich, wie beinahe in jeder anderen Stadt, ein Ring aus Straßen gebildet, die die Innenstadt umschließt."
Von der Zuschauertribüne hörte er ein verstehendes 'Ah!' und er nickte zufrieden.
"Ich sehe, sie können mir noch folgen." Sein Finger tippte auf die unterbrochene Linie im Osten. "Zugegeben, da klafft eine Lücke. Es war einmal geplant, diese mittels zweier Brücken zu schließen, damit man die Möglichkeit hatte, komplett um die Stadt herumzufahren."
Er seufzte.
"Aber daraus wurde dann nichts."
Sein Kopf schaute über die rechte Seite nach hinten und versuchte einige Gesichter zu erhaschen, aber es war zwecklos.
"Nicht einschlafen", murrte er. "Das hier ist schon schwer genug."
Von irgendwoher konnte er ein gelangweiltes 'Jaja' hören, was ihn nicht unbedingt erfreute.
"Das ist das Grundgerüst", sagte er und wandte sich wieder der Tafel zu. "Sehen sie es wie eine Uhr, denn mit diesem Vergleich kann man sich hier gut orientieren."
Er malte ganz oben eine 12, unten eine 6, links eine 9 und rechts gegenüber eine 3.
"Um das Ganze mit ein bisschen Leben zu füllen", sagte er und zeichnete ausgehend vom kleinen Quadrat zur 12 nach oben einen Punkt und rechts davon zwei senkrechte schmale Seen ein. "Der Punkt ist das Schloss, die Seen daneben der Schlossteich unten und der Oberteich ... oben. Logisch, oder?"
Er drehte sich um und klopfte sich die Kreide von den Händen.
"Das Grundgerüst, mehr nicht", meinte er. "Alles andere ist variabel. Straßennamen, verschwundene und neu hinzugekommene Gebäude, Brücken, etc."
Seine Augen weiteten sich erschrocken.
"Hab ich fast vergessen", murmelte er, drehte sich wieder um, nahm die Kreide und malte zwei weitere Punkte links des Rings ein. Der erste erschien zwischen 10 und 11 (gefolgt von dem Wort 'Nordbahnhof'), der andere bei 7 Uhr ('Hauptbahnhof').
"Wichtig zu wissen ist auch, dass das ganze Gebiet sehr nass ist."
Er verband beide Punkte mit einer anmutigen Kurve, die dem Ring folgte und den Pregel schnitt.
"Daher findet man nur eine Stelle, an der die Züge unterirdisch fahren." Er tippte auf einen unsichtbaren Punkt unterhalb des Nordbahnhofs. "Genau da. Auch heute noch."
Schweigen im Hörsaal.
Einige Münder konnten die Müdigkeit nicht länger im Zaume halten und gähnten sich in kalte Hände hinein.
"Fürs nächste Mal schicke ich es ihnen als Audiodatei, dann können sie es Zuhause nachmalen, okay?"
Keiner widersprach. Keiner bejahte es. Schläfrigkeit hielt den Saal fest im Griff.
"Also, sie werden sich bestimmt gefragt haben, warum diese Stadt?"
Er ging wieder zum Pult - nach einem kurzen prüfenden Blick zur Tafel - und versuchte die Gesichter hinter dem Lichtkegel zu erkennen. Doch die Individualität blieb immer noch verborgen.
"Fantasy spielt - meistens und sehr gerne - mit einer fremden Welt, die mit der unserigen nichts zu tun hat. Ich habe immer den Eindruck, dass es deswegen so erfolgreich ist, weil man sich an diese Orte hinfortträumen kann. Nichts, was uns alle in unserer Welt belastet, ist dort ein Thema. Insofern ist es eine Zuflucht, ein anderer Ort, der durch seine Andersartigkeit besticht."
Er wartete einen Moment, indem ihm aber niemand widersprechen wollte.
"Das hier ist so ähnlich - und auch wieder nicht", sagte er schließlich. "Eine Stadt, die es so nicht mehr gibt. Fernab des Bundesgebietes. Mit einem eigenen Wortschatz und eigenem kulturellen Charme. Sie verstehen die Menschen dort, weil sie dieselbe Sprache sprechen. Und sie verstehen sie auch wieder nicht, wenn sie lesen, dass man gerne in der Mittagspause Flecksuppe gegessen hat."
Er lächelte.
"Selbst die Autos sehen gleich aus, genau wie hier - und doch sind es keine VW's, Audis, BMWs mit Kfz-Kennzeichen, die sie schonmal irgendwo gesehen haben. Anstelle dessen haben sie den Wanderer Golf, Horch-A3's, EMWs. Und mit dem Kennzeichen KP."
Er breitete die Arme aus.
"Viel leichter, als eine akribisch ausgearbeitete Fantasywelt."
Er seufzte.
"Was, so frage ich sie nochmals, ist daran also so schwer zu verstehen?"

Icon_ugly


RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 07-03-2014

[Im Gras des wachsenden Nichts]

Irgendwer im Jobcenter
vor dem Tisch
am Fenster.


"Das glaub ich nicht!",
sagt sie.
Was soll ich denn jetzt machen?"
"Es gibt nichts mehr!",
sagt er.
"Sie brauchen nicht zu hoffen."
(Ihr verschreckter Blick.
Unter der Oberfläche,
ringen nach Luft
.
Dann Drohungen
im ausgestreckten Finger.)

"Ich bin nicht irgendwer ..."
Ihr Satz bleibt offen.

Irgendwann Zuhause
im Spiegel
neben der Brause.


Sein Kopf - ein uferloser Horizont.
Die Haare gefangen,
zwischen schlampig und verträumt.

"Du gabst mir keine Hand
für dieses Leben.
Ahnung und Wissen
bleiben fremd!"
(Anklagende Überlegungen,
unbekannte Sehnsucht,
im Meer der Gedanken.
Herbstbilder.
Fliehen vor der Welt -
unmöglich.)

Und der Augenblick gerann zu Kristall.

Irgendwie vor dem Computer
Toter Kopf.
Blinkender Router.


Sterne ragen spitz / aus der Nacht
ins Forum hinein.
Draußen -
in den fiebrigen Lichtern der Stadt
trägt ein Taxi die letzten Lieder heim.
"Freiheit kann man ausatmen",
murmelt er, reibt sich die Augen.
"Wenn ab und zu die Zeit anhält."


Irgendwo im Schlafgemach
Dösender Blick zur Decke.
Kurz danach ...


...
(Träume / vom Scheitern
vergangener Tage.)

...

Stiller Friede
Ohne Worte.

Icon_ugly


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 10-03-2014

(6.09.1969 - London, Großbritannien.)

Es war ein Septembertag, den niemand als solchen weiter beachtete. Restsommerwärme zog träge vor den Scheiben des Londoner Eiscafés vorbei, das Wetter wehrte sich noch hartnäckig gegen das langsam zur Neige kippende Jahr. Innen quasselte eine junge Dame munter mit ihrer Freundin und wusste noch nicht, dass sie gleich eingeladen werden würde. Dass ihr der spendable Herr befremdlich, gar etwas gruselig vorkommen würde. Dass sie ihn in vier Jahren, einem Monat und zehn Tagen heiraten würde.
Zwei andere Gäste wussten das, irgendwo im Hinterkopf, aber es war ihnen in dem Moment gleich. Sie stierten sich über ihren Tisch hinweg finster an und rührten sich kaum. Zwischen ihnen standen eine bauchige Tasse und dazu zwei Flaschen, die hier eigentlich nicht heimisch waren, aber niemand achtete auf das zweiköpfige, fremde Logo oder den Stadtnamen darunter.
"Wer bist du?" Gerunzelte Stirn, umrahmt von blonden Haarsträhnen, verworren wie zerkochte Spagetti.
Auf der anderen Seite ein Schnauben, ansonsten gefrorene Falten in einer verwaschen grünen Jacke.
"Ich bin ich, und das Ich ist du." Eine knappe Bewegung ließ einen Schriftzug auf der Jacke unleserlich werden, einen anderen lesbar. Unbeachtet. "Aber du, du bist es nicht."
Einen eisigen Augenblick lang: Schweigen.
"Okay. Aber was macht sie dann hier?"
Die dritte blinzelte sich aus einem glücklichen Nichts zurück in ihre Wirklichkeit.
"Ich, ähm ..." Sie hob mit einem schiefen Lächeln ihre Tasse. "... Kaffee trinken?"

(Wer es sieht: Ja, im Englischen stünde da natürlich "Teatime".)


RE: Literarisches Tagebuch - Porter - 11-03-2014

Bin ich wirklich hier? Bei dir?
Kannst du mich fühlen? Spürst du mich?
Ich sehe dich durch eine Milchglasscheibe, eine, durch die ich greifen kann. Aber
ich spüre dich nicht.
Ich erinnere mich, wie es einmal war, kann es nicht
fassen, dass ich mich nur
noch daran erinnern kann.

Kann das Glas Wasser, das dem Dürstenden
gereicht wird,
den Durst stillen?
Oder deinen, welchen auch immer?

Umarme mich, damit ich sicher
sein kann.


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 09-04-2014

Manchmal bin ich müde.
So müde, dass ich mein Leben gern in eine Keksdose legen würde, und damit ginge ich dann zu jemandem, der es wirklich brauchen könnte. Einem Krebspatienten vielleicht, der viel, viel zu jung dem Tod ins Auge blickt; und ich würde sagen: "Hier, nimm! Mach damit all die coolen Dinge, von denen du gesagt hast, du würdest sie tun, wenn du könntest. Ich werde mich einfach schlafen legen."
Vielleicht würde dieser Mensch aufstehen und die Welt verändern, wie ich es niemals könnte.
(3.04.2014)

Im Kopf unendlich oft geschrieben, in Gedanken alles wieder gelöscht, habe ich der Schuld vorgebeugt, indem ich es nie in Worte umsetzte, und mir dennoch nicht vergeben. Denn auch stumm schreie ich mir noch viel zu laut.
(8.04.2014)


RE: Literarisches Tagebuch - LaFleur - 22-04-2014

Der Sand ist kühl unter meinen Fußsohlen,
Der Wind ist rau und wild.
Ungezähmt.

Die Sonne erwärmt die Welt,
Ihre Strahlen kitzeln.
Wach auf.

Wenn Augenblicke ewig dauern,
Und die Zeit stillsteht,
Frieden.