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Literarisches Tagebuch - Druckversion

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RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 23-07-2014

broken words.
broken heart.
broken soul.

- cut me into pieces -
- and make me whole again ...

~22.07.2014~

Bei manchen Schülern frage ich mich wirklich, ob sie Zuhause beigebracht bekommen, was Respekt, Anstand und Achtsamkeit bedeuten.
Oder ob sie ihre Angst und ihr Verstehen einfach aus "Coolness"-Gründen hinter einer undurchdringlichen Maske verstecken zu müssen glauben.


RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 25-07-2014

Der letzte Abend mit Lilly und Oliver war viel zu kurz.

Sanft umspült vom leisen Rauschen der Worte, mit denen sie ihre Geschichte erzählt, zaghaft mitgerissen von den musikalischen Zwischenspielen, mit denen sie ihr Dasein unterstreichen, festgehalten und sicher verankert in der stillen Achtsamkeit und den warmen Augenblicken - ein stummes Verstehen und ein gemeinschaftliches Luftanhalten.

Eine Woche ging vorbei.
Viel zu schnell verrinnt die Zeit, wenn sie so wertvoll ist wie die zurückliegenden fünf Tage.

Nun heißt es wieder warten, der Abbruchstille hinterherlauschend, im Nachhall verharrend. In dem Wissen, dass nichts und niemand diese Erinnerungen aus unseren Köpfen und unseren Herzen jemals wieder löschen können wird.

Danke an dieses Leben.
An diese Zeit.
An diese Worte.
An diese Menschen.

One.

~25.07.2014~



RE: Literarisches Tagebuch - Eselfine - 26-07-2014

26.07.2014

Ein -
regennasses Flügelschlagen.
Getrocknete Kleckse schwarzer Endgültigkeit
in goldgelben Sonnenähren.

Lass mich -
ertrinken in tiefenatmender Stille, bevor
du mich mit Porreestangen erschlägst
oder
der lähmenden Eile.

Lass mich -
verglühen im blauen Funkenflug, bevor
du mich mit Handtüchern erstickst
oder
dem dunkel schweigenden Lärm.

Nachher trinken wir die Einsamkeit
aus Goldrandtassen.


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 27-07-2014

(26. Juli/ 27. Juli)

Die Funkenstille schlägt
Löcher in die Decke, (auf) mich zurück
und treibt
junges Gemüse in die Ecken.

Ich seh' mich doch,
das Küken,
an einem Tisch mit Siezen (Duzen?)
und Verwirrung vielfach
untergraben von unerwartetem Qualm.

Aber ich sitz' doch
hier
und schwitz' nicht mehr
vor Angst, nur Sommerhitze, der ganz
normale Einsamssinn.

Es ist
ein bisschen Sonntag, heute, nur ein wenig
nach-denklich



RE: Literarisches Tagebuch - Glutamat - 02-08-2014

Ohje. Ohje. Ojemine!
Heut' ist Samstag.
Mein Zahn tut weh...
Icon_igitt


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 14-08-2014

In einem Boot
14. August 2014

Rauch benetzte meine Sicht und ab und zu fiel etwas Asche in den kleinen Blumentopf. Die kümmerlichen Reste darin sahen allerdings eh schon aus wie das Pflanzenäquivalent eines Kettenrauchers, Marke zwanzig Schachtel am Tag, also duldete ich es.
"Du weißt, dass man Lungenkrebs davon kriegt", murmelte ich trotzdem, den Kopf zwischen den Händen, und starrte sich an dem Schal fest, der vor ihr auf dem Tisch lag.
"Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern", stellte sie fest, "wann ich das letzte Mal erwartet habe, irgendwann alt zu werden."
Kurz fragte ich mich, ob ich das überhaupt von mir erwartete, dann verdrängte ich den Gedanken. "AS?"
Aber Trisha verdrehte nur die Augen und nahm schweigend einen weiteren Zug. Die Schachtel, die neben dem Wasserglas stand, war noch unzerknittert, erst frisch angebrochen.
"Warum fängst du überhaupt wieder an?", fragte ich. Irgendwie wollte ich die Stille nicht ertragen, die ich von ihr hätte gewohnt sein müssen; die ich momentan Astrids haltlosem Mundwerk vorzog.
Als Trisha die Augenbraue hochzog und mir über den Küchentisch einen Blick zuwarf, dessen Spott deutlich verriet, wo sie ihn sich abgeguckt hatte, hätte ich allerdings vielleicht lieber Meché bei mir gehabt. So gern diese auch spitze Bemerkungen abgab, sie hatte immerhin einen Hang dazu, sich um Dinge zu kümmern. Dinge wie Mitbewohner.
"Lass das." Ich wand mich. "Guck nicht so, ich hasse das."
Sie ließ sich in ihrem Stuhl zurücksinken. "Ach ja?"
"Schon gut, vergiss, dass ich gefragt habe."
Ich seufzte und ließ den Kopf auf die Tischplatte sinken. Der Wollschal kratzte an meiner Stirn, meinem Nasenrücken, und die Farben verschwammen direkt vor meinen Augen zu einem blinzelnden Wimperngrau. Einen Moment lang hörte ich nur ihr tiefes Atmen, ob sie inhalierte oder seufzte vermochte ich nicht zu sagen. Schließlich beugte sie sich vor, drückte die Zigarette neben dem jetzt vermutlich nikotinsüchtigen Pflanzenwrack aus und stützte die Ellenbogen auf den Tisch, der ein wenig wackelte. Das Stück Pizzaschachtel, das Astrid unter das zu kurz geratene Bein geklemmt hatte, erwies sich als unzureichend, aber noch hatte es niemanden genug gestört als dass er es geändert hätte.
"Hör auf zu heulen", sagte Trisha ruhig.
"Ich weiß doch, wo du den Text gelernt hast", nuschelte ich in den Schal.
"Und dennoch begreifst du es immer noch nicht ganz."
Plötzlich spürte ich ihre Hand auf meinem Kopf, als sie mein Haar pattete. Irritiert stützte ich mich auf den Tisch auf und blinzelte sie an, doch sie schob schon seelenruhig ihren Stuhl zurück.
"Du bist frustriert", stellte sie im Aufstehen fest. "Und genervt und fertig. Du solltest auch diejenige sein, die sich dafür den Lungenkrebs einfängt." Und damit schob sie mir die fast volle Schachtel Zigaretten über den Tisch und griff nach ihrer Strickjacke, die über ihrer Stuhllehne lag.
"Aber ..."
Trisha warf mir einen seltsamen Blick zu, diesmal ohne Spott, aber musternd. Vielleicht ein bisschen milde.
"Irgendetwas wird dich schon aufraffen, oder?"
Immer noch verwirrt von ihrem Stimmungsumschwung blickte ich herum und sah auf den Schal vor mir herab. Die scharlachrote Farbe und die knallig orangen Fussel hoben sich von der ausgebleichten Tischplatte ab und schienen wie ein tanzendes Stillleben.
"Da ist ..." Ich strich darüber, wunderte mich einmal mehr darüber, wie kuschlig und weich das Strickwerk war, bis auf den aufgenähten Logopatch natürlich. "... dieses Spiel, auf das ich mich freue. Ich hab eine Karte ergattern können, ganz zufällig. Irgendetwas mit ... mit Schaf."
Ein schmales Lächeln erschien auf Trishas Gesicht, es wirkte überrascht.
"Interessant", stellte sie fest und schien kurz ins Nichts zu blicken. "Sehr interessant ..."


RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 30-08-2014

Ich weiß, dass Du das hier lesen wirst. Zwischen den Lacken, gefangen im Trott.
Unsere Seelen glichen Autos, die für einen kurzen Moment nebeneinander auf der Fernstraße in eine dunkle Zukunft fuhren. Gestern. Seite an Seite.

Wir beide sahen kein Licht. Wir beide sehen kein Licht. Doch Deine Tage sind schwärzer als meine. Auf dem Weg nach unten ist Deine Linie zackig und sprunghaft. Meine ist konstant und verhehlt nicht ihre abneigende Tendenz.

Du hast geredet. Ich habe zugehört. Du hast trockene Tränen in die Welt geboren. Ich habe sie aufgefangen und behütet, bis Du sie wieder an Dich genommen hast.

Die Zeit saß wortlos neben uns. Stundenlang. Ich habe geredet. Du hast zugehört. Was auch immer, wie auch immer: Du hast die Gabe, das Talent zu Schreiben. Warum tust Du es nicht? Ist es so schlimm? So schwer? Dieser eine Weg? Die Finger wieder tanzen zu lassen? Dem Geist die Freiheit zu geben, nach der es Dich dürstet?

Irgendwann bist Du entschwunden. Und ich stand unter dem Dach des Tages.
Fragend, ob der Sonnenuntergang Dich mitnimmt.

Ich hoffe nicht.

D.

Edit:
Später ist man schlauer, was manche Menschen betrifft. Zuerst ist da Mitgefühl, der Drang zu helfen, demjenigen die Welt wieder ein bisschen schmackhafter zu machen.
Dann schließt man die Person in sein Herz, lernt sie zu schätzen, freut sich auf Diskussionen. Man hilft sich gegenseitig aus dem Schwarzen Loch heraus.
Am Ende schüttelt die Person sich die Singularitäten ab, nickt einem noch kurz zu und verschwindet dann.
Grußlos. Wortlos.
127 Tage später.

D.


RE: Literarisches Tagebuch - slainte - 31-08-2014

ich traue mich nicht, zu schreiben, was ich denke. Ich möchte es nicht zerstören. Es hat mich zutiefst berührt, mich, die ich wahrscheinlich am wenigsten in Deinen Gedanken war, als Du diese Zeilen geschrieben hast.
Dennoch: Danke.


RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 04-09-2014

“Ich bin erwachsen geworden, irgendwann zwischen Rostock und heute, aber wirklich bewusst wird mir das erst in den letzten zwei Jahren. Ich genieße die schönen Seiten und setze mich auch mit den Dingen auseinander, die nicht so angenehm sind. Ich laufe nicht mehr weg, denn ich habe gelernt, dass die Vergangenheit und die Schatten von damals und heute einen immer wieder einholen werden, wenn man sich ihnen nicht stellt und ihnen mit festem Blick ins Gesicht sieht. Ganz egal, wie schnell man rennt und wie gut man sich versteckt. Ich stehe mit beiden Beinen fest auf dem Boden der Tatsachen und mitten im Leben. Es wäre schön, wenn Du langsam wieder ein Teil davon werden könntest.”

(03./04.09.2014 ~ den ganzen Artikel lesen ...)


RE: Literarisches Tagebuch - Glutamat - 07-09-2014

Das gesamte Gewicht der gefühlten Freiheit, es wird durch das Maß an vorhandener Begrenztheit bestimmt. Freiheit ist immer begrenzt. Erst mit Auflösung aller ihrer Begrenzungen, wandelt sich Freiheit in Grenzenlosigkeit.