Literatopia
Literarisches Tagebuch - Druckversion

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RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 08-09-2014

Astrid hört mich reinkommen und kommt angeschossen wie ein übereifriger Hund.
"Es ist keine Nervennahrung mehr übrig", komme ich der potentiellen Frage zuvor, während ich mir die Schuhe von den Füßen streife. Mit ausgestrecktem Arm versuche ich das Gleichgewicht zu halten, während ich die Tür zu meinem Zimmer aufstoße und meine Tasche hineinschwingen lasse. Die Extratasche kommt mit einen unsanften Plumpsen auf dem Flurboden auf und ich lasse erst einmal meine strapazierten Schultern kreisen.
"Na?", fragt Astrid und grinst wie ein Kind im Kreis.
Von der Treppe schaut Trisha vorsichtig hinunter, aber wenigstens sie hält sich zurück, scheint zu bemerken, wie ich mich fühle. Nicht dass ich einen Hehl daraus machen würde, doch an Astrid gehen unbedeutende Kleinigkeiten wie die Befindlichkeiten anderer Menschen meistens vorbei. Gewohnt energiegeladen hibbelt sie im Türrahmen ihres Zimmers herum, aus dem die chaotische Zettelwirtschaft beinahe hervorquillt, und wartet auf eine Reaktion.
"Nichts na", murmele ich und reibe mir die Augen, bevor ich in mein Zimmer gehe und dabei meine Tasche mit den Zehen hereinzuangeln versuche.
Die Schritte besockter Füße auf den hölzernen Treppenstufen folgen und aus den Augenwinkeln sehe ich, wie sich Trishas dunkler Haarschopf durch das Bild schiebt, als sie in den Flur in Richtung Küche verschwinden will.
"Tee", verkündet sie und ich weiß, dass sie die falschen Schlussfolgerungen gezogen hat. Aber die Aussicht auf eine schöne Tasse heißen Tee, für den ich nicht eine halbe Stunde hinter meinen Mitbewohnerinnen und Astrids Chaos anstehen muss, lässt mich sie nicht korrigieren.
Als auch Astrid ihren auffordernden Blick von mir nimmt, denke ich fast, ich wäre aus dem Schneider, doch sie hält mit ihrem Fuß meine Extratasche auf.
"Hey", protestiere ich müde, doch sie bückt sich schon danach, wobei ihr schmaler, blonder Zopf ihr über die Schulter tanzt.
"Es ist noch heil", stellt sie fest, als sie das dicke Buch daraus hervorzieht, und es klingt aus irgendeinem Grunde unzufrieden.
"Meins", murmele ich, aber ich mache nicht den Versuch, es ihr zu entringen. Soll sie sich damit austoben, ich drehe mich um und schlage - noch bevor sie von dem eigentlich äußerst nichtssagenden Titel und dem Inhalt, mit dem sie eh nichts anfangen kann, aufblicken kann - ihr die Tür vor der Nase zu. Mir milder Genugtuung im wirren Schädel lasse ich mich endlich - endlich! - auf mein Bett fallen. Obwohl noch so viel auf meiner Agenda steht und ich nächtelang vor schlechtem Gewissen wach lag, heute will ich nur noch die Augen zumachen. Ein bisschen an nichts denken. Einen Moment Ruhe finden.
Einer davon klopft an meine Tür.
"Mhm", murmele ich in mein Kissen, ob das überhaupt zu hören ist, weiß ich nicht, doch Trisha kommt trotzdem herein. In der Hand balanciert sie eine Tasse mit grünem Tee, der entspannt vor sich hin dampft, und sogar eine passende Untertasse verpasst bekommen hat. Etwas verlegen bringt Trisha ihn mir an den kleinen Couchtisch, den ich irgendwie in das Zimmer geklemmt habe, und stellt ihn ganz vorsichtig ab, als handele es sich um irgendeinen ätzenden Zaubertrank. Währenddessen rappele ich mich ganz unelegant auf und reibe mir die Augen.
"Danke", sage ich und lade sie mit einem vagen Winken ein, sich zu setzen. Sie beschlagnahmt meinen Schreibtischstuhl, an dessen Lehne ihre Finger nun verlegen streichen als wüsste sie nicht, was sie sonst mit ihnen tun sollte. Und sie schweigt, eine Eigenschaft, die nur allzu oft bis ins Gruselige gereichen kann, mir nun aber durchaus willkommen ist.
Ich atme seufzend aus und ziehe mit dem nächsten Atemzug den Duft des Tees in meine Nase. Ganz wie es die Tradition in diesem Haushalt vorschreibt, verbrenne ich mir am ersten Schluck die Zungenspitze, aber das macht mir nichts aus.
"Wunderbar", seufze ich und stelle die Tasse wieder ab. Eine kleine Pause tritt ein, dann nicke ich Trisha zu. "In der Tasche."
Sie antwortet nicht, sondern öffnet nur den Reißverschluss. Ich bemerke das Stirnrunzeln, mit dem sie kurz stutzt und dann mit spitzen Fingern das Flederkuschel hervorzieht und sich sorgsam auf den Schoß setzt, bevor sie sich wieder der Tasche widmet und die an den Rändern schon reichlich zerfledderte Mappe zu Tage fördert. Auf ihren fragenden Blick hin nicke ich nur, wieder mit der warm gewordenen Tasse zwischen den Fingerkuppen.
Trishas Miene wird ein kleines bisschen weicher, als sie den Skyline-Druck auf der Frontseite vom Gummiband befreit und die Mappe aufschlägt.
"Heißt das", sie blickt auf und schenkt mir ein kleines Lächeln, "was ich denke?"
"Denke schon." Ein erneuter heißer Schluck, aber der Tee tut gut.
Ganz behutsam ziehen Trishas bleiche Finger das Zertifikat hervor, sodass das durchs Fenster hereinfallende Licht auf das blütenweiße Papier fällt. Pechschwarzer Druck, frisch, spartanische Wortwahl.
"Astrid und Meché schulden mir was", stellt Trisha nüchtern fest und legt das Zeugnis wieder zurück, schließt die Mappe.
Ich merke zum ersten Mal seit meinem Heimkommen wirklich auf und sehe ihr zu, wie sie Mappe leichthin auf den Couchtisch schiebt.
"Was?"
Trisha lächelt milde, als würde sie einem naiven Kind erklären, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt.
"Wir haben gewettet", offenbart sie mir, als hätte ich mir das selbst denken können, und steht auf, um mein Zimmer wieder zu verlassen.
Ungläubig sehe ich zu ihr auf, während meine müden Gedanken versuchen, mich daran zu erinnern, dass ich immer noch eine heiße Teetasse in der Hand habe.
"Meché hat auf den zweiten Versuch gesetzt und Astrid ..." Trisha zuckt ungerührt mit den Achseln, bevor sie im Flur verschwindet. "Astrid hat gesagt, du würdest das Graecum gar nicht kriegen."


RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 10-09-2014

Manche Erfahrungen möchte man am liebsten in eine kleine Box packen und für immer konservieren, damit die Erinnerungen daran niemals verschwimmen.

Heute Teil von Lillys Lesung sein zu dürfen, nicht nur Zuschauer zu sein, sondern aktiv mitwirken zu dürfen, ist eine solche unbezahlbar wertvolle Erfahrung.

Was ich heute sehen, fühlen und erleben durfte, lässt sich nicht mit Worten beschreiben.


Meine erste Schullesung mit Lilly und Oliver werde ich nie vergessen. Schon vorher haben die beiden mein Leben bewegt, vervollständigt, bereichert. Doch der 06.09.2013 wird für immer in meinem Gedächtnis haften bleiben, in einer kleinen himmelblauen Box mit einer weißen Schleife, in die ich immer wieder reinschauen kann.

Es war das erste, und soweit ich weiß einzige, Mal, dass Oliver bei dem Part mit dem Kunstblut nicht wieder still auf der Bühne stand, nachdem Lilly seine Hand losließ, sondern stattdessen ins Publikum ging. Und Halt suchte. Bei mir. Er ergriff meine Hand und hielt mich fest, ich hielt ihn fest, mehrere Sekunden, und die Zeit schien still zu stehen.
Es war auch das erste Mal, dass ich anschließend aktiv ins Publikum gegangen bin, um ebenfalls Hände zu ergreifen und Lillys Botschaft weiter zu tragen. In warme Augen zu blicken. Und meine Dankbarkeit für all die Achtsamkeit zum Ausdruck zu bringen.

Ich denke oft an diese erste Schullesung, der ich beiwohnen durfte. Die erste von vielen, die noch folgen sollten und noch folgen werden. Es war ein Geschenk. Kein hässlich verpacktes, wie so viele andere Dinge in unserem Leben, dass viel zu viele Parallelen aufweist. Sondern ein wunderschönes, mit Bedacht ausgewählt.

Beauty. Faith. Courage.


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 14-09-2014

13.09.2014

Es war schon wieder spät, als ich heimkam, aber immerhin roch ich schon im Wohnungsflur, dass jemand ans Kochen gedacht hatte. Da es noch nicht nach gegrillter Steinkohle duftete, schloss ich Astrid aus, und es wehte auch kein grüner, hustenreizerregender Dunst durch den Flur, was wiederum ein Zeichen für Trisha am Herd gewesen wäre. Nachdem ich mich vorsichtiger als sonst von meinen Schuhen, deren Sohlen auf der Innenseite nur noch von Sicherheitsnadeln mit dem Rest zusammengehalten wurden, befreit und meine Tasche grob in Richtung Schreibtisch geschleift hatte, erwartete mich in der Küche eine doppelte Überraschung.
„Was macht ihr denn da?“, fragte ich nach einer Schrecksekunde, in der sich wenigstens Astrid herumgedreht hatte und fröhlich mit dem Kochlöffel winkte, während Trisha mir ihren dunkel beschopften Hinterkopf zeigte.
„Wonach sieht es denn aus?“, erkundigte sie sich und schnupperte vorsichtig an dem Dampf, der von den zwei Töpfen auf dem Herd aufstieg. Auf dem Ceranfeld waren auf den ersten Blick nicht genau identifizierbare Kleckse zu erkennen und ich trat beim Näherkommen auf etwas, das sich verdächtig nach einem abgebrochenen Stück Nudel anfühlte.
„Chaos“, murmelte ich zur Antwort und schielte an den beiden vorbei auf die Arbeitsflächen. Bis an die Spüle heran waren sie vollgestellt mit Konservendosen, Schälchen mit Artischockenherzen, Salami und Zwiebelwürfeln, und Besteck, das wahlweise provisorisch irgendwo angelehnt war oder gleich in verdächtigen Pfützen oder Klecksen auf der Platte klebte.
„Ich wusste, es würde dir gefallen.“ Astrid strahlte und wandte sich beschwingt wieder herum, wobei sie es sich nicht verkneifen konnte, den Löffel herumzuschwenken wie ein Dirigent auf LSD. „Meché ist doch weg, da haben wir uns zusammengetan.“
„Meché ist weg?“ Ich runzelte die Stirn und versuchte, mich an eine entsprechende Notiz auf unserer Pinnwand zu erinnern. „Spontan?“
Synchron sahen Astrid und Trisha auf und zuckten mit den Schultern.
„Peregrin war da und hat sie abgeholt“, berichtete Trisha, die sich die Haare zu einem langen, dicken Flechtzopf über den Rücken gelegt hatte. Ein ungewohnter Anblick bei uns daheim. „Nicht schick genug für ein Candlelight-Dinner, nicht casual genug für einen einfachen Abend, würde ich sagen.“
Astrid hatte in der Zwischenzeit den Deckel von einem der Töpfe genommen und malträtierte den Inhalt mit dem Kochlöffel. Es roch nach Tomatensoße, auch wenn die blutroten Spritzer an der Seite des Kühlschrankes mich schon früher auf die richtige Idee gebracht hatten.
Ich verkniff mir eine weitere Frage und ließ mich stattdessen müde auf das Sofa fallen, wobei die Tischkante mich besonders freundlich begrüßte.
„Au“, gab ich weinerlich von mir und sackte zur Seite.
Von Trisha kam ein skeptischer Blick, und vor dem Herd, mit der freundlich-grünen Schürze, die sie sich von meinem Haken genommen hatte, ergab es ein fast besorgt wirkendes Gesamtbild.
„Langer Tag, eh?“, wandte sie sich an Astrid. Plötzlich änderte sich auch etwas an ihrem Tonfall. „Sag mal, hast du deine Zimmertür auch zugemacht? Es … könnte ziehen.“
Von meiner halb liegenden Position aus konnte ich ihr Gesicht nicht erkennen, aber auch so meldete sich in meinem Schädel eine Art siebter Sinn, den sicher früher oder später jede Autorin mit solchen Mitbewohnern entwickelte – schon aus Selbsterhaltungsgründen. In diesem Moment hätte ich noch die Gelegenheit gehabt, ihn einfach zu ignorieren, naiv zu hoffen, dass die beiden nichts angestellt hatten und einmal in ihrem Leben wenigstens ein kleines bisschen um mich besorgt waren … Doch dafür schaltete Astrid nicht schnell genug.
„Klar“, verkündete sie selbstsicher. „Schon wegen dem – aua!“
Ich hörte Trisha seufzen, als sie ihre improvisierte Waffe – vielleicht den billigen, weißen Pfannenwender – wieder sinken ließ.
„Hätte sich viel hölzerner anhören müssen“, stellte sie nüchtern fest und warf mir einen Blick zu, als ich mich an der Tischkante in eine Position zog, von der ich misstrauisch auf das ungleiche Paar gucken konnte.
Einen Moment lang rang ich mit mir, während das leise Blubbern köchelnden Wassers die Stille für sich einnahm. Etwas in mir flehte mich geradezu an, nicht nachzufragen und es auf sich beruhen zu lassen. Meine Müdigkeit war sehr geneigt, dem zuzustimmen, aber die Vernunft gebot dem Einhalt. Alle Stimmen in meinem Kopf wussten noch sehr gut, in was für Farbe und Zustand ich das Bad vorgefunden hatte, als ich die Zeichen das letzte Mal ignoriert hatte. Und so, wie Astrid guckte, erinnerte sie sich auch gerade daran. Sie blickte einmal mit latenter Sorge in den Flur und konzentrierte sich danach auf die Notizen auf einem ihrer ewigen Zettel und schraubte an den Knöpfen des Ofens herum. Trisha indes tat mindestens sehr geschickt so, als wäre sie eigentlich gar nicht involviert, und weil ich genau wusste, wer sie zu zeitigen Geständnissen und Ehrlichkeit erzogen hatte, bekam sie einen Vertrauensvorschuss. Einen, den Astrid wiederum nicht hatte.
„Raus mit der Sprache“, sagte ich schließlich und hoffte, weniger kläglich als bestimmt zu klingen. Dabei starrte ich möglichst eindringlich aufs Astrids Rücken, während sie sich verlegen über den kurz geschnittenen Teil ihres Haares strubbelte und offenbar zu verdrängen versuchte, dass im Grunde nur sie gemeint sein konnte.
Trisha rollte mit den Augen. „Was soll sie dir im schlimmsten Fall tun? Für Hausarrest bist du ein bisschen zu alt.“
„Herzlichen Dank“, murmelte ich böse in ihre Richtung und konzentrierte mich wieder auf Astrid.
„Hattest du nicht mal überlegt, ehrenamtlich im Tierheim zu arbeiten?“, kam es unschuldig von dieser, was mich ein bisschen aus dem Konzept brachte.
„Ich hatte auch mal überlegt, dich kopfüber im Großen See zu ertränken.“ Ich schnaubte. „Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“
Der Ofen war so exakt eingestellt wie sicher noch nie zuvor bei Kochversuchen in diesem Haushalt, aber Astrid hatte immer noch diesen Blick drauf wie Hündchen, die man direkt neben dem von ihnen verschuldeten Chaos auffand, die letzten Kissendaunen noch zwischen den Lefzen.
„Astrid“, jammerte ich. „Mach den Mund auf, oder ich -“
Doch Trisha unterbrach mich mit einer Geste in Richtung Kücheneingang. Wo die Tür schon seit unserem Einzug fehlte, saß etwas, das mit Sicherheit nicht in eine Küche gehörte.
Etwas, das mich aus misstrauischen Augen anstarrte und aussah, als könne es sich nicht recht entscheiden, ob es lieber buckeln und fauchen sollte oder mir lieber direkt ins Gesicht springen.
„... was ist das?“, fragte ich scharf und richtete mich endlich wirklich auf. Auf den ersten Blick hätte man es vielleicht mit etwas Phantasie für eine zusammengekauerte, graue Katzen halten können, doch das Gesicht war nicht nur fein wie man es von Siam- oder Burmakatzen kannte, sondern geradezu menschlich, und die Fellzeichnungen sahen eher aus wie akkurate Kriegsbemalung. Außerdem passten, als es sich bewegte und dabei mehr entfaltete, die Armschwingen ganz und gar nicht ins Bild.
„Ein Dings.“ Astrid blinzelte mich gewinnend an. „Der arme Kerl ist unten herumgestreunt, herrenlos und verängstigt ...“
„So verängstigt sieht es gar nicht aus“, stellte ich fest, während mich das Wesen weiter anstarrte. Langsam klarten Erinnerungen, die ich für weniger arbeitsintensive Tage reserviert und verdrängt hatte, wieder auf und gaben das Bild der Kreatur frei.
„Astrid ...“
Das Lächeln auf ihrem Gesicht fror leicht schief ein, während Trisha ein tiefes Seufzen hören ließ.
„Jetzt gibt’s Ärger“, murmelte sie und zog sich ans Fenster zurück, raus aus der Schußlinie.
„Und es kommt noch härter!“ Ich sprang auf, eher entsetzt als wütend. „Hast du eine Ahnung, was du da angeschleppt hast?!“
„Kein Dings?“
„Das ist Munkus!“ Ich vergrub mein Gesicht in meinen Handflächen. „Dafür haben wir jetzt überhaupt keine Zeit, das ist eine Katastrophe, und eine ziemlich bissige noch dazu!“
Mit halb trotziger Miene fummelte Astrid an einem Pflaster, das ich zuvor kaum bemerkt hatte.
„Ach was“, murmelte sie, aber ich ließ sie nicht ausreden.
„Setz. Ihn. Raus!“
Sogar Munkus funkelte mich bösartig an, als ich einen Schritt auf ihn zumachte, und sein Schweif mit der graublauen Quaste daran schwang nervös hin und her.
„Ich kann ihn jetzt nicht brauchen!“ Anklagend deutete ich auf das Wesen. „Wenn der erst einmal richtig hier ist, wird er Norah anziehen, und dann kommt garantiert Lyknis ins Spiel– und wisst ihr, was das heißt? Das heißt, dass wir dann Pinky am Hals haben! Pinky! Nichtmal wenn du Bloomy in unser Wohnzimmer verpflanzen würdest, hättest du so viel Ärger zu erwarten!“
„Wir haben gar kein Wohnzimmer.“ Astrid runzelte die Stirn.
„Du“, ließ sich Trisha nüchtern vernehmen und sah mich dabei ungerührt an. Sie band die Schürze ab und ließ sie über einen Stuhl fallen. „Du hast sie dann am Hals. Sind schließlich nicht aus unseren Geschichten.“
Ich starrte sie fassungslos an.
Pinky!“
„Ja, ich hab schon -“
Pin-ky!“
Trisha seufzte. „Gut gemacht, Maroon, jetzt ist sie endgültig durchgedreht.“


RE: Literarisches Tagebuch - Glutamat - 22-09-2014

Das Lärmen der Stadt, es nervt mich. Ich blicke aus dem Fenster und sehe übernächtigte Kinder. Sie schreien sich an. Überall liegt Müll herum. Tauben mit verkrüppelten Füßen picken an alten Pommes Frites, die auf dem Boden herumliegen. Müde bin ich, so unglaublich müde. Ich mache mich auf den Weg, um mit der Stadtbahn nach Hause zu fahren. Immerhin wohne ich am Stadtrand. An der Haltestelle und in der Bahn starren die meisten Menschen gebannt auf ihre Smartphones. Andere haben Kopfhörer ihres MP3-Players aufgesetzt und nehmen ebenfalls kaum mehr aktiv am gemeinsamen Leben teil. So sitze ich auf meinem Platz und sehe zum Fenster hinaus. Ein sagenhaft mieser Alltag ist das, der nach Sonnenuntergang sogar üppig beleuchtet wird. Nach einer Weile sehe ich mir die Fahrgäste an. Ich stelle mir vor, wie aus den Mundwinkeln ihrer fast völlig regungslosen Gesichter der Speichel in Fäden herunterhängt und dabei manchmal auf die Kleidung tropft. Mit Erstaunen stelle ich fest, daß ich über diese Phantasie nicht lachen kann. Bei dem ganzen Lärm des Alltags, da sind die Menschen fast völlig still geworden. Erschütternd. Wir haben uns nichts mehr zu sagen?


RE: Literarisches Tagebuch - Eselfine - 23-09-2014

23.09.2014

Der Nebel atmet Eis.
Bald.
Das Herbstlaub fängt
Regentropfen
und sprüht Farbkleckse
in mein Gesicht.

Der Frost malt Blumen.
Bald.
Der Herbstwind jagt
Regentropfen
und zaubert nachts
Albträume in meinen Schlaf.

Der Winter ist vorbei.
Bald.
Das Herbstgras beugt
Regentropfen
und weist den Weg
versperrt für meine Füße.

Bald, bald
ist dies alles nur Geschichte.
Ende und Anfang.
Hexenkreise unter Birken.


Ein Wimpernschlag, um den Regentropfen aus dem Auge zu vertreiben.


RE: Literarisches Tagebuch - Glutamat - 03-10-2014

Heute ist Feiertag. Es ist also Erdanziehungskraft nachgeben und Quantenverschränkung angesagt... Icon_ugly


RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 19-10-2014

[Bild: thumb.php?src=http%3A%2F%2Fwww.schattenw....jpg&w=501]

Der Himmel ist um einen Stern reicher.
(unbekannt)

Mein liebstes Mirchen,

heute Morgen hast Du mich wie gwohnt mit einem herzzerreißenden Miauen angefleht, Dir und den anderen beiden Fellknäulen endlich etwas zu Fressen zu geben.
Mittags lagen wir gemeinsam auf der Couch und Du suchtest wie gewohnt meine Nähe, sodass ein entspanntes Lesen fast nicht möglich war.
Dein Schnurren und Deine Wärme an meinem Bauch spürend dämmerte ich irgendwann weg.
Ein anschließender Spaziergang sollte meinen müden Körper und Geist wieder aufwecken.
Doch als ich wieder nach Hause kam, fehlte im Begrüßungskomitee an der Tür Deine Stimme.
Und da wusste ich, dass Du Dich heute von mir verabschiedet hast.

Fast zehneinhalb Jahre hast Du mich begleitet, bist mit mir durch schwindelerregende Höhen und abgrunddunkle Tiefen gegangen. Doch nun muss ich Abschied nehmen und es gibt keine Worte dafür, wie sehr Dein Verlust mich schmerzt und wie sehr Du mir jetzt schon fehlst. Lukarius und Pauli werden ihr Möglichstes tun, um den Schmerz ein wenig zu lindern, doch auch sie suchen in den verborgensten Ecken nach Dir.

Ich weiß, dass Du ein glückliches Leben hattest und immer an meiner Seite gewesen wärst, ganz egal, was noch auf uns zugekommen wäre. Du warst mehr als nur ein Haustier oder ein Zeitvertreib, Du warst mein Seelentröster, meine Wärmflasche, meine Unterhalterin – hast Deinem Namen Samira alle Ehre und mein Leben an jedem einzelnen Tag heller und reicher gemacht.

Dein Sohn Tarabas hat Dich am Tor zum Katzenhimmel hoffentlich gebührend in Empfang genommen und Dir eine schöne Wolke in seiner Nähe reserviert. Lasst es euch gut gehen dort oben, ihr werdet immer bei mir sein.

Ich liebe Dich und werde Dich immer vermissen.

~19. Oktober 2014~


RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 19-10-2014

Mein aufrichtiges Beileid zu Deinem Verlust, Angel.

LGD.


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 19-10-2014

Liebe Angel, mein Beileid und mögest du mit deinen beiden anderen lieben Fellnasen Trost finden und mögen die Erinnerungen nie verwelken.


RE: Literarisches Tagebuch - Adsartha - 20-10-2014

Hallo Jess,
auch ich möchte Dir mein Beleid ausdrücken. Einziger Trost scheint nur zu sein, dass sie schnell und ohne Schmerzen diese Welt verließ.

Ich drück dich
Nicole