Literatopia
Literarisches Tagebuch - Druckversion

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RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 20-10-2014

Danke euch dreien.


RE: Literarisches Tagebuch - Glutamat - 20-10-2014

Ich bin von Zweifeln besessen.
Mein Geist kennt nur Stille und Sturm.
Das Leben reibt mich auf.
Ständiges Grübeln wird zur Last.
Die Verzweiflung hat sich an mir festgekrallt...


RE: Literarisches Tagebuch - Eselfine - 27-10-2014

27.10.2014
Zwischenraum

Die Dunkelheit war ein formloser Gegenstand.

Sie betritt den Raum durch die Tür, hinter der sie die Realität vermutet, dort, wo sie nicht hinkommen. Alles ist wie immer – der Tisch, der Stuhl, das Blatt Papier und das leere Wasserglas, die Nacht, die an ihren zerzausten, vom Waschen feuchten Haarspitzen knabbert, um das Nichtblondnichtbraun in Schwarz zu verwandeln. Der Dunkelheit anzugleichen.
Drüben, in dem Türrahmen, der zu ihnen führt, regt sich etwas. Das Mädchen spürt die Bewegung eher, als dass es sie sieht, aber auch so ahnt es, dass sie da waren. Sie waren immer da.
Du kannst herauskommen.
Ein Kichern in der Dunkelheit, das Rascheln von Laub. Irgendwo dort musste es Herbst sein. Wieder die Bewegung, dann wird es still.
Mit einem resignierten Seufzer lässt sie sich auf den Stuhl fallen, klemmt sich zwei, drei unordentliche Strähnen hinter ein Ohr und beugt sich über das Blatt, in den Lichtkegel der Schreibtischlampe. Dunkle Augenringe verdrängen die verblassenden Sommersprossen, malen Schatten in ein bleiches, überschlafenes Gesicht. Die aufgesprungenen Lippen bewegen sich kaum, als sie die nächsten Worte spricht.
„Wirklich. Ich weiß, dass du dort bist.“
Kichern, Laubrascheln, Schritte. Näherkommende Schritte.
Die Bewegung in der Tür.
Dann steht eine Gestalt vor ihr, ein schiefes Lächeln im rechten Mundwinkel, seltsam deutlich erkennbar in der Dunkelheit um sie herum. Dieselben unordentlichen, feuchten Haare, dieselben Ringe im Gesicht. Braune Augen mit grün-grauen Rändern, die ihren fragenden Blick mit einem spöttischen Grinsen zurückwerfen.
Ich werde verrückt.
Kopfschüttelnd schließt sie die Augen, lässt sich im Stuhl zurücksinken, spürt den verhaltenen Protest ihrer verspannten Nackenmuskulatur. Eine Erinnerung an zukünftige Termine. Die Gestalt, ihr Spiegelbild, gleich und doch so wenig synchron, holt aus und wirft Schatten auf das Papier, unregelmäßige Kleckse, die nach und nach zu Buchstaben verlaufen, erkennbar werden.
P.
Es ist die Flucht vor der Einsamkeit, die das Wunschdenken antreibt.
H.
So? Ich dachte, du würdest sie suchen.
I.
Habe ich auch. Bis das alles dazwischenkam.
L.
Wenn du diesen Gedanken einmal hattest, dann wirst du ihn nicht mehr los.
I.
Anna. Anna hat das gesagt.
P.
Was es nicht weniger wahr macht, oder?
P.
Aber ich hatte diesen Gedanken doch gar nicht. Nie. Jedenfalls nicht bewusst.
A.
Er ist trotzdem da. Lauert. Dort, in der Dunkelheit, diesem formlosen Gegenstand, an den deine Fingerspitzen stoßen, wenn du die Hand ausstreckst. Und deshalb auch die Angst vor dem, was du gesucht hast. In den Zweigen lauert die Einsamkeit.
Was weißt du schon?
Das Mädchen schlägt die Augen auf, starrt auf das Blatt, auf die Buchstaben. Das Wort starrt zurück.
PHILIPPA.
Und das bist du? Meine unbekannte Zwillingsschwester? Eine Eule, die nicht gern bei Regen fliegt? Pani Sowa?
Die Gestalt, das ungleiche Ebenbild, Philippa – lächelt, breiter noch als vorhin, beidseitig, mit den Augen sogar. Die Schatten vertiefen ihre Grübchen.
Du. Ich. Eins.
Die Nacht schlägt dunkelgebläut über ihr zusammen und verbirgt das fallende, taubeweinte Laubblatt, das dort zu Boden fällt, wo gerade eben noch Philippa gestanden hat.
Über das Blatt Papier auf dem Tisch wandern Flecken, verdichten sich zu Worten, erstarren. Różewicz, Bernsteinvogel.

Herbst
azurvogel
stirbt
von zweig zu zweig
fällt ein tropfen regen.



RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 03-11-2014

Frage, ohne Liturgie

Die angerichtete Erdschale im Blick
verlässt mich
vielbefahr'ner Zorn, in deinem Namen.
Wie weit reicht, o Herr, dein Wort?

(Voll Vertrauen ins eigene Geschick
fliegt irden
Cerebrums Sohn nach gegrab'nen Bahnen -)

Weit, weit über Landenteile gar bis
nach Pericardia,
des fühlenden Königs Reich?
Versperrrt bis zum Verfall der Welt.



RE: Literarisches Tagebuch - Der Weltenwanderer - 06-11-2014

Ist leider bis Sonntag nicht fertig geworden. Herzlichen Glückwunsch. W. (+ L. ein bisschen)


*** Dortmund 1985 ***

Drei Mal sanftes Schaben von Metall über Metall. Dann ein Zischen, gefolgt vom Gluckern gegossener Flüssigkeit.
D. nahm einen kräftigen Schluck Kaffee aus dem Deckel seiner Thermoskanne, bevor Er nach dem Foto griff, das auf dem Amaturenbrett lag. Seine Augenbrauen schoben sich zusammen, während der bärtige Mann das abgebildete Schaufenster betrachtete: Unter dem Schriftzug 'Fachgeschäft für Einkanalfernsehapparate' waren Flachbildschirme zu sehen.
Kurz spannten sich die Sehnen auf Seinem Handrücken, aber Er legt das Bild unbeschadet wieder zurück und wandte sich dem zerknitterten Zigarettenpäckchen zu. Das Feuerzeug brauchte mehrere Anläufe, bis es ein Flämmchen erzeugte.
Doch der Tabak brachte nicht die gewünschte Entspannung. D. beugte sich vor und Seine Finger trommelten auf dem großen Lenkrad, während Er aus seiner Seitenstraße heraus den echten Bücherbus im Auge behielt. Oder vielmehr den anderen Bücherbus – Er war nicht umsonst nach Flensburg gefahren. Das alte Dortmunder Kennzeichen (Do-2525) war zwar nicht mehr aufzutreiben gewesen, aber die Kopie, die er angefertigt hatte, brauchte auch keiner Polizeikontrolle standzuhalten.
D. fletschte die Zähne, die Zigarette im Mundwinkel.
„Hier bin ich. Ich bin ein Krieger des Lichts!“
Es musste jetzt jeden Augenblick so weit sein – Er warf einen Blick auf seine Uhr: 10:04.
Und da waren sie. Ein heller Mercedes schlich sich von hinten an den echten Bücherbus heran und spuckte auf der Beifahrerseite einen Mann in weißem Anzug mit dunkler Fliege und dunkler Sonnenbrille aus. Von seiner Position aus konnte D. nicht erkennen, was genau geschah, als der Mann die 'Autobücherei' betrat. Aber nur kurze Zeit später sprang der Bus an und verschwand aus dem Sichtfeld – gefolgt vom Mercedes.
D. zwang sich zu warten. Er zählte innerlich die Sekunden.
Dann weckte er sein eigenes Fahrzeug und das Ungetüm sprang knurrend und mit viel Vibration an.
„So alter Junge, heute darfst du ein letztes Mal Bücherei sein.“
Er ließ die Kupplung kommen und setzte seinen eigenen Bücherbus an die Stelle, die kurz zuvor von dessen Zwillingsbruder besetzt gewesen war.
„Ha! Damit habt ihr nicht gerechnet!“
Wieder gluckerte Kaffee in den Thermosbecher. Auch das Foto schien unverändert – doch wenn D. die Augen zusammen kniff, hatte er das Gefühl, den Schriftzug verschwimmen zu sehen.

Es dauerte nicht lange, bis die ersten Leseratten kamen. Kinder mit ihren Eltern oder ohne, eine adrett gekleidete junge Frau, ein schräger Typ mit dunkler Haut und vielen kleinen Zöpfen ... D. kramte ein ums andere Mal in der Kartei an der Theke und entließ Romane und anderes in die Freiheit des Tages. Der 'Aushilfsbibliothekar' verbrachte eine kurze Atempause auf dem Bürgersteig und genoss es, auf offener Straße zu rauchen, ohne auch nur schief angeguckt zu werden.
Doch Seine Unzufriedenheit wuchs mit jedem Blick auf das Foto. Hatte Er irgendetwas übersehen? Etwas falsch gemacht?
Plötzlich erstarrte Er – der Junge, der sich bei der Science-Fiction rumtrieb, war kein Unbekannter.
Wenn man genauer sein wollte, dann war er das absolute Gegenteil eines Unbekannten.
Zischend ließ D. seinen Atem entweichen.
Das Raum-Zeit-Kontinuum war jedenfalls weder zusammengebrochen noch sie beide in Ohnmacht gefallen.
Der Junge kam zur Theke mit einem Stapel Bücher im Arm, oben darauf ein Taschenbuch: 2001 – Odyssee im Weltraum.
Natürlich.
D. versuchte sich nichts anmerken zu lassen, während innerlich seine Gedanken rasten.
„Bist du sicher, dass das schon was für dich ist?“, fragte er schließlich vorsichtig.
Der Junge erwiderte seinen Blick mit festem Gesichtsausdruck, der allerdings etwas verwischte, als er den Bartträger genauer in Augenschein nahm.
„Sagen Sie mal, kenne ich Sie irgendwoher?“
„Gut möglich, dass du mich schonmal gesehen hast.“
Der Junge wirkte nicht, als sei er mit der Antwort zufrieden, also nahm Er dem Zehnjährigen die Bücher aus dem Arm.
„Als erstes brauchst du einen Ausweis.“
D. reichte dem Jungen Stift und Dokument, während Er sich möglichst unauffällig im Raum umsah. Es wurde Zeit, hier zu verschwinden – und die meisten Kunden waren schon gegangen. Lediglich der Rastamann lehnte noch an der Wand, ein aufgeschlagenes Buch in der Hand, dessen Titel D. nicht genau erkennen konnte. Irgendetwas mit Steinen und Stadt.
In diesem Moment sah der Fremde auf und zwinkerte D. mit einem breiten Grinsen zu.
„Ich würde Gas geben an deiner Stelle. Was Besseres als den Tod findest du überall!“
Misstrauisch beugte D. sich vor.
„Was-“
In diesem Augenblick schoss ein weißer Mercedes zur nahen Kreuzung und wurde gerade noch von einer roten Ampel und dem einsetzenden Querverkehr aufgehalten.
„Verdammt! Raus jetzt, Andre!“
D. schob den Jungen Richtung Eingang, eilte nach vorn und ließ sich auf den Fahrersitz fallen.
Widerwillig sprang der Motor an und heulte wütend auf, als D. Gas gab. Der Rückspiegel zeigte ihm den Mercedes, der mittlerweile wieder Fahrt aufgenommen hatte, aber auch der Bücherbus setzte sich nun in Bewegung. Schwerfällig zunächst, aber rasch schneller werdend – wie ein Felshang, der ins Rutschen geraten war.
Von rechts reichte ihm jemand eine bereits entzündete Zigarette, die er dankend annahm. Dann hätte er um ein Haar das Lenkrad verrissen und wäre in die parkenden Autos gekracht.
„Wer …?“
Der Rastamann hatte es sich auf den Einstiegsstufen bequem gemacht, mit dem Rücken zur Fahrtrichtung und den Armen hinterm Kopf verschränkt.
„... ich bin? Ich bin der Außendienstabgeordnete.“ Er kicherte.
Es grenzte fast an ein Wunder, dass das Klicken hinter D.s Stirn nicht im ganzen Bus zu hören war.
„Du bist … aber das kann nicht ...“
„Das musst du gerade sagen, Fürchtenichts.“
D. entschied, sich später um diesen Umstand zu kümmern, denn die Rückspiegel zeigten, dass der Mercedes aufschloss, während die beiden Fahrzeuge sich durch den Verkehr aus der Stadt raus schlängelten. Als der Junge hinter Ihm auftauchte, die Odyssee noch im Arm, hätte er zum zweiten Mal um ein Haar das Steuer verrissen.
„Woher kennen Sie meinen Namen?“ fragte der Kleine mit gerunzelter Stirn und Augen, die für D.s Geschmack gerade viel zu klug wirkten.
„Verdammt, ich hab dir doch gesagt, du sollst verschwinden!“
Der Junge hob nur die Schultern.
„Und warum kann dieses klapprige Ding überhaupt so schnell fahren?“
D. warf einen Blick auf den Tacho, während der Bus brüllend über die Landstraße eilte: 113 km/h. Das wurde ja immer besser. Er äußerte das Erste, was ihm einfiel:
„Weil ein BMW-Motor eingebaut wurde.“
Mit großen Augen betrachtete der Junge die Armaturen.
„Wow! Ich will auch mal einen BMW fahren!“
Wie ein silberner Pfeil schnitt der Mercedes D. die Antwort ab und setzt sich neben den Hochgeschwindigkeitsbücherbus auf die Gegenfahrbahn. Für einen Augenblick schien der Fluss der Zeit den Atem anzuhalten, als der Mann in Weiß auf dem Beifahrersitz und der Busfahrer sich die Gesichter zuwandten wie Klingen. Da setzte der Mercedes ruckartig nach rechts und rammte den Bus.
Aufprall.
Die drei Menschen in der Fahrerkabine wurden wie Puppen hin und her geschleudert – irgendwie hielt D. sich am Lenkrad fest.
„Diese Arschlöcher wollen uns umbringen!“
Ein kurzer Seitenblick zeigte den Rastamann, der kopfüber von einer Haltestange hing und die Arme ausbreitete.
„Was erwartest du von Leuten, denen ein Irrlicht Leuchtfeuer geworden ist?“
„Ha!“
Der Laut verließ D.s Kehle wie ein hart geführter Hieb.
„Was die können, kann das Baby hier schon lange!“
Und Er riss das Lenkrad nach links.
Der Bus machte einen Satz, für den er eigentlich – ebenso, wie für die Geschwindigkeit – nicht geschaffen war, und kreischendes Metall übertönte den jaulenden Motor. Der Mercedes, der nun mit einer nicht unwesentlichen Macke auf Höhe der Beifahrertür gesegnet war, geriet ins Schlingern. Der Luxuswagen fiel etwas zurück, schien sich aber wieder zu fangen – bis er sich in einem der spalierstehenden Büsche verhedderte und im Straßengraben verschwand.
D. reckte eine Faust in die Höhe.
„Eingelocht!“
Dann wandte Er sich an den Jungen, der mittlerweile wieder auf die Beine gekommen war.
„Bleibt noch die Frage, wie wir dich hier jetzt rausbekommen, Kleiner, bevor ich –.“ D. unterbrach sich.
Das nahm der Rastamann zum Anlass, aktiv zu werden. Aus einer abgeranzten Sporttasche zog er eine Art pinkes Skateboard, dem allerdings die Rollen fehlten, und einen länglichen kugelschreiberartigen Gegenstand, der verdächtigerweise den Schatten eines Blitzdings warf.
„Lass das meine Sorge sein. Das Licht fällt nicht umsonst senkrecht, nicht wahr?“ Er zeigte breit seine strahlend weißen Zähne, dann packte er den Jungen mit einer Hand am Arm, während er mit der anderen schlangengleich an D. vorbei die Türautomatik betätigte. Schlagartig zerrte ein reißender Luftstrom an ihrer Kleidung, der Junge an Tams Griff.
„LGD!“ Das Grinsen wurde noch breiter, während der Rastamann sich auf das Board stellte. Er drückte D. etwas in die Hand und bevor dieser reagieren konnte, stieß er sich ab und verschwand samt Junge durch die offene Tür.
Sprachlos musterte D. das Foto in seinen Fingern. Es zeigte weiterhin ein Schaufenster – allerdings prangte mit goldenen Lettern 'Buchhandlung' darauf. Seine Mundwinkel zogen sich mehr und mehr aufwärts.
„Geil!“
Da erreichte die zitternde Tachonadel die Stelle, die, wäre sie mir einer Zahl versehen, exakt 141,62 km/h symbolisieren würde.


RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 07-11-2014

*OT - undirgendwiedochOT*

Wenn ich könnte wie ich wollte, würde ich noch vor der Weltherrschaft den Bücherbus der Stadt Dortmund wieder an die Stelle setzen, wo er hingehört.

Zitat:Ist leider bis Sonntag nicht fertig geworden. Herzlichen Glückwunsch. W. (+ L. ein bisschen)
Die Vergangenheit kann nie rechtzeitig fertig werden. Icon_wink

Danke euch Beiden. Für das Skateboard, den Bus, den Motor, die Verweise - und für Tam. (Der immer mehr mit Zeit und Forum verwächst.)

Pro

*OT-Off*

LGD.


RE: Literarisches Tagebuch - Glutamat - 04-12-2014

...den Kopf auf den Händen abgestützt, sitze ich ruhig und verträumt vor meinem Tee. Eine tiefe Stille strahle ich aus. Die Menschen hasten an mir vorbei, schauen mich gehetzt an. Wie der Hof des Mondes, so strahlt meiner die Ruhe. Doch in mir, da wütet das Entsetzen...!


Mein Blick ist gesenkt... - Glutamat - 05-12-2014

...Mein ganzes Leben lang schwimme ich an, gegen eine tosende Brandung aus Moralin und Toleranzbegehr. Nun bin ich müde geworden. Nein, es ist nicht nur das Schwimmen, das mir die Energie entzogen hat. So schwach bin ich. Meine Knie zittern. Es sind die ewigen Anfeindungen, die üble Ignoranz und so viele schmerzhafte Tritte, die man immer wieder und wieder erhält. Während man verzweifelt versucht, in der wütenden Gischt, den Kopf über dem Wasser zu halten, treten sie immer wieder zu und zerren dich in die Tiefe. Mit Gekeife und Empörung schaut man mir in die Augen, bevor ich meinen Blick wortlos und traurig senke. In mir glüht noch ein letztes, okkultes Flämmchen. Doch sie bemerken es nicht. Völlig eingeschlossen in massive Schichten aus festem Eis ist es. Wohl meinen Sie, all die Wärme in mir, sie hätte sich aufgelöst. So viele Enttäuschungen haben meine Hoffnung in die Menschen seit Ewigkeiten stranguliert und schließlich doch sterben lassen. Hier stehe ich nun. Ich kann nicht anders. Mein Blick ist gesenkt. Das Flämmchen Hoffnung in mir, es ist ein Geschenk an die Zukunft...


RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 05-12-2014

Schattennächte.

Wenn ich nachts durch die Straßen gehe,
allein mit meinen Gedanken über heute und gestern und morgen,
immer geradeaus und haarscharf am Licht vorbei,
anderen Nachtschwärmern bewusst und gekonnt ausweichend,
dann fühle ich mich in den meisten Nächten sicher und vollkommen bei mir.

Doch in manchen Nächten will ich davon laufen.
Vor den Schatten und vor dem Licht,
vor den Menschen und vor der Einsamkeit,
vor der Vergangenheit und vor der Zukunft.

Vor mir und vor dir und vor uns und vor euch.

In solchen Nächten sehne ich mich nach Licht
und flüchte mich in die Schatten.
Vermisse Wärme und heiße die Kälte willkommen.
Suche nach Antworten
und werfe doch nur noch mehr Fragen auf.

In diesen Nächten habe ich Angst.
Vor der Welt und vor meinen Gedanken.

Und vor allem, was dazwischen liegt.

~ 03/05.12.2014 ~


RE: Literarisches Tagebuch - Glutamat - 17-12-2014

Würde man doch an Weihnachten all die Scheinheiligkeit durch Aufrichtigkeit ersetzen, dann würde die Pflanze der Hoffnung auf Glück und Frieden wenigstens an Weihnachten ein wenig wachsen können. Write