Literatopia
Literarisches Tagebuch - Druckversion

+- Literatopia (https://www.literatopia.de/forum)
+-- Forum: Skriptorium (https://www.literatopia.de/forum/forum-7.html)
+--- Forum: Schreibcafé (https://www.literatopia.de/forum/forum-10.html)
+--- Thema: Literarisches Tagebuch (/thread-136.html)

Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32


RE: Literarisches Tagebuch - lu - 22-11-2008

.

Verdrehen, verkrümmen, innerlich –
sich winden,
Wut zurück, ins Brustbein gefressen.

Auf und ab, unruhig, unruhig,
zerreißen, verwerfen,
verzweifelt ausdruckslos.

Lautlos ausgestandene Tage münden in
Erschöpfung,
hoffnungslos in den nächsten.


22.11.08


RE: Literarisches Tagebuch - lu - 24-11-2008

.

Annäherung
Für S.

Du hast mich gekannt,
bevor ich dich kennen konnte;
dann nicht mehr.

Bliebst gerade noch
an der Peripherie;
wenn sie deinen Namen sagen,
weiß ich nicht immer,
wer gemeint ist.

Kommst du diesmal?

Irgendwie
fehlst du trotzdem hier.


24.11.08

.


RE: Literarisches Tagebuch - Mira - 25-11-2008

25. November 2008

Grabenkampf


Ein Graben
durchs Rückenmark gezogen:

Vor-
Sicht, verlier dich nicht in Nach-
Sicht, zu viel Rück-
Sicht und du gehst Vergangenheits-
verlorn


Stäbe, in den
Nacken gebohrt (auf dass er
halten möge) –

Ver-
tief nicht, ver-
grab nicht, steig über
die Leichen hinweg, unerschütterlich
schütt Wälle auf und schüttle
jedes Nahen ab


Eine Zeit gab’s, da
war die Welt jung (durch deine Augen), nun
klappst du
die Blickfenster zu und die Herzklappen
verschlissen, verschlossen,

unentschlüsselbar
graut jeder Tag.



.


RE: Literarisches Tagebuch - LadydesBlauenMondes - 30-11-2008

Die literaischen Beobachtungen eines Tages. Mitten im November.

30.11.2008

Novembergedanken
Das Farbspiel des Tages


Feuerfarben am Himmel,
Lichter in der Dunkelheit,
beginnender Tag,
im Zwielicht des Morgengrauens.

Sonnenschein.
Schattenspiel an der Wand.
Zurückgezogenes Grün verwandelt in
lichtdurchschienenes Gold an den Bäumen.
Goldregen.
Raschelndes Gold auf dem Asphalt.

Abendliches Dämmerlicht.
Feuerfarben am Himmel,
goldenes Tagesende.

Mondscheinbeschienen.
Wolkenzug am Firmament.
Schattentanz im Mondschein.
Silberscheibe am Firmament.


RE: Literarisches Tagebuch - Chuzzlewit - 30-11-2008

Wann immer ich mit meiner Heimat konfrontiert werde, die ich vor nicht all zu langer Zeit verließ, beschleicht mich ein Gefühl. Es zieht mein ansonsten so zufriedenes Dasein - ich halte es für glücklich - wie ein Bettlaken von einem Sofa. Unter dem weißen Tuch konnte man immer die Umrisse des Sofas erkennen und hat gesagt: Da steht ein Sofa. Entfernt man das Laken, sieht man nicht mehr nur die Silhouette, sondern den Möbel wie er ist.
- Bilde ich mir nun ein zufrieden und glücklich zu sein?
- Bin ich eigentlich total unzufrieden und mache mir etwas vor, hier in dieser
neuen Umgebung? Bin ich nicht einfach ein Junge aus einem anderen Landstrich, den er nicht verlassen sollte.

Jetzt gerad wird mir bewusst: nein. Es läuft doch. Es ist nur Wehmut, die Erinnerung, man trauert den alten Tagen, hin und her, hinterher. Jetzt geht es von vorne los. Man nimmt das Schöne aus dem Vergangene mit und lernt dazu. Vielleicht isat dies hier kindisches Gedankenspiel, aber muss ich mich für meine Gefühle entschuldigen?


RE: Literarisches Tagebuch - talblick - 02-12-2008

So come and dance with me, Mikael.


Im Dunkel am Datenhighway bin ich nur ein Bit, das sich an Katzenaugen tausendfach reflektiert. Facettenauge, ich setze mich wieder zusammen. Zusammen mit dir an den Computer, getrennt durch tausend Kilometer.

Virtualität gerinnt zu Realität.

Dein Gesicht zerbröckelt zu Zeitlupenpixeln, verblasst in nur zwei Dimensionen. Links und rechts vom Bildschirm erscheint aus der Membran eine vertraute Stimme. Kennt meinen Namen und alle, die Du mir je gegeben hast. Ist die Deine. Spricht eine andere Sprache. Meine.

Raumzeitkontinuum der europäischen Union.

Ich springe mit geschlossenen Augen. Lande in Deinen Armen, berühre Dein Gesicht, versinke in Deinem vermißten Lachen.

Mit einem Klick von Wien nach Grenoble. Schön.


RE: Literarisches Tagebuch - lu - 06-12-2008

.

Annäherung II

Ist es so schwer, uns anzuschauen,
ganz ohne Worte?

Hätten wir uns nicht verdient,
zumindest halb-
kennengelernt?

Kommst wieder nicht,
dabei wär' es so leicht gewesen
(extra für dich),
ohne zu reden.

Wovor hast du Angst?

Dass wir zu ähnlich,
zu unähnlich sein könnten?

(Was muss ich mich auch
wundstoßen,
immer wieder,
an den Dingen,
die du nicht tust..)

6.12.08


.


RE: Literarisches Tagebuch - Adsartha - 07-12-2008

Hallo lu,
da du deine Gedichte bevorzugt hier einstellt, an dieser Stelle mal ein paar begeisterte Worte von mir. Ich find deine "Annäherungs"-Gedichte einfach nur schön. Sie haben zwar einen ziemlich traurigen Nachklang auf der Zunge, fließen jedoch dahin, dass es fast schon unbeschwert wirkt - auch wenn der Inhalt dem entgegenspricht.
Ich find es toll, wie du es schaffst, das Zwischemenschliche in solch wenig Worte zu schmücken. Man merkt beim Lesen richtig die leise Traurigkeit des "Ich" - vielleicht auch mit einem Schwung Unmut - und die Scheu des "Du".
Gefällt mir sehr, bitte mehr davon.

LG


RE: Literarisches Tagebuch - talblick - 14-12-2008

Nachtdienstarabesken
(ausnahmsweise mal poetisch)

*

Hand in Hand
aufs Herz.

Durch stroboskoperhellte Halbwelten
(vieräugig konzentriert) kutschieren
wir geweckte Träume, diese
schwingen algo-
rhythmisch mit.

Untertitelte Blicke.
Rettung infaust.

(unvollendet)

*

Für meine zwei Ias. PQRST always.

14. 12. 2008


RE: Literarisches Tagebuch - Mira - 15-12-2008

14. Dezember 2008

Fremd(er)


Nenn’s weder Gast-
freundschaft noch Botentanz – war’s doch nur
Augenblick, der meine Hände
in die deinen trieb,
auf dass du
mich erlesen hast

Wie eigentümlich bleibt die
Stille und dein
Nachgeschmack

Ein unvertrautes Haar (ein Riss)
zwischen den
Fingern,
schreib ich dir auf mein
Herbstblattlächeln

einen Gruß:

Fremd sind wir uns und
werden wir uns bleiben


Noch
tu ich nicht den Schritt aus diesem
Zwischenzeitenraum, doch
web ich mir
vielleicht

ein Schattengrabtuch für die
leere Treue,
die ich nie schwor

und die ich heute brach
(und nicht brach, niemals breche)


.