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Literarisches Tagebuch - Druckversion

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RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 27-02-2010

Countdown: Zero Hour

(02.01.2014)

Eine Frau.
Cremefarbene Jacke, darunter ein weißes Hemd.
Sie saß hinter einem Tisch und hielt ein Stoß Blätter in den Händen. Im Hintergrund ein Portraitfoto eines alten Mannes mit spärlichem Haaransatz. Energischer Blick in seinen Augen.
"... lehnte der sowjetische Präsident das Hilfsangebot der westlichen Allianz ab", las sie vom obersten Blatt und legte es langsam auf den Tisch zurück.
Kurzer Blick in die Kamera.
"Genf", sagte sie, blickte wieder nach unten und las weiter vor, während im Hintergrund ein leerer Saal eingeblendet wurde. "Der Pressesprecher des Generalsekretär des Völkerbundes erteilte der Forderung des Vorstandsvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Ionosphäre eine klare Absage. Die Forderung nach Erhöhung der Wellserit-Quote ist trotz der beunruhigenden Meldungen über die Sonnenaktivität kein Grund, sagte er. Wissenschaftler in Ost und West hatten vor einigen Tagen bereits darauf hingewiesen, dass die Beobachtungen der Sonne unzweifelhaft auf den stärksten Sonnensturm aller Zeiten hindeuten. Damit die Menschheit unnötig in Panik zu versetzen, mache nur darauf aufmerksam, wie zwielichtig die Methoden der ARGE sein. Um seine Haltung zu unterstreichen, verwies der Sprecher darauf, dass der Generalsekretär mit seiner Familie bereits seinen Urlaub begonnen habe. Auf die Frage, wo er in diesen turbulenten Zeiten Erholung finden könnte, verwies der Sprecher darauf, dass dies der Geheimhaltung unterliege."
Sie legte das Blatt zum anderen auf den Tisch, während im Hintergrund der leere Saal einem Buchstabenkonstrukt aus Z und S wich.
"Berlin", sagte sie und las weiter. "Wie der Vorstandsvorsitzende der Zuse-Siemens AG - Max Pappenheim - mitteilte, wird das Angebot der Kulturstiftung, die restlichen Aktien aufzukaufen, abgelehnt. Die Kulturstiftung hatte dem führenden Hard- und Softwarekonzern ein großzügiges Angebot unterbreitet, da die Aktien seit dem jüngsten Unfall an Bord der Daniel Defoe drastisch sinken. Pappenheim sagte, dass der Vorstand dies einstimmig abgelehnt hätte, da ansonsten die Kulturstiftung mit einem insgesamten Anteil von 51 Prozent die Zersch.agung .es Kon.erns betrie... h.t.."
Das Bild der Nachrichtensprecherin verzerrte sich für einen Moment, dann war sie wieder da, schaute in die Kamera und legte das Blatt weg.
".nd jetzt .um Wetter für morgen, Freitag, den 03. Januar ..."


RE: Literarisches Tagebuch - LadydesBlauenMondes - 02-03-2010

Tagebuchnachtrag 01.03.2010

Wortgefüllt
Du sitzt da, voller Ideenlosigkeit. Weißes Papier vor dir und den Bleistift unbewegt in der Hand. Dein Blick fällt in die Vergangenheit, Worte finden sich, reihen sich aneinander.
Dein Bleistift kratzt über das Papier, tränkt es mit Worten. Buchstaben reihen sich aneinander, sammeln sich zu Worten, zu Sätzen. Worte fließen, Anfänge und Enden bilden sich.
Du sitzt da, den Bleistift wieder unbeweglich in der Hand, doch emotionsgeordnet und mit wortgefüllten Linien.



RE: Literarisches Tagebuch - Sigurd - 03-03-2010

Liebe und Unterhosen

Hat sie mich je geliebt? Das ist die Frage, die ich mir manchmal noch stelle. Mir fallen dann immer gleich die Unterhosen wieder ein, die sie mir mal geschenkt hat: Fünf Stück, Sammelpack, weniger als 10 Euro. Der Preis war noch drauf, als ich sie übergeben bekam, den hat sie nicht mal weg gemacht. Nach ein paar Wochen bereits, waren sie alle samt löcherig und der Gummi war ausgeleiert. Von Anfang an hatte mir auch ständig vorne was rausgeguckt, weil sie nicht doppelt waren,
wie bei guten Unterhosen. Wenn ich heute im Kaufhaus bin und zufällig an den Auslagen mit Billigpäckchen-Unterwäsche vorbei komme, muss ich immer gleich an meine Freundin denken.
Ich weiß noch, wie ich die Dinger immer noch im Schrank aufbewahrte, obwohl sie längst ein Fall für die Lumpensammlung waren. Und wie ich sogar noch welche davon trug, zumindest die, bei denen der Gummi noch einigermaßen war. Vielleicht wollte ich meine Freundin nicht beleidigen, ich weiß es nicht. Jedenfalls kam mir das Schrankfach, in dem die Dinger drin lagen, langsam wie ein Reliquienschrein vor.
Unsere Liebe, am Anfang hat sie ja ganz gut ausgesehen. Aber das sehen diese billigen Sammelpacks, solange sie noch verschweißt sind, ja auch. Jedenfalls war nicht von vorne herein klar, als was sich das Ganze entpuppen würde. Doch bereits im ersten Jahr gab es Löcher und Risse und der Gummi wurde auch immer schlaffer. Und anstatt, dass man dieses oder jenes Loch wenigstens mal geflickt hätte, entstanden immer neue, wurde der Gummi immer ausgeleierter; bis zum Schluss alles nur noch in Fetzen hing.
Aber gut: Inzwischen hab ich mir neue Unterhosen besorgt und die Wunden sind soweit auch verheilt. Richtig teure Dinger hab ich mir geleistet, jetzt wo ich wieder ein freier Mensch bin. Einzelpack, vorne doppelt, feinste Baumwolle. Das Stück zu sage und schreibe so viel Euro, wie damals der ganze Fünferpack. Die hab ich mir verdient, wie ich finde, nach alldem - ein wirklich erhebendes Tragegefühl. Die Frage, ob sie mich je geliebt hat, bleibt. Die Fakten sprechen dagegen, das Motiv ist unklar, während die Beweise eher zweideutig sind. Nur eines scheint sicher: Schlechte Liebe und billige Unterhosen …, irgendwie gleich.


RE: Literarisches Tagebuch - Lilith 13 - 16-03-2010

Wenn der Salat die Gurke nicht mag,
ist das ein schlechter Tag für
GURKENSALAT! Mrgreen


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 17-03-2010

Vom Versuch des Schreibens

Du stehst so alleine, gruppenlos.
Wie lange kann ich das noch ansehen?
Und wo sind geblieben bloß
von deiner Art alle anderen?
Du - in schwarzem Trauergewand
- kennst du noch Sinn,
bist du mit ihm verwandt?
Ja, sagst du, bin ich doch.
Wenn's so ist, frage ich
was zögere ich noch?

Finger liebkosen die Tasten,
die anderen erscheinen wieder
Reiht euch auf, ja passt ihr denn
dort hinein, wo ihr steht?
Na ja, Antwort im Chor,
vielleicht, na ja, es geht!

Jetzt bist du dort, unter deinesgleichen,
zur Ordnung verwende ich
noch ein paar Satzzeichen!
Du bist nicht mehr einsam,
du fühlst dich wohl,
doch jetzt verwirrt ihr den Schreiber gemeinsam!
Roman soll's werden, nicht das Abstruse!
Wozu braucht's da dieses Wörtergewuse?


RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 18-03-2010

Countdown: Zero Hour

(29.12.2013)

"Es tut mir leid, Signore."
"Das muss es nicht, Arstrom. Unsere Zeit wird kommen."
"Ich habe Sie enttäuscht."
"Nein, Sie können nicht Unvorhersehbares vorhersehen. Was geschehen ist, ist geschehen - und jetzt müssen wir damit leben und darauf aufbauen."
"Aber wir warten schon so lange. Die jahrelange Planung, die immer wiederkehrenden Änderungen, die Neuausrichtungen."
"Sie müssen Geduld haben, Arstrom."
"Geduld?"
"Sehen Sie es von der anderen Seite."
"Und wie?"
"Vorfreude, Arstrom. Ich habe es schonmal gesagt. Vorfreude ist die schönste Freude schlechthin."
"Freude? Ich empfinde gerade nur Ohnmacht."
"Arstrom, der Generalssekretär und die anderen Beteiligten werden schon noch das bekommen, was ihnen zusteht."
"Und der Rest?"
Hämisches Gelächter erklang.
"Der Rest kriegt einen Platz in der ersten Reihe."


RE: Literarisches Tagebuch - Lanna - 08-05-2010

~
Ich könnt'
wenn ich nur wollte
die Welt bewegen

doch will ich's nicht
versuchen

Soll sie sich von
alleine dreh'n
Soll sie allein
versagen
~



RE: Literarisches Tagebuch - LadydesBlauenMondes - 09-05-2010

09.05.2010

Tag des Zwielichts
Zwielichter Tag,
sonnenbeschienen,
-wolkenverdunkelt-
windgekühlt,
-warmgedacht-
windbewegte Blätter,
-Herbstzeitrauschen-
gewittergestimmter Frühlingstag,
-gedankengetrübt-
himmelblau bemalt
-nebelgetrübt-
frühlingsgespürt
-wintergefühlt-



RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 09-05-2010

Ich sah nach draußen und suchte nach dem Regen. Er alleine hätte zu dieser dicken Luft gepasst, zu der stickigen Atmosphäre des Stillstandes. Ich wollte unbedingt sehen, wie er fällt - nur um festzustellen, dass es doch noch Bewegung gibt.
Kein Regen. Keine Bewegung. Die Erde drehte sich nicht mehr, und das in meiner Brust. Würgender Stillstand hatte sich um mein Herz geschlungen - so denn es noch eines gab. War da vielleicht nur noch ein merkwürdiger Klumpen, der das Pumpen von ganz alleine aufgegeben hatte?
Wieso weigerte sich der Rest meines Körpers nicht auch?
Meine Gedanken schweiften ab, zu Kälte und Wind, vielleicht auf einem Friedhof. Wilde Natur neben ruhigen Toten.
War ich auch tot? Nein, ich nicht. Ich fühlte die umwerfende Trauer des Verlustes und konnte doch niemanden zu Grabe tragen. Meine Finger griffen mechanisch nach einigen Steinen, die im Kiesbett eines fernen Flusses lagen, und schichtete sie mit dem Halt meiner Gedanken aufeinander. Ein Stapel nur, und doch so symbolisch. Gekrönt von einem Blatt aus einer anderen Dimension, dazu eines Ungeborenen Tinte - Wörter, die einzigen, die ich in dieser eingefrorenen Welt noch finden kann.
Ruhe in Frieden
Tochter des Zeus,
Tochter der Mnemosyne,
Facette der Kalliope,
meine Muse

Vorsichtig legte ich Griffel und Schreibtafel hinzu. Tränenlos konnte ich mich nicht abwenden. Wann kommst du wieder oder ist es diesmal endgültig?


RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 04-07-2010

ABC (0 Reliart

Stunde Null
(Genf, 28.12.2013)
"Wir haben nicht mehr lange Zeit, Herr Generalsekretär."
"Nun bewahren sie Ruhe. Niemand kann die Ereignisse definitiv voraussagen."
"Wenn das aber so kommt, wie prognostiziert, dann blüht eine neue Steinzeit."
"Wenn, Herr Arstrom. Prognosen sind nie hundertprozentig. Hiermit hatten wir bereits im Sommer gerechnet."
"Wir reden hier nicht vom Wetter in den nächsten Wochen und Monaten. WIR REDEN ÜBER DAS ENDE DER ZIVILISATION!"
"Mäßigen sie sich!"
"Mein Gott, wollen sie das wirklich riskieren?"
"Nun, Herr Arstrom, ich bin durchaus gewillt, ihren Vorschlag zu überdenken. Aber wie ich schon gestern anmerkte: es ist fragwürdig, was sie da vorschlagen."
"Ich versichere Ihnen, die Technik ist ausgereift."
"Das sagen Sie."
"Zuse-Siemens-Generatoren mit niedriger Leistungsabgabe wurden bereits erfolgreich auf den beiden Experimentalschiffen eingebaut."
"Sie sagen es: Niedrige Abgabemenge. Außerdem ist es immer noch Zuse-Siemens-Technik - und nicht ihre."
"Herr Generalsekretär, im Grunde sind die fraglichen Pendants, die überall auf der Erde errichtet wurden, nur vergrößerte Zuse-Siemens-Generatoren."
"Mann kann nicht alles einfach vergrößern um die Leistungsabgabe zu steigern, Herr Arstrom."
"Und warum hat dann der Völkerbund diese Technologie finanziell gefördert, wenn sie doch nicht eingesetzt werden soll?"
"Herr Arstrom, das war auch nicht unberechtigt - alles, was die Biosphäre des Planeten regenerieren kann, wird gefördert - auch die Stadtkuppelprojekte. Die Frage, die sich hier jedoch stellt ist die: Wie erfolgreich wird eine Umsetzung sein, wenn ein Test in dieser Größenordnung noch nie stattgefunden hat?"
"200%!"
"Sie sind sich sehr sicher ..."
"An Bord des Schiffes sind alle Tests erfolgreich verlaufen - reicht ihnen das denn nicht?"
"Die Menschen werden es nicht unbedingt verstehen. Wir rechnen bereits mit einer Massenpanik."
"Wir müssen es nur medienwirksam umsetzen."
"Es gibt aber kein Patentrezept für solche Fälle!"
"Ich bitte Sie! Die Menschheit ist dabei, sich über das Sonnensystem hinaus auszubreiten - und auf der Erde kriegen wir die Probleme nicht in den Griff? Was geben wir nur für ein Bild ab?"
"Herr Arstrom, abgesehen von ihren Bildern habe ich einfach die Befürchtung - die auch die ständigen Mitglieder mit mir teilen - dass wir die Zivilisation zerstören, bevor die eigentliche Katastrophe stattfindet."
"Die Erde wird sich innerhalb weniger Stunden schlagartig erholen und 'kräftemäßig' auf dem Stand zur Zeit der Geburt Jesu sein. Jung, dynamisch, ausdauerhaft."
"Es geht aber nur um die Ionosphäre, Herr Arstrom - nicht um den ganzen Planeten!"
"Ich kann sie beruhigen. Die Modifikationen haben in den letzten Simulationen eindeutig bewiesen, dass die Ionosphäre massiv verstärkt wird."
Arstrom lächelte.
"Kein Kraftwerk muss abgeschaltet werden - der stärkste Sonnensturm der letzten Jahrhunderte wird spurlos an uns vorbeiziehen."
...
Countdown: Zero Hour
...
Stille.
"Da wär noch eine Sache, Herr Arstrom."
"Und die wäre?"
"Warum dieser pathetische Auftritt? Hat das irgendwas mit Engels zu tun?"
"Was meinen Sie?"
"Sie wollen Wellserit? Sie haben doch welches."
Stille.
"Das fragliche Material ist durch den Anschlag höchstwahrscheinlich verunreinigt und nicht mehr zu gebrauchen."
"Ich verstehe das als Antrag auf eine zusätzliche Erhöhung der Quote."
"Wir - die ganze Menschheit - braucht es."
"Deshalb also ihr Weltuntergangsgerede. Und natürlich die Rettung des ganzen Planeten."
"Sie scheinen von den Prognosen nicht überzeugt zu sein, Herr Generalsekretär."
"Das bin ich auch nicht. Ihre Argumentation steht auf tönernen Füßen, wie man so schön sagt."
"Bitte? Sie ignorieren die wissenschaftlichen Studien zu dem Thema. Außerdem begrüßt die Mehrheit der Weltbevölkerung nach neuesten Umfragen die Reaktivierung der Ionosphäre nebst den positiven Nebenwirkungen."
"Das sieht wohl so aus - ja."
"Und worauf wollen Sie hinaus?"
"Nun, das Wellserit ist ein knapper Rohstoff. Und bei der derzeitigen Lage - besonders der Finanzlage - können sich die Mitglieder des Völkerbunds zwei Großprojekte nicht länger leisten."
"Was wollen Sie damit sagen?"
"Das wir eines der beiden Großprojekte jetzt beenden werden."
Fassungslosigkeit.
"Das glaube ich jetzt nicht. Sie wollen also die Rettung der Erde aufgeben und stattdessen lieber diese unsägliche Kolonie auf dem fernen Planeten aufbauen?"