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Literarisches Tagebuch - Druckversion

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RE: Literarisches Tagebuch - LadydesBlauenMondes - 06-08-2010

06.08.2010

Wortlos
Anklagend starren sie mich an.
Viel zu wenige Worte auf zuviel Papier.
Einsam sehen sie aus.
Verlassen.
Doch sind sie wichtig.
Ein Anfang.
Der Anfang von etwas Großem.



RE: Literarisches Tagebuch - poLet - 17-08-2010

Ich sah Johnny Cash heut' nacht,
wie er Schnaken jagend durch den Garten schritt.
Aus Schatten hat er Licht gemacht,
aus der Totenmaske hat er Blut gepresst.

Der Mond tropfte wie ein Fell, durchnässt,
aus Johnnys Augen strömte finst're Pracht,
als die letzte Schnake durch die Finger glitt,
sah mich Johnny Cash, heut' nacht.


RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 17-08-2010

Schöner Schein am hellen Tag:
lichtversunkenes Papier
- wortverloren.
Ich starre.

Was wollt ihr von mir?

Zeilenleere Versenreime
in lichterloher Nacht
- scheingetrübt.
Ich falle.

Wie habt ihr das gemacht?

Es reihen sich in Reingereimheit
reihenweise reine Reime.
- Klangbefreit -
Und Sinne tanzen
mit wortloser Schönheit
- Reingeschwiegen -

Ich komme nicht klar.

Wer erklärt mir bitte die Lyrik?

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RE: Literarisches Tagebuch - Trinity of Chaos - 10-09-2010

Addi's laud made my day

Ein Brösel krümelt heimlich-leis',
und sag mir mal, wer weiß,
wozu er gehören mag?
Aber er rettet meinen Tag.

Ein Krümel bröselt lobverwandt,
zwischen Kommis, Sprüche und Tand,
doch nur er zählt mir einen Deut.
Als ich ihn fand, hab' ich mich gefreut.

Und wenn du dich fragst, wovon ich nur rede,
sag ich dir: Den kannte schon jede
und jeder, der schreibt, denn manchmal muss sein
ein wahrhaft dopsender Gefreuter-Keks-Reim.

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RE: Literarisches Tagebuch - Lilith 13 - 10-09-2010

Im Dunkel
geboren

Im Licht
verloren

Im Unrecht
erfroren

Im Herzen
verdorben

Im Grunde
gestorben



RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 01-10-2010

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ABC (3 Reliart

Die letzte Schlacht
(2184)

Ein grünes Meer unter einem wolkenverhangenen Himmel.
Dichte Baumkronen, große Blätter, zartes Geäst. Nur die Stämme als Säulen des grünen Daches wurden mächtiger, je näher sie dem Boden kamen, auf den nur spärliches Licht seinen Weg hinab fand.
Drückende Hitze am Grund des Waldes. Kein Wind, kein Luftzug. Das Gras hatte sich sehnsüchtig nach oben gestreckt, doch unbelohnt senkten sich die Spitzen wieder nach unten.
Kleine Punkte krabbelten durch das enttäuschte Gras, hangelten sich von Halm zu Halm, entfalteten ihre durchsichtigen Flügelchen und summten neugierig durch den Wald. Kreuz und quer.
Bis zwei Augen an einem der Baumstämme aufflackerten. Grimmiger Blick, dann verscheuchte eine große Hand die fliegenden Punkte, die um das Gesicht schwirrten.
Ein Arm reckte sich gebieterisch in die Höhe. Leises Geraschel.
Dann öffneten sich weitere Augen im Schatten anderer Bäume.

Sie waren zu viert.
Verwegene Gestalten, die sich mit ihren gekrümmten Beinen leise durch den dichten Wald bewegten. Unterschiedliche Bewaffnung - Pfeil und Bogen, Pallasch, Streithammer, Morgenstern. Ihre Kleidung reichte von einfachen Lumpen über erbeutete Kapuzenmäntel und schweren Stiefeln bis zu demolierten Brustpanzern und klirrenden Kettenhemden.
So unterschiedlich Langbogen, Pallasch, Streithammer und Morgenstern von weitem auch aussahen, so ähnlich waren ihre teilweise verdeckten Gesichter. Grüne Haut, teilweise ledern. Buschige Augenbrauen, fast haarloses Haupt. Augen, meist tiefschwarzer Kern, umrandet von gelben Iriden.
Ihre Blicke streiften wachsam durch die Baumkronen, an den Stämmen hinab bis auf den Boden, während sie langsam weitermarschierten. Vorsichtig. Schritt für Schritt. Manchmal abhockend, manchmal lauernd. Wartend - bis sich Pallaschs Arm wieder hob.

Nach einiger Zeit drang aus der Ferne Lärm zu ihnen. Wehleidiges und zorniges Geschrei.
Das Klirren von unzähligen Kettenhemden, das dumpfe Geräusch von Hämmern und Flegeln, die auf Brustpanzer einschlugen. Schlitzendes Schmatzen von Klingen - das absterbende Röcheln mehrte sich.
Sie wurden langsamer. Streithammer und Morgenstern bleckten fauchend ihre spitzen Zähne und schwangen ungeduldig ihre Waffen vor sich her, wurden aber sofort mit einem Zischen vom Anführer zum Schweigen gebracht.
Der Wald fand sein Ende, die Bäume standen nicht mehr so dicht beieinander und durch sie hindurch konnten die Vier ein weites Feld erkennen, dessen Grenze nur aus den Wolken am Horizont bestand.
Als die Vier vor einiger Zeit losgeschickt worden waren, war das Gras noch nicht durch die beiden Heere plattgewalzt worden. Doch jetzt stand nirgends ein Halm aufrecht. Nur noch letzte Aufschreie, sterbendes Geheule, durch die Luft sausende Schwerter, zerfetzte Leiber. Eine Unterscheidung war nicht mehr möglich, zu nah kämpften sie gegeneinander. Ein Pulk aus grünen Leibern vor einem zornigen Horizont.

Die Vier verharrten in einem kurzen Moment der Ruhe. Der Arm des Anführers hob sich, stand einen Moment lang wieder gebieterisch in der Luft - dann richtete er sich waagerecht nach vorn und zeigte auf eine große Gestalt auf einem Pferd am Rand des Feldes, die die Schlacht beobachtete. Mit einer Handvoll Kämpfern als Leibgarde um sich herum.
Langbogen legte einen Pfeil auf und spannte seine Sehne.
Es wurde zunehmend dunkler.
Streithammer schloss für einen Moment die Augen.
Stille.
Morgenstern schnaubte leise.
Dann donnerte der Himmel.
Pallaschs Griff um das Schwert wurde fester.
Ein Zischen, drei Knurren.
Dann brachen die Vier durch den Waldrand und stürmten auf ihre Feinde zu.

Im Laufen entspannte sich Langbogens Sehne und der Pfeil schoss zischend durch die Luft.
Noch bevor er das linke Auge des ersten Kämpfers getroffen hatte, schoss ein weiterer Pfeil in das rechte.
Die anderen Beiden flankierten Pallasch, schlugen eine Bresche in die vier anderen Krieger, die auf sie zu rannten. Streithammer zerschmetterte mit zufriedenem Gebrüll die Brustpanzer. Morgenstern schwang seine Waffe mit den beiden Kugeln vor sich her und traf ihre Beine.
Knackende Knochen, zerfetzte Muskeln - und die Unterschenkel flogen zur Seite weg.
Schreiende Krieger. Hockend auf Stümpfen. Abgestützt auf bebenden Armen.
Das Gefühl eines Sieges.
Dann kam Pallaschs Schwert und die Überraschung gefror auf den abgeschlagenen Köpfen.

Der Lärm aus der Ferne ebbte ab, als die Nacht vom Himmel fiel und sie fast verschluckte.
Pochende Schädel. Blinzelnde Augen, doch das entfernte Pferd blieb reiterlos.
Pallasch schwang die Kapuze nach hinten und warf den langen Mantel fauchend zu Boden. Ein grüner, fast kahler Kopf erschien, nur hinten spross ein langer schwarzer Zopf hervor. Lange Narben zogen sich kreuz und quer durch das ganze Gesicht, schwangen sich über die muskulösen Oberarme und verschwanden unter dem Panzer, der für ihre Brüste nicht gemacht zu sein schien.
Dampf entwich durch ihre spitze Nase und sie schaute sich mit den anderen suchend um.
Blitze zuckten vom Himmel herab und verbannten die Dunkelheit für einen kurzen Moment.
Ein Schatten hinter ihren Rücken.
Sie sahen ihn nicht.

Dann wurden Streithammer und Morgenstern plötzlich in die Luft geworfen und flogen in einem weiten Bogen durch die Nacht. Noch bevor sie irgendwo aufschlugen, spaltete ein Beil von hinten Langbogens Kopf und er sackte zusammen.
Pallasch drehte sich um, suchend, die Schwertspitze drohend in die Dunkelheit gerichtet.
Ein weiterer Blitz.
Der Schatten des riesigen Reiters stand plötzlich vor ihr und sie sah nur noch die metallene Faust auf sich zukommen. Ein Knacken zerriss die Luft zum Atmen, entriss ihr das Schwert, riss ihre Beine vom Boden - und sie flog nach hinten weg.

Sie schnappte nach Luft, als sich der metallene Helm des Reiters über ihr vor den dunklen Himmel schob.
Aus den Öffnungen funkelten sie zwei Augen hasserfüllt an, während sie mit der rechte Hand nach ihrem Schwert tastete. Als ihre Finger den Griff erreichten, spürte sie die harte Sohle seines schweren Stiefels auf ihrem knackenden Arm.
Ein Beil erschien vor ihren Augen, dunkel tropfend. Für einen kurzen Moment verharrte es, dann holte der Reiter weit aus, als der Himmel plötzlich zorniger denn je donnerte.
Von irgendwo erschien ein tiefrotes Leuchten hinter den Wolken, wurde größer und heller als der Tag und schoss mit einem ohrenbetäubenden Lärm über das Schlachtfeld hinweg.
Der Reiter hielt inne und starrte verblüfft dem Licht hinterher, wie es hinter dem Horizont verschwand.
Und dann beebte der Boden.

Eine Welle gleißenden Lichts fraß sich aus der Ferne zu ihnen vor und ließ den Himmel verschwinden.
Sie bemerkte, wie der Druck des Stiefels nachgab.
Grashalme bogen sich lautlos, verfärbten sich braun, bevor sie in der aufkommenden Hitze verdampften.
Ein prüfender Blick nach oben, dann packte Pallasch entschlossen das Schwert ...
Der Pulk aus grünen Leibern auf dem Schlachtfeld hielt inne, als ein Sturm am Horizont aufkam.
... und rammte es dem überraschten Reiter in den Leib.
Die Stehenden ließen plötzlich von einander ab, ...
Ein weiterer Schatten fiel vom Himmel. Gerade Formen, riesig und eckig - mit vielen runden Flügeln.
... starrten verwundert auf ihre Hände und Arme, krümmten sich mit schmerzverzerrtem Gesicht, als ihre Häute zu glühen begannen.
Scheppernd landete es neben ihr.
Flammen schlugen aus ihren Körpern. Panisch versuchten sie noch den Wald zu erreichen, dessen Bäume vor ihren Augen plötzlich in sich zusammenfielen.
Der große Schatten sah aus wie eine metallene Höhle. Pallasch drehte sich auf den Bauch und kroch stöhnend hinein, als die Nacht scherbenlos ins Unbewusste fiel.
Und nur glühender Sand blieb zurück.



RE: Literarisches Tagebuch - Porter - 05-10-2010

Möchst d' wissn, wos d' hikimmst?

Wenns d' drunt bist, nacha is aa net ollerweil dunkel,
wenns d' drobn bist, nacha bleibts aa net ollerweil hell,
wenns drunt liacht werd, nacha fahrst glei auffi,
wenn drobn dumper werd, nacha fallst hoit obi.

Wenns d' drobn bist und machst wos foisch, nacha is's net richti.
Wenns d' drunt bist und macht grod des seim, nacha bist da Kini.
Wenns d' wuist, nacha kunntst auffi kemma, ollerwei a Stückerl.
Wenns d' net wuist, nacha fangst hoit ganz drunt o, im Düastern.

Aber fercht di net, es kimmt ja eh, wie's kimmt, kannst nix herrichtn.
Wei - da Herrgott machts eh so wia r moant und du wias d' muaßt.


RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 10-10-2010

(T-4)
Irgendwann hat das Handy ihn geweckt. Im Zeitraffer: Klarwerden, aufstehen, Duschen, anziehen. Treppenstufen glitten an den Sohlen seiner Schuhe vorbei.
Dann: heller Raum. Kaffee, Brötchen, schlafende Menschen. Stehend. Ausbalancierte Tabletts. Ein Wunder. Menschheit versus Schwerkraft: 1:0.

(-3)
Draußen: x-ter Kaffee. Kalt. Augen blinzeln sich wach.
Aus Umrissen formt sich die Fassade der Welt. Gegenüber.
Blitz. Rauch. Wolken steigen auf. Automatik hat das Nikotin erweckt.
Hinter Glas versteckt. Einige schauen weg - Er schaut hin. Die Welt weitet sich.
Hör auf Deinen Bauch.

(-2)
"Hey, hast Du mal Block und Stift?"
"Ich bin Schriftstellerin - natürlich. Warte eben."

(-1)
Weißes Blatt Papier. Klopfender Stift. Nervöser Stift. Die Zigarette wartet auf ihren Tod. Zippo lächelt im Sonnenlicht vom Tisch zurück.
poLet. Machs wie poLet.
Meinste wirklich?
Warum nicht?

(0)
I.
Irgendwo im Nachtasyl
lungern müde Geister
in letzten Wehen
noch träge 'rum.

Erhabener Morgen
kriecht an Fassaden
vom Thron hernieder,
und küsst steinerne Lider
behutsam wach.

Die Nacht unterm Dach der Stadt
stirbt siechend vor sich hin.

II.
Ein Rattern, ein Ziehen -
Rouladen heben sich.
Tag giert hinein -
Du blinzelst trunken zurück.

Dein Schlaf liegt in den letzten Zügen,
neben dem Geist - im Bett vergessen.

Morgens um Sieben
ist die Welt noch in Ordnung.

(Darmstadt, 09.10.2010)


RE: Literarisches Tagebuch - AngelOfShadow - 10-10-2010

*lächelt stumm*


RE: Literarisches Tagebuch - Dreadnoughts - 16-10-2010

Eine zarte Kerzenflamme. Im angehauchten Licht zwei Köpfe, zwei Männer. Marineuniform und Zivil. Glattrasiert und Bart.

"Es tut mir leid", flüstert der Bärtige. "Ich ..., ich wünschte, ich könnte den Menschen mehr von Dir erzählen."
Stille.
"Muss es so enden?"
Der Bärtige senkt den Blick.
"Es ist besser als das richtige Ende."
"Nein." Der Seemann schüttelt den Kopf. "Es ist nur nicht so nass."
Die Flamme wird unruhig.
"Ich muss gehen, Johann", murmelt der Bärtige, steht auf und wendet sich vom Seemann ab. Ein erster Schritt zur unsichtbaren Tür.
"Dread, kannst Du Dich noch an das Bildnis mit dem Graben erinnern?"
Der Bärtige bleibt stehen. Verharrt. Überlegt.
"Keine Angst vor einem großen Graben - wirf Deine Schuhe hinüber, dann musst Du auch?"
Johanns Kopf dreht sich zu Dreads Rücken.
"Du hast Worte in die Vergangenheit geworfen - Du musst dorthin!"
Dread schaut über die Schulter zurück, sieht den flehenden Blick des Seemanns.
"Ich kann Dir nicht gerecht werden."
"Du hast es Libbi versprochen!"
"Sie hat es wahrscheinlich längst vergessen."
"Und deshalb zählt es nicht mehr?"
Betretenes Schweigen.
"Meine Reise führt mich zu den Sternen, Johann. Nicht aufs Meer hinaus."
Johann presst die Lippen zusammen.
"Die See steht über allem, Dread. Sie ist mächtig - selbst das Land hatte nie eine Chance. Es zerfasert, zerrinnt und verliert."
Der Bärtige schüttelt den Kopf.
"Irgendwann, Johann. Irgendwann, wenn die Hundert vor der Tür steht. Vielleicht - aber nicht jetzt."
Dread dreht sich zaghaft um. Verlässt entschlossen den dunklen Raum.
Und Johann.
"Du lässt mich wirklich allein?"