Literatopia
Poetische Rätsel - Druckversion

+- Literatopia (https://www.literatopia.de/forum)
+-- Forum: Skriptorium (https://www.literatopia.de/forum/forum-7.html)
+--- Forum: Aktionen, Spiele, Wettbewerbe (https://www.literatopia.de/forum/forum-35.html)
+---- Forum: Spielwiese (https://www.literatopia.de/forum/forum-37.html)
+---- Thema: Poetische Rätsel (/thread-247.html)

Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44


Poetische Rätsel - Werbär - 23-02-2008

Hier mal ein Forenspiel, welches -wie ich finde- sehr gut zu Literatopia passt. Anlass für dieses Forenspiel war das Gedicht Der Wanderer von Engelskrieger oder vielmehr die Diskussion darum.

Es verhält sich folgendermaßen.
Jemand denkt sich etwas, irgendetwas (es wäre nett, wenn es etwas alltägliches oder zumindest allgemein bekanntes wäre) und schreibt ein Gedicht (oder Prosa) darüber. Wie sie es gestaltet, ist der Person frei überlassen. Dabei versucht er, das, an was er gedacht hat, möglichst gut zu verpacken, es soll ja schließlich nicht sofort jemand auf die Lösung kommen.
Schon geht es los: Jeder versucht, den Gegenstand zu erraten, möglichst mit Begründungen natürlich. Der erste, der errät, um was es sich handelt, hat gewonnen und darf das nächste Gedicht stellen, worauf dann wieder alles von vorne los geht.

Ist das Gedicht zu schwer, kann der Verfasser des Gedichtes noch Verse hinzufügen, um weitere Detaills über die Lösung Preis zu geben. Wann er das tut, bleibt seiner eigenen Einschätzung überlassen, wenn aber nach 3 Zusatzhinweisen immer noch niemand errät, dann wäre Auflösung angebracht.

Im Grunde erklärt sich eh alles von selbst und ist für Knobelfreunde ein gelungener Spaß (und eine schöne Übung zum Umschreiben von Dingen und Finden von Metaphern).

Ich mach einfach mal den Anfang:


Kalt, starr, unförmig.
Glühende Hitze, es schwimmt.
Ein Hauch, es wird.

Ein einsamer Turm in den
Wogen der ruhenden See.
Kalt und Steif, doch spendet es Leben.
Facettenreich und Formenreich,
wirft uns unseren Selbstzweifel
entgegen. Kein Freund der Mäßigkeit,
hält stets einen bitteren Tropfen
des Geistesnebels parat.
Liquide Glückseeligkeit gibt
der Lebensspender.

Glücksbringer? Wohl kaum, doch dennoch...
Trüben Blickes schreit
es bei jedweder Berührung, dabei
gehört es doch eher zu den
schweigenden Lebensgefährten.



RE: Poetische Rätsel - mondenschein - 23-02-2008

Hey, das ist ja mal eine tolle Idee für Rätselspiele =)

Mir ist ja sofort beim Lesen deines Gedichts Eins in den Sinn gekommen:

Eis --- Eiswürfel --- Eisberge

Dann hab ich ein bisschen herumüberlegt und finde es könnte
Wasser allgemein sein.

Meine Erklärung dazu:

Zitat:Kalt, starr, unförmig.
Glühende Hitze, es schwimmt.
Ein Hauch, es wird.

Wasser gefriert bei Kälte zu Eis und wird fest. Ansonsten ist es flüssig, beziehungsweise wird zu Wasserdampf.

Beim zweiten Abschnitt geht es für mich um einen Eisberg, die Eigenschaft des Wassers zu spiegeln ("...wirft uns unseren Selbstzweifel
entgegen."), Wasser als Grundlage des Lebens ("Lebensspender").

Hmmmm... Wasser, das bei jedweder Berührung "schreit"... es platscht ^^

Tja. Also Unstimmigkeiten zu meiner Theorie sind der letzte Abschnitt und auch mit dem Geistesnebel kann ich nicht wirklich was anfangen.

Auch wenn mein Rateversuch nicht mal annähernd stimmt, es macht auf jeden Fall richtig viel Spaß herum zu knobeln :D

Grüße,
mondi


RE: Poetische Rätsel - Werbär - 27-02-2008

Also mit Wasser bist du auf jeden Fall schon sehr nahe dran. Es hat etwas mit Wasser zu tun, wenn auch nur in einer indirekten Art und Weise. Die Interpreation vom Lebensspender ist goldrichtig, aber das Wasser hat wie gesagt nur indirekt etwas mit dem gesuchten Begriff zu tun. Den Selbstzweifel als Spiegelung zu sehen, ist dir ebenfalls gelungen.... Doch, ich sehe du bist auf dem richtigen Weg. Icon_smile


RE: Poetische Rätsel - Mira - 27-02-2008

Also ich muss sagen, mir gefällt die Idee auch sehr - und dein erstes Rätsel ist schwierig, Werbär! *lach*

Hm ... ich hätte zuerst an einen Wasserhahn gedacht - oder einen Springbrunnen. Aber irgendwie wirft die letzte Strophe immer wieder alles über den Haufen.
Ein Spiegel? ... Er schreit aber nicht (höchstens wenn man auf eine gewisse Art mit dem Finger darünberfährt Icon_wink) und spendet auch kein Leben ... Mir kommen schon die verquertesten Assoziationen, jetzt musste ich sogar an ein Fieberthermometer denken *lol* ...

Hm, vielleicht eine Flasche! Oder ein Glas?
Moment, das könnte es sein, ich nehme mir dein Gedicht mal vor:

Zitat:Kalt, starr, unförmig.
Glühende Hitze, es schwimmt.
Ein Hauch, es wird.
Zu Beginn ist es eine kalte, unförmige Masse (aus was wird Glas gemacht? *rätsel* Mir fällt nur Sand ein Icon_wink). Dann wird es geschmolzen (zweite Zeile) und von einem Glasbläser "in Form geblasen" (dritte Zeile).

Zitat:Ein einsamer Turm in den
Wogen der ruhenden See.
Kalt und Steif, doch spendet es Leben.
Facettenreich und Formenreich,
wirft uns unseren Selbstzweifel
entgegen. Kein Freund der Mäßigkeit,
hält stets einen bitteren Tropfen
des Geistesnebels parat.
Liquide Glückseeligkeit gibt
der Lebensspender.
Hm, die ruhende See sehe ich jetzt einmal sehr profan als Tischtuch Icon_wink ... es "ragt" darauf empor, wie ein Turm. Kalt und steif, enthält aber Wasser bzw. Flüssigkeit (= lebensspendend). Es kann die verschiedensten Formen haben (Wasserglas, Weinglas usw.), man kann sich darin spiegeln ... und der Geistesnebel, den lese ich einmal als Wein Icon_wink - das würde auch zur liquiden Glückseligkeit passen, wenn man so will. *lach*

Zitat:Glücksbringer? Wohl kaum, doch dennoch...
Trüben Blickes schreit
es bei jedweder Berührung, dabei
gehört es doch eher zu den
schweigenden Lebensgefährten.
"Glücksbringer" - Scherben bringen Glück? ^^
Trüben Blickes ... oje, dafür habe ich keine Erklärung. Vielleicht von Fingerabdrücken, Mundabdrücken verschmiert ... oder durch den Atem, der darauf kondensiert, getrübt?
Es "schreit", also klingt, wenn man es berührt (klingt sehr nach Weinglas *g* - das "schreit" ja auch wirklich richtiggehend, wenn man mit dem Finger über den Rand fährt), ist ansonsten aber natürlich eher still.

Also, meine Schlussfolgerung: Es ist ein Glas! Wenn du ein spezielles meinst, würde ich sagen, ein Weinglas ^^

Und, wie falsch liege ich? Icon_wink


RE: Poetische Rätsel - Werbär - 28-02-2008

PERFEKT! Besser hätte ich es wirklich nicht sagen können! Du hast jeder der Metaphern einwandfrei verstanden und auch noch toll erklärt. Icon_smile Mensch, das ging ja überraschend schnell, hätt ich nicht gedacht!

Fazit: Mira hat gewonnen und darf das nächste poetische Rätsel aufsetzen. Icon_smile
(Ich bin schon sehr gespannt)


RE: Poetische Rätsel - Mira - 28-02-2008

Ha *lach* ... danke, Werbär! Hast mir aber schön Kopfzerbrechen bereitet mit dem Rätsel, ist nicht so, dass ich sofort draufgekommen wäre Icon_wink - Kompliment für die gekonnte Verschlüsselung.

Jetzt habe ich mich gerade hingesetzt und folgendes produziert - ich bin gespannt, wie schnell ihr es erratet Mrgreen ...
Es ist unglaublich, wie man die banalsten Dinge dramatisieren kann Icon_wink



Die Reibung, das Raue, den Aufprall ersehnend,
der aufsprengt, was nur als Möglichkeit ruhte,
verborgen in teuflischer Schicht
über einst hochstrebendem Leben
- nun tot
und in kleinste Fragmente zerteilt.

Wartend
im Dunkel des Sargs, dessen Träger
kaum auf ihn achten - es sei denn,
sie benötigen die Dienste derer,
die man liebt und fürchtet
in ihrer unbezähmbaren Wildheit.

Ursprung und Ende. Es werde.
Und in der Nacht folgt es dem, der es beschwört,
birst auf
und erstirbt erst,
wenn es alles verschlungen hat,
was sich seinem gierenden Hunger darbot.



Viel Spaß beim rätseln und raten ^^


RE: Poetische Rätsel - Libertine - 28-02-2008

Hallo zusammen!

Das ist ja ein wunderbares Spiel!
Beim Rätsel von Werbär habe ich versucht, was zu erraten, aber da ging mir kein Licht auf. Respekt für die Lösung, Mira, da war ich echt verblüfft. Mrgreen

So, dann mal schauen, was es hier ist:
Zitat:Die Reibung, das Raue, den Aufprall ersehnend,
der aufsprengt, was nur als Möglichkeit ruhte,
verborgen in teuflischer Schicht
über einst hochstrebendem Leben
- nun tot
und in kleinste Fragmente zerteilt.
Reibung, Raue -> Säge? Aufprall -> Baum?
wenn er aufschlägt, sprengt er kleine Pflanzen aus dem Boden, teuflische Schicht - Erde? (Wo ist die denn teuflisch, Libertine?)
tot und in kleinste Fragmente, wären dann Holzstücke

Zitat:Wartend
im Dunkel des Sargs, dessen Träger
kaum auf ihn achten - es sei denn,
sie benötigen die Dienste derer,
die man liebt und fürchtet
in ihrer unbezähmbaren Wildheit.
Mit der Strophe kann ich im Moment noch überhaupt nichts anfangen.

Zitat:Ursprung und Ende. Es werde.
Und in der Nacht folgt es dem, der es beschwört,
birst auf
und erstirbt erst,
wenn es alles verschlungen hat,
was sich seinem gierenden Hunger darbot.
Und das klingt dann nach Feuer, Nachtlicht.

Also ich wäre jetzt bei Feuer. Wobei ich Feuer jetzt nicht banal finde. Aber gut - ich logge mal ein. Ab in die Werbepause.

Liebe Grüße,
Libertine


RE: Poetische Rätsel - Mira - 28-02-2008

Libertine, du bist ja schnell Mrgreen

Bei zwei Dingen hast du recht:
1. Ja, die kleinsten Fragmente sind Holzstücke, auch wenn vorher nicht von einem Baum die Rede ist (und auch nicht vom Baumfällen - schräg, dass es so gelesen werden kann ^^)

2. Und ja, in der letzten Strophe geht es um Feuer Icon_wink
Du bist ganz, ganz nah dran ... Man könnte fast sagen: Es wird wärmer *lach*

Und wenn du es erraten hast, wirst du es sicher auch eher banal finden *gg*


RE: Poetische Rätsel - Libertine - 28-02-2008

Ein Streichholz, ein Streichholz, ist es ein Streichholz?
Es *muss* ein Streichholz sein!

Ja, irgendwie habe ich genau geguckt, als du's reingestellt hast. Ist das jetzt nicht unfair, da haben die anderen gar keine Zeit zum Grübeln Icon_nosmile.


RE: Poetische Rätsel - Mira - 28-02-2008

Libertine, du bist grausam! Icon_nosmile ...
Ich bin enttarnt. Bzw. ist eher das Streichholz enttarnt.
Also: Ja, du hast recht und erhältst hundert metaphorische Punkte! :D

Konkrete Auflösung der verqueren Bilder:

1. Strophe: Bei Reibung entzündet es sich - eine Möglichkeit, die im Schwefelkopf ruht (=> "teuflische Schicht", wie dramatisch *lol*). Das "einst hochstrebende Leben" sind Bäume, die Fragmente also Holzstücke, hast du ganz richtig erkannt.

2. Strophe: Sarg => Streichholzschachtel (*rolleyes*)
Die, "die man liebt und fürchtet in ihrer unbezähmbaren Wildheit" => Flammen

Und bei der letzten Strophe gibt's nichts mehr zu sagen, das ist einfach Feuer, wie du gesagt hast Icon_wink

Bitte sehr *verneig* - das nächste Rätsel ist dein! Icon_smile