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(Ab 18! Keine Jugendfeigabe) Die 120 Tage von Sodom - Marquis de Sade - Druckversion

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(Ab 18! Keine Jugendfeigabe) Die 120 Tage von Sodom - Marquis de Sade - Bomb3rman - 13-07-2010

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• Gebundene Ausgabe 479 Seiten
• Verlag: Anaconda (30. September 2006)
• Sprache: Deutsch
• ISBN-10: 3866470479
• ISBN-13: 978-3866470477

Klappentext
Die dunkle Seite der Aufklärung

Skandalös, behaupten die einen. Schmerzhaft notwendig, sagen die anderen. Die »120 Tage« des »göttlichen Marquis« polarisieren wie kaum ein zweites Werk der Weltliteratur. Vier Ehrenmänner halten 42 Frauen und Knaben auf einem Schloss gefangen und beraten, was mit ihnen zu tun sei. Da sie sich unbeobachtet wähnen, erliegen sie ihren Gelüsten und Begierden.

Ungeachtet der Diskussionen, die das Buch auch heute noch auslöst, ist der Roman längst ein literarischer Klassiker, an dem niemand vorbeikommt, dem an einer rückhaltlosen Selbstaufklärung des Menschen liegt.

Meine Meinung:
Auch wenn dieses Buch frei zu kaufen ist, möchte ich zunächst darauf hinweisen, dass es definitiv nicht für Jugendliche geeignet ist. Wenn wir die Regelung in Deutschland noch hätten, würde ich es definitiv erst ab 21 zum Verkauf anbieten.

Der Autor, von dessen Name sich der heutige Begriff "Sadismus" ableitet, wurde wegen mehrfacher Vergewaltigung verurteilt und später in der Pariser Stadtfestung 1784 eingekerkert, wo er einen Großteil seiner Werke schrieb. Im Zuge der französischen Revolution kam er jedoch 1790 wieder frei.

Das Buch ist im Endeffekt ein Manuskript, das nie ganz fertig geworden ist. Es teilt sich in eine Einleitung und die Teile 1 - 4. Die Einleitung stellt die 4 "Libertins" vor, während sich in den Teilen 1 - 4 die "amoralischen" Gelüste in immer größere Höhen schwingen, die vor keinem Geschlecht, keinem Alter, keinem Gebrechen und keiner "moralischen" Grenze Halt machen.

De Sade kreiert in diesem Buch eine Gruppe hoch gestellter Menschen, die er in Form von Dialogen von zweifelhafter Art seine Weltansichten wieder geben lässt. Er gilt als großer Kritiker der damals führenden Oberschicht, und spricht sich besonders für die Entkriminalisierung von Bi- und Homosexualität und Abtreibung sowie für die Ablehnung der Ideale von Jungfräulichkeit und ehelicher Treue aus. Allerdings war sein Hauptansatz wohl das Aufbrechen gesellschaftlicher Konventionen, die freie Entwicklung des menschlichen Geistes und der freien Ausübung der Sexualität. Gleichzeitig war er ein großer Kritiker der Religion im Allgemeinen. Der Geist der Aufklärung scheint ganz deutlich durch die Seiten dieses Buches.

Allerdings bringt er seine Ansichten auf eine sehr bildhafte Weise zum Ausdruck: Die vier eingangs aufgeführten "Libertins", allesamt als extrem triebhaft, widerlich und krank dargestellt, halten 42 Frauen und Knaben in ihrem Schloss gefangen, um sich an ihnen zu vergehen und sie nach und nach zur bloßen Belustigung zu töten. Auf weitere Details möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, aus weiter oben genannten Gründen.

Ich persönlich halte de Sade nicht im literarischen Sinne für einen der ganz Großen, jedoch hat sein Werk in den letzten 200 Jahren für großes Aufsehen gesorgt. Es zeigt die tiefsten Abgründe der menschlichen Natur, Folter, Erniedrigung, Perversion, Missbrauch und zu was sie führen können. Aus aufklärerischer Sicht muss man ihm Respekt für den Mut zollen, in der Zeit des 18. Jahrhunderts ein Buch zu schreiben, gegen das heute noch Charlotte Roches "Feuchtgebiete" wie ein Märchenbuch erscheint. In einer anderen Rezension habe ich mal folgenden Satz gelesen, der eigentlich auch meine Meinung über das Buch gut zusammenfasst:
"De Sade kreiert in den "120 Tagen von Sodom" ein interessantes Beispiel abschreckender menschlicher Grausamkeit - nicht mehr, und nicht weniger." Um zu erkennen, was für schlechte Seiten in einem jeden Menschen schlummern können, hilft dieses Buch. Man kann in meinen Augen Dinge nur benennen und dagegen angehen, wenn man sie (zumindest fiktiv!) kennt. Man kann sich über die gnadenlose Gewalt in diesem Buch negativ äußern; aber gerade heutige Filme wie die "Saw"-Reihe oder Hostel 1 und 2 und deren Erfolg zeigen ja, dass Gewalt ein Charakteristikum ist, dass in vielen, wenn nicht sogar allen Menschen in unterschiedlicher Ausprägung, schlummert. Um es zu kontrollieren und zu verstehen, muss man es zunächst einmal kennen.

Jetzt zu meiner Frage: Hat es jemand von euch gelesen? Wenn ja, wie findet ihr es? Wenn ihr es nicht gelesen habt: Würdet ihr es? Oder würdet ihr es nun nicht mehr? De Sade polarisiert, keine Frage. Von daher hoffe ich auf eine schöne Diskussion. Ich persönlich würde es zum Lesen empfehlen, wenn man sich mit dem Wesen der Menschen beschäftigen will und einiges aushalten kann. Es ist definitiv erst ab 18 zu empfehlen.