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Traumnacht - Druckversion

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Seiten: 1 2


Traumnacht - lu - 28-11-2010

Traumnacht

Du musst nicht aufwachen,
lass mich einfach nur
hier sitzen.
Der Abend so blau
vor den gelben Scheiben –

vom ersten Schnee wünsch ich
eine Handvoll
unter das Mondlicht
auf deinem Fensterbrett,
und von den Ornamenten
zwei, drei in dein Haar.

Ein Raureifkranz an
deine Tür
und Schleifen aus roter Seide –
ich warte auf dem Eis
neben den Gesängen,

(still,
damit es keiner hört):

Mit uns kann alles gut werden.

28.11.10
.


RE: Traumnacht - Zack - 29-11-2010

Hallo lu,

schön, endlich mal wieder etwas von dir zu lesen! Noch dazu ein so gelungenes Gedicht. Manchmal sind sie einfach nur durch und durch gut, aber manchmal sind sie auch, wie dieses hier, wahnsinnig gut. Du schaffst mit ganz einfachen Worten eine ganz seltsame Atmosphäre, die irgendwo zwischen fragiler Zärtlichkeit und unerwarteter Direktheit pendelt.

Es ist ein bisschen, als wäre das Offensichtliche nur einen Atemzug entfernt, aber so ganz klar wird es nie. Es bleibt verträumt, so als wüssten nur die Personen, um die es geht, wirklich, was die Worte bedeuten. Als Leser erahnt man es, fühlt es irgendwie, es ist aber oftmals schwer zu benennen.

Dieses Gedicht ist, wie gesagt, richtig schön - ich lese zumindest sehr viel Zuneigung darin, wenn sie auch von Kälte unterbrochen wird. Wie viele Gedichte von dir erscheint mir auch dieses ein Balanceakt zu sein ...

Grüßle

- Zack


RE: Traumnacht - lu - 29-11-2010

Hallo Zack!

Ich bin auch irgendwie froh, wieder mal was herzuzeigen Icon_smile
und wenn man dann auch gleich so einen Kommentar bekommt, kriegt man durchaus Lust, das bald wieder zu tun Mrgreen Icon_wink
* lu hat schon wieder vergessen gehabt, wie unruhig man wird, wenn man was zur Begutachtung gepostet hat Icon_ugly

Vielen vielen Dank für deine Reaktion; ich freu mich wirklich sehr über deine Worte und darüber, wie das Gedicht wirkt Icon_smile
Ich weiß allerdings nichtmal selbst, was genau ich meine. Manchmal find ich Zeilen, die meine Stimmung spiegeln und dann kommt sowas dabei raus. *lach*

Jedenfalls ein großes Dankeschön und auf bald wiederles Icon_confused Mrgreen

lu


RE: Traumnacht - Adsartha - 30-11-2010

Kia Ora lu!
Nach Ewigkeiten endlich wieder einmal etwas zu lesen von Dir. Ich habe mich sooo gefreut: [Bild: Laubhaufen.gif]
Dann auch noch so gelungen, schon die zweite Zeile versetzt einen in eine träumerische, romantische Stimmung, wie es nur manche Musikstücke schaffen.

Zitat:Du musst nicht aufwachen,
lass mich einfach nur
hier sitzen.
Der Abend so blau
vor den gelben Scheiben –
-- Also die ersten drei Zeilen haben es mir, trotz oder gerade ob ihrer Schlichtheit richtig angetan. Das Blau des Abends sollte eingentlich positiv sein, keine Wolken am Himmel, trotzdem klingt es für mich etwas wehmütig. Vielleicht wegen des Englischen, dort steht das "blau" ja für Trauer oder trübe Stimmungen. Hm.
Was nicht passen will, sind die gelben Scheiben. Was hat es damit auf sich? Ich weiß es nicht. Noch dazu in einer Zeile mit dem Blau - zwei Farben in einem Zusammenhang/Satz ist nicht meins.
Zusammen wäre dann der Himmel also Grün - hm, interessant. Icon_confused

Dann der Gedankenstrich und die nächste Strophe beginnt, trotz Leerzeile, klein. Also ein Zusammenhang? Ungewöhnlich. Wie die ganze Strophe an sich.

Zitat:vom ersten Schnee wünsch ich
eine Handvoll
unter das Mondlicht
auf deinem Fensterbrett,
und von den Ornamenten
zwei, drei in dein Haar.

Das Ich will also den Schnee unter das Mondlicht halten? Verstehe ich das richtig? Ah, oder der erste Schnee soll sich auf das Fensterbrett legen, wo jetzt bereits das Mondlicht sitzt? Verwirrend. Auch die Ornamente bleiben mir vorerst verschlossen.

Zitat:Ein Raureifkranz an
deine Tür
und Schleifen aus roter Seide –
ich warte auf dem Eis
neben den Gesängen,
-- Weitere Verzierungen und ein wartendes Ich, das von Hoffnung spricht:

Zitat:(still,
damit es keiner hört):

Mit uns kann alles gut werden.

Am Anfang las es sich wie ein Liebesgedicht, dann kamen allerdings einige Dinge hinzu, die Melancholie hineinwoben. Nicht zuletzt das wartende Ich, das flüstern muss.
Eine verbotene/ versteckte Liebe? Die Gefühle noch ganz frisch und rein, etwas unschuldig sogar - das würde zu den Vergleichen mit dem Schnee passen.

Hach, ich höre jetzt einfach auf mit der Interpretiererei, ich komme eh nicht wirklich dahinter, dafür ist es zu persönlich, verschnörkelt, zudem bin ich ja eh kein Freund vom Kaputträtseln.
Darum sage ich ganz schlicht: Wunderschönes Gedicht!
Es hat mich wirklich berührt und zeigt einmal mehr, was für eine Klasse du besitzt.

Ich hoffe, wieder öfter etwas von dir lesen zu dürfen. (Auch wenn es vielleicht "nur" ins Tagebuch wandert.)

Liebe Grüße
Addi


RE: Traumnacht - lu - 30-11-2010

Hallo Addi Icon_smile

hui, noch ein Kommentar! -- ich freu mich auch sehr Icon_smile

bei diesem Gedicht bringt Interpretation wohl nicht viel. Ich hab einfach Bilder aufgeschrieben, die irgendwie zu meiner Stimmung gepasst haben (die ein bisschen melancholisch war, ja) und mir spontan eingefallen sind.
@blaue Abende: Die Abende sind immer so blau im Winter, so ein schönes dichtes Blau, als wär die Luft blau. Und die Scheiben - bzw. eher das Licht hinter den Scheiben - wirkt dann so gelb und warm von außen bzw. über den Hof geschaut. So hab ich das gemeint.

Ich mag Übererklären und -analysieren auch nicht darum hab ich's in "Sonstiges" gestellt, weil ich mir gedacht hab, dass das jeder anders lesen kann. Solang's trotzdem gefällt Icon_smile

- und über
Zitat:Es hat mich wirklich berührt und zeigt einmal mehr, was für eine Klasse du besitzt
freu ich mich echt total Icon_cool - dankeschön!!

lg
lu Icon_smile


RE: Traumnacht - Adsartha - 01-12-2010

Hi lu,
jetzt, da ich es les, erscheint es mir logisch - das mit den Farben.
Irgendwie las ich es so, als würde das Ich von Innen nach Draußen schauen, da machten dann die gelben Scheiben wenig Sinn. Aber ich weiß, was du meinst. Im Winter wirken beleuchtete Fenster besonders heimelig, liegt wohl nicht nur am Licht, sondern auch an der Kälte. Icon_wink

Wie gesagt, ich habe die Traumnacht sehr gern gelesen und das Kompliment war ehrlich gemeint.

LG
Addi


RE: Traumnacht - poLet - 15-12-2010

...
was gäb es zu schreiben, zu sagen?

An Atem schmiegen sich worte, als raunten sie brücken,
als sei wind kein stoß mehr, doch nur tätschelei...
die kälte befangen
vom glühen der wangen
als ginge die dichterin
gerade vorbei

...


RE: Traumnacht - lu - 18-12-2010

Hallo polet! Icon_smile

ein Gedicht auf mein Gedicht! So eine Reaktion hab ich glaub ich noch nie bekommen..
tja, was kann *ich* dazu sagen oder schreiben? - dankeschön!!! Icon_smile

Ich freu mich wirklich sehr, dass dir das Gedicht gefällt und danke für das schöne "als ginge die dichterin gerade vorbei" Icon_smile Icon_smile

lg
lu


RE: Traumnacht - Lilith 13 - 09-01-2011

Terve lu,

dieses Gedicht hat wirklich etwas verträumtes. Aber auch sehr schwermütiges. Die Sehnsucht nach dem anderen. Für mich liest es sich, wie eine verbotene Liebe. Eine Liebe zwischen zwei Menschen, die doch nicht erfüllt wird/werden kann. Jedenfalls nicht auf Dauer. Obwohl der letzte Satz sehr optimistisch klingt, fühlt es sich beim Betrachten des Ganzen doch eher an, wie Utopie. Ein Traum eben.

Sehr stimmungsvoll.

LG
Lilith



RE: Traumnacht - lu - 09-01-2011

Hallo Lilith,

danke für deine Gedanken Icon_smile Kommt so ziemlich an das heran, was ich im Kopf gehabt hab; obwohl ich find, in "kann" steckt genauso viel "könnte" wie "wird"; vielleicht sogar eher mehr "könnte". Freu mich, dass dir die Stimmung gefällt Icon_smile

lg
lu