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Verloren im Feuer Kapitel 1 Teil 2 - Druckversion

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Verloren im Feuer Kapitel 1 Teil 2 - PainInTheBrain - 21-10-2015

Der etwas längere zweite Teil von Kapitel 1.

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Schließlich erreichten sie das Lager. Obwohl es gar nicht so weit außerhalb des Dorfes aufgeschlagen war, hatte die schiere Menge an Neugierigen und kurzentschlossenen Handelnden den Trampelpfad derartig verstopft, dass sie das Dreifache der Zeit benötigt hatten.
Es war nicht so exotisch, wie es sich Gevin ausgemalt hatte. Mehr noch, das Lager schien fast leer zu sein. Nur die Menschenhändler selbst, ihre Familien, wenige Wachleute und Arbeiter gingen im Lager umher, unterhielten sich oder ruhten sich im Schatten der Wagen aus. Hin und wieder zeigten sich jedoch neugierige Gesichter in den Eingängen der Zelte oder Planwagen, die schnell wieder verschwanden.

Die Dörfler sammelten sich, bis auf ein paar tuschelnde Leute ungewöhnlich still, am Rande des Lagers und warteten. Valion verabschiedete sich kurz von Gevin und kehrte an die Seite seines Vaters zurück, der ihm zunickte und dann seine Aufmerksamkeit wieder den Händlern zu wandte.
Als Erster trat Darvan vor, der angesehenste Mann im Dorf und Besitzer der einzigen Schenke, wobei Schenke bedeutete, dass er einen kleinen Raum mit ein paar Tischen zur Verfügung stellte und dort selbst gebrannten Schnaps ausschenkte. Er hätte vermutlich offizieller gewirkt, wenn er nicht so verschwitzt gewesen wäre und nicht eine tote Gans mit sich geschleppt hätte.

Nichtsdestotroz schien er bemüht zu sein, Würde an den Tag zu legen, als er in die Mitte des Lagers trat und zu den Männern sprach, die dort standen und das Eintreffen der Dörfler beobachtet hatten.
„Seid gegrüßt, werte Herren! Wir sind sehr erfreut, dass angesehene Händler wie ihr unser Dorf während eurer Reise besuchen. Wir haben gehört, dass ihr knapp an Speisen seid, und deshalb sind wir gekommen, um für ein paar wenige Münzen das anzubieten, was wir hier erwirtschaften! Und als Gastgeschenk“, deklamierte er und strahlte, „möchte ich euch diese prachtvolle Gans überreichen und euch auch recht herzlich in unsere Schenke einladen.“
Ein paar der Anwesenden Dörfler jubelten, während nun auch die Bewohner des Lagers zusammenströmten, jedoch eher gemächlich, als wollten sie zeigen, dass sie das Spektakel kalt ließ. Aus der Mitte der Männer, die Darvan angesprochen hatte, trat nun der größte und schritt nach einem kurzen geflüsterten Gespräch mit seinen Begleitern auf die Menge zu. Er war hochgewachsen, gut genährt und auf subtile Weise gutaussehend. Valion wunderte sich, dass das Haar des Mannes so lang, glatt und gepflegt war – im Dorf trugen fast alle, selbst die meisten Frauen, ihr Haar kurz. Und er bewunderte den schweren Mantel aus glänzendem Stoff und das so saubere, glatte Gesicht. Hätte Valion gewusst, dass es in den reicheren Vierteln der Hauptstadt ein strenges Modediktat gab, hätte er vermutlich erkannt, dass seine Erscheinung der neusten Mode folgte. So war er simpel von der Makellosigkeit überwältigt – keine Risse in den schweren, glänzenden Lederstiefeln, kein Flicken auf dem Hemd aus seidigem, tiefblauen Stoff. Dazu kam ein Lächeln, das reines, unverfälschtes Wohlwollen ausdrückte, als der Mann mit einem kurzen Nicken die Gans von Darvan entgegen nahm und sich dann an die Menge wandte.

„Danke, liebe Freunde, für diese Gastfreundschaft. Wir sind, wie ihr sicher alle wisst, ehrbare Händler auf der Durchreise und auf dem Weg zur Hauptstadt. Und es ist richtig, dass es uns an Vorräten mangelt, um die bevorstehende Reise abzuschließen. Deshalb sind wir sehr dankbar, dass ihr das wenige, das ihr habt, so großzügig mit uns teilen wollt.“ „Ha, das wenige, das wir haben. Im Vergleich zu was? Dem vielen, das ihr gestohlen habt?“
Valion fuhr erstaunt zu seinem Vater herum. Er hatte diese wenigen Worte nur gemurmelt, so leise, dass niemand sonst es hatte hören können. Ihre Blicke trafen sich, und es entsetzte Valion, dass er Hass in den Augen seines Vaters sah. „Dreh dich um, Junge. Sieh sie dir ruhig gut an, diese Verbrecher. Sieh dir an, wie sie allen Sand in die Augen streuen und wie wir uns darum reißen, ihnen zu Diensten zu sein, weil sie etwas haben, das wir so dringend benötigen.“ Grob drehte er Valion an der Schulter herum, richtete seine Aufmerksamkeit wieder nach vorn auf den Händler und die Menge. Und Valion gab sich wirklich Mühe, weil er wusste, dass sein Vater ihm etwas zeigen wollte. Was das war, war ihm in diesem Moment nicht klar.
Aber etwas fiel ihm auf, ja. Jetzt, da er genau hinhörte und hinsah, spürte er plötzlich den hochmütigen Unterton in der Stimme des Händlers, als er fortfuhr, zu sprechen. „Denkt aber bitte daran, dass wir natürlich nur das Beste aus den Hauptstädten gewohnt sind. Gerne wollen wir euch alles abkaufen, was unseren Ansprüchen genügen wird. Und gern werden wir eurer Schenke,“ er nickte Darvan wohlwollend zu, „einen Besuch abstatten.“

Warum hat sein Mund dann kurz so gezuckt, als wollte er angewidert das Gesicht verziehen, fragte sich Valion plötzlich. Die Stimme in ihm, die das gesagt hatte, schien mit dem leisen, oft feinen Zynismus seines Vaters zu ihm zu sprechen. Warum lächelt sein Mund, aber nicht seine Augen? Das ist nicht schwer zu erraten, oder? Sie werden nie in unser Dorf kommen. Sie wollen allein sein. Weil sie nicht wollen dass wir die Sklaven sehen.

„Aber um eines müssen wir euch leider bitten – ihr dürft dieses Lager nicht eigenmächtig ohne unsere Erlaubnis aufsuchen, nicht allein, und nicht nach Einbruch der Nacht. Unsere Wachen sind es gewohnt, gegen Diebe und Rebellen vorzugehen, und sie können nicht immer Fragen stellen, bevor sie ihr Gewehr anlegen.“ Es gab kurz Getuschel unter den Dörflern, aber das strahlende Lächeln des Händlers und eine ausladende Geste zogen die Aufmerksamkeit zurück auf ihn, weg von dem Verbot und den Drohungen, die er ausgesprochen hatte. „Und nun: Lasst uns sehen, was wir miteinander verhandeln können!“

Damit war der Damm endgültig gebrochen und alle strömten auf den Platz zwischen den Zelten, um ihre Waren aufzubauen. Die Frauen und Bediensteten der Menschenhändler traten vor und begannen, umher zu schlendern, um sich alles anzusehen, während die Händler selbst sich in die Zelte zurückzuziehen schienen. Valion wunderte sich einen Moment darüber, warum sie offensichtlich den Dörflern aus dem Weg gehen wollten, aber er musste sich beeilen, um mit seiner Mutter einen guten Platz zu sichern. So schnell wie es ging breiteten sie das Gemüse aus, platzierten die Körbe einladend vor dem Wagen und fegten das Stroh von den Eiern, das sie zuvor noch zum Schutz darauf ausgebreitet hatten. Geld wechselte die Taschen, und Valions Mutter legte sich wirklich ins Zeug. „Das ist ganz frischer Kohl! Natürlich kenne ich die Sorte, Wirsing. Ihr wollt einen frischen Salat, dann könnt ihr ihn gleich essen. Oder ihr kocht ihn ein, er wird sich sehr lange halten und jedes eurer Gerichte bereichern. Mila, hilf mir beim Einpacken.“ Und während Mila oder Arinda mit ihren unschuldigen großen blauen Augen und den feinen, blonden Strubbelhaaren emsig etwas einpackten, vergingen die Frauen der Menschenhändler fast vor Entzücken. „Wie kleine Püppchen!“, sagten sie, und eine von ihnen fuhr den Mädchen sogar durch die Haare und gab ihnen ein Kupferstück extra.
Während einer kurzen Pause, als gerade niemand bei ihnen stand, zog Valions Mutter ihn zu sich und öffnete ihre Schürzentasche. Er war erstaunt, wie viele Münzen sich darin angesammelt hatten. Es musste inzwischen schwer zu tragen sein, aber seine Mutter strahlte und flüsterte ihm zu: „Sieh nur, Valion. Da drin ist ein Schwein, und vielleicht ein neues Dach, oder eine Aussteuer für Arinda!“ Und als er scherzhaft fragte: „Ist ein Schwein nicht zu groß für deine Schürzentasche?“, kicherte sie viel ausgelassener, als der Scherz es eigentlich verdiente. Valion freute sich – seine Mutter war diejenige, die oft spät abends bei Kerzenschein am Küchentisch saß und mühsam, mit was auch immer sie gerade als Rechenhilfe finden konnte, das wenige Geld zusammenzählte, das sie verdienten. Sein Vater war ein starker und aufmerksamer Mann, aber selbst das wenige an Rechenkunst, das seine Frau beherrschte, stellte ihn vor fast unlösbare Probleme. So saßen sie zusammen, und Valion hörte oft ihre Gespräche mit, wenn er im Bett lag und nicht einschlafen konnte. Manchmal wurden sie so laut in ihrem Streit darum, was sie wie bezahlen sollten, dass selbst die Mädchen davon aufwachten. Früher waren ihre Stimmen oft auch voller Optimismus gewesen, wenn es eine überreiche Ernte gegeben hatte. Aber in letzter Zeit war das seltener vorgekommen. Das Land litt, und die heftigen Streitgespräche waren häufiger geworden. Niemand hatte Geld, auch Valions Familie nicht. Wenn Valion am Morgen hinunter stieg und seiner Mutter beim Bereiten des Frühstücks half, sah sie in letzter Zeit oft müde und traurig aus. Und wenn sie mit einer Hand voll Wegkiesel gerechnet hatte, lagen sie ein oder zweimal auch verstreut auf dem Boden, als hätte sie sie in einem Anfall von Wut und Verzweiflung vom Tisch gefegt. Sie jetzt glücklich und lachend zu sehen war für ihn eine Erleichterung.


Schließlich, als der frühe in den späten Nachmittag überging, waren die meisten Handel abgeschlossen. Ein paar hartnäckige zankten sich noch um ein Schaf und zu welchem Preis es den Besitzer wechseln sollte, aber die meisten packen die wenigen Waren, die sie nicht hatten verkaufen können, ein und zogen davon. Während Valion dabei half, die leeren Körbe zusammenzustellen – erstaunlicherweise hatte ein Diener eine riesige Menge Äpfel gekauft – überblickte er den Lagerplatz. Alle sahen zufrieden aus, und da das Gedränge nachgelassen hatte, konnte Valion auch einen Blick hinüber zu Gevin und seiner Familie werfen. Offensichtlich waren sie auch das dicke Huhn losgeworden. Mila und Arinda halfen schon lange nicht mehr, sondern spielten versunken auf dem Boden miteinander.
Gerade, als Valion vom Karren zurückkehrte, um die letzten noch halb vollen Körbe zu holen und aufzuladen, bemerkte er, dass die Menschenhändler aus ihrem Zelt zurück auf den Platz getreten waren. Unter ihnen war auch der große, elegante Mann, der die Ansprache gehalten hatte. Die Männer unterhielten sich kurz, bevor sie begannen zu ihren jeweiligen Bediensteten oder Ehefrauen zu schlendern oder sich, in Einzelfällen, mit den Dörflern zu unterhalten. Valion beobachtete sie eine Weile, aber als er gerade zu dem hochgewachsenen eleganten Mann hinüber sah, trafen sich ihre Blicke.Valion wurde plötzlich so eindringlich gemustert, dass er schnell den Kopf senkte und sich wieder seiner Arbeit zu wandte. Hoffentlich denkt er nicht ich hätte ihn angestarrt, dachte er unbehaglich, während er nach den Waren griff. In diesem Moment schloss sich eine Hand um sein Handgelenk und er wurde herumgedreht.

„He, du.“ Überrumpelt blickte er in das Gesicht des hochgewachsenen Mannes, der ihn fest hielt. Aus der Nähe sah Valion, dass er älter sein musste, als er ihn zunächst geschätzt hatte, vermutlich fast vierzig Jahre alt. Seine Augen waren von einem kalten Grau und musterten ihn eindringlich. Schließlich ließ der Mann Valions Hand los, packte ihn aber gleich darauf grob am Kinn und drehte sein Gesicht nachdenklich erst nach links, dann nach rechts. Valion war viel zu überrascht, um zu reagieren, aber seine Mutter nicht.
„Mein Herr, was tut ihr da? Bitte lasst meinen Sohn los!“, rief sie und ging mit energischen Schritten auf die beiden zu. Der Mann hielt Valion jedoch noch einen Moment länger fest, bevor er ihn schließlich freigab und sich geistesabwesend die Hand an seinem Mantel abrieb, als hätte er etwas Widerwärtiges angefasst. Trotzdem ließ er die Augen nicht von Valion, als er in gelangweiltem Tonfall fragte: „Sohn, was? Er ist nicht besonders groß. Hübsch. Wie alt ist der Junge?“ „Fünfzehn“, antwortete Valions Mutter sofort. Die Lüge war offensichtlich, denn obwohl er klein und sehr dünn war, sah man Valion an, dass er inzwischen schon siebzehn war. Seine Schultern waren in den letzten Jahren breiter geworden, sein Adamsapfel weiter nach vorn getreten, und auch sein Stimmbruch lag hinter ihm. Trotzdem nickte er hastig. Doch auf dem Gesicht des Mannes zeigte sich keine Enttäuschung, nur heitere Gelassenheit. „Fünfzehn, hm? Zu schade. Denn wie jeder weiß,“ er lächelte kalt, „dürfen Menschenhändler keine Knaben und Mädchen kaufen, die jünger sind als sechzehn Jahre. Das erzählt man sich zumindest.“

Nicht, dass ihn das interessieren würde, schoss es Valion durch den Kopf. Seine Miene musste sich unmerklich verzogen haben, denn der Mann zwinkerte ihm zu – nicht freundlich, sondern wissend. Du weißt was ich weiß, sollte die Geste bedeuten. Und Valion überlief eiskalt die Erkenntnis, dass er, wenn er die Sklaven, die versteckt in den Planwagen warteten aufgesucht hätte, alle Altersgruppen gesehen hätte. Nicht nur junge Frauen und Männer, sondern auch Kinder. Nicht viele, nicht die Mehrzahl... Und wenn jemand unerwartet in das Lager kommen würde... denk ja nicht daran.

Sie hätten sich vermutlich noch länger gegenseitig angestarrt, während die verbliebenen Dörfler und die umstehenden Lagerbewohner unruhig wurden, aber aus der Gruppe der Händler trat nun ein weniger imposanter Mann von kräftiger Statur und mit einem rötlich braunen Bart vor und legte seinem Freund eine beschwichtigende Hand auf die Schulter. „Ansin, wir wollen die restlichen Stationen bis zur Hauptstadt planen. Der Wirt kennt sich etwas in der Gegend aus. Kommst du?“ Der hochgewachsene Mann riss die kameradschaftliche Hand unwirsch von seiner Schulter, machte aber kehrt und stolzierte mit einem letzten, durchdringenden Blick auf Valion zurück zu dem Zelt der Händler. Und damit war es vorbei.
Valion merkte erst, dass seine Mutter den Atem angehalten hatte, als sie die Luft mit einem zittrigen Seufzer entweichen ließ. Immer noch verwirrt von den letzten Geschehnissen fragte er leise: „Wollte er mich kaufen?“ Zu seinem Entsetzen holte seine Mutter aus und gab ihm eine so saftige Ohrfeige, dass ihm der Kopf dröhnte, und zischte: „Kein Wort davon, zu niemandem! Und wenn dein Vater davon erfährt, schwöre ich bei Gott, du wirst den Tag verfluchen an dem ich dich geboren habe! Ist das klar?!“ Ihr Gesicht war so von Angst und böser Ahnung erfüllt, dass er es nicht wagte, zu widersprechen.

Und tatsächlich erfuhr Valions Vater nie von seinem Sohn selbst, was geschehen war. Valion war verwirrt und mit hochrotem Kopf zum Wagen zurück getrabt, und als sein Vater misstrauisch fragte, was passiert war, wer ihn geschlagen hatte, hatte er gelogen. Er sagte, er hätte zwei Eier fallen lassen, und Mutter sei die Hand ausgerutscht. Sein Vater nickte und brummte etwas darüber, dass es für alle ein langer Tag gewesen sein, und damit war das Thema erledigt.

Doch schlechte Nachrichten brauchen keinen Boten – jeder gab einen Fetzen von dem weiter, was er gehört oder gesehen hatte, und wenn sich diese vielen kleinen Brocken von Information schließlich trafen, ergaben sie letztendlich das ganze Bild. Später dachte Valion darüber nach, ob es eine Rolle gespielt hatte, dass sein Vater schließlich versucht hatte, die Sklaven zu befreien. Ob er davon gekommen wäre, hätte sein Vater nie eingegriffen oder versucht, mehr herauszufinden. Aber schlussendlich kam er zu dem Ergebnis, dass es keinen Unterschied gemacht hätte. Der große, gutaussehende Mann, der ihn entdeckt hatte und schließlich mit einem Lächeln, das eine obszöne Freude an seinem Tun zeigte, seine Schulter brandmarkte, war niemand anders als Ansin Eravier, und er bekam alles, was er sich wünschte.

Eravier, der Name, den man nur flüsterte. Kaum jemand im Dorf wusste Genaues über diesen Sklavenhändler, aber Gerüchte gab es genug. Es hieß, es spiele keine Rolle, ob man seine Sohn oder seine Tochter verkaufen wolle – er fand einen Weg, sie abzukaufen. Seine Proteges, so flüsterte man sich hinter vorgehaltener Hand zu, waren die verruchtesten Sklaven der ganzen Hauptstadt. Er belieferte Grafen und angeblich sogar den König, sein Auge für Schönheit war legendär, und wen er für würdig befand, verwandelte er in eine Schönheit gleich einem Engel. Aber gab es einen ruchloseren, einen gefürchteteren, einen mitleidloseren Händler als ihn? Es hieß, im Zorn über eine junge Frau, die er nicht hatte kaufen können, hätte er ein ganzes Dorf nieder gebrannt, und der König, der selbst zwei von Eraviers schönsten Knaben besaß, hatte ihn gewähren lassen.

Manche zweifelten – wie kam es, dass Eravier so tief im Landesinneren unterwegs war? Dass er, der schon so viele Jahre Menschen kaufte, sich angeblich in seinem Urteil verschätzt hatte und in einem der kleinen Dörfchen sein Lager aufschlagen musste, das so weit unter seiner Würde war?
Valions Vater konnte über diese Einfalt nur lachen. Denn anders als die meisten Händler, die die kleinen dreckigen Dörfer mieden, suchte Eravier die Schwachen und die Wehrlosen. Unter den Geschlagenen und Ausgestoßenen suchte er die Perlen, die ein Leben voller Leid und Schmerz nicht beugen konnte, und aus dem Schmutz, der Angst, den Schmerzen und den Tränen eines ganzen geschundenen Volkes schmiedete er die perfekten Sklaven – bereit, alles zu ertragen, was ihnen angetan wurde.
Das alles erfuhr Valion nur allzubald, auch wenn er nicht damit gerechnet hatte. Vielleicht war es Schicksal, dass Wer auch immer den Namen des Händlers aufgeschnappt hatte, ihn im Dorf verbreitet hatte, und so erfuhr Valions Vater spät abends, als er vor dem Haus Holz hackte, den Namen von ihrem nächsten Nachbarn.

Als Valion von seiner Mutter nach draußen geschickt wurde, um seinen Vater zum Essen hereinzuholen, lag der Hauklotz verlassen da, die Axt achtlos fortgeworfen daneben. Verwundert runzelte Valion die Stirn und ging den ausgetretenen Pfad um die Scheune herum, zum Rande des Feldes. Dort, im Schutz der drei Apfelbäume, saß sein Vater im Gras, die Beine angewinkelt, die Arme darauf abgelegt und aufs Feld hinaus starrend. Valion konnte sein Gesicht nicht sehen, aber etwas an der Art wie er da saß – die Hände kraftlos herab hängend, den Rücken krumm gebeugt wie ein Greis, das Haar zerzaust, als hätte er es sich verzweifelt gerauft – machte Valion noch mehr Angst als die verwirrende Ohrfeige am Nachmittag und die Nervosität seiner Mutter. „Vater?“
Seine Vater wandte sich nicht einmal zu ihm um, starrte weiter auf das Feld. „Was ist?“ „Mutter sagt, ich soll dich zum Essen holen.“ Ein Brummen, man wusste nicht, ob es zustimmend oder verneinend sein sollte, war die einzige Antwort.

Valion haderte mit sich. Es gab Zeiten, da ließ man seinen Vater besser in Ruhe. War dies so ein Moment? Er wusste es nicht. Von einem Moment auf den anderen war die Welt, die gestern noch so völlig gewöhnlich gewesen war, in eine beängstigende Schräglage gekippt, und er konnte nur vage erahnen, warum. Schließlich gab er sich einen Ruck und ging hinüber zu seinem Vater, um sich neben ihm im Gras niederzulassen, und nahm, ganz unbewusst, die selbe Haltung ein – die Beine angewinkelt, die Arme auf den Knien abgelegt. Für einen Moment waren sie ein und derselbe Person, einmal als ein Junge, einmal als ein gestandener Mann, Seite an Seite auf das Feld hinaus blickend, das sie Tag für Tag zusammen bearbeiteten, während die Sonne im Westen den Horizont berührte und den Himmel rot und violett färbte. Dann sah der Vater auf seinen Sohn herab, den er immer noch um einen Kopf überragte. Liebevoll strich er ihm durchs Haar, mit einem traurigen Lächeln, das ihm die meisten im Dorf nicht zugetraut hätten, und Valion legte für einen Augenblick dankbar seinen Kopf auf die Schulter seines Vaters. Es war einer der wenigen, mit den Jahren immer seltener werdenden Momente, in dem sie so beieinander waren, und es kam Valion im Nachhinein unfair vor, dass er in diesem Moment nicht gewusst hatte, dass es das letzte Mal war, dass er seinem Vater so nahe war.

Hätte es diesen Moment nicht gegeben, hätte er niemals gewagt, eine zögerliche Frage zu stellen:
„Was ist passiert?“ Die Antwort war ein Seufzer, tief und unglücklich.
„Es hat wohl keinen Sinn, dir nichts davon zu erzählen“, begann sein Vater mit Widerwillen, „denn du wirst jetzt erwachsen. Meist kommst du mir immer noch wie der kleine Junge vor, der rotznasig herumgelaufen ist und im Dreck gewühlt hat, um mir beim Säen und Ernten zu helfen. Aber du wirst bald eine Frau finden, ein eigenes Feld bestellen...“ Er machte eine Pause, und als er weiter sprach, war seine Stimme plötzlich voller hilfloser Wut. „Die Göttern sollen mich verdammen wenn ich zulasse, dass so ein Dämon aus der Unterwelt hierher gekrochen kommt und nicht zahlt für das, was er uns antut.“ „Meinst du die... Händler?“
Valions Vater schnaubte leise, bitter amüsiert. „Oh Junge, du kannst sie ruhig bei dem nennen, was sie sind. Menschenhändler, Sklavenverkäufer! Abschaum, der sich von den Schwachen nährt und ihre Körper an die Reichen verkauft!“ Seine Stimme war immer lauter geworden, bis sie fast bei einem Brüllen angelangt war, und seine großen Hände gruben sich zornig ins Gras und die darunterliegende Erde. „Glaub mir, ich bin zwar nur ein dummer Bauer, aber ich kenne ein paar Leute, und die kennen Leute, und die haben all ihre Missetaten, den Raub, die Morde, alles haben sie verfolgt! Das Land blutet aus, Valion! Es ist fruchtbar, oh ja, fruchtbar und reich gesegnet mit braven Männern und Frauen, die alles geben, damit es blüht und wächst! Aber alles, was wir säen, alles was wir ernten, das bleibt uns nicht allein. Du weißt, was wir jedes Jahr abgeben müssen, nicht wahr?“ Valion nickte, eingeschüchtert von diesem mächtigen, wütenden Monolog. „Zahlen wir wirklich so viele Steuern?“ „Früher, als du noch ein kleiner Junge warst, da war es nicht so viel“, erklärte sein Vater und macht eine wegwerfende Handgeste, „aber dann, mit jedem Jahr, ist es mehr geworden! Und frag mich mal, wofür?“ Valion dachte einen Moment, er solle antworten, und ihm wurde zum ersten Mal völlig bewusst, dass es mehr gab, als nur ihr kleines Dorf. Da draußen, irgendwo, gab es eine Hauptstadt, ein Heer, einen König.
Sein Vater wartete aber keine Antwort ab, sondern fuhr von selbst fort: „Ich sage dir, wofür! Für die Prunkschlösser des Königs und nichts anderes! Für die rauschenden Feste der Adeligen, die Huren und Spiele und den Wein! Wir sind nicht im Krieg, nicht mehr, schon seit zehn Jahren nicht! Es gab keinen Hunger, keine Dürren, keine Fluten. Und dennoch haben wir schon vor vier Jahren zwei Silberstücke mehr gezahlt, und seit letztem Jahr noch einmal eines dazu! Das sind, allein den letzten vier Jahren...“ „9 Silberstücke mehr?!“, hauchte Valion ungläubig. Die Summe kam ihm unbeschreiblich vor. Sein Vater schmunzelte einen Moment und klopfte ihm kräftig auf die Schulter. „Sehr gut, Junge. Du kannst schon so fix rechnen wie deine Mutter!“ Valion hätte sich gern über das Kompliment gefreut, aber die 9 Silberstücke brummten in seinem Kopf wie ein Schwarm Bienen. Das war ein Vermögen, selbst gerechnet auf die Jahre. In seinem Kopf fügten sich Teile eines großen Bildes zusammen, die bisher nicht zusammen gepasst hatten. Die wachsenden Sorgen seiner Eltern, die wütend verstreuten Kiesel, die seine Mutter zum Rechnen verwendete. Die Debatten der Nachbarn, die Tatsache, dass immer größere Anteile ihrer Ernte manchmal still und leise verschwanden, einer im Dorf heimlich in der Nacht Korn mahlte und ein anderer heimlich Brot buk, dass keiner der Steuereintreiber je zu Gesicht bekam oder auf seiner kleinen Schiefertafel festhalten konnte.

„Jetzt begreifst du, nicht wahr?“, knurrte sein Vater, halb wütend, halb stolz über die schnelle Auffassungsgabe seines Sohnes. „So geht es seit Jahren, und die, die ihre Abgaben nicht zahlen können, was meinst du, geschieht mit denen? Hier, ha, hier ist es noch nicht einmal besonders schlimm. Wir haben Glück! Diese Felder sind seit Generationen so fruchtbar wie kein zweiter Landstrich im Königreich. Aber in den kahleren Gegenden, dort, wo die Wälder beginnen... dort sieht es immer düsterer aus. Die Menschen könnten leben, ganz sicher, wenn sie nicht diese verfluchten neuen Abgaben zahlen müssten! Und weil sie kaum genug haben zum Leben, da haben sie erst recht nicht genug, um anderen etwas abzugeben. Und das Geld, dass sich der König und die adligen Herren nehmen, wo geht’s hin? Wein, aus den warmen Ländern, feine Trauben, die bei uns nicht wachsen. Stoffe aus noch ferneren Gegenden, goldgewebtes Was-weiß-ich, und feines Geschirr. Und... Sklaven. Ja, das ist eines der wenigen Güter, das dieses Land noch ohne Zahl hervorbringt.“
Er machte eine Pause, und man konnte fast sehen, wie er sich vorwärmte, um einem Drache gleich seinen Hass, seine Wut und Abneigung heraus zu speien wie Feuer. „Ich hab dich vorhin gefragt, ob du weißt, was mit denen passiert, die nicht mehr zahlen können. Kannst du es dir denken?“ Valion antwortete unbehaglich: „Sie werden... alle solche Sklaven?“ „Nicht alle, zumindest nicht... solche.“ Er schnaubte verächtlich. „Die feinen Sklaven, die sie in ihre Betten mitnehmen, nein, dafür sind nicht alle brauchbar. Die meisten werden unfrei, dann gehört nichts mehr ihnen, gar nichts. Sie bestellen ihr Feld nur noch für ihren Herren, und weniger als einen Hungerlohn können sie sich nie mehr erhoffen, wenn sie nicht völlig vertrieben werden und das Land und ihr Anspruch ihnen für immer genommen werden, sodass sie bettelnd umherziehen! Aber dann gibt es auch die feineren Sklaven, und Leute wie die Männer, die hierher gekommen sind – die handeln mit denen, und sie können nur so viele von ihnen mitnehmen, weil es der einzige Weg ist, in diesem Land noch zu Geld zu kommen, wenn man nicht schon vorher unermesslich reich war! Es gab sie schon früher, in geringer Zahl, aber jetzt, jetzt sind es viele geworden. Ein Menschenleben ist inzwischen so wenig wert, dass Menschen gekauft werden statt ihre Zeit und ihre Fähigkeiten.“

Sein Blick wanderte jetzt die Straße entlang, in Richtung des Lagers, das in dieser Richtung ausgebreitet lag und wo, verborgen von den Augen der Dorfbewohner, in diesem Moment Menschen in Ketten lagen. Es wäre kaum zu sehen gewesen, nur eine Ansammlung von unkenntlichen Konturen im schwindenden Tageslicht, wären nicht die Feuer und Fackeln gewesen, die alles in rötliches Licht tauchten. Gestalten bewegten sich zielstrebig durch das Lager.
„Sie sind alle Verbrecher“, fuhr Valions Vater schließlich fort, „aber dieser Mann, Ansin Eravier ist sein Name, der ist einer der Schlimmsten! Wenn du wüsstest, was für Greueltaten er begangen hat! Die Leute flüstern sich nur Gerüchte über ihn, aber sie kennen nicht die Wahrheit, und die ist schlimmer als jeder Alptraum! Morde, Raub, Folter...“ Es schien, als wollte er noch mehr sagen, aber er schwieg und ballte wieder grimmig die Fäuste. „Aber für solche Geschichten bist du nun doch noch ein bisschen zu jung. Selbst das zu wissen, was ich dir gerade gesagt habt, ist ein bisschen viel. Später.“ Er sah zu Valion, dem deutlich ein Protest auf den Lippen lag, und winkte ab. „Später, wenn du eine Frau und ein eigenes Haus hast, und weißt wie es ist verantwortlich zu sein für andere Menschen.“ Aber Valion wollte mehr wissen, und jetzt war vielleicht seine einzige Chance, alles zu erfahren, bevor die Menschenhändler weiter zogen und alles in Vergessenheit geraten würde. Er wusste, wenn er jetzt nicht nachfragte, würde sein Vater das Thema für lange Zeit wieder begraben, denn das war seine Art. Er sprach nie, nicht einmal in guter Stimmung, so viel, wie er heute erzählt und erklärt hatte. Deshalb fragte Valion: „Aber wer hat dir davon erzählt? Weiß noch jemand im Dorf so viel darüber wie du? Oder hast du das alles selbst herausgefunden?“

Bevor Valion auch nur ein weiteres Wort sagen konnte, kam seine Mutter aus der Dunkelheit hervor gestürmt, die inzwischen über dem Hof hereingebrochen war, in einer Hand eine Laterne. Es hätte nicht schrecklicher sein können, wenn ein Racheengel begleitet von Blitz und Donner vom Himmel gestiegen wäre. Erst als sie Valion und ihren Mann unter dem Apfelbaum erblickte, zog sich tiefe Erleichterung über ihr Gesicht, nur um gleich darauf von frischem Zorn ersetzt zu werden. „Was denkt ihr zwei euch eigentlich dabei?! Ich rufe euch zum Abendessen, keiner von euch beiden kommt zurück, der Hackklotz verlassen, keine Spur von euch?! Ich dachte, euch wäre etwas zugestoßen!“, tobte sie. „Ab ins Haus, alle beide!“ Valion sprang schuldbewusst auf und klopfte seine Sachen, schmutzig vom Sitzen auf der bloßen Erde, hastig mit den Händen ab. „Mutter, wir haben nur...“, begann er, aber sie warf ihm nur einen missbilligenden Blick zu und machte auf dem Absatz kehrt. Kurz darauf war nur noch das Licht der Laterne zu sehen, das wütend in Richtung Haus davon tanzte.
Auch sein Vater rappelte sich jetzt auf und legt Valion kurz seine Hand auf die Schulter, um sie zu drücken, und sein Blick glitt noch einmal hinauf auf den Hügel. Das Lager sah von fern friedlich aus, warmer Feuerschein und anmutige Zelte unter einem klaren Sternenhimmel. „Es erscheint einem in der Dunkelheit sehr nahe, nicht wahr?“, sagte sein Vater düster, und ein Windstoß, der Vorbote einer kalten Nacht, traf die beiden.

Valion fröstelte, und für einen Moment fragte er sich, wie weit man vom Lager gehen musste, über ihr Feld, bis zu dem Hackklotz, an dem er seinen Vater nicht gefunden hatte. Wie schnell und leise man einen Mann, der arglos Holz vor seinem Haus hackte, hinterrücks ermorden konnte. Was eine fallen gelassene Axt, ein spurlos verschwundener Mann oder Sohn in einer kalten Nacht bedeuten konnte, jetzt, da er wusste, dass die Welt nicht unschuldig war. Wenn er gezweifelt hatte, dass sein Vater die Wahrheit gesagt hatte, jetzt konnte er nicht mehr zweifeln.

Als er sich erinnerte, wie seine Mutter durch die Dunkelheit heran gelaufen kam, die eine Hand eisern die Laterne umklammernd, die andere in der Schürzentasche verborgen, hatte er den Beweis bekommen. Er hatte die Furcht und den Hass in ihren Augen, die er vor wenigen Tagen noch nicht zu deuten gewusst hätte, aus der Stimme seines Vaters wieder erkannt.

Ende Kapitel 1


RE: Verloren im Feuer Kapitel 1 Teil 2 - SirJasonCrage - 02-11-2015

So. Hat ein Weilchen gedauert, aber ich hab wieder ein kleines Stückchen Zeit aus dem kosmischen Fluss herausschneiden und zurechtstutzen können. Zeit für mehr BrainPain.


First read: Der ist zwar schon ne Weile her, aber mein Eindruck sah ungefähr so aus:
Sephiroth will einen sommersprossigen Cloud kaufen. Seine Mutter merkt das und findet es nicht cool. Am Abend setzt sich der Junge zu seinem Vater und fragt ihn, was los ist, woraufhin der nicht erzählt, dass seine Schwester gekauft/sein altes Dorf niedergebrannt wurde, sondern fundierte Systemkritik übt. Valion geht ein Licht auf, das ihm dann vom Blick der Mutter bestätigt wird.

Man merkt eindeutig, dass der Vater eine Vorgeschichte mit solchen Händlern hat, wahrscheinlich sogar mit Eravier persönlich. Wenn die Frau, die der nicht haben konnte, für die er das Dorf niederbrannte mit Valions Vater zu tun hat, dann hast du das schön für den Leser eingefügt. Die Selbstbeherrschung des "dummen Bauern" ist in dem Fall aber legendär.



Zitat:Es war nicht so exotisch, wie es sich Gevin ausgemalt hatte.

Das klingt kurz, als würden wir die Story aus Gevins Sicht erleben. Mein Vorschlag wäre, das "sich" zu streichen.


Zitat:Hin und wieder zeigten sich jedoch neugierige Gesichter in den Eingängen der Zelte oder Planwagen, die schnell wieder verschwanden.

Gesichter in den Eingängen der Zelte
Planwägen, die schnell wieder verschwanden.

Ich habe ein Weilchen gebraucht, bis ich da die Worte richtig zuordnen konnte. Die Ninja-Planwägen werden mir nie wieder aus dem Kopf gehen Icon_lol


Zitat:Hätte Valion gewusst, dass es in den reicheren Vierteln der Hauptstadt ein strenges Modediktat gab, hätte er vermutlich erkannt, dass seine Erscheinung der neusten Mode folgte.

Mal davon abgesehen, dass es mich immer sehr stört, wenn man vom beobachtenden Erzähler zum allwissenden springt, stellt sich mir hier die Frage nach dem warum. Es gibt Fälle, da rechtfertigt der Zweck irgendwo halbwegs den Wechsel im Erzähler, aber hier finde ich fast, dass du die Stelle ganz rausnehmen könntest und der Text dadurch besser würde.


Zitat:Und tatsächlich erfuhr Valions Vater nie von seinem Sohn selbst, was geschehen war.

Hier ist wieder der Erzählerwechsel, aber am Anfang vom Satz stört er nicht ganz so. Allerdings verwirrst du hier ein Bisschen. Man ist sich in den Absätzen danach nicht ganz darüber im Klaren, ob das "erfahren" des Vaters schon stattgefunden hat oder ob das nur ein Vorgreifen des Erzählers war, was dann wieder etwas ist, das ich nicht mag.


Zitat:Doch schlechte Nachrichten brauchen keinen Boten – jeder gab einen Fetzen von dem weiter, was er gehört oder gesehen hatte, und wenn sich diese vielen kleinen Brocken von Information schließlich trafen, ergaben sie letztendlich das ganze Bild. Später dachte Valion darüber nach, ob es eine Rolle gespielt hatte, dass sein Vater schließlich versucht hatte, die Sklaven zu befreien. Ob er davon gekommen wäre, hätte sein Vater nie eingegriffen oder versucht, mehr herauszufinden. Aber schlussendlich kam er zu dem Ergebnis, dass es keinen Unterschied gemacht hätte. Der große, gutaussehende Mann, der ihn entdeckt hatte und schließlich mit einem Lächeln, das eine obszöne Freude an seinem Tun zeigte, seine Schulter brandmarkte, war niemand anders als Ansin Eravier, und er bekam alles, was er sich wünschte.

Brr. Allwissender Spoiler-Erzähler. Mag ich auch nicht^^ Um es mal konstruktiver zu formulieren:
Du fängst mit Zeitpunkt 5 am Anfang des Kapitels in Teil1 an, springst dann zu Punkt 2 und bleibst dort, während du zu Punkt 3 und 4 vorgreifst.

Die zwei erzählten Absätze über Eravier danach würde ich auch eher Valion erfahren lassen, anstatt sie einfach kontextlos zu berichten.
Dass der Vater über die Gedanken der Dörfler nur lachen kann ist noch der unangenehmste Satz im ganzen, denn es passiert ja nicht. Man fragt sich allgemein, warum Eravier so tief im Landesinneren ist und der Vater findet es dumm, dass die Leute nicht selbst drauf kommen. Die Handlung des Lachens findet gewissermaßen nur innerlich statt... Ich weiß nicht, wie ich das besser formulieren kann, aber du wirst von vagen Behauptungen über Gerüchte plötzlich wieder bildlich, ohne dass das Bild existiert.
Viel besser fände ich es hier, wenn du Valions Rückweg beschreibst und er das Geschwätz der Menge überhört. Da kommen die Gerüchte rüber und wenn die Leute über ihn und Eravier reden, kann man sich auch denken, dass es der Vater irgendwann erfahren wird, da sparst du dir das vorige Vorgreifen.


Zitat:und es kam Valion im Nachhinein unfair vor, dass er in diesem Moment nicht gewusst hatte, dass es das letzte Mal war, dass er seinem Vater so nahe war.

Da warst du gerade wieder zwei Absätze wunderschön im beobachtenden Erzähler durch Valions Augen und lässt dann wieder ne Spoilerbombe fallen. Wir wissen doch dank deines Anfangs schon, dass ein Aufbruch und Umbruch bevorsteht. Mal ganz davon abgesehen, dass ich wie gesagt den Erzählerwechsel nicht mag, bekomme ich hier als Leser nicht wirklich etwas dafür.


Im Gespräch wirkt der Vater dann abwechselnd wie jemand, der Eravier persönlich kennt und einen geliebten Menschen an ihn verloren hat und dann wieder wie jemand, der einfach nur das System hasst und mehr über diesen einen Händler weiß, als über die anderen. Weil er es vielleicht irgendwo aufgeschnappt hat.

Inhaltlich kann man die Unterhaltung ja schnell zusammenfassen, die Zweiklassengesellschaft wird etwas näher erklärt und das Leiden der Bauern wird dem Leser nähergebracht und Valion begreift im Nachhinein die Sorgen der letzten Jahre. Da kann ich nichts kritisieren, war aber auch noch nie Fan von solchen Szenen.


Fazit:

Der Zweite Teil hat für mich noch immer keinen Haken ausgeworfen, an dem ein Leckerbissen hängt. Wir erfahren nicht wirklich mehr über Valions Charakter, den Aufbau der Welt kannten wir auch aus dem ersten Teil schon und Eravier, den ich vorhin als "Sephiroth" bezeichnet habe, ist eben bis jetzt ein Archetypischer arroganter Bösewicht, der unweigerlich an den bekanntesten Vertreter der Klasse erinnert.
Anders gesagt: Ich hatte mir nach Teil1 erhofft, dass du einen Querschläger reinwirfst, etwas unerwartetes, einzigartiges, oder aber das Tempo erhöhst und uns in die Geschichte hinein wirfst. Stattdessen gehen wir etwas mehr auf Informationen ein, die wir vorher schon hatten: Den Leuten gehts schlecht, die Regierung ist bürgerfern, die Händler sind böse und Valion weckt ihr Interesse dazu ein Bisschen von Valions Charakter. Das einzige Bisschen Leserbait ist das "der Vater bricht ins Lager ein", das da aber wirklich auf unangenehme Weise platziert ist.
Du gibst mir, was ich nach Teil1 erwartet habe. Ich wollte aber etwas unerwartetes sehen...


RE: Verloren im Feuer Kapitel 1 Teil 2 - PainInTheBrain - 03-11-2015

Zitat:Sephiroth will einen sommersprossigen Cloud kaufen. Seine Mutter merkt das und findet es nicht cool. Am Abend setzt sich der Junge zu seinem Vater und fragt ihn, was los ist, woraufhin der nicht erzählt, dass seine Schwester gekauft/sein altes Dorf niedergebrannt wurde, sondern fundierte Systemkritik übt. Valion geht ein Licht auf, das ihm dann vom Blick der Mutter bestätigt wird.

Öh, basically, wobei ich zwar mit Cloud und Sephiroth rein popkulturell etwas anfangen kann, aber keine Ahnung habe wie die charakterlich sonst rüberkommen, da ich Final Fantasy nie gespielt habe.
"Fundiert" würde ich die Systemkritik nicht nennen, es hat schon ein bisschen "Old man yelling at clouds"- Stil, aber eventuell ist es an diesem Punkt einfach mehr, als der Leser von Bauer X erwartet : D

Zitat:Man merkt eindeutig, dass der Vater eine Vorgeschichte mit solchen Händlern hat, wahrscheinlich sogar mit Eravier persönlich. Wenn die Frau, die der nicht haben konnte, für die er das Dorf niederbrannte mit Valions Vater zu tun hat, dann hast du das schön für den Leser eingefügt. Die Selbstbeherrschung des "dummen Bauern" ist in dem Fall aber legendär.

Sagen wir es so, er kennt denjenigen, dem es passiert ist, ohne selbst direkt betroffen gewesen zu sein, aber das macht er dadurch wieder wett, dass er Ungerechtigkeit hasst und wie die ganze Familie des MC einen sehr empathischen Zug hat, was später noch stärker etabliert wird.

Zitat:Es war nicht so exotisch, wie es sich Gevin ausgemalt hatte.

Zitat:Das klingt kurz, als würden wir die Story aus Gevins Sicht erleben. Mein Vorschlag wäre, das "sich" zu streichen.

Ist eigtl aus dem Zusammenhang heraus, dass Gevin vor einem Absatz noch geschildert hat, wie er sich das ganze vorstellt, knüpft damit eigtl recht unmittelbar an seine Vorstellung an. Evtll "es war nicht so exotisch, wie Gevin es ausgemalt hatte."

Zitat:Ich habe ein Weilchen gebraucht, bis ich da die Worte richtig zuordnen konnte. Die Ninja-Planwägen werden mir nie wieder aus dem Kopf gehen Icon_lol

Icon_ugly In dem Fall müsste es aber so aussehen:
Zitat:Hin und wieder zeigten sich jedoch neugierige Gesichter in den Eingängen der Zelte, oder Planwagen, die schnell wieder verschwanden.

Aber ich werde es trotzdem mal umformulieren, nicht dass jemand denkt das Buch hieße "Ninja Waggon - Return of the Wheel Master"

Zitat:Mal davon abgesehen, dass es mich immer sehr stört, wenn man vom beobachtenden Erzähler zum allwissenden springt, stellt sich mir hier die Frage nach dem warum. Es gibt Fälle, da rechtfertigt der Zweck irgendwo halbwegs den Wechsel im Erzähler, aber hier finde ich fast, dass du die Stelle ganz rausnehmen könntest und der Text dadurch besser würde.

Also, prinzipiell kann es kein beobachtender Erzähler sein, da wir schon im ersten Kapitel Gefühle und Gedanken von Valion bekommen, zu der ein beobachtender Erzähler überhaupt keinen Zugang hat. Die Erzählperspektive ist deshalb prinzipiell erstmal allwissend, aber meistens recht nahe an Valion dran. Was du meinst, ist glaube ich viel mehr der Vorgriff auf Dinge, die Valion wissen wird, wenn es erst so weit ist.

Der erste Gedanke war eigentlich, dass der allwissende Erzähler auch weiß wie Valions Geschichte ausgeht und nicht nur darauf zurückgreift, wie sich ihm die Sitation JETZT darstellt, sondern auch, was er SPÄTER lernen und erfahren wird. Das wurde aber schon von einem anderen Leser angemerkt, dass diese doppelte Perspektive aus allwissendem Erzähler und Valions eigener Rückschau den Lesefluss eher klobig macht, deshalb bin ich in späteren Kapiteln auch langsam davon abgewichen, bis es schließlich aus der Story verschwunden ist. Perspektivisch werde ich deshalb bei der Überarbeitung darauf verzichten, sondern statt dessen eher auf Valions frühere Erfahrungen und Vermutungen referenzieren statt auf das, was er irgendwann wissen wird.

Zitat:Und tatsächlich erfuhr Valions Vater nie von seinem Sohn selbst, was geschehen war.

Zitat:Man ist sich in den Absätzen danach nicht ganz darüber im Klaren, ob das "erfahren" des Vaters schon stattgefunden hat oder ob das nur ein Vorgreifen des Erzählers war, was dann wieder etwas ist, das ich nicht mag.

Imo kommen hier zwei Sachen zusammen, die hier nicht ideal gelöst sind. Einerseits weiß der Vater aus Erzählungen, wer Eravier ist, was er getan hat, wie sein Vorgehen ist. Woher wird noch erklärt. Auf der anderen Seite kann man aus Erzählungen kein Bild von einer Person ableiten, vor allem wenn die Erzählungen sich erstmal grundsätzlich nur um die Schandtaten der Person drehen. Zu dem Zeitpunkt, als Valions Vater den Name hört, bringt er also die Erzählungen über den Namen mit einer ganz konkreten Person zusammen. Er ist dabei in einer einmaligen Lage, die nicht viele teilen, da nur ein Bruchteil der Leute des Dorfes so wie er eingeweiht sind. Die Erzählung referenziert darauf, indem die Leute sich Fragen stellen die erstmal unschuldig klingen und einen unschuldigen Grund haben könnten, für die er die (schrecklichen) Antworten bereit hat.

Zitat:Die zwei erzählten Absätze über Eravier danach würde ich auch eher Valion erfahren lassen, anstatt sie einfach kontextlos zu berichten.

Würde in dem Fall aber bedeuten, dass man mit diesen Informationen wartet bis... Kapitel 12 oder so? XD Hier werden Zusammenhänge für den Leser erschlossen, die er an dem Punkt braucht, aber Valion im Grunde nicht hat.

Zitat:Viel besser fände ich es hier, wenn du Valions Rückweg beschreibst und er das Geschwätz der Menge überhört. Da kommen die Gerüchte rüber und wenn die Leute über ihn und Eravier reden, kann man sich auch denken, dass es der Vater irgendwann erfahren wird, da sparst du dir das vorige Vorgreifen.

Hat imo aber den Nachteil, dass man einen langen und langweiligen Abschnitt von Leuten hat die den selben Weg, den sie gekommen sind, wieder zurücklatschen, zumal es sehr untypisch für Valion wäre nach dem "Ausraster" seiner Mutter besonders aufnahmefähig zu sein. Ich glaube, für diesen Abschnitt muss eine Art dritte Lösung her, ich werde darüber nochmal ausgiebig meditieren. Wäre nicht das erste Mal, dass ich einen Handlungsabschnitt im Nachhinein noch durch einen anderen tausche XD

Zitat:Im Gespräch wirkt der Vater dann abwechselnd wie jemand, der Eravier persönlich kennt und einen geliebten Menschen an ihn verloren hat und dann wieder wie jemand, der einfach nur das System hasst und mehr über diesen einen Händler weiß, als über die anderen. Weil er es vielleicht irgendwo aufgeschnappt hat.

Wenn der Eindruck hier nicht eindeutig ist, ist das im Grunde gut, da man sich ja aktiv fragen soll, wie nun eigentlich der Zusammenhang ist, wo eigentlich die Verbindung zwischen Valions Eltern und Eravier eigentlich konkret liegt.

Zitat:Da warst du gerade wieder zwei Absätze wunderschön im beobachtenden Erzähler durch Valions Augen und lässt dann wieder ne Spoilerbombe fallen. Wir wissen doch dank deines Anfangs schon, dass ein Aufbruch und Umbruch bevorsteht. Mal ganz davon abgesehen, dass ich wie gesagt den Erzählerwechsel nicht mag, bekomme ich hier als Leser nicht wirklich etwas dafür.

Der Hint auf die zukünftigen Ereignisse ist hier tatsächlich etwas plump, wird aber später wieder aufgegriffen, weshalb ich ihn vermutlich nur umformulieren werde. Außerdem weißt du im Grunde ja noch nicht, warum es so ist Icon_wink

Zitat:Anders gesagt: Ich hatte mir nach Teil1 erhofft, dass du einen Querschläger reinwirfst, etwas unerwartetes, einzigartiges,

Ich habe irgendwie noch keine rechte Vorstellung davon gewonnen, wie du dir dieses unerwartete Element vorstellst. Eventuell krankt das ganze daran, dass das Eintreffen der Menschenhändler nicht genug als "out of the ordinary" etabliert wird. Eventuell wäre es aber auch gut, wenn du ein Beispiel geben könntest, was für dich ein solcher Querschläger wäre.

Richtig ist, dass Valion zu diesem Zeitpunkt noch ein inaktiver Beobachter ist, der sich von der Ereignissen treiben lässt, ohne selbst zu wissen wie er interagieren soll. Wäre man gemein, könnte man sagen dass er zu diesem Zeitpunkt noch strohdoof ist, insofern, dass er sich seine Motivation seit jeher von seinen Eltern hat vorgeben lassen.

Das Tempo erhöht sich dann erstmal mit dem Start in das zweite Kapitel erstmal.

Zitat:Stattdessen gehen wir etwas mehr auf Informationen ein, die wir vorher schon hatten: Den Leuten gehts schlecht, die Regierung ist bürgerfern, die Händler sind böse und Valion weckt ihr Interesse dazu ein Bisschen von Valions Charakter. [...] Du gibst mir, was ich nach Teil1 erwartet habe. Ich wollte aber etwas unerwartetes sehen...

Wobei "vorher" in dem Sinne ja "in diesem ersten Kapitel im Gesamtzusammenhang" ist, was hier imo wieder die Krux ist. Wäre dieser Teil das zweite Kapitel, würde ich dir Recht geben, dass hier mehr vom Selben etabliert wird, das schon im ersten Kapitel vorhanden war ohne weiterzugehen, aber das ist ja im Grunde alles das erste Kapitel und bezieht sich deshalb in sich selbst näher auf die eben genannten Fakten.

Zitat:Eravier, den ich vorhin als "Sephiroth" bezeichnet habe, ist eben bis jetzt ein Archetypischer arroganter Bösewicht, der unweigerlich an den bekanntesten Vertreter der Klasse erinnert.

Gewollt. Stell ihn dir als eine Art Voldemort vor, nur mit mehr Nase und dass man nicht 5 Bücher warten muss bis er näher charakterisiert wird, sondern eher ein paar Kapitel XD Dass er attraktiv ist, hat auch einen ganz konkreten Grund, der in dem Zusammenhang ebenfalls mit aufgerollt wird. Kurzum, wäre er das nicht, wäre er nicht in der Position in der er ist. Keine Ahnung, warum bei Final Fantasy alle super attraktiv sind, aber hier hat es natürlich den ganz konkreten Grund, dass das Metier nun einmal Sexarbeit ist, und es eher schwierig wäre jemand dafür zu verkaufen, der von Geburt an aussieht wie eine Kartoffel. Was nicht heißen soll, dass jeder einzelne zukünftige Charakter absurd attraktiv sein wird, nur, dass der Anteil zwangsläufig höher liegen muss.
Etwas, das ich generell nicht mag, sind Charaktere, bei denen einem sofort aufs Auge gedrückt wird, dass sie "ja gar nicht so sind wie du denkst und auf gar keinen Fall ein Klischee!!!" weil sie dann meist erst recht klischeehaft werden. Alles, was es zu diesem Zeitpunkt von den Charakteren gibt sind erstmal oberflächliche Eindrücke, die später eingehenderen Betrachtungen weichen, wenn der Hauptcharakter mehr mit den Leuten an sich zu tun hat.

Zitat:Das einzige Bisschen Leserbait ist das "der Vater bricht ins Lager ein", das da aber wirklich auf unangenehme Weise platziert ist.

Dann wäre vermutlich hier der geeignete Ansatz, schon im ersten Kapitel darauf zu hinten, dass der Vater vorhat etwas zu unternehmen, statt nur eine Erklärung der Lage abzugeben, was mir aber auch rein von der Entwicklung der Story ganz gut in den Kram passen würde. Vermutlich werde ich bei der Überarbeitung also folgendes in Betracht ziehen:
  • Den Bezug auf zukünftiges Wissen von Valion nur noch spärlich, wenn überhaupt einbauen
  • expliziter auf die Außergewöhnlichkeit der Anwesenheit der Menschenhändler eingehen
  • stärker etablieren, dass der Vater Wissen aus Quellen bezieht, zu der andere keinen Zugang haben
  • außerdem etablieren, dass er plant etwas zu unternehmen und entsprechende Schritte dafür einleitet

Ich denke damit sollten sich deine Kritikpunkte am ersten Kapitel im Wesentlichen ausbügeln lassen.


RE: Verloren im Feuer Kapitel 1 Teil 2 - SirJasonCrage - 03-11-2015

Zitat:Sagen wir es so, er kennt denjenigen, dem es passiert ist, ohne selbst direkt betroffen gewesen zu sein, aber das macht er dadurch wieder wett, dass er Ungerechtigkeit hasst und wie die ganze Familie des MC einen sehr empathischen Zug hat, was später noch stärker etabliert wird.

Dann hast du ihn voll getroffen.


Zitat:Aber ich werde es trotzdem mal umformulieren, nicht dass jemand denkt das Buch hieße "Ninja Waggon - Return of the Wheel Master"

War eigentlich eher als "guck mal was ich Depp da gelesen habe" gedacht, ich sehe keinen wirklichen Verbesserungsbedarf^^
Zum WheelMaster noch eine kleine Anekdote, letzte Woche meinte doch ein Kollege, er sei nicht der Herr der Trucks, woraufhin vor meinem inneren Auge Frodo und Sam in Dem Einen Truck durch Neuseeland auf den Schicksalsberg zu brausten. Icon_lol


Zitat:Also, prinzipiell kann es kein beobachtender Erzähler sein, da wir schon im ersten Kapitel Gefühle und Gedanken von Valion bekommen, zu der ein beobachtender Erzähler überhaupt keinen Zugang hat. Die Erzählperspektive ist deshalb prinzipiell erstmal allwissend, aber meistens recht nahe an Valion dran.

Mea Culpa, ich werfe mit Begriffen um mich, die ich nur halb präzise anwenden kann. Ich meine einen Erzählstil, bei dem man in der Er-Form schreibt, aber trotzdem die Welt in der Wahrnehmung eines Charakters erlebt und auch seine Gedanken mitbekommt. GRRM macht das auch so. (Deswegen sind Sansas Kapitel durch die rosarote Brille auch so schwer zu entziffern)


Zitat:Ich habe irgendwie noch keine rechte Vorstellung davon gewonnen, wie du dir dieses unerwartete Element vorstellst.
Ich auch nicht. Das merke ich dann wenn ich es lese. Icon_smile
Bis jetzt könnte es noch immer eine harmlose Heldengeschichte wie aus einem Disney-Film sein. Es geht aber um Lustsklaven, du wirst Grenzen überschreiten, die viele Fantasy-Autoren scheuen. Gib uns ein deutliches "This is not a kid's Hero Tale", bring uns ans Thema. Lass Eravier noch ein Bisschen fummeln, bevor die Mutter kommt oder streck den Moment indem er sie ignoriert und den Jungen erstmal ein Weilchen weiter inspiziert. Das ist der Moment, in dem du schocken und ganz kurz das Eis brechen und uns unter die Oberfläche tunken kannst.

Ich bin interessiert, weil ich weiß wo sich die Geschichte hin entwickeln wird. Ich weiß das aber bis jetzt nur aus deiner Zusammenfassung und unserem Dialog hier. Du gibst noch zu wenig Hinweise darauf, dass wir hier mehr Sex und Gewalt erleben werden als in Eragon. Bis jetzt steht noch immer die Option offen, dass die Leute alle übertreiben, die Gerüchte nicht stimmen und in den Käfigen der Händler nur Affen und Ziegen sind.
Und wenn es nur ein kleiner Moment ist, in dem der Leser kurz wait-what? denkt, ich will kurz sehen, dass wir hier keine alleswirdgut HappyEnd Geschichte haben.


Zitat:Das Tempo erhöht sich dann erstmal mit dem Start in das zweite Kapitel erstmal.

Vielleicht bin ich auch nur zu ungeduldig :D


Dass Eravier in eine Schublade einsortierbar sein soll ist auch gut, das kritisiere ich gar nicht wirklich, aber bis jetzt passt alles in Schubladen. An irgendeinem Punkt musst du (zumindest in meinen Augen) ausbrechen. Das gibt aber weder die Familie, noch das große Setting her, im Moment. Je mehr ich darüber nachdenke, desto gefällt mir die Idee, dass Eravier a) nicht vor der Mutter kuscht (ja ich weiß, tut er eh nicht, aber du weißt hoffentlich was ich meine) und b) auch beim Körperkontakt klare Limits bricht.


Deine vier Verbesserungspunkte kann ich so unterschreiben. Jetzt bin ich aber trotzdem neugierig darauf, wann es losgeht :D
Kapitel2 soon? Ich scheiß btw. auf Textaufteilung, ich stell die Kapitel lieber ganz ein, als dass ich sie so splitte wie hier. Splitten bringts imho eher, wenn man auf detailreiche Auflistungen von sprachlichen Fehlern steht, für inhaltliche Kritik finde ich es mehr als hinderlich. Und du wirkst erfreulicherweise, als würde für dich die inhaltliche genauso unerreichbar viel wichtiger sein, wie für mich.


Zitat:Keine Ahnung, warum bei Final Fantasy alle super attraktiv sind,
Weil in Japan jeder Charakter in Anime und Games fappable sein muss, es sei denn, ein Plotpunkt spricht genau dagegen. Das erleichtert einem auch das ganze merchandizing.


RE: Verloren im Feuer Kapitel 1 Teil 2 - PainInTheBrain - 03-11-2015

Zitat:War eigentlich eher als "guck mal was ich Depp da gelesen habe" gedacht, ich sehe keinen wirklichen Verbesserungsbedarf^^
Zum WheelMaster noch eine kleine Anekdote, letzte Woche meinte doch ein Kollege, er sei nicht der Herr der Trucks, woraufhin vor meinem inneren Auge Frodo und Sam in Dem Einen Truck durch Neuseeland auf den Schicksalsberg zu brausten. Icon_lol

HAHAHA XD Das Bild, herrlich. Aber ich denke, wenn ich einmal bei der Überarbeitung bin kann ich da ruhig nochmal was umstellen, insgesamt ist mir der Satz heute sogar etwas zu klobig.

Zitat:Mea Culpa, ich werfe mit Begriffen um mich, die ich nur halb präzise anwenden kann. Ich meine einen Erzählstil, bei dem man in der Er-Form schreibt, aber trotzdem die Welt in der Wahrnehmung eines Charakters erlebt und auch seine Gedanken mitbekommt. GRRM macht das auch so. (Deswegen sind Sansas Kapitel durch die rosarote Brille auch so schwer zu entziffern)

Das ist imo schon die allwissende Erzählform, aber die ist halt doch sehr vielfältig und ich habe da schon einige sehr unterschiedliche Subformen davon gesehen. Ich versuche aber ebenfalls, sehr nahe an der Art der Charaktere zu bleiben, wenn ich deren Erlebnisse schildere.

Zitat:Bis jetzt könnte es noch immer eine harmlose Heldengeschichte wie aus einem Disney-Film sein. Es geht aber um Lustsklaven, du wirst Grenzen überschreiten, die viele Fantasy-Autoren scheuen. Gib uns ein deutliches "This is not a kid's Hero Tale", bring uns ans Thema. [...] Ich bin interessiert, weil ich weiß wo sich die Geschichte hin entwickeln wird. Ich weiß das aber bis jetzt nur aus deiner Zusammenfassung und unserem Dialog hier. Du gibst noch zu wenig Hinweise darauf, dass wir hier mehr Sex und Gewalt erleben werden als in Eragon.

Zitat:Vielleicht bin ich auch nur zu ungeduldig :D

Ich verstehe durchaus, was du meinst, und dass das Thema Tragweite hat und nicht einfach in Disneymanier abgehandelt werden kann ist mir auch bewusst. Auf der anderen Seite muss man aber auch sehen, dass Valion zu diesem Zeitpunkt tatsächlich rein legal noch ein Kind ist und psychisch auch noch nicht wirklich erwachsen. Er ist außerdem sehr behütet aufgewachsen und sehr naiv, die Art von Naivität, bei der man unliebsame Fakten einfach ausblendet / als "trifft auf mich nicht zu" abtut.

Insofern entspricht diese Sichtweise, die du hier anbringst, tatsächlich seinem momentanen Empfinden und spiegelt gut wieder, von welchem Punkt aus er startet. Dass er ziemlich bald ziemlich brutal mit der Realität konfrontiert wird ändert nichts daran, dass er in die neuen Gegebenheiten erst hineinwachsen muss. Dass es ihm langfristig nicht bekommen wird, die tatsächlichen Verhältnisse zu ignorieren, wird dabei auch eine wichtige Rolle spielen.

Insofern, ja, das erste Kapitel spart mit der erschreckenden Realität noch sehr stark. Auf der anderen Seite ist hier vielleicht auch merklich, dass Valions Eltern daran nicht ganz unschuldig sind. Sie nehmen nicht umsonst an dieser Stelle noch eine zentrale Rolle in Valions Erleben ein und bestimmen ihn so enorm durch ihre eigenen Stimmungen.

Aber ich hoffe ganz stark, dass Kapitel 2 dir das liefert, was du jetzt erwartest.

Zitat: Je mehr ich darüber nachdenke, desto gefällt mir die Idee, dass Eravier a) nicht vor der Mutter kuscht (ja ich weiß, tut er eh nicht, aber du weißt hoffentlich was ich meine) und b) auch beim Körperkontakt klare Limits bricht.

Das könnte man in der Tat noch einarbeiten. Eraviers Schmierlappigkeit sind ja erstmal prinzipiell keine Grenzen gesetzt, auf der anderen Seite ist er auch nicht komplett bescheuert und weiß, dass er bestimmte Sachen vor Publikum zwar bringen kann, aber die entsprechende Gegenreaktion wäre lästig. Insofern ist er extrem unmoralisch, aber schlau genug, das nicht jedem sofort auf die Nase zu binden, weil es ganz einfach schlecht fürs Geschäft ist.

Zitat:Kapitel2 soon?


Tonight is the night Ò__ó /) (poste ich gleich nachher)

Zitat:Ich scheiß btw. auf Textaufteilung, ich stell die Kapitel lieber ganz ein, als dass ich sie so splitte wie hier.

Finde ich ehrlich gesagt auch wesentlich besser :X Aber el Cheffo hat gesprochen!

Zitat:Und du wirkst erfreulicherweise, als würde für dich die inhaltliche genauso unerreichbar viel wichtiger sein, wie für mich.

Hauptsächlich ja. Tippfehler sind schnell korrigiert, aber inhaltliche Kritik muss man einarbeiten und rückwirkend bzw vorrausschauend einbauen, kommt für mich deshalb immer vor allem anderen. Es hat keinen Sinn Rechtschreibefehler zu korrigieren, wenn der Textabschnitt am Ende komplett anders aussieht und man wieder von vorn anfängt.

Zitat:Weil in Japan jeder Charakter in Anime und Games fappable sein muss, es sei denn, ein Plotpunkt spricht genau dagegen. Das erleichtert einem auch das ganze merchandizing.
Erinnert mich an das "Anime"-Poster von Harry Potter, auf dem selbst alte Omas wie McGonagall und Leute wie Voldemort noch verhübscht wurden. Dislike :/ Gibt aber auch sehr tolle und teilweise überhaupt nicht stereotyp-hübsche Designs im Horrorbereich, das ist eher mein Ding : D


RE: Verloren im Feuer Kapitel 1 Teil 2 - coco - 05-11-2015

Hallo,

mit Tippfehlern lasse ich dich mal in Ruhe. Mir sind ein paar inhaltliche Dinge aufgefallen:

Zitat:jeder gab einen Fetzen von dem weiter, was er gehört oder gesehen hatte, und wenn sich diese vielen kleinen Brocken von Information schließlich trafen, ergaben sie letztendlich das ganze Bild. Später dachte Valion darüber nach, ob es eine Rolle gespielt hatte, dass sein Vater schließlich versucht hatte, die Sklaven zu befreien. Ob er davon gekommen wäre

Innerhalb eines Absatzes ist das ein exrtem weiter Zeitsprung. Wann ist dieses "später"? Heute Abend, in 50 Jahren? Wenn du hier bereits eine Rückblende aus der Zukunft einbauen möchtest, dann schlage ich vor, dass du dafür einen eigenen Absatz einschiebst. Aber andererseits finde ich diese Rückblende völlig überflüssig. Du nimmst nur dein eigene Geschichte vorweg:
- Jetzt weiß jeder, dass der Vater nachher versuchen wird, die Sklaven zu befreien.
- Jetzt weiß jeder, dass der Junge verkauft/geklaut/abgeworben wird.
- Und jeder ahnt, dass er damit auch in der Zukunft nicht ganz glücklich werden wird.
Müssen wir das wirklich ganz am Anfang schon erfahren? Ich fände es schöner, das Drama erstmal in Ruhe starten zu lassen.

Zitat:Unter den Geschlagenen und Ausgestoßenen suchte er die Perlen, die ein Leben voller Leid und Schmerz nicht beugen konnte, [...] bereit, alles zu ertragen, was ihnen angetan wurde.

Würde das funktionieren? Die Ärmsten der Besitzlosen sind gleichzeitig auch die, welche es gewohnt sind, sich selbst zu versorgen. Die in der Not nicht auf einen Schutzherren hoffen, sondern sich allein durchschlagen. Ich zweifle daran, dass ausgerechnet die sich in alles fügen würden.

Gehorsame Mitläufer würde ich eher unter Waisen aus reicheren Familien suchen. Die haben nie gelernt, ohne bequeme Umgebung und fremde Hilfe auszukommen, so dass sie völlig abhängig vom Wohlwollen ihres Besitzers sind. Ich würde mit meinen Sklavenfängerwagen durch Kriegs- und Seuchengebiete ziehen und mir die heraus picken, die am unbeholfensten um Hilfe betteln. Ich würde nach Typen suchen, die nur quatschen statt anzupacken. Denn die können nicht flüchten.

Damit die Geschichte trotzem in sich stimmig bleibt, bau die Erklärung doch noch etwas aus! Bestimmt hast du sehr spezielle Einsatzgebiete für ausgehungerte, aber selbstständige Sklaven im Sinn. Die kein Dach überm Kopf brauchen, aber super-emotional auf vorgespieltes Mitgefühl ansprechen. Die nichts wissen und alles glauben. Hundemenschen, wenn man so will, die man streicheln und an der Leine führen kann. Dieser feine Unterschied kommt m.E. noch nicht deutlich genug heraus.

Zitat:und seine großen Hände gruben sich zornig ins Gras und die darunterliegende Erde.

So leid es mir tut - das kann ich mir nicht vorstellen. Was für Fingernägel sollen das sein, die sich durch die Grasnarbe in den festgetretenen Boden graben? Andere kriegen das selbst mit einem Spaten schwer hin.

Zitat:Wenn er gezweifelt hatte, dass sein Vater die Wahrheit gesagt hatte, jetzt konnte er nicht mehr zweifeln.

Wieso kann er denn nicht mehr zweifeln? Okay, das Lager sieht ganz nah aus. Damit kann er nicht mehr an der Reaktion seiner Mutter zweifeln, denn das Haus kann offensichtlich jederzeit überfallen werden. Aber was beweist das bezüglich der Horrorgeschichten des Vaters?
Wie du siehst, stiftet dieser Satz Verwirrung. Zur Handlung trägt er überhaupt nichts bei. Deshalb würde ich ihn ersatzlos streichen.

Zitat:Er hatte die Furcht und den Hass in ihren Augen, die er vor wenigen Tagen noch nicht zu deuten gewusst hätte, aus der Stimme seines Vaters wieder erkannt.

Vor wenigen Tagen - ich dachte, die Sklavenfänger seien erst gestern angereist, am nächsten Tag sei der Markt gewesen und jetzt sei der Abend nach dem Markt. Plötzlich sind schon sie mehrere Tage da. Welchen Zeitsprung habe ich übersehen?

Viele Grüße
coco


RE: Verloren im Feuer Kapitel 1 Teil 2 - PainInTheBrain - 05-11-2015

Zitat:Innerhalb eines Absatzes ist das ein exrtem weiter Zeitsprung. Wann ist dieses "später"? Heute Abend, in 50 Jahren? Wenn du hier bereits eine Rückblende aus der Zukunft einbauen möchtest, dann schlage ich vor, dass du dafür einen eigenen Absatz einschiebst. Aber andererseits finde ich diese Rückblende völlig überflüssig.

Wie weiter oben geschrieben stehen die Zeitsprünge schon auf der Liste für die Überarbeitung.

Zitat:Jetzt weiß jeder, dass der Junge verkauft/geklaut/abgeworben wird.

Da man das schon ganz am Anfang wusste, ist die Überraschung aber jetzt nicht wirklich so groß, oder?

Zitat:Und jeder ahnt, dass er damit auch in der Zukunft nicht ganz glücklich werden wird.

Und wieder, ist das so verwunderlich? Er wird schließlich versklavt.

Zitat:Unter den Geschlagenen und Ausgestoßenen suchte er die Perlen, die ein Leben voller Leid und Schmerz nicht beugen konnte, [...] bereit, alles zu ertragen, was ihnen angetan wurde.

Zitat:Würde das funktionieren? Die Ärmsten der Besitzlosen sind gleichzeitig auch die, welche es gewohnt sind, sich selbst zu versorgen. Die in der Not nicht auf einen Schutzherren hoffen, sondern sich allein durchschlagen. Ich zweifle daran, dass ausgerechnet die sich in alles fügen würden.

Gehorsame Mitläufer würde ich eher unter Waisen aus reicheren Familien suchen.

Weil die so erpicht darauf sind, nur für Essen Sexarbeit zu leisten? Das passt schon rein statistisch nicht, von den sozialen Implikationen von Sexarbeit mal abgesehen, die nur wenige reichere und gebildete Mittel- und Oberschichtler auf sich nehmen würden. Es war außerdem zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich, dass sich Menschen vor allem der Unterschicht rein für Kost und Unterkunft verdingt haben und quasi unfrei waren, der Schritt zur Leibeigenschaft/Sklaverei ist hier also nur ein kleiner. Insofern ist das für mich kein realistischer Einwand.

Zitat:Ich würde mit meinen Sklavenfängerwagen durch Kriegs- und Seuchengebiete ziehen und mir die heraus picken, die am unbeholfensten um Hilfe betteln.

Um kranke Menschen und Menschen mit fehlenden Augen und Gliedmaßen zu verkaufen? Um Menschen zu transportieren, die potentiell krank sind, damit sie entweder auf der Reise abkratzen oder ihre Käufer anstecken?

Zitat:Ich würde nach Typen suchen, die nur quatschen statt anzupacken. Denn die können nicht flüchten.
Die meisten Sklaven in diesem Universums stecken in einer sozialen oder wirtschaftlichen Zwangslage - zu flüchten würde für sie nur bedeuten, ihre Sicherheit und Einnahmequelle wegzuwerfen. Das macht den Handel mit ihnen nicht weniger verwerflich, aber der Mangel an Gegenwehr ist verständlich. Die Sklaven werden nicht wahllos zusammengekidnappt, sie werden gekauft. Meistens "legal", nur sehr selten unter Erpressung.

Zitat:Damit die Geschichte trotzem in sich stimmig bleibt, bau die Erklärung doch noch etwas aus!

Auf die unterschiedlichen Arten der Sklaven wird später noch eingegangen.

Zitat:und seine großen Hände gruben sich zornig ins Gras und die darunterliegende Erde.

Zitat:So leid es mir tut - das kann ich mir nicht vorstellen. Was für Fingernägel sollen das sein, die sich durch die Grasnarbe in den festgetretenen Boden graben?

Das ist sehr stark davon abhängig, von welchem Bodentyp und welcher Menge von Gras man spricht. Klar, bei einem jahrelang festgetretenen Lehmboden braucht man eine Schaufel, um da weiter zu kommen, aber das ist der Feldrand eines Feldes, das regelmäßig gepflügt wird (zwangsläufig) und die Gegend ist ja wie geschildert sehr fruchtbar und hat sehr tiefen, lockeren Boden. Ich kann nichtsdestotrotz die Erde rausnehmen, dann ist es eben nur Gras.

Zitat:Wieso kann er denn nicht mehr zweifeln? Okay, das Lager sieht ganz nah aus. Damit kann er nicht mehr an der Reaktion seiner Mutter zweifeln, denn das Haus kann offensichtlich jederzeit überfallen werden. Aber was beweist das bezüglich der Horrorgeschichten des Vaters?

Es wäre ziemlich sinnlos, dass Valions Mutter sich über einen Überfall Sorgen macht, wenn an den Horrorgeschichten des Vaters nichts dran wäre. Valion beschreibt ihre Reaktion nicht als typisch, im Gegenteil, er ist eingeschüchtert und verwirrt. Sie hat also nicht permanent Angst davor, dass ihr Ehemann vor dem Haus verschwindet, und Valion ebenso wenig. Erst die Anwesenheit der Menschenhändler ruft diese Furcht in ihr hervor -> ergo, die unbewiesene Behauptung, dass die Menschenhändler in Raub und Mord verwickelt sind, wird zumindest von Valions Mutter sehr direkt unterstützt durch nonverbale Handlungen. Also sind sie entweder beide ziemliche Spinner, oder sie sagen die Wahrheit. Da es für Valion untypisch ist seine über alles geliebten Eltern in Frage zu stellen, sieht er diese Hinweise zusammen mit seinen eigenen Schlussfolgerungen als Bestätigung des eigenen, abschließenden Urteils, dass ihm tatsächlich eine Gefahr droht.

Zitat:Wie du siehst, stiftet dieser Satz Verwirrung. Zur Handlung trägt er überhaupt nichts bei. Deshalb würde ich ihn ersatzlos streichen.

Ich würde meinen, wenn dem Hauptcharakter erstmals aufgeht, dass er und seine Familie in akuter Gefahr schweben könnten und seine Eltern tatsächlich in Angst und Schrecken versetzt sieht, trägt das etwas zur Handlung bzw. zur Charakterentwicklung bei. Angst und Schrecken dieser Art sind für Valion neue Empfindungen, nachdem er gegenüber den Händlern zunächst nur vages Unbehagen empfunden hat. Er hatte schließlich nicht einmal Bedenken, die Händler zu beobachten, und auch Eravier hat bei ihm zwar einen Eindruck hinterlassen, aber er hat relativ arglos nachgefragt, ob man ihn kaufen wöllte, ohne sich einer Gefahr wirklich bewusst zu sein. Insofern entwickelt sich sein Verhältnis von Unbehagen und vagem Misstrauen erstmals zu Angst.

Zitat:Vor wenigen Tagen - ich dachte, die Sklavenfänger seien erst gestern angereist, am nächsten Tag sei der Markt gewesen und jetzt sei der Abend nach dem Markt. Plötzlich sind schon sie mehrere Tage da. Welchen Zeitsprung habe ich übersehen?

Das ist eine ziemlich freie Interpretation von "vor wenigen Tagen war alles noch in Ordnung, jetzt akut zeigt sich eine schwere Bedrohung". Man könnte auf "vor kurzem" ausweichen, aber das klingt eher klobig. Ich wälze mal den thesaurus.


RE: Verloren im Feuer Kapitel 1 Teil 2 - coco - 05-11-2015

(05-11-2015, 15:55)PainInTheBrain schrieb: Da man das schon ganz am Anfang wusste, ist die Überraschung aber jetzt nicht wirklich so groß, oder?

Ja, das kommt noch dazu. Eine überflüssige Wiederholung. Icon_wink

Zitat:Um kranke Menschen und Menschen mit fehlenden Augen und Gliedmaßen zu verkaufen?

Waisen, deren Versorger zerhackstückt wurden, müssen selbst nicht lädiert sein. In Katastrophengebieten und Flüchtlingslagern könntest du reihenweise hübscher Kinder gratis einsammeln ... aber gut, das Szenario ist "verarmtes Bauerndorf". Finde ich auch okay.

Zitat:Die meisten Sklaven in diesem Universums stecken in einer sozialen oder wirtschaftlichen Zwangslage - zu flüchten würde für sie nur bedeuten, ihre Sicherheit und Einnahmequelle wegzuwerfen.

Das sind diejenigen die von selber nicht weglaufen. Oft begeben sie sich sogar "freiwillig" in lohnfreie Arbeitsverhältnisse, um nicht zu verhungern.
Aber du schreibst, dass deine Sklaven angekettet werden müssten:

Zitat:Sein Blick wanderte jetzt die Straße entlang, in Richtung des Lagers, das in dieser Richtung ausgebreitet lag und wo, verborgen von den Augen der Dorfbewohner, in diesem Moment Menschen in Ketten lagen.

Daraus habe ich geschlossen, dass sie sehr wohl flüchten würden, sobald sie könnten. Dass sie sich mit ihrer Lage abgefunden hätten, deuten Ketten eher nicht an.
Insofern würde ich dann dieses Bild etwas umformlieren, so dass klar wird, dass die Ketten metaphorisch gemeint sind, die Leute sozusagen in ihrer eigenen Existenzangst gefesselt sind.


RE: Verloren im Feuer Kapitel 1 Teil 2 - PainInTheBrain - 05-11-2015

Zitat:Waisen, deren Versorger zerhackstückt wurden, müssen selbst nicht lädiert sein. In Katastrophengebieten und Flüchtlingslagern könntest du reihenweise hübscher Kinder gratis einsammeln ... aber gut, das Szenario ist "verarmtes Bauerndorf". Finde ich auch okay.

Dazu müsste es diese Katastrophengebiete aber erstmal geben. Valions Vater sagt dazu eindeutig, dass es keine Kriege und keine Katastrophen im Land gegeben hat. Die größte Notlage, die sich ausnutzen lässt, ist die finanzielle. Aber selbst wenn - infrastrukturell sind Kriegsgebiete und Seuchenzentren nur noch geringfügig erschlossen und man muss mit Plünderungen und Lebensmittelknappheit rechnen, was eine Reise absolut erschwert.

Zitat:Daraus habe ich geschlossen, dass sie sehr wohl flüchten würden, sobald sie könnten. Dass sie sich mit ihrer Lage abgefunden hätten, deuten Ketten eher nicht an.
Insofern würde ich dann dieses Bild etwas umformlieren, so dass klar wird, dass die Ketten metaphorisch gemeint sind, die Leute sozusagen in ihrer eigenen Existenzangst gefesselt sind.

Es gibt mehrere gute Gründe, Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit zu beschränken. Beispielsweise, dass man den Überblick darüber behält, wer wo ist. Oder um zu verhindern, dass Streit ausbricht oder Sklaven sich gegenseitig verletzen. Außerdem ändert der Fakt dass sie teilweise nicht weglaufen können nichts daran, dass sie immer noch Wertgegenstände von der Preisklasse eines Autos sind, die man nunmal nicht so einfach herum streuseln lässt. Unfälle, Selbstverletzung und Selbstmord sind auch nicht ganz ausgeschlossen. Ganz zu schweigen davon, dass immer noch jemand kommen und die Sklaven unter vorgehaltener Waffe dazu zwingen könnte mitzukommen, um sie beispielsweise günstig weiterzuverkaufen. Nicht umsonst hat der Wagenzug eine Wächtertruppe, die auf Überfälle reagieren kann.

Die Regelung zu den Fesseln ist nicht zu 200% strikt, dass jeder Sklave 24 Stunden am Tag fest angekettet ist, aber fast alle Sklaven sind es über Nacht. Als Verallgemeinerung, zumal Valion keine Ahnung haben kann wie ein Sklavenzug intern organisiert ist und wir aus seiner Perspektive darauf sehen, reicht der Satz aber.