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Monostichon - Druckversion

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Monostichon - Ninita - 06-04-2008

Vielleicht mal eine kleine Fingerübung für die Lyriker unter uns und die, die sich mal auf unkomplizierte Weise dran versuchen wollen.
Wie im Japanischen das Haiku, gibt es auch im Deutschen eine traditionelle Gedichtkurzform - das Monostichon, ein Gedicht, das aus nur einer Zeile besteht.
Gerade für die unter uns, die mit Reimereien Schwierigkeiten haben, sollte das Monostichon gut zugänglich sein, denn es erfordert eine "Melodie", aber keinen Reim.
Ein Beispiel des Altmeisters Goethe:

„Blumen reicht die Natur es windet die Kunst sie zum Kranze“

Es gibt keinerlei Einschränkungen bezüglich Silben und so weiter, lediglich, dass es nur eine einzige Zeile ist (im Schnitt 8- 10 Worte).
Der Unterschied zum Aphorismus liegt in der Metrik, die für ein Monostichon zwingend gefordert ist.
Auch praktisch hat der Einvers heute noch einen Nutzen, wir begegnen ihm häufig bei der Übersetzung japanischer oder chinesischer Weisheiten:

"Der Mond über dem Wasser. Das ist meiner Lehre Geheimnis."
(Teil eines Waka der Meister der Schwertkunst)

Wie wäre es, mal eine Blumenwiese in Monostichons zu beschreiben?

Also - ich setze der Einfachkeit halber mal alle Zeilen, die wir haben zusammen, damit beim Diskutieren nicht der Überblick verloren geht:

Blumenwiese

"Wie Glasperlen funkeln im Licht, Tautropfen auf einer Blüte." (Ninita)
"Warme Haut - streichelzart - erzittert unter Fingerspitzen."(Adsartha)
"Blühendes Leben lebt unter Blüten auf"(Mondluchs)

Icon_winkNinita


RE: Monostychon - Porter - 06-04-2008

Servus Ninita,

interessantes Gebiet. Danke, dass du das Tuch für uns weggezogen hast. Momentan sehe ich aber nur trübes Wasser.

"Beendet wird die Fläche am Rande - doch an gleicher Stelle endet die Leere"

Wo endet der Aphorismus? Oder: Wo beginnt das Monostychon? Gehört die Zeile oben zu irgendeinem der beiden?

Danke für jedes Statement.


RE: Monostichon - Ninita - 06-04-2008

Auch wenn ich jetzt den Sinn Deines Satzes bissie verdrehe:

"Beendet wird die Fläche am Rande - doch an gleicher Stelle endet die Leere" - Aphorismus

"Beendet wird die Fläche am Rand - an gleicher Stelle endet die Leere" - Monostichon

Ich weiß nicht, wie man das wirklich "erklären" kann. Einer der Gründe, weshalb ich nie und nie und nie hätte Lehrer werden können.
Ein Aphorismus ist ein Prosatext, ein Monostichon gehört zur Kurzlyrik.

Icon_smileNinita


RE: Monostychon - Porter - 06-04-2008

Danke! Fühle mit dir ...


RE: Monostichon - Ninita - 06-04-2008

Bhä ... böse Rechtschreibung. Hab das natürlich mal wieder falsch geschrieben. Monostichon ist die neuzeitliche Schreibweise.
Das kommt davon, wenn man zuviele uralte Bücher liest Icon_nosmile.
Vielleicht könnte das die Moderatrice mal bitte ändern.
Das Monostichon ist Grundlage der einfachen, nichtgereimten Versform auch in längeren Gedichten.
Wie immer in der schönen deutschen Sprache, gibts natürlich auch das Distichon, den Zweivers, für die Anspruchsvolleren Icon_wink.
Aber der Grund, weshalb ich das hier mal geschrieben habe:
In unserer rl - Schreibwerkstatt waren Lyriker immer mal verschnupft, wenn ihnen fehlende Metrik angekreidet wurde. Dann kamen eben Sätze wie:
"Gedichte müssen sich nicht reimen."
Natürlich müssen sie das nicht. Aber worin besteht dann der Unterschied zur Prosa?
In der Metrik. Und wer sich nicht hinsetzen will und sich mit Versmaßen, Hebungen und so weiter auseinandersetzen, der kann das lernen, indem er einfach ein Gefühl dafür entwickelt. Dafür, finde ich, ist das Monostichon sehr gut geeignet. Wer es sich schwermachen will und sich besser auskennt, kann ja als Grundlage einen Hexameter verwenden, auch wenn man das nicht unbedingt (wissen) muss.

Ninita


RE: Monostichon - Adsartha - 06-04-2008

Hi Ninita,
wie ist das:

Warme Haut - streichelzart - erzittert unter Fingerspitzen.

Adsartha


RE: Monostichon - Ninita - 06-04-2008

Das ist schöööön ... *seufz *schmacht
Witzigerweise habe ich niemals herausgefunden, ob es Für den Einvers Zäsurregeln gibt. Sogar mein dickes, fettes Fachbuch schweigt sich darüber aus.
Aber das halte ich auch nicht für so irre wichtig.

Icon_smile Ninita


RE: Monostichon - Adsartha - 07-04-2008

Hi Ninita,
schön, dass es dir gefällt.
Hab mich so angestrengt *schweiß abwisch*
Nein, nur ein Scherz. Es solte eigentlich der Anfang eines Gedichts werden, aber der Rest wollte dann irgendwie nicht kommen.
Dachte schon, er schmachtet ungesehen auf meiner Festplatte, aber durch dieses Thema, darf er auch mal raus ;-) (Dafür ein: Dankeschön!)

Adsartha


RE: Monostichon - Ninita - 07-04-2008

O je - ich kann Dir noch so 50 bis 60 Gedichtzeilen anbieten, die bei mir auch auf irgendwelchen Blättern ihres Papierkorbtodes harren.
Da fällt einem zu einer Stimmung irgendwas ein - genial. Und das wars dann aber auch schon.

Ninita


RE: Monostichon - Mondluchs - 07-04-2008

Blühendes Leben lebt unter Blüten auf

Wie ist das? ^^