Es ist: 27-11-2021, 19:22
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Feuer und Stein - Diana Gabaldon
Beitrag #1 |

Feuer und Stein - Diana Gabaldon
Feuer und Stein


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Produktinformation
# Taschenbuch: 798 Seiten
# Verlag: Blanvalet (Mai 1998)
# Sprache: Deutsch
# ISBN-10: 3442350042
# ISBN-13: 978-3442350049
# Größe und/oder Gewicht: 18,4 x 11,4 x 4,7 cm

Klappentext
"Das ist eine Warnung: Diese Bücher können süchtig machen. Durchgelesene Nächte, gerötete Augen, geschwundene Kilos... Millionen von Lesern und v. a. Leserinnen leiden unter diesen Symptomen. Die Geschichte ist so wildromantisch, humorvoll, aber auch geschichtstreu, dass man sie nicht mehr aus den Händen gibt. Diana Gabaldon schreibt und schreibt. Gottseidank."

Über den Autor
Diana Gabaldon wuchs in Flagstaff, Arizona auf. Nach dem Besuch der High School studierte sie Tiefseebiologie, Ökologie und Zoologie. Sie arbeitete an der Northern Arizona University als Honorarprofessorin und Computerspezialistin und schrieb Storylines für Walt-Disney-Comics. Ab 1980 schrieb sie auf verschiedenen Gebieten: Handbücher für Computer, Software-Rezensionen und Artikel. Im Jahre 1991 veröffentlichte sie mit "Outlander" (deutscher Titel: "Feuer und Stein") ihr erstes Buch, das gleich ein Welterfolg wurde. Gabaldon wollte schon lange Jahre zuvor einen Roman schreiben und hatte Outlander nur zu Übungszwecken begonnen, um herauszufinden ob sie überhaupt Romane schreiben kann. Als sie Fragmente dieses Romanes in einem Literaten-Forum bei Compuserve einstellte, bekam sie derart positive Rückmeldungen und Ratschläge, sich einen Agenten zu suchen, dass sie dies tat und schlussendlich ihr erstes Buch mit großem Erfolg veröffentlichte.
Heute lebt Diana Gabaldon mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Scottsdale, Arizona.

Inhalt
Man schreibt das Jahr 1945. Claire Beauchamp Randall, die bis vor kurzem als Krankenschwester an der Front gearbeitet hat, verbringt die zweiten Flitterwochen mit ihrem Mann Frank in den schottischen Highlands. Als sie bei einem Spaziergang nichtsahnend einen magischen Steinkreis berührt, verliert sie das Bewusstsein - und erwacht mitten im Schlachtgetümmel schottischer Rebellen, im Jahr 1743.

Das Schottland dieser Epoche unterscheidet sich beträchtlich von dem friedlichen Ort, den Claire soeben mysteriöserweise verlassen hat: Die schottischen Clans kämpfen erbittert gegen die englische Besatzung; die Highlander sind geprägt von Rebellion und Verrat, von Aufklärung, Aberglaube und Hexenwahn. Und mitten unter ihnen Claire - eine Frau des zwanzigsten Jahrhunderts, eine beargwöhnte Fremde, die die Menschen durch ihr seltsames Auftreten, ihre ungewöhnliche Sprache und ihre eigenartigen Kenntnisse in Aufruhr versetzt.

Da begegnet sie James Fraser, dem mutigen Clanführer, der ihr mehr als einmal in lebensbedrohlichen Situationen zu Hilfe eilt. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege, und bald schon spürt Claire, dass dieser Mann über ihr Schicksal entscheidend mitbestimmen wird, dass sie an seiner Seite Liebe und Leidenschaft, Rebellion und tödliche Gefahr erleben wird. Claire muss schließlich die Entscheidung ihres Lebens treffen: zwischen der Zukunft und der Vergangenheit, zwischen ihrem Mann Frank und dem rothaarigen Rebellen James Fraser.
Eine Lektion hat sie inmitten dieses Abenteuers jedoch bereits gelernt - dass der Instinkt eines Mannes, die Frau zu beschützen, die er liebt, so alt ist wie die Zeit...

Fazit
Eine Schlacht der Leser die sich um folgende Aussagen in die Haare kriegen: "Das beste Buch aller Zeiten", "Ein netter Softporno, der sich eher laienhaft als historischer Roman getarnt hat." Die Meinungen könnten kaum unterschiedlicher sein und mir fällt es schwer mich mit meiner hier einzureihen. Ich lese oft Liebesromane, mit Zeitreisen hatte ich mich allerdings stets schwer angefreundet und bei "Ich" Perspektiven, stehen mir auch immer die Haare zu berge.
Alle Bedenken wurden in den Wind geschmissen, als mir Fay verkündete, ich muss dieses Buch lesen und so hab ich nicht lange gezögert. Die Zeitreise hat mich weniger gestört, wobei mir der Anfang sehr schleppend erschien, dann ging es im suchteiligen Tempo voran und bald hab ich das Buch auch schätzen gelernt. Es stimmt, ich musste dieses Buch lesen, denn es bietet zu den kleinen Schmöckern die ich sonst verdrücke wirklich einen schönen Kontrast. Witzige Wortgefechte, erotische Moment, aber leider und das muss auch gesagt werden, viele Klischees. Das Buch ist voll davon. Angefangen bei Claire, mit ihrem sturen Hitzkopf, über Jamie, der sanfte und auch manchmal äußert harte Mann, über die üblichen "bösen" Feinde, die das unfreiwillige Liebespaar durch die Höhen und Tiefen des Lebens schicken. Trotz dieser negativen Tatsachen, hat mir dieses Buch sehr gefallen und konnte mich auch gut begeistern. Am besten war der Mittelteil, das Ende und der Anfang erschien mir eher schwach, aber lesenswert. Es ist ganz klar ein Buch, bei dem ich kein klares Urteil fassen kann, dass ich aber schon mit gutem Gewissen jedem empfehlen kann, der gerne Liebesromane liest und Mankos bei einem Buch mit achthundert Seite auf sich nimmt.

Ich sehe dieses Buch in jedem Fall mehr als Liebesroman, als ein Buch mit historischen Grundzügen an, deshalb ist es auch in der Rubrik Sonstiges gelandet.

Leseprobe
Zitat:Der Ort sah, zumindest auf den ersten Blick, nicht so aus, als würden dort viele Menschen verschwinden. Mrs. Bairds Frühstückspension war ein Haus wie tausend andere im schottischen Hochland anno 1945; sauber und ruhig, mit verblaßten Blümchentapeten, gewienerten Böden und einem Durchlauferhitzer im Bad, in den man Münzen einwerfen mußte. Mrs. Baird war mollig und gelassen und hatte nichts dagegen, daß Frank all seine Bücher und Papiere, die ihn auf jeder Reise begleiteten, in ihrem kleinen, mit Rosenmuster verzierten Wohnzimmer deponierte.

Ich begegnete Mrs. Baird in der Diele, als ich auf dem Weg nach draußen war. Sie hielt mich auf, legte ihre etwas feiste Hand auf meinen Arm und zupfte an meinen Haaren herum.

"Ach du liebe Güte, Mrs. Randall, so können Sie doch nicht aus dem Haus gehen! Darf ich's mal ein bißchen festdrücken? So. Jetzt ist es schon viel besser. Meine Cousine hat mir von einer neuen Dauerwelle erzählt. Die wird wunderschön und hält traumhaft gut; vielleicht sollten Sie's das nächste Mal auch damit versuchen."

Ich brachte es nicht übers Herz, Mrs. Baird zu sagen, daß die Widerspenstigkeit meiner hellbraunen Locken allein auf eine Laune der Natur und nicht auf Versäumnisse von seiten des Friseurgewerbes zurückzuführen war. Ihre steifgelockten Wellen zeichneten sich jedenfalls nicht durch derlei Eigensinn aus.

"Das werde ich tun, Mrs. Baird", log ich. "Ich gehe nur schnell ins Dorf runter und treffe mich mit Frank. Wir sind zum Tee wieder da." Ich verschwand, bevor sie weitere Mängel an meiner Erscheinung entdecken konnte. Ich war vier Jahre Krankenschwester bei der Royal Army gewesen und genoß es nun, statt der Uniform leichte, buntbedruckte Kattunkleider zu tragen, die für stramme Märsche durch die Heide jedoch völlig ungeeignet waren.

Nicht, daß ich ursprünglich geplant hätte, dies oft zu tun; ich hatte mir eher vorgestellt, morgens auszuschlafen und mit Frank lange faule Nachmittage im Bett zu verbringen. Es war jedoch schwierig, eine angemessen romantische Stimmung zu schaffen, wenn Mrs. Baird vor unserer Tür emsig staubsaugte.

"Das muß der schmutzigste Teppich von ganz Schottland sein", hatte Frank heute vormittag bemerkt, als wir im Bett lagen und dem wilden Röhren des Staubsaugers auf dem Flur lauschten.

"Fast so schmutzig wie die Fantasie unserer Wirtin", bestätigte ich. "Vielleicht hätten wir doch nach Brighton gehen sollen."

Wir hatten uns entschlossen, daß wir, bevor Frank seiner Berufung als Geschichtsprofessor nach Oxford folgte, in den Highlands Urlaub machen wollten, weil die Schrecken des Krieges Schottland etwas weniger heimgesucht hatten als den Rest von Großbritannien und weil es nicht so anfällig war für die hektische Nachkriegsmunterkeit, die in populäreren Feriengegenden grassierte.

Und ohne es besprochen zu haben, glaubten wir wohl beide, es sei ein nachgerade symbolischer Ort zur Neubelebung unserer Ehe; kurz vor Ausbruch des Krieges - sieben Jahre war es her - hatten wir in den Highlands geheiratet und dort unsere zweitägigen Flitterwochen verbracht. Ein friedliches Refugium, in dem wir einander wiederentdecken konnten, so meinten wir, ohne zu bedenken, daß Golf und Angeln zwar Schottlands beliebteste Sportarten im Freien sind, Klatsch aber der beliebteste Zeitvertreib in geschlossenen Räumen. Und wenn es so ausgiebig regnet wie in Schottland, halten sich die Menschen oft in geschlossenen Räumen auf.

"Wohin gehst du?" fragte ich, als Frank seine Beine aus dem Bett schwang.

"Ich könnte es nicht ertragen, wenn die gute Frau enttäuscht von uns wäre", antwortete er. Er setzte sich auf die Kante des hochbetagten Bettes und wippte behutsam auf und ab, was ein durchdringend rhythmisches Quietschen hervorrief. Das Staubsaugen auf dem Flur wurde eingestellt. Nach ungefähr zwei Minuten gab Frank ein lautes, theatralisches Stöhnen von sich und fiel hintüber, wogegen die Sprungfedern schnarrend protestierten. Ich kicherte in mein Kissen, um die atemlose Stille vor der Tür nicht zu entweihen.

Frank zog die Augenbrauen hoch. "Du sollst nicht kichern, sondern verzückt stöhnen", ermahnte er mich flüsternd. "Sie wird noch denken, ich sei kein guter Liebhaber."

"Wenn du verzücktes Stöhnen erwartest, mußt du schon länger durchhalten", erwiderte ich. "Mit zwei Minuten verdienst du nicht mehr als Gekicher."

"Unverschämtes Frauenzimmer. Ich bin hierhergekommen, um mich auszuruhen, hast du das vergessen?"

"Faulpelz. Wenn du nicht ein bißchen mehr Fleiß an den Tag legst, wirst du es nie bis zum nächsten Ast an deinem Stammbaum bringen."

Franks Leidenschaft für Ahnenforschung war ein weiterer Grund dafür, daß wir uns die schottischen Highlands ausgesucht hatten. Einem der dreckigen Zettel zufolge, die er mit sich herumschleppte, hatte irgendein leidiger Vorfahr von ihm Mitte des siebzehnten oder achtzehnten Jahrhunderts irgend etwas in dieser Gegend zu schaffen gehabt.

"Wenn ich an meinem Stammbaum als kinderloser Knorren ende, ist es zweifellos die Schuld unserer unermüdlichen Wirtin da draußen. Schließlich sind wir seit fast acht Jahren verheiratet, und Frank junior wird ehelich genug sein. Jedenfalls brauchen wir keine Zeugen, wenn du ihn empfängst."

"Falls überhaupt", sagte ich pessimistisch. In der Woche vor unserem Aufbruch in die Highlands waren wir wieder enttäuscht worden.

"Wie sollen wir es nicht schaffen bei all der frischen Luft und gesunden Ernährung?" Zum Abendessen hatte es gestern Brathering gegeben. Zum Mittagessen Salzhering. Und der penetrante Geruch, der nun die Treppe heraufwehte, deutete stark darauf hin, daß es zum Frühstück Räucherhering geben würde.

"Wenn du nicht vorhast, zur Erbauung von Mrs. Baird eine Zugabe zu geben, dann solltest du dich jetzt anziehen", sagte ich. "Wolltest du dich nicht um zehn mit dem Pfarrer treffen?" Reverend Dr. Reginald Wakefield, Pastor der hiesigen Gemeinde, würde Frank ein paar ungemein faszinierende Taufregister vorlegen; ganz zu schweigen von der verlockenden Möglichkeit, daß er vielleicht einige schimmelige Kriegsberichte ausgegraben hatte, in denen der berühmt-berüchtigte Vorfahr erwähnt wurde.

"Wie hieß dieser Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßvater von dir noch mal?" fragte ich. "Der hier bei einem Aufstand mitgemischt hat? Willy oder Walter? Ich weiß es nicht mehr."

"Jonathan." Frank nahm mein Desinteresse an der Familiengeschichte gelassen hin, blieb aber immer wachsam, um beim geringsten Ausdruck von Wißbegier meinerseits die Gelegenheit zu ergreifen und mir alle bisher bekannten Fakten über die Randalls und ihre Verbindungen aufzuzählen. Während er sein Hemd zuknöpfte, blitzte die Leidenschaft des fanatischen Dozenten aus seinen Augen.

"Jonathan Wolverton Randall - Wolverton hieß er nach dem Onkel seiner Mutter, einem Ritter aus Sussex. Er war jedoch unter dem schneidigen Beinamen „Black Jack' bekannt, den er sich beim Heer erwarb, vermutlich während der Zeit seiner Stationierung in Schottland." Ich ließ mich aufs Bett fallen und tat so, als schnarchte ich. Frank fuhr ungerührt mit seinen gelehrten Darlegungen fort.

"Mitte der dreißiger Jahre - des achtzehnten Jahrhunderts - kaufte er sein Offizierspatent und diente als Hauptmann bei den Dragonern. Den alten Briefen zufolge, die mir meine Cousine May geschickt hat, kam er beim Heer nicht übel zurecht. Eine gute Wahl für den zweitältesten Sohn, mußt du wissen; sein jüngerer Bruder hielt sich ebenfalls an die Tradition und wurde Geistlicher, aber ich habe noch nicht viel über ihn herausgefunden. Wie auch immer, der Herzog von Sandringham belobigte Jack Randall wegen seiner Aktivitäten vor und während des Aufstands 1746 - des zweiten jakobitischen Aufstands", erläuterte Frank den Unwissenden unter seinen Zuhörern, nämlich mir. "Du weißt schon, Bonnie Prince Charles und diese Leute."

"Ich bin nicht sicher, ob den Schotten klar ist, daß sie damals verloren haben", warf ich ein, während ich mich aufsetzte und meine Haare zu bändigen versuchte. "Gestern abend im Pub habe ich deutlich gehört, wie uns der Mann hinterm Tresen als Sassenachs bezeichnet hat."

"Nun, warum nicht?" sagte Frank gleichmütig. "Das bedeutet schließlich nur „Engländer' oder schlimmstenfalls „Fremde', und wir sind doch wohl beides."

"Ich weiß, was es bedeutet. Mir hat sein Ton nicht gefallen."

Frank suchte in der Kommodenschublade nach einem Gürtel. "Er hat sich bloß geärgert, weil ich ihm gesagt habe, sein Bier sei dünn. Ich habe ihm erklärt, daß man bei einem echten Hochlandgebräu dem Faß einen alten Stiefel beigeben und das Endprodukt durch alte Unterwäsche abseihen müßte."

"Aha, das erklärt die Höhe der Rechnung."

"Na ja, ich habe es etwas taktvoller formuliert, aber nur, weil es im Gälischen kein Wort für Unterhose gibt."

Neugierig geworden, griff ich zu einer von meinen. "Warum nicht? Haben die alten Kelten keine Unterwäsche getragen?"

Frank grinste anzüglich. "Hast du nie das Lied gehört, in dem es darum geht, was ein Schotte unter seinem Kilt trägt?"

"Vermutlich keine lange Unterhose", sagte ich trocken. "Während du dich mit Pfarrern vergnügst, mache ich mich vielleicht auf die Suche nach einem hiesigen Kiltträger und frage ihn."

"Dann sieh zu, daß du nicht verhaftet wirst, Claire. Das würde dem Dekan des St. Giles College gar nicht gefallen."

Letzten Endes schlenderten keine Kiltträger auf dem Dorfplatz herum und besuchten auch nicht die umliegenden Geschäfte. Es waren jedoch etliche andere Leute da, meistenteils Hausfrauen vom Typ Mrs. Baird, die ihre täglichen Besorgungen erledigten. Sie waren aus auf Klatsch und Tratsch und erfüllten, stramm und in bedruckte Kleider gehüllt, die Läden mit gemütlicher Wärme - eine Bastion gegen den kalten Morgendunst draußen.

Da ich bis jetzt noch keinen eigenen Haushalt hatte, gab es für mich nur wenig zu kaufen. Ich amüsierte mich damit, mir die frischgefüllten Regale anzuschauen, aus reiner Freude, vieles wieder angeboten zu sehen. Lange Zeit war alles streng rationiert gewesen, wir mußten ohne einfache Dinge wie Seife und Eier auskommen und noch länger ohne die kleinen Luxusartikel wie L'Heure Bleue, mein Eau de Cologne.

Mein Blick verweilte auf einer Auslage mit Haushaltswaren - bestickten Geschirrtüchern und Teewärmern, Krügen und Gläsern, einem Stapel recht heimeliger Plätzchendosen und einer Garnitur von drei Blumenvasen.

Ich hatte in meinem ganzen Leben noch keine Vase besessen. Während des Krieges hatte ich natürlich in den für Schwestern bestimmten Unterkünften gewohnt; erst im Pembroke Hospital, dann im Lazarett in Frankreich. Doch auch vorher hatten wir nirgendwo lange genug gelebt, um den Kauf eines solchen Gegenstands zu rechtfertigen. Hätte ich so etwas mein eigen genannt, dann hätte Onkel Lamb es bereits mit Topfscherben gefüllt, noch bevor ich mich ihm mit einem Strauß Gänseblümchen hätte nähern können.

Quentin Lambert Beauchamp. "Q" für seine Archäologiestudenten und Freunde. "Dr. Beauchamp" für die Gelehrtenkreise, in denen er sich bewegte. Aber für mich immer Onkel Lamb.

Als meine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen, wurde ich ihm, dem einzigen Bruder meines Vaters und meinem einzigen noch lebenden Verwandten, aufgebürdet. Auf dem Sprung zu einer Reise in den Mittleren Osten hatte er seine Vorbereitungen so lange unterbrochen, bis er sich um das Begräbnis gekümmert, die Nachlaßangelegenheiten meiner Eltern geregelt und mich - ich war damals sechs - in einem standesgemäßen Mädcheninternat angemeldet hatte, das zu besuchen ich mich schlichtweg weigerte.

Mit der Notwendigkeit konfrontiert, meine dicken Finger vom Türgriff des Wagens zu lösen und mich die Treppe zur Schule hinaufzuschleifen, seufzte mein konfliktscheuer Onkel Lamb verzweifelt auf, zuckte schließlich die Achseln und warf sein Urteilsvermögen mitsamt meinem neuerworbenen Strohhut über Bord.

"Verdammter Deckel", murmelte er, als er ihn im Rückspiegel davonrollen sah, während wir im dritten Gang die Auffahrt entlangbrausten. "Aber an Frauen habe ich Hüte sowieso noch nie leiden können." Er musterte mich mit einem wilden Blick.

"Damit eines klar ist", sagte er in ehrfurchtgebietendem Ton. "Du darfst auf gar keinen Fall mit meinen persischen Grabfigurinen Puppen spielen. Alles, nur das nicht. Verstanden?"

Ich nickte zufrieden. Und war mit ihm in den Mittleren Osten, nach Südamerika und zu Dutzenden von archäologischen Stätten auf der ganzen Welt gereist. Hatte anhand von Entwürfen zu Zeitschriftenartikeln lesen und schreiben gelernt, auch Latrinen graben und Wasser abkochen und eine Reihe von anderen Dingen, die sich für eine junge Dame aus gutem Haus nicht schicken - bis ich dem hübschen, dunkelhaarigen Historiker begegnete, der zu Onkel Lamb kam, um ihn über ein Problem der französischen Philosophie zu befragen, das im Zusammenhang mit der ägyptischen Religion stand.

Auch nach der Hochzeit führten Frank und ich das Nomadenleben angehender Dozenten, pendelten hin und her zwischen Konferenzen auf dem Kontinent und provisorischen Wohnungen, bis es ihn durch den Krieg an die Offiziersschule und danach zum Geheimdienst verschlug und ich eine Ausbildung als Krankenschwester machte. Obwohl wir seit fast acht Jahren verheiratet waren, würde das neue Haus in Oxford unser erstes richtiges Heim sein.

Ich klemmte meine Handtasche entschlossen unter den Arm, marschierte in den Laden und kaufte die Blumenvasen.

An der Kreuzung von High Street und Gereside Road traf ich Frank, und wir bogen gemeinsam in die letztere ein. Als er meine Neuerwerbungen sah, hob er die Augenbrauen.

"Vasen?" Er lächelte. "Wunderbar. Vielleicht hörst du jetzt damit auf, Blumen in meine Bücher zu legen."

"Das sind keine Blumen, das sind Exemplare. Und es war dein Vorschlag, daß ich mich mit Botanik beschäftige. Damit ich etwas zu tun habe, nachdem ich jetzt keine Kranken mehr zu pflegen habe", sagte ich.

Frank nickte gutgelaunt. "Stimmt. Mir war nur nicht klar, daß mir jedesmal, wenn ich ein Nachschlagewerk aufklappe, Grünzeug in den Schoß fallen würde. Was war dieses gräßliche bröckelige, braune Kraut, das du in den Tuscum and Banks getan hast?"

"Arnika. Ist gut bei Hämorrhoiden."

"Du triffst Vorbereitungen, weil ich alt werde, ja? Wie aufmerksam von dir, Claire!"

Wir traten lachend durch die Pforte, und Frank trat zurück, um mich zuerst die schmale Treppe hinaufsteigen zu lassen.

Plötzlich faßte er meinen Arm. "Achtung! Da wirst du doch nicht reintreten wollen."

Vorsichtig hob ich den Fuß über einen großen, rotbraunen Fleck auf der obersten Stufe.

"Seltsam", sagte ich. "Mrs. Baird putzt jeden Morgen die Treppe; ich habe sie dabei beobachtet. Was, meinst du, kann das sein?"

Frank beugte sich über die Stufe und schnupperte.

"Aus dem Stand würde ich sagen, das ist Blut."

"Blut!" Ich trat einen Schritt zurück. "Wessen Blut?" Ich schaute nervös ins Haus. "Glaubst du, Mrs. Baird ist etwas zugestoßen?" Ich konnte mir nicht vorstellen, daß unsere untadelige Wirtin Blut auf ihrer Schwelle trocknen ließ, es sei denn, eine größere Katastrophe hätte sich ereignet. Ich fragte mich einen Moment, ob sich im Wohnzimmer ein geisteskranker Mörder verbarg, der sich mit markerschütterndem Schrei sowie einer Axt auf uns stürzen würde.

Frank schüttelte den Kopf. Er stand auf Zehenspitzen und spähte über die Hecke in den Garten nebenan. "Das glaube ich kaum. Bei den Collins ist auch so ein Fleck auf der Schwelle."

"Tatsächlich?" Ich rückte näher an Frank heran, sowohl um über die Hecke zu lugen als auch der moralischen Unterstützung wegen. Das schottische Hochland schien mir nicht der rechte Ort für einen Massenmörder zu sein; allerdings bezweifelte ich, daß sich solche Personen bei der Auswahl ihrer Wirkungsstätten an logische Kriterien hielten. "Das ist ziemlich . . . unangenehm", bemerkte ich. Aus dem Nachbarhaus drang kein Lebenszeichen. "Was, meinst du, ist passiert?"

Frank runzelte die Stirn, dachte nach und schlug sich dann in plötzlicher Eingebung auf sein Hosenbein.

"Ich weiß es, glaube ich. Warte einen Augenblick." Damit überließ er mich meinem Schicksal, schoß durch die Pforte und trabte die Straße hinunter.

Wenig später war er, strahlend vor Gewißheit, zurück.

"Ja, das ist es. Muß es sein. Jedes Haus in dieser Reihe hatte es."

"Hatte was? Besuch von einem gemeingefährlichen Irren?" Ich sprach in einem etwas scharfen Ton, weil ich mit nichts als einem großen Blutfleck zur Gesellschaft stehengelassen worden war.

Frank lachte. "Nein, ein rituelles Opfer. Faszinierend!" Er war jetzt auf allen vieren im Gras und betrachtete interessiert den Fleck. Das schien mir kaum besser als ein gemeingefährlicher Irrer. Ich hockte mich neben ihn und rümpfte die Nase. Es war noch zu früh für Fliegen, aber ein paar von den großen, langsamen Hochlandmücken zogen über dem Fleck bereits ihre Kreise.

"Rituelles Opfer? Was soll das heißen?" fragte ich. "Mrs. Baird geht treu und brav zur Kirche wie alle anderen. Das ist doch kein Druidenhügel hier!"

Frank erhob sich und bürstete Gras von seiner Hose. "Hast du eine Ahnung, Mädchen", sagte er. "Es gibt keinen Ort auf Erden, wo der alte Aberglaube und die alte Magie lebendiger sind als in den Highlands. Ob Mrs. Baird zur Kirche geht oder nicht, sie glaubt ans Hügelvolk, und ihre Nachbarn ebenso." Er deutete mit seiner säuberlich polierten Schuhspitze auf den Fleck. "Das Blut eines schwarzen Hahnes", erklärte er und wirkte durchaus zufrieden. "Die Häuser sind neu, das siehst du wohl. Fertigbauweise."

Ich betrachtete Frank kühl. "Wenn du den Eindruck hast, das erkläre alles, dann täuschst du dich. Welchen Unterschied macht es, wie alt die Häuser sind? Und wo, um Himmels willen, sind die ganzen Leute?"

"Im Pub, nehme ich an. Schauen wir nach, ja?" Frank nahm meinen Arm und führte mich durch die Pforte und die Gereside Road hinunter.

"Früher", berichtete er im Gehen, "und das ist noch gar nicht so lange her, war es üblich, etwas zu töten, wenn ein Haus gebaut wurde, und es unterm Fundament zu begraben - das sollte die Erdgeister besänftigen. „Er wird die Grundfesten in seinem Erstgeborenen errichten, und in seinem jüngsten Sohn wird er die Tore bauen.' So alt wie die Berge."

Ich schauderte bei dem Zitat. "Dann ist es wohl sehr modern und aufgeklärt, daß die Leute statt dessen Hähne nehmen. Du meinst also, da die Häuser ziemlich neu sind, ist nichts unter ihnen begraben worden, und dem helfen die Bewohner jetzt ab?"

"Genau." Frank tätschelte mir wohlwollend den Rücken. "Nach Auskunft des Pfarrers denken viele Leute hier, zum Krieg sei es unter anderem deshalb gekommen, weil die Menschen ihre Wurzeln vergessen und es versäumt hätten, geeignete Sicherheitsmaßnahmen zu treffen, das heißt, ein Opfer unterm Fundament zu vergraben oder Fischgräten im Herdfeuer zu verbrennen - außer Schellfischgräten natürlich", fügte Frank in seliger Weitschweifigkeit hinzu. "Schellfischgräten verbrennt man grundsätzlich nicht - wußtest du das? -, sonst fängt man nie wieder einen. Schellfischgräten muß man vergraben."

"Ich werde es mir merken", antwortete ich. "Sag mir, was ich machen muß, um nie wieder einen Hering zu sehen, und ich werde es umgehend tun."

Frank schüttelte den Kopf, da er auf einem seiner geistigen Höhenflüge war, jenen kurzen Phasen gelehrter Verzückung, in denen er den Kontakt zu seiner unmittelbaren Umgebung verlor und sich ganz darauf konzentrierte, aus allen erreichbaren Quellen Wissen zu schöpfen.

"Hering? Keine Ahnung", sagte er zerstreut. "Aber gegen Mäuse hängst du Zittergras auf- „Hast du Zittergras im Haus, siehst du nie mehr eine Maus.' Aber Leichen unterm Fundament - daher kommen viele von den Gespenstern hier. Du kennst Mountgerald, das große Haus am Ende der High Street? Dort treibt ein Gespenst sein Unwesen, ein Maurer, der beim Bau mitgearbeitet hat und als Opfer für die Erdgeister getötet wurde. Irgendwann im achtzehnten Jahrhundert; das ist wirklich noch nicht lange her", fügte Frank nachdenklich hinzu.

"Es heißt, auf Weisung des Bauherrn sei zunächst eine Mauer hochgezogen worden. Dann habe man von deren Krone einen Steinblock auf einen der Maurer fallen lassen - vermutlich wurde ein unangenehmer Kerl ausgewählt -, und anschließend sei er im Keller begraben und der Rest des Hauses über ihm errichtet worden. Er geht im Keller um, wo er getötet wurde, außer an den vier alten Jahreszeitenfesten."

"Den vier alten Jahreszeitenfesten?"

"Ja, die alten Feste", erklärte Frank. "Imbolc, das ist der keltische Frühlingsanfang am ersten Februar; Beltene, das Maifest; Lugnosa am ersten August führt den Herbst ein; und Samhain, der erste November - das spätere Allerheiligen. Druiden, Glockenbecherkultur, Pikten, sie alle feierten, soviel wir wissen, die Sonnen- und Feuerfeste. Wie auch immer, an diesen Tagen sind die Geister frei, können umherwandern und Gutes oder Böses tun, wie es ihnen beliebt." Frank rieb sich versonnen das Kinn. "Die Frühlingstagundnachtgleiche haben wir hinter uns, wir nähern uns Beltene. Paß also lieber auf, wenn du das nächste Mal am Friedhof vorbeikommst." Er zwinkerte, und ich merkte, daß er aus seiner Trance erwacht war.

Ich lachte. "Gibt es hier viele berühmte Gespenster?"

Frank zuckte die Achseln. "Das weiß ich nicht. Wir werden den Pfarrer fragen, wenn wir ihn sehen, ja?"

Tatsächlich trafen wir den Pfarrer weitaus eher als vermutet. Er saß, zusammen mit den meisten anderen Dorfbewohnern, im Pub und trank anläßlich der Häuserweihe ein Helles. Zwar schien er ziemlich verlegen, weil er dabei ertappt worden war, heidnische Bräuche zu dulden, aber er tat es beiläufig als bloße lokal-historische Gepflogenheit ab.

"Obwohl es durchaus faszinierend ist", vertraute er uns an, und ich erkannte, innerlich seufzend, das Lied des Gelehrten. Frank lauschte dem Ruf einer verwandten Seele, begann sofort mit dem akademischen Balztanz, und binnen kurzem waren sie bis über beide Ohren in Archetypen und die Parallelen zwischen Aberglauben und Religion vertieft. Ich zuckte die Achseln und bahnte mir durch die Menge einen Weg zum Tresen und zurück, in jeder Hand einen großen Brandy mit Soda.

Da ich aus Erfahrung wußte, wie schwer es war, unter solchen Umständen Franks Aufmerksamkeit zu erregen, nahm ich einfach seine Hand, schloß seine Finger um das Glas und überließ ihn sich selbst.

Ich sah Mrs. Baird auf einer Bank in der Nähe des Fensters. Sie trank ein Glas halbdunkles Bier mit einem alten Herrn, den sie mir als Mr. Crook vorstellte.

"Das ist der Mann, von dem ich Ihnen erzählt habe, Mrs. Randall", sagte sie mit hellen Augen, belebt durch den Alkohol und die Gesellschaft. "Der sich so gut mit Pflanzen auskennt."

Und dann erklärte sie ihrem Gefährten, der seinen Kopf in einer Mischung aus Höflichkeit und Schwerhörigkeit neigte: "Mrs. Randall interessiert sich sehr für Pflanzen. Preßt sie in Büchern und so."

"Wirklich?" fragte Mr. Crook, eine buschige weiße Augenbraue hochziehend. "Ich habe ein paar Pflanzenpressen - die richtigen, wohlgemerkt. Habe sie von meinem Neffen gekriegt, als er in den Ferien hier war. Er geht zur Universität. Hat sie extra für mich mitgebracht, und ich konnte ihm nicht sagen, daß ich keine Verwendung dafür habe. Kräuter hängt man einfach auf, oder man trocknet sie auf einem Rahmen und tut sie in Leinenbeutel oder in Gläser, aber warum man die kleinen Dinger plattdrückt, das weiß ich nicht."

"Um sie anzuschauen vielleicht", warf Mrs. Baird freundlich ein. "Mrs. Randall hat so hübsche Sachen aus Malvenblüten und Veilchen gemacht, die könnte man ohne weiteres einrahmen und an die Wand hängen."

"Mmmpf." Von Mr. Crooks zerfurchtem Gesicht war abzulesen, dass er dies, wenn auch nur unter gewissen Vorbehalten, für möglich hielt.

"Also, wenn Sie die Pressen brauchen können, Missus, dann können Sie sie gerne haben. Ich will sie nicht wegwerfen, aber ich muß sagen, daß ich keine Verwendung dafür habe."

Ich versicherte Mr. Crook, daß ich begeistert wäre, wenn er mir seine Pflanzenpressen gäbe, und noch begeisterter, wenn er mir zeigte, wo die selteneren Pflanzen der Region zu finden seien. Er beäugte mich einen Moment mit scharfem Blick, den Kopf zur Seite gelegt wie ein alter Turmfalke, aber dann schien er zu dem Schluß zu kommen, daß mein Interesse echt war, und wir verabredeten für den nächsten Morgen eine Exkursion ins hiesige Buschwerk. Frank hatte vor, den ganzen Tag in Inverness zu verbringen, wo er im Rathaus irgendwelche Urkunden einsehen wollte, und es freute mich, daß ich eine gute Ausrede hatte, um ihn nicht begleiten zu müssen. Für meine Begriffe glichen sich solche Dokumente wie ein Ei dem anderen.

Bald darauf riß sich Frank vom Pfarrer los, und wir gingen gemeinsam mit Mrs. Baird nach Hause. Ich scheute mich, das Hahnenblut auf der Treppe zu erwähnen, aber Frank war nicht so schüchtern und fragte unsere Wirtin eifrig nach den Hintergründen dieses Brauches aus.

"Er ist sehr alt, nicht wahr?" erkundigte er sich, wobei er einen abgebrochenen Zweig durch die Gewächse am Straßenrand sausen ließ. Weißer Gänsefuß und Fingerkraut blühten bereits, und am Besenginster schwollen die Knospen - noch eine Woche, und sie würden platzen.

"Ja." Mrs. Baird watschelte flotten Schrittes dahin. "Älter als die Erinnerung. Den gab's schon vor den Riesen."

"Riesen?" fragte ich.

"Ja. Fionn und seine Männer."

"Gälische Volkssagen", bemerkte Frank. "Helden, weißt du. Wahrscheinlich nordländische Wurzeln. Es gibt hier etliche altnordische Einflüsse, die ganze Küste hinauf und bis nach Westen. Manche Ortsnamen sind nicht etwa keltisch, sondern altnordisch."

Ich befürchtete eine weitere Eruption gelehrten Wissens und rollte die Augen, aber Mrs. Baird lächelte freundlich und ermutigte Frank, sagte, das sei wahr und sie sei selbst einmal im Norden gewesen und habe den Zwei-Brüder-Stein gesehen und der sei auch altnordisch, nicht wahr?

"Die Nordländer sind zwischen 500 und 1300 nach Christus Hunderte von Malen an dieser Küste gelandet", fuhr Frank fort und blickte verträumt zum Horizont, wo er wohl in den windzerzausten Wolken Drachenschiffe sah. "Wikinger. Und sie brachten viele ihrer Mythen mit. Dies ist ein gutes Land für Mythen. Die Dinge scheinen hier Wurzeln zu schlagen."

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
Viele kleine Sternschnuppen

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Beitrag #2 |

RE: Feuer und Stein - Diana Gabaldon
"Feuer und Stein" ist eindeutig ein Nackenbeißer! Nur dass das Cover und der Titel nicht nackenbeißerisch sind. Die Handlung ist es aber schon. Versteht mich nicht falsch, ich mag diese Art von Liebesromanen, lese zur Zeit gerade wieder einen. Die Gabaldon hat nur einen viel dickeren geschrieben als die meisten anderen Autorinnen und hat mehr Handlung neben den Liebesszenen reingepackt.
Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen, habe mir auch drei Fortsetzungen gekauft, ein Band davon ist noch ungelesen. Die letzen Romane der Reihe interessieren mich aber nicht mehr. Der erste ist der beste, danach lässt die Faszination deutlich nach.

/edit:
Das Hörbuch habe ich auch, das kann man aber getrost vergessen. Es ist so stark gekürzt worden, dass das Hören keinen Spaß macht.

***
Aeria

Lieber barfuß als ohne Buch!

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Beitrag #3 |

RE: Feuer und Stein - Diana Gabaldon
Ich habe von dieser Reihe bisher alle Bücher gelesen. Ich muß Aeria rechtgeben, die ersten sind die besten. Das letzte war jetzt nicht schlecht, aber von Hocker gehauen hat es mich nun nicht...auch fand ich das Ende etwas verwirrend...aber egal. Meine Meinung nach gehört das erste zu ihren besten und deswegen kann ich es uneingeschränkt empfehlen. Und wer auf Zeitreisen und Mittelalter und noch dazu auf Liebesgeschichten steht, na dann los :-)


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Beitrag #4 |

RE: Feuer und Stein - Diana Gabaldon
Hallo zusammen.

@ Aeria
Ja Gott sei Dank! Endlich ein Liebesroman ohne dem dämlichen Cover und einem verdammt eindeutigen Titel. *grins* Ich finde es schade, dass man solche Bücher in so dumme Bilder packt, als wäre sie ohne dem nichts wert. Danke für die Anmerkung vom Hörspiel - ja wenn es gekürzt ist, dann mag ich es jetzt schon nicht.

@ Amber
Zu den besten an sich, würde ich es gar nicht so zählen, aber was es alle Mal bietet ist mehr Tiefgang und auf alle fälle wirklich schöne Details. Nicht einfach nur "husch husch ans schreiben und schnell in den Verlag, damit es bei Historical endet" - *grins*. Manche Bücher von Historical sind gut, aber viel kommen mir echt schon überzogen vor und sind so enorm klischeefüllend.

***
Die Fortsetzung lesen ich bestimmt nicht. Keine davon. Ganz einfach aus dem Grund, weil Fortsetzungen meisten das schönste erste Buch zerbrechen können. Ich möchte es als schön in Erinnerung behalten und nicht das Gefühl haben, als hätte man noch schnell Kohle in den Ofen geworfen, um an der Flamme noch ein wenig länger zu verdienen. - Nun, ich bin da wohl eigen.

Danke euch und liebe Grüße,
Sternchen

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
Viele kleine Sternschnuppen

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Beitrag #5 |

RE: Feuer und Stein - Diana Gabaldon
Hallo!

Leider muss ich mich eher dieser Meinung anschließen:

Sternchen schrieb:"Ein netter Softporno, der sich eher laienhaft als historischer Roman getarnt hat."

Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich normalerweise nicht so auf dieses Liebe-Triebe stehe (so nennt meine Omi das immer *grins*). Am schrecklichsten fand ich allerdings, dass Claire bei jedem Mal, bei dem sie mit Jamie geschlafen hat, die "Erfüllung" gefunden hat ... Das sind Klischees, die ich einfach lächerlich finde und da kann das Buch ansonsten gut geschrieben sein, aber da kann ich nicht drüber hinwegsehen.

Von mir also die gegenteilige Meinung zu dem Buch Icon_wink


Grüße,
Isola.


@ Sternchen: Meinst du vielleicht so ein Cover? Mrgreen


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Beitrag #6 |

RE: Feuer und Stein - Diana Gabaldon
Hallo Isola,

Zitat:"Ein netter Softporno, der sich eher laienhaft als historischer Roman getarnt hat."
Ja, auch diese Menschen soll es geben. Mrgreen

Zitat:Am schrecklichsten fand ich allerdings, dass Claire bei jedem Mal, bei dem sie mit Jamie geschlafen hat, die "Erfüllung" gefunden hat ... Das sind Klischees, die ich einfach lächerlich finde und da kann das Buch ansonsten gut geschrieben sein, aber da kann ich nicht drüber hinwegsehen.
Tja und hier sind wir bei dem üblichen "Schund" gelandet. Es gäbe so schöne Lieberomane auf der Welt, wenn die Autoren es sich ersparen würde abgestandene Sätze einzubauen. Überromantisch zu werden oder einfach jedes Mal wenn sie auf "die Felle sinken" es so überzogen zu beschreiben. Mit diesen Dingen kann ich ebenso wenig anfangen. Das lustige aber - ist so gut wie in jedem Buch vorhanden. Es gibt aber auch wirklich toll geschriebenen, die ohne diesen ganzen "Trägern" auskommen. Ja, die haben auch so ein Cover. Icon_lachtot

Grüß dich,
Sternchen

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Beitrag #7 |

RE: Feuer und Stein - Diana Gabaldon
Hallo Sternchen,

Liebesromane sind allgemein nicht so mein Fall ... Meine Mutter liest auch diesen Kram à la "Mary dachte, sie würde nie mehr glücklich werden, aber dann begegnet sie Jack" ... Sorry, aber ist eben nicht so meins. Auch wenn es nicht nach diesem Schema verläuft. Mir ist noch kein einziger Roman dieses Genres begegnet, der mir gefallen hätte.


Grüße,
Isola.


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Beitrag #8 |

RE: Feuer und Stein - Diana Gabaldon
Hallo,

wie schon im Literaturfragebogen unschwer zu erkennen ist, bin ich ein großer Fan von "Feuer und Stein" und lasse mich eigentlich seit Jahren auf keine kontroversen Diskussionen mehr ein, weil ich es einfach zu anstrengend finde. Ich mache heute mal eine Ausnahme.
Ich liebe diese Geschichte, weil sie mich zutiefst berührt hat und zwar auf vielerlei Weise. Allen voran die Tatsache, was Jamie als Mann Schreckliches widerfährt; Dinge die ich bislang über Frauen gelesen hatte, was nicht weniger schlimm war.
Ganz besonders zu erwähnen, ist meine große Liebe zu Schottland, die durch diese Reihe entbrannte, nachdem ich 1999 den ersten Teil gelesen hatte.
War übrigens ein Zufallskauf in der Buchhandlung. Ich hatte nie zuvor von dem Buch gehört. Zum anderen schaffte es DG mit Jamie den 100% Mann zu schaffen - auch wenn er rothaarig ist. Da es solch einen Mann im wahren Leben natürlich nicht gibt, entspricht er mehr einer anderen Variante des Märchenprinzen. Zu meinem Mann sage ich immer, er ist der 90% Mann. Icon_smile

Die Liebesszenen in dem Buch sind phänomenal und m.M.n. nicht so klischehaft wie oft erwähnt. Wenn Jamies Gesicht im Schlaf bis in die kleinste Nuancefarbe seiner Wimpern beschrieben wird, finde ich das schlicht hinreißend. Was aber nicht so ungewöhnlich ist, denn das kriegen auch andere Autorinnen ziemlich gut hin. Als Softporno würde ich ein Buch bezeichnen, dass es nicht schafft ohne vulgäre Ausdrücke auszukommen. Wie es z.Z. in vielen Vampirbüchern üblich zu sein scheint. Mag sein, das es eine moderne, lockere Ausdrucksweise ist und sparsam eingesetzt auch völlig berechtigt, aber leider oft zuviel und für mich abstoßend.
Ob Nackenbeißer oder nicht - übrigens ein 10 Jahre altes Thema - ist mir eigentlich egal. Für mich ist des kein Nackenbeißer. Da ich in meiner Jugend endlos viele davon verschlungen habe, bin ich zu der Entscheidung gekommen, das jeder Roman mit sehr gut geschriebenen Liebesszenen dann ein Nackenbeißer sein muss. Damit mich keiner falsch versteht, ich habe nichts gegen sog. Nackenbeißer, bin lediglich darin etwas übersättigt.

"Feuer und Stein" ist m.M.n. definitiv ein historischer Roman mit fantastischen Elementen, auch wenn die Autorin erst Jahre später selbst nach Schottland gereist ist. Hat von euch schon mal eine die Gedenkstätte des Culloden Battlefield gesehen? Culloden ist bis heute das schottische Trauma, indem sie endgültig von den Engländern besiegt worden waren. Bis heute hat Schottland allenfalls eine Teilautonomie erzielt und die Einheimischen fühlen sich immer noch mehr mit den Franzosen als mit ihren englischen Nachbarn verbunden. Das besagte Schlachtfeld wurde so belassen wie man es nach 1746 vorgefunden hatte. Okay, es liegen keine Knochen oder Waffen rum. Icon_wink
Die kann man allerdings im anliegendem Visitor Centre besichtigen - die Waffen. Die Knochen liegen in Clan Gräbern wie Fraser of Lovat und McKenzie. Auf einer Gedenktafel kann man die Aufstellung der Soldaten vor der Schlacht sehen; die Frasers kämpften in erster Reihe.
Es steht außer Frage, das Jamie eine fiktive Person ist, aber es hat zahlreiche Helden auf beiden Seiten gegeben, die durch solche Geschichten eine Ehrung erfahren.
So sehen das auch die heutigen McKenzies, die sehr überrascht waren, dass Diana Gabaldon ihre Burg fast originalgetreu beschrieben hatte, ohne jemals dort gewesen zu sein.
Bonnie Prince Charlie, der letzte Stewart Erbe war ein reale Person wie der Herzog of Cumberland. Die Schlacht war ein historisch korrektes Ereignis wie die später folgenden Clearences und daraus resultierende Abwanderung zahlreicher Schotten nach Amerika.
Das macht für mich einen historischen Roman aus, eine gelungene Mischung aus realen Begebenheiten mit Fiktion.
Ich hatte in Schottland die Gelegenheit, zahlreiche historischen Plätze aus DG´s Büchern zu besichtigen. Den letzten, vergleichbaren Touristenboom hatte Schottland, nachdem 1810 Sir Walter Scott´s "Lady of the Lake" erschienen war.
In Dunrobin Castle fand ich zu meiner großen Verwunderung Diana Gabaldons Bücher in der Schlossbibliothek auf einem Ehrenplatz.
So wandelte auch ich, mit Familie im Schlepptau, auf den Pfaden von "Feuer und Stein" durch die Highlands, Inverness, Culloden, Eileen Donan Castle wie es damals die Leser von Walter Scott taten. Allein dafür liebe ich diese Geschichte ...
Den dazu passenden Reisebericht, findet ihr auf meiner Homepage
http://www.helene-henke.de/sonstiges.php

In diesem Sinne
lieben Gruß
Helene


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