Es ist: 09-12-2022, 09:20
Es ist: 09-12-2022, 09:20 Hallo, Gast! (Registrieren)


Countdown (Diskussion)
Beitrag #31 |

RE: Countdown (Diskussion)
Moin.

Mein Kommi zu 1932.

Zitat:"Er hat uns allen einen geliebten Menschen genommen."
[…]
Wir sollten unsere Hände ergreifen und - gemeinsam - den vor uns liegenden schweren Weg beschreiten."
Tja, Dread. Diese einleitende Passage … Sprachlich habe ich nichts anzumerken, das ist so weit ok.
Aber.
Ich weiß, du magst lange Kursiv-Passagen. Du weißt auch, dass ich sie nicht mag. Es liest sich einfach nicht schön. Noch dazu, weil man dann erst einmal austüfteln muss, warum das denn nun kursiv ist und wo der Unterschied zum Rest liegt.
Inhaltlich: Ich weiß jetzt, nach dem ich die Geschichte zweimal gelesen habe, dass es sich um das ganz am Ende erwähnte Interview des unbekannten Reporters mit Viktoria Luise handelt. Aber ganz ehrlich, beim ersten Lesen habe ich nicht begriffen, was das sollte. Du führst eine neue Person ein und man weiß nichts über sie. Wer sie ist. Wer sie sein wird. Der Teil hängt so im luftleeren Raum, dass ich ihn vergessen habe. Vollkommen. Ich habe mich nicht mal mehr daran erinnert, als ich am Ende auf die Passage im Gespräch mit W. II. gestoßen bin.
Ich weiß allerdings nicht, was ich dir dazu anraten soll. Beibehalten? Verschieben? Mehr Informationen an den Anfang? Mir ist klar, du begibst dich in einen gefährlichen Bereich, wenn du daran herumbastelst, weil dein Spannungsbogen darauf beruht. Von dem Interview hin zum Wiki-Link.


Zitat:Die Lokomotive hupte und schnaufte, und ein Rucken deutete an, dass der Zug langsamer wurde.
Hupen Lokomotiven? Ist das nicht eher ein Pfeifen?

Zitat:Dahinter Bürger, die sich die zweite Klasse leisten konnten.
Also im Gegensatz zu ihm?

Zitat:Die Mütter daneben fochten mit Stricknadeln gegen die zähe Baumwolle an
Gut, man kann wohl alles stricken (und wenn es sein muss ein Gemisch aus Edelstahl und Seide Icon_ugly ), aber üblich ist an sich Wolle, oder? Zumal 1932, ich weiß nicht, wie weit Baumwolle da verbreitet war, hierzulande. Wächst hier ja nicht so gut.

Zitat:Ein glattrasiertes Gesicht, gesäumt von kurzem braunen Haar. Der Rest von ihm versteckte sich unter einem weißen Diensthemd mit doppeltem Windsorknoten, hellgrauer Uniformjacke und dunklerer Hose mit hohen Stiefeln. Die Schirmmütze korrekt zwischen linkem Oberarm und Herzen gepresst, während die Orden- und Ehrenzeichen oberhalb der rechten Brusttasche leicht im Takt des Schaukelns wippten.
Aha! Lothar hat Karriere gemacht? Aber trotzdem – zur zweiten Klasse reicht‘s nicht?

Zitat:Ich wäre jetzt gerne bei Dir und würde Deine Hand halten wollen, Annemarie.
Hier habe ich mich mehrfach verlesen und ihn um ihre Hand anhalten lassen. Dass sie gerade Mutter wird, war mir alles andere als deutlich. Und damit war die Assoziation bei den Kindern auch etwas … komisch.

Zitat:'Noch kriegen Männer keine Kinder, Herr Oberleutnant!', hatte er gesagt und seine Worte donnerten noch immer durch Lothars Kopf. 'Ihre Frau wird es auch ohne Sie schaffen - aber ich werde es Sie wissen lassen, sobald der kleine Krieger die Welt betreten hat.'
Da war es dann endlich klar. Für meinen Geschmack zwei Sätze zu spät.

Zitat:Hinter dem Glas der Tür nur eine Frau Anfang vierzig.
Diese Begegnung macht auf mich einen etwas – hmmm – zufälligen Eindruck. Was wissen wir über Lothar? Etwas zu seinem Aussehen, dass er Anfang dreißig ist, dass er mittlerweile Oberleutnant ist, dass seine Frau gerade ein Kind bekommt.
Und dass er durch einen Zug torkelt und der Anfang-Vierzigerin begegnet. Erste Reaktion: Muss er sich trösten, dass er nicht bei seinem Mädel sein kann und schleppt mal eben wildfremde Passagierinnen ab? – Dass er hier Eskorte spielen muss, hätte ich nach dieser Vorstellung nicht gedacht.

Zitat:"Bis zur Grenze dauert es nicht mehr lange", meinte er, setzte sich auf den Platz gegenüber und deutete auf ihr Buch. "Was lesen Sie da, wenn ich fragen darf?"
Hier wieder so ein Überraschungseffekt – „Die kennen sich doch!“ Ohne Überraschungen wär ja langweilig, aber irgendwie fänd ich’s stimmiger, wenn das wenigstens ein bisschen absehbar wäre.

Zitat:"Sie schauen mich bereits seit unserer Abfahrt merkwürdig an, Herr Oberleutnant."
Also doch der Abschleppdienst? Hmm. Und wie „seit unserer Abfahrt“? Er kommt doch gerade erst rein (jedenfalls passt also das „seit“ nicht, weil das eine gewisse Konstanz voraussetzt, die mit einer Patrouille in meinen Augen nicht vereinbar ist).

Zitat:"Bis auf die Tatsache, das man in der Reichswehr lange auf seine Beförderung warten muss."
1. hä? Ist sie der Obermufti, der ihm versagt hat, zu seiner Frau zu fahren? (Nee, natürlich nicht, aber das war der erste Gedanke. Ich kriege sie immer noch nicht gefasst.
2. „dass“

Zitat:"Sie haben ein Problem damit, dass ich eine Frau bin."
Das Gespräch läuft irgendwie nicht darauf hinaus. Icon_confused - Ich weiß nicht, wieso, aber irgendwas passt nicht.

Zitat:"Ja."
"Ja?"
"Ja - ich habe ein Problem damit."
Sie nickte bedächtig.
1. Das sagt er mal so eben, ihr gegenüber?
2. So eine Reaktion ihrerseits? Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Ich habe sie ja nicht kennen gelernt (wie auch), und sonst weiß ich eigentlich auch nicht wirklich etwas über sie. Nur, dass sie bei den Leuten, die ihr das Haus gestellt haben, eben bis heute „die Herzogin“ heißt. Ich schließe daraus zurück, dass sie wohl durchaus … standesbewusst war. Bis hier klingt es nach „Suffragette“. Nicht, dass das für mich eine völlige Fehlbesetzung wär. Nur, dass du es vielleicht mehr von der politischen Seite aufziehen könntest und sie Lothar mit traditionalistischen Positionen für sich gewinnen könnte, mehr als in die offensive Opposition zu gehen. Du könntest seine Ablehnung also in ihm lassen, sie ein Politgespräch beginnen lassen und zu einem Monolog („ich sag nix im Dienst“) machen, der zugleich Dialog mit seinen (zunächst(?) ablehnenden) Gedanken machen, oder so.

Zitat:Ich rede nicht nur von Härte, sondern auch von Zielstrebig- und Durchsetzungsfähigkeit."
Das erste „-keit“ würde ich auch ausschreiben, das ist eine Stolperstelle.

Zitat:"Es gibt Schuhe, in die passe ich nicht hinein", sagte Sie.
Und was sagt sie damit? Dass Hindenburg eine Nummer größer war? Dass sie nicht an ihn heranreichen werde? Oder dass sie sich „den Schuh nicht anziehen“ werde, den Vergleich also ablehnen wolle/den „Angriff“ ablehne, nicht auf sich beziehe?

Zitat:"Das mag schon sein - allerdings haben Sie noch keine an."
1. Icon_shocked Sie ist barfuß??
2. Na und? (Außer, dass das seinerzeit vielleicht ein protokollarisches Problem gegeben haben könnte, die Tochter des (Ex-)Kaisers barfuß in einem engen Raum mit einem dahergelaufenen Offizier … )

Zitat:"Es war ein Unrecht."
Du weißt wahrscheinlich mehr über sie als ich … War sie tatsächlich eine Befürworterin des Frauenwahlrechts? Wie weit war das unter Monarchisten (-innen) verbreitet, denn für eine solche hatte ich sie bisher gehalten?

Zitat:"Frau Juchacz war auch eine Schneiderin, Herr Oberleutnant."
Wieso auch? Sie etwa auch?? Hmm. Und wieso verteidigt V.L. eine SPD-Kandidatin? Ich hätte sie – wie gesagt – heimatlich-konservativer eingeschätzt

Zitat:"Seien Sie gewiss, ich differenziere durchaus", meinte er. "Und im Gegensatz zu Ihnen ist Frau Juchacz keine Adelige."
Adelige oder Adlige? Oder gar „nicht von Adel“?

Zitat:Der Brustkorb des dunklen Mannes hob und senkte sich nur langsam.

„der dunkle Mann“ klingt urkomisch, ehrlich. Würde ich nochmal überdenken.

Zitat:"Meiner Familie wurde von Präsident Wittbooi der Schutz von Lothar Krieger befohlen."
Klar, 1914. Aber irgendwie habe ich den Zusammenhang noch nicht ganz begriffen …

Zitat:"Wahrlich, ein vertraktes Rätsel",
Vertrackt, glaube ich, mit ck.

Zitat:Ein Kühlergrill so groß, wie das Schild eines Ritters - darüber ein geflügeltes W.
der Schild eines Ritters (die Schutzwaffe, Pl. „Schilde“; „das“ bezieht sich auf das Hinweis-, Straßen-, Sonstwieschild – Pl. „Schilder“).

Zitat:Heu zu übergroßen Konservendosen zu bündeln, die auf der Seite lagen wie umgeworfene Litfaßsäulen.
Ich würde mich für ein Bild entscheiden – Konservendose oder Litfaßsäule. So beschreibst du das Bild, das eigentlich beschreiben soll. (Oh weh, ich werd esoterisch …)

Zitat:"Eine Spezialanfertigung des Auswärtigen Amtes", sagte Lothar. "Ein Wanderer W26L."
1. Das weiß er?
2. Hat das Ding Navi? Also, das Navi, das, das du selbst ausprobiert hast auf dem Weg nach Darmstadt? Icon_lachtot

Zitat:"Dann frage ich mich,", schmunzelte Lothar
Erstes Komma weg.
Zitat:"Und jetzt sitze ich hier, mit dem Befehl Sie unter allen Umständen zu beschützen", knurrte er, während seine Augen zu funkeln begannen. "Weitab von Zuhause, wo ich wahrscheinlich gerade Vater werde."
Beschwert er sich wirklich bei ihr darüber? Ich meine, sie kann ja nichts dazu, dass er zu ihrem Schutz abkommandiert ist. Und er riskiert die ganze Zeit, bei der Ab-Morgen-Reichspräsidentin in Ungnade zu fallen. Und das, wo er sich über die langsame Beförderungsmaschinerie ärgert. Das passt in meinen Augen nicht ganz. Würde er sich nicht mit ihr gutstellen? Oder wenigstens die Klappe halten?

Zitat:"Sie haben wenigstens noch einen Vater", meinte er. "Genießen Sie jeden Moment, freuen Sie sich, dass er da ist, dass er atmet und lebt."
Schwermut blühte auf, während Sie nervös ihre Finger rieb.
"Das ist wahrlich schwer."
Warum auch immer – hier ist mir zum ersten Mal der Gedanke an V.L. gekommen … und genauso schnell wieder abhanden. Mrgreen

Zitat:Eine Gestalt tauchte vor dem eisenbeschlagene Tor auf und gestikulierte mit den Armen.
Eisenbeschlagenen

Zitat:Manchmal ein Mann mit hochgezwirbeltem Schnurrbart in einer Dragoneruniform. Der Totenkopf auf dem Wollhut verschwommen.
Dragoner? Ich verbinde den Totenkopf eher mit Husaren. Aber du weißt ja, wie es um meine Militärkenntnisse bestellt ist. (Oder trugen Husaren Dragoneruniformen? *Militärhistorischer Offenbarungseid*)

Zitat:"Reichspräsident Viktoria Luise von Preußen - welch ein Hohn in meinen Ohren!"
Wie ist das mit den Namen? *Yellowpress-Offenbarungseid* … Ändern die sich (auch damals schon und unter den damaligen Bedingungen) wie bei Bürgerlichen mit der Ehe? Und was ist der Name eigentlich? Hohenzollern? Welfen? Von Preußen? Von (oder zu?) Braunschweig-Lüneburg? Von HannoverIcon_igitt?)
Ich weiß jetzt leider nicht, was am Klingelschild gestanden hat – und heute ist’s ein bürgerlicher Name Icon_wink
Zitat:"Was ...?", murmelte Lothar und schaute auf einen kleinen Zettel. Eine geschwungene Handschrift, schnell geschrieben:
'Krieger, Krieger, Krieger - Gratulation. Hindenburg.'
Die Geschichte endet wie sie begann. Mit einem „Hä“.

Fazit: Sprachlich habe ich keine Einwände. Ein paar Flüchtigkeitsfehler, aber ansonsten beherrschst du dein Handwerk wie das Minesweeperspielen Icon_fies (Kündigung abgelehnt!)
Manchmal waren mir die Sprünge zu groß, aber irgendwie machen eben diese Sprünge auch wieder den Dread in der Geschichte aus. Ich gebe dir jetzt bewusst keine weiteren Hinweise und lasse dich erst einmal machen.
Ach so, ja: Zur Figur V.L.: Ich hab ja geschrieben, dass ich sie etwas profilarm fand. Das war so doch nicht ganz gerechtfertigt. Nur … irgendwie passt da etwas nicht, bei ihr. Du beschreibst sie sehr treffend, wenn man das Bild kennt, das unten verlinkt ist. Aber das bleibt sie irgendwie – Bild. Ich weiß zu wenig über sie, um ihre politische Ebene mit einzubeziehen. Nur wie gesagt – bei uns im Ort hieß sie „die Herzogin“. Ich sehe sie da eher mit ihrem Vater auf einer Linie. Keine Ahnung, ob’s stimmt, aber ist so ein Bauchgefühl.

Liebe Grüße!
Lehrling

Zum Lehrling und zur Lehrwerkstatt

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Beitrag #32 |

RE: Countdown (Diskussion)
Moin.

Zitat:Diese einleitende Passage … Sprachlich habe ich nichts anzumerken, das ist so weit ok.
Aber.
Ich hab schon Kämpfe gegen Teja diesbezüglich ausgetragen ... Keine Panik. Und das Kursive bleibt. Mrgreen
Denn anders gefragt: Wie soll ich es sonst abgrenzen?
So?
Zitat:[...]
Wir sollten unsere Hände ergreifen und - gemeinsam - den vor uns liegenden schweren Weg beschreiten."

(Einige Monate später)
Die Lokomotive hupte und schnaufte, und ein Rucken deutete an, dass der Zug langsamer wurde.

Zitat: Zitat:Die Lokomotive hupte und schnaufte, und ein Rucken deutete an, dass der Zug langsamer wurde.

Hupen Lokomotiven? Ist das nicht eher ein Pfeifen?
Ich nehme die blöde Hupe raus. Icon_rolleyes

Zitat: Zitat:Dahinter Bürger, die sich die zweite Klasse leisten konnten.

Also im Gegensatz zu ihm?
Missverständlich, ich weiß. Ich änder es in: 'Die Bürger in der zweiten Klasse' oder so.

Zitat: Zitat:Die Mütter daneben fochten mit Stricknadeln gegen die zähe Baumwolle an

Gut, man kann wohl alles stricken (und wenn es sein muss ein Gemisch aus Edelstahl und Seide Icon_ugly ), aber üblich ist an sich Wolle, oder? Zumal 1932, ich weiß nicht, wie weit Baumwolle da verbreitet war, hierzulande. Wächst hier ja nicht so gut.
Öhm, ... im Zuge meiner Resozialisierung musste ich auch mal ... *hust* Stricken lernen.
Normalerweise (technisch korrekt) Handstrickwolle, oder Handstrickgarn. Aber meistens wird eben Wolle oder Strickwolle gesagt. (Kann ja 'Strickwolle' nehmen.) Und soweit ich weiß, gibt es Baumwolle zum Stricken schon seit Anfang der 30 Jahre.

Zitat:Aha! Lothar hat Karriere gemacht? Aber trotzdem – zur zweiten Klasse reicht‘s nicht?
Na, irgendwann wird jeder mal befördert. Icon_wink Sonst s.o.

Zitat: Zitat:Ich wäre jetzt gerne bei Dir und würde Deine Hand halten wollen, Annemarie.

Hier habe ich mich mehrfach verlesen und ihn um ihre Hand anhalten lassen. Dass sie gerade Mutter wird, war mir alles andere als deutlich. Und damit war die Assoziation bei den Kindern auch etwas … komisch.
Und das, obwohl ich hier an Dich gedacht hatte: Hand halten bei der schweren Geburt. Stichwort Kreißsaal. Mrgreen
Gut, nehm ich die Hand raus.

Zitat:Da war es dann endlich klar. Für meinen Geschmack zwei Sätze zu spät.
Ich presche aber ungerne so schnell vor. Langsam aufbauen. Wenn man es umstellen würde, hätte der erste Satz keine Berechtigung mehr. Ich wollte deutlich machen, dass Lothar nicht nur an das Kind denkt, sondern vordergründig an Annemarie. Wird später deutlich, wo er sagt, dass er andere Krieger ungerne alleine lässt. Sollte konträr zur konservativen Gesellschaft stehen.

Zitat:Dass er hier Eskorte spielen muss, hätte ich nach dieser Vorstellung nicht gedacht.
Dann frage ich mich, wie Du diese Passage verstanden hast:
Zitat:Wir hätten nicht mit dem Zug fahren sollen, dachte er, als er die Zwischentüren zum nächsten Waggon erreichte. Davor einer seiner Männer. Breite Schultern mit einem bulligen Gesicht. Eine schwarze Koppel mit einer Pistole im ledernen Holster und einem zu allem entschlossenen Blick, der jeden traf, der sich ihm bis auf wenige Meter näherte.
"Besondere Vorkommnisse, Hansen?", fragte Lothar seinen Untergebenen.
"Bis jetzt nichts, Herr Oberleutnant."
"Weitermachen", sagte Lothar und schob sich an ihm vorbei in den nächsten Waggon.

Er torkelte mehr als dass er ging an leeren Abteilen vorbei und zog sicherheitshalber an den verglasten Schiebetüren, die alle verschlossen waren. Der Oberleutnant brummte zufrieden, sah zum Mann am anderen Ende, der ihm einfach nur zunickte.
Gut, alles in bester Ordnung, dachte Lothar, als er das Abteil in der Mitte des Waggons erreichte.

Zitat: Zitat:"Bis zur Grenze dauert es nicht mehr lange", meinte er, setzte sich auf den Platz gegenüber und deutete auf ihr Buch. "Was lesen Sie da, wenn ich fragen darf?"

Hier wieder so ein Überraschungseffekt – „Die kennen sich doch!“ Ohne Überraschungen wär ja langweilig, aber irgendwie fänd ich’s stimmiger, wenn das wenigstens ein bisschen absehbar wäre.
Siehe oben. Meine Frau hatte es erst so gelesen/verstanden (bis er Sie fragt), als wäre die Frau eine Gefangene. Wegen den uniformierten Leuten, wegen der Waffen, der abgeschlossenen Abteile im fraglichen Waggon.

Zitat: Zitat:"Sie schauen mich bereits seit unserer Abfahrt merkwürdig an, Herr Oberleutnant."

Also doch der Abschleppdienst? Hmm. Und wie „seit unserer Abfahrt“? Er kommt doch gerade erst rein (jedenfalls passt also das „seit“ nicht, weil das eine gewisse Konstanz voraussetzt, die mit einer Patrouille in meinen Augen nicht vereinbar ist).
Er dreht seine Runden im Zug. Satz soll verdeutlichen, dass er schon öfter bei ihr gesessen hat - nur unterbrochen von seinen 'Wachgängen'.
(Also pure Absicht der Satz.)

Zitat: Zitat:"Bis auf die Tatsache, das man in der Reichswehr lange auf seine Beförderung warten muss."

1. hä? Ist sie der Obermufti, der ihm versagt hat, zu seiner Frau zu fahren? (Nee, natürlich nicht, aber das war der erste Gedanke. Ich kriege sie immer noch nicht gefasst.
2. „dass“
Zu 1: Was hat Beförderung mit Fahren zu tun? (War mein erster Gedanke. Icon_wink ) Im Ernst: Sieht man doch oft. Da fragt ein Kollege den anderen, was er hat - und es kommt eine Aller-Welts-Antwort wie 'Ach nichts, nur das Wetter.' Den wirklichen Grund sagt er erstmal nicht. Und auch hier ist es eine allgemeingültige Aussage, dass man lange auf seine Beförderung warten muss. (Gerade in der Zeit bei der Reichswehr.)
Zu 2: Jepp.

Zitat: Zitat:"Sie haben ein Problem damit, dass ich eine Frau bin."

Das Gespräch läuft irgendwie nicht darauf hinaus. Icon_confused - Ich weiß nicht, wieso, aber irgendwas passt nicht.
Das Gespräch ist mMn typisch menschlich. Ablenkend, indirekt. Ich hab nochmal unter Deinem Betrachtungspunkt drübergeschaut und es passt für mich. (Bis auf zwei Sätze:
1) "Sie haben noch nicht viele Damen kennengelernt - oder?"
-> Muss umgearbeitet werden.
2) "Erst 'Frau' und jetzt 'adelig' - das klingt wie ein Vorwurf."
-> Den Begriff 'Frau' hatte er ja gerade vorher wieder relativiert.

Zitat:1. Das sagt er mal so eben, ihr gegenüber?
So eben nicht - sonst hätte er es ja schon vorher sagen können. Da spielt der Dialog dazwischen mit. Seine zuerst ablehnende Haltung, dann der 'allgemeingültige Satz'. Schließlich, dass es kein Befehl ist. Zögerliche Haltung. Dann das 'Ja'.

Zitat:2. So eine Reaktion ihrerseits? Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Ich habe sie ja nicht kennen gelernt (wie auch), und sonst weiß ich eigentlich auch nicht wirklich etwas über sie. Nur, dass sie bei den Leuten, die ihr das Haus gestellt haben, eben bis heute „die Herzogin“ heißt.
Aber eine Herzogin ist nicht ein Herzog. Icon_wink
Aber gut, kann man streiten. Hier war es wichtig, dass im Interview angedeutet wurde, dass ihr Mann im Krieg gestorben war. Tatsächlich kam er wieder. In der Zwischenzeit hatte Sie seine herzöglichen (?) Aufgaben übernommen - ein Novum bis dato. (Meines derzeitigen Kenntnisstandes nach.)
Also, eine Frau, die ihren adeligen Mann vertreten hatte. Vertretung? BGB? Frau? Im Kaiserreich? Gehorsamparagraph? Alles Fragen, die sich mir stellten. Okay, die Abwandlung in dieser Welt: Ihr Mann kommt nicht wieder. Wie entwickelt Sie sich? Analog zu unserer Zeit, als ihr Mann später tatsächlich starb? Das Bild von ihr sitzend auf einem Familienfoto, wo Sie eher den Eindruck eines Fremdkörpers machte? Ihre Hände keusch auf dem Schoß? Hände von anderen auf ihren Schultern? Bild: Bleib mal schön sitzen. Oder: Unterdrückung? Ja, es ist eine Momentaufnahme, aber selbst darin ist eine Menge zu sehen.
Nein, ihr Mann ist weg. Sie weiß, wie man mit Macht umgehen muss/kann/soll. Ich deute hier nur eine andere Entwicklung an, zeige sie aber nicht ganz. (Geht auch schlecht.)

Zitat:Nur, dass du es vielleicht mehr von der politischen Seite aufziehen könntest und sie Lothar mit traditionalistischen Positionen für sich gewinnen könnte, mehr als in die offensive Opposition zu gehen. Du könntest seine Ablehnung also in ihm lassen, sie ein Politgespräch beginnen lassen und zu einem Monolog („ich sag nix im Dienst“) machen, der zugleich Dialog mit seinen (zunächst(?) ablehnenden) Gedanken machen, oder so.
Ganz ehrlich - ich wollte die Politik nur ansatzweise anreißen. Nichts für ungut, darum geht es hier nicht.

Zitat: Zitat:Ich rede nicht nur von Härte, sondern auch von Zielstrebig- und Durchsetzungsfähigkeit."

Das erste „-keit“ würde ich auch ausschreiben, das ist eine Stolperstelle.
Ich glaube, ich baue den ganzen Satz um. Hm.

Zitat: Zitat:"Es gibt Schuhe, in die passe ich nicht hinein", sagte Sie.

Und was sagt sie damit? Dass Hindenburg eine Nummer größer war? Dass sie nicht an ihn heranreichen werde? Oder dass sie sich „den Schuh nicht anziehen“ werde, den Vergleich also ablehnen wolle/den „Angriff“ ablehne, nicht auf sich beziehe?
Es soll aussagen, dass Sie Sie selbst ist. Kein Vergleich. Und warum denkst Du an 'größer'? Das sagt Sie doch gar nicht. Mrgreen Die Schuhe könnten ja auch zu klein sein. Icon_wink Und deshalb nicht passen.
(Sie geht ihren eigenen Weg - das war damit gemeint.)

Zitat: Zitat:"Das mag schon sein - allerdings haben Sie noch keine an."

1. Icon_shocked Sie ist barfuß??
Sie hat sich in Lothars Augen noch nicht profiliert, Federlehrling. Warum nimmst Du die Metapher wortwörtlich?

Zitat: Zitat:"Es war ein Unrecht."

Du weißt wahrscheinlich mehr über sie als ich … War sie tatsächlich eine Befürworterin des Frauenwahlrechts? Wie weit war das unter Monarchisten (-innen) verbreitet, denn für eine solche hatte ich sie bisher gehalten?
Konnte ich leider nicht ergründen. Aber es bleibt, wie weiter oben angerissen: Sie als Vertretung des Herzogs. Als Frau.
(Und es gab ja auch noch andere Verwandte jenseits des Kanals, die es als Frau zu etwas gebracht hatten. Icon_wink
-> Urgroßmutter)
Zudem gab es in den 20ern ja auch eine gewisse Frauenbewegung, der Sie sich (vielleicht) nicht unbedingt entziehen konnte. (Da spielte das Bild vom Familienfoto wieder mit rein.)

Zitat: Zitat:"Frau Juchacz war auch eine Schneiderin, Herr Oberleutnant."

Wieso auch? Sie etwa auch?? Hmm. Und wieso verteidigt V.L. eine SPD-Kandidatin? Ich hätte sie – wie gesagt – heimatlich-konservativer eingeschätzt
Ich merke, es läuft hier wirklich etwas schief.
'Auch' im Zusammenhang mit ihren Tätigkeiten in den 'politischen Bereichen'.
Und Sie verteidigt eine Schneiderin aufgrund ihrer eingangs (im Interview) geschilderten Prinzipien.
-> Mir ist es gleich, welche Gesinnung ein Mitbürger hat, woher er kommt, in welcher misslichen Lage er sich befindet. Wir sollten unsere Hände ergreifen und - gemeinsam - den vor uns liegenden schweren Weg beschreiten."

Zitat: Zitat:"Seien Sie gewiss, ich differenziere durchaus", meinte er. "Und im Gegensatz zu Ihnen ist Frau Juchacz keine Adelige."

Adelige oder Adlige? Oder gar „nicht von Adel“?
Ich meine ersteres. Hm. Aber das 'nicht von Adel' klingt auch irgendwie gut.

Zitat: Zitat:Der Brustkorb des dunklen Mannes hob und senkte sich nur langsam.

„der dunkle Mann“ klingt urkomisch, ehrlich. Würde ich nochmal überdenken.
Notiert.

Zitat: Zitat:"Meiner Familie wurde von Präsident Wittbooi der Schutz von Lothar Krieger befohlen."

Klar, 1914. Aber irgendwie habe ich den Zusammenhang noch nicht ganz begriffen …
Die Steine des Gibeon-Meteoriten haben einen Kreis um Lothar gebildet, als er am Fluss lag. Sollte bedeuten, dass der Junge im Zusammenhang mit der gesehenen Zukunft wichtig ist. Und was (wer) wichtig ist, muss beschützt werden.

Zitat: Zitat:"Wahrlich, ein vertraktes Rätsel",

Vertrackt, glaube ich, mit ck.
Jepp. Icon_ugly

Zitat: Zitat:Ein Kühlergrill so groß, wie das Schild eines Ritters - darüber ein geflügeltes W.

der Schild eines Ritters (die Schutzwaffe, Pl. „Schilde“; „das“ bezieht sich auf das Hinweis-, Straßen-, Sonstwieschild – Pl. „Schilder“).
Jepp. Icon_ugly Icon_ugly

Zitat:Heu zu übergroßen Konservendosen zu bündeln, die auf der Seite lagen wie umgeworfene Litfaßsäulen.

Zitat:Ich würde mich für ein Bild entscheiden – Konservendose oder Litfaßsäule. So beschreibst du das Bild, das eigentlich beschreiben soll. (Oh weh, ich werd esoterisch …)
Jepp.

Zitat: Zitat:"Eine Spezialanfertigung des Auswärtigen Amtes", sagte Lothar. "Ein Wanderer W26L."

1. Das weiß er?
-.- Nein, eigentlich weiß er es nicht. Ich habe es nur eingebaut, um den Weltenwanderer mitspielen zu lassen. Hast Recht - kommt raus.
Icon_rolleyes
Zitat:2. Hat das Ding Navi? Also, das Navi, das, das du selbst ausprobiert hast auf dem Weg nach Darmstadt?
Ja, Navi hat es auch, deswegen braucht auch niemand nach dem Weg zu fragen, den sie durch die Niederlande nehmen. Icon_ugly

Zitat: Zitat:"Dann frage ich mich,", schmunzelte Lothar

Erstes Komma weg.
Wirklich? Denn der gesprochene Satz geht ja noch weiter:
"Dann frage ich mich,", schmunzelte Lothar, während sein Kopf bei der unebenen Straße hin und her schaukelte, "warum wir unbedingt mit dem Zug fahren mussten?"
Edit:
Okay, Lanna meint, dass der dazwischengeschobene Satz eine Art Kommaersatz ist - folglich hast Du Recht.

Zitat:Beschwert er sich wirklich bei ihr darüber? Ich meine, sie kann ja nichts dazu, dass er zu ihrem Schutz abkommandiert ist. Und er riskiert die ganze Zeit, bei der Ab-Morgen-Reichspräsidentin in Ungnade zu fallen. Und das, wo er sich über die langsame Beförderungsmaschinerie ärgert. Das passt in meinen Augen nicht ganz. Würde er sich nicht mit ihr gutstellen? Oder wenigstens die Klappe halten?
Das würde aber nicht zu dem passen, was im ersten Dialog passiert ist. Es ist ein Wesenszug von ihm, seine Meinung zu sagen. Auch wenn es zögerlich ist. Aber das Zögern als Hürde wurde ja schon im ersten Dialog übersprungen.

Zitat:Eisenbeschlagenen
Notiert.

Zitat: Zitat:Manchmal ein Mann mit hochgezwirbeltem Schnurrbart in einer Dragoneruniform. Der Totenkopf auf dem Wollhut verschwommen.

Dragoner? Ich verbinde den Totenkopf eher mit Husaren. Aber du weißt ja, wie es um meine Militärkenntnisse bestellt ist. (Oder trugen Husaren Dragoneruniformen? *Militärhistorischer Offenbarungseid*)
Husar ist richtig - notiert.

Zitat: Zitat:"Reichspräsident Viktoria Luise von Preußen - welch ein Hohn in meinen Ohren!"

Wie ist das mit den Namen? *Yellowpress-Offenbarungseid* … Ändern die sich (auch damals schon und unter den damaligen Bedingungen) wie bei Bürgerlichen mit der Ehe? Und was ist der Name eigentlich?
Nun, ich habe ihren Erstnamen/Titel verwendet.

Zitat: Zitat:"Was ...?", murmelte Lothar und schaute auf einen kleinen Zettel. Eine geschwungene Handschrift, schnell geschrieben:
'Krieger, Krieger, Krieger - Gratulation. Hindenburg.'

Die Geschichte endet wie sie begann. Mit einem „Hä“.
Es ist eine Episodengeschichte, die unter dem Titel 'Abgenähert' läuft. Und abgenähert ist hier alles. Das Land, Sie, Lothar und Joseph. In einem anderen Land, nicht zu Hause, nah beim Vater - doch ellenweit entfernt. Und doch kann eine Nachricht wieder ganz nah sein.

Das waren jedenfalls grob meine Gedanken dazu. So wie es aussieht, funktioniert hier die Geschichte und die (andere) Weiterentwicklung nicht.
(Und die politische Ebene sollte nur angeschnitten werden.)

Es liest sich wie eine ellenlange Rechtfertigung, aber so möchte ich es nicht verstanden wissen. Ich habe nur den Eindruck, dass die Vorgehensweise des 'Nach-und-nach-Aufdeckens' in Verbindung mit einer möglichen Weiterentwicklung überhaupt nicht ankam.

Naja, trotzdem vielen Dank. Mal sehen, was man noch retten kann.

LGD.


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Beitrag #33 |

RE: Countdown (Diskussion)
Noch schnell eine Rückmeldung.

Zitat:Missverständlich, ich weiß. Ich änder es in: 'Die Bürger in der zweiten Klasse' oder so.
Pass' aber auf, dass "zweite Klasse" immer noch nach ganz schön viel klingt (verglichen mit der vierten) - schließlich gibt es heute nichts mehr unter der zweiten ...

Zitat:Öhm, ... im Zuge meiner Resozialisierung musste ich auch mal ... *hust* Stricken lernen.
Normalerweise (technisch korrekt) Handstrickwolle, oder Handstrickgarn. Aber meistens wird eben Wolle oder Strickwolle gesagt. (Kann ja 'Strickwolle' nehmen.) Und soweit ich weiß, gibt es Baumwolle zum Stricken schon seit Anfang der 30 Jahre.
Mach wie du meinst. Mir war Wolle geläufiger, aber wenn du Baumwolle, Strickwolle, weiß-der-Geier haben willst - du bist der Boss Icon_wink

Zitat:Ich presche aber ungerne so schnell vor. Langsam aufbauen. Wenn man es umstellen würde, hätte der erste Satz keine Berechtigung mehr. Ich wollte deutlich machen, dass Lothar nicht nur an das Kind denkt, sondern vordergründig an Annemarie. Wird später deutlich, wo er sagt, dass er andere Krieger ungerne alleine lässt. Sollte konträr zur konservativen Gesellschaft stehen.
Diesen Wiederspruch zur "konservativen Gesellschaft" sehe ich nicht. Du meinst, die sind obrigkeitshörig und mucken da nicht auf in der Situation oder wie?

Zitat: Zitat:Dass er hier Eskorte spielen muss, hätte ich nach dieser Vorstellung nicht gedacht.

Dann frage ich mich, wie Du diese Passage verstanden hast:
Hätte auch ein Vorläufer der ... wie heißen die? Festnahme- und Beweissicherungseinheiten? ... na, der Bundespolizei-Jungs in voller Montur, die bei Federlehrling mit im Zug nach Hause sitzen und aufpassen, dass er nicht von besoffenen Hansa-Rostock-Fans verprügelt wird ...
Nee, im Ernst: Ich habe mir echt keine Gedanken darüber gemacht, warum er im Zug ist. Langsam aufbauen, meinetwegen. Aber gib dem Leser wenigstens etwas an die Hand.

Zitat:Er dreht seine Runden im Zug. Satz soll verdeutlichen, dass er schon öfter bei ihr gesessen hat - nur unterbrochen von seinen 'Wachgängen'.
(Also pure Absicht der Satz.)
Dass er seine Runden dreht, ist klar und kommt auch heraus. Dass er sich öfter - und auch länger - zu ihm setzt nicht. Zumindest nicht für mich.

Zitat:Im Ernst: Sieht man doch oft. Da fragt ein Kollege den anderen, was er hat - und es kommt eine Aller-Welts-Antwort wie 'Ach nichts, nur das Wetter.' Den wirklichen Grund sagt er erstmal nicht. Und auch hier ist es eine allgemeingültige Aussage, dass man lange auf seine Beförderung warten muss. (Gerade in der Zeit bei der Reichswehr.)
Beförderungen sind aber schon ein Thema für Kollegen. Außerhalb? Eher nicht, oder? Dann doch eher das Wetter ...

Zitat:Das Gespräch ist mMn typisch menschlich. Ablenkend, indirekt. Ich hab nochmal unter Deinem Betrachtungspunkt drübergeschaut und es passt für mich.
Ich weiß einfach nicht, inwieweit ich dir einen Lothar abnehme, der so geradeaus ist, dass er der ab-morgen-Reichspräsidentin gegenüber derart aggressiv-ehrlich ist (auch nach einem Zögern). Ich hätte ihn das nicht aussprechen lassen. Aber du bist der Boss.

Zitat:Aber eine Herzogin ist nicht ein Herzog. Icon_wink
Macht natürlich einen Unterschied, aber nicht von der Selbstwahrnehmung her. Ich gehe hier von ziemlich deutlichem Schichtendenken aus.
Zitat:Hier war es wichtig, dass im Interview angedeutet wurde, dass ihr Mann im Krieg gestorben war. Tatsächlich kam er wieder. In der Zwischenzeit hatte Sie seine herzöglichen (?) Aufgaben übernommen - ein Novum bis dato.
Die Andeutung habe ich nicht im Ansatz gesehen. Das muss deutlicher werden, wenn es dir so wichtig ist.

Zitat:Ja, es ist eine Momentaufnahme, aber selbst darin ist eine Menge zu sehen.
Da bin ich nicht sicher. Ein solches Familienfoto ist so gestellt, wie man es nach dem Zeitgeist passend findet. Ich glaube nicht, dass da Über-/Unterordnungsverhältnisse angedeutet werden.

Zitat:Ganz ehrlich - ich wollte die Politik nur ansatzweise anreißen. Nichts für ungut, darum geht es hier nicht.
Gut, meinetwegen. Aber wir sprechen immer noch über eine Politikerin (offenbar), die ab morgen das höchste Amt im Staate übernimmt. Da ist Politik das Kernthema.

Zitat:Es soll aussagen, dass Sie Sie selbst ist. Kein Vergleich. Und warum denkst Du an 'größer'? Das sagt Sie doch gar nicht. Mrgreen Die Schuhe könnten ja auch zu klein sein. Icon_wink Und deshalb nicht passen.
(Sie geht ihren eigenen Weg - das war damit gemeint.)
Hmm. Kann man so lesen. Aber irgendwie finde ich das Bild etwas unglücklich.

Zitat:Sie hat sich in Lothars Augen noch nicht profiliert, Federlehrling. Warum nimmst Du die Metapher wortwörtlich?
Um zu zeigen, dass sie bei mir nicht funktioniert. Ich habe natürlich kapiert, dass es eine Metapher sein, aber nicht, was sie aussagen soll.

Zitat:Konnte ich leider nicht ergründen. Aber es bleibt, wie weiter oben angerissen: Sie als Vertretung des Herzogs. Als Frau.
Und diese Vertretungstätigkeit wird für mich nicht im Ansatz deutlich. Da müsste mehr kommen. Letzten Endes weiß ich auch nicht, wie viel der Herzog (die Herzogin) in einem Kleinstaat wie Braunschweig zu sagen hatte.

Zitat:Und Sie verteidigt eine Schneiderin aufgrund ihrer eingangs (im Interview) geschilderten Prinzipien.
-> Mir ist es gleich, welche Gesinnung ein Mitbürger hat, woher er kommt, in welcher misslichen Lage er sich befindet. Wir sollten unsere Hände ergreifen und - gemeinsam - den vor uns liegenden schweren Weg beschreiten."
Wie gesagt - das Interview ist sofort nach Abschluss weg. Eine solche Randnotiz über eine Person, bei der man nicht weiß, ob und wenn ja, inwiefern sie noch wichtig wird für die Geschichte ... Nee, darauf kannst du nach so viel Text nicht bauen. Das weiß dein Leser nicht mehr.

Zitat:Die Steine des Gibeon-Meteoriten haben einen Kreis um Lothar gebildet, als er am Fluss lag. Sollte bedeuten, dass der Junge im Zusammenhang mit der gesehenen Zukunft wichtig ist. Und was (wer) wichtig ist, muss beschützt werden.
Wieder schöne Andeutung, aber mir etwas zu angedeutet. Klar, man muss dem Leser nicht alles aufs Brot schmieren, aber zumindest das Laib mit nem Messer auf den Tisch stellen, Butter und Käse daneben. Das wär schön. Wenn man hingegen erst die Zeitung durchblättern muss, um auf Seite 27 den Klebezettel zu finden, auf dem steht "Essen steht im Kühlschrank" ... Mrgreen

Zitat: 1. Das weiß er?

-.- Nein, eigentlich weiß er es nicht. Ich habe es nur eingebaut, um den Weltenwanderer mitspielen zu lassen. Hast Recht - kommt raus.
Icon_rolleyes
Den Auftritt kannst du ja lassen. Nur habe ich mich an der Spezialausführung gestoßen. Für ihn, hätte ich erwartet, ist es einfach ein "Wanderer".

Zitat:Ja, Navi hat es auch, deswegen braucht auch niemand nach dem Weg zu fragen, den sie durch die Niederlande nehmen. Icon_ugly
Zitat: "Dreadnoughts glaubt, dass der Weltenwanderer manchmal mit den vielen Welten nicht klarkommt ...
Stehend, betend - mit einer bunten Karte vor verblassten Schildermeeren/Hoffnungslos in den Weiten der Möglichkeiten verfangen"

Zitat:Wirklich? Denn der gesprochene Satz geht ja noch weiter:
"Dann frage ich mich,", schmunzelte Lothar, während sein Kopf bei der unebenen Straße hin und her schaukelte, "warum wir unbedingt mit dem Zug fahren mussten?"
Lanna fragen. Oder Libbi, oder so. Ich hab im Hinterkopf, dass nur Ausrufezeichen und Fragezeichen vor den Tüddelchen kommen.

Zitat:Das würde aber nicht zu dem passen, was im ersten Dialog passiert ist. Es ist ein Wesenszug von ihm, seine Meinung zu sagen. Auch wenn es zögerlich ist. Aber das Zögern als Hürde wurde ja schon im ersten Dialog übersprungen.
*Zähneknirsch*
Jaaaa gut. Hab ich ihm nur schon da nicht abgenommen.

Zitat:Husar ist richtig - notiert.
Icon_shockedIcon_panik *Tag rot im Kalender eintrag*

Zitat:Nun, ich habe ihren Erstnamen/Titel verwendet.
Meinetwegen. Macht Wiki auch so.

Zitat:Es ist eine Episodengeschichte, die unter dem Titel 'Abgenähert' läuft. Und abgenähert ist hier alles. Das Land, Sie, Lothar und Joseph. In einem anderen Land, nicht zu Hause, nah beim Vater - doch ellenweit entfernt. Und doch kann eine Nachricht wieder ganz nah sein.
Weißt du, Dread? Manchmal muss man, glaube ich, einen Gang runterschalten, um noch verstanden zu werden. Du hast da Gedankengänge eingebaut, auf die ich nie im Leben gekommen wär.

Liebe Grüße,
Lehrling

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Beitrag #34 |

RE: Countdown (Diskussion)
Kommen wir endlich zu 1932, was meine versprochene Rückmeldung angeht Icon_aufsmaul
Mrgreen
*D patt* alles wird gut...

Zum ersten Teil:
Das ist jetzt vollkommen subjektiv, aber ich konnte mich selbst nach mehrmaligem Lesen nicht daran gewöhnen, wie schnell der Übergang zwischen persönlicher Trauer und den eher getragenen, gesetzten Worten am Ende des ersten Abschnitts passiert. Wenn ich mir die Situation vorstelle, wirkt das nicht natürlich, nicht zu hundert Prozent glaubwürdig.
(Mensch, was hab ich überlegen müssen, bis mir endlich aufgefallen ist, WAS genau den Anfang für mich nicht so rund macht... Icon_ugly )
Die Szene steht am Anfang sehr isoliert und ich denke, dass dir bewusst ist, wie anstrengend sie für den Leser ist. Denn den gesamten Text über bleibt sie als ungelöst im Hinterkopf, wobei mir persönlich sowas immer schwer fällt.
Und eine andere Sache: Ich kann Kursivschreibung nicht ausstehen. Ein Text muss in sich selbst genug Signale enthalten, um das zu zeigen, was die Kursivschreibung verdeutlichen soll. Und darin besteht die große Schwäche deines Anfangs, ohne die Kursivschreibung wäre er nicht einzuordnen, was sein Verhältnis zur restlichen Geschichte angeht, auch so ist es schwierig.
Kann man einem Leser das zumuten? Ja. Aber immer im Hinterkopf behalten, dass zu viele offene Fragen einen Leser nicht mehr interessieren, sondern demotivieren.

Zitat:Ich wäre jetzt gerne bei Dir und würde Deine Hand halten wollen, Annemarie.
Das "wollen" verzerrt den Satz unnötig, er kommt problemlos auch ohne aus.

Zitat:'Noch kriegen Männer keine Kinder, Herr Oberleutnant!', hatte er gesagt und seine Worte donnerten noch immer durch Lothars Kopf.

Das kannst du getrost weglassen =)

Übrigens: Sehr schön und natürlich eingeflochten, dass Lothar eine Frau hat und mit ihr ein Kind erwartet - auch wenn ich ein bisschen gebraucht habe, bis ich regístriert hatte, dass "der kleine Krieger" sich auf den Nachnamen bezieht... *lach*
Zitat:Himmel Arsch und Zwirn ...
Auch wenn es ein Ausspruch ist und ich mir nicht zu hundert Prozent sicher bin, ich würde hinter Himmel ein Komma setzen - (Aufzählung^^).

Zitat:Er torkelte mehr als dass er ging an leeren Abteilen vorbei und zog sicherheitshalber an den verglasten Schiebetüren, die alle verschlossen waren.

Kein schöner Satz, zeichensetzungstechnisch und grammatikalisch zudem auch nicht ganz wasserdicht.
Wie wär's mit "Sein Gang ähnelte noch immer mehr einem Torkeln, während er die leeren Abteile passierte und vorsichtshalber an den Schiebetüren zog. Alle waren verschlossen."
(Den Satz hatte ich mir in der Shoutbox ja schon rausgepickt - da hatte ich aber keine ordentlichen Vorschläge *g*)
Zitat:Sie trug einen doppelreihigen braunen Mantel, nur lose an der Taille mit einem Knopf verbunden.
Liest sich beim ersten Mal irgendwie seltsam.

Zitat:Zurückgelehnt, die Beine überschlagen, saß Sie mit einem Buch in ihren Händen in Fahrtrichtung des Zuges auf der gepolsterten Sitzbank.
Für mich keine Information, die der Leser unbedingt braucht, und auch nicht schön eingefügt. Also warum nicht weg damit? Außerdem "Sie" hier klein.

Ansonsten gefällt mir die Szene ausnehmend gut, die Stimmung kommt sehr gut rüber - die leichte Verspanntheit, das Unbehagen, weil die Frau im Raum dem Mann gegenüber in der Machtposition ist und ihm Befehle erteilen kann, womit er nicht wirklich klarkommt (kein Wunder, zu der Zeit). Gleichzeitig eine schöne Charakterisierung, wie beide damit umgehen. Lothars stoische Art, sein leichter Trotz gefällt mir, genauso wie die Ehrlichkeit und Souveränität der Dame. Positiv aufgefallen ist mir auch, wie du den politischen Hintergrund einpflichst, auch wenn ich nicht unbedingt auf dem Wissensstand bin, um die Situation sofort einordnen und die Dame identifizieren zu können^^
Zitat:Die Stille sickerte wieder ins Abteil, nur unterbrochen vom malerischen Rattern des Zuges.
Im Eiltempo durchfuhren sie Berge und Täler und schnauften sich durch zahlreiche Tunnel. Tag und Nacht wechselten sich im Waggon ab, während die Wälder stets von Neuem auf der hellen Seite grüßten. An manchen Stellen brachen sie auf und es schien, als hätten Riesen sich für eine kurze Rast dort vor Urzeiten nieder gelegt.

Sehr schöne Beschreibung, vertrüge aber noch etwas stilistischen Feinschliff, falls du die Muße findest. (Hier merkt man wieder, dass du dazu neigst, sehr viele Informationen in sehr knappen Formulierungen und noch knapperen Sätzen unterbringen zu wollen. Lass dir ruhig einmal ein paar Atemzüge mehr Zeit, dein Leser hat die auch.)

Zitat:Vom Kopf mit den kurzen Haaren, schwärzer als die Nacht und dicker als Strickwolle.

Die Formulierung lässt für mich ein "bis" erwarten, das nicht wirklich kommt. Verwirrt im ersten Augenblick.
Zitat:sagte Joseph ohne seine Augen zu öffnen
Würde sich mit einem Komma nach Joseph für mich schöner lesen - und wäre dann zudem richtig, meines Wissens nach =)
Zitat:"Das Wachbataillon des Reichspräsidenten hat den Auftrag Sie zu beschützen."
Komma nach Auftrag?

Was die Zettel angeht, tappe ich völlig im Dunkeln.... :icon_blush: Aber das Daumenkino find ich schön =)

Zitat:Ein Kühlergrill so groß, wie das Schild eines Ritters
Hier ist mir ein Komma zu viel.

Zitat:während eifrige Hände auf den Feldern noch damit beschäftigt waren
"eifrig" zerstört hier für mich die aufgebaute Atmosphäre. Will für mich einfach nicht passen. "arbeitsam", "fleißig", das würde mir für die Stelle jetzt einfallen - eifrig klingt so nach Freude, Euphorie, Motivation, Grinsen im Gesicht. Und dein gezeichnetes Bild verträgt das nicht.

Zitat:Heu zu übergroßen Konservendosen zu bündeln, die auf der Seite lagen wie umgeworfene Litfaßsäulen.
Zwei schöne Bilder, aber beide in einem Satz behindern sich gegenseitig und so kann keines wirken. Meine Meinung: Entweder strecken oder ein Bild rausnehmen.

Zitat:die Kronen ihrer Häupter
Öhhm... Icon_ugly Zu viel Abstraktion und Personifikation in zu wenigen syntaktischen Einheiten *g*
Zitat:Die ersten schwermütigen Tränen tropften auf die Windschutzscheibe - und wurden von den oben montierten Wischblättern achtlos weggefegt.
Ja, der Absatz hat es mir angetan...Icon_ugly - bei schwermütige Tränen musste ich spontan denken: An Freudentränen hätte in dem Kontext niemand gedacht.... Aber nunja, das ist Mäkelei an Winzigem.
Der zweite Teil allerdings wirkt ziemlich ungelenk. Es ist für das Bild der Wagen im Kopf des Lesers ja gut, die Position der Scheibenwischer zu kennen, da sie abweichend von heutiger Norm ist, doch das "oben montierten" wirkt eingestreut in den Satz, wie überflüssige Information.
Auf solche Stellen solltest du achten, weil sie grundlegend beeinflussen, wie der Leser im Gesamten Informationen von dir aufnimmt.

Zitat:meinte Sie und sog die Luft hörbar ein.
Wieder ein falsches, großes "Sie" - falls da noch andere im Text sind, hab ich die übersehen, sowas überlese ich normal schnell. Weitere nenne ich auch nicht mehr, denn du hast es zumindest durchgängig durchgezogen....^^

Der Wagen: Icon_cuinlove Das perfekte Auto für die Szene. Und dass du den Wanderer bei der Marke verlinkt hast.... Mrgreen
Deine Liebe fürs Detail ist immer wieder toll und macht die Texte aus.

Die kurze Rückblende auf die anderen Teile finde ich sehr schön eingeflochten, hier kann man sich als Leser nochmal auf das vorige besinnen und die Verbindung in der Gesamtgeschichte finden.
Was ich allerdings etwas schwierig finde: In der Kommunikation zwischen Lothar und der Frau bleibt weiterhin die Hierarchie sehr ungeklärt, unklar. Mal hat sie die Oberhand, mal wirkt es, als sei er deutlich älter und in der Position, überlegen zu wirken und in einem dementsprechenden Tonfall zu reden (wirkt bei der Vaterthematik so). Das Problem dabei: Ich persönlich denke, zwei Menschen in einem kaum abgesteckten Verhältnis zueinander werden sich normalerweise nicht so schnell so weit hervorwagen und aus dem Fenster lehnen. Natürlich stellt dich das vor Probleme, weil du vor allem eines willst: Informationen irgendwo unterbringen. Zumindest fühlt es sich stellenweise für mich so an. Darüber darf aber nie die Arbeit am Charakter und der Glaubwürdigkeit der Figuren verloren gehen.

Zitat:Leblose Straßen, verschlossene Fensterladen
Hier brauchst du den Plural. Ein Fensterladen, viele Fensterläden, soweit ich weiß.

Zitat:der Schlaf hatte das Dörfchen überrannt.
Icon_lachtot
Die Formulierung hat mir ein Lachen entlockt. Die Vorstellung finde ich allerdings ein wenig...seltsam. Originell, aber ohne passenden Kontext nur skurril.

Zu den Dialektgesprächen: Ich gebe zu, im Dialektlesen eine völlige Niete zu sein. Die Frage ist nur: Sollte man die verstanden haben? Und wenn ja, sollten auch Leser wie ich die verstehen können?
Zitat:Einladend, auch wenn die beiden Flügel wie die zu kurz geratenen Arme einer Mutter wirkten.
Hier will mir das "auch wenn" nicht schmecken. Warum der Gegensatz? Die Arme einer Mutter sind für mich nicht gegensätzlich zu "einladend", selbst wenn sie zu kurz geraten sind.

Zitat:während auf dem Giebeldach die Fahnen an den drei dünnen Masten müde herunterhingen. Eine braune Doppeltür, nach oben hin abgerundet, mit eingesetzten kleinen Glasscheiben.
Deine Detailverliebtheit in allen Ehren, ich mag es sehr, dass du dir das so genau vorstellst - aber beim Lesen solltest du merken, dass es so nicht unbedingt optimal wirkt. Zu viel Information auf zu kleinem Raum, Overload, Leser: Icon_panik Cowsleep Icon_rolleyes

Ansonsten ist die Ankunft am Haus sehr schön, du nimmst Tempo heraus, führst den Leser gemeinsam mit der geheimnisvollen "Sie" an das Anwesen heran.
Was die Beschreibungen angeht: Du solltest mal "Buddenbrooks" lesen. Etwa zweihundert Seiten bestehen nur daraus, das Muster der Tapete im Ankleidezimmer rechts, dem Flur oben, usw blahblahblah zu beschreiben....
Nun, so schlimm ist es hier noch nicht, aber du reihst sehr gerne aneinander. Kann als Stilmittel zur Beschleunigung sehr gut wirken, aber bei Raumbeschreibungen wirkt das nicht sonderlich elegant. Ich weiß, in gewissem Sinne ist es auch dein Stil und etwas unfair, hier daran herumzukritteln, ich möchte das nur anmerken, da mir das bei Lesen jedes Mal extrem ins Auge sticht.

Zitat:Der spärliche Schein der Kerze auf dem Tisch unter dem Kronleuchter tanzte funkelnd über das dunkle Holz der Kommoden und Regalen.
D!
Icon_ugly
Dein Problem in Reinform. Du schreibst generell parataktisch, und wenn mehr Inhalt hinein soll, wird der Satz keine Hypotaxe, sondern.... fettleibig. Das ganze Jahr über gibt's Information satt und nun auch noch der Adjektiv-Weihnachtsschmaus... Icon_panik
Entschuldige, das ist böse. Aber es muss doch unglaublich anstrengend sein, solche Sätze zu denken o.o

Der Dialog zwischen ihr, die nun endlich Viktoria heißt (für meinen Geschmack etwas spät, aber ich verstehe, warum das so sein muss.), und ihrem Vater ist wiederum tadellos, nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel Information, schöner Fluss - passt, sitzt, hat Luft Mrgreen
Nur eine Frage: Hat Wilhelm II. seine Tochter wirklich im pluralis majestatis angesprochen? Icon_ugly
Zitat:Draußen vor den Wagen.
Nein. Nicht. gut.

Den Zettel find ich wirklich schön, tolle Idee. Aber: Woher hat sie den denn auf einmal? Hab ich was verpasst? Smiley_emoticons_blush

Nunja, das war es dann auch endlich mit meinen Anmerkungen... Ein langer Text, und viel Arbeit.
Nun, was haben wir aus dieser Episode gelernt: Man spricht mit Reportern, fährt mit der Bahn und Wanderer, kriegt Kinder, dazu noch eine Reichspräsidentin, und der olle Kaiser enterbt seine Tochter wegen ebendiesem Umstand. Insgesamt gefällt mir die Konzeption, der Spannungsbogen, viele Stellen sind sehr gut gelungen, andere stören mich ein wenig, das wirst du ja gemerkt haben.
Was aber bleibt: Irgendwie scheint das Geschehen im luftleeren Raum zu schweben. Denn so viel Liebe du auch auf die Details der Umgebung verwendest, jegliches soziales Umfeld bleibt vollkommen blass, nicht einmal Statisten. Und das finde ich schade, weil es eine gute Möglichkeit wäre, die Zeit und deine Vorstellungen greifbar zu machen - die Protagonisten sind schließlich nicht alles. Wie ist das Lebensgefühl? Die Mentalität? Was macht die Gesellschaft aus? Wie werden die Protagonisten und ihre Rolle im Volk gesehen?
Das nur als Hinweis, nicht als Kritik. Man kann mit einem Text nicht alles abgrasen und ich kenne das Problem der blassen Statisten nur allzu gut, deswegen bin ich auch so sensibel dafür. Und mein Fokus in Geschichten und Szenen liegt vielleicht auch auf anderen Dingen... Icon_wink

Nun, ich denke, das war alles, was ich dazu sagen kann.... vielleicht helfen dir einige Anmerkungen weiter.

Grüße,
Jade

Geschreibselerinnerungshilfe
--- öffne die tür dem nein // sollen die vögel doch fliegen ---
--- Le Clézio ---


When I was 5 years old, my mother always told me that happiness was the key to life. When I went to school, they asked me what I wanted to be when I grew up. I wrote down ‘happy.’ They told me I didn’t understand the assignment, and I told them they didn’t understand life.
- John Lennon -

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Beitrag #35 |

RE: Countdown (Diskussion)
Moin zusammen.

Folgende Änderungen wurden durchgeführt:
1) Entkursivierung.
2) Unterschwelliges Wiederaufgreifen der ersten Szene im Folgetext.
3) Die Frau ist 'härter' gezeichnet.
4) Die Typenbezeichnung des Wagens wurde begrenzt.
5) Im Interview wurde die Spanne zwischen Vergangenheit und Standpunktaussage erweitert.
6) Die Szenen von L. vor Betreten des Abteils wurden den Vorschlägen weitestgehends angepasst. Das Donnern der Stimme wurde vom angehängten Satzteil zu einem eigenständigen Satz umgebaut. Das Donnern soll den alten Mann verdeutlichen.
7) Generell wurde darauf geachtet, dass die Hierarchie trotzdem noch durchscheint.
8) Beschreibungsvorschläge (Kürzungsanmerkungen jade) wurden umgesetzt.
9) Selbststehende Gedankensätze in Kursiv wurden entfernt.
10) Aufgezeigte unnötige Informationen entfernt.
11) Die Metapher mit den Schuhen (Federlehrling) wurde ersetzt.
12) Verweis auf Johann Kinau wurde entfernt.
13) Politik (Federlehrling) wurde als Thema angesprochen, aber nicht ausgeführt.

Anmerkung:
a) Die 'Sie's sind bei mir immer groß, wenn es sich um eine Frau handelt. Das ist definitiv ein Fehler. Der aber bleibt.
b) Der Pluralis Majestatis bleibt aufgrund fehlender Kenntnis aufgrund des Gemütszustandes des Vaters drin.
c) Ich habe bei den fraglichen Stellen versucht, so klar wie möglich zu (be)schreiben. Das bedeutet: keine Metaphern oder lyrische Einflüsse.

Ich bedanke mich für eure Meinungen, Anmerkungen und Vorschläge.
(Und ich hoffe, ich habe alle Rechtschreibfehler rausgekriegt.)

LGD.


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Beitrag #36 |

RE: Countdown (Diskussion)
Hallo zusammen.

Zur Information:
Da Naira leider ausgefallen ist, wird Adsartha 2005 übernehmen.

Wenn noch Fragen sind, bitte melden.

LGD.


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Beitrag #37 |

RE: Countdown (Diskussion)
Pro
Willkommen an Bord, Addi Icon_smile

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Beitrag #38 |

RE: Countdown (Diskussion)
Danke. Icon_smile
Im Moment versuche ich erstmal einen Durchblick zu bekommen.

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #39 |

RE: Countdown (Diskussion)
So, 1941 ist soweit fertig. Vier Handlungsstränge, Keine kursiven Elemente, Links sind eingebaut. Die anderen drei Akte werden nacheinander eingestellt - muss ja jeweils eine Stunde warten.

Zur Information:
So, wie die Geschichte jetzt da steht, habe ich sie noch nie gelesen. Ich hoffe, es funktioniert.

LGD.


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Beitrag #40 |

RE: Countdown (Diskussion)
So.
Etwas schlaftrunken, aber ich hab das bisher Gepostete von 1941 (ist das alles?) jetzt wenigstens gelesen. Es ist mal wieder ziemlich Dread'sch Icon_ugly Nicht falsch verstehen: Ich mag's, aber Mainstream ist es sicher nicht. Dafür sind wieder zu viele Andeutungen in kleinen Gesten, Hintergrundinfos, whatever versteckt. Ich finde so etwas spannend, aber wie gesagt - es ist keine leichte Unterhaltungslektüre. Dafür sind zu viele militärischen Handzeichen, Hindenburglichter, bespuckte väterliche Herren mit Zwirbelbart (wer ist das??), ... drin. Aber wie gesagt: Sobald der Leser Spaß daran hat, während des Lesens mit Wikipedia seine Bildungslücken zu stopfen ist es top! Und für den, bei dem ein bisschen Hintergrund vorhanden ist (in gewissen Grenzen zähle ich mich mal vorsichtig dazu) macht es einfach Spaß zu knobeln, wen du da eigentlich gerade meinst und inwieweit diese Wendung der Geschichte jetzt konsequent oder überhaupt anders ist als in unserer Geschichte. Mir hat's wieder Spaß gemacht, so weit.
Ach ja: Verstehe ich die Geschichte richtig: Der Kalte Krieg, der seit 1917 schwelt, ist ausgebrochen und das Deutsche Reich (in Weimar-Schwarz-Rot-Gold) steht auf Seiten der West-Alliierten? Bzw. wird mit ihnen überrannt?

Pro so weit, jedenfalls!
Grüße,
Lehrling

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