Es ist: 11-04-2021, 17:37
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Siegelmagie [Kapitel I] - 3. Fassung mit überarbeitem Ende
Beitrag #1 |

Siegelmagie [Kapitel I] - 3. Fassung mit überarbeitem Ende
Seid mir gegrüßt liebe Lesenden,

Wie ich bereits in meinem Vorstellungsthread angekündigt habe, möchte ich euch hier an meinem Schreibprojekt "Siegelmagie" teilhaben lassen. Ich möchte am Anfang gar nicht zu viel verraten und euch einfach mal in meine Welt hinein werfen. Ich bin gespannt darauf zu erfahren, wie ihr wieder herauskommt, was ihr mitgenommen habt, was euch gefallen hat und was nicht und ob ihr wieder zurück wollt & mir damit ein Stückchen Motivation mitbringt.

Ich wünsche euch nun viel Spaß auf eurem kleinen Abstecher in die Welt der Siegelmagie.

EDIT: Ich musste feststellen, dass der bisherige Verlauf des ersten Kapitels von den meisten Kritikern als viel zu klitscheebedienend bezeichnet wurde. Nach längerer Überlegung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es sich wirklich so verhält und dass mir der Schluss dieses Kapitels so auch nicht mehr gefällt. Ich habe das komplette Ende nun rausgeschmissen und durch ein brutaleres, in sich hoffentlich schlüssigeres Ende ersetzt, indem auch das Innenleben des Protagonisten nicht zu kurz kommen sollte. Ich bin gespannt über eure Meinungen!

Euer Damien
(achja, mein Namensgeber, der euch zeigen wird was ich unter der "Ausstrahlung" dieses Namens verstehe, kommt schon noch Icon_wink)

Siegelmagie
~ Kapitel I - Kapitel II - Kapitel III ~
_______________________________________________________________

3. Fassung mit vollständig überarbeitetem Ende (Danke an Sternchen & Plumbum)


Dunkelheit war über das kleine Dorf am Rande des großen Gebirges hereingebrochen.
Das Bellen der Hunde verstummte, als die letzten Lichter erloschen. Nebel legte sich einem aschgrauen Leichentuch gleich über die Hütten und Wege, jedes Geräusch verschluckend, welches die vollkommene Stille zu stören versuchte.
Schweigend sah Balian aus dem Fenster. Obgleich seine Sicht durch die graue Wand nicht mehr als einen Steinwurf weit reichte, lag das Ziel seines Blickes in weiter Ferne. Konturen bildeten sich im grauen Nichts, schienen Szenen aus seinen Träumen nachzustellen und verschwammen wieder als er versuchte sie mit seinem Verstand zu erfassen.
Undeutliche Erinnerungen von Schneestürmen, einer Höhle und einem einsamen Mann flossen am Rande seines Bewusstseins entlang, zu fern um sie festhalten zu können, aber doch zu nah, um sie zu vergessen.
Es war kalt in dem einfachen Zimmer seiner Hütte.
Das Feuer im Kamin musste seinen Kampf mit der Kälte schon vor Stunden verloren haben. Spärliches Mondlicht, welches den Weg durch den Nebel gefunden hatte und durch das Fenster fiel, tauchte das wenige Mobiliar seines Zuhauses in ein gedämpftes, unwirkliches Licht:
Eine zerwühlte Schlafstätte, ein Tisch mit zwei Stühlen, ein Karmin und eine massive Eichenholztruhe schälten sich aus der Dunkelheit des Raumes. Es war nicht viel und doch alles was er hatte.
Als Säugling im Wald gefunden, war er vom Schmied des Dorfes, Beolund, und dessen Frau Sira aufgezogen worden. Dem hiesigen Brauch folgend hatte er dann, nach Erreichen des Mannesalters, eine eigene Hütte errichtet.
Es war ihm erwachsen und stark vorgekommen allein in seinem eigenen Haus zu leben, daran, dass er die warme, vertraute Atmosphäre der Schmiede nachts vermissen würde, hatte er nicht gedacht.
Ohne die Menschen, die ihm etwas bedeuteten, fühlte sich dieser Ort irgendwie leer an, nicht wie ein Zuhause.
Zuhause.
Balian hatte sich oft gefragt, ob er überhaupt das Recht besaß diesen Ausdruck zu verwenden. Streng genommen gab es für ihn nichts, was dieser Bezeichnung gleich käme, geschweige denn Eltern, für die er mehr war als ein Findelkind.
Obwohl Sira ihm immer wieder versichert hatte, dass es nicht darauf an käme, ob sie seine leiblichen Eltern seien oder nicht, sondern auf die Liebe, die sie ihm in gleichem Maße zu Teil werden ließen, fragte sich Balian oft wo sein wirkliches Zuhause wohl liegen mochte.
Für ihn befand es sich jedenfalls in weiter Ferne, jenseits des Nebels seiner Unwissenheit.
Er versuchte den immer dichter werdenden Dunst vor seinem Fenster mit Blicken zu durchbohren, als plötzlich ein Licht inmitten der grauen Masse aufleuchtete. Ein golden flackernder Schimmer zwang die Nebelwände zum Rückzug.
Es schien verloren in dem Meer aus waberndem Grau und doch ließ es sich nicht überwältigen.
Einem Fels in der Brandung gleich, trotzte es der trüben Dunkelheit, so dass Balian sich unwillkürlich nach dessen Herkunft fragte. Wie zur Antwort entzündete sich ein weiteres Licht und innerhalb eines Wimpernschlags verzehnfachte sich die Anzahl. Ob der Nebel vor der Helligkeit zurückwich, oder von den Lichtern verzehrt wurde, konnte Balian nicht feststellen, aber als sich seine Sicht klärte, wurden Gestalten sichtbar, die sie trugen.
Der Schein ihrer Fackeln beleuchtete rußgeschwärzte Rüstungen und das flackernde Licht auf ihren Gesichtern offenbarte mordlüsterne Vorfreude.
Eisigen Krallen gleich bohrte sich die Erkenntnis in seinen Schädel, als ein markerschütternder Schrei durch das Dorf hallte und auch die letzten Nebelschwaden zerfetzte … dann brach die Hölle los.

Plötzlich waren sie überall. Überall wurden die Türen der Hütten mit roher Gewalt aufgebrochen und Heerscharen von schwarzen Kriegern fielen in die Wohnstätten der Dorfbewohner ein. Die verzweifelten Schreie, die aus den Häusern drangen vermischten sich zu einem entsetzlichen Kanon aus Furcht, Leid und unsagbarem Schmerz.
Flammen rissen die Dächer der Hütten nieder, verzehrten das trockene Stroh in Sekundenschnelle und brachten die ächzenden Balken zum Einsturz. In weißen Explosionen zerbarsten die Fenster und das irrsinnige Lachen der Eindringlinge untermalte die morbide Musik des Untergangs.
Unfähig etwas zu tun starrte Balian auf die Szenerie des Grauens, als die Tür seiner Hütte mit einem bestialischen Splittern zerbarst und ein Dutzend Krieger in den Raum stürmten. Einer der schwarzen Eindringlinge war mit zwei gewaltigen Schritten bei ihm und packte ihn an der Kehle. Mühelos hob der nach Tod und Verderbnis stinkende Mann Balian hoch und musterte ihn. Die massige Hand drückte ihm die Luft ab und erstickte zwar den entsetzten Schrei, nicht aber seine aufwallende Panik. Kalte, ausdruckslose Augen brannten sich in seinen Verstand, unbarmherzig schändeten sie seine Gedanken, bis sein Körper unter den Qualen zu zucken begann.
Mit einer angewidert wirkenden Handbewegung schleuderte der Krieger ihn in Richtung Tür. Dem Aufprall folgte eine Explosion aus tausend weißen Blitzen vor Balians Augen, die sich unbarmherzig in seinen Schädel bohrten. Eine riesige Pranke griff nach seinem Kragen und zog ihn aus der Hütte. Wie betäubt sah Balian zu wie sein Haus in Flammen aufging, als er in Richtung des Dorfplatzes geschleift wurde.
Das Bersten und Krachen der Pfeiler und Balken hörte sich an wie Todesschreie unter entsetzlichen Schmerzen.
Als der letzte Eindringling die Hütte verlassen hatte verstummten die Klageschreie für einen Augenblick, um dann in einem grässlichen Finale den Zusammenbruch seines Zuhauses in die Nacht zu brüllen.

„Wieso?“
Der Klang einer vertrauten Stimme löste seine Starre im selben Moment, als ihn der schwarze Hüne abrupt losließ und Balian kraftlos in sich zusammenfiel. Ohne auf das Pochen in seiner Schläfe zu achten, riss er den Kopf von dem Anblick seiner zerstörten Hütte los. Sein Vater kniete auf dem Boden wenige Meter vor ihm, Siri in seinen Armen. Eine irrsinnige Hoffnung regte sich in ihm, versuchte ihn zu überzeugen, dass nun alles gut werden würde, dass seine Eltern alles richten würden. Doch der leere Blick seiner Mutter vernichtete diesen Gedanken. Ihre Augen standen offen, doch das Leben hatte sie verlassen. Tränen rannen sein Gesicht hinab, als er mit einem gequälten Schrei auf sie zu stürzte.
„Balian, nein!“
Beolunds Warnung kam zu spät. Ein gezielter Schlag fegte ihn von den Füßen und die Stiefelspitze eines der Krieger schlug in einer Welle aus purer Qual in seinen Rücken ein. Doch es waren nicht seine Knochen die brachen. Im selben Moment zerschmetterte der scheinbar aus dem nichts aufgetauchte Hammer des Schmiedes den Kehlkopf seines Peinigers. Sekunden entsetzter Fassungslosigkeit folgten und selbst die tobenden Flammen ringsherum schienen den Atem anzuhalten, bis der massige Körper des Hünen röchelnd auf dem Boden aufschlug. Gleichsam fassungslose, wie wütende Schreie lösten sich aus den Kehlen der Krieger, als sie sich mit gezogenen Schwertern auf den Schmied stürzten. Balian sah wie die erste Klinge durch die Brust seines Ziehvaters fuhr und seine Gestalt unter aufblitzendem Stahl und schwarzen Leibern verschwand. Grenzenlose Verzweiflung ergriff Besitz von ihm. Die Bilder bohrten sich in sein Gedächtnis und hinterließen nichts als allumfassende Pein. Schwarze Schatten am Rande seiner Gedanken griffen nach ihm, waren kurz davor ihn in eine schützende Ohnmacht zu geleiten, als etwas dumpf zwischen seinen Beinen aufschlug. Die Augen seines Vaters schienen ihn beruhigend zu mustern. Sogar die Andeutung eines Lächelns lag auf seinen Lippen. Sein Gesichtsausdruck sollte wohl Zuversicht ausstrahlen, doch der blutige Stumpf in den sein Halsansatz überging perversierte diese Absicht auf so grausame Art und Weise, dass Balian die Luft wegblieb. Eine weitere Welle des Grauens erfasste ihn und das schmatzende Geräusch der niederfahrenden Klingen, die selbst jetzt noch keine Ruhe gefunden hatten, tat das Übrige: In blinder Panik rappelte er sich auf und versuchte wegzurennen, doch sein Fluchtversuch endete abrupt in den Armen eines teuflisch lächelnden Kriegers.
„Du willst uns schon verlassen?“, fragte er während sein Lächeln breiter wurde.
„Dann geh doch!“ Mit diesen Worten stieß er Balian in eine der brennenden Hütten, die im selben Moment in sich zusammenbrach und ihn unter sich begrub.
Dunkelheit umfing ihn und löschte sein Bewusstsein aus.

EDIT: Selbstverständlich werden bestimmte Stellen in den nachfolgenden Kapiteln, die durch die Änderungen berührt werden geändert Icon_wink

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Beitrag #2 |

RE: Siegelmagie [Kapitel I]
Sei mir gegrüßt, Damien,

ich hab vorhin entdeckt, dass du selbst schon am Kommentieren bist und das wollte ich doch gleich einmal frühmorgendlich mit einem Kommentar meinerseits belohnen. Vorweg: ich kann Magie nicht ausstehen. Wenn jetzt noch Elben vorkommen würden, wär die Katastrophe perfekt. *lach* Trotzdem: keine Panik, alles halb so schlimm. Die liebe Lanna (wirst du wohl noch kennenlernen) musste schon feststellen, dass ich auch mir unleidlichen Dingen eine Chance geben kann. Gleich einmal vorweg: die Formatierung kommt mir optisch nicht sehr ansprechend vor. Zu viele Absätze, trotzdem wirkt es, als wäre System dahinter. Mal sehen.

Die Nacht war über das kleine Dorf am Rande des großen Gebirges hereingebrochen.
Das Bellen der Hunde war verstummt, die Lichter ausgelöscht und die Ruhe wurde nur ab und an von dem Schrei einer Eule oder das Zirpen einer Grille durchbrochen. Nebel hatte sich wie ein aschgraues Leichentuch über die Hütten und Wege gelegt.

=> Okay, ich bin gleich zu Beginn ein bisschen pingelig. Bin ich gern und das will nichts negatives heißen. Anmerkungen die dir helfen, beachtest du, den Rest lässt du links liegen. "Die Nacht war über" find ich merkwürdig. Besonders im Bezug zu "das kleine Dorf". Es hört sich so an, als wär die Nacht zu Besuch im Dorf, bzw. hätte sich nur über das Dorf gelegt. In diesem Bezug, fänd ich "Dunkelheit" passender und vor allem: bildlicher. Als viel störender aber empfinde ich, dass du die ersten zwei Sätze mit einem Artikel beginnst. Eine Wiederholung - auch im Satzaufbau - wirkt meist einseitig und einfallslos. Zudem ist der Absatz hier in jedem Fall umsonst. Vorschlag: "Dunkelheit bemächtigte sich des Horizonts, kämpfte Meter für Meter um die Vorherrschaft, um letztlich auch das Dorf am Rande des großen Gebirges in tiefes Schwarz zu hüllen. Das Bellen der Hunde war verstummt, die Lichter ausgelöscht und die Ruhe wurde nur ab und an vom Schrei einer Eule oder dem Zirpen einer Grille durchbrochen. Nebel hatte sich wie ein aschgraues Leichentuch zwischen die Finsternis gedrängt und über Hütten und Wege gelegt." "von dem" = "vom". "das Zirpen" = "dem Zirpen". "durchbrochen" gefällt mir sehr gut! Okay, ziemlich dicklich aufgetragen, aber ich wollte absichtlich einen Kontrast liefern. Nur als Anregung. Ich fänds übrigens glaubwürdiger, wenn du dem ollen Gebirge einen Namen gibst. Oder nennt man das so in deiner Welt wirklich "großes Gebirge". Wenn ja, dann müsstest du diese Form der Namengebung eigentlich auch überall auf der Landkarte - zumindest innerhalb dieses Landes - aufgreifen.

Nachdenklich sah Balian aus dem Fenster.
=> Ich liebe den Namen "Balian". Spätestens seit "Königreich der Himmel". Mrgreen Hier wäre für mich der erste Absatz. Aber bestimmt kein doppelter. Der nächste entzieht sich wieder meinem Verständnis.

Obgleich seine Sicht durch die graue Wand aus bedrohlich wirkenden Nebelschwaden nicht mehr als einen Steinwurf weit reichte, lag das Ziel seines Blickes in weiter Ferne.
=> schönes, auch melancholisch anmutendes Bild! "Nebelschwaden" wiederholt den "Nebel" wortwörtlich, genauso wie "die graue Wand". Für mich alles in allem zu viel Hinweis - auch mit dem Vorangegangen - auf den "Nebel". Wie wärs wenn dus einmal zumindest weglässt? "weit" ist irgendwie auch ein Füllwort, man verstehst so schon. Und ja, gegen Füllwörter hab ich auch was. Mrgreen

Konturen bildeten sich im grauen Nichts, schienen Szenen aus seinen Träumen nachzustellen und verschwammen wieder als er versuchte sie mit seinem Verstand zu erfassen.
=> Wieder ein sehr schönes Bild. Wieder dieser Nebel. Nun gut, aber wenn du zumindest einmal, vielleicht aber auch zweimal, davor den Nebel rausnimmst, ist der Leser hier nicht so übersättigt. Komma vor "als". Toller Satz. Ansonst: viel zu viele Absätze.

Undeutliche Erinnerungen von Schneestürmen, einer Höhle und einem einsamen Mann flossen am Rande seines Bewusstseins entlang, zu fern um sie festhalten zu können, aber doch zu nah um sie zu vergessen.

=> Auch das gefällt mir gut. Komma vor "um". Ja ich weiß, wären viele Kommas in diesem Satz. Auch ich bin ein Freund von "weniger ist mehr" aber hier gehörts definitiv hin nach allen Regeln.

Es war kalt in dem einfachen Zimmer seiner Hütte.
=> Warum hier wieder der Absatz? Er verunsichert. Sind wir jetzt immer noch bei Balian im Hier und Jetzt, oder hast du damit eine Erinnerung eingeläutet? Ich tippe ja fast auf Ersteres, aber du verunsicherst nun Mal. Werd dir also am besten zukünftig ein bisschen bewusster über die Wahl dieses, doch auch, Stilmittels.

Das Feuer im Karmin musste seinen Kampf mit der Kälte schon vor Stunden verloren haben.

=> Fein, gefällt mir auch. "Kamin". Ohne "r".

Das spärliche Licht des Mondes, dass den Weg durch den Nebel gefunden hatte und durch das Fenster fiel, tauchte das wenige Mobiliar seines Zuhauses in ein gedämpftes, unwirkliches Licht:

=> Wiederholung des gleichen Satzaufbaues. Wie gesagt, für mich ist das ein grober, grober Fehler. Solltest du "immer" vermeiden, außer du setzt es bewusst als Stilmittel ein und selbst das tut man dann äußerst selten. Zudem: viel zu viel "das(s)". Vorschlag: "Das Feuer im Kamin musste seinen Kampf gegen die Kälte schon vor Stunden verloren haben. Spärliches Mondlicht, den Weg findend durch Nebel und Fenster, tauchte das bescheidene Mobiliar seines Zuhauses in gedämpftes, unwirkliches Licht." Nur ein Beispiel. Sicherlich ist diese Lösung Geschmacksache. Man könnt aber auch ganz anders ran. Egal wie, nur weg von der Wortwiederholung.

Ein Matratzenlager, ein Tisch mit zwei Stühlen, ein Karmin und eine massive Eichenholztruhe schälten sich aus der Dunkelheit des Raumes.
=> Huch, und ich hab mich schon im Mittelalter gesehen? "Matratzenlager"? Nicht "Strohlager"? hmmm, ... okay, auf was haben Leute im Mittelalter denn so geschlafen? Und haben die das "Matratze" genannt? *nachschlagen geht* Äußerst interessant. Schlag mal nach und prüfe, ob vor allem das Wort selbst zu deiner Welt passt. Es ist ein italienisch-arabisches Wort. "Bettstatt" wäre übrigens ein vielleicht passender Ersatz.

Es war nicht viel und doch war es alles was er hatte.
=> Wortwiederholungen die man ganz einfach umgehen kann. Icon_smile

Seitdem er als Säugling im Wald gefunden worden war, war er beim Schmied des Dorfes, Beolund, und seiner Frau Sira aufgewachsen.

Nach dem er sein Mannesalter erreicht hatte, hatte er das Anrecht auf eine eigene Hütte gehabt und sein eigenes Heim mit seinem Ziehvater aufgebaut.

=> Satzaufbauwiederholungen.

Es war ihm erwachsen und stark vorgekommen allein in seinem eigenen Haus zu leben, daran dass er die warme, vertraute Atmosphäre der Schmiede nachts vermissen würde, hatte er nicht gedacht.

=> schöne Charakterisierung.

Ohne die Menschen, die ihm etwas bedeuteten, fühlte sich dieser Ort irgendwie leer an, nicht nach Zuhause.

=> "irgendwie" entschärft hier. Würd ich rauslassen.

Balian hatte sich oft gefragt ob er überhaupt das Recht hatte diesen Ausdruck zu verwenden. Streng genommen hatte er nie ein Zuhause gehabt, geschweige denn wirkliche Eltern. Obwohl Sira ihm immer wieder versichert hatte, dass es nicht darauf an käme ob sie seine leiblichen Eltern seien oder nicht, sondern auf die Liebe die sie ihm in gleichem Maße zu Teil werden ließen, fragte sich Balian oft wo sein wirkliches Zuhause wohl liegen mochte.
=> Wortwiederholungen. "Hatte" definitiv zu oft und "Zuhause" hab ich hier einmal zu viel gehört. Vorschlag: "Balian hatte sich oft gefragt, ob er überhaupt das Recht besaß, diesen Ausdruck zu verwenden. Streng genommen gab es für ihn kein Heim, keine wirklichen Eltern, obwohl Sira ihm stets das Gegenteil versicherte. Denn in ihren Augen stütze sich alles Glück und alle Wahrheit auf gegenseitige Liebe, nicht auf Herkunft." Geschmackssache. Aber ich hoffe ich hab demonstriert, was ich vermitteln wollte?

Ein golden flackernder Schimmer ging von ihm aus und zwang die Nebelwände zum Rückzug. Es schien verloren in dem Meer aus waberndem Grau und doch ließ es sich nicht überwältigen.
=> Auf was genau beziehst du dich da? Und: musst du dich überhaupt auf etwas beziehen? Vorschlag: "Ein golden flackernder Schimmer zwang die Nebelwände zum Rückzug, schien verloren im Meer aus waberndem Grau und doch ..." Find ich flüssiger. Also ohne Bezug.

„Wie ein Fels in der Brandung.“, dachte Balian und fragte sich unwillkürlich nach dessen Herkunft.
=> Kein Punkt nach Brandung. "Herkunft"? Wo ist die Verwunderung? Warum fragt er sich nicht - zum Teufel nochmals - WAS das überhaupt ist?

Wie zur Antwort entzündete sich ein weiteres Licht und innerhalb eines Wimpernschlags verzehnfachte sich die Anzahl der Lichter um das Erste.
=> Wortwiederholung. Lass dir doch ein schönes, malerisches Synonym einfallen? Icon_smile

Ob der Nebel vor der Helligkeit zurückwich, oder von den Lichtern verzehrt wurde, konnte Balian nicht feststellen, aber als sich der Nebel lichtete konnte er Gestalten aus machen, die die Lichter trugen.
=> hmmm, hört sich ein bisschen gestelzt an. Ich wüsste auch nicht unbedingt, ob ich das an deiner Stelle überhaupt so ausführen würde. Also zumindest den Beginn des Satzes. Ich würd die Gestalten aufgreifen und das wars. Lichter und Nebel haben wir weiter oben schon genug.

Der Schein ihrer Fackeln beleuchtete die rußgeschwärzten Rüstungen und das flackernde Licht auf ihren Gesichtern offenbarte mordlüsterne Vorfreude.
=> schöne Wendung. "Der Schein ihrer Fackeln beleuchtete rußgeschwärzte Rüstungen und mordlüsterne Vorfreude." Auch wieder Geschmackssache, aber ehrlich: ich finds so viel mehr klingend nach einem Paukenschlag. Man "muss" auch nicht immer alles so ausführen, zusätzlich hättest du hier einfach die Feinde als Ganzes "mordlüstern" definiert, also noch bedrohlicher, nicht nur in ihren Gesichtern sondern gesamt gesehen.

Ein markerschütternder Schrei hallte durch das Dorf und zerfetzte auch die letzten Nebelschwaden… dann brach die Hölle los.
=> Leerzeichen nach Nebelschwaden. "Dann brach die Hölle los", ist ein Klischee, dass man grade noch so gelten lassen kann! Icon_wink

Plötzlich waren sie überall, überall wurden die Türen der Hütten mit roher Gewalt aufgebrochen und Heerscharen von schwarzen Kriegern fielen in die Wohnstätten der Dorfbewohner ein.

=> liest sich nicht so gut. "schwarze Krieger" ist genauso wie "großes Gebirge" für mich: undefiniert und vor allem typisch. Ach ja und immer noch: viel zu viele Absätze.

Die verzweifelten Schreie, die aus den Häusern drangen vermischten sich zu einem entsetzlichen Kanon aus Furcht, Leid und unsagbarem Schmerz.
=> Pro

In weißen Explosionen zerbarsten die Fenster und das abgrundtief böse Lachen der Eindringlinge untermalte die morbide Musik des Untergangs.

=> sehr stark. Nur schade, dass abgrundtief böse wieder so klischeehaft ist. Ich ein Freund von Graustufen und ein Feind von "Gut und Böse". Aber okay, auch das ist Geschmackssache.

Einer der schwarzen Eindringlinge war mit zwei riesigen Schritten bei ihm und packte ihn an der Kehle. Mühelos hob der nach Tod und Verderbnis stinkende Mann Balian hoch und musterte ihn aus kalten, ausdruckslosen Augen.
Mit einer angewidert wirkenden Handbewegung schleuderte er ihn in Richtung Tür und forderte einen der anderen Krieger auf ihn nach draußen zu bringen.

=> sehr spannend. Stilisch jetzt übrigens weniger malerisch und passend kalt. Gefällt mir gut und es ist schwungvoll, ohne grobe Schnitzer!

Erinnerungen stürzten auf ihn ein, Bilder von der Arbeit mit seinem Vater, dessen Hand auf seiner Schulter als er vor seiner fertigen Arbeit stand, der Stolz der ihn erfüllt hatte, als er die erste Nacht in seinem neuen Zuhause verbracht hatte. Jede verlorene Erinnerung ließ eine Träne an seiner Wange hinab laufen. Sein Lebenswerk lag in Trümmern.
=> er weint und ist wie erstarrt, als sie in sein Haus stürmen. Okay. Wenn er im nächsten Kapitel zum Krieger mutiert, dann werd ich ... unleidlich. Mrgreen Übrigens: wenn mehr Spannung, so wie kurz nach diesem Textstück, passen auch mehr Absätze. Da werden sie zum Stilmittel und nicht zur Sonderlichkeit.

Er blickte kurz auf seine tote Frau hinab und schloss ihr sanft die Augen, dann sah er Balian erneut an und sagte mit ruhiger, fester Stimme:
„Es tut mir Leid mein Sohn!“
Er erhob sich und griff nach dem riesigen Hammer, der neben ihm lag und ein Lächeln legte sich auf seine Züge, als er seinem Sohn ein letztes Mal zu nickte um dann mit unmenschlicher Schnelligkeit nach vorne zu stürmen.

=> "zunickte". Ich würd mich übrigens für eine einzelne Theatralik entscheiden. Beides ist mir persönlich zu viel.

Nur seine Augen schienen zu Balian zu sprechen:

„Lauf mein Sohn! Sei stark und vergiss niemals dass wir dich immer lieben werden.“

=> Okay, ist mir zu dick aufgetragen. Definitiv. Wie alt ist Balian eigentlich. Das frag ich mich jetzt zum ersten Mal ...

Das letzte was er sah war das sanfte Lächeln auf den Zügen des Mannes, den er Vater genannt hatte.

=> Nicht doch, der Mann ist grad abgeschlachtet worden. Blut, Dreck, ... das geliebte Gesicht eines Menschen, der durchbohrt wird kann manchmal auch eine hässliche Fratze sein. Entspricht sogar viel öfters der Wahrheit, möcht ich wetten. Ich bin da, muss ich sagen, viel härter zu Gange was meine Charaktere anbelangt. Schönreden tue ich nicht gern und ich les es genauso wenig mit Freude.

Seelige Dunkelheit umfing ihn und löschte sein Bewusstsein aus...
=> Leerzeichen nach "aus".

So und das war es auch schon mit meinen Anmerkungen. Grob zusammengefasst möcht ich sagen: gut geschrieben, auch wenn noch nicht völlig ausgereift, was den Stil betrifft. (Wir sind halt alle nun Mal zum Lernen hier.) Ich mag deine Wortwahl dennoch gern. Du bringst viel Gefühl hinein, gute Bilder und notwendige Dramatik, auch wenn du bei letzteren den Bogen ein bisschen überspannst. Zumindest für mich. Arbeiten solltest du an vielseitigeren Satzaufbau und deinen Wortwiederholungen. Das übt auch ungemein, sag ich dir. Variiere ein bisschen, auch auf die Gefahr hin, dass es sich eine Weile komisch anhört. Man muss versuchen sich abzuwechseln. Weniger gut gefällt mir "Gut und Böse" als Hintergrund und die Neigung, nicht nur dramatisch zu sein, sondern auch noch "schönreden" zu wollen. Wenn wir übrigens dabei schon sind und du Sarkasmus liebst: lies doch einen "Joe Abercrombie". Dreck, Blut, Gnadenlosigkeit, Fantasy, Magie und viel, viel schwarzer Humor.

Zur Handlung selbst lässt sich noch nicht viel sagen. Da möchte ich gern noch andere Teile abwarten. Zum Aufbau: den find ich okay, auch wenn ich eher ein Freund des "Durchschreibens" bin, also nicht ganz so viele Absätze leiden kann, sowie diese "Sternchen und Sprünge". Geht auch ohne und ist meinst viel flüssiger. Aber wie bei vielen Dingen auch hier: Geschmacksache. Es war an sich gut zu lesen, deshalb möcht ichs nicht negativ aburteilen.

Liebe Grüße,
Sternchen



"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
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Beitrag #3 |

RE: Siegelmagie [Kapitel I]
Hallo Sternchen,

Zuallererst: Vielen,vielen Dank für deine umfangreiche Kritik. Ich habe sie quasi verschlungen und mir Mühe gegeben soviel wie möglich daraus mitzunehmen. Ich freue mich sehr über deine offene Meinung, auch wenn ich ehrlich zugeben muss, dass ich nicht erwartet hatte "so viel" Gegenwind zu bekommen.

Ich möchte gerne auf die Punkte die du angesprochen hast nochmal kurz eingehen, eventuelle Unklarheiten oder Verständnisschwierigkeiten erklären und die Gedanken dahinter vielleicht etwas klarer zu umreißen. Keinesfalls gehe ich in die Evaluation um deine Meinung nur zu entkräften, ich hoffe das kommt auch nicht so rüber.

Zu Anfang muss ich zugeben, dass ich da wohl mit der Formatierung etwas zu übermütig war. Der Urtext hatte so gut wie keine markanten Absätze (nur ab und an ein logischer Absatz, bei einem vollkommenen Themawechsel), aber ich hatte zuvor gelesen, dass es viele Leser als störend empfinden, wenn sie von einem durchgezogenen Text quasi "erschlagen" werden und die pure Masse an zusammenhängendem Text vom Lesen abschreckt. Ich wollte deshalb ein bisschen optisch strukturieren, logisch hatte es damit keine Bewandnis. Dafür möchte ich mich entschuldigen und werde es vermutlich auch wieder ändern Icon_wink

Zitat:"Die Nacht war über" find ich merkwürdig. Besonders im Bezug zu "das kleine Dorf". Es hört sich so an, als wär die Nacht zu Besuch im Dorf, bzw. hätte sich nur über das Dorf gelegt. In diesem Bezug, fänd ich "Dunkelheit" passender und vor allem: bildlicher.
Aber ist denn die Nacht nicht immer nur irgendwie zu Besuch?
Nur um diese Frage mal in den Raum zu stellen. Ich finde aber die Umschreibung mit der Dunkelheit doch irgendwie auch passend. Meiner Meinung nach ist das Wort Nacht nur etwas sanfter. Dunkelheit impliziert gleich Bedrohung, das wollte ich aber eigentlich nicht erreichen. Jedenfalls an dieser Stelle noch nicht.

Zitat:Als viel störender aber empfinde ich, dass du die ersten zwei Sätze mit einem Artikel beginnst. Eine Wiederholung - auch im Satzaufbau - wirkt meist einseitig und einfallslos. Zudem ist der Absatz hier in jedem Fall umsonst. Vorschlag: "Dunkelheit bemächtigte sich des Horizonts, kämpfte Meter für Meter um die Vorherrschaft, um letztlich auch das Dorf am Rande des großen Gebirges in tiefes Schwarz zu hüllen. Das Bellen der Hunde war verstummt, die Lichter ausgelöscht und die Ruhe wurde nur ab und an vom Schrei einer Eule oder dem Zirpen einer Grille durchbrochen. Nebel hatte sich wie ein aschgraues Leichentuch zwischen die Finsternis gedrängt und über Hütten und Wege gelegt." "von dem" = "vom". "das Zirpen" = "dem Zirpen". "durchbrochen" gefällt mir sehr gut! Okay, ziemlich dicklich aufgetragen, aber ich wollte absichtlich einen Kontrast liefern. Nur als Anregung.
Ich empfinde eine Aneinanderreihung von Artikeln an Satzanfängen nicht als einfallslos, sie wird oft verwendet um eine Aufzählung mit leichter Steigerung zu bewirken und findet auch oft Verwendung in mir geläufiger Literatur. Trotzdem finde ich deinen Vorschlag besser. Nicht das, wie du selbst sagtest, dick aufgetragene. Sondern den Anfang mit der Dunkelheit. Ich denke da werde ich mich nochmal dran setzen. Danke hierfür!

Zitat:Ich fänds übrigens glaubwürdiger, wenn du dem ollen Gebirge einen Namen gibst. Oder nennt man das so in deiner Welt wirklich "großes Gebirge". Wenn ja, dann müsstest du diese Form der Namengebung eigentlich auch überall auf der Landkarte - zumindest innerhalb dieses Landes - aufgreifen.
Die Formulierung "großes Gebirge" hat schon seinen Zweck, denn das beschreibt auf den Punkt gebracht, was es wirklich ist (das wird später auch noch mehr als einmal ersichtlich). Später bekommt es noch einige Namen, von verschiedenen Völkern, die sich aber nicht lange im Sprachverlauf der Geschichte halten, weil der Name des Gebirges nicht wichtig ist, sondern einfach nur seine schiere Größe, Unüberwindbarkeit. Aber dazu später mehr. Zusätzlich will ich den Leser am Anfang nicht mit zu vielen unerklärten Namen konfrontieren und für die einfachen Bewohner eines Dorfes wäre ein fremdmutig wirkender Ausdruck für ein Teil ihres Alltags wahrscheinlich auch zu viel des Guten.

Zitat:Ich liebe den Namen "Balian". Spätestens seit "Königreich der Himmel". Hier wäre für mich der erste Absatz. Aber bestimmt kein doppelter. Der nächste entzieht sich wieder meinem Verständnis.
Tatsächlich habe ich kein wirkliches namentliches Vorbild für meinen Helden. Zumindest verknüpfe ich die Herkunft nicht mit Königreich der Himmel (den ich aber durchaus gesehen habe und zu schätzen weiß). Was die Absätze angeht, und so weiter...

Zitat:schönes, auch melancholisch anmutendes Bild! "Nebelschwaden" wiederholt den "Nebel" wortwörtlich, genauso wie "die graue Wand". Für mich alles in allem zu viel Hinweis - auch mit dem Vorangegangen - auf den "Nebel". Wie wärs wenn dus einmal zumindest weglässt? "weit" ist irgendwie auch ein Füllwort, man verstehst so schon. Und ja, gegen Füllwörter hab ich auch was.
Übernehme ich, mit deiner Erlaubnis, widerstandslos!
Zitat:Wieder ein sehr schönes Bild. Wieder dieser Nebel. Nun gut, aber wenn du zumindest einmal, vielleicht aber auch zweimal, davor den Nebel rausnimmst, ist der Leser hier nicht so übersättigt. Komma vor "als". Toller Satz. Ansonst: viel zu viele Absätze.
Vielen Dank. Nebel hat für mich selbst eine große Bedeutung, deswegen arbeite ich ihn gern in meine Geschichten mit ein. Zu viel des Guten schleicht sich da gerne mal ein. Ich werde versuchen sparsamer damit umzugehen.
Zitat:Wiederholung des gleichen Satzaufbaues. Wie gesagt, für mich ist das ein grober, grober Fehler. Solltest du "immer" vermeiden, außer du setzt es bewusst als Stilmittel ein und selbst das tut man dann äußerst selten. Zudem: viel zu viel "das(s)". Vorschlag: "Das Feuer im Kamin musste seinen Kampf gegen die Kälte schon vor Stunden verloren haben. Spärliches Mondlicht, den Weg findend durch Nebel und Fenster, tauchte das bescheidene Mobiliar seines Zuhauses in gedämpftes, unwirkliches Licht." Nur ein Beispiel. Sicherlich ist diese Lösung Geschmacksache. Man könnt aber auch ganz anders ran. Egal wie, nur weg von der Wortwiederholung.
Wo wir beim Stilmittel wären, was in diesem Fall aber wirklich nicht beabsichtigt war. Ich werde mich da nochmal anderweitig versuchen.
Zitat:Wortwiederholungen. "Hatte" definitiv zu oft und "Zuhause" hab ich hier einmal zu viel gehört. Vorschlag: "Balian hatte sich oft gefragt, ob er überhaupt das Recht besaß, diesen Ausdruck zu verwenden. Streng genommen gab es für ihn kein Heim, keine wirklichen Eltern, obwohl Sira ihm stets das Gegenteil versicherte. Denn in ihren Augen stütze sich alles Glück und alle Wahrheit auf gegenseitige Liebe, nicht auf Herkunft." Geschmackssache. Aber ich hoffe ich hab demonstriert, was ich vermitteln wollte?
Total. Würde ich gerne übernehmen, wenn du erlaubst...
Zitat:Auf was genau beziehst du dich da? Und: musst du dich überhaupt auf etwas beziehen? Vorschlag: "Ein golden flackernder Schimmer zwang die Nebelwände zum Rückzug, schien verloren im Meer aus waberndem Grau und doch ..." Find ich flüssiger. Also ohne Bezug.
Protestlose Zustimmung!
Zitat:Kein Punkt nach Brandung. "Herkunft"? Wo ist die Verwunderung? Warum fragt er sich nicht - zum Teufel nochmals - WAS das überhaupt ist?
Weil es erstmal nicht wichtig ist. Es könnte alles sein. Der Geist der vergangenen Weihnacht, der Holzmichl bei seinem abendlichen Rundgang. Das WAS ist hier nicht entscheidend. Herkunft, ist das Thema, das seine Denkweise im Moment dominiert und er hängt seinen Gedanken momentan nach, was sogar die Möglichkeit offen lässt, dass dieses Licht überhaupt nicht real ist. Ein weiteres Produkt seiner Fantasie, wie die Figuren im Nebel. Das Licht versteht sich hier als Zeichen der Hoffnung, welches sich morbider Weise im nächsten Moment als Zeichen des Untergangs herausstellt.

Zitat:Wortwiederholung. Lass dir doch ein schönes, malerisches Synonym einfallen?
Abgespeichert und auf der Agenda!

Zitat:schöne Wendung. "Der Schein ihrer Fackeln beleuchtete rußgeschwärzte Rüstungen und mordlüsterne Vorfreude." Auch wieder Geschmackssache, aber ehrlich: ich finds so viel mehr klingend nach einem Paukenschlag. Man "muss" auch nicht immer alles so ausführen, zusätzlich hättest du hier einfach die Feinde als Ganzes "mordlüstern" definiert, also noch bedrohlicher, nicht nur in ihren Gesichtern sondern gesamt gesehen.
Hier ist es mir wichtig den Erkenntnisprozess zumindest ansatzweise zu skizzieren. Dieser ganze Abschnitt über das Licht stellt eine einzige Metapher dar: Das Licht, welches am Anfang mit Hoffnung und Erkenntnis assoziiert wird, stellt sich bei näherer Betrachtung als Trugschluss heraus und wird durch die mordlüsternen Träger perversiert. Um diesen Gedankengang überhaupt erst möglich zu machen, brauche ich diese stückchenweise Offenbarung (sollte sie vielleicht sogar noch weiter ausschmücken), ein Paukenschlag ist das letzte was ich in diesem Moment haben will, der kommt erst später.
Zitat:liest sich nicht so gut. "schwarze Krieger" ist genauso wie "großes Gebirge" für mich: undefiniert und vor allem typisch. Ach ja und immer noch: viel zu viele Absätze.
Die doppelte Verwendung von überall ist in diesem Fall gewollt. Mich freut es das du die "schwarzen Krieger" als undefiniert beschreibst, denn genau das sollen sie sein. Keine einzelnen Charaktere, die verletzbar sind, sondern eine ungreifbare Masse ohne Kopf den man abschlagen könnte.

Zitat:sehr stark. Nur schade, dass abgrundtief böse wieder so klischeehaft ist. Ich ein Freund von Graustufen und ein Feind von "Gut und Böse". Aber okay, auch das ist Geschmackssache.
Du hast mich erwischt. Ich bin auch überhaupt nicht zufrieden mit abgrundtief. Das ist mir in diesem Moment ehrlich gesagt zu charakterisierend und sollte an anderer Stelle für noch schlimmeres verwendet werden. Für einen Vorschlag zur Formulierung wäre ich sehr dankbar Icon_smile

Zitat:er weint und ist wie erstarrt, als sie in sein Haus stürmen. Okay. Wenn er im nächsten Kapitel zum Krieger mutiert, dann werd ich ... unleidlich. Mrgreen Übrigens: wenn mehr Spannung, so wie kurz nach diesem Textstück, passen auch mehr Absätze. Da werden sie zum Stilmittel und nicht zur Sonderlichkeit.
Dann wirst du Balian in dein Herz schließen, denn er bleibt beinahe die gesamte Stroy über schlichtweg DER Antiheld Icon_wink

Zitat:Okay, ist mir zu dick aufgetragen. Definitiv. Wie alt ist Balian eigentlich. Das frag ich mich jetzt zum ersten Mal ...
Tut mir Leid, darauf bestehe ich. Balian ist zwischen 17 und 19 (ganz genau festlegen will ich mich an dieser Stelle noch nicht), allerdings wie gesagt nicht gerade dass was man unter einem typischen Held versteht. Er ist sogar eigentlich eher noch von pubertärem Gemüt und erst der Lauf der Geschichte macht langsam (sehr langsam, oh ja) einen erwachsenen Mann aus ihm.

Zitat:Nicht doch, der Mann ist grad abgeschlachtet worden. Blut, Dreck, ... das geliebte Gesicht eines Menschen, der durchbohrt wird kann manchmal auch eine hässliche Fratze sein. Entspricht sogar viel öfters der Wahrheit, möcht ich wetten. Ich bin da, muss ich sagen, viel härter zu Gange was meine Charaktere anbelangt. Schönreden tue ich nicht gern und ich les es genauso wenig mit Freude.
Hier wird nichts schöngeredet. Es handelt sich hierbei um das was Balian sehen WILL. Ich bezweifel dass Beolund in Wirklichkeit ohne Angst zum Angriff übergegangen ist und still, gefasst und nur an seinen Sohn denkend in den Tod gegangen ist. Er ist eine starke Persönlichkeit zweifelsohne, die Balians Bild von Stärke und Tapferkeit noch sehr stark prägen wird und deshalb wird hier explizit kein Augenmerk auf die Hässlichkeit des Todes gelegt. Für Balian ist er sowas wie die personifizierte Rechtschaffenheit. Das wird später immer wieder ein Thema sein, wenn ich eine Figur einführen werde, die manchmal so gar nicht in dieses Bild passt.

Grob zusammengefasst möchte ICH sagen: Nochmals vielen Dank für deine Offenheit und die vielen Vorschläge, die mir wirklich sehr geholfen haben. Für die Dramatik will ich mich nicht entschuldigen. Sie musste hier überspannt werden, um die traumatische Erfahrung für den eher zart besaiteten Balian passend rüberzubringen. Ich bediene mich normalerweise eher atmosphärischer Mittel, überschwängliche Dramatik wirst du bei mir nur in Schlüsselsequenzen zu sehen bekommen (hoffe ich mal stark). Was die Wortwiederholungen und den Satzbau angeht, werde ich mir deine Worte zu Herzen nehmen, das gibt mir neues Futter für mein Ego. Ich möchte dich an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass wir uns momentan noch in Balians Welt befinden und die Gut/Böse-Kluft deshalb absolut mit Vorsatz hoch gehalten wurde. Du wirst bald in den Genuss von einer anderen Welt kommen, die bald mit Balians Weltanschauung kollidieren wird...

Viele Grüße und nochmals Danke

Damien








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Beitrag #4 |

RE: Siegelmagie [Kapitel I]
Guten Morgen Damien,

es ist mir eine Freude, nochmals auf ein paar Dinge einzugehen, bzw. dir Rückmeldung zu geben. Schön, wie die Zusammenarbeit bisher verläuft; du zeigst ein gutes Mittelmaß zwischen annehmen, Dankbarsein und einen Dickschädel haben. *lach* Auch wenn ich dir in Punkten der Überzeichnung immer noch nicht zustimme, so seh ich es absolut dir selbst überlassen, dich zu definieren. Wenn du ein "Überzeichner" bist (soll nicht abwertend gemeint sein), dann kannst du das irgendwann zu einer richtigen Stärke entwickeln, die vielleicht andere Leser sehr begeistert. Bitte behalte dir diesen Satz von mir in Erinnerung bei dem, was ich jetzt sage, denn es geht mir jetzt keinesfalls um Überzeugung, sondern um Anregung. - Ich find es toll, dass du Balian "sehenglauben" lässt. Weniger toll: es kommt bei mir nicht an. Und auch hier verweise ich nochmal an Joe Abercrombie, der diese Zwickmühle vielleicht damit gelöst hätte, zum einen genau das zu zeigen, was du sagst, zum anderen aber einen sarkastischen Satzfetzen einzustreuen. "Er sah seinen Vater lächeln ... oder doch nur den Spiegel seiner eigenen, naiven Ungläubigkeit." Ganz schlecht, auch nicht besonders gut ausgedrückt, weil ich nicht in deiner Geschichte bin, aber für mich zum Beispiel ein toller letzter, atemberaubender Satz, der Aufschluss über den Autor und Charakter gibt! Kann man sicher tausend Mal besser in Szene setzen, aber vielleicht verstehst du, was ich meine.

Meine Vorschläge kannst du an sich gerne übernehmen. Sie sind nicht mein geistiger Eigentum, sondern deiner. Ich hab nur gute Vorlagen etwas aufgemotzt, zumindest in meinen Augen. Dass du "Schwarz und Weiß" benutzt, um später deinen Charakter umzukrempeln, hab ich kurz in Erwägung gezogen, sicher sein kann man sich als Leser aber nicht und daher wollte ich es erst einmal kritisieren. Du weißt besser in wie weit Kritik zur Gesamtheit deines Werkes passt und die Idee, es anders darzustellen ist gut, wenn auch gewagt. Ich denke jetzt daran, dein Kapitel in einem Buch gelesen zu haben; stehend im Laden. Vermutlich hätte ich es weggelegt, hätte ich nicht irgendwo einen Hinweis gefunden, dass es im Inhalt noch ganz anders geht. Meine Anregung daher (im Gedanken an Buch): bau vielleicht ein "graues" Anfangszitat ein, oder denk sonst irgendwie daran, dem Leser möglichst früh einen Eindruck davon zu geben, dass du vielseitig bist. Grad bei einem Roman hat man nicht viele Chancen auf einen Ersteindruck und das erste Kapitel sollte wohl überlegt sein. - Keine Kritik, nur Gedanken meinerseits. Ob hilfreich oder nicht, überlass ich gerne dir.

Was diesen Satz betrifft: In weißen Explosionen zerbarsten die Fenster und das abgrundtief böse Lachen der Eindringlinge untermalte die morbide Musik des Untergangs. - es geht gar nicht so um die Formulierung, sondern um das, was du tust, du lässt die "Böse" abgrundtief Lachen. Jetzt gibt es zwei verschiede Möglichkeiten für mich. Zum einen dir zu empfehlen das sein zu lassen, zum anderen aber zu sagen: wenn du überzeichnen willst und "böse" darstellen möchtest, dann lass es. Überzeichne böses, stütz dich - wie oben beschrieben - auf eine Entkräftung des Eindrucks in Form eines Darstellens aus anderer Sicht. Das Lachen? Es könnte ein Ritus sein. Hört sich blöd an? Ja. Aber es könnte dennoch. Es könnte eine Einleitung ermöglichen aller:

Wir lachen. Lachen und schlachten.
Für unsere Zukunft. Unseren Gott.
- um Frieden zu bringen ...

=> Theatralisch, aber ich steh auf sowas. Plump, - weil schnell runtergetippselt und nur ein Einfall, bzw. ein Beispiel, was du vor deinen Text setzen könntest. Also direkt über Kapitel eins. Ein Blick des Lesers, eines, dass er nicht zuordnen kann und aus "dem bösartigen Lachen" plötzlich einen Schlüsselmoment macht. Einen, der dem Leser zeigt: ey, Frieden??? Hä? - Die Fragenzeichen sind schon genug - zumindest für mich, um am Haken zu zittern und wissen zu wollen, dass du geschaffen hast für Gegner. Warum sie so denken. Wenn du das alles nicht willst, lass "abgrundtief böse" einfach weg. Stell nur das Lachen in den Raum. Lass den Leser selbst urteilen, was er davon hält und selbst für sich feststellen, dass sie böse sind, ohne es direkt zu schreiben.

Viele liebe Grüße,
Sternchen

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Beitrag #5 |

RE: Siegelmagie [Kapitel I]
Hey Sternchen,

Wie gesagt wird sich diese "überzeichnete" Dramatik nicht durch das komplette Werk ziehen, ich benutze sie mehr als Stilmittel in bestimmten Stellen. Wahrscheinlich ist dieser Hang zur Dramatik der Filmmacherei zuzuschreiben, welche ich zu meiner Schulzeit in großem Stil betrieben habe. Vielleicht muss ich lernen mich etwas davon zu lösen, weil es sich in einem Text eben doch nicht so gut macht wie in einer bildlichen Szene. Aber erstmal will ich es dabei belassen.

Dass du das Buch, in besagtem Beispiel weggelegt hättest, trifft mich. Allerdings habe ich noch ein Ass im Ärmel, nämlich den Prolog, der glaube ich mehr Lust aufs Weiterlesen macht und den lesenden Fan von Graustufenregenbögen zumindest bis ins Kapitel nach dieser Scharz-Weiß Vorstellung vertröstet. Im Moment bin ich aber noch nicht bereit diesen an die Öffentlichkeit zu lassen, da er viele noch passierende Begebenheiten in gewisser Weise aufbereitet, ähnlich einer sich erfüllenden Prophezeiung, und deshalb bestimmt noch oft unters Messer muss.

Grüße
Damien

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Beitrag #6 |

RE: Siegelmagie [Kapitel I]
Hallo Damien,

muss dich nicht treffen, wirklich nicht. Ich hab glaub ich sehr deutlich gemacht woran es liegt, bzw. dir mit meinem Beispiel versucht zu sagen, dass es nicht am Text selbst, sondern an der Darstellung, bzw. am Fehlen von Hinweisen zur Vielseitigkeit lag. Ist aber sehr früh beurteilt und sollte kein Wink mit dem Zaunpfahl sein - dein Textstück ist zu kurz. Mal sehen, was sonst noch kommt. Icon_smile

Liebe Grüße,
Sternchen

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Beitrag #7 |

RE: Siegelmagie [Kapitel I]
Hallo Damien,

habe Deine Geschichte gelesen und nun möchte ich sie auch kommentieren. Insgesamt hat sie mir sehr gut gefallen, rein vom Lesefluss. Allerdings bin ich über ein paar inhaltliche Sachen gestolpert, die ich Dir kurz mitteilen möchte. Vielleicht kannst Du sie ja erklären. Dann mal los ...

Zitat:Zuhause.
Balian hatte sich oft gefragt ob er überhaupt das Recht besaß diesen Ausdruck zu verwenden. Streng genommen gab es für ihn nichts was dieser Bezeichnung gleich käme, geschweige denn Eltern, für die er mehr war als ein Findelkind.
Obwohl Sira ihm immer wieder versichert hatte, dass es nicht darauf an käme ob sie seine leiblichen Eltern seien oder nicht, sondern auf die Liebe die sie ihm in gleichem Maße zu Teil werden ließen, fragte sich Balian oft wo sein wirkliches Zuhause wohl liegen mochte.

Ich frage mich gerade: Warum kam nichts der Bezeichnung gleich, Zuhause? Er war doch mehr als ein Findelkind, seine Mutter versicherte ihm das doch, es kam auf die Liebe an! Also haben sie ihn doch geliebt und auch behandelt wie ein leibliches Kind. Oder?

Zitat:„Wie ein Fels in der Brandung“, dachte Balian und fragte sich unwillkürlich nach dessen Herkunft.

Ein Fels ist für mich etwas gewaltiges, großes. Das Licht ist aber klein und bringt Unheil. Da bin ich irgendwie drüber gestolpert. Der "Fels in der Brandung" ist doch bildlich gesprochen ein Rettungsanker, etwas an das man sich festhalten kann, etwas das Sicherheit bietet. Verstehst du wie ich es meine?

Zitat:Wie zur Antwort entzündete sich ein weiteres Licht und innerhalb eines Wimpernschlags verzehnfachte sich die Anzahl um das Erste. Ob der Nebel vor der Helligkeit zurückwich, oder von den Lichtern verzehrt wurde, konnte Balian nicht feststellen, aber als sich seine Sicht klärte, konnte er Gestalten aus machen, die die Lichter trugen.

Das finde ich sehr gut, da malte sich in meinem Kopf sofort das Bild dazu und blieb auch in Erinnerung. Pro

Zitat:Unfähig etwas zu tun starrte Balian auf die Szenerie des Grauens, als die Tür seiner Hütte mit einem bestialischen Splittern zerbarst und ein Dutzend Krieger in den Raum stürmten. Einer der schwarzen Eindringlinge war mit zwei gewaltigen Schritten bei ihm und packte ihn an der Kehle. Mühelos hob der nach Tod und Verderbnis stinkende Mann Balian hoch und musterte ihn aus kalten, ausdruckslosen Augen.
Mit einer angewidert wirkenden Handbewegung schleuderte er ihn in Richtung Tür und forderte einen der anderen Krieger auf ihn nach draußen zu bringen. Wie leblos sah Balian zu wie sein Haus in Flammen aufging, als der Andere ihn in Richtung des Dorfplatzes schleifte.

Hier habe ich mich dann gefragt: Warum töten sie ihn nicht, wenn sie doch das ganze Dorf abschlachten? Warum bringen sie ihn zum Dorfplatz?
Eine Theorie ist, die lassen nur die Männer leben, dann wäre es aber schön gewesen es vorher schonmal zu erwähnen, er hat sich ja das Gemetzel mit angeschaut. Spätestens da wäre es ihm doch dann aufgefallen oder?

Das Hervorgehobene fand ich auch wieder toll.Icon_smile

Zitat:Sein Lebenswerk lag in Trümmern.

Ist das schon sein Lebenswerk?

Zitat:Im nächsten Moment kippte die Hütte neben ihm mit donnerndem Getöse auf die Seite und begrub Balian unter sich.

Seelige Dunkelheit umfing ihn und löschte sein Bewusstsein aus.

Ein gelungener Abschluss! Pro


Also, ganz ehrlich, ich mag die Geschichte und was das alles wohl mit der Siegelmagie zu tun haben wird? Ich bin gespannt!
Ich fand es flüssig zu lesen, einige Absätze zu viel, aber das ist ja auch Geschmackssache. Auch schön war es, dass Du einige lebendige Bilder in meinem Kopf erzeugen konntest.

Jetzt noch zu:

Zitat:Neben jeglicher anderer Kritik, würde ich euch bitten abschließend für euch zu beantworten ob ich das mir vorgenommene Gefühl vermitteln konnte oder nicht.

Intentionen des 1. Kapitels:
1. Abschnitt: Verlorenheit
2. Abschnitt: Grauen übegehend in Verzweifelung
3. Abschnitt: Verlust

1. Die Verlorenheit: Wenn du die Verlorenheit seiner Person meinst, die empfand ich nicht, da ich immernoch herauslese, dass er gut in die Familie integriert war. Also keinen richtigen Grund hat verloren zu sein. Wenn du allerdings meinst das er sich verloren vorkam beim beginnenden Angriff auf sein Dorf, dann ja. Ich denke das der Grundgedanke Balians der ist, dass er sich eigentlich behütet und geborgen fühlte in seinem "Zuhause", deshalb traf es ihn so hart.
Oh man, ich hoffe du kannst mir einigermaßen folgen Icon_panik, wenn nicht nachfragen! Wave

2. Grauen und Verzweiflung: ganz klares Ja!!!

3. Verlust: Man kann den Verlust Beolunds sehr gut nachvollziehen, Balians Gefühlswelt geht dabei etwas unter, aber das sollte wahrscheinlich so?

So, nun aber genug der Worte. Es ist (nach der Überarbeitung) schön geschrieben, daran gibt es nichts zu meckern aus meiner Sicht. Wenn Du mir jetzt noch meine Unklarheiten erklären kannst, wäre es super. Ich freu mich mehr davon zu lesen.

Hochachtungsvoll

Miss Cathy

"Wir vergessen nicht, wir leben nur weiter."

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Beitrag #8 |

RE: Siegelmagie [Kapitel I]
Hallo Miss Cathy,

schön dass du vorbeischaust und mir deine Zeit geschenkt hast.
Gerne versuche ich die Unklarheiten zu beseitigen, die dir während dem Lesen aufgefallen sind:

Zitat:Ich frage mich gerade: Warum kam nichts der Bezeichnung gleich, Zuhause? Er war doch mehr als ein Findelkind, seine Mutter versicherte ihm das doch, es kam auf die Liebe an! Also haben sie ihn doch geliebt und auch behandelt wie ein leibliches Kind. Oder?

Ich weiß nicht ob du das nachvollziehen kannst, wer weiß ob ich es selbst überhaupt kann. Aber ich habe einen Jungen in der Nachbarschaft, der von seinen "Eltern" adoptiert wurde und ich hab mal mit ihm darüber geredet. Was ich aus diesem langen, eindrücklichen Gespräch zusammengefasst mitgenommen habe ist folgendes:
Du wächst behütet auf, meist sogar noch behüteter als andere Kinder, deine Eltern sorgen sich um dich, behandeln dich wie ihr eigenes Fleisch und Blut. Und doch ist es nicht dasselbe. Da ist eine Kluft zwischen dir und deinen Zieheltern, eine Kluft die Liebe nicht überbrücken kann. Du wirst dich niemals ganz so fühlen wie sich ein Kind mit "richtigen Eltern" fühlt, denn die Frage, wie es wo anders wäre, wie es "richtig" wäre, bei deinen wahren Eltern, liegt wie ein düsterer Schleier über dir.
Es gibt Leute die brauchen diese Frage nicht zu beantworten, sie entscheiden für sich, dass ihre aktuelle Familie, ihre wahre Familie ist und verdrängen ihre Herkunft. Andere und zu denen gehört dieser Junge und Balian ebenfalls, können das nicht vergessen und müssen sich immer und immer wieder mit dieser Frage ausseinandersetzen.
Ich hoffe das hat deine Frage dahingehend beantwortet Icon_wink

Zitat:Ein Fels ist für mich etwas gewaltiges, großes. Das Licht ist aber klein und bringt Unheil. Da bin ich irgendwie drüber gestolpert. Der "Fels in der Brandung" ist doch bildlich gesprochen ein Rettungsanker, etwas an das man sich festhalten kann, etwas das Sicherheit bietet. Verstehst du wie ich es meine?
Treffenderweise hast du genau beschrieben, was der "Fels in der Brandung" aussagen soll Icon_wink Das Licht mag klein sein (relativ zum Meer gesehen ist auch ein Fels winzig), aber es trotzt dem gewaltigen, allumfassenden Nebel (entspricht dem Meer). Genauso verbildlicht es Hoffnung im ersten Moment. Etwas nähert sich Balian, das ihm helfen wird seine Fragen zu beantworten, eben den grauen Nebel seiner Vergangenheit zurückzudrängen. Diese Hoffnung wird im nächsten "Bild" durch den Einfall der schwarzen Krieger perversiert. Man könnte meinen die Möglichkeit der Aufklärung seiner Herkunft sei damit zu Nichte gemacht. Aber ohne die Auslöschung seines Dorfes, hätte sich Balian nie in die Welt hinausgewagt und er wäre so nie dem Geheimnis seiner Herkunft auf die Spur gekommen.

Zitat:Hier habe ich mich dann gefragt: Warum töten sie ihn nicht, wenn sie doch das ganze Dorf abschlachten? Warum bringen sie ihn zum Dorfplatz?
Eine Theorie ist, die lassen nur die Männer leben, dann wäre es aber schön gewesen es vorher schonmal zu erwähnen, er hat sich ja das Gemetzel mit angeschaut. Spätestens da wäre es ihm doch dann aufgefallen oder?
Hier muss ich dir Recht geben. Eigentlich wollte ich noch eine Begründung in diese Richtung mit einflechten, aber irgendwie muss ich das im Schreibprozess vergessen haben. Vielen Dank dafür!

Zitat:Ist das schon sein Lebenswerk?
Ist es, da es in schlichten, einfachen Verhältnissen eines Dorfes alles für die Existenz bedeutet. Was ist ein Mann ohne Haus? Welcher Vater würde so jemandem seine Tochter zur Frau geben? Wo sollen die Kinder aufwachsen? In unserer heutigen Zeit ist ein Eigenheimbau nur eins von vielen eher optionalen Zielen, in oben genannten Verhältnissen und Zeiten, ist es der Dreh- und Angelpunkt des Lebens. Verstehst du was ich damit sagen will?
Auf der anderen Seite, darfst du aber auch nicht aus den Augen lassen, das es sich hier um Balians subjektive Auffassung handelt. Für einen erst zum Mann gewordenen Jüngling (lachen muss ich bei dieser Bezeichnung Icon_lol ) gibt es erstmal nichts anderes als sein eigenes Haus zu besitzen Icon_wink

Zitat:Also, ganz ehrlich, ich mag die Geschichte und was das alles wohl mit der Siegelmagie zu tun haben wird? Ich bin gespannt!
Ich fand es flüssig zu lesen, einige Absätze zu viel, aber das ist ja auch Geschmackssache. Auch schön war es, dass Du einige lebendige Bilder in meinem Kopf erzeugen konntest.
Das freut mich, da vor Allem das mit den Bildern für mich sehr wichtig ist. Die Siegelmagie wird denke ich im übernächsten Kapitel wirklich eingeführt. Zuvor muss aber noch eine weitere Person die Bühne des Geschehens betreten: Damien.
Das nächste Kapitel ist bereits in Arbeit und wird hoffentlich bald fertig sein. Es würde mich freuen wenn du dabei bleibst!

Viele Grüße
Damien

PS: Ich hoffe 1. hat sich damit auch erklärt?
2. Perfekt.
3. Balian steht unter Schock, die wirklichen Emotionen (ich kann Sternchens entgeisterten Blick schon beinahe spüren Mrgreen ) kommen später, bzw. um einiges später, da er in den nächsten Kapiteln erstmal wenig Möglichkeiten hat sich auszuweinen Icon_wink


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Beitrag #9 |

RE: Siegelmagie [Kapitel I]
Zitat:(ich kann Sternchens entgeisterten Blick schon beinahe spüren Mrgreen )
=> o.O ... Icon_lachtot

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Beitrag #10 |

RE: Siegelmagie [Kapitel I]
Hallo Damien,

nun aber zu Deiner Antwort. Muss mich beeilen, bevor die Kinder wieder meine ganze Aufmerksamkeit verlangen.

Zitat:Ich hoffe das hat deine Frage dahingehend beantwortet Icon_wink

Nach der persönlichen Erfahrung deinerseits und dem Hintergrundwissen das ich jetzt dadurch habe, ist es irgendwie logischer, dennoch vielleicht kann man den Zwiespalt noch klarer zum Ausdruck bringen, aber man sollte das auch nicht zu sehr auf die Waagschale legen.Icon_wink


Zitat:Treffenderweise hast du genau beschrieben, was der "Fels in der Brandung" aussagen soll Icon_wink Das Licht mag klein sein (relativ zum Meer gesehen ist auch ein Fels winzig), aber es trotzt dem gewaltigen, allumfassenden Nebel (entspricht dem Meer). Genauso verbildlicht es Hoffnung im ersten Moment. Etwas nähert sich Balian, das ihm helfen wird seine Fragen zu beantworten, eben den grauen Nebel seiner Vergangenheit zurückzudrängen. Diese Hoffnung wird im nächsten "Bild" durch den Einfall der schwarzen Krieger perversiert. Man könnte meinen die Möglichkeit der Aufklärung seiner Herkunft sei damit zu Nichte gemacht. Aber ohne die Auslöschung seines Dorfes, hätte sich Balian nie in die Welt hinausgewagt und er wäre so nie dem Geheimnis seiner Herkunft auf die Spur gekommen.

Beim ersten lesen dachte ich Icon_confused, dann nochmal langsam Icon_wink ja besser, dann habe ich aber entschieden, ich verstehe es trotzdem anders Icon_slash Icon_wink. Ist ja auch Geschmackssache, vielleicht gefällt auch nur mir die Formulierung nicht. Icon_bussi

Zitat:Für einen erst zum Mann gewordenen Jüngling (lachen muss ich bei dieser Bezeichnung Icon_lol ) gibt es erstmal nichts anderes als sein eigenes Haus zu besitzen Icon_wink

Wenn man es aus dem Blickwinkel betrachtet, hast Du vollkommen recht!!!

Zitat:Es würde mich freuen wenn du dabei bleibst!

Auf jeden Fall!!!! Wave

Hochachtungsvoll

Miss Cathy


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