Es ist: 05-12-2021, 12:36
Es ist: 05-12-2021, 12:36 Hallo, Gast! (Registrieren)


Die passende Sprache?
Beitrag #1 |

Die passende Sprache?
Jo liebes Forum!

Ich und meine FragenMrgreen, aber mal ehrlich, eure Antworten auf die folgenden interessieren mich besonders:

Lest ihr fremdsprachige Bücher im Original oder übersetzt?

Achtet ihr überhaupt darauf, ob ihr eine Übersetzung in den Händen haltet oder macht euch erst der Autorenname stutzig, dass es sich um eine andere Originalsprache als Deutsch handeln könnte?

Ich persönlich versuche immer, an das Original zu kommen - bei englischsprachigen Autoren kein Ding, bei französischen oder italienischen muss schon das Wörterbuch her und bei japanischen Originalen artet das Lesen eher zu einer Arbeit als Unterhaltung aus, da ich wirklich jede Vokabel und ihren Sinn aufsaugen will. Icon_ugly Bei russischen, arabischen oder ganz anderen "exotischen" Autoren muss ich mich leider auf die Übersetzungen verlassen.

Damit zur nächsten Frage:
Wie kritisch lest ihr Übersetzungen? Läutet bei euch gleich die Alarmglocke, wenn sich stilistische oder sonstige Ungereimtheiten ergeben, es könnte am Übersetzer liegen? Würdigt ihr die Arbeit des Übersetzers oder ist es nur ein Name von vielen für euch?

Hier muss ich sagen, dass ich zwar Wert auf das Original lege und notgedrungen eben auf die deutsche oder englische Übersetzung zurückgreife, aber bei mehreren Fassungen nicht besonders auf die (unterschiedlichen) Übersetzer achte. Eine von den wenigen namhaften ÜbersetzerInnen, die ich kenne, ist Erika Fuchs, die verstorbene Übersetzerin von Micky Maus und Co.

Natürlich freue ich mich, wenn sich hier eine kleine Diskussionsrunde ergibt, aber ich möchte auch ein bisschen daran erinnern, dass ein gutes Buch nicht "bloß" Verdienst von Autor und Lektor, sondern auch Übersetzern ist, deren Leistungen oft Gefahr laufen vergessen zu werden.

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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Beitrag #2 |

RE: Die passende Sprache?
Hallo Sniffu,

ich muss zugeben, dass ich Übersetzernamen nicht einmal mit einem Blick würdige. Smiley_emoticons_blush Wenn man das so sagt, klingt es ein wenig traurig. Schließlich steckt viel Arbeit in einer Übersetzung. Die einzigen Übersetzer, die ich kenne, sind bekannte Dichter, die andere bekannte Dichter übersetzt haben.

Ob ich ein Buch im Original lese oder nicht, hängt sehr vom Buch ab und davon in welcher Sprache ich mit dem Genre als erstes in Berührung gekommen bin. Englischsprachige "Erwachsenenbücher" lese ich meist im Original. Abenteuerbücher und Fantasy am liebsten auf Deutsch, weil ich mich dann eher in meine Kindheit zurückversetzt fühle. Obwohl Harry Potter auf Englisch vielleicht besser ist, hänge ich doch sehr an der deutschen Übersetzung, weil es eben der Text ist, der mich als Kind so mitgerissen hat. Und um diese kindliche Begeisterung ein wenig zurückzubringen, greife ich auch bei neuen Büchern eher zu der deutschen Übersetzung. Bei Klassikern, wie zum Beispiel Jane Austen, mit wirklich ausgereifter, witziger Sprache, lese ich lieber das Original. Auch Science Fiction lese ich eher auf Englisch. In meinem Kopf passt es einfach.

Vielleicht liegt es aber auch an meiner Beziehung zur englischen Sprache. Ich mag sie. Meine Leben wäre ohne sie nur halb so schön, aber ich hänge nicht mit ganzem Herzen an ihr. Von mir aus, kann sie in einer Übersetzung bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt werden. Mit Russisch als Muttersprache, schrecke ich aber sehr vor deutschen Übersetzungen russischer Bücher zurück. Da würde ich mir nicht erlauben eine Übersetzung zu lesen. Es liegt auch an der Unterschiedlichkeit der beiden Sprachen. Zum Beispiel sehen Namen (und vor allem Kosenamen), die auf Russisch einen liebevollen Klang haben, in lateinischen Buchstaben einfach nur grob und barbarisch aus. Wenn ich sie mir dann mit deutscher Aussprache im Kopf vorlese, kommt es mir vor, als seien in dieser Aussprache alle Vorurteile enthalten, die ein Deutscher über einen Russen haben kann. Dann werde ich beim Lesen zu wütend, um mich noch auf den Inhalt konzentrieren zu können. So ist es übrigens auch mit englischen oder eher amerikanischen Namen. Als ich angefangen habe zu schreiben (und heute kann ich mich auch nur mit Mühe davon abhalten) habe ich immer amerikanischen Namen verwendet, weil sie einfach die ganze Coolness in sich tragen, die man aus amerikanischen Serien und Filmen kennt. Es ist aus deutscher Sicht eben eine wirklich "coole Kultur". Lustigerweise kenne ich auch sowjetischen Kinderbücher, in denen die Bösewichte englische Namen tragen. Es ist interessant zu sehen wie unterschiedlich es betrachtet werden kann. Aber ich schweife ab. Icon_lol

Ich habe aber das Gefühl, dass es mir schwerer fällt selbst zu schreiben, wenn ich gerade einen englischen Roman lese. Dann ist man im englischen Sprachfluss und es fallen einem einfach keine vernünftigen, deutschen Formulierungen ein, die man vielleicht mit Einfachheit hervorgezaubert hätte, würde man gerade ein deutsches Buch lesen. Ich frage mich übrigens, ob es dir auch so geht. Ich schreibe gerade einen Kommentar zu einer deiner Geschichten und da ist es mir auch aufgefallen, dass du manchmal englischanmutende Formulierungen verwendest. Icon_wink

Dann hoffe ich, dass hier noch die ein oder andere Antwort folgen wird.

Liebe Grüße,
Meluse


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Beitrag #3 |

RE: Die passende Sprache?
Hallo,
leider lese ich relativ selten englische Bücher, was vor allem daran liegt, dass ich einfach nicht besonders Sattelfest in der englischen Sprache bin, deswegen nicht alles verstehe und dann schnell frustriere. Mit anderen Worten: ich bin zu faul.
Allerdings kommt es hin und wieder vor, dass ich doch mal ein englisches Buch in den Händen halte und es dann auch lese. Oft sind es Bücher, die ich im Deutschen schon gelesen habe und die mir dort so gefallen haben, dass ich sie auch im Orginal lesen mag. Demnach habe ich dann den direkten Vergleich zwischen Übersetzung und Orginal.
Bisher hatte ich bei Büchern aber nie das Phenomän, dass ich dachte: boa, war die Übersetzung aber schlecht! (Allerdings schon öfter bei Serien) Klar, es gibt immer Punkte, die sich einfach nicht gut übersetzen lassen oder die man hätte besser übersetzen können, aber mein Gott! Soll mir niemand sagen, dass es so einfach wäre ein mehreren hundert Seiten dicken Text ganz ohne Fehler übersetzen zu können.
Wenn eine Übersetzung gut war, dann lese ich auch schon mal den Namen eines Übersetzers - habe aber, abgesehen von Büchern des gleichen Autors, noch keinen Übersetzer erwischt, den ich schon mal kannte.

Nun ja, und wenn mir ein Buch richtig gut gefällt und es für mich Suchtpotential in sich birgt, finde ich es grundsätzlich gut übersetzt. Selbst wenn sich da Fehler eingeschlichen haben - die Botschaft, die Charaktere und die Spannung wird mitreißend vermittelt und das ist es in meinen Augen, was eine taugliche Übersetzung ausmacht.

Bisher hatte ich jedenfalls nur ein Buch gehabt, wo ich den Verdacht hatte, dass da die Übersetzung vermurkst wurde - es waren einfach zu viele Stilfehler srin, die man einem gefeierten Bestsellerautor eigentlich nicht zurtauen sollte. Konnte die Vermutung aber nie auf die Probe stellen, da die Orginalsprache eben nicht Englisch war.

"Ganz besonders Ihr, [...], werdet irgendwann erkennen, dass eine Welt, die mit dem Begriffsvermögen eines einzigen Menschen zu erfassen ist, keine Welt wäre, in der es sich lohnen würde zu leben."

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Beitrag #4 |

RE: Die passende Sprache?
@Meluse

Ich hab deinen Kommentar schon überflogen (es braucht aber noch eine Weile, bis ich zum Antworten komme, keine Angst aber, eine Rückmeldung kommt sicherIcon_wink ), hab aber anscheinend nicht die Stellen gefunden, wo du englische Phrasensvetter zu erkennen meinst?

Speziell zu diesem Text kann ich nur sagen, dass ich stark beeinflusst von Charlaine Harris' Sookie Stackhouse-Serie war, die ich aber auf Deutsch gelesen habe. Wobei mir stellenweise bei der Übersetzung auch ein paar Formulierungen ins Auge gestochen sind, die eher englisch als "urdeutsch" angemutet haben. Von daher kann es ganz gut sein, dass ich so beeinflusst wurde.

Der Punkt, den du ansprichst, ist hochinteressant. Ich merke selbst, dass es beim Schreiben eher "flutscht", wenn ich die Tage davor viel gelesen habe. Als bester Input funktionieren da deutschsprachige Weltklassiker, also eher "schwere" Lektüre, deren stilistischer, wortreicher, inhaltlicher Umfang mein Hirn fast überreizt. Allerdings muss ich auch dann darauf achten, dass das, was ich schreibe, auch wirklich MEINS ist und nicht einfach wiedergekäut ist.

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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