Es ist: 13-11-2019, 15:20
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Terra Mater - Kapitel 3
Beitrag #2 |

RE: Terra Mater - Kapitel 3
“Scher dich zum Teufel, Mitchell! Und nimm deine sogenannten Freund gleich mit!”
Ich drehte mich um, nahm Cater am Arm und verließ fluchtartig Logans Nähe. Sein störrischer Blick bohrte sich in meinen Rücken. Ich drehte mich nicht um.
Nach ein paar Minuten emsigen Schweigens durchbrach ich die Stille.
“Was wollte dieser Kyle eigentlich?”, fragte ich Cater.
Dieser schnaubte. “Was jeder beliebte, fiese Schüler von einem Außenseiter wie mir will. Mein Geld, meine Würde, mein erst schon mickriges Selbstbewusstsein.”
Ich blieb stehen und fasste Cater am Kragen.
“Cater O´Bryan. Jetzt hörst du mir mal zu. Du bist weder mickrig noch irgendein Außenseiter. Das bist du nur, wenn du zulässt, dass andere dich zu einem Außenseiter machen. Also mach dich nicht so runter, verstanden?!”, knurrte ich ihn an. Cater schenkte mir ein schwaches Lächeln.
“Danke.”
Ich ließ ihn los und lief weiter.
“Und was war da zwischen dir und Mitchell?”
Mein Fußmarsch stockte kurz, dann hatte ich mich wieder gefangen. “Ich weiß nicht, was du meinst.”
“Ach komm!”, rief Cater aus. “Du weißt genau, was ich meine. Ihr saht … vertraut aus.”
“Wenn du mit vertrauen meinst, dass wir uns angeschrien haben, dann ja. Wir sind sehr vertraut miteinander.” Mein Sarkasmus ließ ihn kurz auflachen.
“Aber jetzt mal im Ernst: Was läuft zwischen euch? Ich meine, ich glaube dir das, was Hailey und du mir gesagt haben. Aber da steckt doch mehr dahinter, oder?”
Ich seufzte. Irgendwie kam es mir vor, als liefe ich einen Schritt nach vorne und zwei zurück.
Ich setzte mich auf die nächste Bank, Cater nahm neben mir Platz. Er sah mich aufmunternd an.
“Ich weiß es nicht. Es ist kompliziert. Er ist kompliziert. Ich meine, er war Anfangs so nett und ich dachte, er hat echtes Interesse. Ich meine, Interesse an meiner Person. Ich hatte versucht, ihn wegzustoßen, weil ich ihn für einen dieser typischen Angeber hielt. Letztlich habe ich doch nachgeben. Wir waren am See gewesen, und es war wirklich schön. Ich habe mich seit langer Zeit wieder sicher gefühlt.” Bei dieser Erinnerung musste ich lächeln. “Aber dann bin ich hingefallen, habe mir den Knöchel verstaucht. Ich habe keinen Arzt, weil … Ist ja jetzt auch egal. Jedenfalls hat er mich dann zu einem … Freund gebracht, der scheinbar Arzt ist. Aber er hat darauf beharrt, Asher dazu zu holen. Nachdem dieser dann da war, hat er sich endlich meinen Fuß angesehen. Asher hat Logan zu sich gepfiffen und sie sind beide raus. Und als er wiedergekommen ist, war er wie ausgewechselt. Ich kann ihn gar nicht mit dem Typen von vor ein paar Tagen vergleichen.”
Ich stützte den Kopf in den Händen. Dass es mich doch so mitnahm, überraschte mich. Cater legte mir mitfühlend einen Arm auf den Rücken und streichelte mich. Ich atmete tief durch.
“Das tut mir leid. Er scheint wirklich ein Arsch zu sein.”, kommentierte er meine Geschichte mitleidig.
“Ja.”, stieß ich verbittert aus. “Das ist er. Und ich Idiot bin trotzdem drauf reingefallen.”
“Dafür weißt du es jetzt besser, oder? Jetzt kannst du dich ja von ihm fernhalten. Du weißt ja jetzt, wie er ist.”
Ich atme tief ein. “Ja, du hast recht. Lass uns gehen.”


Die restliche Woche verlief ohne irgendwelche Schwierigkeiten. Ich konnte Logan problemlos ignorieren, weil er mich ebenso konsequent ignorierte. Ich lief mit Daisy, ich machte meine Hausaufgaben, aber ansonsten blieb ich Zuhause, ich joggte morgens allein. Mom rief mich an, um zu fragen, wann ich wieder kommen würde, aber ich wusste nicht, wie ich alles unter eine Hut bekommen sollte, also antwortete ich ihr nur vage.
Zwischendurch bekam ich die Mail von Mr Walter, in dem er mir meine Arbeitskleidung beschrieb, die ich danach sofort bestellte, und  in der auch stand, wann ich am Samstag arbeiten sollte. Ich sollte um sechs Uhr Abends anfangen, und normal bis um zwei Uhr nachts arbeiten.
Heute, der Samstag, war mein Probetag. Ich war schon den ganzen Tag nervös, was
Hailey belustigt zur Kenntnis nahm. Meine Arbeitskleidung hatte ich in einer kleinen Tüte in der Hand, als ich mich um kurz vor fünf auf den Weg machte.
“Viel Glück!”, rief Hailey mir noch hinterher, bevor ich sie mit Daisy allein ließ. Mir tat es leid, dass ich so wenig Zeit mit meiner Hündin verbringen konnte, aber irgendwie musste ich ja Geld verdienen.
Eine dreiviertel Stunde später war ich am Club. Der Bass dröhnte bereits aus dem Haus, auch wenn noch keine Gäste da waren. Hinter ihm sah ich die Sonne hinter dem Wald verschwinden und rote Strahlen auf die Scheune werfen, die diese sofort verschluckte. Ein paar Männer und Frauen standen vor der Eingangstür und rauchten, allesamt in schwarz gekleidet, während sie mir kurze Blicke zu warfen. Mit gesenktem Kopf lief ich an ihnen vorbei nach drinnen.
“Wir öffnen erst um sieben.”, brummte mich plötzlich ein Bär von der Seite an. Ich sah erschrocken auf. Er war bestimmt zwei Meter, hatte kurz geschorene Haare und einen riesigen Ring zwischen den Nasen. Seine bullige Erscheinung wurde durch die schwarzen Klamotten noch verstärkt. Er hatte auf seinen massigen Armen viele unterschiedliche Tattoos und strahlte eine unterschwellige Drohung aus. Wenn er nicht der Bodyguard war, war ich die Queen.
“Ich … ich bin … “; stotterte ich eingeschüchtert.
“Sid, lass sie vorbei. Sie ist die neue Mitarbeiterin.”, hörte ich in dem Moment Mr Walters Stimme und sah erleichtert auf. Diesmal trug er eine moderne grüne Weste und eine schlichte Jeans dazu.
Sid brummte kurz, ließ mich dann aber vorbei. Ich ging schnell zu Mr Walter, der mich freudig empfing.
“Miss Meloy, ich freue mich, Sie zu sehen.”, begrüßte er mich und führt mich dann durch die Halle.
“Ich mich auch, Mr Walter.”, erwiderte ich nervös.  
Er führte mich zu der Bar, wo eine hochgewachsene Brünette uns empfing. Sei trug dieselbe Arbeitskleidung, die ich mir auch besorgen musste: ein weißes Oberteil mit einem zugebundenen Knoten in höhe des Bauchnabels, kurze, karierte Röcke und schwarze Strümpfe. Es erinnerte mich schwer an meine Uniform in der Grundschule, nur waren sie dort nicht so verflucht kurz. Als ich sie in meiner Wohnung anprobierte, war ich über die Kürze total erschrocken. Ich hatte keine 90/60/90 Maße, die ich vorweisen könnte. Mein Bauch war nicht wirklich vorzeigbar und selbst meine Oberschenkel hatten Oberschenkel. Hailey hat mich nur für verrückt erklärt, aber schließlich hatte jeder irgendwelcher Komplexe. Ich musste eben mehr Sport machen, aber ich fand kaum Zeit dafür.
“Das ist Jenna. Sie ist eine gute Freundin von mir und arbeitet schon fast so lange wie ich in diesem Laden. Sie wird dir helfen, dich hier zurecht zu finden und dir alles zeigen und erklären. Ich überlasse dich in ihrer Obhut.”
Mr Walter nickte uns beiden zu und verließ uns. Ich sah mir Jenna genauer an. Sie war einen halben Kopf größer als ich, eine freche Kurzhaarfrisur mit blauen Strähnen, braun-schwarzen Augen und eine etwas rundliche Figur, die ihrem Aussehen aber keineswegs schadete. Sie lächelte mich herzlich an.
“Hi.”, sagte sie, und der fröhliche Ton in ihrer Stimme ließ mich einen Teil meiner Anspannung verlieren.
“Äh … Hallo. Ich bin Freya Meloy.”
“Freut mich, Freya. Komm mit, ich zeige dir erstmal, wo du dich umziehen kannst. Es ist
doch okay, wenn ich dich duze? Das machen wir hier alle.”
Ich nickte. “Klar.”
Sie führte mich hinter die Bar durch eine kleine Tür, die in einen schmalen, grauen Gang führte. Dieser endete in einem abgedunkelten Raum mit vielen Schließfächern und einigen Kabinen.
“Such dir ein Schließfach aus und zieh dich um. Pass aber auf, es gibt hier keine getrennten Umkleiden, deswegen sind hier Kabinen. Ich bin vorne bei der Bar. Wenn du fertig bist, komm einfach vor. Hast du einen Haargummi?”
Ich schüttelte den Kopf und sie reichte mir einen. “Es ist am besten, wenn du deine Haare zurück bindest, dann stören sie nicht. Deswegen habe ich mir meine Haare auch abschneiden lassen. Gut, also, bis gleich.”
Wie ein Wirbelwind fegte sie durch den Raum nach vorne. Ich musste lächeln. Vielleicht wurde der Tag doch nicht so schlimm.
Ein paar Minuten später hatte ich mich in meine Arbeitsuniform gezwängt. Ich sah mich in dem kleinen Spiegel an sagte mir, dass es schon nicht so schlimm aussah. Dann machte ich mir einen hohen Zopf. Okay, ich sollte nicht mehr in den Spiegel sehen. Schnell schloss ich meine Tasche inklusive meines Handys und meinen Klamotten im Spind ein. Ich lief den Flur zurück zur Bar, wo Jenna sich mit einem weiteren Mann unterhielt. Er war etwas dicklich, hatte eine Nerdbrille auf der Nase und kinnlange strohblonde Haare. Mit seinem lieben Gesicht erinnerte er mich etwas an Cater.
“Hi.”, sagte ich schüchtern und stellte mich neben Jenna.
“Da bist du ja. Das hier ist Isaac. Er ist ebenfalls Student, also habt ihr ein Gesprächsthema, solltet ihr mal die Zeit haben, ein Gespräch zu führen. So, komm mit.”
Jenna packte meine Hand und zerrte mich zum Barkeeper. Dort lehnte sie sich an die Wand.
“Es gibt hier einfach Regeln. Wenn du die drauf hast, wird das alles kein Problem. Regel Nummer eins: Du musst die Getränkekarte auswendig wissen, inklusive . Manche wollen hier auch was Essen, aber die meisten kommen zum Trinken und Feiern. Wobei wir schon bei Regel Nummer zwei wären. Manche von unseren Gästen verlieren mit der Menge an Alkohol ebenfalls ihre Gehirne. Sie werden aufdringlich. Wenn sowas passiert und du selbst nicht mehr klar kommst, holst du entweder Sid, den Bodyguard, oder einen von der Security hier. Sollte es dann immer noch nicht klappen, was höchst unwahrscheinlich ist, kannst du Mr Walter holen. Aber das ist deine letzte Option, klar? Gut. Du musst während deiner gesamten Schicht ein Lächeln auf den Lippen haben. Du musst immer höflich und nett sein, auch wenn der Typ dir gerade an die Titten gefasst hat und du ihm die Eier rausreißen willst, klar?”
Ich atmete tief durch. Du brauchst das Geld!, rief ich mir ins Gedächtnis. Also nickte ich entschlossen und ging die einzelnen Regeln erneut durch. Das würd ich doch schaffen, oder?
“Für den Anfang ist es okay, wenn du einfach nur die Nummer der Getränkekarte aufschreibst, wenn die Kunden genau wissen, was sie wollen. Buddy, der Barkeeper, kennt die Zahlen in- und auswendig. Falls einer der Kunden nicht weiß, was er möchte, kannst du freundlich darauf hinweisen, dass er seinen Arsch gefälligst an die Bar bewegen soll oder schlägst ihm einen Sex on the Beach oder Bloody Mary vor. Irgendwas herkömmliches, da musst du keine Inhalte aufsagen. Sollte etwas sein, kannst du mich einfach ansprechen, okay?”
Ich nickte angespannt. Das war ziemlich viel, was ich mir merken sollte, doch das würde ich schon schaffen. Ich sah zuversichtlich dem Abend entgegen. Außerdem
hatte ich nicht das Gefühl, dass ich hier stören würde. Bis jetzt gab Jenna mir das Gefühl, willkommen zu sein.
Um sieben Uhr war der Einlass. Der Raum füllte sich und der regelmäßige Beat dröhnte in meinem Kopf nach. Ich schrieb größtenteils nur die Nummern der Getränke auf und versuchte mir gleichzeitig die Getränke zu merken. Aber Buddy, ein glatzköpfiger, sprunghafter und lauter Mann Ende dreißig, half mir und sagte mir bei jeder Nummer das passende Getränk und deren Inhalte. So lernte ich im Laufe des Abends einige Getränke kennen und konnte am Ende schon mehrere Getränke auswendig. Die Männer wurden wirklich sehr aufdringlich, vor allem bei einem, wie sie es nannten, Frischfleisch. Ein paar Mal musste Jenna eingreifen, weil ich einige Männer nicht abschütteln konnte. Und zum Ende der Schicht hin hatte ich vier neue Nummern und viele Komplimente über mein Äußeres, die mein Selbstbewusstsein stärkten. Das hätte ich nie gedacht, aber es hatte mir wirklich Spaß gemacht. Aber es war so. Mr Walter bat mich am Ende meiner Schicht zu sich und verkündete mir, das ich den Job hätte. Ich war so erleichtert, dass es nach all den Absagen endlich geklappt hatte, auch wenn ich nie gedacht hätte, in diesem Business mitzumischen. Am Ende hatte ich jedoch einen Arbeitsvertrag und ich hatte mit Mr Walker ausgemacht, mein Geld am jeweiligen Arbeitstag zu bekommen, so wie die anderen auch. Und als ich um drei Uhr endlich in mein Bett fiel, taten mir zwar alle Knochen weh, aber ich war zufrieden. Ich würde Geld verdienen, Daisy komplett durchfüttern und die Miete bezahlen können und es blieb sogar noch etwas für mich übrig. Die erste Hürde war genommen.
In diesem Moment ahnte ich noch nicht, das diese Hürde die mit Abstand leichteste war, die auf mich zu kam.


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Terra Mater - Kapitel 3 - von LaMi0603 - 01-06-2019, 10:48
RE: Terra Mater - Kapitel 3 - von LaMi0603 - 01-06-2019, 11:12

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