Es ist: 21-09-2020, 04:51
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Terra Mater - Kapitel 2
Beitrag #2 |

RE: Terra Mater - Kapitel 2
Wieder erfüllte unangenehmes Schweigen die Luft um uns. Ich sah in einiger Entfernung Leute vom Campus im Wasser baden. Einige spielten im Wasser mit einem Strandball, andere lagen faul auf der Wiese und tranken Bier. Jetzt kam ich mir komisch vor, dass ich ganz allein hier war, außer Daisy und irgendwie auch Logan. Ohne einen Ball oder Bier oder sonst was.
Da kam Daisy zu uns gepaddelt, in ihrer Schnauze hatte sie einen schmalen Stock. Ich wusste sofort, worauf sie anspielte. Ich nahm ihr den Stock ab und warf ihn weiter in das Wasser. Sofort schwamm Daisy zu dem Stock, schnappte ihn sich und schwamm weiter zu Logan, der das Schauspiel belustigt beobachtete. Er nahm den Stock und warf ihn zu mir. Ich fang ihn und warf ihn zurück. Logan griff übertrieben weit nach dem Stock und platschte ins Wasser, was mich zum Lachen brachte. Prustend tauchte er wieder auf, während ich versuchte, mein Kichern zu stoppen und einen ernsten Blick aufsetzte. Er kniff die Augen zusammen, nahm den Stock und warf ihn zu mir. Allerdings so weit hinter mir, dass ich mein Gleichgewicht verlor und der Länge nach im Wasser landete.
“Hey!”, rief ich und spritzt Logan Wasser zu.
“Hast du grade nicht gemacht.”, brummte er und ich machte einen Schritt zurück.
“Und wenn doch?”, forderte ich ihn heraus. Er sah mich noch einen Moment an, dann kam er so plötzlich auf mich zu, dass ich nicht reagieren konnte. Daisy war inzwischen wieder an Land und sah uns aus sicherer Entfernung zu.
Logan packte mich und hob mich auf seine Arme. Er grinste auf mich herunter. Ich spürte seine Wärme, und bekam eine Gänsehaut, was nichts mit der kalten Luft zutun hatte. Überdeutlich spürte ich unseren nicht vorhanden Abstand und war mir voll bewusst, dass mein gesamtes Gewicht auf seinen Armen lag. Mein gesamter Körper kribbelte nervös.
“So schnell also?”, zog er mich auf.
Ich schlug ihn auf die Brust, wahrlich muskulös, und zappelte in seinem Griff. “Das hättest du wohl gerne.”
Er zwinkerte, dann ließ er sich unter Wasser plumpsen und zog mich mit. Ich hatte damit gerechnet, hielt die Luft an und wartete, bis Logan so gnädig war und uns wieder nach oben brachte. Ich war ganz nah an ihm, spürte seine Wärme an meiner Haut und wagte nicht, mich zu bewegen. Logan roch so gut, so frisch und fruchtig. Wieder erinnerte mich sein Geruch an Mandarine und irgendwas herbes, was ich nicht definieren konnte.
Er sah auf mich herunter. Aus seinen Haaren tropfte Wasser auf mich herunter und glitzerten in der Sonne. Auf seiner Haut glänzten Wassertropfen in der Sonne und liefen runter. Verdammt, wie kann man nur so gut aussehen? Er wirkte auf mich wie ein wahr gewordener Traum. Unsere Blicke verhakten sich und ich bemerkte, wie Logan sich langsam zu mir beugte, sein Blick heftete sich auf meine Lippen.
Einiges Gekicher ließ mich schließlich aufschrecken. Ich bemerkte, wie einige in unsere Richtung gafften, und spürte, wie sich meine Wangen verfärbten. Ich unterbrach den Blickkontakt und sah verlegen nach unten.
“Lass mich runter.”, bat ich ihn dann leise.
Logan hob den Blick und sah zu den anderen, dann nickte er kurz und ließ mich wieder herunter. Ich atmete kurz ein, als das kalte Wasser auf meine inzwischen wieder erwärmte Haut traf, aber genauso schnell war das Gefühl wieder verschwunden.
“Daisy?”, rief ich zum Ufer. Sie wackelte mit dem Schwanz und bellte, bevor sie wieder ins Wasser auf mich zu schwamm.
“Sie ist gut erzogen.”, stellte Logan lächelnd fest.
Ich sah schüchtern zu ihm. “Meine Mom hatte sie mir geschenkt, vor zwei Jahren. Sie hatte sie von der Straße aufgelesen, halb verhungert und verwahrlost. Ich habe mich um sie gekümmert und sie erzogen. Sie ist meine beste Freundin.”, erklärte ich und nahm meine Hündin auf den Arm. Daisy hielt ganz still, während ich sie kraulte.
“Das sieht man.” Ich begegnete Logans Blick, der mich wieder gefangen nahm. Was hatte dieser Junge nur an sich, was mich so fesselte? Es würde schwierig werden, mich nicht auf ihn einzulassen, wenn er es lieber anders hätte. Wie sollte ich das nur schaffen?
In diesem Moment wurde ich von hinten angerempelt. Ich verlor das Gleichgewicht, Daisy fiel mit ins Wasser und ich versuchte mein Gleichgewicht möglichst schnell wiederzufinden, trat dabei aber so ungünstig auf, dass mein Fuß sich verdrehte und ich trotzdem ins Wasser fiel. Sofort war Logan an meiner Seite und hielt mich fest, damit ich nicht unterging.
“Hast du keine Augen im Kopf?”, knurrte er den Jungen an, der mich angerempelt hatte.
Doch er grinste nur frech. “Wette, du bist jetzt viel näher an ihr, als die kleine prüde Fotze dich sonst rangelassen hätte.”
Ich spürte, wie Logans Muskeln sich anspannten und er auf den Jungen zulaufen wollte. Doch er war vielleicht ein, zwei Jahre jünger als ich, weshalb ich Logan zurückhielt. Er hätte sich ohne weiteres auf ihn stürzen können, doch er erstarrte förmlich unter meiner Berührung. Logan sah zu mir, atmete tief durch und warf dem Jungen einen tödlichen Blick zu.
“Verzieh dich!”, sagte er reichlich angepisst zu dem Kleinen. Dieser feixte wie ein Kind, was bei etwas Verbotenes erwischt wurde und keine Strafe erwartete, und rannte zu seinen Freunden, die sich sofort um ihn scharten. Ich schätzte, das dies eben kein Unfall war. Ich schnaubte und verdrehte die Augen.
Logan half mir hoch und beruhigte sich langsam wieder. “Alles okay?”, fragte er besorgt. Ich nickte, sog aber gleich darauf scharf die Luft ein, als ich meinen verdrehten Fuß belastete.
“Es … geht gleich wieder.”, stieß ich aus, stützte mich aber gleich noch mehr auf ihn. Logan brummte, nahm mich dann kurzerhand auf den Arm und trug mich aus dem Wasser. Daisy schwamm vorneweg und wartete aufgeregt auf dem Ufer auf uns. Logan trug mich die Wiese hoch und setzte mich auf mein Handtuch ab. Dann begann er, meinen Fuß abzutasten. Ich verzog mein Gesicht und unterdrückte einen Schmerzschrei,  als er ihn bewegte.
“Ich bringe dich ins Krankenhaus.”, beschloss er dann und erhob sich.
Ich wehrte ab. “Brauchst du nicht. Nach einer ordentlichen Kühlung und Ruhe wieder der wieder.”, sagte ich leichthin. Mein Herz pochte schnell und meine abgekühlten Wangen begannen wieder zu glühen.
Logans Blick war ernst und besorgt, als er mich ansah. Er schien fest entschlossen. “Nein, ich werde dich zu einem Arzt bringen. Es kann sein, dass du dir den Knöchel gebrochen hast. Du kannst doch kaum laufen.”, beharrte er und beugte sich zu mir.
“Logan, bitte. Es geht mir gut. Ich komme schon klar.”, behauptete ich eingeschnappt und sah zur Seite.
Logan griff nach meinem Kinn und drehte es zu sich. “Hör zu, bei sowas lasse ich nicht mit mir reden. Ich werde auf dich aufpassen und mich um dich kümmern. Du brauchst nicht die Heldin zu spielen, lass dir einfach helfen.”
Ich sah ihn stirnrunzelnd an. “Wieso ist dir das so wichtig?”
“Weil du mir wichtig bist.”
“Du kennst mich doch erst eine Woche.”, erwiderte ich schwach und verwirrt.
Logan grinste überheblich. “Ich habe ziemlich gute Menschenkenntnisse und merke ziemlich schnell, wenn jemand Hilfe braucht.”
Ich verdrehte die Augen. “Ich bin definitiv keine Jungfrau in Nöten.”
“Da gebe ich dir recht.”
Ich schlug ihn auf den Arm und er lachte.
Dann wurde er wieder ernst. “Ich bringe dich jetzt zum Arzt. Keine Widerrede.”
Seufzend gab ich nach. “Gut. Aber ich muss Daisy nach Hause bringen. Hailey müsste inzwischen daheim sein.”
Logan nickte und half mir auf. Er hatte recht, ich konnte ohne seine Hilfe kaum laufen. Viele Leute gafften uns an, als wir an ihnen vorbei liefen. Logan hatte seinen Arm um mich gelegt und stützte mich, während ich mich unbemerkt an ihn kuscheln konnte. Wenn auch widerwillig, verstand sich. Und natürlich drückte er mich auch nicht an sich. Das wäre ja lächerlich.
Hailey war natürlich geschockt, als sie mich im Arm von Logan sah. Sie stand auf den Treppenstufen und hatte einen Stapel Briefe in der Hand, als wir am Haus anhielten. Hoffentlich blieb Mrs Duncan, wo sie war.
“Was ist denn mit dir passiert?”, fragte sie erschrocken und rannte auf mich zu.
Ich winkte ab. “Kleiner Badeunfall, nichts schlimmes.”
Sie verdrehte die Augen. “War ja klar, dass man dich nirgendwo hin allein lassen kann.”
Sie nahm Daisys Leine, die ich ihr reichte, und sah dann Logan an.
“Ich bringe sie zum Arzt.”, knurrte er und drückte mich noch gleich etwas dichter an sich. Mein Bauch schlug Purzelbäume.
Hailey nickte kurz und ich sah sie entschuldigend an. Wieso muss Logan immer so unfreundlich sein? Das letzte Mal war es noch anders gewesen. Er war nett gewesen. Was war zwischen ihnen passiert?
“Komm.”, sagte er leise, und wesentlich freundlicher zu mir. Ich hatte dem nichts entgegenzusetzen, also winkte ich Hailey kurz zu und ließ mich von Logan zu seinem Wagen führen, der etwas von unserem Haus entfernt parkte. Es war nur ein kleiner, schwarzer Audi, aber ich hatte mir auch nichts anderes vorgestellt. Er war so wie Logan. Ruhig, unauffällig, aber es brodelte unter der Oberfläche.
Logan öffnete mir die Tür und ich ließ mich auf den Beifahrersitz sinken. Im Wagen roch es nach Pfefferminze und Zitronengras, ich sah seinen Lufterfrischer unter dem Rückspiegel baumeln.Die Sitze waren aus weichem Leder und ich war froh, dass im Fußraum genug Platz war, um meinen Fuß auszustrecken.
Logan umrundete den Wagen und stieg neben mir ein. Er startete den Wagen mit einem leisen Brummen und einem Seitenblick zu mir, und wir fuhren los. Die Digitaluhr zeigte sechzehn Uhr an. Hatte um diese Zeit noch ein Arzt offen?
“Bei welchem Arzt bist du?”
Ich sah verlegen aus dem Fenster. Wie sollte ich ihm erklären, dass ich keinen Arzt hatte? Meine Mom hatte große Geldprobleme, eine Arztrechnung konnten wir uns nicht leisten. Sie hatte zwei Jobs, um die Rechnungen des Hauses auszugleichen. Ich fragte mich oft, wieso sie das Haus nicht einfach verkaufte. Vor allem jetzt, wo ich nicht mehr Zuhause bin. Irgendwas hielt sie dort, aber ich konnte nicht nachvollziehen, was.
“Freya?”
Ich seufzte. “Ich hab keinen Arzt.”
“Was? Wieso hast du keinen Arzt?”, wiederholte er fassungslos und warf mir einen weiteren Seitenblick zu, während er an einer roten Ampel hielt.
“Naja … ein Arzt war einfach zu teuer und…” Meine Stimme verklang. Es war mir so peinlich.
Logan erwiderte nichts, sondern blickte, als die Ampel grün zeigte, bevor er an der nächsten Kreuzung abbog.
[color=#000000][size=small][font=Verdana]“Wo bringst du mich hin?”, fragte ich, als wir langsam durch einige dunkle Straßen fuhren. Die Häuser hatten sich verändert, waren deutlich abgenutzt und nicht so gepflegt, wie ich sie bis jetzt kannte. Boston hatte scheinbar auch Schattenseiten.“Ich bringe dich zu meinem Arzt.”, brummte Logan. “Willkommen im Armenviertel.”

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Terra Mater - Kapitel 2 - von LaMi0603 - 01-06-2019, 10:51
RE: Terra Mater - Kapitel 2 - von LaMi0603 - 01-06-2019, 11:07

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