Es ist: 26-02-2020, 01:26
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Die Götter der Germanen - Teil 4
Beitrag #1 |

Die Götter der Germanen - Teil 4
Verschlafen drehte sich Hahn um. Es hatte seine Vorteile, ein Hauptsturmführer der Kripo zu sein. Zum Beispiel wurde die Wohnung mittlerweile danach ausgesucht oder zugeteilt, ob ein Telefonanschluss darin vorhanden war. Es klingelte allerdings nur dann, wenn Hahn ausschlafen wollte.
Müde stand er auf und ging im Schlafrock in den Gang, nahm den Hörer ab und krächzte seinen Namen in die Sprechmuschel.
„Hahn, Voecks hier. Würde es Ihnen etwas ausmachen, sofort in mein Büro zu kommen? Und ich meine sofort! Ich habe hier zwei Männer aus dem Hauptamt. Wegen des Vorfalls gestern Abend. Beeilen Sie sich!“
Voecks legte ohne auf eine Antwort zu warten auf.

„Da ist er ja endlich!“, freute sich der lange Voecks mit den kurzen, ergrauenden braunen Haaren und sah wirklich erleichtert aus.
„Meine Herren, das ist Hauptsturmführer Hahn“, stellte Voecks ihn vor, nachdem er sein Büro betreten hatte. Dann deutete er nacheinander auf die beiden anwesenden Herren.
“Hahn, das hier sind Sturmbannführer Effer und Obersturmführer Wittholz vom SS-Hauptamt. Sie sind hier um die Zuständigkeiten in dieser dummen Sache von gestern zu klären.“
Hahn grüßte die beiden Herren mit dem Deutschen Gruß, trat dann zum Schreibtisch seines „Chefs“. Das Büro war geräumig und wurde von einem großen, wuchtigen Schreibtisch aus massivem braunen Holz beherrscht, der genau gegenüber der Tür stand. Hinter dem Schreibtisch saß Voecks und präsidierte, während die beiden SS-Männer auf dem großen Platz rechts und links davon auf normalen Holzstühlen saßen. Hinter Voecks hingen alte Urkunden, seine Diplome und direkt über seinem Kopf ein Bild des Führers.
Die beiden Männer in den schwarzen SS-Uniformen, mit den nach oben offenen Winkeln des „Alten Kameraden“ auf dem rechten Ärmel, waren höflich aufgestanden und streckten ihm die weiß behandschuhten Hände hin. Effer drückte kräftig zu, während Wittholz’ Hand wie ein nasser Lappen in der seinen lag.
Die Alten Kameraden setzten sich sofort nach der Begrüßung wieder auf die Stühle und Hahn tat es ihnen gleich.
Effer grinste Voecks an und setzte sich in Positur.
„Zur Richtigstellung, wir sind nicht vom Hauptamt, wir sind vom Amt IV des Reichssicherheitshauptamtes.“ Effer grinste noch breiter, während Voecks ihn erschrocken ansah. Dann richtete Effer seinen Blick auf Hahn, während dieser den sichtlich geschockten Voecks betrachtete und leise lächeln musste.
„Wir ließen uns nur als SS-Hauptamt-Männer melden, um die Geheimhaltung zu gewährleisten. Aber fangen wir endlich an.“
Voecks Albtraum war wahr geworden. Vor ihm standen zwei Geheime der Gestapo.
„Hauptsturmführer, gestern Abend gegen sieben Uhr wurde Ihnen ein Unfall gemeldet, bei dem man eine Leiche fand. Ist das korrekt?“, tönte Effers Stimme etwas überlaut durch den Raum. Dieser Mann war es gewohnt zu verhören und nur durch die Gewalt seiner Stimme und der Angst vor seiner Uniform an Informationen zu kommen.
„Ja, Sturmbannführer.“
„Die Leiche war in einer Kiste auf der Ladefläche eines LKWs, der zum KL Dachau unterwegs war?“
„Korrekt, Sturmbannführer!“
„Der LKW gehörte zu den Totenkopfverbänden?“
Hahn bejahte auch diese Frage und fragte sich, worauf Effer hinaus wollte. Die Antworten auf seine Fragen hätte er auch aus Hahns Bericht ersehen können, den dieser gestern Abend noch erstellt und für seinen Chef bereitgelegt hatte.
„Gut, soviel zu den Fakten.“ Effer rieb sich die Hände. „Hauptsturmführer, ich muss Ihnen leider sagen, dass die Leiche eindeutig jüdisch war.“
Hahn merkte, wie Effer jetzt zum Punkt kam und setzte sich aufrecht auf den Stuhl, um kein Wort des Sturmbannführers zu versäumen.
„Und deswegen sind wir hier. Eine unerklärliche jüdische Leiche, die aus einer Kiste fällt, ist Sache des Reichssicherheitshauptamtes. Und zwar des Referates B 4 Juden, Amt IV, Geheime Staatspolizei.“ Effer legte eine kurze Kunstpause ein, in der Hahn die verschiedenen Ämter und Dienststellen sortierte.
Effer sprach vom Reichssicherheitshauptamt. Unter seinem Dach waren alle Dienststellen, die mit der internen und externen Sicherheit des deutschen Reiches zu tun hatten, zusammengefasst. Wenige wussten genau, dass dieses Amt existierte. Die untergeordneten Ämter kannten viele, die Gestapo, die Kripo und so weiter. Aber das RSHA hatte keine Adresse, keine eigenen Briefbögen oder sonst ein Erkennungszeichen. Es existierte lediglich in kursierenden Gerüchten und die bloße Erwähnung des Amtes reichte meist aus, dem Gegenüber Respekt einzuflößen. Nur eine Dienststelle war noch furchteinflößender: Der Stab des Reichsführer-SS und Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler. In seinem Hang zu Abkürzungen kürzte Himmler seine Titel einfach mit RFSSuChdDtPol ab.
Walter Hahn war mehrmals mit beiden Dienststellen in Kontakt gekommen und immer zu seinem Nachteil. Vor allem bei diesem Devisenfall, als er unbedingt den Täter fassen wollte. Nach diesen Kontakten und sicher nach dem Devisenfall war Hahn sogar so schlecht angesehen, dass er sich auf Anweisung des Brigadeführers und Leiter des Amtes V „Verbrechensbekämpfung“ des Reichssicherheitshauptamtes Arthur Nebe, vor etwas mehr als einem halben Jahr „freiwillig“ zur Abkommandierung zu einer Einsatzgruppe im Osten melden musste. Hätte er sich nicht gemeldet, würde er jetzt eine Kompanie an der Front führen. Oder nicht mehr.

Effer riss ihn laut und mit voller Betonung aus seinen Gedanken.
„Also der Gestapo!“, sagte er und sah Hahn voll ins Gesicht. Aber Hahn weigerte sich, den Blick zu senken und sah gleichzeitig im Augenwinkel, wie Voecks zusammenzuckte.
„Was ich Ihnen jetzt sage, Hahn, muss unter allen Umständen in diesem Raum bleiben. Das gilt auch für Sie, Voecks. Die Leiche, die Sie gestern Abend gesehen haben, war ein Testobjekt.“ Effer ließ diese Worte, die er in vertraulichstem, geheimniskrämerischstem Ton mit gesenkter Stimme sprach, auf die Zuhörer wirken.
„Neue, furchtbare Waffen werden entwickelt, um den bolschewistischen Feind niederzuwerfen. Um die Wirksamkeit dieser Waffen zu testen, brauchen wir Menschen. Auf diese Art kann sogar der Volksfeind noch etwas für uns tun. Haben Sie die Tragweite dieser Angaben begriffen?“
Effer sah Hahn und dann Voecks an. Hahn nickte nicht besonders langsam, aber etwa halb so schnell wie Voecks.
„Ich werde es Ihnen beiden verdeutlichen: Es gibt keinen, ich wiederhole, keinen Fall und folglich auch keine Leiche. Alle Aufzeichnungen und Akten über diesen Vorgang sind mir auszuhändigen“, sagte Effer, zog ein zweimal gefaltetes Blatt Papier aus der Brusttasche seiner schwarzen SS-Uniform und reichte es Voecks.
„Hier ist der Befehl des Reichsführers-SS. Die Leiche wurde schon aus der Leichenhalle abgeholt und ihrer Bestimmung zugeführt.“
Effer schwieg. Voecks überflog den Befehl und seine Augen blieben an der Unterschrift hängen.
„Sie haben es gehört Hahn. Geben Sie den Herren die Akte, die sie gestern Abend angelegt haben“, wies Voecks ihn eingeschüchtert an und begann selbst, eifrig in den Papieren auf dem wuchtigen Schreibtisch zu kramen.
„Da ist er ja. Sturmbannführer, Hahns Bericht“, und Voecks Worte hörten sich so künstlich und unsicher an, als wollte Voecks etwas sagen, nur um nicht in einem stillen Raum mit den beiden Männern zu sein.
Er reichte Effer die beiden Blätter, während Hahn immer noch da saß und sich nicht regte.
„Na los, Hahn, machen Sie schon“, fuhr Voecks ihn an, als er Hahns Starre bemerkte.
Absichtlich schwerfällig und langsam stand Hahn auf und verließ das Büro. In seinem Kopf jagten sich die ihm vorstellbaren Möglichkeiten für das, was hier gespielt wurde. Und was er tun konnte, damit er nicht in wenigen Minuten ohne Leiche, ohne Fall und ohne Bericht da stand. Wenn er alles abgab, hätte er auch gestern Abend Ahlers alles übergeben können.
Wittholz folgte ihm schweigend.
Hahn übergab dem Obersturmführer das Blatt mit seinen handschriftlichen Notizen in seinem Büro, das Voecks als Akte bezeichnet hatte.
Ein „Mehr haben wir leider nicht“, konnte sich Hahn nicht verkneifen.
Wittholz nahm das Blatt schweigend und ging zurück in Voecks Büro und diesmal folgte Hahn Wittholz.
Der Abschied war kurz und weder freundlich noch unfreundlich, rein dienstlich. Hahn ging gemeinsam mit Effer und Wittholz zur Tür, ließ Voecks zurück, der halb zusammengesunken hinter seinem wuchtigen Schreibtisch sitzen blieb.


Glossar
Alte Kameraden – Bezeichnung für die ersten Mitglieder der SS mit niedriger Mitgliedsnummer. Sie durften einen nach oben offenen Winkel am Arm tragen, der sie als Alte Kameraden auswies.
Referat B 4 Judenangelegenheiten, Geheime Staatspolizei – Zuständig für Juden- und Räumungsangelegenheiten, Leiter dieses Referats war Adolf Eichmann


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Die Götter der Germanen - Teil 4 - von Teja - 10-06-2008, 18:24

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