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Es ist: 28-11-2021, 06:12
Es ist: 28-11-2021, 06:12 Hallo, Gast! (Registrieren)


OT: Schattengeburt (vor 2889 Jahren)
Beitrag #1 |

OT: Schattengeburt (vor 2889 Jahren)
Hallo,
diese Geschichte ist ein für mich ein ganz besonderes Werk und ich möchte gerne Eure Meinung dazu hören. Icon_smile

Anmerkungen: Die Namensähnlichkeit zwischen der hiesigen Protagonistin und meinem Charakter Kadiya ist beabsichtigt.

Schattengeburt

Protagonist:
Rhõfal dîn morà (Dúredhel)

Ort:
Gebirge im Norden Athalems
Höhlenfestung der Dúredhel: Tâmin leth’ihend Duâth
[etwa: Schmiede der süßen Finsternis]


Schimmernd suchte sich das Blut seinen Weg, rann über die rostigen Glieder der Ketten, hinab in den kleinen Trog aus Rotgold. Das dumpfe Leuchten von Millionen von Krêl brach sich darin, verlieh ihm die Farbe frisch geborenem Magmas.
Rhõfal, zu stark von dem Ritus des She'ach in Anspruch genommen, registrierte das Phänomen nur am Rande. Es war ihr erstes Mal ohne die Hilfe einer Priesterin, ihre Feuertaufe.
Sie wollte, nein, durfte nicht versagen. Nicht nach all den Jahren, die sie in das Studium der dunklen Künste investiert hatte!
Komm schon, Rhõ! Reiss dich zusammen! Du kannst es doch, bist das gane Prozedere so oft durchgegangen, sprach sie sich selbst Mut zu. Trotzdem zitterte die Klinge in ihrer Hand als sie fortfuhr, die rituellen Runen und Muster in das wimmernde Stück Fleisch zu zeichnen. Das leise Gejammer rieb schmerzhaft in ihren Gehörgängen, und am liebsten hätte sie es mit einem schnellen Schlag für immer zum Schweigen gebracht, aber weder der Ritus selbst noch seine Reglementarien erlaubten dies.
Das Opfer musste leben, bei vollem Bewusstsein die Malgebung erfahren und ihr, Rhõfal, war es verboten, die Klinge auch nur ein einziges Mal abzusetzen.
Wenigstens ist es keiner dieser fetten, dummen Orks, versuchte sie, ihren Ärger über das sich immer noch wehrende Stück Fleisch zu lindern. Was für eine Schmach es wäre, die Priesterweihe an einem dieser widerlichen Geschöpfe zu erlangen.
Rhõfal schloss für einen Moment die Augen - sowohl um den Gedanken zu verdrängen, als auch um ihren Kopf zu klären. Sie betete rasch zu den vergangenen Hohepriesterinnen, von denen so viele aus ihrer mütterlichen Blutlinie entstammt waren, bat um ihren Beistand und fuhr dann fort mit ihrer Arbeit, tapfer das weinerliche Gejammer ihres rituellen Opfers ertragend.
Kurze Zeit später schloss sie mit einem eleganten Schwung den vierten der sieben inneren Zirkel.
'Die vernichtenden Kräfte des Feuer', 'des Wassers Allleben', 'der Halt der Erde' und 'das gewisperte Wissen der fernen Winde' – perfekt gestaltet in dunklem Rot auf blass zitterndem Fleisch. Fehlten nur noch 'die Eckpunkte des Lebenden' und die beiden letzten, wichtigsten Zirkel 'der unbegrenzte Raum' und 'die Gewalten des Geistes'.
Als sie sich die drei Figuren im Geiste vorstellte, wurde ihr für einen Moment schwarz vor Augen. Sie wankte, hielt sich jedoch auf den Beinen, die Klinge in der Hand krampfhaft umklammert.
Angst machte sich in ihr breit, als sie sich, nun aus der Konzentration gerissen, mit einem Mal der Schwäche ihres Körpers gewahr wurde. Wie lange weilte sie schon in der heiligen Grotte? Hatte sie sich verkalkuliert? Zu viel Zeit verloren? Zu viel Blut?
Instinktiv wollte sie nach unten schauen, sehen, wie viel ihres Lebens bereits auf dem nackten Felsen weilte. Aber der Wille zu obsiegen, eine der Sieben Schwestern zu werden, die stets über ihr Volk und seine Belange wachten, war stärker.
Ein weiterer Runenabschnitt floss aus ihrer Hand – der Beginn des fünften Zirkels -, und anders als zuvor spürte sie wie das She – der magische Zwilling ihrer Klinge – in ihre Haut ritzte, spürte wie sich ihr eigenes Fleisch unter der scharfen Geistschneide teilte, auseinanderklaffte, um die Pfütze zu ihren blossen Füssen weiter zu nähren.
Ich kann nicht mehr. Der Gedanke war so klar wie das Wasser der dunklen Quellen, so übermächtig, dass ihr beinahe der Dolch aus den Fingern geglitten wäre. Aufgeregt versuchte sie, dagegen anzukämpfen, die schier unerschütterliche Kraft in sich zu finden, die sie während der letzten sechs Dekaden durch das Studium gebracht hatte, doch sie fand nichts als Leere.
Der Ritus des She'ach ist zugleich der Mächtigste als auch Unergründlichste unseres Volkes, hörte sie die Stimme ihrer Meisterin flüstern - fast so als wäre sie wieder oberhalb der Grotte, in einem der zahlreichen Studierzimmern mit all den anderen Akolyten.
Von einundzwanzig, die es versuchen, schaffen es nur ein oder zwei, ihn zu überleben. Diese Überlebenden erwartet ein Platz unter den Sieben, damit einher unendliches Wissen und eine Macht, die all eure Vorstellungen übertrifft, aber bedenket ... bedenket in diesem Ritus geht es nicht um Stärke oder Ausdauer, auch nicht um die Anwendung eures gelernten Könnens, es ist eine Frage des Schicksals. Ich habe schon wahre Meister scheitern sehen, scheinbar stumpfsinnige Schüler obsiegen. Der Ritus trifft die Wahl, ihr bietet euch nur an.
Die unheilvolle Vorhersage Iav' Gwas in den Ohren sank Rhõfal auf die Knie, hinein in die klebrigen Reste ihres Lebens. Sie hörte das leise schmatzende Geräusch des Blutes, hörte wie die rituelle Klinge dumpf darin aufschlug und schrie. Schrie ihre Verzweiflung hinaus, schmetterte ihre Wut gegen die kalten Wände, die schon so viel Tod gesehen hatten.
Sterben hatte auch Rhõfal gewollt, aber nicht auf diese endgültige, klamme Weise, die sie nun nach ihrer Seele greifen fühlte, sondern den einen, reinen Moment, in dem sie ihre elbischen Grenzen abstreifen würde, um vollkommen in den sieben Zirkeln aufzugehen, mit ihnen eins zu werden.
Noch trotzte sie brüllend dem Schicksal, dann begann sie, zu Schluchzen, rollte sich auf dem Boden zusammen und verfluchte die Wege des Schicksals, die sie um ihre Bestimmung betrogen hatten. Über ihrem Kopf schwangen lautlos die Netze der Krêl, verbreiteten ihr diffuses Rotlicht – fast wie zum Trost.
Rhõfal betrachtete es lautlos, dachte an ihre Mutter, die sich vor Scham wahrscheinlich das Leben nehmen würde, gedachte ihrer Ahnen. Verfolgte die Linie zurück bis an den Anfang:
Sha’riel dîn morà.
Sie war die erste 'Abtrünnige' ihrer Familie gewesen, und somit die erste Hohepriesterin der Dúredhel, von den Caladhir zuerst verachtet und schliesslich geächtet, als sie die Rückkehr zur 'wahren' Lebensart der Elben verweigert hatte.
Rhõfal fragte sich unbewusst, wie es sich wohl angefühlt haben musste, die Ausgrenzung von Familie und Volk, die absolute Einsamkeit des Alleinseins. Ein Tod der anderen, qualvollen und schier endlos dauernden Art. Wohl kein Vergleich zu dem, was ihr bevor stand.
Sie wandte träge den Kopf und betrachtete das erste Mal mit Interesse ihr Opfer – ihr einziger Gefährte in der Dämmerung des Todes. Still war es geworden, doch in den braunen Augen stand nach wie vor ein Hauch von Leben.
„Ich war dazu bestimmt, etwas Großes zu werden. Ich war dazu bestimmt, dieses Volk zu führen ... mein Volk“, flüsterte sie ihm zu. „Zurück an die Oberfläche, zurück an die Macht, dem Platz, der ihm zusteht.“ Sie richtete sich mühsam auf, zuerst auf die Ellbogen, dann weiter, den Blick der braunen Iriden nicht loslassend. Ein seltsamer Gedanken war dabei, hinter ihrer dunklen Stirn Formen anzunehmen.
„Ich kann es nicht mehr, der Tod ist zu nahe, ... doch du ...“, ihre blutverschmierten Finger suchten Halt an den Ketten, krallten sich daran fest, „du bist jung ... und ein Mensch.“
Mit einem Keuchen zog sich Rhõfal empor, ein irres Leuchten in den Augen. „Zu auffällig sind wir geworden, zu verhasst unser Anblick, um lange ungestört an der Oberfläche zu walten.“
Endlich hatte sie es geschafft und hing schwer atmend an dem zitternden Leib des Mannes, den Iav' Gwa für sie als Opfer ausgewählt hatte. Ihre Finger tasteten nach seinem Gesicht, zogen weitere blutige Striemen – fremde, nicht dem Ritus zugehörige, doch ebenso mächtig. Ihr Opfer protestierte dumpf schreiend durch den Knebel, begann, sich zu winden, um sie abzuschütteln.
Vergebliche Bemühungen, die Rhõfalnur zum Kichern brachten. Sie hatte einen Plan, eine Vorstellung der Zukunft. Nichts, weder dieses Gewürm unter ihren Nägeln noch der nahende Tod konnten sie davon abhalten, ihr Werk zu vollenden.
Nur noch einen Moment, mein kalter Freund, verhalte nur noch einen Moment, dann bin ich für immer dein.
„Du wirst der Erste sein ... von vielen ... unser Werkzeug ... der Weg zurück an die Oeberfläche, zurück ... an die Spitze der Völker“, stieß sie abgehackt hervor, während ihr der Schweiß der Anstrengung die Sicht zu trüben begann.
Es war nahezu vollbracht - die Runen der Bindung mit ihren feinen Schnörkeln, verbotenerweise verbunden mit dem wilden Muster der Wandlung. Fehlte nur noch eines: eine Wesenheit.
Düster und krankhaft schrill war das Lachen, das sich alsbald darauf in den Netzen der Krêl verfing. Darunter vollendete Rhõfal ihr, wie sie jetzt wusste, Lebenswerk, erfüllte die Bestimmung, die ihr von Geburt an zugedacht gewesen war. Nicht der Titel einer Hohepriesterin war ihr Schicksal gewesen, sondern etwas viel Größeres, Besseres: die Schaffung einer neuen Rasse von Sklaven.
Unter den blutgetränkten Nägeln ihrer Finger nahm ein Name Gestalt an. Ein letzter Gruß an all die Feinde ihres Volkes, eine Hommage an ihre Ahnen.
Als es vollbracht war, sank Rhõfal erschöpft zu Boden. Ein letzter Seufzer entwich ihren Lippen, als sie auf dem Felsen aufschlug, ein letzter Befehl ihren Gedanken.
Das Aufschnappen der Schlösser, das Rasseln und Poltern der zu Boden fallenden Ketten hörte sie schon nicht mehr - träumte sie doch den ewigen Schlaf, zufrieden begleitet von dem Symbol, das in der Welt der Lebenden auf der Wange eines niederen Wesens brannte:
lyg
Schlange – die Beleidigung, die sie und alle ihres Volkes zu oft hatten hören müssen.

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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OT: Schattengeburt (vor 2889 Jahren) - von Adsartha - 26-04-2009, 06:57

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