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Es ist: 28-05-2020, 23:38
Es ist: 28-05-2020, 23:38 Hallo, Gast! (Registrieren)


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SW 2: Eroberung südlicher Königreiche & Gründung Kohn´kans (mondenschein)
Beitrag #1 |

SW 2: Eroberung südlicher Königreiche & Gründung Kohn´kans (mondenschein)
JAHR 348 DER ERSTEN EPOCHE

Andre blickte immer wieder argwöhnisch nach Osten, während er Zelttücher und Kisten voll Proviant durch das stetig wachsende Heerlager schleppte. Wenn man den Gerüchten Glauben schenken konnte, dann hatte der General nur deshalb Halt machen lassen, damit die Truppen aufschließen konnten, und weil man dringende Nachrichten von der Front erwartete, die für die weitere Vorgehensweise wichtig waren. Doch selbst einem einfachen Soldaten wie Andre, der von Taktik und Heerführung nicht viel verstand, war klar, dass es einen viel zwingenderen Grund dafür gab, hier Halt zu machen und vorerst Lager aufzuschlagen: der einzige Weg, den die Truppen auf ihrem Weg in den Süden passieren konnten, führte durch eine Enge, begrenzt vom Tamyr Gebirge und einem schmalen, aber für ein Heer undurchdringlichen Waldstreifen – der perfekte Ort für feindliche Soldaten des Südreichs, um das Heer Gandal‘kans abzufangen und in einen Hinterhalt zu locken.
Es war auch kaum jemanden im Lager entgangen, dass schon mehrere Spähtrupps ausgesendet worden waren, um die Umgebung zu erkunden. Denn immerhin waren im Laufe des Tages immer wieder seltsame Lichtspiegelungen auf der schier endlosen Ebene gesichtet worden – Leuchtsignale, wie gemunkelt wurde. Eine gewisse Unruhe hatte sich unter den Soldaten breitgemacht, das konnte man nicht leugnen. Andre seufzte tief und ließ den Packen Holzstangen vor sich auf den Boden fallen. Er wünschte sich sehnlichst, dass die Sonne endlich untergehen würde, die so erbarmungslos auf die schwer bepackten Männer herab gelacht hatte, doch bis zur Dämmerung würden es noch zwei oder drei Stunden sein.
"Wie siehts aus, Andre, bist du nachher dabei, wenn die Schufterei ein Ende hat? Carl und ein paar Männer haben noch offene Schulden beim Kartenspielen", wollte einer von Andres Kameraden wissen, während er sich rasch daran machte ein großes Zelt aufzustellen. Abwesend nickte der Angesprochene und entledigte sich seiner staubigen Rüstung.
"Findest du diese Hitze nicht unerträglich?", fragte er, ließ seinen Brustpanzer und seine Armschienen achtlos zu Boden fallen und wischte sich mit seinem Wollhemd den Schweiß vom Gesicht.
"Wart erst ab, bis wir im Süden angekommen sind!", lachte sein Gegenüber, "Die Gegend hier wird nicht umsonst Ebene des Lichts genannt. Hier brennt dir die Sonne den ganzen Tag über auf den Buckel, aber der Boden ist nicht so schlimm." Er deutete auf die von hartnäckigen Gräsern und Pflanzen bewachsene Ebene, die sich nicht unweit des ausgetrampelten, staubigen Pfades erstreckte. "Im Süden hingegen, da hast du nur Steine und Sand - ekelhaft! Da heizt dir der Boden doppelt ein!"
"Mmmhh...", grummelte Andre und packte mit an um das Zelt ausreichend im Boden zu verankern. Einige Stunde später, als die Sonne gerade dabei war blutrot am Horizont zu versinken, waren Andre und sein Kamerad staubbedeckt und ausgelaugt mit ihrer Arbeit fertig. Von den Erkundungstrupps waren schon einige zurückgekehrt und erklärten das eng umliegende Gebiet als gefahrenfrei und hatten keine besonderen Vorkommnissen zu berichten. Dennoch wurden selbstverständlich nächtliche Wachdienste eingeteilt und Andre bemitleidete die armen Männer die nach der schweißtreibenden Arbeit des Lageraufbaus auch noch zur Nachtwache verdonnert wurden. Er selbst fand sich bald in einem größeren Zelt wieder, in dem ausgelassene Stimmung herrschte und Bierdunst in der Luft lag. Am Boden und auf Kisten und Säcken wurde kartengespielt oder gewürfelt, einige angetrunkene Soldaten berichteten lautstark und selbstbewusst von allerlei Heldentaten, die sie vollbracht haben sollten, und hier und da hörte man gemurmelte Gerüchte über die Heerführer und ihre Mission im Süden.
Andre war schon nach den ersten paar Schluck des mittelmäßigen Gerstengesöffs der Alkohol
zu Kopf gestiegen und dieser machte sich durch ein dumpfes Schädelbrummen bemerkbar. Als ihm nach einer Weile der Lärm zu laut wurde, flüchtete er hinaus in die kühle, erfrischende Dunkelheit um dem Trubel und der schlechten Luft zu entkommen. Der Mond ging in einer schmalen Sichel gerade im Osten auf und Andre schlenderte ziellos am Rand des Lagers entlang. Wenn er an einem Wachposten vorbeikam, dann grüßte er ihn wortlos. Er hing seinen eigenen Gedanken nach, und so brauchte es eine Weile, bis er die flüchtige Bewegung vor ihm in der Dunkelheit registrierte.
Andre kniff die Augen zusammen um etwas mehr erkennen zu können und seine Sinne waren schlagartig aus dem alkoholbedingten Dämmerzustand in die Realität zurückgekehrt. Vor ihm hatte sich etwas bewegt, und es war eindeutig kein Soldat aus dem Lager gewesen.
Ein Griff an seinen Gürtel teilte ihm mit, dass er sein Schwert nicht bei sich hatte – es lag friedlich im Unterkunftszelt – nur seinen Dolch hatte er eingesteckt. Zwei Sekunden später rief er sich ins Gedächtnis zurück, dass er den letzten Wachposten etwa hundert Schritt hinter sich gelassen hatte – zum Alarm schlagen war er zu weit weg. Da, es bewegte sich schon wieder etwas wie ein wager Schatten durch die Nacht, und zwar keine zehn Schritt von Andre entfernt! Für einen Augenblick lang war die Gestalt im schwachen Mondlicht zu sehen – Andre stutzte.
Es war ein hagerer Junge in zerlumpter Kleidung, der sich nah am Lager herumschlich. So lautlos wie möglich setzte der überraschte Soldat ihm nach, hinein ins dunkle der Nacht. Der Junge schien keine offensichtliche Bedrohung zu sein, aber dennoch konnte Andre ihn nicht einfach ums Heerlager schleichen lassen, zumal er keine Ahnung hatte woher dieser Knabe stammte. Den gesamten Marsch lang waren sie keiner Menschenseele begegnet –nur diese seltsamen Lichtzeichen hatten sie über die Ebene verfolgt… Andres Schritte wurden vorsichtiger, die Gestalt vor ihm hatte sich gebückt und schien etwas auf dem Boden zu suchen. Er witterte seine Chance den Eindringling zu fassen und pirschte sich weiter an ihn heran, als plötzlich leise Stimmen erklangen. Genau hinter ihm!
Andre wog blitzschnell seine Möglichkeiten ab, Flucht oder Konfrontation, doch bevor er noch eine Entscheidung fällen konnte, spürte er schon wie raue Hände ihn packten, seine Arme festhielten und ihn zu Boden drückten. Wortfetzen einer fremden Sprache flogen durch die Dunkelheit und als Andre sich befreien und zu seinem Dolch greifen wollte, spürte er einen heftigen, dumpfen Schmerz am Kopf und verlor das Bewusstsein.

Als er wieder aufwachte, fand sich Andre auf einer dünnen Strohmatte wieder, die neben einem dornigen Busch auf dem Boden lag. Ein seltsames Dämmerlicht umhüllte ihn, und als er mühsam blinzelnd versuchte die aufgehende Sonne zu entdecken, wurde er stattdessen vom glitzernden Sternenhimmel überrascht. Es dauerte eine Weile bis er sich orientiert und auch die Lichtquelle gefunden hatte. Neben ihm auf dem Boden lag ein unscheinbarer Stein, der auf wundersame Weise sanftes Licht ausstrahlte – so als ob er innen silbrig glühen würde. War das Zauberei? Spielten seine Augen ihm etwas vor? Andre brauchte eine Weile um sich an das Licht zu gewöhnen, doch nach und nach konnte er das weitläufige Zeltlager erkennen, in dem er sich nun befand. Ganz im Gegenteil zu den großen, robusten Zelten, die er heute im Heerlager schon aufgeschlagen hatte, waren die Zelte hier unscheinbar und flach an den Boden gedrückt. Der Stoff, aus denen sie gemacht waren, spiegelte und glänzte seltsam im Lichtschein der leuchtenden Steine und es fiel Andre außerordentlich schwer die genauen Konturen der Zelte zu erkennen. Gerade als er überrascht festgestellt hatte, dass er nicht gefesselt war, wurde er kraftvoll auf die Beine gezogen und blickte kurz darauf in ein dunkles, fremdes Gesicht, das von langen Haaren umrahmt wurde, in denen allerlei Holzperlen und Federn eingeflochten waren. Die Gesichtszüge des Mannes wirkten trotz der etwas zerzausten Erscheinung edel und stolz, sein Gewand war reich bestickt, jedoch von der Sonne so weit ausgeblichen, dass man die ursprüngliche Farbe nicht mehr erkennen konnte – Andre vermutete den Anführer dieses Lagers vor sich zu haben. Neben diesem Mann waren noch zwei weitere aufgetaucht, wahrscheinlich diejenigen, die Andre vom staubigen Boden auf die Beine gestellt hatten. Diese Männer waren eindeutig als Wachen zu erkennen, mit kunstvoll gefertigten Schwertern am Gürtel und nadelspitzen Speeren bewaffnet. Den Gedanken an Flucht begrub Andre resigniert.
„Verzeiht die Unannehmlichkeiten“, sprach unvermittelt der Anführer mit leichtem Akzent, „Mein Name ist Ainindor und ich bin der Stammesanführer meines Dorfes, in dem Ihr Euch befindet. Der Grund, warum man Euch hierher gebracht hat ist folgender:
Meine Männer haben schon seit Tagen ein großes Heer am Horizont gesichtet, das den Weg durch unser Land einschlug, und wir sind beunruhigt über dieses Zeichen. Sagt mir, warum marschiert dieses Heer aus dem Norden in den Süden?“
„Um die verbliebenen Königreiche unter das Banner Gandal’kans zu bringen und das Gesetz in allen Ländern walten zu lassen – aber ich bin nur ein einfacher Soldat, was weiß ich schon von den Plänen der Oberen“, antwortete Andre verhalten.
„Und ein einfacher Soldat sollte nicht wissen, wofür er kämpft?“, meinte Ainindor und deutete Andre mit einer Geste den Weg zu einem großen, prächtigen Zelt einzuschlagen, während er weitersprach, „Aber darum geht es nicht. Meine Sorge gilt einzig und allein meinem Stamm. Wenn Euer Heer hier auf der Ebene zum Kampf gerufen wird, dann sind mein Dorf und all meine Leute in Gefahr. Das kann ich nicht zulassen.“
Sie waren im Zelt angekommen und nachdem Ainindor seine Wachen weggeschickt hatte, nahmen die beiden Männer auf bestickten Kissen am Boden Platz.
„Ich glaube es besteht kein Grund zur Sorge, das Heer zieht Richtung Süden, hier gibt es keinen Grund – und keinen Gegner – den Gandal’kan bekämpfen sollte“, sagte Andre und nahm mit einem Nicken die Teeschale entgegen, die der Stammesführer ihm angeboten hatte.
Dieser seufzte und sprach:
„Und ich glaube Ihr irrt Euch. Der Gegner ist viel näher als Ihr glaubt, und er bereitet sich auf einen Hinterhalt vor. Meine Männer haben mir vor kurzem berichtet, dass Südländer im Gebirge Stellung bezogen haben und dass immer Nachschub über Gebirgspässe heranzieht. Wie es scheint haben sie nicht vor die Schlacht in ihrer kostbaren Heimat zu schlagen.“
Andre holte überrascht Luft.
„Aber unsere Späher haben niemanden entdeckt ---“
„Die Südländer kennen das Gebirge gut genug um sich unauffällig darin zu bewegen, glaubt mir. Ein Kampf ist also unvermeidlich. Aber mit der Hilfe meiner Männer könnte das Blatt zugunsten Gandal’kans gewendet werden“, sprach Ainindor und machte eine bedeutungsschwere Pause.
„Bringt mich zu Eurem Anführer und ich werde ihm folgendes vorschlagen: Wenn er Sicherheit für mein Dorf garantiert, dann werden meine Männer und ich ihm zum Sieg gegen den südländischen Hinterhalt verhelfen, oder zumindest unser Möglichstes dafür tun.“
Andres Gedanken überschlugen sich. Es gab also doch einen Hinterhalt, einen größeren als gedacht, und keiner der Späher konnte den Gegner entdecken, weil dieser das Gelände beherrschte. Und ein unbekannter Stammesanführer wollte ihnen helfen, trotzdem den Sieg zu erringen.
„Und wie?“, fragte er schließlich, „Wie soll dieser Sieg gelingen?“
Ainindor schmunzelte leicht.
„Die Männer aus dem Süden kennen zwar Pfade und Verstecke im Gebirge, die Eure Späher nicht ausmachen konnten – aber dies ist die Heimat meines Stammes, wir kennen nicht nur jeden Pfad, sondern auch jeden einzelnen Stein auf der Ebene sowohl als auch im Gebirge. Mit unserer Hilfe könnt Ihr den Hinterhalt der Südländer zu Eurem machen.“
Feierlich stand er auf und streckte Andre die Hand entgegen.
„Führt Ihr mich nun zu Eurem Anführer?“, wollte er wissen.
„Ja, das tue ich“, sprach Andre und als er Ainindor die Hand reichte, wusste er, dass dieses Vorhaben gelingen würde.

Viel später, als Andre vor dem Zelt des Heerführers von Gandal’kan stand, zu dem er Ainindor und zwanzig seiner besten Männer geführt hatte, gingen im Lager bereits Gerüchte um, wonach sich ein fremdes Heer ihnen anschließen wollte, dessen Soldaten sich unsichtbar machen konnten.
Kopfschüttelnd verneinte er jede Frage, die ihm dazu gestellt wurde, doch insgeheim lächelte er bei dem Gedanken an das Geschenk, dass Ainindor ihm gegeben hatte. Es war ein dünner Mantel, der aus demselben seltsamen Stoff gemacht war, wie die Zelte aus dem Dorf Ainindors. Wenn man ihn ins Sonnenlicht hielt, dann reflektierte er das Licht fast so, dass man glauben könnte er existierte gar nicht.

Mit der Hilfe von Ainindors Männern gelang es dem Heer von Gandal’kan, wenn auch mit einigen Verlusten, den Hinterhalt der Südländer zu durchbrechen. Dies war ein entscheidender Sieg, dem die Eroberung einiger südlichen Königreiche folgte – Kohn’kan wurde gegründet.

"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."
Vaclav Havel
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SW 2: Eroberung südlicher Königreiche & Gründung Kohn´kans (mondenschein) - von Sternchen - 26-04-2009, 16:27

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