Es ist: 09-12-2022, 11:14
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VR: Blaues Blut (453 d.D)
Beitrag #42 |

RE: VR: Blaues Blut (453 d.D)
„Ihr habt mich belogen!“ Arjuk war wütend aufgesprungen.
Auch Bron starrte den Magier unfreundlich an. „Was soll das, Händler? Ihr habt hier nichts verloren.“
Im Stillen verfluchte Dende seine Unachtsamkeit. „Beruhigt Euch, Bron!“, sagte er freundlich. „Ich habe lediglich... Geschäfte mit dem Jungen abzuwickeln.“
Auf Bron schien das nicht gerade beruhigend zu wirken. Der Kham trat einen weiteren Schritt auf Dende zu, so als wolle er ihn jeden Moment packen.
„Raus hier,“ knurrte er. „Die Stadtwache sucht Euch, ich will nichts mit Euch zu tun haben.“
Dendes Miene verfinsterte sich. „Was soll das heißen?“
„Ja, damit habt Ihr nicht gerechnet,“ grinste Bron gehässig. „Die Stadt ist abgeriegelt. An den Toren schauen sie jedem einzeln ins Gesicht, halten jeden Wagen an. Die werden bald anfangen, die Häuser zu durchsuchen.“ Aus dem Augenwinkel sah Dende, wie Arjuk leichenblass wurde und instinktiv einen Schritt zurück wich. Auch Bron bemerkte es.
„Keine Sorge,“ beruhigte er den Jungen. „Aus der Stadt kann ich dich zwar erst mal nicht bringen, aber ich weiß schon einen sicheren Platz für dich.“ Der gewaltige Schmuckhändler trat entschlossen auf Dende zu und baute sich drohend vor ihm auf. „Für Euch gibt es leider keinen Platz.“
Dende spürte, wie er innerlich immer mehr vor Wut kochte. In dieser Stadt schien jeder gegen ihn zu arbeiten. Und die Kham waren die Schlimmsten unter den Menschen, so schien es. Sie handelten ohne jede Logik und misstrauten selbst ihrer eigenen Rasse. Langsam stand er auf und funkelte Bron an. Einen Moment lang schien der breitschultrige Mann zu zögern, dann fuhr seine mächtige Pranke blitzschnell gegen den Magier. Doch er konnte die Bewegung nicht zu Ende führen. Der Kham erstarrte, als Dende seine flache Hand nur ein paar Zentimeter vor den Körper Brons führte. Die magischen Wellen umschlossen den Kham und hielten ihn fester als jede andere Kraft der Welt. Dende ließ seine Hand nach vorn schnellen und der Mann fiel mit einem Aufschrei gegen die gegenüberliegende Wand und brach zusammen.
Neben sich hörte Dende Arjuk überrascht nach Luft schnappen, aber er hatte nun keine Zeit für den Jungen.
„Hört mir zu Bron“, flüsterte Dende und trat auf den am Boden liegenden Kham zu. Seine Augen waren nun nicht mehr die blassblauen, wässrigen Augen Vanderkeyns, sondern strahlten in einem düsteren Violett. „Es war ein großer Fehler von Euch, sich hier einzumischen. Ihr werdet nun die Konsequenzen tragen müssen!“
Verwirrt blickte ihn große Mann an.
„Wer seid Ihr?“, krächzte er heiser.
„Es reicht, wenn Ihr wisst, dass ich weitaus mächtiger bin als Ihr jemals zu träumen gewagt habt. Ich weiß, ihr Kham habt kein Vertrauen in die Magie, aber es wird Zeit, dass euch jemand Respekt beibringt!“
Mit einer schnellen Handbewegung hob er Bron wieder auf seine Füße.
„Ihr werdet jetzt gehen und die Stadtwachen von hier fernhalten, versteht Ihr?“
Langsam nickte Bron.
„Desweiteren verliert Ihr kein Wort mehr über Kelim Vanderkeyn, weder zu eurem Meister, noch zu Yerim oder dieser Großmutter. Ihr könnt versichert sein, dass der Junge bei mir in weitaus besseren Händen ist als bei Euch!“
Dende konnte förmlich sehen, wie es in Brons Hirn arbeitete. Der Mann wollte etwas erwidern, wollte sich losmachen, doch das Netz der Magie hielt ihn wie erstarrt in seiner Position. Schließlich nickte er ernüchtert. Dende ließ ihn los. Vorsichtig bewegte der Kham seine Hände und Arme, als prüfe er, ob er überhaupt noch einen Muskel korrekt beanspruchen konnte. Dann verließ er langsam den Raum, nicht ohne Arjuk einen letzten verzweifelten Blick zuzuwerfen.
Als die Tür ins Schloss fiel, atmete Dende auf. Länger hätte er die Gestalt Vanderkeyns nicht aufrecht erhalten können, nicht wenn er nebenher noch Brons Geist und Körper manipulieren musste. Die Aktion hatte ihn einige Kraft gekostet, und wenn die Geschichte von der Stadtwache stimmte, würde er möglicherweise bald noch mehr Kraft brauchen...
Als Dende sich langsam zu Arjuk umwandte, war er nicht mehr der beleibte Händler, sondern ein hochgewachsener, hagerer Mann, dessen mandelförmige Augen violett leuchteten. Spitze Elbenohren lugten zwischen den silber glänzenden Haarsträhnen hervor. Sein Gesicht war ohne Falten, wie die jedes Elben, bis auf eine tiefe Narbe, die sich an der rechten Schläfe entlang zog. Doch sonst war nur an der Tiefe und am Glanz seiner Augen erkennbar, wie alt der Elb wirklich war.
„Wer... seid Ihr?“, fragte Arjuk langsam, so als ob er die Antwort eigentlich nicht hören wollte.
„Mein Name ist Dende,“ antwortete er nüchtern. Er mochte es nicht, seine Identität preiszugeben, aber für Arjuk würde er eine völlig neue Strategie anwenden müssen. „Wie Ihr sehen konntet, bin ich ein Magier. Zu Euren Diensten!“
„Darauf kann ich verzichten!“
Reflexartig stellte sich Dende dem Jungen in den Weg, als er aus der Kammer stürmen und Bron folgen wollte, und riss die Hand hoch. Obwohl er keine Magie einsetzte, zuckte Arjuk angesichts der imposanten Geste erschrocken zurück.
„Ihr wollt dem Schmuckhändler folgen? Auf die Straße hinausgehen?“ Dendes Stimme war nicht mehr als ein Zischen. „Als ob es noch nicht töricht genug wäre, überhaupt in dieser Stadt zu sein! Oh nein, so leicht werdet Ihr Eurem Onkel nicht in die Arme laufen. Nicht, solange ich hier bin.“
Langsam ließ Dende den Arm sinken. „Ich bin keiner von den Schwarzen oder den Weißen, die nur darauf bedacht sind, möglichst viel Macht für ihre Schule zu erlangen. Wäre dem der Fall, hätte ich Euch schon längst ausgeliefert. Ihr könnt versichert sein, dass ich Euch beschützen werde. Ihr könnt mir vertrauen.“
„Nachdem Ihr mich belogen habt?“, entgegnete der junge Graf voller Hohn.
Dende unterdrückte ein Augenrollen. Er musste zugeben, dass Arjuk nicht völlig Unrecht hatte, aber es war so überflüssig, gewöhnlichen Menschen Dingen zu erklären, von denen sie nicht einen Funken verstanden. Früher hätte man den Magiern gehorcht, aber heute musste man jeden seiner Schritte rechtfertigen, so schien es. Innerlich verfluchte er wieder einmal die Magierkriege. Sie hatten den Magiern jegliches Ansehen bei der Bevölkerung geraubt. Er würde versuchen müssen, Arjuks Vertrauen zu gewinnen. Sonst würde er ebenso davonlaufen wie Kara. Und Arjuks Schutz schien Dende noch tausendmal wichtiger als Karas, die immerhin von Geriyon gefunden worden war.
„Ich will Euch nicht schaden,“ sagte er schließlich sehr viel ruhiger und langsamer. „Ich bin Graumagier. Meine einzige Mission ist es, das Gleichgewicht nicht zu gefährden. Ich weiß nicht, was Euer Onkel vorhat und was Ihr damit zu tun habt - ich weiß nur, dass er das Gleichgewicht gehörig aus den Fugen bringen wird. Er darf auf keinen Fall an sein Ziel kommen.“ Zufrieden bemerkte Dende, wie der Junge zu zögern schien. Vielsagend blickte er ihn an. „Versteht Ihr nun, was ich mit gemeinsamen Interessen meinte?“
„Was wollt Ihr von mir?“, fragte der Junge abweisend.
„In erster Linie Euch schützen,“ antwortete Dende. „Ihr habt gehört, was Bron sagte. Ihr werdet Schutz nötig haben. Ich kann Euch nicht zwingen, mir zu gehorchen, noch habt Ihr Grund, mir zu vertrauen. Doch tut Ihr dies nicht, seid Ihr verloren.“ Arjuk schwieg. Dende würde noch eines draufsetzen müssen. „Ich kann Euch nicht schwören, Euch zu verteidigen, denn den grauen Magiern ist jeder Schwur bis auf Einen verboten. Aber glaubt mir, dass wenn ich es könnte, Ihr keine Zweifel an meiner Glaubwürdigkeit haben würdet.“
Arjuk blickte ihn an. Dende sah, wie er versuchte, etwas in seinen Augen zu erkennen, eine Unstimmigkeit, eine Lüge. Das hatte wenig Sinn. In den Augen eines Caladhir konnte man wenig lesen, in denen eines Magiers noch weniger.
Dende fuhr fort: „Außerdem denke ich, dass Ihr mir helfen könntet, herauszufinden, warum dieser ganze Krieg überhaupt geführt wurde. Ich möchte alles hören, was Ihr über das Medaillon wisst, und über Euren Onkel.“
Der Prinz schien zu zögern. „Gut,“ sagte er schließlich. „Aber ich möchte auch etwas wissen. Was mit Jo geschehen ist - und mit meinem Vater. Das könnt Ihr doch herausfinden?“
Dende blieb der flehentliche Unterton hinter all dem Trotz nicht verborgen. Menschen hängen sehr an ihren Mitgeschöpfen, rief er sich in Erinnerung. Und Arjuk war dazu noch sehr jung. Aber die menschliche Sentimentalität könnte sich in diesem Fall als nützlich erweisen. Das Schicksal von Kalil y Nystrad interessierte Dende ohnehin. Wenn Vulun Pläne mit ihm haben sollte, würde er das bald erfahren.
„Ich werde tun, was ich kann,“ versprach er. „Aber solange wir uns hier drin aufhalten müssen, sind mir die Hände gebunden.“
„Worauf warten wir dann noch.“ Arjuk erhob sich. „Verschwinden wir von hier.“
„Wir?“, fragte Dende skeptisch. „Und wie stellt Ihr Euch das vor? Ihr könnt in dieser Stadt keinen Fuß mehr vor die Tür setzen. Wir sind hier drin schon nicht sicher, aber auf den Straßen...“
„Ihr seid doch Magier!“, unterbrach ihn Arjuk ungeduldig. „Wenn Ihr Euch verwandelt könnt, wie Ihr es schon die ganze Zeit getan habt, ginge das dann nicht auch bei mir?“
Dende zog die Augenbrauen auch. Die Vorstellungen des jungen Grafen waren wirklich naiv. Aber woher sollte er es besser wissen, rief sich Dende wieder selbst zur Ordnung.
„So einfach ist das nicht, Arjuk.“, erwiderte er überheblich lächelnd und ließ sich in einen Sessel fallen. „Sehr Ihr, Magie ist etwas äußerst kompliziertes...“ Er blickte in Arjuks fragendes Gesicht. „Es ist eine Art ... Quelle, ein Kern von Energie, die einigen Lebewesen innewohnt. Von dort aus speist der Magier seine Zauberkraft, sie ist sein Zentrum, sein Ruhepol. Nur Lebewesen, die zumindest einen Tropfen dieser magischen Quelle in sich tragen, können Magie anwenden. Und eine Gestaltwandlung, auch bei anderen Personen, wäre eine direkte Magieanwendung. Und Ihr habt nicht soviel als einen Funken von Magie in Euch. Ihr werdet niemals zaubern können.“
„Das heißt, ich sitze schon wieder fest?!“, stöhnte Arjuk entnervt.
„Vorerst ja. Jeder ausgebildete Magier kann magische Auren spüren. Und im Unterschied zu Eurer Freundin Jo besitzt Ihr keine.“
Einen Moment schien Arjuk um Beherrschung zu ringen, aber dann ließ er sich seufzend wieder auf den Stuhl fallen. „Was ist denn nun mit Jo?“, wollte er wissen. „Woher kennt Ihr sie? Ihr habt mir immer noch nicht gesagt, was passiert ist.“
„Das lässt sich nachholen.“ Dende lächelte. „Ich hätte auch ein paar Fragen an Euch.“

„Ihr habt das Medaillon also im Haus eines Eremiten im Gebirge gefunden, es dann an dieses Mädchen weitergegeben, welches wiederum nach Kayro’har ging.“ Der Magier lehnte in einem Sessel, das Gesicht wurde von der Nachmittagssonne beleuchtet. Die Geschichte schien ihm etwas kryptisch. „Wann war das?“, wollte er wissen.
„Vor drei Jahren,“ antwortete Arjuk, und fügte nachdenklich hinzu: „Ich hätte nicht gedacht, dass sowas nach all den Jahren wieder passiert.“
„Wieder?“ Er fixierte den jungen Grafen wie ein Habicht, der Beute erspäht hat. „Sagt bloß... es ist schon einmal etwas Ähnliches passiert wie auf dem Marktplatz?“
Der Magier schmunzelte, als er Arjuks schuldbewusste Miene sah. Wo war der Junge nur mit seinen Gedanken! Dende beugte sich vor und fixierte den Prinzen aus violetten Augen. „Ich kann Euch nicht helfen, wenn Ihr mir Informationen verschweigt,“ stieß er heiser hervor. „Das seht Ihr doch ein, oder?“
„Ja“, seufzte der Junge schließlich. „Ja, so etwas wie Ihr es beschrieben habt, eine Art Explosion, eine Druckwelle... das kam schon einmal vor. Aber an dem Medaillon kann es nicht gelegen haben, das hatte sie damals noch gar nicht.“
„Wo war das Medaillon zu diesem Zeitpunkt?“, fragte Dende blitzschnell.
„In meiner Tasche.“
„Und wo wart Ihr?“
„Hm... zehn Schritte neben Jo?“
„Dachte ich mir’s.“ Zufrieden lehnte sich Dende wieder zurück. „Je nachdem, um was für einen Gegenstand es sich handelt, könnte diese Nähe vollkommen ausreichen. Ein Magier muss einen magischen Gegenstand nicht unbedingt direkt in den Händen halten, um ihn nutzen zu können.“
„Jo ist doch kein Magier,“ wandte Arjuk ein.
„Und das könnt Ihr einschätzen, nach dem was ich Euch vorher über Magie erzählt habe?“
Dende dachte an die Explosion. Es musste das Medaillon sein, das Jos magische Kraft irgendwie beflügelt hatte. Das Medaillon, welches Arjuk gefunden hatte, rief er sich in Erinnerung. Dass ausgerechnet Vuluns Neffe das Amulett in den Händen gehalten hatte, konnte unmöglich ein Zufall sein!
„Warum ward Ihr auf dem Weg ins Gebirge? Wo Ihr diesen Eremiten getroffen habt?“, wollte er wissen.
Urplötzlich verschloss sich Arjuks Gesicht. Kurz zuckten seine Hände, als wollte er sie zu Fäusten krampfen.
„Wie Ihr vielleicht wisst, ist vor drei Jahren die Gräfin verstorben,“ sagte er sehr kühl, doch sein Blick ging in die Ferne. „In den Bergen wächst eine Heilpflanze, die sie hätte retten können.“
Dende hob die Brauen. Arjuk hatte viele Schwachpunkte. Es würde wohl besser sein, sich auf die nötigsten Fragen zu beschränken, damit der Junge nicht wieder den Kopf verlor.
„Wie standen Noato und Kayro’har nach der Vermählung zueinander?“ fragte er.
„Gar nicht schlecht, wenn man die Umstände bedenkt. Natürlich gab es Auseinandersetzungen.“ Der Junge räusperte sich. „Nur... nach Natalyas Tod brachen sie den Kontakt vollkommen ab.“
„Seltsam.“ Das Puzzle wurde allmählich vollständiger... und komplexer. „Und interessant.“
„Find ich eigentlich nicht so.“
„Was?“ Erstaunt hob Dende den Kopf. Der junge Graf blickte ihn an, gefangen in einem schwer deutbaren Ausdruck. Hohn? Oder etwas anderes... dunkleres? „Nun, das versteht sich. Aber ich versuche herauszufinden, warum Vulun Euch nun unbedingt in seine Finger kriegen will. Und simple Familienliebe schließe ich dabei nun einmal aus.“
Arjuk zögerte kurz. „Zu Yerim habt Ihr gesagt, Vulun hätte diesen Krieg nur wegen mir begonnen.“ Der Junge blickte Dende prüfend an, dann schien er sich einen Ruck zu geben. „Ich weiß nicht, was Ihr über das Medaillon wisst, aber... nach allem, was ich von Yerim gehört habe, sucht mein Onkel auch danach.“
Dendes Brauen hoben sich merklich. „Seid Ihr Euch sicher?“
Der Junge nickte ernst. „Der Haken daran ist - Ich glaube, mein Onkel weiß, dass ich das Medaillon einmal besessen habe. Möglicherweise denkt er sogar, dass ich es immer noch besitze.“
Einen Moment lang verschlug es dem Magier die Sprache. War das des Rätsels Lösung? Dravar’kesh suchte nach dem vermeintlichen Besitzer des Medaillons?
„Warum glaubt Ihr das?“, fragte er atemlos.
„Vor drei Jahren habe ich eine Skizze von dem Medaillon gemacht, aus dem Gedächtnis,“ begann Arjuk. „Ohne einen besonderen Grund. Es war kaum mehr als eine Kritzelei. Ich habe dieses Papier schon längst wieder vergessen gehabt, aber jetzt ist es plötzlich aufgetaucht. Vulun gab es Yerim mit dem Auftrag, nach dem Medaillon zu forschen.“
„Wie kam Euer Onkel an diese Skizze?“, hakte Dende nach.
„Wenn ich das wüsste!“ Arjuks Gesicht verfinsterte sich. „Vulun muss einen seiner Männer bei uns eingeschleust haben. Anders kann ich mir das nicht erklären. Ich fürchte...“ Der Junge beendete seinen Satz nicht, sondern zog nur düster die Brauen zusammen.
In diesem Moment ließ ein Geräusch Dende jäh herumfahren. Hastig schoben seine dürren, spinnenartigen Finger den Vorhang vor dem Fenster ein wenig beiseite.
„Die Stadtwache. Die haben sich ja Zeit gelassen. Bron war erfolgreicher als erwartet, sie erstmal hier abzuhalten.“
„Sie gehen vorbei,“ riss Arjuks Stimme ihn aus seiner Konzentration. „Seht doch, die durchsuchen kein einziges Haus. Sie patrouillieren nur.“
„Sie kontrollieren keine Seitenstraßen,“ murmelte Dende. „Das ist noch nicht einmal eine Patrouille. Seltsam. Soldaten, die von der Kaserne zum Südtor ziehen?“
Entschlossen erhob sich Dende.
„Verlasst auf keinen Fall das Haus,“ wies er Arjuk an. Für einige Sekunden hielt er inne, dann: „Versprecht es!“ Besser dieses Mal kein Risiko eingehen.
„Wohin geht Ihr?“ Skeptisch beobachtete Arjuk, wie Dende seinen Umhang von der Stuhllehne nahm.
„Ich sehe mir die Stadttore und die Mauern genauer an.“ Die Lippen des Magiers verzogen sich zu einem schmalen Lächeln. „Wir werden schon einen Weg finden, Euch aus Kayro'har zu bringen. Ach, da fällt mir noch etwas ein. Wer ist Eure blonde Begleiterin?“
„Milena?“
„Sie war mit Euch bei Yerim gefangen...?“
„Sie ist ... eine Freundin, die Tochter eines Schmieds aus Noato.“
Dende grinste innerlich bei der Betonung, die Arjuk dem Wort 'Freundin' beigemessen hatte.
„Wo ist sie hingegangen?“
Der Junge runzelte die Stirn, als ob er nicht verstanden hatte, was Dende ihn gefragt hat.
„Ich ... in die Bibliothek. Ja, sie wollte in die Bibliothek des Rates der Drei.“
„Eine Schmiedtochter in einer Bibliothek?“, hakte Dende misstrauisch nach.
Arjuk schien verwirrt, aber Dende winkte ab. „Darüber unterhalten wir uns später. Ich bin so schnell wie möglich wieder hier. Jetzt versprecht, hier zu bleiben!“
Der junge Graf nickte geistesabwesend.
Während Dende die schmale Stiege hinab ging, ließ er sich seine neu gewonnenen Informationen noch einmal durch den Kopf gehen. Was gab es schon in den Blauen Bergen? Doch wohl nur ein paar Zwergenminen, in einigen Tälern vielleicht Kham-Siedlungen. Der Magier fluchte. Die Ostländer gingen ihm allmählich auf die Nerven, aber im Augenblick schien es nur einen Menschen zu geben, der ihm mehr über die Blauen Berge verraten konnte. Immerhin war Yerims Mutter dort geboren - und der General hatte ein überraschend feines Gespür bewiesen, als er vermutete, das Medaillon könnte aus dem Gebirge stammen. Er würde es riskieren müssen, ein letztes Mal Vanderkeyns Gestalt anzunehmen. Mit etwas Glück wusste Yerim noch nichts von dem Haftbefehl gegen Vanderkeyn - oder aber er scherte sich nicht darum. Letzteres erschien Dende sogar sehr wahrscheinlich.

-Was wiegt 180 Gramm, sitzt auf einem Baum und ist sehr gefährlich?
-Ein Spatz, der eine Pistole trägt.
-Richtig, das ist die einzig mögliche Lösung!

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VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Mira - 06-03-2008, 20:33
RE: Athalem: Blaues Blut - von Ichigo - 19-04-2008, 18:58
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RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 14-10-2012, 18:02
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RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 29-07-2021, 22:32

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