Es ist: 21-10-2020, 05:30
Es ist: 21-10-2020, 05:30 Hallo, Gast! (Registrieren)


Umfrage: Was wählst du? (Erst lesen, dann abstimmen)
Du wartest ein paar Tage und lässt noch mal prüfen, ob Otto die Konzession wirklich nicht besitzt.
Du gehst das Risiko ein und zerstörst die Brücke sofort
[Zeige Ergebnisse]
 
 
München - Eine historische Kurzgeschichte (Teil 1)
Beitrag #9 |

RE: München - Eine historische Kurzgeschichte (Teil 1)
Hallo rex,

ich möchte gar nicht wissen, wie lang mein letzter Kommentar zurückliegt. Dich habe ich - soweit ich es grad im Kopf habe - auf jeden Fall noch nicht kommentiert, oder?

Also mal direkt an deine Geschichte:
Du schreibst über eine Brücke, die Heinrich XII. über die Isar bauen will, obwohl schon eine parallele Brücke besteht. Damit will er die Salzstraße umlegen und von den Einnahmen profitieren. Hm, wie kommt er auf die Idee, eine Brücke bauen zu müssen, obwohl schon eine andere in der Nähe vorhanden ist?
Ich muss zugeben, den historischen Hintergrund dieser Geschichte nicht zu kennen und auch in der Zeit, über die du schreibst, nicht sehr bewandert zu sein. Deshalb kann ich dir keine Rückmeldung zur Sprache dieser Zeit und zur Darstellung des Umfelds geben. Da sind andere sicher gut drin Icon_wink.

Was du schaffst, ist das Für und Wider dieser Entscheidung darzustellen: Die andere Brücke muss weg, aber wie - und dann zählst du die Alternativen auf, samt Risiken und Nebenwirkungen. Allerdings tue ich mich schwer mit deinen Figuren, denn ich musste mich die ganze Zeit darauf konzentrieren und ihre Einführung wirkte auf mich nicht sehr natürlich.
Das mag daran liegen, dass du mit einem allwissenden Erzähler schreibst, der mich aber unglaublich weit weg von der Geschichte bringt. Warum nicht aus der Sicht Heinrichs oder eines Beraters schreiben? Zwischendurch hast du nämlich recht häufig Einschübe drin, die andeuten, dass du aus der Sicht all seiner Berater gleichzeitig schreibst. Aber das macht es sehr unübersichtlich, wer nun wer ist. Da spielt hinein, dass du die Figuren nicht direkt mit Namen einführst, es dann aber plötzlich sehr direkt tust. So muss ich immer etwas darüber nachdenken, wer nun wer ist. Du charakterisierst die Figuren für mich zu offensichtlich - und lässt dabei Heinrich weitestgehend aus.
Hatte Heinrich denn wirklich fünf Berater? Oder täten es vielleicht auch zwei oder drei? Im Grunde spielt es ja keine Rolle, wie viele es sind - und je weniger, desto Zeit hast du für die einzelnen Figuren. Abgesehen vom Alter hast du nämlich kaum wirklich Charakterzüge gesetzt, kleine Macken oder Ticks. Zumindest bei Heinrich - als Hauptfigur dieser Geschichte - wäre sowas vielleicht ganz gut.

Was mir ein bisschen gefehlt hat, war die Bewegung. Sie reden und reden und reden, aber dabei tun sie relativ wenig. Trinken sie vielleicht etwas? Klopft jemand an der Tür? Haben sie vielleicht eine Karte der Umgebung, über die sich beugen können? Wie gestikulieren sie? Ich würde mir die Szene gern etwas deutlicher vorstellen können, denn so habe ich den Inhalt, das Wissen, und die Figuren aus Frontalansicht, aber sonst nicht sehr viele Bilder bekommen.

Nichtsdestotrotz lässt sich deine Geschichte gut und flüssig lesen und ich will mal sehen, wie es dann weitergeht. Icon_smile

Anmerkungen direkt am Text:
Zitat:Das Gesicht seiner fünf Berater zeigte weiterhin keine Regung
Die Gesichter seiner Berater ... zeigten ...
Zitat:Nach einer kurzen Zeit des Schweigens setzte ein Mann zu sprechen an, dessen Augen von langer Erfahrung kündeten, obwohl er erst in einem Alter von dreißig oder vierzig Jahren zu sein schien.
Wenn du den Erzähler so lässt, dann schreib doch "in einem Alter (...) war"?
Zitat:fügte ein weiterer, beinahe dürrer Mann mit buschigen Augenbrauen hinzu, der trotz seiner langen Erfahrung stotterte, was ihn unsicher wirken ließ.
"beinahe dürr"? Ist er nun dürr oder ist er zierlich, nicht wohl ernährt, ...?
Auch hier hast du ein "wirken ließ" - aber das bringt für das Bild nicht so viel: Wirkung ist ja das, was ich als Leser davon wahrnehme, also: Ich lese deine Geschichte und denke "Mensch, der Dürre wirkt aber unsicher ..." Icon_wink
Wenn er stottert, vllt baust du ein paar Stotterer in seine Sätze ein?
Zitat:was jedoch gar nicht so einfach war: die Kirchturmuhr schlug gerade zwei Uhr und da das Fenster des Raums im Rücken Heinrichs gebaut war, wo die Sonne direkt hineinschien, mussten die Berater die Augen zusammenkneifen, wenn sie ihren Herrn ansahen.
"Die Kirchturmuhr", da nach dem Doppelpunkt ein neuer Satz beginnt.
Die Beschreibung mit dem Licht und den Augen finde ich schön lebendig, aber es liest sich etwas holprig. Das liegt zum einen daran, dass das Fenster nicht in Heinrichs Rücken gebaut wurde, sondern er mit dem Rücken zum Fenster steht. Zum anderen ist der Satz sehr verschachtelt.
Vorschlag: Die Kirchturmuhr schlug gerade zwei und die Sonne blendete direkt durch das Fenster in Heinrichs Rücken.
So in etwa ... dass sie ihn ansehen, ergibt sich zB schon aus dem Text zuvor.
Zitat:Otto wird seine Kontrolle über die Salzstraße
nicht eher: "die Kontrolle über die Salzstraße", denn man übernimmt ja die Kontrolle über etwas.
Zitat:Einer seiner Berater fuhr auf, ein dicker Mann, dessen Alter man nur schwer einschätzen konnte, als er das hörte.
Hier ist es mir sehr aufgefallen mit der Beschreibung: Du sagst nichts als seine Dicke zu beschreiben. Außerdem neigst du dazu, zu beschreiben, was "man" sieht, hört, denkt, annimmt, ... das ist das Problem mit dem fehlenden Erzähler. "Man" liest sich immer sehr neutral und fern. Hier in diesem Satz würde ich generell auf die Alterseinschätzung verzichten und entweder seine Fülligkeit noch etwas beschreiben oder einen anderen Aspekt hervorheben (hält er vllt irgend etwas in der Hand, mit dem er herumspielt? Hat er eine Geste, die er wiederholt, wenn er nervös wird? ...)
Zitat:„Ihr meint, dass...“, fing er an
vor den drei Auslassungspunkten immer ein Leerzeichen, es sei denn, sie ersetzen das Ende eines Wortes.
Zitat:Eine sehr kühler, abschätzender Ton zeugte, wie die Berater aus Erfahrung wussten, von einem möglichen, baldigen Wutausbruch.
"Ein sehr kühler ..."
Und auch wieder: Sind die Berater dein Erzähler? Wenn nicht, dann ist es für mich als Leser egal, ob sie das wissen oder nicht ... Icon_wink
Zitat:setzte einer der Berater, der Älteste, der bereits ergraut war, an.
Verschachtelst du hier mit Absicht so? Du gibst dem Berater ja weiter unten noch einen Namen - warum nicht direkt hier?
Und vllt machst du etwas wie "setzte der älteste Berater an, der bereits ergraut war" (oder etwas wie: "dessen graues Haar noch leicht schwarz schimmerten ..." ... mal ein paar Variationen Icon_smile )
Zitat:„Bitte, lasst mich ausreden. Verzeiht, aber ich bin noch nicht fertig“, entschuldigte er sich .
*g* Er entschuldigt sich echt lange ... Einer der beiden Sätze würde vllt auch reichen?
Zitat:dann hat sieht das Volk in Euch einen Gegner
Da ist beim Überarbeiten was verrutscht Icon_wink
Zitat:Als Otto damals zum Nachfolger von Heinrich I. als Bischof von Freising geweiht wurde, war ich dafür zuständig, dass dies rechtsmäßig ablief.
rechtmäßig
Zitat:War er auch sonst leicht zu reizen, dass seine Berater sich besser auskannten als er, kümmerte ihn nicht.
Den Satz habe ich doppelt lesen müssen. Damit die Pausen so sitzen, wie sie sollen, vllt etwas wie:
"Was er auch sonst leicht zu reizen: Dass seine Berater ..."?
Zitat:Dann erst ging er auf die Idee seines Beraters, der Markwart hieß, ein.
Den Namen hast du oben schon erwähnt, dann reicht doch hier: "auf Markwarts Idee ein"
Zitat:seine grünen Augen hatten etwas stechendes an sich, für viele Leute etwas unangenehmes, da man das Gefühl hatte, die Augen würden einen durchleuchten, einen schutzlos machen.
etwas Stechendes
etwas Unangenehmes
solche Konstruktionen werden immer groß geschrieben.
Auch hier hast du wieder einen "man"-Satz. Das kannst du doch weniger distanziert ausdrücken, hm? Icon_smile
Zitat:ist natürlich bewusst, dass ihr Keiner seid, der es vorzieht,
"Ihr" groß
"keiner" klein

So, dann will ich später mal sehen, wie Heinrich sich entscheidet Icon_smile

Liebe Grüße,
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Nachrichten in diesem Thema
RE: München - Eine historische Kurzgeschichte (Teil 1) - von Libertine - 12-09-2011, 15:08

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2020 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme