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Es ist: 08-04-2020, 03:13
Es ist: 08-04-2020, 03:13 Hallo, Gast! (Registrieren)


Umfrage: Wie entscheidest du dich? (Bitte zuerst lesen, dann beantworten)
Heinrich soll sich bis zum Abend ins Dorf zurückziehen
Heinrich soll sofort angreifen
Heinrich soll sich im Wald verstecken und sofort zuschlagen, wenn die Brücke leer ist
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München - Eine historische Kurzgeschichte (Teil 2)
Beitrag #1 |

München - Eine historische Kurzgeschichte (Teil 2)
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Nach längerer Pause präsentiere ich nun den nächsten Teil der München-Geschichte. Ihr habt Euch entschieden, sofort anzugreifen und so entscheidet nun auch Heinrich...

„Keine Verzögerung!“ Heinrichs Entscheidung war endgültig, wie man es von ihm gewohnt war. „Ich werde die Brücke sofort niederbrennen lassen.“
Die Berater hatten keine Einwände; in solchen Angelegenheiten verließen sie sich auf Heinrichs Einschätzung. Auch wenn dieser nicht gerade vorsichtig war, so konnte er in solchen Fällen das Risiko doch recht gut abwägen. Etwas, das ihn Erfahrung gelehrt hatte und das ihm auch schon so manchen Vorteil eingebracht hatte. Er wusste genau, das Maß so zu nehmen, dass er niemanden so stark verärgerte, dass dieser ihn in seine Schranken wies, aber Heinrich dennoch einen guten Vorteil aus der Angelegenheit ziehen konnte. Und so hofften die Anwesenden, dass er auch diesmal die richtige Entscheidung getroffen hatte. Auch Markwart schien zufrieden mit der Entscheidung. Er kostete jedoch nicht aus, dass Heinrich seinen Vorschlag angenommen hatte. Er war viel zu erfahren, um sich auf diese Weise Befriedigung zu verschaffen.
Nur Adelman, der das Risiko ja schon zuvor für zu hoch eingeschätzt hatte, erhob Einspruch.
„Herr, mit Verlaub, seid Ihr Euch vollkommen sicher, das Risiko nicht für zu niedrig eingeschätzt zu haben? Zwei Tage hin oder her, in dieser Zeit wird nicht viel geschehen sein. Also ich bitte Euch, überdenkt Eure Entscheidung noch einmal.“
„Wozu denn?“, fragte der Welfe spöttisch. „Habe ich mich jemals als wankelmütig erwiesen?“
Das hatte er in der Tat nie getan.
„Aber ich bitte Euch -“
„Wie viele haben das nicht schon vor Euch getan?“, entgegnete Heinrich, diesmal mit eindeutig beißendem Spott. Einem Spott, der bei dem cholerischen Welfen, der ja nicht umsonst den Beinamen „der Löwe“ verpasst bekommen hatte, leicht in Wut umschlagen konnte. Das wusste auch Adelman und so nahm dieser seine Niederlage mit Fassung entgegen. Er lehnte sich lediglich zurück und verschränkte, offenkundig resigniert, die Arme.
Heinrich redete weiter, als wäre die kleine Unterbrechung gar nicht vorgekommen.
„Wenn Otto die Konzession nun fehlt, dann haben wir einen Grund dafür, die Brücke zu zerstören“, wiederholte der Welfe noch einmal
Markwart und die anderen Berater nickten.
„Also habe ich den Angriff nicht zu verbergen“ - wieder wartete Heinrich die Zustimmung der anderen Männer ab, dann redete er weiter - „und wir könnten die Brücke einfach niederbrennen.“
„Nun“, sagte Markwart, „grundsätzlich schon. Wenn Otto die Konzession wirklich -“
„Das hatten wir doch bereits geklärt“, unterbrach der Welfe ihn ungeduldig. Man sah ihm geradezu an, wie sehr ihn die Vorsicht seiner Berater nervte.
„Wenn man das so sieht, dann spricht nichts dagegen, die Brücke offen zu zerstören“, lenkte Markwart ein.
Der Berater mittleren Alters mit rotblonden Haaren und hellen, blauen Augen, der Eckart gerufen wurde, schaltete sich nun wieder ein. „Der naheliegendste Grund dafür wäre wohl, dass ihr einfach dafür sorgen wolltet, dass Otto den armen Händlern und Kaufleuten nicht weiter zu Unrecht ihres Geldes beraubt. Dagegen kann weder niemand etwas einwenden“, ergänzte er.
Heinrich nickte. „Dasselbe hatte ich auch bereits überlegt.“
Dann stand er auf und klatschte in die Hände. „Also worauf warten wir eigentlich noch?“
Stille herrschte auf einmal in dem Raum. Stille, die ganz offensichtlich von dem kleinen Wörtchen ´wir` stammte. Einen kurzen Moment streiften Gedanken durch den Raum, dann wagte Cuno es, nachzufragen.
„Verzeiht mir meine närrische Frage, Herr, aber mit ´wir` meint Ihr doch sicher Euch und Eure Soldaten, nicht wahr?“, fragte er hoffnungsvoll. „Nein“, antwortete Heinrich mit heimlicher Vorfreude. „Mit ´wir` meine ich mich, meine Soldaten und Euch, meine Berater.“
Er genoss es, die verschiedenen Reaktionen seiner Berater zu beobachten: Adelman blieb ruhig, war er doch jung und recht sportlich, sodass diese Mühen für ihn kein allzu großes Problem darstellten. Markwart war zwar alt, aber zäh und er hatte schon unter vielen Männer gedient, die möglicherweise ihren Beratern Ähnliches abverlangt hatten. Eckarts Miene war die eines Mannes, der alles tat, um seine Arbeit zu behalten – seine Frau war tot und er hatte drei Kinder über die Runden zu bringen.
Der magere Mann, Ciprianus, tat dies ganz offensichtlich ungern – sein Körper sah auch nicht so aus, als würde er das gänzlich unbeschadet überstehen. Am Lustigsten aber fand er augenscheinlich die Reaktion des Dicken.
„Aber...“, brachte Cuno nur heraus. Dabei hatte er eben bei der lebhaften Diskussion sehr gesprächig und laut werden können.
„Nein“, sagte der Welfe spöttisch. „Heute keine lustige Trinkgesellschaft mehr für Euch.“
Heinrich amüsierte sich augenscheinlich über den korpulenten Mann, der mit offenem Mund fassungslos dasaß. Man konnte förmlich in seinem Gesicht lesen, was er sich gerade vorstellte: Gefahr, Anstrengung, Bewegung, ungemütliche Dinge.
„Aber warum?“, fragte der Dicke, der nun doch einen sinnvollen Satz herausbrachte, um sich gleich darauf auch wieder auf seine Höflichkeit besinnen zu können und eilig hinzuzufügen: „Verzeiht diese vermessene Frage, aber macht es wirklich Sinn, uns auf eine solche Unternehmung mitzunehmen. Wir würden doch nur eine Behinderung und keine Hilfe für Euch darstellen.“
„Es reicht!“, rief Heinrich, dessen Stimmung abrupt umgeschlagen war, wütend aus. „Ihr werdet mitkommen.“
Heinrich hatte auch noch einen anderen Hintergedanken, bei dem er jedoch gut daran tat, ihn nicht zu verraten. Wenn er gegen Kaiser Friedrich ziehen würde, um die Kaiserkrone zu erobern, die ihm zustand, brauchte er würdige Berater. Dieser Anlass war die perfekte Möglichkeit, sie auf die Probe zu stellen.


Heinrich hatte in dem zusammengestellten Trupp zu den fünf Beratern zusätzlich noch zwei Dutzend Soldaten mitgenommen, die die Brücke niederbrennen sollten. Der Welfe hatte sich mit seinen Beratern in der Nähe von Freising getroffen. Von dort war der Trupp losgezogen, die Soldaten, die Heinrich als Leibgarde aus Braunschweig gefolgt waren, auf ihren Pferden, seine Berater in einer Kutsche. Dementsprechend schnell waren sie an ihrem Ziel angelangt. Sie ritten bereits die Anhöhe empor, hinter der Freising erscheinen würde. Sie hatten diesen Weg schon beinahe bewältigt, da stoppte Heinrich den Trupp, um selbst mit einem Berater von der Ferne auszukundschaften, ob etwas Außergewöhnliches die Angelegenheit stören konnte. Er wählte deshalb Markwart aus, weil er diesen für den Fähigsten hielt.
Sie schritten den Hügel hinauf. Bald zeigte sich, etwa anderthalb Bogenschüsse entfernt Freising in seiner vollen Pracht.
Über diese mittlere Entfernung konnte er nichts Genaueres erkennen, aber doch genug, das ihm Sorge bereitete.
„Die ganze Brücke ist voller Menschen“, murmelte Markwart und nahm Heinrich das Wort aus dem Mund.
„Das sehe ich auch selbst“, reagierte der Welfe ein wenig gereizt, mehr aus dem Grund, dass er seine Wut über diese Störung seines Plans an jemandem auslassen wollte.
„Was wollte Ihr nun tun?“, fragte Markwart. „Ich würde empfehlen, Ihr kehrt wieder zurück zu dem kleinen Dorf, um heute Abend, wenn die Brücke sicher leer ist, zuzuschlagen.“
„Oder ich greife trotzdem sofort an und jage das Gesindel von der Brücke.“
„Das würde ich nicht empfehlen, mein Herr. Ihr solltet es Euch mit den Händlern nicht gänzlich verderben.“
Wie sollte Heinrich nun vorgehen? Während er dastand und überlegte, fiel ihm eine dritte Lösung ein.
„Der Trupp könnte sich im Wald verstecken und darauf warten, dass die Brücke leer ist.“
„Was bietet das für Vorteile?“, fragte Markwart.
„Nun“, erwiderte Heinrich, „wir verlieren weniger Zeit bei gleichem Risiko.“ Außerdem hätte er die Berater im Blickfeld und in der Kürze der Zeit würden auch andere mögliche Lauscher, die das Gespräch in dem Dorf mitgehört hatten, keine Möglichkeit haben, Otto zu warnen.
„Das stimmt nicht“, antwortete Markwart.
„Was stimmt nicht?“
„Das Risiko ist auf diese Weise höher. Was ist, wenn eine der Brückenwachen uns entdeckt? Dann ist unser Vorhaben gefährdet.“
Heinrich überlegte. Er hatte drei Möglichkeiten, mit verschiedenen Vor- und Nachteilen: entweder er schlug sofort zu, trotz der vielen Menschen auf der Brücke, oder er wartete im Dorf bis zum Abend und kehrte dann nochmal zurück. Oder er versteckte sich mit seinem Trupp im Wald und wartete bis die Brücke leer war.
Nun bist du Heinrich. Wie entscheidest du dich? (s. Umfrage)

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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München - Eine historische Kurzgeschichte (Teil 2) - von rex noctis - 05-06-2011, 10:54

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