Es ist: 11-04-2021, 16:55
Es ist: 11-04-2021, 16:55 Hallo, Gast! (Registrieren)


Siegelmagie [Kapitel I] - 3. Fassung mit überarbeitem Ende
Beitrag #3 |

RE: Siegelmagie [Kapitel I]
Hallo Sternchen,

Zuallererst: Vielen,vielen Dank für deine umfangreiche Kritik. Ich habe sie quasi verschlungen und mir Mühe gegeben soviel wie möglich daraus mitzunehmen. Ich freue mich sehr über deine offene Meinung, auch wenn ich ehrlich zugeben muss, dass ich nicht erwartet hatte "so viel" Gegenwind zu bekommen.

Ich möchte gerne auf die Punkte die du angesprochen hast nochmal kurz eingehen, eventuelle Unklarheiten oder Verständnisschwierigkeiten erklären und die Gedanken dahinter vielleicht etwas klarer zu umreißen. Keinesfalls gehe ich in die Evaluation um deine Meinung nur zu entkräften, ich hoffe das kommt auch nicht so rüber.

Zu Anfang muss ich zugeben, dass ich da wohl mit der Formatierung etwas zu übermütig war. Der Urtext hatte so gut wie keine markanten Absätze (nur ab und an ein logischer Absatz, bei einem vollkommenen Themawechsel), aber ich hatte zuvor gelesen, dass es viele Leser als störend empfinden, wenn sie von einem durchgezogenen Text quasi "erschlagen" werden und die pure Masse an zusammenhängendem Text vom Lesen abschreckt. Ich wollte deshalb ein bisschen optisch strukturieren, logisch hatte es damit keine Bewandnis. Dafür möchte ich mich entschuldigen und werde es vermutlich auch wieder ändern Icon_wink

Zitat:"Die Nacht war über" find ich merkwürdig. Besonders im Bezug zu "das kleine Dorf". Es hört sich so an, als wär die Nacht zu Besuch im Dorf, bzw. hätte sich nur über das Dorf gelegt. In diesem Bezug, fänd ich "Dunkelheit" passender und vor allem: bildlicher.
Aber ist denn die Nacht nicht immer nur irgendwie zu Besuch?
Nur um diese Frage mal in den Raum zu stellen. Ich finde aber die Umschreibung mit der Dunkelheit doch irgendwie auch passend. Meiner Meinung nach ist das Wort Nacht nur etwas sanfter. Dunkelheit impliziert gleich Bedrohung, das wollte ich aber eigentlich nicht erreichen. Jedenfalls an dieser Stelle noch nicht.

Zitat:Als viel störender aber empfinde ich, dass du die ersten zwei Sätze mit einem Artikel beginnst. Eine Wiederholung - auch im Satzaufbau - wirkt meist einseitig und einfallslos. Zudem ist der Absatz hier in jedem Fall umsonst. Vorschlag: "Dunkelheit bemächtigte sich des Horizonts, kämpfte Meter für Meter um die Vorherrschaft, um letztlich auch das Dorf am Rande des großen Gebirges in tiefes Schwarz zu hüllen. Das Bellen der Hunde war verstummt, die Lichter ausgelöscht und die Ruhe wurde nur ab und an vom Schrei einer Eule oder dem Zirpen einer Grille durchbrochen. Nebel hatte sich wie ein aschgraues Leichentuch zwischen die Finsternis gedrängt und über Hütten und Wege gelegt." "von dem" = "vom". "das Zirpen" = "dem Zirpen". "durchbrochen" gefällt mir sehr gut! Okay, ziemlich dicklich aufgetragen, aber ich wollte absichtlich einen Kontrast liefern. Nur als Anregung.
Ich empfinde eine Aneinanderreihung von Artikeln an Satzanfängen nicht als einfallslos, sie wird oft verwendet um eine Aufzählung mit leichter Steigerung zu bewirken und findet auch oft Verwendung in mir geläufiger Literatur. Trotzdem finde ich deinen Vorschlag besser. Nicht das, wie du selbst sagtest, dick aufgetragene. Sondern den Anfang mit der Dunkelheit. Ich denke da werde ich mich nochmal dran setzen. Danke hierfür!

Zitat:Ich fänds übrigens glaubwürdiger, wenn du dem ollen Gebirge einen Namen gibst. Oder nennt man das so in deiner Welt wirklich "großes Gebirge". Wenn ja, dann müsstest du diese Form der Namengebung eigentlich auch überall auf der Landkarte - zumindest innerhalb dieses Landes - aufgreifen.
Die Formulierung "großes Gebirge" hat schon seinen Zweck, denn das beschreibt auf den Punkt gebracht, was es wirklich ist (das wird später auch noch mehr als einmal ersichtlich). Später bekommt es noch einige Namen, von verschiedenen Völkern, die sich aber nicht lange im Sprachverlauf der Geschichte halten, weil der Name des Gebirges nicht wichtig ist, sondern einfach nur seine schiere Größe, Unüberwindbarkeit. Aber dazu später mehr. Zusätzlich will ich den Leser am Anfang nicht mit zu vielen unerklärten Namen konfrontieren und für die einfachen Bewohner eines Dorfes wäre ein fremdmutig wirkender Ausdruck für ein Teil ihres Alltags wahrscheinlich auch zu viel des Guten.

Zitat:Ich liebe den Namen "Balian". Spätestens seit "Königreich der Himmel". Hier wäre für mich der erste Absatz. Aber bestimmt kein doppelter. Der nächste entzieht sich wieder meinem Verständnis.
Tatsächlich habe ich kein wirkliches namentliches Vorbild für meinen Helden. Zumindest verknüpfe ich die Herkunft nicht mit Königreich der Himmel (den ich aber durchaus gesehen habe und zu schätzen weiß). Was die Absätze angeht, und so weiter...

Zitat:schönes, auch melancholisch anmutendes Bild! "Nebelschwaden" wiederholt den "Nebel" wortwörtlich, genauso wie "die graue Wand". Für mich alles in allem zu viel Hinweis - auch mit dem Vorangegangen - auf den "Nebel". Wie wärs wenn dus einmal zumindest weglässt? "weit" ist irgendwie auch ein Füllwort, man verstehst so schon. Und ja, gegen Füllwörter hab ich auch was.
Übernehme ich, mit deiner Erlaubnis, widerstandslos!
Zitat:Wieder ein sehr schönes Bild. Wieder dieser Nebel. Nun gut, aber wenn du zumindest einmal, vielleicht aber auch zweimal, davor den Nebel rausnimmst, ist der Leser hier nicht so übersättigt. Komma vor "als". Toller Satz. Ansonst: viel zu viele Absätze.
Vielen Dank. Nebel hat für mich selbst eine große Bedeutung, deswegen arbeite ich ihn gern in meine Geschichten mit ein. Zu viel des Guten schleicht sich da gerne mal ein. Ich werde versuchen sparsamer damit umzugehen.
Zitat:Wiederholung des gleichen Satzaufbaues. Wie gesagt, für mich ist das ein grober, grober Fehler. Solltest du "immer" vermeiden, außer du setzt es bewusst als Stilmittel ein und selbst das tut man dann äußerst selten. Zudem: viel zu viel "das(s)". Vorschlag: "Das Feuer im Kamin musste seinen Kampf gegen die Kälte schon vor Stunden verloren haben. Spärliches Mondlicht, den Weg findend durch Nebel und Fenster, tauchte das bescheidene Mobiliar seines Zuhauses in gedämpftes, unwirkliches Licht." Nur ein Beispiel. Sicherlich ist diese Lösung Geschmacksache. Man könnt aber auch ganz anders ran. Egal wie, nur weg von der Wortwiederholung.
Wo wir beim Stilmittel wären, was in diesem Fall aber wirklich nicht beabsichtigt war. Ich werde mich da nochmal anderweitig versuchen.
Zitat:Wortwiederholungen. "Hatte" definitiv zu oft und "Zuhause" hab ich hier einmal zu viel gehört. Vorschlag: "Balian hatte sich oft gefragt, ob er überhaupt das Recht besaß, diesen Ausdruck zu verwenden. Streng genommen gab es für ihn kein Heim, keine wirklichen Eltern, obwohl Sira ihm stets das Gegenteil versicherte. Denn in ihren Augen stütze sich alles Glück und alle Wahrheit auf gegenseitige Liebe, nicht auf Herkunft." Geschmackssache. Aber ich hoffe ich hab demonstriert, was ich vermitteln wollte?
Total. Würde ich gerne übernehmen, wenn du erlaubst...
Zitat:Auf was genau beziehst du dich da? Und: musst du dich überhaupt auf etwas beziehen? Vorschlag: "Ein golden flackernder Schimmer zwang die Nebelwände zum Rückzug, schien verloren im Meer aus waberndem Grau und doch ..." Find ich flüssiger. Also ohne Bezug.
Protestlose Zustimmung!
Zitat:Kein Punkt nach Brandung. "Herkunft"? Wo ist die Verwunderung? Warum fragt er sich nicht - zum Teufel nochmals - WAS das überhaupt ist?
Weil es erstmal nicht wichtig ist. Es könnte alles sein. Der Geist der vergangenen Weihnacht, der Holzmichl bei seinem abendlichen Rundgang. Das WAS ist hier nicht entscheidend. Herkunft, ist das Thema, das seine Denkweise im Moment dominiert und er hängt seinen Gedanken momentan nach, was sogar die Möglichkeit offen lässt, dass dieses Licht überhaupt nicht real ist. Ein weiteres Produkt seiner Fantasie, wie die Figuren im Nebel. Das Licht versteht sich hier als Zeichen der Hoffnung, welches sich morbider Weise im nächsten Moment als Zeichen des Untergangs herausstellt.

Zitat:Wortwiederholung. Lass dir doch ein schönes, malerisches Synonym einfallen?
Abgespeichert und auf der Agenda!

Zitat:schöne Wendung. "Der Schein ihrer Fackeln beleuchtete rußgeschwärzte Rüstungen und mordlüsterne Vorfreude." Auch wieder Geschmackssache, aber ehrlich: ich finds so viel mehr klingend nach einem Paukenschlag. Man "muss" auch nicht immer alles so ausführen, zusätzlich hättest du hier einfach die Feinde als Ganzes "mordlüstern" definiert, also noch bedrohlicher, nicht nur in ihren Gesichtern sondern gesamt gesehen.
Hier ist es mir wichtig den Erkenntnisprozess zumindest ansatzweise zu skizzieren. Dieser ganze Abschnitt über das Licht stellt eine einzige Metapher dar: Das Licht, welches am Anfang mit Hoffnung und Erkenntnis assoziiert wird, stellt sich bei näherer Betrachtung als Trugschluss heraus und wird durch die mordlüsternen Träger perversiert. Um diesen Gedankengang überhaupt erst möglich zu machen, brauche ich diese stückchenweise Offenbarung (sollte sie vielleicht sogar noch weiter ausschmücken), ein Paukenschlag ist das letzte was ich in diesem Moment haben will, der kommt erst später.
Zitat:liest sich nicht so gut. "schwarze Krieger" ist genauso wie "großes Gebirge" für mich: undefiniert und vor allem typisch. Ach ja und immer noch: viel zu viele Absätze.
Die doppelte Verwendung von überall ist in diesem Fall gewollt. Mich freut es das du die "schwarzen Krieger" als undefiniert beschreibst, denn genau das sollen sie sein. Keine einzelnen Charaktere, die verletzbar sind, sondern eine ungreifbare Masse ohne Kopf den man abschlagen könnte.

Zitat:sehr stark. Nur schade, dass abgrundtief böse wieder so klischeehaft ist. Ich ein Freund von Graustufen und ein Feind von "Gut und Böse". Aber okay, auch das ist Geschmackssache.
Du hast mich erwischt. Ich bin auch überhaupt nicht zufrieden mit abgrundtief. Das ist mir in diesem Moment ehrlich gesagt zu charakterisierend und sollte an anderer Stelle für noch schlimmeres verwendet werden. Für einen Vorschlag zur Formulierung wäre ich sehr dankbar Icon_smile

Zitat:er weint und ist wie erstarrt, als sie in sein Haus stürmen. Okay. Wenn er im nächsten Kapitel zum Krieger mutiert, dann werd ich ... unleidlich. Mrgreen Übrigens: wenn mehr Spannung, so wie kurz nach diesem Textstück, passen auch mehr Absätze. Da werden sie zum Stilmittel und nicht zur Sonderlichkeit.
Dann wirst du Balian in dein Herz schließen, denn er bleibt beinahe die gesamte Stroy über schlichtweg DER Antiheld Icon_wink

Zitat:Okay, ist mir zu dick aufgetragen. Definitiv. Wie alt ist Balian eigentlich. Das frag ich mich jetzt zum ersten Mal ...
Tut mir Leid, darauf bestehe ich. Balian ist zwischen 17 und 19 (ganz genau festlegen will ich mich an dieser Stelle noch nicht), allerdings wie gesagt nicht gerade dass was man unter einem typischen Held versteht. Er ist sogar eigentlich eher noch von pubertärem Gemüt und erst der Lauf der Geschichte macht langsam (sehr langsam, oh ja) einen erwachsenen Mann aus ihm.

Zitat:Nicht doch, der Mann ist grad abgeschlachtet worden. Blut, Dreck, ... das geliebte Gesicht eines Menschen, der durchbohrt wird kann manchmal auch eine hässliche Fratze sein. Entspricht sogar viel öfters der Wahrheit, möcht ich wetten. Ich bin da, muss ich sagen, viel härter zu Gange was meine Charaktere anbelangt. Schönreden tue ich nicht gern und ich les es genauso wenig mit Freude.
Hier wird nichts schöngeredet. Es handelt sich hierbei um das was Balian sehen WILL. Ich bezweifel dass Beolund in Wirklichkeit ohne Angst zum Angriff übergegangen ist und still, gefasst und nur an seinen Sohn denkend in den Tod gegangen ist. Er ist eine starke Persönlichkeit zweifelsohne, die Balians Bild von Stärke und Tapferkeit noch sehr stark prägen wird und deshalb wird hier explizit kein Augenmerk auf die Hässlichkeit des Todes gelegt. Für Balian ist er sowas wie die personifizierte Rechtschaffenheit. Das wird später immer wieder ein Thema sein, wenn ich eine Figur einführen werde, die manchmal so gar nicht in dieses Bild passt.

Grob zusammengefasst möchte ICH sagen: Nochmals vielen Dank für deine Offenheit und die vielen Vorschläge, die mir wirklich sehr geholfen haben. Für die Dramatik will ich mich nicht entschuldigen. Sie musste hier überspannt werden, um die traumatische Erfahrung für den eher zart besaiteten Balian passend rüberzubringen. Ich bediene mich normalerweise eher atmosphärischer Mittel, überschwängliche Dramatik wirst du bei mir nur in Schlüsselsequenzen zu sehen bekommen (hoffe ich mal stark). Was die Wortwiederholungen und den Satzbau angeht, werde ich mir deine Worte zu Herzen nehmen, das gibt mir neues Futter für mein Ego. Ich möchte dich an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass wir uns momentan noch in Balians Welt befinden und die Gut/Böse-Kluft deshalb absolut mit Vorsatz hoch gehalten wurde. Du wirst bald in den Genuss von einer anderen Welt kommen, die bald mit Balians Weltanschauung kollidieren wird...

Viele Grüße und nochmals Danke

Damien








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