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Es ist: 17-04-2021, 20:43
Es ist: 17-04-2021, 20:43 Hallo, Gast! (Registrieren)


Siegelmagie [Kapitel III]
Beitrag #1 |

Siegelmagie [Kapitel III]
Hallo zusammen,

Es grenzt schon an ein Wunder, dass ich dieses Kapitel endlich fertig bekommen habe. Ich habe es schon vor den Weihnachtsferien geschrieben, bedingt durch die zahlreichen, sehr hilfreichen Kritiken, musste ich es allerdings noch mehrere Male überarbeiten.
In diesem Kapitel geht es ein bisschen actionreicher zur Sache, deshalb habe ich mein Hauptaugenmerk auf Sternchens Evergreen-Kritik gelegt mich nicht in elendslangen Wortketten und ausufernden Beschreibungen zu verlieren, sondern zu versuchen die gelobte Geschwindigkeit, bzw. den gelobten Fluss am Ende des 2. Kapitels weiterzuführen.
Ich musste feststellen, dass das gar nicht so einfach ist und ich es auch nicht ganz abstellen konnte. Ich glaube aber, dass der Mix jetzt zumindest ausgewogener ist, als in den Kapiteln davor (bezogen auf die jeweils 1. Fassung).
Woran ich das festmache?
Ganz einfach. Ich hab soviele, meiner Meinung nach, tolle Beschreibungen und Wortkonstrukte rausgeschmissen, dass mein Herz wahrscheinlich noch im nächsten Jahr nachblutet^^
Aber wie ich von der Filmproduktion her weiß, muss man das weglassen auch lernen. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß und freue mich auf eure Meinungen und Kritiken.

Es grüßt
Damien


Siegelmagie
~ Kapitel I - Kapitel II - Kapitel III ~
_______________________________________________________________

Balian wusste weder wie lange, noch wie weit er gelaufen war, geschweige denn wohin. Vollkommene Leere hatte sich in seinem Inneren ausgebreitet und jede zeitliche oder örtliche Determinante verschluckt. Sein Körper war gefangen in einer Endlosschleife aus ziellosen Schritten, beinahe mechanisch wirkenden Bewegungen, die ihn forttrugen.
Die Sonne hatte die Mittagsstunde schon vor Ewigkeiten überschritten und schickte sich an am westlichen Horizont zu versinken. Rotgoldene Strahlen tauchten die umliegenden Bäume in ein beruhigendes, warmes Licht und ließen die Blätter wie abertausend winzige Smaragde funkeln. Seine gesamte Umgebung schimmerte in atemberaubender Schönheit, doch Balians Blick war ihr gegenüber mit Blindheit geschlagen.
Auch das sanfte Rauschen des Windes nahm er nicht war, oder das verräterische Rascheln im Geäst.
Etwas regte sich in ihm, versuchte die gähnende Leere zu überwinden, um ihn zu warnen, versank aber in dem zähen Sumpf seiner Gleichgültigkeit. Die Büsche am Rande seines Wegs teilten sich und ein Dutzend schwarz-gewandeter Krieger trat aus dem Schatten der Bäume. Wortlos umzingelten sie ihn, doch Balian beachtete sie überhaupt nicht, waren sie doch nicht mehr als formlose Schatten am Rande seines Bewusstseins.
Belanglos, wie alles Andere.
Die hünenhaften Männer zogen ihren Kreis enger, bis er gezwungen war inne zu halten. Fauliger Gestank schlug ihm entgegen, prallte jedoch von den Mauern ab, hinter die er sich selbst verbannt hatte. Wenig mehr als ein leichtes Echo war von dem verzweifelten Aufbegehren seiner Panik übrig geblieben, als wären all seine Empfindungen machtlos gegen das allumfassende Nichts in seinem Inneren.
Einer der Schatten löste sich aus dem Zirkel und kam auf ihn zu. Ewigkeiten schienen zu vergehen, mit jedem Schritt den der riesige Krieger auf ihn zu machte. Jede seiner Bewegungen ließ die Zeit zäher fließen. Der Hüne streckte den Arm aus und wie in Trance folgte Balians Blick der massigen Hand, die sich zeitlupenartig schleppend seinem Kopf näherte. Quälend langsam griffen die metallummantelten Finger nach seinen Haaren und als sie seinen Schopf mit einem harten Ruck zu fassen bekamen, kam der Fluss der Zeit endgültig zum Erliegen.
Beißender Schmerz fraß sich durch seine Nervenbahnen und klärte sein Sichtfeld schlagartig. Das Bewusstsein für seine Umgebung kehrte zurück, zuvor unfassbare Schemen um, und vor ihm schärften sich. Vertraute Formen nahmen Gestalt an und zeichneten sich ab von den Schatten der Existenzlosigkeit. Wie tausend winzige Nadeln bohrte sich die Erkenntnis in seine Schädel, als er die Rüstungen der schwarzen Krieger wieder erkannte. Ihre Chance witternd entdeckte die unterdrückte Panik die Lücke in seiner Verteidigung und wollte gerade erbarmungslos zuschlagen, als ihm die Präsenz einer anderen Macht gewahr wurde.
Ein Paar eisblauer Augen blitzte hinter den dunklen Gestalten aus dem konturlosen Zwielicht auf, welches sein Bewusstsein noch nicht zu klären vermocht hatte. Umrisse einer weiteren Gestalt schälten sich aus dem Nebel, rabenschwarze Haare wanden sich wie obsidianfarbene Schlangen aus dem Nichts und umrandeten die markanten Gesichtszüge. Blitzender Stahl in seinen Händen zwang die Dunkelheit weiter zurück. Erneut konnte Balian beobachten, wie das eisige Feuer aus den Pupillen des Fremden ausbrach und seine Augen in Sekundenschnelle in ein glühendes Inferno verwandelte, dann zerriss der Strom der Zeit seine Fesseln mit einem lautlosen Brüllen.
Alles passierte gleichzeitig, fast als versuche die Zeit die verlorenen Augenblicke wieder aufzuholen, sodass die normale Abfolge der Dinge außer Kraft gesetzt wurde. Stahl zog weiße Linien durch die Luft und streckte zwei der schwarzen Krieger nieder. Noch bevor die Leiber den Boden berührten, war der Fremde bereits hinter dem Nächsten und ließ eine seiner Klingen in den Rücken des wehrlosen Mannes fahren.
Die verbliebenen Hünen reagierten schnell, doch sie hatten der todbringenden Präzision des Anderen nichts entgegenzusetzen. Zwei Weitere fielen den hungrigen Klingen des Fremden zum Opfer bevor die Anderen überhaupt Zeit hatten zu sterben. Leblose Körper schlugen auf dem Waldboden auf und rissen die Zeit aus ihrer Stromschnelle.
In einer betont langsamen Bewegung ließ der verbliebene schwarze Krieger Balian los und drehte sich zu dem Fremden um.
„Damien.“
Der Riese spuckte den Namen förmlich auf das Gras zwischen ihnen.
„Bastard!“
Begrüßte der Andere ihn fröhlich mit einem Anflug von Spott in der Stimme.
„Wie ich sehe vergreifst du dich gerne an Schwächeren. Das kann ich leider nicht zulassen …“
Dramatisch ließ Damien seinen Blick über die fünf toten Krieger schweifen, bevor er wieder deren Anführer fokussierte.
„… denn das ist immerhin meine Aufgabe.“
Gelenke knackten, als der schwarze Hüne sich verkrampfte. Schier überbrodelnder Hass schien in pulsierenden Wellen von ihm auszugehen, doch er war klug genug der offenkundigen Provokation nicht zu folgen und dem Angreifer damit in die Hände zu spielen.
„Sind das da Stressflecken an deinem Hals?“
Das schlecht gespielte Erstaunen auf Damiens Zügen spannte den Bogen ins Unerträgliche. Balian war davon überzeugt jeden Augenblick Zeuge eines gewaltigen Wutausbruchs des gerüsteten Kriegers neben ihm zu werden. Doch er blieb aus. Während der Hüne Damien mit Blicken aufzuspießen versuchte, erwiderte dieser seinen Blick mit unverhohlenem Spott und sagte:
„Du bist gar nicht so dumm wie ich dachte. Was bei meinen bodenlos tiefen Erwartungen zwar nicht allzu schwer ist, aber immerhin. Würden wir uns ein bisschen besser kennenlernen würde ich dich vielleicht sogar …“
Er hielt kurz Inne und dachte angestrengt nach, bevor er fortfuhr.
„… nicht hassen.“
Wie um sich selbst für die vortreffliche Wahl des Ausdrucks auf die Schulter zu klopfen, nickte Damien.
„Pass auf, hier ist mein Vorschlag: Du bist stolz genug nicht wegzulaufen und nicht dumm genug mir Blind ins Messer zu laufen. Ich gewähre dir eine faire Chance. Keine Siegelmagie, nur du und ich. Mann gegen Bastard. Einverstanden?“
Bastard schnaubte verächtlich, nickte dann aber. Er hatte die Bewegung noch nicht einmal zu Ende geführt, als Damien bereits mit einem übermenschlich schnell geführten Angriff bei ihm war. Die Konturen seines Schwertes verwischten in der gnadenlosen Geschwindigkeit und zielten auf den Kopf des Hünen, näherten sich seinem Hals mit brachialer Rasanz und … trafen auf blitzenden Stahl.
In einer kaum wahrnehmbaren Drehung hatte der Krieger sein Schwert herumgewirbelt und es zu einer perfekt geführten Parade positioniert. Als die Klingen kreischend aufeinandertrafen nutzte der Kontrahent Damiens Schwung und leitete dessen Schlag nach unten ab um ihn in einer fließenden Drehung die Faust in den Rücken zu rammen. Gefolgt von einem lauten Krachen schlug dieser auf dem Boden auf. Der finale Stoß folgte, schoss auf Damiens ungeschützten Rücken zu und nur dessen instinktive Reaktion rettete ihm das Leben:
Mit einer ungelenk wirkenden Seitwärtsrolle flüchtete er vor dem niederfahrenden Stahl. Zu langsam. Ein tiefes Knurren entfuhr Damien, als die Klinge einen tiefroten Striemen an seiner Seite hinterließ. Sich aus der Drehung aufrappelnd, brachte er sich mit zwei schnellen Schritten außer Reichweite, doch das erwartete Nachsetzen seines Gegners blieb aus.
„Ich habe dich unterschätzt.“
Kein Spott lag mehr in Damiens Stimme, dem Hohn war Ernüchterung gewichen.
„Diesen Fehler werde ich nicht noch einmal machen.“
Mit diesen Worten schleuderte er eins seiner Schwerter in Richtung des wartenden Hünen. Verblüfft parierte der Krieger die herannahende Klinge mit seinem Schwertblatt. Sein Gegner musste wissen dass dies keine ernstzunehmende Gefahr für ihn darstellte, doch der daraus folgende Rückschluss kam zu spät.
Balian stockte der Atem. Frisches Blut benetzte den Waldboden. Das Aufblitzen der Erkenntnis in den Augen des Kriegers gefror, als sein Blick brach. Einen Augenblick verharrte die massige Gestalt noch aufrecht, fast als ob sie ihr Schicksal nicht akzeptieren wollte, dann brach sie zusammen und eine zähflüssige Lache breitete sich unter ihrem Kopf aus. Damien, der nunmehr hinter dem Leichnam stand und ihm den Rücken zugewandt hatte, blickte nachdenklich in Richtung der sterbenden Sonne. Als er sich zu dem Jungen umdrehte, lag ein seltsamer Ausdruck auf seinen Zügen.
„Ein Herzschlag und es ist vorbei.“
Unverkennbare Melancholie schwang in seinen Worten mit.
„Es erfordert keinen Mut geliebten Menschen in den Tod zu folgen. Sterben ist so leicht.“
Schwarze Strähnen fielen ihm ins Gesicht, als er den Kopf senkte.
„Du denkst, dein Leben hat keinen Sinn mehr, jetzt wo alle fort sind? Glaubst du, dein Tod wäre der gerechte Dank für die Menschen, die für dich gestorben sind? Damit du weiterleben kannst?“
Die letzten Worte lösten sich in einem wütenden Knurren aus seiner Kehle.
„Wenn es für dein erbärmliches Leben je einen Grund gegeben haben sollte, dann war er nie begründeter als jetzt. Dein Leben, Junge, gibt dir die Möglichkeit die Menschen zu ehren, die es als richtig erachtet haben ihres dafür zu lassen. Jetzt ist die falsche Zeit um Feigling zu spielen.“
Seine Worte schlugen Funken in Balians Innerem. Während Damien sprach erwachte etwas in ihm und begann den Schmerz langsam zu verzehren. Jede Silbe fachte die Glut in ihm weiter an, erfüllte ihn mehr und mehr mit unbändigem Zorn. Wut zwang die Trauer und Verzweiflung zum Rückzug und ließ bald nur noch einen einzigen Gedanken zu:
Sie müssen bezahlen!
Damien nickte.
„Du willst Rache?“
Zur Antwort brüllte der Sturm in ihm auf und ließ Balians ganzen Körper erzittern.
„Dann wirst du zur Hölle fahren.“
Ein kaltes Lächeln umspielte seine Lippen.
„Aber die Bastarde, nehmen wir mit.“

Verstehst du die Macht, die in den Siegeln wohnt?
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