Es ist: 05-06-2020, 07:49
Es ist: 05-06-2020, 07:49 Hallo, Gast! (Registrieren)


Frau aus dem Tal
Beitrag #2 |

RE: Frau aus dem Tal
Hallo polet,

hab dein Gedicht jetzt paar Mal gelesen und trotzdem das Gefühl, dass ich noch nicht alle Nuancen entdeckt hab. Mit jedem neuen Mal entdeckt man neue Bedeutungsebenen.

Für mich das Beschreiben eines/r idolisierten, überhöhten Anderen, die im Ich verschiedene Gefühle auslöst: Einerseits ist dem Ich klar, dass es die "Frau aus dem Tal" überhöht, andrerseits ist es völlig gefesselt von diesem märchenhaften, ungreifbaren und scheinbar nicht einzufangendem Wesen, dass sich evtl. auch gar nicht bewusst ist, was es dem Ich antut.
Für mich ist die erste Strophe das Beschreiben des Märchenhaften, Freien, der anfänglichen Faszination des Ichs. Im zweiten Teil evtl. der Versuch des Ichs, sich anzunähern, durch Verstellen aufzufallen, gleichzeitig das Einsehen, dass es ohne Chance ist. Über den dritten Teil bin ich mir nicht ganz einig, sozusagen. Dass das Ich aufgibt und einsieht, dass es nichts bringt und sich von dem überhöhten Anderen abwendet, ist bei beiden meiner Lesearten offensichtlich. Warum sich das Ich abwendet, ist für mich aber offen - beziehen sich die kranken, trockenen Bilder von Stillstand und Unfruchtbarkeit auf das Ich oder auf das neue, vllt. klarere Bild, dass das Ich plötzlich auf das überhöhte Wesen hat.

Wie auch immer die letzte Strophe zu lesen ist, für mich ein Handlungs- und Gefühlsbogen von anfänglicher Faszination, Werben um Aufmerksamkeit und Aufgabe.
Deine Bilder sind wunderschön; die Frau aus dem Tal wirkt fast übermenschlich, fabelhaft, feenartig -"Taudiadem", "Regenhaar", "hierarchielos die Engelstätowierung", "Finger, die sich windwärts falten", "der Stimme, in der sich Gezeiten paaren", "Hauch der Kometenspur", "Nebel ziehen am Sommertag", etc.
Den märchenhaften Naturbildern der Frau aus dem Tal (allein die Phrase "Frau aus dem Tal" lässt an Natur und versteckten Fabelort denken) stehen den "harten", entnatürlichten Bildern des Ichs gegenüber (korrodieren, Augenstahl, Aschnatur, Pertolaugen).

Ist eine Freude zu lesen. Icon_smile

glg
lu

Krawehl, Krawehl!
Taubtrüber Ginst am Musenhain!
trübtauber Hain am Musenginst!
Krawehl, Krawehl!


"Kunst ist nichts anderes als das Portrait einer Idee." Manfred Kröplein.

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Frau aus dem Tal - von poLet - 19-08-2013, 16:20
RE: Frau aus dem Tal - von lu - 21-08-2013, 16:31
RE: Frau aus dem Tal - von poLet - 22-08-2013, 13:06

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