Es ist: 09-12-2019, 03:21
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UNDER CONSTRUCTION / Disharmonia 1.0 Kap. 1 (1/2)
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UNDER CONSTRUCTION / Disharmonia 1.0 Kap. 1 (1/2)
Disharmonia
1. Kapitel

Ich habe eine Theorie. Ich bin der festen Meinung, dass Partner einander ähneln. Damit meine ich nicht, dass sie nach einiger Zeit ihre Hobbys anpassen, sodass sie abends gemütlich dieselbe Lieblingsserie miteinander teilen oder wie Hunde beginnen ihrem Herrchen und Frauchen ähnlich zu werden, wenn sich ihr Bauchumfang an den ihres Halters angleicht oder sie mit demselben Muster ihres Strickjäckchens wie das des Pullis ihres Besitzers an der Leine hinterherdackeln.
Ich spreche vielmehr von äußerlichen Merkmalen, die uns von Anfang an prägen, eine hervorstechende Nase, ein markantes Kinn, schief sitzende Augen, Sommersprossen, all das eben. Ich sehe die Bestätigung meiner Theorie immer wieder in der U-Bahn, auf der Straße, ja selbst in der Bibliothek. Zuerst denke ich mir, wie schön es ist, dass sich Bruder und Schwester Zeit füreinander nehmen, doch schnell entpuppt sich das Pärchen durch einen Kuss oder eine zärtliche Berührung als Liebespärchen.
Man kann mir sagen, was man will, dass ich mir das einbilde – die Betroffenen fühlen sich ohnehin nie angesprochen –, aber ich bin von meiner Erkenntnis nicht abzubringen. Vielleicht liegt es in der Natur des Menschen, dass er so narzisstisch veranlagt ist, sich in sein Ebenbild zu verlieben oder aber an tiefsitzenden Komplexen, die sich in der Kindheit gebildet haben und nur durch einen Partner kompensiert werden können, der Ähnlichkeiten zu der eigenen Familie trägt. Über die genauen Gründe kann ich nur Mutmaßungen anstellen. Ich habe nicht viel mehr Ahnung von solchen Dingen als andere Möchtegernpsychologen, die sich einmal im Jahr ein Buch über Freud’sche Perversitäten ausleihen, aber ich beharre darauf, Recht zu haben. Natürlich kann ich auch die Leute verstehen, die sich vehement gegen meine Theorie sträuben – denn wer sieht sich schon gerne beim Sex selbst in die Augen?
Ich bin keine Ausnahme. Kenneth, mein frischgebackener Exfreund, könnte wohl nicht mehr das Gegenteil von mir sein. Mich darauf auszureden, es musste scheitern, weil wir uns so ganz und gar nicht ähnlich sind, ist sicher ein bequemer Ausweg und nicht ganz stichhaltig, bestätigt aber meine Theorie.
Er ist blond, blauäugig (damit ist wirklich nur von seinem Aussehen die Rede, er verfügt beizeiten über mehr Menschenkenntnis als ich und ich würde mich nicht gerade als unerfahren auf diesem Gebiet bezeichnen), hochgewachsen wie ein Baum, blass, als wäre er chronisch anämisch, erfreut sich aber bester Gesundheit und ist mit seiner Dauerkarte im Fitnessstudio amtlich als sportlich ausgewiesen. Sein Gesicht dagegen verhält sich zu seinem Körper, der nicht viel mehr Sexappeal und Männlichkeit ausstrahlen könnte, wie ein Babyface, womit ich ihn hin und wieder aufzog. Von all seinen weichen Gesichtszügen, ist es wohl seine Stupsnase, gegen die er die größte Ablehnung hegt. Oft ließ er die Bemerkung fallen, einen Schönheitschirurgen deswegen aufsuchen zu wollen, doch ich weiß, dass er sich nie einer kosmetischen Behandlung unterziehen würde. Er hält nichts von Operationen und auch wenn er nicht gerade gläubig ist, hält er an der Devise fest, so zu bleiben, wie Gott ihn geschaffen hat.
Sieht man nun Kenneth, den blonden Hünen und stellt sich mich daneben vor, muss man sich wohl das Grinsen verkneifen. Ich bin nicht klein, mit meinen 1,67 m reihe ich mich ohne großes Aufsehen in den Durchschnitt ein, doch neben einen an die 1,90 m großen Riesen, nimmt Größe ein relatives Maß an. Würde Kenneth Vanilleeis sein, wäre ich unweigerlich Schokolade, denn für eine Europäerin aus dem Norden trage ich auffallend südliche Merkmale. Mein Haar ist dunkelbraun wie getrockneter Kaffeesatz. Aus Gründen der Bequemlichkeit trage ich es kurz, ansonsten würden schon zwei Stunden des Tages draufgehen, um mich um meine Haar-„pracht“ zu kümmern. Meine Augen sind ebenso dunkelbraun, obwohl die Leute sagen, sie wären schwarz. Im Sommer tankt meine Haut so viel Sonne, dass ich locker als Spanierin durchgehen könnte und wenn ich dann noch ein rollendes R in meine Sätze einbaue, wäre meine zweite Identität als Flamenco tanzende Latina perfekt.
Das waren also wir, Kenneth und ich, doch seit einer Woche gab es uns offiziell nicht mehr.
In einem Moment hellster Klarsicht oder aber auch reinsten Wahnsinns – nur eine Frage der Perspektive – packte ich meine Sachen und stürmte aus der gemeinsamen Wohnung, die vorher Kenneths gewesen war. Ich hatte meine Wohnung nie aufgelöst, da mir mein gesundes Misstrauen gegen zwischenmenschliche Beziehungen riet, mit der rosaroten Brille auf der Nase keine Entscheidungen zu treffen, die mein Leben als Single mir nichts dir nichts über Bord warfen und mich unbekannten Gewässern aussetzten. Kenneth hatte es immer als offene Beleidigung gesehen, dass ich mir sozusagen einen Notausgang mit dem Fuß offenhielt, während er mich mit beiden Armen willkommen hieß.
„In deiner Wohnung hältst du deine anderen Freunde aus, gib’s zu“, sagte er oft im Scherz, weil er selbst keinen Schlüssel besaß, doch ich bemerkte in seiner Stimme immer eine Art Skepsis, die mich wohl auf die Probe stellen wollte.
„Denen brauche ich wenigstens nicht hinterher zu putzen“, entgegnete ich dann mit demselben Grinsen, doch mit einem Schuss mehr Wahrheit, wenn ich gerade seine schmutzigen Socken zwischen den Couchpolstern hervorfischte.
Wir waren ein tolles Team, ich bestreite es gar nicht, doch zu dem jetzigen Augenblick gab es einfach keine andere Option als eine Trennung. Zumindest versuchte ich mir das einzureden. Denn im Nachhinein betrachtet, hätte das Chaos, das in wenigen Tagen mein Leben beherrschen sollte, verhindert werden können, hätte ich den Brief ignoriert, der mir per Einschreiben zugestellt worden war, und mein gewohntes Leben mit Kenneth fortgesetzt. Ich hatte die letzten zehn Jahre mein Bestes gegeben, nicht aufzufallen und mich in den Alltagstrott einzufügen, doch ein verdammter Moment hatte mich in alte Muster zurückfallen lassen und all meine Bemühungen, Normalität zu heucheln, zunichte gemacht.
Vor Kenneth hätte ich es nie zugegeben, weil sein ohnehin schon übergroßes Ego dann wohl in die unendlichen Weiten des Alls abgedriftet wäre. Doch so ganz mir selbst überlassen, konnte ich mir eingestehen, dass Kenneth wahrscheinlich das Beste war, was mir je passiert war. Vor zwei Jahren hatten wir uns im Supermarkt kennengelernt. Er war mir vom ersten Augenblick sympathisch gewesen, doch nie im Leben hätte ich damit gerechnet, dass er eines Tages der wäre, mit dem ich die Bettwäsche aussuchen würde.
Als hätte er mir erst gestern diesen Heidenschrecken eingejagt. Aus dem Nichts heraus war er mit meinem Einkaufswagen zusammengestoßen und hatte mich mit dem für ihn typischen leicht spöttischen Grinsen angesehen, das aber schnell einem offenherzigen Lächeln gewichen war, das sich sofort seinen Weg in mein Herz gebahnt hatte. Er hatte die Gunst der Stunde genützt und mich auf ein Eis in der schwülen Hitze eingeladen. So hatte eines zum anderen geführt, wir hatten unsere Nummern ausgetauscht und nach einem Monat war jeder ein fixer Bestandteil vom Leben des anderen geworden.
Bis heute weiß ich nicht, ob er mich mit Absicht gerammt hatte oder uns schlichtweg der Zufall miteinander bekannt gemacht hatte. Ich war so vertieft darin gewesen, die Nährwerttabelle meiner Lieblingskekse zu studieren, dass mich Kenneths Attentat eiskalt erwischt hatte. Ich verbrachte mehr Zeit mit dem Analysieren meiner Essgewohnheiten als mit dem Essen selbst. Das war eine meiner Macken, von denen er mit der Zeit noch mehr aushalten musste.
Nichts übt eine derartige Faszination auf mich aus wie Süßigkeiten und ihre Konsequenzen auf meine Figur. Ich bin die Letzte, die sich über Extrakilos auf der Waage beschweren darf – das wird mir von meinem weiblichen Umfeld oft genug versichert, das neidisch auf meine Wespentaille schielt. Im Leben gibt es praktisch nichts, über das wir uneingeschränkt Kontrolle haben. Doch was ich meinem Körper zukommen lasse, ist ganz allein meine Entscheidung. Darum führe ich Buch über jede noch so kleine Kalorie, die sich in meinen Magen verirrt. Wieso ich also noch so gut wusste, was mir vor zwei Jahren durch den Kopf ging, als ich um ein Haar einem Schleudertrauma in der Süßigkeitenabteilung entging? Weil ich seit damals jedes Mal vor den Keksreihen stand und mir von einem Kauf aus Heißhunger abriet, indem ich mir gut zuredete, dass zu Hause eine viel süßere Verlockung auf mich wartete.
Bis letzte Woche.
Nur noch ein klein wenig wollte ich mich meinen heile-Welt-Erinnerungen hingeben, dann musste ich mich so oder so daran machen, den Scherbenhaufen, den andere mein Leben nannten, aufzukehren.
Da Kenneth Eigentümer einer kleinen, aber ansehnlichen Bar war, in der es keine Position gab, in der er noch nicht ausgeholfen hatte, vom Tellerwäscher angefangen bis zum Rausschmeißer, hatte er mich, bevor wir noch ein Paar waren, oft gebeten, die eine oder andere Schicht zu kellnern. Er war sehr wählerisch bei seinem Personal, das wusste ich aus seinen Erzählungen, also fühlte ich mich geschmeichelt und brachte es nicht über mich, Nein zu sagen. Da ich auch zu dieser Zeit keiner geregelten Arbeit nachging, den Vormittag gelegentlich in der Bücherei verbrachte und mich nachmittags an der Staffelei versuchte, stellte es auch kein zu großes Opfer dar, mir meine Abende als Kellnerin zu vertreiben. Die beachtlichen Patzen an Trinkgeld machten mir die Arbeit nur noch schmackhafter.
Kenneth war für sein loses Mundwerk bekannt – gerade seine Direktheit schätze ich unter all seinen Eigenschaften am meisten, wobei viele seine Ehrlichkeit oft als Unverschämtheit empfinden –, doch genoss große Beliebtheit unter den Frauen. Es dauerte nicht lange, bis mich meine Kolleginnen mit Fragen bedrängten, ob sein Bizeps und Waschbrettbauch wirklich das hielten, was sie unter den engen Hemden versprachen. Sie waren baff, als ich sie mit der Realität vor den Kopf stieß, dass Kenneth nur ein Freund war und diese Bezeichnung auch keine Umschreibung von etwas Obszönem war. Darauf belehrten sie mich, dass Kenneth nie nur ein Freund sein könnte. Doch ich sah es in ihren strahlenden Gesichtern,wie erleichtert sie waren, dass ich ihn mir noch nicht gekrallt hatte und sie sich noch Chancen ausrechnen konnten.
Ich aber war hellhörig geworden. Für gewöhnlich war ich die Letzte, die die Signale der Männer bemerkte, mochten sie auch noch so offensichtlich und eindeutig sein. Also zwang ich mich Kenneth zu beobachten, um zu sehen, ob die Mädels Recht mit ihrer Befürchtung hatten.
Tatsächlich war Kenneth relativ leicht zu durchschauen, wusste ich einmal, worauf ich zu achten hatte. Seine Blicke sprachen Bände, wenn ich in knapper Kleidung an ihm vorbeitänzelte. Ich machte mir fast schon einen Sport daraus, ihn mit einer flüchtigen Berührung aus dem Konzept zu bringen. Sein Fanclub sah dem voller Missmut zu, während er es sichtlich genoss im Mittelpunkt meiner und aller Aufmerksamkeit zu stehen.
Weil ich diese berühmtberüchtigen Katz-und-Maus-Spielchen hasse und wissen wollte, woran ich bei ihm war, fragte ich ihn eines Tages geradeheraus, ob wir mehr als Freunde waren.
Kenneth, ganz bestimmt nicht auf den Mund gefallen und mit einem extravaganten Selbstbewusstsein ausgestattet, lud mich prompt zu sich auf ein romantisches Dinner ein. Noch heute habe ich das Raunen der anderen Kellnerinnen in den Ohren, denn vor mir hatte es niemand auf den Level in seine Wohnung geschafft. Einzige die durchgesessene Rückbank hatte Kenneth bis dahin im Angebot gehabt. Die Chemie hatte schon immer zwischen uns gestimmt, also war es auch keine große Überraschung, dass wir denselben Abend in seinem Bett landeten.
Bereits davor hatten wir mehr Zeit miteinander verbracht, als es das reine Arbeitgeber-Angestellten-Verhältnis vorsah, nach diesem Abend klebten wir aber regelrecht aneinander. Für mich war Kenneth mein bester Freund mit dem gewissen Extra. Dass es sich dabei um ein Missverständnis meinerseits handelte, erfuhr ich erst einige Wochen später.
Ich bediente einen Mann mittleren Alters, sehr gepflegt, der ungeniert sein Interesse an mir bekundete. Er war mir nicht zuwider, darum stieg ich auf seine Avancen ein, was zumeist mit einem saftigen Trinkgeld belohnt wurde. Bevor ich noch die Bestellung zu Ende aufnehmen konnte, rief Kenneth mich zu sich. Er schrie, was übertrieben war, da der Mann unser einziger Kunde war und man sogar eine Stecknadel fallen gehört hätte. Kenneth zog mich zur Seite und herrschte mich an, was in mich gefahren sei, mich an den Typen ranzuschmeißen. Ich rief ihm in Erinnerung, welchen Vorteil ein nettes Lächeln bei männlicher Kundschaft brachte, und verstand nicht ganz, warum er so viel Wind um nichts machte.
„Siehst du mich etwa mit anderen Frauen flirten?“, knurrte er. Erst langsam dämmerte mir, dass ich nicht mit meinem Boss Kenneth, sondern mit meinem Freund / Liebhaber Kenneth sprach. Da fiel mir auf, was mir längste Zeit entgangen war: Kenneth hatte die gesamte Belegschaft ausgetauscht. Die schmachtenden Kellnerinnen, mit denen er früher das eine oder andere Abenteuer erlebt hatte, hatte er durch die übergewichtige Nana und den verschlossenen Max, der offenkundig für das andere Ufer schwärmte, ersetzt. Kenneth hatte dafür gesorgt, dass jegliche Ablenkung – für beide von uns – aus dem Personal verschwunden war und wenn er gekonnt hätte, hätte er wohl auch die Kundschaft nach bestimmten Kriterien ausgesucht. Ich fragte mich, wie er mit dieser launenhaften Geschäftspolitik nicht pleiteging.
„Es ist dir also ernst?“, schlussfolgerte ich lahm, worauf er mich anfuhr, „du glaubst doch nicht ernsthaft, ich behalte die Zahnbürste einer unbedeutenden Bettgeschichte in meinem Badezimmer?“
Der Umstand, dass ein Teil meiner Sachen sich bei ihm breitgemacht hatte und dem er so viel Gewicht zumaß, hatte nichts damit zu tun, dass ich irgendwelche Besitzansprüche stellte, sondern war eher meiner Schlamperei geschuldet. Ich ließ es aber, ihn aufzuklären.
„Was willst du?“, fragte er mich sanfter, als ich sichtlich ins Grübeln über die Art unserer Beziehung gekommen war.
„Ich will, dass alles so bleibt, wie es ist“, antwortete ich rasch und ehrlich.
„Wie ist es denn?“, hakte er geduldig wie der Lehrer nach, der seine Schülerin in kleinen Schritten zur Lösung der Rechenaufgabe führen musste.
„Na, wie es eben ist. Wir arbeiten zusammen, dann kochst du etwas für mich, wir schauen uns einen Film an, gehen gemeinsam ins Bett …“
Sein selbstgefälliges Lächeln ließ mich verstummen. „Und da fragst du noch, ob es mir ernst ist“, grinste er wie ein Honigkuchenpferd, „kann es sein, dass du ziemlich beziehungsgestört bist? Macht nichts. Ich habe genug Nerven für uns beide.“
Das war eine der süßeren Kenneth-und-ich-Episoden. Gott weiß, dass es auch oft genug explosivere Szenen gab, in denen unsere Dickschädel aneinanderstießen. Achtzehn gemeinsame Monate hatten wir gehabt, während ich mich der kindischen Hoffnung hingegeben hatte, sie würden nie enden. Doch dann kam der Tag, an dem ich die Entscheidung traf, mich von Kenneth zu trennen.
Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, wie es sich anfühlen würde, Kenneth nicht mehr den ganzen Tag um mich zu haben. Es war eine Woche vergangen, in der ich strikt alle Orte gemieden hatte, an denen wir uns begegnen könnten. Ich wollte, so gut wie es ging, einen möglichst sauberen Schlussstrich ziehen und uns beiden die Möglichkeit geben, die Veränderung zu verarbeiten.
Nur zu gut erinnerte ich mich an die längste Stunde meines Lebens zurück, als ich in Kenneths Küche gesessen war und darauf gewartet hatte, dass er endlich heimkäme. Das Knacken des Schlosses hatte mich in dem Moment beflügelt, doch ich wusste, dass die Momente danach umso unerträglicher wären.
Er stolperte nichtsahnend in die Wohnung, blind gegen alle verräterischen Zeichen meines verhärmten Gesichts. Der Karton auf meinem Schoß weckte schließlich sein Misstrauen.
„Ich habe meine Sachen gepackt. Ich hoffe, dass wir Freunde bleiben können“, erklärte ich. Meine Worte mussten für ihn einstudiert klingen, doch die Wahrheit war, dass ich mir den ganzen Tag den Kopf zerbrochen hatte, wie ich es sagen sollte. Mir war einfach nichts Besseres eingefallen.
„Ist das ein schlechter Scherz?“, war das Einzige, was er mir entgegnete. Auch mir fehlten die Worte, um noch irgendetwas zu erwidern. Das war das letzte Mal, dass ich ihn gesehen hatte ...
Gerade als ich mich noch etwas länger in rührseligen Erinnerungen baden wollte, um mich gegen die Einsamkeit zu feien, die mich in Zukunft unweigerlich heimsuchen würde, läutete es an der Tür.
Ich krümmte keinen Finger, verharrte kauernd auf dem Küchensessel, wo ich mir gerade die Zehennägel pink lackierte. Als die Türklingel ein weiteres Mal ertönte, spähte ich zur Uhr über dem Wohnzimmerdurchgang, um mich zu vergewissern, ob mein Zeitgefühl mich noch nicht ganz im Stich gelassen hatte. Ich lag richtig, die Zeiger standen beinahe auf elf Uhr. Nachts, wohlgemerkt.
Vielleicht würde der Störenfried von alleine gehen, wenn ich ihn lang genug ignorierte.
Das Läuten, das ein kräftiges Staccato über meine Dielen schmetterte, wurde nun von einem beständigen Klopfen abgelöst, das dem Verursacher mindestens genauso viel körperliche Schmerzen bereiten musste, wie es auf meine Ohren eindrosch.
„Wer ist da?“, erbarmte ich mich schließlich meines Besuchers, blieb aber in der Küche sitzen, weil der Nagellack noch trocknen musste.
Plötzlich nahm der Ansturm auf meine Tür ein Ende.
„Du warst schon immer faul, aber dass du jetzt nicht mal zur Tür kommst, ist neu.“
Mein Seufzen musste wohl bis nach draußen hörbar gewesen sein. Dass ich auf Abstand gehen wollte, war schön und gut, nur leider konnte ich nicht für Kenneth sprechen.


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