Es ist: 14-04-2021, 05:28
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KYLE - Im Kreis des Feuers (Michael T. Bhatty)
Beitrag #2 |

RE: KYLE - Im Kreis des Feuers (Michael T. Bhatty)
Leseprobe gefällig?


Prolog



Funken stieben gleich Glühwürmchen empor.
Hell loderte das Feuer in der verfallenen Durumhag-Nar’U und Flammenzungen tanzten verglühend in die kalten Höhen über der einsamen Klippe. Das schmutzige Braun und Rot des Abendlichtes in den tosenden Wolkenbergen würde schon bald dem fahlen Wolfsgrau einer noch eisigeren Nacht weichen.

Die fernen Bäume am Rand des dunklen Zedernwaldes wiegten sich im Tanz des Windes und die Gestalt in dem Mantel streckte die Hände den Flammen entgegen, um sich zu wärmen. Selbst im Schein der Flammen wirkte ihre Haut kalt; seltsam gräulich und violett, wenngleich ihr eine zeitlose Jugend inne war. Sie genoss die Wärme für einen Moment, bevor sie mit schlanken Fingern den fein geschmiedeten Verschluss löste.

Mit einem dumpfen Rascheln sackte der schwere Pelzumhang auf den gefrorenen Boden. Still öffnete sie die Schnallen ihrer Rüstung und nahm sorgsam die ledernen Panzerelemente von ihren Oberschenkeln, ihrem Becken und ihren Armen, bevor sie sich mit geschickten Bewegungen von den Brustplatten befreite.

Der Wind biss nach ihrem grazilen Körper. Sie seufzte und schlüpfte aus dem glänzenden Stoff ihres seidenen Unterkleides, nur noch einen Lendenschurz tragend. Dunkelrote, bläuliche wie auch silbrige Symbole schlängelten sich über ihren Körper: ihre Mutter hatte ihr diese Zeichen mit spitzer Nadel und geweihter Tinte unter die helle Haut getrieben, als sie ihre erste Blutquelle erreicht hatte, jenen Zyklus, der das Mädchen von der Frau trennte.

Ihre Fingerspitzen zeichneten die Formen nach. Formen, die wild und fließend gleich dem Flügelschlag der göttlichen Kreaturen waren, die Schnelligkeit ihrer Muskeln betonend. Verfeinert mit Symbolen und Mustern umflossen sie ihren Körper von der Scham über Hüfte und Schulterblätter hinauf bis zum Nacken, verzweigten sich auf Armen und Beinen und verbanden sich zu einer Einheit, die sie zu einem lebenden Kunstwerk machten. Symbole, von denen ein jedes für sich stand, und die doch endlos miteinander verschlungen waren.

Sie biss die Zähne zusammen. Die Symbole spiegelten die Elemente wider, aus denen diese Welt geformt worden war; eine Kunst, die nur noch wenige ihres Volkes kannten. Ein Geheimnis, welches im Laufe der Jahrhunderte vergessen worden war. Seit damals, seit die Goblinached an diesen Gestaden gelandet waren; Kreaturen, die einst Sklaven ihres Volkes gewesen waren und nun durch die Kriegerkaste von der Heimat in Thamalel ferngehalten wurden.

[Bild: 10478422_259706517557290_5253272611509311462_o.jpg]

Entschlossen kniete sie vor der Statue nieder, die man vor Jahrhunderten in einen der Monolithen geschlagen hatte. Die steinernen Arme ausgebreitet, blickten die kalten Augen auf sie nieder und beobachteten sie, wie sie vier Edelsteine, schimmernd und glitzernd, versetzt mit Grün und Rot, Blau und Violett vor sich auf dem Boden verteilte, wie sie Muster im Sand bildend diese zu ihrer Linken und ihrer Rechten verschob, bis sie mit den Positionen zufrieden war. Der Schein des Feuers tanzte ungeduldig in den rauen, ungeschliffenen Edelsteinen.
Schließlich sah sie auf. Das Bildnis der ersten Priesterin war verwittert, doch noch immer konnte sie die Schönheit des sinnliches Leibes spüren, ausgedrückt durch die dezente Neigung des Beckens oder durch die fließenden Linien, die vom Hals abwärts die sanften Rundungen ihres Busens und ihres Bauches umspielten.

Mit spitzen Fingern löste die Elfin auch den Lendenschurz und schloss einen Moment lang die Augen. Sofort biss der Wind nach ihrer nackten Pforte, doch sie ignorierte das Zerren und Kratzen der luftigen Fänge. Letztlich war Kälte nichts Unbekanntes für sie, kam sie doch aus Durum Thamalel. Die Durum – Festung - von Thamalel hatte der bergigen Region ihren Namen gegeben. Kalte, vereiste Hänge und dunkle Höhlen des Berges Thama’Nyr hatten ihrem Volk Schutz vor den sich so unaufhaltsam ausbreitenden Goblinached geboten. Eine kalte Zuflucht, auch wenn die Böen im Tiefland von Durum Thamalel, der Ebene von Nar’U, weitaus peitschender waren, als in den geschützteren Schluchten des nahen Gebirgsausläufers.

Und obwohl sie die Kälte der Schluchten und Höhlen gewohnt war, war die Wärme des von der Glut aufgeheizten Bodens eine Wohltat, und sie genoss es, ihre nackten Füße über den mit Sand bedeckten Steinboden gleiten zu lassen, abgeschliffen von Felsen und Mauerwerk von den endlosen Winden. Ihre Bewegungen waren zart, anmutig, beinahe still, ganz so, wie sich ein Reh durchs Unterholz bewegt. Nur ihre silbernen Fußkettchen klirrten leise und das raue Gefühl des Sandes zwischen ihren Zehen bereitete ihr eine erwartungsvolle Vorfreude, beinahe so, als würde sie im Liebesspiel den Körper einer Geliebten erkunden.

[Bild: 51arAUxzcuL._BO2,204,203,200_PIsitb-stic..._OU03_.jpg]


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RE: KYLE - Im Kreis des Feuers (Michael T. Bhatty) - von Mordrakhel - 25-07-2014, 19:20

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