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Es ist: 28-07-2021, 21:08
Es ist: 28-07-2021, 21:08 Hallo, Gast! (Registrieren)


Feuerherz und Eisflüsterer (1/2)
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Feuerherz und Eisflüsterer (1/2)
Zum Start ins neue Jahr gibt es auch von mir mal wieder etwas zu lesen. Die Kurzgeschichte ist Teil meines Romanprojekts und ist teilweise während dem letzten MoPro entstanden. Aidan ist einer meiner Hauptcharaktere und hiermit wollte ich ihm ein Stück Vergangenheit geben.

Feuerherz und Eisflüsterer (1/2)

Aidan erwischte die Sumpffliege an seinem Hals.
„Verfluchte Viecher“, murmelte er wohl schon zum hundertsten Mal an diesem Tag. Wie in aller Götter Namen war er in den Trollsümpfen gelandet? Einen wirklichen Grund gab es nicht, aber gewisse Entwicklungen, die wohl damit zu tun hatten, dass er seinen inneren Funken nicht kontrollieren konnte. Bain, sein Großvater hatte einmal gesagt, dass Feuermagier gern mit dem Feuer spielten, aber sich das Feuer nicht kontrollieren ließ. Aidan hatte sich nicht bewusst dafür entschieden die Sümpfe zu durchwandern, vielmehr waren es die Umstände, die zu seiner momentanen Situation geführt hatten. Niemand sah gern dabei zu, wie sein Haus in Rauch aufging. Aidan konnte verstehen, dass so jemand auf Rache sann. Insbesondere wenn es dabei um einen jungen Feuermagier ging, der sich demzufolge leicht fangen ließ. Aidan schmunzelte. Noch hatten sie ihn nicht, also war es wohl doch nicht so einfach. Eine weitere Sumpffliege riss ihn aus den Gedanken an seine jüngste Vergangenheit und zwang ihn dazu nach seinem eigenen Arm zu schlagen.
„Verfluchtes Mistvieh.“
Aidan hatte einmal gehört, dass in den Sümpfen Trolle leben sollten und er fragte sich, wie hier überhaupt jemand leben konnte. Selbst, wenn es riesenhafte Menschen waren, wie sie ihm beschrieben wurden.
Langsam senkte sich die Dunkelheit über den Sumpf und verhinderte jedes Weiterkommen. War es schon bei Tage schwer genug einen sicheren Weg über den trügerisch nassen Boden zu finden, so war es bei Nacht erst recht unmöglich. Aidan beschloss, eine Rast zu machen und da dieses Stück Sumpf ebenso gut war, wie jedes andere und noch dazu einigermaßen trocken, schlug er sein bescheidenes Lager auf. Er sank in einen traumlosen Schlaf.

Die Nacht in der Eisflüsterer sein Kleinod fand war mondklar. Unbarmherzig fiel das kalte Licht auf ihn und raubte ihm den Schlaf, bis er es aufgab, Schutz in seinen Träumen zu suchen. Eisflüsterer erhob sich von seinem unkomfortablen Nachtlager und packte seine wenigen Habseligkeiten zusammen. Müde, aber nicht bereit zu schlafen setzte er seine Wanderung durch die Trollsümpfe fort. Es war nicht mehr zu leugnen. Er war auf der Flucht. Vielleicht vor seiner Vergangenheit, vielleicht vor sich selbst, aber vor allem vor dem Gestern. Eisflüsterer wartete auf Morgen. Jeden Tag. Er wusste nicht mehr, wann ihn dieses Gefühl zum ersten Mal beschlich, aber er kannte es schon sehr lange. Bis er seinen Schatz fand. Es war wie in den Geschichten, die manchmal die alten Männer auf den Märkten erzählten. Er stolperte einfach darüber. Erst nachdem er ein paar Flüche in die stille Nacht geschickt hatte, betrachtete er den Stein genauer, der ihn zu Fall gebracht hatte. Aber es war kein Stein, wie er schnell erkannte, sondern ein Ei. Steine waren im Allgemeinen nicht oval, glatt und hauptsächlich glänzte auf ihnen keine dünne Eisschicht. Vorsichtig streckte Eisflüsterer seine Hand danach aus. Es war wirklich eiskalt. Obwohl der Frühling bereits begann und Eisflüsterer dem letzten Schnee des Winters bereits nachgetrauert hatte. Er brauchte nicht lange darüber nachzudenken, er nahm das Ei an sich. Kalt und nicht besonders schwer ruhte es nun in der Innentasche seines Mantels und fühlte sich einfach richtig an. Eisflüsterer liebte die Kälte, nun hatte er ein kleines Stück von ihr bei sich.

Zum zweiten Mal in wenigen Tagen stolperte Eisflüsterer. Diesmal über ein paar Männerstiefel. Er musste die Augen zusammenkneifen, um zu erkennen, dass in den Stiefeln Beine steckten und zu den Füßen ein ganzer Mensch gehörte, der auf der Erde lag und schlief.
Aidan erwachte von dem Geräusch gezischter, wilder Flüche.
Das Feuer brannte munter zwischen den beiden Männern. Insgeheim war Aidan stolz auf sich. Er hatte es entzündet, ohne dass der andere etwas bemerkte und ohne das der gesamte Trollsumpf brannte.
„Meine Eltern gaben mir den Namen Fagus, aber man nennt mich Eisflüsterer.“
„Mein Name ist Aidan.“
Natürlich interessierte es ihn, weshalb sein Gegenüber so genannt wurde, aber stattdessen fragte er: „Warum bist du hier?“ Er warf einen erklärenden Blick auf die stillen Bäume in ihrer Umgebung, die sich kaum aus der Schwärze der Nacht abzeichneten.
„Ich bin immer auf Wanderschaft.“ Eisflüsterer verzichtete auf weitere Erklärungen. Stattdessen schlang er die Arme fester um seinen Oberkörper. Für Aidan sah es so aus, als ob er etwas in seinem linken Arm halten würde, aber er tat es als einen täuschenden Schatten ab.
Aidan stocherte mit einem Zweig in seinem Feuer herum. Die einzige Antwort, die er Eisflüsterer gab, war ein Nicken. Was hätte er auch sagen sollen? Ihm war das gleiche Schicksal vorgesehen, womöglich immer auf Wanderschaft zu sein. Schweigen senkte sich über sie und ihr beider Blick verlore sich in den Flammen. Als die Stille zu unangenehm zwischen ihnen wurde, fragte Aidan: „Bist du schon einem Troll begegnet?“ Eisflüsterer schüttelte den Kopf. „Ich habe gehört, sie sollen scheu sein und Menschen nicht besonders mögen.“ Dieses Gerücht hatte Aidan ebenfalls vernommen. Er senkte die Stimme, als ob er befürchtete, dass sie belauscht wurden. „Und sie sollen ziemlich hässliche, flache Nasen haben.“ Er sah sich um und war sich schamhaft bewusst, dass er seinen Vorurteilen freien Lauf ließ. „Flachnasen, werden sie genannt.“

Die beiden Männer gingen nebeneinander her. Sie hatten sich zu einer Art Reisegemeinschaft zusammengeschlossen. Aidan mochte die Gesellschaft des anderen. Eisflüsterer vermochte es, ihm viel von seinen Reisen zu berichten, doch der Blick aus seinen grünen Augen blieb ihm unergründlich. Sie waren nach Siyanda aufgebrochen, diese Richtung war ebenso gut wie jede andere. Aidan hoffte, dass seine Verfolger ihn aufgegeben hatten. Der Trollsumpf war nicht gerade ein Ort zum Überleben.
Die Hitze hatte sich wie ein schweres Tuch über die Sümpfe gelegt. Aidan spürte, wie es seinem Begleiter immer schwerer fiel weiter zu gehen. Aidans Funke glühte. Er spürte das Feuer tief in sich und wenn er die Augen schloss, loderten die Bilder in der Dunkelheit vor ihm. Er wusste, dass er es kontrollieren konnte, dass er es kontrollieren musste. Dennoch wurde der Drang in ihm stärker. Die Vorstellung, wie er nur die Hand heben brauchte und ein wahrer Feuersturm sich entzünden würde, allein weil er es wollte, war verlockend. Es wäre herrlich den Flammen zuzusehen, wie sie sich in die Bäume um ihn herum fressen würden, wie sie tantzen, loderten in den schönsten Farben. Rot. Orange. Gelb. Hitze und Wärme. Überall um ihn herum. Ein herrliches Inferno. Aidan spürte, wie seine Kehle trocken wurde, wie sein Funke drohte, sich selbst zu entzünden. Er versuchte, an etwas anderes zu denken, aber die Sommerhitze umgab ihn, wie eine zweite Haut und machte es ihm zunehmend schwerer. Er hatte es seinem Begleiter noch nicht verraten, dass er ein Feuermagier war, hatte sein Talent verborgen. Die meisten Menschen fürchteten sich vor dem Unbekannten. Deshalb konnte Aidan verstehen, dass sie sich auch vor fremden Fähigkeiten fürchteten. Die Feuermagie war ein Talent, welches einige Menschen besaßen, aber sie blieben lieber unter ihresgleichen. Sie mussten lernen ihre Kunst zu beherrschen, bevor sie sich in den Städten damit verdingen konnten. Aidan hingegen waren die Umstände nicht so wohlgesonnen, aber nun hatte er Fagus kennengelernt. Seine Situation schien sich zu bessern. In den wenigen Tagen, die sie sich kannten, hatte Aidan das Gefühl, dass der andere Ruhe ausstrahlte. Eine kalte Ruhe, die Aidans Funken dort zu halten schien, wo er hingehörte. Eine der allgegenwärtigen Sumpffliegen, die sich auf seinen Arm setzte, hinderte ihn daran seine Gedanken fortzuführen. Er musste stehen bleiben, um sie fortzuscheuchen. Dabei gelang es ihm auch seinen Funken wieder schrumpfen zu lassen. Er spürte, wie er glühte, aber seine Umgebung war nun nicht mehr in Gefahr. Suchend sah er sich nach Eisflüsterer um. Sein Begleiter war ein ganzes Stück hinter ihm zurückgeblieben, also ließ sich Aidan auf den feuchten Boden sinken. Er fragte sich nicht zum ersten Mal warum dieses Waldstück Sumpf genannt wurde. Der Boden war feuchter, als er es kannte, aber richtige Moore und Seen hatte er nicht zu sehen bekommen. Trolle auch nicht, aber dennoch wollte er lieber in einem morastigen See fallen, als einem von ihnen zu begegnen.

„Du entzündest deinen Funken schnell, Feuerherz.“
Er hatte ihn erwischt. Eisflüsterer hatte es gesehen. Aidan schloss die Augen, er hatte versucht diesen Moment hinauszuzögern. Aber nun war es zu spät.
„Manche sagen, ich entzünde ihn zu schnell.“ Aidan erhob sich aus seiner sitzenden Position, um ihm in seiner vollen Größe entgegenzutreten. Manche Menschen nahmen es nicht gerade positiv auf, wenn sie jemandem von seinem Volk begegneten.
„Du musst ihn beherrschen, sonst beherrscht er irgendwann dich.“ Mit diesen Worten wandte sich Eisflüsterer ab und beschäftigte sich wieder mit seinem Abendessen. Sie verloren keine weiteren Worte darüber, bis Aidan entdeckte, dass Eisflüsterer ebenfalls ein Magier war.

Aidan konnte nicht schlafen. Sein Funke glühte. Ihr Lagerfeuer brannte zwischen seinem und Eisflüsterers Schlafplatz. Er drehte sich zu den Flammen herum. Der Anblick ihrer lodernden Schönheit beruhigten ihn. Fagus hatte ihm den Rücken zugewandt. Er schien zu schlafen und Aidan empfand deshalb so etwas wie Neid. Eisflüsterer machte eine Bewegung, die Aidan zunächst für ein schlaftrunkenes Zucken hielt. Doch dann spürte er mehr, als das er es sah, dass sein Reisegefährte wach war. Getrieben von Neugier näherte er sich dem nur scheinbar Schlafenden.
Eisflüsterer blies über seine Handfläche. Von seiner Haut löste sich kein Staub, wie Aidan es erwartet hätte, sondern winzige Schneekristalle. Die Flocken legten sich auf etwas, dass er in seinem Arm hielt. Für Aidan sah es aus wie ein Stein. Er musste blinzeln. Während dieses Wimpernschlags hatte sich auf dem Stein eine dünne Eisschicht gebildet, die Fagus nun zu streicheln schien. Aidan konnte fast körperlich spüren, wie die Tage, die er mit Eisflüsterer verbracht hatte, auseinanderfielen, sich neu zusammenfügten und ein völlig anderes Bild von seinem Gefährten ergaben. Ein sinnvolles Bild.
„Dein Schnee schmilzt schnell.“ Aidan fühlte so etwas wie Erleichterung. Eisflüsterer war ein Magier. Wie er. Es würde ihnen einige Erklärungen und lästige Vorurteile ersparen, jetzt wo sie sich gegenseitig erkannt hatten.

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Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Feuerherz und Eisflüsterer (1/2) - von LadydesBlauenMondes - 02-01-2015, 12:42

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