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Es ist: 06-07-2020, 10:40
Es ist: 06-07-2020, 10:40 Hallo, Gast! (Registrieren)


Blutklinge (6/10)
Beitrag #1 |

Blutklinge (6/10)
überarbeitet: 29.08.



~*~

Die Nacht ging in Morgendämmerung über und Nebelschwaden zerflossen unter der steigenden Sonne, die einen weiteren heißfeuchten Tag versprach. Weder die Späher des Königs noch ihre eigenen hatten einen Hinweis auf Feen in der Umgebung des Lagers entdeckt, als die Waldelbe aufwachte.
Makku säuberte gerade die Knochen des Kadavers von Fleischresten und Blut, um sie später zu Knochenmehl verarbeiten zu können, da hörte er das schwache Stöhnen. Es kam von der Bahre, die inzwischen in einer Ecke des Zeltraumes stand, neben den Bottichen voller menschlicher Einzelteile. Rasd fühlte sich dort unübersehbar unwohl, hatte die Platzzuweisung aber widerspruchslos akzeptiert. Jetzt griff er nach der Hand seiner Begleiterin und hielt nicht wie die vorherigen Male inne, sondern schloss seine Finger um ihre.
»Qai?«
Ihre Lider flatterten. Wie im Traum zuckte das rechte Bein kaum wahrnehmbar. Mehr ließen die Fesseln an ihren Gelenken, die sie noch immer an der Bahre hielten, nicht zu. Das linke – verwundete – dagegen lag ganz still, selbst als ihre Atmung hektischer wurde und auch die Arme zu zittern begannen.
»Was geschieht?«, drängte Rasd besorgt.
Makku legte den Oberarmknochen zurück zu den anderen und erhob sich ohne Eile. Von einem dreckigen Wilden würde er sich nicht scheuchen lassen. Erst recht nicht in seinem eigenen Zelt.
Er trat in den Eingangsbereich und schob den Stoff ein Stück zurück. Sofort galt ihm die Aufmerksamkeit des Söldners, den Xephos als Wache eingeteilt hatte.
»Sag dem Kommandanten Bescheid«, befahl er. »Sie wacht auf.«
Der Mann nickte knapp und eilte in Richtung des Lagers, das die ganze Nacht über nicht zur Ruhe gekommen war. Seit dem ersten Morgenlicht legten Nihel und die beiden Hexer des Söldnerhaufens Bannkreise und spannten Schutzschilde, Spähtrupps durchkämmten die nahe Umgebung und jeder, der ein Schwert tragen konnte – gute siebzig Mann –, wappnete sich für den erwarteten Angriff.
Einmal hatte Makku bisher erlebt, wie ein menschliches Lager – ein kleines Dorf – von aufgescheuchten Feen ausgelöscht worden war. Genauso wie heute waren Waldelben dafür verantwortlich gewesen.
Damals waren sie in der Nacht gekommen.
Die Luft war kalt und staubig gewesen und er wollte nicht in die Dunkelheit unter dem Stubenboden. Dort hingen tote Kaninchen, Fasane und manchmal sogar ein halbes Schwein, und wenn die Luke geschlossen wurde, drang kaum noch Licht durch die Ritzen in den Brettern. Aber seine Mutter steckte ihn in dieses Loch, weil die Nacht erfüllt mit dem Sirren von Feenlichtern war. Sie weinte, als sie fortlief, um seine Schwestern zu holen – und sie kam nicht zurück.
Er kauerte allein in der Dunkelheit, in die immer wieder stechende Feenmagie sickerte und irgendwann auch Blut. Die ganze Nacht saß er dort, den Tag über und die folgende Nacht hindurch. Spürte, wie die Wärme des Blutes in seinem Gesicht allmählich Kälte wurde, hörte wie die Schreie allmählich Stille wurden und schmeckte, wie der Feengestank und ihre abscheuliche Magie allmählich Vergangenheit wurden. Der Boden war blutgetränkt, als er sein Versteck verließ, und jeder, den er gekannt hatte, tot.
Erst Jahre später begriff er, dass nicht seine Mutter und das dunkle Loch ihn gerettet hatten. Alle anderen, die in ihren Kellern oder Räucherlöchern Schutz gesucht hatten, waren niedergemetzelt worden. Ihn hatte seine eigene Magie geschützt. Eine Barriere, die er instinktiv um sich gezogen hatte, ohne überhaupt zu wissen, dass er dazu in der Lage war.
Heute war das anders. Er war kein verängstigter, kleiner Junge mehr, der sich verstecken musste. Und doch spürte er bei dem Gedanken an den bevorstehenden Angriff die gleiche Hilflosigkeit tief unter all dem, was er seitdem geworden war. Die Dunkelheit lauerte am Rande seiner Wahrnehmung. Und in ihr glaubte er, das Sirren der Feenlichter zu hören.
Es wurde übertönt von dem abgehackten Aufschrei einer Frau.
Hinter ihm.
Makku wirbelte herum und die Vergangenheit gab ihn frei. Zwei Waldelben in seinem Zelt, keine Feen und keine Dunkelheit. Mit wenigen Schritten war er bei der Truhe, in der er Arzneien, Salben und Kräuter aufbewahrte, und suchte die dunkle Phiole mit Mohnsud heraus. Entkorkt hielt er sie der Waldelbe unter die Nase. Die Smaragde in ihrem dunklen Gesicht starrten ihn an, als würden sie in ihn hineinsehen können. Dann sank ihr Kopf zurück auf die Bahre und ihr Körper entspannte sich.
Wie seit seinem Eintreffen schon wahrte Rasd respektvoll Abstand, mischte sich nicht ein und tat auch sonst nichts, weshalb Makku ihn hätte aus seinem Zelt werfen können. Beobachtete nur still jeden Handgriff.
»Kannst du mich hören?«, wandte er sich der Wilden zu, die schwer atmete und ruhig dalag.
»Ja«, presste sie hervor, versuchte benommen, ihre Arme zu bewegen.
Die Lederriemen weckten Irritation im klaren Grün.
»Du bist festgebunden«, erklärte Makku langsam. »Zu deinem eigenen Schutz. Du hattest Feengift in dir.«
»Dann kannst du mich ja jetzt wieder losbinden«, zischte sie in einwandfreiem Durethi. »Und sprich nicht mit mir wie mit einem Kind. Wo bin ich? Rasd?«
Ihr Blick suchten den ihres Begleiters, auch wenn sie dafür den Kopf unangenehm weit drehen musste, und ein Schwall aus elbischen Worten, die nach gedehntem Schluckauf klangen, wechselte zwischen den beiden hin und her.
Nur kurz verstummten sie, als Makku sich an dem Verband zu schaffen machte. Er spürte, wie sich die Muskeln am Oberschenkel unter seinen Fingern versteiften – auch dort, wo das fremde Fleisch unter fremder Haut ruhte. Die Wundränder waren kaum noch zu sehen und die Magie des Quellsalzes hatte bereits damit begonnen, das menschliche Gewebe an ihren Körper anzupassen. In ein paar Tagen schon würde ihr Bein wieder makellos sein. Sonnenbraune, glatte Haut über starken Muskeln. Behutsam fuhr Makku mit zwei Fingern die Konturen des fremden Gewebes nach.
Unter der Berührung zuckte die Waldelbe zusammen, versuchte ihr Bein zurückzuziehen.
»Was machst du da?«, fauchte sie.
Makku grinste. »Ich bewundere meine Arbeit. Wenn’s sonst schon keiner tut.«
Er erwartete eine weitere bissige Erwiderung, aber sie blieb aus. Stattdessen hob die Waldelbe unter Aufwendung all ihrer Kraft den Kopf so weit, dass sie ihr eigenes Bein begutachten konnte. Ein weiterer kurzer Wortwechsel mit ihrem Begleiter, dann nickte sie einsichtig.
»Es tut mir leid. Wir – ich stehe in deiner Schuld. Du hast mein Leben gerettet, dafür bin ich dir zu Dank verpflichtet.«
Um den Hals gefallen wäre sie ihm vermutlich auch dann nicht, wenn sie es gekonnt hätte. Dafür klangen die Worte zu hölzern. Aber immerhin war sie ein Stück weit eingeknickt.
Makku zuckte mit den Schultern. »Ich hab nur Befehle befolgt.«
Sie setzte zu einer Erwiderung an, schloss den Mund aber wieder, als Xephos das Zelt betrat. In ihrem rundlichen Gesicht spiegelten sich Verwunderung und das stumme Staunen, das sich so oft zeigte, wenn Xephos auftrat. Darunter fast verborgen: Erkenntnis. Sie spürte die Blutklinge.
»Kann sie sprechen?«, wollte er ohne Umschweife von Makku wissen.
Die Waldelbe selbst kam seiner Antwort zuvor. »Sie kann. Und sie wird, sobald ihr sie losgebunden habt.«
Herausfordernd starrte sie Xephos an, der sich auf diese Art von Duell nicht einließ.
»Sind die Fesseln notwendig?«, wandte er sich stattdessen an Makku.
»Ich finde, sie stehen ihr.«
»Mach sie ab.« Er bedachte die Waldelbe mit einem blassen Lächeln. »Du wirst uns keinen Ärger bereiten, nicht wahr?«
Sie lachte – es klang wie das Gluckern eines Baches.
»Dir nicht, Blutklinge.«
Ihre Katzenaugen verfolgten Makku, der erst die Riemen um ihre Fußgelenke löste, dann die an ihren Armen.
»Versuch es nur«, erwiderte er ungerührt.
Fürs Erste beließ sie es allerdings dabei, sich mit Rasds Hilfe aufzurichten. Mit fahrigen Bewegungen rieb sie sich die Handgelenke, bevor sie ihren Schenkel begutachtete. Ihr Finger fuhr die Grenze zwischen heller und dunkle Haut nach, als könne sie nur so begreifen, wie knapp sie dem Tod entkommen war.
Sie hob den Kopf und wollte etwas sagen, doch Xephos kam ihr zuvor.
»Was wisst ihr über die Feen?«
»Vor ein paar Wochen fanden wir Hinweise auf eine Siedlung der Phratag in den Sümpfen«, antwortete sie ohne Umschweife. »Wir vermuten, sie ist gerade groß genug, dass es einen Quellstein gibt. Zweihundert Phratag, ein paar mehr oder weniger, davon die Hälfte unbewaffnet. Die Phratag-sweln haben auf Verstärkung gewartet – sie waren nur achtzehn –, aber sie kamen wohl zu nah an die Siedlungsgrenzen.«
»Wann und wo war das?«
Sie fragte Rasd etwas auf Elbisch und er nickte.
»Vor drei Tagen. Ein paar Laufstunden von dem Ort entfernt, an dem du mit deinen Männern zu uns gestoßen bist.«
»Das heißt, nicht einmal zwei Tagesmärsche von hier liegt eine Feensiedlung mitten im Sumpf?« Xephos legte die Stirn in Falten. »Wie konnten wir sie die ganze Zeit übersehen?«
»Ihre Magie ist stark an diesem Ort«, antwortete Rasd. »Es sind Irrwege um die Siedlung. Illusionen, Täuschungen.«
Seine Begleiterin nickte und fixierte Xephos mit ihren Katzenaugen. »Wir brauchen unsere Waffen.«
»Wie viele Feen haben die Phratag-sweln schon getötet?«, überging er die dreiste Forderung.
»Die Hälfte vielleicht. Hauptsächlich Unbewaffnete, weil sie leichtere Beute sind und schwer aufzustöbern, wenn sie sich erst eine neue Zuflucht errichten. Ich versichere dir, es schwirren noch genug rachsüchtige Phratag im Sumpf herum, die dein Lager angreifen werden. Rasd und ich können helfen, aber dafür brauchen wir unsere Waffen.«
»Damit ihr uns abstecht, weil ihr uns im Kampfrausch für Feen haltet?«, mischte Makku sich ein. Die Wilde würde es noch zustande bringen, Xephos’ Meinung zu ändern. »Als unsere Gäste habt ihr kein Recht darauf, Waffen zu tragen.«
»Dann bitte ich nicht als euer Gast darum.« Langsam glitt sie von der Bahre und stand nun vor Xephos, nur eine Handbreit kleiner als er und ebenso stolz. »Sondern als deine Verbündete. Xephos, Henker von Galbûn.«
Er neigte den Kopf leicht nach rechts und verriet Makku damit, dass die Blutklinge seine Entscheidung längst getroffen hatte.
»Wer bist du?«
»Ich bin Qai«, antwortete sie und hielt dem abschätzenden Blick stand. »Tochter des Waldfürsten Lanneq.«

~*~




»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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Blutklinge (6/10) - von Lanna - 19-08-2015, 15:07
RE: Blutklinge (6/10) - von Eselfine - 27-08-2015, 14:48
RE: Blutklinge (6/10) - von Lanna - 27-08-2015, 19:33
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RE: Blutklinge (6/10) - von Persephone - 26-08-2016, 15:56

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