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DIE BLUTKRISTALLKRIEGE Buch 1 (KAPITEL 1 - Teil 11)
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DIE BLUTKRISTALLKRIEGE Buch 1 (KAPITEL 1 - Teil 11)
Ort: In der antiken mesopotamischen Stadt Uruk
Zeit: 3133 vor Christus
Handlung: Der König von Uruk verteidigt seine Stadt! Die ewigen Wächter melden sich bei Baluum, und eine Invasion aus der Luft kündigt sich an...


Der gemeinsame Todesschrei aus den Kehlen der vielen Menschen auf der Mauerkrone hallte weit über die Stadt und das Schlachtfeld vor der Mauer hinaus. Mit ungläubigem Erstaunen und blankem Entsetzen mussten die Menschen auf dem Boden mitansehen, wie die unheimliche Bestie auf dem Turm den gesamten oberen Mauerbereich von einem Augenblick zum nächsten irgendwie in Brand setzte.
Als wären tausend Blitze gleichzeitig eingeschlagen, loderten unglaublich helle Flammenzungen dort oben hoch, und in ihrem Zentrum saß die geflügelte Kreatur und pumpte weiter Feuer aus seinem Rachen, ohne dabei jedoch selber zu verbrennen. Wer immer jetzt dort oben auf der Mauer war, würde keine Chance mehr auf ein Entkommen haben, sondern innerhalb von Sekunden einfach verkohlen und verlöschen!
Dieses Schauspiel grub sich tief in das kollektive Gedächtnis aller Menschen ein, die hier Zeuge von Geschehnissen wurden, die so gar nicht in die Welt der Menschen zu passen schienen.
Ratlos und unentschlossen schauten die Krieger auf der Ebene nach oben. Sie wussten nicht wie sie jetzt am besten reagieren sollten. Gegen einen solchen fliegenden Feind, der sogar Feuer zu spucken vermag, waren sie sowohl schutzlos als auch machtlos.

Auch Baluum, der diesen Feuerangriff vorhergesehen hatte, blickte nach oben. Und zum zweiten mal an diesem Tag spürte er eine Welle der Wut durch seinen Körper fahren, denn all das erschien ihm genauso sinnlos wie falsch. Seine Finger umfassten die mächtige Klinge in seiner Hand fester. Er würde herausfinden was hier gespielt wurde, das schwor er sich bei seinem Vater. Und wenn es das letzte sein würde was er hier tat. Dieser feige Angriff auf ihn und damit auf das Reich von Shambarra würde Konsequenzen haben, so oder so!
Der Jedaiah konzentrierte sich wieder auf den zuvor über dem Schlachtfeld abgesprungenen Hannun-Akhei, dessen Gedankenkontrolle über den Cama'tzashacx offenbar sehr viel stärker war als sein eben gescheiterter eigener Versuch, diesen Feuerangriff über eine ebensolche Gedankenkontrolle zu verhindern. Und noch während sich der Feuerstrahl zu beiden Seiten des Turmes über die Mauer ausbreitete, wandte Baluum sein mächtiges Haupt und sah über die Köpfe der Menschen hinweg zu seinem Bruder Sutesh, der den Hannun-Akhei nach wie vor an allen Bewegungen hinderte. Der Stadtgott riss sein Schild aus der Erde und sah noch einmal auf den regungslosen Mashkashat zu seinen Füßen hinunter. Obwohl er sich bereits regenerierte und auch die Blutung aus der tiefen Halswunde gestoppt worden war, würde er noch für viele Stunden außer Gefecht sein. Das verschaffte ihm die nötige Zeit, um den Himmelsjäger persönlich zu verhören, und ihm dabei die Verbindung zu seinem Reittier zu nehmen. Und wenn er ihm die Haut in Streifen abziehen musste, er würde sich von ihm Antworten holen. Und anschließend würde er sich den Cama'tzashacx vornehmen, der sich gerade über seine Stadt hermachte. So setzte sich Baluum in Bewegung, und die Menschen machten ihm augenblicklich Platz.
Nur ihre Götter könnten ihnen jetzt noch helfen, davon waren sie nach dem feurigen Schauspiel von eben überzeugt.
Baluum wusste, dass der Cama'tzashacx Zeit brauchen würde um genug Sekrete für einen weiteren Feuerstoß zu produzieren. In der Zwischenzeit würde er sich vermutlich über die verbrannten Leichen oben auf der Mauer hermachen. Während er durch die zurückweichenden Menschen ging, fixierten seine Augen den Hannun-Akhei, und dieser erwiderte nun ebenfalls seinen eisigen Blick.
Hinter dem Shambarraner krachte es laut, als ein Teil des oberen Wehrturmes einstürzte. Die Menschen sahen hilflos zu der aufsteigenden Qualm- und Staubwolke hoch, unter der noch immer die Flammen loderten. Trümmerteile fielen zu beiden Seiten der Mauer herab und zerplatzten mit Getöse beim Aufprall auf dem Boden.

Auch Gruppenführer Athor Muthanakh hatte all das mit Entsetzen zur Kenntnis nehmen müssen. Er verstand genauso wenig wie die anderen Krieger, was das für eine geflügelte Bestie war, und wo sie hergekommen sein konnte. Aber er vermutete, dass sein Stadtgott ihm darauf vielleicht eine Antwort geben konnte. Jeden Tag hatte er sich Zeit für einige Gebete ihm zu Ehren genommen. Jetzt war es an der Zeit, dass sein Gott ihm auch einmal direkt antworten sollte. Normalerweise sprachen nur die Priester und der König mit den Göttern, doch was hier gerade passierte war nicht mehr normal.
Muthanakh fasste diesen Entschluss in seiner spontanen Art und wandte sich auch sofort zu seinem Gott um. Er stand nicht sehr weit von ihm entfernt. Der urukidische Gruppenführer sah wie er gerade seinen riesigen Schild packte. Doch als er sich ihm näherte, drehte Baluum sich ab und ging mit großen Schritten in die Richtung, wo vorhin ein Wesen von der geflügelten Kreatur hinunter gesprungen war. Muthanakh hatte es zwar nicht genau gesehen, aber er bezweifelte, dass das ein Mensch gewesen war. Welcher Mensch würde schon auf einer solchen Kreatur des Totenreiches reiten können?
Der Gruppenführer musste sich beeilen, wenn er zu seinem Gott aufschließen wollte. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, Baluum direkt auf die Geschehnisse anzusprechen.

Baluum selbst hatte jetzt nur noch Augen für den hinterhältigen Hannun-Akhei, an dessen Hals nach wie vor das Schwert seines Bruders Sutesh hing, bereit jeden Moment zuzustoßen. Er hatte bereits den halben Weg zurückgelegt, als ein ultrahoher Summton plötzlich über seine empfindlichen Ohren in den mächtigen Körper des urukidischen Stadtgottes eindrang. Noch war er so fern und schwach, dass es kein menschliches Wesen hören konnte, doch Baluum erkannte an feinen Nuancen und Frequenzschwankungen überdeutlich, dass sich etwas von oben her näherte.
Doch bevor er weiter darüber nachdenken konnte, überlagerte eine vertraute Stimme den Summton in seinem Kopf. Der rote kugelförmige Kristall, den jeder Shambarraner über seiner angepassten Kopfbedeckung trug, begann leicht zu vibrieren, als eine an ihn gerichtete Sendung herein kam. Und da es nur einen einzigen solchen Sender in diesem Sternsystem gab, wusste Baluum schon vor dem Erklingen der Sprachmeldung, wer da mit ihm in Verbindung trat.
„Comm-Center Thaijshirr. Anruf verifiziert und bestätigt. Welche Dienste werden benötigt, Bruder Baluum?“
Unter anderen Umständen hätte Baluum jetzt seinem Ärger Luft gemacht, denn er hatte das Kommunikationszentrum bereits mehrmals vergeblich angerufen, ohne das ein entsprechender Kontakt zustande gekommen war. Das war mehr als ungewöhnlich, und so eigentlich noch niemals vorgekommen.
Doch er verzichtete vorerst auf unnötige Fragen und beschränkte sich nur auf das Wesentliche. Er wusste natürlich, dass die mechanisch klingende und leicht verzerrte Stimme weder von einer automatischen Aufzeichnung, noch von einem einzelnen Wesen übermittelt worden war, sondern das es die Stimme der Gemeinschaftsintelligenz der ewigen Wächter von Thaijshirr war, die zwar in ihren mechanischen Körpern als einzelne Individuen auftraten, aber dennoch stets eng wie ein einziges Wesen miteinander verlinkt waren. Auf diese Weise entfielen unnötige Sendewege, weil alle Wächter zeitgleich alle einzelnen Meldungen erhielten und verarbeiteten.
Thaijshirr war das letzte aktive der drei einstmals errichteten Kommunikationszentren auf diesem Planeten. Es lag gut versteckt tief unter einem Hochgebirge weit im Osten des Kontinents. Die ewigen Wächter dort stellten das Zwischenglied im Kontakt mit den Himmelsvätern dar, die sich stets im galaktischen Zentrum aufhielten, um von dort aus gut abgeschirmt ihr Sternenreich zu lenken.
Baluum musste nicht viel sagen, denn was er jetzt zu melden hatte war mehr als eindeutig. Alle Anzeichen sprachen leider dafür, auch der hohe Summton in der Luft passte dazu. Mit der Ankunft des Hannun-Akhei war es Baluum wie Sternenstaub von den Augen gefallen. Doch eigentlich hätte es das Kommunikationszentrum sein müssen, das Alarm schlug. Irgendetwas passte noch nicht recht ins Bild, doch Baluum würde noch heraus finden, was hier genau gespielt wurde, also übermittelte er nur die knappe Meldung seines mehr als stichhaltigen Verdachtes.
„Vermuteter Code 0-0-1. Wiederhole Code 0-0-1. Invasionsalarm!“

Wieder hallte ein Bersten und Krachen über die Ebene vor der Stadt. Ein weiteres Mauerstück war von der feuerspeienden Bestie zertrümmert worden, die sich oben auf der Mauer durch das Inferno arbeitete, um die verbrannten Leichen der bedauernswerten Menschen nach und nach zu verspeisen. Viel zu viele Bürger von Uruk hatten es nicht mehr rechtzeitig geschafft zu fliehen. Brennendes Holz war auch in die Stadt hinein gefallen und hatte die Dächer der an die Mauer angrenzenden Häuser entzündet. Niemand traute sich verständlicherweise hervor, um zu löschen. Eine dunkle Rauchsäule stieg in den Himmel und begann die Sonne zu verfinstern.
Unter einem Mauervorsprung geschützt stand auch der Himmelskönig von Uruk und starrte fassungslos zu den Flammen hoch. Er hatte genau wie viele andere Stadtbewohner das fürchterliche Wüten der unbekannten Kreatur auf dem Turm beobachten müssen ohne eingreifen zu können.
Seine Berater drängten ihn dazu sich in den Schutz eines Hauses zu begeben und sich am besten in einem Keller zu verstecken.
Dies sei alleinige Sache der Götter, hatte vor allem der Oberpriester vorhin argumentiert, der sich ängstlich hinter dem König an die Wand drückte und eine Hand bereits auf einem Türgriff liegen hatte.
Doch die Neugier des Königs siegte über sein Angstgefühl. Was wäre er doch für ein erbärmlicher Herrscher, wenn er sich feige in einem Keller verstecken würde, während seine Stadt bedroht war!
Seine Untertanen erwarteten eine Lösung des Problems von ihm. Bei allen Göttern, er war das Oberhaupt von Uruk, und solange er den ehrenwerten Titel und den Namen Amesh-Danu trug, würde er keiner wie auch immer gearteten Bestie erlauben in seinem Hoheitsgebiet zu wildern! Auch nicht wenn sie alle Flammen der Unterwelt spucken konnte.
Kurz noch ließ der Himmelskönig das furchtbare Bild von der ungezähmten Bestie, die auf der brennenden Mauer wütete, auf sich einwirken. Er wagte sich kaum vorzustellen, was mit all den Menschen dort oben geschehen war die er vorhin noch schreien gehört hatte. Abrupt wandte er sich ab und dirigierte seine Männer ums Eck in eine Nebengasse. Er brauchte eine Strategie, und zwar schnell. Dazu alle verfügbaren Informationen, und natürlich seine Ausrüstung!
Amesh-Danu fuhr zu einem der Träger herum und herrschte ihn an,
„Ihr da, holt mir sofort die Jagdrüstung und meinen Elefantentöter. Schnell!“
Der königliche Träger im blauen Umhang verneigte sich kurz und lief los. Der Palast im unteren Bereich des göttlichen Tempelturmes war nicht weit. In wenigen Minuten musste er mit der königlichen Rüstung wieder zurück sein. Er würde die Bestie stellen und zum Kampf herausfordern, und wenn es das letzte sein würde was er als König tat. Diesen Ruhm würde er für sich und seine Dynastie holen! Als nächstes winkte er seinen Hohepriester her. Der rot gekleidete Kapuzenträger war augenblicklich zur Stelle.
„Ankiduan, Ihr seid das Gedächtnis der Stadt und kennt alle Berichte und Erzählungen unseres Volkes. Was könnt ihr mir über diese Kreatur dort oben sagen?“
Als Oberpriester des Anu-Tempels an der Spitze des Zigghorrats der Stadt, und Träger des heiligen Sonnenfeuers, war er neben dem König derjenige Urukide, der am öftesten direkt mit den Göttern sprach.
Der Priester brauchte eine Weile ehe er antwortete. Er blickte sich nervös in der Runde um. Die Feuerbestie auf der Mauer jagte ihm sichtlich Angst ein, denn er war ein Mann des Glaubens, und nicht des Kampfes. Die Augen aller Krieger waren jetzt auf ihn gerichtet. Doch die ruhige und entschlossene Art des Königs beruhigte ihn allmählich. Amesh-Danu war neben dem erfolgreichen Staatsmann vor allem auch ein unerschrockener Kämpfer, und genau diese Eigenschaft schien nun in diesem Moment wieder durchzubrechen. Nur die stärksten und unerschrockensten Männer konnten die Urukiden anführen.
Der König legte aufmunternd eine Hand auf die Schulter des Priesters:
„Beruhigt Euch, Ankiduan. Ich brauche Informationen. Was wisst Ihr?“
Darauf blickte der Priester direkt seinen König an, nickte, und richtete dann seinen Blick auf die heilige Flamme des Sonnenfeuers am Anu-Zepter als er sprach.
„Es gibt tatsächlich einen Bericht über eine Begegnung ähnlich der jetzigen. Vor einigen Jahren zu Protokoll gegeben von Taarokot Akaatem.“
Im Gesicht des Königs arbeitete es. Sein oberster Heerführer. Natürlich. Der König erinnerte sich jetzt daran. Taarokot hatte eine gewagte Reise bis ans Ende der Welt unternommen um der Unterwelt Einhalt zu gebieten. Als Einziger seiner Truppe war er damals mehr tot als lebendig zurück gekommen, und hatte wirre Geschichten über einen Wächter der Unterwelt an der Pforte des Todesmeeres erzählt. Der König selbst hatte ihn damals seiner Tapferkeit wegen ausgezeichnet und ihn als obersten Heerführer eingesetzt, die Bearbeitung des Berichtes aber vollständig der Priesterkaste überlassen.
Ankiduan sprach weiter: „Taarokot hat in seiner damaligen Erzählung über einen feuerspeienden fliegenden Wächter berichtet, den er Khumbawa genannt hatte. Nur er selbst war damals knapp mit dem Leben davon gekommen.
Es scheint, mein König, das wir es hier mit einer solchen Kreatur zu tun haben, wenn es nicht gar dieselbe ist. Taarokot hat glaube ich noch erwähnt, dass selbst die besten Bogenschützen nichts gegen diesen Wächter der Unterwelt ausrichten hatten können.“
Der König wusste, dass Taarokot Position auf den vorderen Türmen bezogen gehabt hatte, um die Schlacht gegen die Uriden zu koordinieren. Genau dort also, wo jetzt das Flammenmeer herrschte! Der einzige Mann der schon einmal gegen eine solche Kreatur gekämpft hatte, war demnach aller Wahrscheinlichkeit jetzt tot. Er konnte keinen Rat mehr geben.
Der König sah sich in der Runde um, und winkte dann einen auffallend gekleideten Mann mit bunter goldbestickter Kleidung und weißem Dulband auf dem Kopf zu sich her.
„Mein König.“ Eine leichte Verbeugung erfolgte, als er vor Amesh-Danu stand.
Alimnar al Sarawat war ein gebildeter Mann. Er beherrschte auch die relativ neue Kunst des Laute Ritzens, und er konnte diese in Ton geritzten Zeichen später auch wieder richtig aussprechen. Al Sarawat war ursprünglich Akkadier, hatte aber um Aufnahme am Hof des mächtigen Königs von Uruk gebeten. Mittlerweile war er einer der wichtigsten Vertrauten des Königs geworden, auch wegen eines ganz anderen Faches, das er ebenso meisterhaft beherrschte.
Der Himmelskönig blickte ihn an und war wie immer leicht fasziniert von seiner Erscheinung. Seine Haut war etwas heller und hatte einen anderen Teint als die der meisten anderen Menschen, und auch seine Augen sahen fremdartig aus. Darauf angesprochen sagte er stets das einer seiner Vorfahren aus einem weit entfernten Land ganz im Osten gekommen war, er selber aber keine weiteren Informationen darüber besaß.
Amesh-Danu kam sofort zur Sache.
„Al Sarawat, Ihr seid mein bester Alchimist. Ich brauche Euren Rat. Habt Ihr einen Vorschlag, um diese Kreatur wirkungsvoll bekämpfen zu können?“
Der königliche Alchimist und Schreiber antwortete prompt: „Nach allem was ich gehört und gesehen habe scheinen einfache Pfeile wirkungslos zu sein, ebenso Feuer. Darum würde ich vorschlagen die Bestie zu vergiften, mein König!“
Gift war ein interessanter Ansatz. Man kannte bereits eine ganze Reihe von gefährlichen Substanzen. Manche waren pflanzlichen Ursprungs, manche tierischen. Der König nahm diesen Gedanken auf.
„Wie meint Ihr das? Vielleicht eine vergiftete Schwertklinge?“
Alimnar al Sarawat schüttelte entschieden den Kopf: „Es dürfte schwer sein an diese wilde Kreatur nahe genug heran zu kommen, wenn ich an diesen Feuerstrahl denke den wir vorhin gesehen haben. Es müsste irgend eine Fernwaffe sein. Wenn wir etwa Sotaraam nah genug an die Atemorgane dieser Kreatur heran bringen könnten, müssten wir sie damit eigentlich betäuben oder zumindest verlangsamen können! Entsprechende Versuche bei Menschen und Großtieren haben diese Wirkung bestätigt, mein König. Allerdings nur bei direktem Hautkontakt.“
Himmelskönig Amesh-Danu war natürlich kein Experte für Gifte. Seine Stirn legte sich in Falten.
„Sotaraam?“
„Ja, mein König. Die Essenz eines seltenen kleinen nachtaktiven Tieres, das nur im Ninehd-Enna vorkommt. Bei einer Bedrohung spritzt es dieses Gift dem Angreifer ins Gesicht, was eine teilweise Lähmung und auch Desorientierung zur Folge hat. Nur sehr wenige Tiere wie etwa der Tarrak sind immun dagegen. Ich habe die Wirkung nach einigen Todesfällen unter Jägern studiert, die entsprechende Begegnungen hatten, und die Substanz dann anschließend mit aller gebotenen Vorsicht sammeln lassen.“
Der König überlegte kurz. Ninehd-Enna war die Bezeichnung einer besonders fruchtbaren Region, die vor allem durch ihre außergewöhnliche Vielfalt an Blütenpflanzen in weitem Umkreis bekannt war. Man nannte diese Region deshalb auch den himmlischen Garten der Götter.
„Gut, wir probieren das. Bringt dieses Sotaraam auf den Platz der Karawanen, wo jetzt die Katapulte stehen.“ Ein tollkühner Schlachtplan formte sich im Kopf des Königs.
„Wie viel?“, fragte Al Sarawat stirnrunzelnd, der nicht genau wusste was sein König plante.
„Alles!“ Die Antwort war eindeutig und Al Sarawat eilte davon. Noch ahnte der Alchimist und Schreiber nicht, welche dramatischen Auswirkungen sein zukünftiges Handeln haben würde. Wie könnte er auch wissen, das er im Begriff stand, Begründer einer Organisation zu werden, die fast 5000 Jahre lang Bestand haben sollte, des Blutkristallordens!

Amesh-Danu drehte sich zu einem seiner lauschenden Wächter um: „Soldat, es müssten dort auch noch unverbrauchte eingeölte Strohkugeln übrig sein. Nehmt Euch zwei Männer, lauft nach vor und sucht einen Geschützmeister. Ich brauche zwei feuerbereite und bewegliche Katapulte. Alles weitere bei meiner Ankunft. Ab mit Euch!“
Die Männer bestätigten und liefen im Schutz der Häuser davon.
Als der König den Träger mit seiner Kampfrüstung zurück kommen sah wurde sein Blick noch entschlossener und eisiger, als er es ohnehin schon war. Er blickte sich in der Runde um. Verunsicherte und skeptische Gesichter blickten ihn an. Niemand sprach ein Wort.
„Männer, ich weiß ihr habt Angst, doch verzagt nicht, denn ich habe einen Plan bei dem ich Euch brauche. Wir gehen auf Großwildjagd! Wenn diese Feuerbestie glaubt, ihr Jagdrevier ungestraft in meine Stadt verlegen zu können, hat sie sich gründlich getäuscht. Krieger, wir sind Urukiden, und wir verteidigen unsere Stadt gegen jeden denkbaren Feind und halten sie auch! Macht euch kampfbereit!“
Es konnte sich zwar niemand so recht vorstellen, wie der König dieser gewaltigen Kreatur die Stirn bieten wollte, aber wenn ihr Führer an eine Chance glaubte dann taten das auch alle anderen Männer. Sie hatten geschworen für ihren König und ihr Volk in den Tod zu gehen. Vielleicht war heute der richtige Tag dafür! Verbissen überprüften sie ihre Waffen.
Noch einmal winkte Amesh-Danu seinen Hohepriester her zu sich.
„Ankiduan, Ihr wart mir immer ein treuer Freund und guter Berater. Doch im Kampf kann ich Euch nicht gebrauchen. Deshalb werdet Ihr Euch zum Palast begeben und dort warten. Ich hoffe das mein Sohn dort in Sicherheit gebracht worden ist. Sollte ich den heutigen Tag nicht überleben möchte ich, dass Ihr meinem Sohn so beisteht wie Ihr mir immer beigestanden habt.“
„Mein König, ich....“
„Schweigt. Ich bin kein Mann der rührenden Abschiede. Geht jetzt und denkt an meine Worte.“
Damit ließ ihn der König stehen und nahm seine Rüstung in Empfang. Sein Kriegerherz pochte wild und ungezügelt während er sich seinen Helm aufsetzte, die Rüstung anlegte und den Elefantentöter aufnahm.

*

Die Geschichte der Menschheit ist eine nähere Betrachtung wert!

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DIE BLUTKRISTALLKRIEGE Buch 1 (KAPITEL 1 - Teil 11) - von El Lobo - 05-01-2016, 14:14

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