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Es ist: 28-09-2022, 16:12
Es ist: 28-09-2022, 16:12 Hallo, Gast! (Registrieren)


Könige der Prärie - 1. Teil (überarbeitet)
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Könige der Prärie - 1. Teil (überarbeitet)
Ausnahmsweise kein Fantasy. Schon seit Jahren wollte ich eine Indianergeschichte schreiben, aber mir fehlte immer so der richtige Dreh. Dann hatte ich eine plötzliche Eingebung, bei der meine beste Freundin eine Rolle spielte. Deshalb ist ihr diese Geschichte auch gewidmet. 
Vorwarnung: Klischeehafte Zuckerwattenromantik und stellenweise vermutlich total unglaubwürdig. Ich nehme mir diese dichterische Freiheit. 
Viel Spaß euch beim Lesen.
 
Die Kutsche rumpelte über die letzten Meter Kopfsteinpflaster und schüttelte die Passagiere im Inneren ordentlich durch.
Im Hafen herrschte geschäftiges Treiben. Reisende zeigten geduldig ihre Fahrkarten vor, Kinder sprangen aufgeregt um ihre Eltern herum und konnten es gar nicht abwarten, das riesige Schiff, das sie in eine neue Welt bringen sollte, zu betreten.
Zwei Hunde balgten sich wütend kläffend um ein fauliges Stück Fleisch und hoch oben am blauen Himmel zogen weiße Möwen schreiend ihre Kreise.
Katie setzte den strengen schwarzen Hut auf, der ihr feuerrotes Haar nur notdürftig verdeckte und band mit festem Zug eine Schleife unter dem Kinn.
Die Kutsche hielt an und die junge Frau nahm ihre Tasche, sie reiste nur mit leichtem Gepäck. Dort, wohin ihr Weg sie führte, war der Tand, den Damen ihrer Zeit zu benötigen glaubten, nur eine Last.
Sie lächelte bei dem Gedanken, dass heute der erste Tag eines eigenständigen Lebens war und beschirmte beim Aussteigen die Augen mit der Hand. Das Sonnenlicht brannte ihr unter den Lidern, Sie blinzelte zweimal, vor ihren Augen, die sich in den letzten Stunden an die Dunkelheit der Kutsche gewöhnt hatten, tanzten helle Flecken.
Einen Moment sah sie sich wie suchend um, als würde da jemand stehen, der sie verabschiedete, ein bitteres Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Niemand von den vielen Menschen, die durcheinander wuselten wie in einem Ameisenstaat, würde ihr auch nur mit dem Taschentuch hinterher winken. Sie würde keine Lücke hinterlassen.
Vorsichtig bewegte sie die Schultern, das Abschiedsgeschenk der Mutter Oberin, sieben Stockschläge, brannte noch immer auf ihrem Rücken. Katie nahm ihre Tasche auf und machte den ersten Schritt in ein neues Leben, ohne Zwänge und in Freiheit.
Plötzlich erregte etwas ihre Aufmerksamkeit. Blau, wie ein Stück Himmel an einem Vorfrühlingstag in dem Grau der Reisekleidung.
Ruckartig blieb Katie stehen und wandte den Kopf. An einen der Pollern gedrückt, fast schon an den Pfahl geklammert, lehnte ein junges Mädchen und beobachtete das Treiben mit großen, erschrockenen Augen. Katie schätzte die Kleine mit der blauen Taftschleife in den blonden Locken und dem farblich passenden Kleidchen auf kaum älter als vierzehn Jahre. Trotz dass die Kleidung schmutzig war, wiewohl auch Gesicht und Hände schon einige Tage kein Wasser mehr zu sehen bekommen hatten, sah man dem Kind an, dass es aus gutem Haus stammen musste.
"Nicht mein Problem", murmelte Katie zu sich selbst und wollte ihre Tasche schultern, das Schiff zu betreten, als sie ein stechender Schmerz durchfuhr, der sie aufschreien ließ. Erschrocken presste sie die Hand auf den Mund, mehrere neugierige Köpfe wandten sich zu ihr um. Auch das Kind wurde aus seiner düsteren Gedankenwelt aufgeschreckt. Die großen Augen ruhten auf Katie, die sich dem hilfesuchenden Blick nicht entziehen konnte. Einen Moment blieb sie unschlüssig stehen, dann siegte ihr weiches Herz über die Vernunft. Sie ging zu dem Mädchen und beugte sich vor ihr nieder. Der Blick des Kindes schien sie fast zu durchbohren.
"Hey Kleine", begann sie unbeholfen das Gespräch. "Hast du dich verlaufen? Wo sind denn deine Eltern?" Sie hätte sich für die plumpe Fragerei ohrfeigen können, denn es war ganz offensichtlich, dass die Kleine weggelaufen war.
Das Kind schaute sie an, als wäre es gerade aus tiefstem Schlaf erwacht. "Ja?", sagte es nur, als würde es jetzt erst bemerken, dass jemand mit ihr sprach.
Katies Nervenkostüm war ebenso fragil wie das zerrissene Kleid des Mädchens. Drei Tage hatte sie in dieser dunklen, stickigen Kutsche verbracht, sie hatte noch keine Fahrkarten für das Schiff und der Magen verlangte mit deutlichem Knurren sein Recht.
Zwei Gendarmen in schwarzer Uniform und mit Schlagstöcken in Händen tauchten auf. Ängstlich starrte das Kind die beiden an. "Bitte nicht", jammerte es leise. Tränen kullerten über die rosigen Wangen.
"Du bist also weggelaufen", stellte Katie nüchtern fest. Das Mädchen nickte nur.
"Bitte, ich will nicht zurück", sie klammerte sich hilfesuchend an Katie, die ihr beruhigend über das blonde Haar strich.
Später konnte sie sich kaum noch an diese wenigen Augenblicke erinnern, wenn der Verstand aussetzt und das Herz sich für das Richtige entscheidet. Katie, die vor der Kleinen gekniet hatte, stand auf. Die Waden brannten von der plötzlichen Blutzirkulation. Sie zog ein blütenweißes Taschentuch und begann, dem Mädchen Gesicht und Hände notdürftig abzuwischen.
 "Fräulein", schimpfte sie dabei so laut, dass die nur wenige Schritte hinter ihr stehenden Gendarmen sie gut verstehen konnten. "Wie sehen Sie denn schon wieder aus? Wie ein Gassenjunge und erst Ihr Kleid. Herrjemine." Missbilligend schüttelte sie den Kopf und wedelte mit dem Taschentuch über das Kleid des Mädchens. "Natürlich habe ich keine Zeit mehr, Sie noch umzuziehen, unser Schiff läuft ja bald aus und wir haben noch nicht einmal die Fahrkarten. Was werden nur Ihre lieben Eltern sagen?"
Das Kind schaute sie fragend an, durch einen strengen Blick gab Katie ihr zu verstehen, dass sie die Scharade mitspielen sollte.
Energisch packte sie das Mädchen am Arm und schob es zu einem kleinen Häuschen, wo ein weißhaariger Mann mit freundlichem Gesicht die Fahrkarten in die Neue Welt verkaufte. Gutmütig lächelte er die noch junge Gouvernante und ihren ungestümen Schützling an.
"Zwei Mal nach New York bitte", verlangte Katie und legte das abgezählte Geld hin. Sie sandte ein Stoßgebet an den Himmel, dass sie dieses schwarze, streng geschnittene Kleid trug, in dem sie die Rolle der Gouvernante perfekt spielte. Gleichzeitig fragte sie sich, was sie denn da tat. Das war doch Entführung.
Ein paar Stunden später, als die beiden Quartier bezogen und das Schiff im Hafen ausgelaufen war, machte Katie sich daran, die Geschichte ihres neuen Schützlings zu erfahren. Sie war doch schon etwas älter als auf den ersten Blick angenommen, doch die zierliche Figur und die Korkenzieherlocken verliehen ihr ein deutlich jüngeres Aussehen.
Wenigstens wusste sie schon mal den Namen. Sina. Doch mehr hatte sie aus dem verängstigten Mädchen nicht herausbekommen.
Folgsam wie ein kleiner Hund hatte sie sich von Katie auf das Schiff führen lassen und nachdem sie sich im Badezimmer etwas gesäubert hatte, fragte sie Katie schüchtern nach Essen. Das Abendessen wurde auf dem Schiff erst gegen acht Uhr abends serviert, doch war es Katie gelungen, bei der Schiffscrew etwas Zwieback und Milch für das Kind zu ergattern. Sina hatte die karge Mahlzeit heißhungrig verschlungen, sicherlich hatte sie seit Tagen nichts mehr zu essen bekommen und jetzt schlief sie auf dem großen Bett
Katie machte es sich auf dem Diwan bequem Das Zimmer war recht luxuriös ausgestattet. Außer einem ausladenden Bett mit geschnitzten Pfosten, das Sina für sich in Anspruch genommen hatte, gab es noch den Diwan, auf dem Katie lag und der so groß war, wie ihr Bett in der Mädchenschule.
Um einen massiven Tisch standen vier hohe Lehnstühle- über einem hing Sinas Kleidchen zum Trockne und ein Ohrensessel in dem sie beide Verstecken hätte spielen können. An den Wänden hingen Stilleben. Blumen und Obst in Schalen. Von der Decke hing ein schwerer Kronleuchter, der mit Gaslampen beleuchtet wurde. Im Pensionat gab es nur Kerzen und auch die wurden rationiert, damit „die jungen Damen Demut lernen“, wie Mutter Oberin sich ausdrückte.
Diese ungewohnte Üppigkeit verwirrte Katie Und um sich abzulenken, nahm sie ein Buch aus ihrer Tasche und versuchte zu lesen. Ihre Gedanken schweiften immer wieder zu dem Kind, das leise schnarchte.
Ihr Kleid war nicht mehr zu gebrauchen. Sie musste der Kleinen dringend noch etwas zum Anziehen besorgen. Katie fragte sich, was ein so junges Mädchen, das ganz offensichtlich aus gutem Hause stammte, dazu veranlasst hatte, der Familie ein für alle Mal den Rücken zu kehren.
Katie klappte das Buch zu. Es war ihr Lieblingsbuch. Shakespeares Tragödie von Romeo und Julia und sie hatte es so oft schon gelesen, dass sie es wohl auswendig kannte, doch ihre Gedanken drehten sich wie in einer Spirale. Es schien ihr unmöglich, sich auf den gedruckten Text zwischen ihren Händen zu konzentrieren, während ihre Erinnerungen zu der eigenen Kindheit und Jugend abschweiften. Aufgewachsen war sie hinter den hohen, abweisenden Mauern eines von Nonnen geführten Mädchenpensionats. Ihre Mutter hatte sie nie kennengelernt, sie war bei ihrer Geburt gestorben, wie man Katie erzählt hatte. Der Vater war als Ingenieur im Ausland unterwegs. Einmal, wenn sie Glück hatte zweimal im Jahr stattete er der Tochter einen Besuch ab. Das letzte Mal vor drei Jahren zu ihrem sechzehnten Geburtstag.
Ab und an bekam sie einen Brief von ihm, so wusste sie, wo er sich aufhielt. Vor einigen Wochen war ein großer, hagerer Mann mit langen Schnurrbart und stechenden Blick im Pensionat aufgetaucht. Er gab sich als Bruder ihrer Mutter aus.
 „Deine Mutter hat unter Stand geheiratet“, erklärte er frei heraus, während er sich bequem in den hohen Lehnstuhl setzte und seine Pfeife stopfte. Die Mutter Oberin persönlich servierte den Tee. Anhand ihres Gebarens erkannte Katie, dass es sich bei ihrem Onkel um eine wichtige Persönlichkeit handeln musste. „Eine Prinzessin aus dem Hause Wittelsbach vermählt sich nun einmal nicht mit einem mittellosen Studenten.“ Er ließ keinen Zweifel an seiner Meinung über seine Schwester. Ein Streichholz flammte kurz auf und während er an seiner Pfeife sog, musterte er das Mädchen in dem einfachen grauen Schulkleid über seinen Pfeifenkopf.
„Bei Gott, du siehst aus wie sie.“
„Man hat mir erzählt, sie sei tot“, wagte Katie einen schüchternen Einwurf, während ihre Finger nervös das Teegebäck zerbröselten, das sie eigentlich hatte essen wollen.
„Sie ist tot und begraben, doch bevor sie zur Hölle fuhr, hat sie ihren Fehler eingesehen“, antwortete der Onkel barsch, ohne nähere Erläuterung.
Katie zuckte bei dem Gedanken, lediglich ein Fehler gewesen zu sein, zusammen. Tapfer schluckte sie die aufsteigenden Tränen hinunter. Ihr Stolz verbot ihr, dass dieser kalte Mann sie weinen sah. Sie setzte sich aufrecht hin und goss noch Tee ein. Ihr Gebäck hatte sie hoffnungslos zerkrümelt, es konnte höchstens noch als Vogelfutter dienen. „Was führt Sie nach all den Jahren hierher?“
„Dein Vater hat mir, kurz nachdem die Ehe annulliert wurde“, er lächelte grausam dabei, „die Vormundschaft für dich übertragen und ich ließ dich hinter Klostermauern erziehen. Von dem romantischen Fehltritt meiner Schwester musste niemand erfahren. Die Nonnen machten mir das Angebot, dich als eine der ihren aufzunehmen.“ Er nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife und schaute Katie prüfend ins Gesicht. Den Tee ließ er kalt werden.
„Aber deswegen sind Sie nicht gekommen“, stellte Katie ruhig fest. Die Hände im Schoß gefaltet, saß sie aufrecht da, wie man sie es gelehrt hatte.
Er schüttelte den Kopf und lächelte geschäftsmäßig unter seinem dichten Schnurrbart. „Nein, denn das wäre mir auch teuer zu stehen gekommen. Als Mitgift erwartet das Kloster deinen Anteil am Erbe deiner Mutter.“
Katie atmete kaum merklich auf und nippte an ihrem Tee, der nur noch lauwarm war und obendrein zu lange gezogen hatte.
„Welche Pläne haben Sie dann für mich?“, sie hoffte möglichst kühl zu klingen, doch ihr Herz pochte vor Aufregung schmerzhaft gegen die Rippen.
„Dein Name darf selbstverständlich niemals in den Familienchroniken auftauchen, darüber sind wir uns wohl einig. Achtzehn Jahre habe ich mich bemüht, die Schande von unserer Familie fernzuhalten und das werde ich auch weiterhin tun.“
Er legte die erkaltete Pfeife zur Seite und beugte sich an dem kleinen runden Tisch vor. Gespannt schaute er Katie in die Augen. „Ich bin bereit, dir ein faires Angebot zu machen. Du verzichtest auf dein Erbe zugunsten einer großzügigen Abfindung. Dafür bewahre ich dich vor dem Schleier und du verschwindest mit dem nächsten Schiff in die Neue Welt auf Nimmerwiedersehen. Ich werde dir so viel mitgeben, dass du nicht nur die Schiffspassage bezahlen kannst, sondern auch noch genug übrig ist, dir dort ein neues Leben aufzubauen.“
Er reichte ihr die Hand hin.
Einen Moment zögerte Katie, das Angebot war einfach zu verlockend. Sie forschte im Gesicht ihres Onkels nach seinen Beweggründen, doch er bleib bei seiner starren Maske.
Er rückte ein wenig näher und nahm väterlich ihre Hand zwischen seine. „Weißt du, dein Vater lebt dort. In einer Stadt namens Roswell. Vielleicht möchtest du dich mit ihm aussöhnen.“ Das Grinsen des Onkels erinnerte Katie an das Zähnefletschen eines Tigers, sie rückte ein Stück ab. Doch blieb ihr kaum eine Wahl. Die Alternative wäre das Kloster, der kalte Hass der Mutter Oberin, deren Rohrstock sie regelmäßig zu spüren bekam. Da bevorzugte sie doch lieber die ungewisse Zukunft in einem fremden Land, auch wenn sie ihren Vater nicht unbedingt sehen wollte, aber das musste der Onkel nicht wissen.
„Einverstanden“, hauchte sie zögernd. „Ich werde zu meinem Vater gehen.“ Ihr Onkel lächelte siegessicher und besiegelte ihr Abkommen mit einem Handschlag.



2. Teil

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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Könige der Prärie - 1. Teil (überarbeitet) - von Persephone - 08-04-2017, 11:19
RE: Könige der Prärie - von coco - 10-04-2017, 12:27
RE: Könige der Prärie - von Persephone - 10-04-2017, 19:36
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RE: Könige der Prärie - 1. Teil - von Zack - 31-10-2017, 12:19

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