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Es ist: 25-10-2020, 18:09
Es ist: 25-10-2020, 18:09 Hallo, Gast! (Registrieren)


Könige der Prärie - 6. Teil
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Könige der Prärie - 6. Teil
Katie saß in einer Pokerrunde mit sechs Männern an einem Tisch und starrte konzentriert auf die Karten in ihrer Hand. Fortuna musste neben ihr sitzen, anders konnte sie sich das gute Blatt oder auch die Hand, wie es im Pokerjargon hieß, nicht erklären.
Die Männer hatten sie milde belächelt, als sie an den Tisch trat und höflich bat, mitzuspielen zu dürfen. Sie alle waren gut gekleidet, trugen helle Anzüge und die in New Mexico übliche Kopfbedeckung, den Stetson. Die Hüte waren der Hitze wegen  in den Nacken geschoben und gaben den dandyhaften Männern einen verwegenen Anschein.
Katie legte einige Scheine auf den Tisch. „Mein Einsatz.“ Sie hoffte, sich das Zittern ihrer Stimme nur einzubilden. Ihre blauen Augen funkelten dabei hart wie Diamanten.
Nach und nach waren fünf ausgestiegen, bis Katie nur noch einen breitschultrigen Mitspieler hatte, dessen Anzug teurer als die der anderen aussah und wie angegossen saß. Die beiden Colts in seinem Gürtel waren gut gepflegt. Die Läufe schimmerten im dämmerigen Licht des Saloons und die Griffe waren mit kunstvollen Schnitzereien verziert. Katie konnte nicht ahnen, dass sie einem der reichsten Männer des ganzen Westens gegenüber saß.
Sein Geld hatte er mit der Zucht von Pferden gemacht, nannte einige der edelsten Vollblüter entlang der Westküste sein Eigen und war nach New Mexico gekommen, um seinen Reichtum durch Handel mit Öl zu vermehren. Seinen Namen hatte er ihr freilich nicht genannt, doch Katie fiel auf, dass er dem Branntwein nicht so sehr zusprach wie die anderen fünf, die, so entnahm sie den Gesprächen, offensichtlich seine Geschäftspartner waren.
Mit ruhiger Hand gab er die Karten aus, genauso besonnen platzierte er seine Einsätze. Er schien die junge Frau richtig eingeschätzt zu haben, da er zwei Stunden nach dem Katie sich dem Spiel angeschlossen hatte, noch nicht pleite war.
Katie überlegte ihrerseits auszusteigen. Die Geldscheine, die sich vor ihr auftürmten, genügten, sich einem Treck anzuschließen und sicherte für eine Weile ihr und Sinas Auskommen.
Bei dem Gedanken an das jüngere Mädchen lief ihr plötzlich ein Schauer über den Rücken. Eine düstere Ahnung befiel sie. Inständig hoffte sie, dass die Freundin auf dem Zimmer geblieben war und nichts im Alleingang unternommen hatte. Katie fühlte sich verantwortlich für Sina.
Sie war an der Reihe, die Karten zu mischen und auszugeben, dabei zwang sie ihre Konzentration auf das Spiel. Ihre letzte Runde, wie sie sich schwor. Katie nahm einige Scheine und legte sie auf die Tischmitte. Sie pokerte hoch. Das Glück war auf ihrer Seite und warum sollte man es nicht ein wenig ausreizen. Ihr Gegenüber verschwendete keinen Blick in seine Karten. Seine Miene schien wie aus Eis geschnitzt, als er sich vertraulich über den Tisch vorbeugte.
„Ihr seid alleine unterwegs, nicht wahr?“
Katie versuchte, aus der unbeweglichen Miene zu lesen, doch war er ein erfahrener Pokerspieler, der nicht die kleinste Emotion preisgab.
„Möglich“, brummte sie. Ihr Blick schweifte durch den Saloon. Die anderen fünf Mitspieler hatten sich an die Bar verzogen. Zwei Mädchen aus dem Saloon unterhielten sie kichernd.
„Eure Begleitung ist wohl Eure jüngere Schwester“, fuhr er fort und ohne eine Antwort abzuwarten. „Sie hat Euch nicht in den Saloon begleitet.“
„Ist das wichtig?“, fragte Katie zurück. Ihr wurde unbehaglich zumute.
„Ihr habt Geldprobleme“, stellte er trocken fest. „Vor mir und meinen Partnern müsst Ihr Euch nicht fürchten“, kommentierte er Katies wachsende Nervosität.
„Wie kommt Ihr darauf?“ Katie nippte am Branntwein, um ihren trockenen Mund zu befeuchten. Ihr Gegenüber nahm die Reaktion zufrieden zur Kenntnis. Er hatte ins Schwarze getroffen.
„Nur ein Zimmer gemietet und dazu noch ein recht kleines. Zwei junge Frauen völlig ohne Begleitung in solch einem Etablissement. Dabei hat erst vor kurzem ein neues Hotel in der Stadt eröffnet“, setzte er die Puzzlestücke zusammen. „Meine Geschäftspartner und ich residieren dort.“ Er zeigte ein kurzes zynisches Grinsen und lehnte sich zurück, das Whiskyglas in der Hand, ohne daran zu trinken.
„Was möchten Sie von mir?“, stieß Katie zwischen den Zähnen hervor.
Er zeigte auf die Scheine. „Mein Geld zurück.“
Katie legte die Hand darauf. „Das habe ich ehrlich gewonnen.“ Sie spürte, wie ihr der Schweiß ausbrach und daran war nicht unbedingt die Hitze schuld. Aus den Augenwinkeln schielte sie auf einen Mann an der Bar, der ganz in schwarz gekleidet war und an der Brust einen Stern trug. Ob sie sich im Ernstfall auf den Sheriff verlassen konnte?
„Ich habe dir gesagt, vor mir hast du nichts zu befürchten. Ich schlage dir lediglich ein Geschäft vor. Bisher hast du mich mehr gekostet, als meine Geliebte“, die Worte kamen wie Peitschenschläge.
Sie muss aber bescheiden sein, dachte Katie mit einem geheimen Grinsen. Vor ihr auf dem Tisch lag ein kleines Vermögen.
„Draußen vor dem Saloon steht ein Pferd. Ein ganz anständiger Hengst, auch wenn seine Abstammung, nun, gewöhnungsbedürftig ist. Nennen wir ihn ein Halbblut.“ Das letzte Wort sprach er voller Verachtung aus.
Katie horchte auf. „Wie meinen Sie das?“
Er musterte sie abschätzend aus hellblauen Augen. „Seine Mutter war eine meiner Vollblutstuten. Sie ließ sich von einem Wilden, einem Mustang besteigen.“ Er spie heftig auf den Boden. „Schon bei seiner verfluchten Geburt hätte ich ihn erstechen sollen, aber meine Tochter flehte um sein Leben.“ Er zuckte die Achseln. Sein Blick glitt über die junge Frau in dem engen Reisekostüm. Der schwarze Stoff betonte die alabasterweiße Haut und die roten Haare schienen förmlich in Flammen zu stehen. Einen Augenblick überlegte er, ihr das Angebot zu machen, seine Geliebte zu werden, doch ahnte er schon, dass er mit ihr auf längere Sicht nicht glücklich würde. Er hatte Katie von Anfang an richtig eingeschätzt. Sie ging ihren eigenen Weg.
Eine gefühllose Geliebte, die ihm nur des Geldes wegen Liebe vorsäuselte genügte ihm. Zusammen mit dem zänkischen Weib, das er vor fast zwei Jahrzehnten geehelicht hatte, war das mehr als genug für einen Mann. Ihn interessierte hauptsächlich der Stapel grüner Scheine auf dem Tisch, den er gerne wieder gehabt hätte. Wechsel auszustellen war immer eine solch umständliche Sache.
„Ich will mir das Pferd erst einmal ansehen“, verlangte Katie. Er grinste und erhob sich, nicht ohne einen tiefen Zug aus seinem Glas zu nehmen. Als er von seiner Tochter sprach, war eine Veränderung in ihm vorgegangen. So gefühllos schien er dann doch nicht zu sein. Eine harte Nuss vielleicht, aber doch zu knacken. Jetzt lag es lediglich an Katie, die Nerven zu behalten.
Sie folgte ihm nach draußen, nicht ohne ihren Gewinn einzustecken.
Im Schatten des Saloon Vordaches stand ein braunes Pferd angebunden. Mit dem Schweif scheuchte es Fliegen weg und mit angelegten Ohren jeden, der ihm zu nahe kam. Der Hengst besaß einen edlen Kopf, mit langem geradem Schädel, an dem zwei kluge, aufmerksame Augen saßen. Ein typisches Zuchtmerkmal der Vollblüter. Die Beine waren lang, aber stämmiger als bei dieser hochgezüchteten Rasse. Ein Erbe seines Mustangvaters. Er war ein Pferd, das geradezu prädestiniert war, seinen Reiter tage- wenn nicht wochenlang durch die Prärie zu tragen und sich dabei nur von Gras zu ernähren.
„Der Einsatz ist alles gegen alles“, hörte Katie die Stimme ihres Mitspielers. „Mein Pferd gegen deine Dollarscheine.“ Er schlug ihr ein All In vor, wobei sie sich denken konnte, dass es sich dabei nicht um sein gesamtes Vermögen handelte. Bei ihr sah es da schon anders aus, auch wenn sie nicht ihr ganzes Geld mit in den Saloon genommen hatte. Sie warf noch einmal einen Blick auf den Hengst.
„Sattel, Zaumzeug und ein Gewehr lege ich dazu, damit es sich für dich lohnt. Also?“ Er hielt ihr die Hand hin.
Sie hatte ihr Blatt noch nicht gesehen. Sollte sie verlangen, dass die Karten neu gemischt werden?
„Bedingung ist natürlich, dass die Karten sofort aufgedeckt werden“, verlangte ihr Kontrahent. Katie stand quasi mit dem Rücken zur Wand. Ihre Finger krampften sich um die wertvollen Scheine in ihrer Rocktasche. Fast ihr ganzes Vermögen, das sich allerdings auch gewaltig schmälern würde, müsste sie Pferd und Waffen auch noch für Sina kaufen.
Der Hengst reckte den Hals und wieherte leise.
Auch meine Geburt war wider die gesellschaftliche Ordnung, fuhr es Katie durch den Kopf. Wie von selbst schlug sie in die dargebotene Hand ein. Die Abmachung war besiegelt. Wie durch einen Nebel ging sie mit ihrem Mitspieler in den Saloon zurück.
Er setzte sich an den Tisch, auf dem die Karten noch so lagen, wie sie zuvor hingelegt wurden. Seine Miene schien wieder gefasster. Die unbewegliche Maske Gleichgültigkeit lag wieder auf seinen Zügen.
„Ladies First“, sagte er und bleckte beim Grinsen die Zähne wie ein Tiger.
„Alter vor Schönheit“, konterte Katie schlagfertig zurück. „Sie wollten dieses Spiel, dann machen Sie auch den Anfang.“
In einem breiten Fächer legte er die Karten auf den Tisch. Sein Gesicht strahlte voller Zufriedenheit. Ein Straight Flash.
„Nicht übel“, Katie erkannte die Stimme in ihren Ohren kaum als ihre eigene. Sie legte jede Karte einzeln auf. Ihrem Gegenüber traten fast die Augen aus dem Kopf. Ein Blatt, von dem jeder Pokerspieler träumt. Royal Flash.
Katie hatte alles gewonnen. 

7.Teil
 

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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Könige der Prärie - 6. Teil - von Persephone - 23-04-2017, 18:01
RE: Könige der Prärie - 6. Teil - von coco - 26-04-2017, 20:41
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