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Es ist: 27-10-2021, 20:01
Es ist: 27-10-2021, 20:01 Hallo, Gast! (Registrieren)


Könige der Prärie - 14. Teil
Beitrag #1 |

Könige der Prärie - 14. Teil
Sakima lag auf seinem Lager und schlief. Von der Operation schien er nichts gespürt zu haben. Sogar seine Wangen hatten schon wieder etwas gesunde Farbe bekommen. Verstohlen berührte Katie sein Gesicht.
Er genas langsam und sie bot alles Wissen auf, das sie über die Heilkunst gelehrt wurde und das ihr hier in der Wildnis zur Verfügung stand. Doch so lange er sich in diesem komaähnlichen Zustand befand, konnte er nicht reiten. Seine Stammesbrüder wurden langsam nervös. Zu lange schon hielte sie sich an diesem Ort auf und mussten jederzeit die Rache der Soldaten im Fort fürchten.
Auch bestand die Gefahr, dass er vom Mohnblumensaft abhängig wurde, wenn er ihm zu lange verabreicht wurde.
„Könntest du mir einen Gefallen tun?“ Narbengesicht, der gerade mit seinen Stammesbrüdern eine hitzige Diskussion in seiner Muttersprache führte, wandte den Kopf, als ihn jemand an der Schulter berührte. Dieses weiße Mädchen mit dem flammenden Haar besaß sein Wohlwollen, auch wenn er dies nicht offen zeigte. Seine wahren Gefühle verbarg er lieber in seinem Innersten, hinter seinen zahlreichen Narben. Er nickte knapp.
„Der Häuptling schläft, so erholt sich sein Körper am besten. Das Fieber ist auch schon gesunken. Haltet doch bitte eine Auge auf ihn.“ Einer der Krieger fasste sich ans eigene Auge und tat so, als werfe er dies auf seinen Häuptling. Katie ignorierte den derben Scherz. „Ich möchte nur zum Fluss gehen und ein Bad nehmen.
Die beiden jüngeren Krieger zogen die Augenbrauen hoch, doch Narbengesichts strenger Blick gemahnte sie sofort zur Ordnung. Katie errötete.
„Geh nur, meine weiße Schwester“, gestattete ihr Narbengesicht.
Schnell rannte sie zum Fluss. An einer geschützten Stelle entledigte sie sich ihrer Kleidung und tauchte ins kühle Nass.
Von den Indianern würde ihr keiner folgen, wussten sie doch, wie sich zu benehmen hatten und brachten eine Frau nicht absichtlich in Verlegenheit. Katie ihrerseits hatte geschworen, nicht zu fliehen und diesen Eid würde sie unter keinen Umständen brechen.
Sie warf sich auf den Rücken und schloss die Augen. Allein im Wasser durfte sie sich kleine Träumereien erlauben. Sakima, Sie stellte sich vor, dass er zu ihrer Rettung geeilt war, dass er gespürt hatte, von ihm hing ihr Leben ab. Sie lachte laut auf. Es war reiner Zufall gewesen, dass die Indianer sie aus den Händen der Soldaten befreit hatten. Trotzdem. Immerhin hatten die Roten volle Kriegsbemalung getragen, die zu Katies Bedauern auch bei ihrem Geliebten jetzt vollständig abgewaschen war. Die kobaltblaue Farbe ließ ihn gefährlich aussehen. Ein Spiel mit dem Feuer, bei dem sie sich nur allzu leicht die Finger verbrennen konnte.
„Ein junger Gott“, murmelte sie zu sich selbst und war dankbar über das kalte Wasser, das weitere Gefühle einfrieren ließ. Unzüchtig hätten die Nonnen solche Gedanken geheißen und bei Gott, sie hätten Recht gehabt. Wohlige warme Schauer ließen ihren Körper in dem schäumenden Wasser erbeben. Katie tauchte unter. Sie musste die Gedanken auf etwas Anderes lenken. Streng genommen war sie eine Gefangene der Lakota. Sie blieb unter Wasser, bis Kälte und Sauerstoffmangel sie wieder an die Oberfläche trieben. Prustend kam sie wieder hoch, das Ufer im Rücken.
 
 
 
Das Tor in die ersehnet Freiheit öffnete sich. Erleichtert sah Sina die unbewachten Flügeltüren aufschwingen. Hinter ihr verschwammen die einzelnen Stimmen zu einem gewaltigen Donner, als würde eine riesige Kugel auf sie zurollen. Mit aller Kraft klammerte sie sich ans Sattelhorn. Silvers raumgreifende Galoppsprünge trugen sie sicher aus dem Fort hinaus. Zum ersten Mal hatte sie das Gefühl, eins mit ihrem Pferd zu sein.
Yuma schrie ihr etwas zu. Sein Apaloosa hielt kaum Schritt mit der schnellen Stute. Sina wagte einmal kurz den Kopf zu drehen und einen Blick hinter sich zu riskieren. Eine Bewegung, die fast aus dem Sattel katapultiert hätte. Halb hing sie auf dem Pferdehals und spürte jeden Galoppsprung als harten Stoß.
„Wo ist Katie?“, brüllte sie gegen den Lärm. Der Apache gab ihr ein Handzeichen, weiterzureiten.
„Wir müssen auf Katie warten“, schrie sie. Bedingt durch die unruhigen Bewegungen ihrer Reiterin verlangsamte Silver ihre Geschwindigkeit und der Apache konnte aufholen.
„Wir können jetzt nichts für sie tun“, rief er und packte im Vorbeireiten Silvers Zügel und zwang sie durch das rettende Tor.
Das schwere Tor schwang zu und sein Krachen klang wie ein menschliches Brüllen. Noch waren sie nicht in Sicherheit. Ein Trupp Soldaten würde sie mit Sicherheit verfolgen. Glücklicherweise hatte Katie ihnen gesagt, wo die Apachenkrieger auf sie warteten, auch wenn dieser Ausgang nicht in ihrem Sinne gewesen war.
Sie galoppierten weiter in hohem Tempo. Trotz des kühlen Morgens schäumten die Pferde.
Yuma warf einen Blick über die Schulter. Sie schienen die Soldaten abgehängt zu haben oder sie wurden nicht verfolgt. Allerdings  war auch Katie noch in dem Fort. Als Gefangene.
Im Schutz hoher Bäume, vor denen dichte Sträucher standen, zügelte der Indianer sein Pferd, schwang sich vom Rücken seines Reittieres und half einer völlig erschöpften und verzweifelten Sina aus dem Sattel. Sie lehnte den Kopf an die Schulter und begann, hemmungslos zu weinen.
Yuma hatte noch keinerlei Erfahrung mit Frauen. Sein junges Leben hatte er damit verbracht ein mutiger Jäger und tapferer Krieger zu werden. Er suchte noch seinen Platz im Stamm, aber natürlich wünschte er sich, dass sein Vater und seine Brüder stolz auf ihn waren. Eines Tages sollte er Taims Nachfolger sein. Für Mädchen oder gar die Liebe blieb da wenig Zeit, er hatte sich bisher auch noch keine Gedanken darüber gemacht. Obwohl es in seinem Stamm an hübschen jungen Mädchen, die ihm durchaus zugetan waren, nicht mangelte. Seine älteren Kameraden prahlten auch offen und gerne an den Lagefeuern mit ihren Eroberungen, doch bisher hatte es noch keine Frau vermocht, Yumas Herz zu öffnen.
Bis er Sina traf. Er erinnerte sich noch genau an ihre erste Begegnung. Wie ein Sonnenstrahl kam sie auf ihrer schimmernden Stute angeritten. Ihr Haar glänzte golden. Yuma hatte geglaubt, sie müsste die heilige weiße Frau sein, von der der Medizinmann so oft erzählte.
Sie musste es einfach sein, dessen war er sich sicher. Vor einem einfachen Mädchen wären die Banditen nicht so schnell geflohen. Auch sie mussten die besondere Macht gespürt haben.
Immer wenn er sie ansah, wenn sie lächelte, dann schlug sein Herz schneller. Er war zum Medizinmann gegangen, weil er glaubte, er leide an einer geheimnisvollen Krankheit. Der eigenartige Schmerz, der seine Brust zusammenzog, verschwand nicht. Im Gegenteil, fast mit jedem Tag wurde er stärker.
Still hörte der Medizinmann zu, was der Häuptlingssohn zu sagen hatte und lächelte dabei hintergründig. Fast war Yuma zornig geworden, denn der Alte nahm ihn offensichtlich nicht ernst und schien sich über sein Leiden lustig zu machen.
„Diese Krankheit kann ich nicht heilen, kleiner Bruder“, erwiderte der Medizinmann weise. So es dem Großen Geist gefällt, wird dich diese Krankheit ein ganzes Leben begleiten und stärker werden. Und genau das wünsche ich dir.“
Fassungslos starrte Yuma ihn an. Den Medizinmann kannte er schon sein ganzes Leben, war als Kind auf seinen Knien geritten. Der Alte hatte ihm seinen ersten Bogen geschenkt und das Reiten gelehrt. Jetzt wünschte er ihm eine qualvolle Krankheit? Ehe er den Respekt vergaß, den er ihm schuldete, sprang er auf und verabschiedete sich hastig. Er würde schon ein Heilmittel gegen diese Krankheit finden. So viel er in Erfahrung gebracht hatte, war Sinas Schwester, das Mädchen mit den Haaren wie Feuer, ebenfalls eine weise Schamanin. Die Weißen wussten doch so viel, vielleicht hatten sie eine Medizin gegen den pochenden Schmerz in seiner Brust.
Die Pein nahm wieder zu, je enger Sina sich an ihn schmiegte. Er spürte die Wärme ihrer Haut selbst durch die Kleidung. Ihr Atem kitzelte an seinem Hals und ließ ihn wohlig erschauern.
Ein Feuer entbrannte in seinen Lenden. Wie von selbst glitt seine Hand über Sinas weiches Haar, berührten seine brennenden Lippen ihre Stirn. Er sah in ihre tränenverschleierten Augen und plötzlich wusste er, was er tun musste.
Nur langsam kam Yuma wieder in die Wirklichkeit zurück. Seine Sinne schwankten zwischen Bewusstsein und dem tiefen Schleier der anderen Welt, in der er sich gerade befunden hatte.
Sina saß im weichen Moos, die Arme über die überkreuzten Beine geschlungen, das Kinn aufgestützt. Die Kleidung der beiden lag verstreut umher.
„Wir müssen Katie dort rausholen, Gleichgültig wie“, waren ihre ersten Worten, nachdem, was geschehen war.
Yuma brauchte einen Augenblick, um zu antworten. Die Eindrücke einer völlig neuen Erfahrung lagen schwer auf ihm.
Nun wusste er, von was seine Freunde immer sprachen. Er streckte die Hand aus, um Sina zu berühren, zog sie aber gleich wieder zurück. Er ahnte bereits, dass dies der falsche Augenblick war.
„Wir reiten zum Dorf der Apachen und holen Hilfe. Allein werden wir es nicht schaffen“, antwortete er mit belegter Stimme.
Energisch schüttelte Sina den Kopf. „Das dauert zu lange. Dann kann es schon viel zu spät sein. Die Soldaten im Fort können alles Mögliche mit ihr anstellen. Denk daran, warum du den Offizier geschlagen hast“, fügte sie warnend hinzu.
Sina sprang auf. Ein Sonnenstrahl glitt durch das dichte Gebüsch und ließ ihre weiße Haut erglühen. Die weiße Frau aus der Legende.
„Lass uns sofort losreiten“, forderte sie ihn auf.
Yuma erhob sich. Die angenehme Schwere verließ seinen Körper. „Zuerst müssen die Pferde ausruhen. Bis zum Dorf der Apachen ist es noch weit.“
Plötzlich hörte er dreimal den Schrei eines Raben. Hastig stieg er in seine Kleidung und bedeutete auch Sina, sich anzuziehen, bevor er den Ruf erwiderte.
„Das sind die Apachenkrieger“, rief er freudig erleichtert. Er packte Sina beim Arm und zog sie mit sich. Einige Schritte weiter traf er auf seine Stammesbrüder.
Als die Indianer am nächsten Morgen erwachten, war Sina fort. Ihr Weg führte sie Richtung Osten in die Stadt Roswell. Sie wollte nach Dixon suchen, von dem sie wusste, dass er dort immer wieder geschäftlich zu hatte. Welche Art von Geschäften das war, verriet er freilich nicht. Er war undurchsichtig und mochte seine Fehler haben, aber er war ihr zugetan, das hatte sie bei ihrer letzten Begegnung gespürt. Sicherlich würde er sie nicht im Stich lassen, wenn sie ihn um Hilfe bat. Trotz seines unversöhnlichen Hasses gegen die Indianer. Streng genommen war Katie ja eine Weiße und keine Indianerin. Sie trieb Silver an. Noch hatte sie Dixon nicht gefunden und die Zeit arbeitete gegen sie. Inständig hoffte sie, dass die Freundin noch am Leben war. Sobald Katie in Sicherheit war, wollte sie sich um das Papier für die Apachen und deren Rechte kümmern. Der Gerechtigkeit konnte auch Dixon gegenüber nicht die Augen verschließen.
Außerdem und das musste sie ehrlich eingestehen, freute sie sich, ihn wiederzusehen. Die intimen Stunden mit Yuma strich sie aus ihrem Gedächtnis, das war einfach nicht geschehen. Ihre Stute trabte leicht. Die Nachtruhe hatte sie wieder erfrischt und die Apachen war sie auch schnell losgeworden. Sie hatten wohl nicht geglaubt, dass ein kleines, weißes Mädchen sich so einfach davon schleichen konnte. Sina grinste und summte ein Liedchen. Sie war stolz auf sich. Stolz darauf zu handeln und nicht herumzusitzen und stundenlang Kriegsrat zu halten. Taten statt Worte, war ihre Devise.
Die Soldaten im Fort machten auch vor jungen Mädchen nicht Halt, wie sie am eigenen Leib beinahe hatte erfahren müssen und Katie hatte immerhin zwei ihrer Leute getötet.
Gegen Mittag rastete sie unter einem Baum. Als sie einen Trupp Indianer vorbeiziehen sah, verbarg sie sich mit ihrem Pferd hinter einem hohen, dichten Busch.
Es war etwa ein halbes Dutzend Krieger und Sina erkannte Katies heimliche Liebe Sakima. Sie zog eine Grimasse und überlegte, ob sie sich nicht bemerkbar machen sollte. Schließlich entschied sie sich dafür, doch lieber einem Weißen Katies Rettung anzuvertrauen.
Sie fürchtete die Unberechenbarkeit des Roten Mannes. Sakima konnte sich von der völligen Zerstörung des Forts bis zu Sinas Gefangennahme alles einfallen lassen und wer wusste, was er dann alles mit ihr anstellen wollte.
Nicht nur unter den Apachen hatte er den Ruf, unbarmherzig und grausam mit seinen Gegnern zu verfahren. Sina unterließ es also, nach ihm zu rufen und wartete, bis die Roten vorbeigeritten waren.
Eines musste man Katie aber lassen. Auf seinem stolzen Rapphengst sah der Häuptling der Lakota wirklich wie ein junger Gott aus.
 Um möglichst wenige Spuren zu hinterlassen, ritten die Indianer im Gänsemarsch hintereinander. Sina wartete, bis die Roten außer Sicht waren, und bestieg dann ihre Stute. Sie ritt in einem Bogen um Sakima und die Krieger, um kein Risiko einzugehen. Sie befand sich mitten Feindesland der Lakota, die den Stamm der Apachen und deren Freunde bis aufs Blut hassten.

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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Könige der Prärie - 14. Teil - von Persephone - 24-05-2017, 16:47
RE: Könige der Prärie - 14. Teil - von coco - 01-07-2017, 08:48

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