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Es ist: 14-04-2021, 05:21
Es ist: 14-04-2021, 05:21 Hallo, Gast! (Registrieren)


Könige der Prärie - 24. Teil
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Könige der Prärie - 24. Teil
Auf bloßen Pferderücken sitzend, nur durch Berührungen am Hals, kehrte Katie zum Stamm der Apachen zurück. Noch bevor Harlekin stand, sprang sie von seinem Rücken. Schon von weitem hörte sie das Gebrüll der beiden sich bekämpfenden Indianer.
Mit Faustschlägen bahnte sie sich einen Weg durch die eng zusammen stehende Menschenmenge. Sie traute kaum ihren Ohren. Nach drei Tagen im Todesschlaf, glaubte sie, ihre Sinne spielten einen üblen Streich und sie musste mit eigenen Augen sehen, was die Ohren ihr vortäuschten. Doch es war keine Einbildung. Sakima stand in Mitten des Kreises, das Messer fest in der Hand. Blut klebte an seinem Körper und seiner Hose. Blut hatte auch schon der ausgedörrte Boden gekostet.
Katie konnte nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es Sakimas Blut war oder das des Apachenhäuptlings. Beide waren damit über und über beschmiert und wiesen auch Verletzungen auf, die sie sich gegenseitig in ihrem sinnlosen Kampf zugefügt hatten. Doch das Wichtigste war: Sakima lebte. Er war nicht am Marterpfahl gestorben. Doch sollte er ihr bald erklären, warum er dieses Leben jetzt so leichtfertig aufs Spiel setzte.
Katie konnte ihr Glück kaum fassen, wenn dies ein Traum war, so wollte sie niemals wieder daraus erwachen.
Sie stieß einen hohen spitzen Schrei der Überraschung und der Freude aus. Sakima, der gerade Taim in die Knie zwang, die Messerklinge fest an die Kehle seines Gegners gepresst, wandte sich um. Sein Gesicht drückte Fassungslosigkeit aber auch einen Anflug freudiger Verwunderung aus. Für den Bruchteil einer Sekunde starrte er sie an, als sei sie eine Halluzination, dann machte er einen halben Schritt auf Katie zu. Sofort nutzte der Apache die nachlassende Aufmerksamkeit seines Rivalen zu seinem Vorteil aus. Er hob sein Messer, das ihm schon aus der Hand gefallen war, vom Boden auf und rammte es Sakima bis zum Schaft zwischen die Rippen.
Sakima schaffte noch zwei kurze, schwache Schritte, ehe zusammenbrach. Mit einem dumpfen Schrei rannte Katie zu ihm. Sie ließ sich an seiner Seite auf die Knie nieder in den Staub und umklammerte seine Hand.
Er lächelte schwach. „Meine Liebste“, flüsterte er und hob die blutige Hand, ihre Wange zu berühren. Kraftlos sank sein Arm nieder. Mit dem Blutstrom rann aus auch das Leben aus seinem Leib.
Katie küsste ihn zärtlich, spürte den metallischen Geschmack seines Blutes auf den Lippen. „Ich liebe dich.“
Ein sanftes Lächeln erhellte sein Gesicht. Noch einmal trat das Funkeln, das sie so sehr geliebt hatte, in die kohlschwarzen Augen, dann erlosch das Licht und er wurde schwer in ihren Armen.
Die Tränen, die sie so tapfer zurück gehalten hatten, brachen sich ihren Bann und sie sank schluchzend über dem Leichnam ihres Geliebten zusammen.
Rote wie Weiße waren ergriffen stehengeblieben und zollten ihrer Trauer Respekt.
Nach einer Weile, als keine Tränen mehr fließen wollten, löste Katie sich von dem toten Sakima. Sie kniete in einer Lache aus seinem Blut, das zu gerinnen begann. Sie stand auf und zog das Messer aus Sakimas erkaltetem Leib.
Langsam blickte sie auf. Ihr Gesicht glich einer steinernen Maske. „Mörder!“ Ihre Stimme war wie klirrendes Eis. Die Finger fest um den Griff des Messers geschlossen, ging sie Taim entgegen. Sie beschleunigte ihren Schritt. Die Klinge in tödlicher Absicht gegen den Häuptling erhoben.
Schüsse zerrissen die drückende Stille, die sich schwer über den Stamm der Apachen gelegt hatte. Getroffen taumelte Katie zurück. Auf ihrem Gesicht spiegelten sich Entsetzen und Verwunderung. Sie ging einige Schritte rückwärts. Ihr Fuß berührte etwas Weiches, sie verlor den Halt und fiel zu Boden. Mit ihren letzten Atemzügen erkannte sie ihren Mörder.  Sie wandte den Kopf. Das letzte, das sie sah, waren Sakimas geliebte Züge. Er lag da, ein Lächeln auf dem Gesicht und sah aus, als schliefe er.
 
Sina, die mit einem Aufschrei zusammen gebrochen war, erhob sich aus dem Staub. Sie wirkte seltsam gefasst, für jemanden, der gerade mit eigenen Augen die Ermordung der eigenen Schwester hatte ansehen müssen. Für einen kurzen, glücklichen Augenblick hatte sie geglaubt, Katie wieder bei sich zu haben. Hatte ihr Auftauchen als Halluzination gesehen und erst als die Schüsse fielen, musste sie feststellen, dass sie nicht träumte.
Sie stieß die ihr am nächsten stehende Person grob weg und rannte zu Katie, die blutüberströmt neben Sakima auf dem Boden lag. Sie fasste sie bei den Händen, lautlos liefen ihr Tränen über die Wangen.
Katie lächelte schwach. „Alles Gut, Liebes. Ich…ich bin bei ihm.“ Sie fasste nach Sakimas schlaffer Hand.
„Katie…nein“, Sina brach zusammen. Die Hand der Schwester strich ihr liebevoll das Haar aus dem Gesicht.
„Dixon muss jetzt auf dich aufpassen. Ich kann es nicht mehr.“ Sie wollte noch mehr sagen, doch der Tod verschloss ihre Lippen für immer.
Sina hob nahm Katies toten Körper in die Arme und wiegte sie wie ein Kind. Über ihre Schulter sah sie Tom. Er hielt immer noch den Revolver in der Hand, mit dem er die Tochter kaltblütig erschossen hatte.
Hass war ja bekanntlich ein Gefühl, doch für diesen Menschen empfand sie keine Gefühle mehr. Nur eine Mischung aus Verachtung und Mitleid, die nicht genügte, die Hand gegen ihn zu erheben. Er mochte mit der Schuld leben, die einzige Tochter getötet zu haben.
Nach einer Weile berührte Narbengesicht sie an der Schulter. Sie sah auf und neben dem Lakotakrieger stand ihr Ehemann. Sie ließ sich von Dixon auf die Füße stellen, dankbar für seine Nähe.
Wenn man die grässlichen Wunden nicht beachtete, sahen die beiden Toten aus, als schliefen sie eng umschlungen. Wenigstens im Tod waren sie vereint und das durfte ihnen niemand nehmen.
Dixon atmete scharf ein, als sie an Tom heran trat, doch mit einer Handbewegung gab sie ihm zu verstehen, dass sie nicht die Waffe gegen ihn erheben würde.
„Nicht die Klinge oder die Kugeln haben Katie und Sakima getötet“, erklärte sie in beinahe freundlichen Ton. Er schien langsam zu begreifen und sie freute sich über seinen Schmerz. „Euer grenzenloser Hass und eure Feindschaft haben die beiden ermordet. Doch wenigstens sind sie jetzt für immer vereint. Das könnt ihr ihnen nicht mehr nehmen.“
Taim war zusammen gebrochen und wurde von seinen Kriegern eiligst in sein Zelt gebracht. Bis zu seinem Tod sollte er sich davon nicht wieder erholen. Der Sieg über den jungen Lakotahäuptling hatte ihm nicht viel Ehre eingebracht. Er starb in hohem Alter, doch lebte er in einer eigenen Welt, zu der niemand Zugang fand.
Tom machte Miene, als wolle er etwas erwidern, doch Sina fiel ihm sofort ins Wort. Er ging zurück in seine Heimat, wo er völlig verarmt und einsam starb. Sein verwesender Leichnam wurde nur zufällig gefunden, niemand hatte ihn vermisst.
„Wagt es nicht, die beiden getrennt voneinander zu bestatten.“ Ihre Drohung war unmissverständlich. Sie nickte den Lakotakriegern kurz zu, die ihrem wortlosen Befehl widerspruchslos gehorchten und die beiden Toten auf die Pferde hoben.
Sina küsste jeden der beiden Verstorbenen auf die Stirn. „Macht’s gut ihr beiden“, flüsterte sie. „Da wo ihr jetzt seid, kann euch niemand mehr trennen. Wir werden uns wieder sehen.“
Sina schwang sich in den Sattel ihrer Stute. „Ich hoffe, dass ihr eines Tages Frieden schließen könnt und zukünftigen Generationen ein so herbes Los erspart“, sagte sie zu Tom gebeugt.
Dunkle Wolken zogen auf, Regen prasselte vom Himmel, als Sina für immer die Jagdgründe der Apachen verließ.
 
 

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(Friedrich Nitzsche)



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Könige der Prärie - 24. Teil - von Persephone - 04-03-2018, 10:00

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