Es ist: 27-05-2022, 22:22
Es ist: 27-05-2022, 22:22 Hallo, Gast! (Registrieren)


Anmerkungen zur Hartung'schen Zeitung (Live-Ticker)
Beitrag #3 |

RE: Anmerkungen zur Hartung'schen Zeitung (Live-Ticker)
Hallo Zack.

Ich musste so schnell weiterberichten, weil es genauso schnell auch weiterging. Und meine Absicht war es ja, das Vorhaben "1918-2018" eins zu eins umzusetzen.

Ein besonderer Augenmerk lag auch darauf, das, was da damals passiert ist, so einfach wie es ging - aber historisch möglichst korrekt - umzusetzen. Ich weiß, dass Geschichte ermüdend und langweilig sein kann. Aber manchmal weiß man eben mehr, oder man sieht andere Sachen in einem anderen Licht.
Beispiel:
Der Bundespräsident war bei der Kranzniederlegung in London dabei, wegen des Kriegsende. Er ist von der SPD, die gleiche Partei, der vor hundert Jahren diese Last durch die (III.) Oberste Heeresleitung aufgetragen worden war. Bezeichnenderweise war auch ein Stabsoffizier beim Präsidenten. Und ebendieser Soldat legte den Kranz nieder. Wer Bilder sucht und vergleichen möchte, der findet sie auch.
Oder die Bundeskanzlerin, CDU, die genau dort stand, wo Matthias Erzberger (Zentrumspartei) den Waffenstillstandsvertrag unterzeichnete. Wenn man weiß, dass die meisten Politiker nach 1945 aus eben dieser Zentrumspartei 'rekrutiert' wurden, ergibt das ein sich abrundendes Bild.
(Völlig neutral gesagt.)

Ich bin euch noch die Quellen schuldig:
Allen voran natürlich Sebastian Haffner, Die Deutsche Revolution 1918/1919, Kindler Verlag. Daneben Janusz Piekalkiewicz, Der Erste Weltkrieg, ECON Verlag. Bezüglich der Atmosphäre der damaligen Zeit hilft auch Michael Müllers Biographie von Admiral Canaris. (Wer ein spanndendes Buch lesen möchte, über eine Person, die eigentlich wie kein anderer Mensch nicht wirklich eingeordnet werden kann - zumindest durch die 'Historiker' - der sollte es sich mal zur Brust nehmen.)
Und natürlich einige Lückeninformationen bei Tante Wiki, die aber, wie ich festgestellt habe, nicht immer genau sind.

Ein Wort noch zu Haffner. Er ist kein Historiker, das hat er immer verneint. Aber er hat, wie noch nie ein anderer Mensch in diesem Land, Geschichte so nah, so menschlich, und so verständlich rübergebracht, das man es verstehen konnte. Er unterlag auch keinen Zwängen dabei, so wie ich heute ein ums andere mal den Eindruck habe. Nein, er ist nicht nur jemand, der schreiben und erzählen kann, sondern er hat auch in den Zeiten gelebt, oder sie sehr nah wahrgenommen. Kein Historiker, aber ein historischer Mensch.
Um die Bedeutung zu unterstreichen:
Als er wegen seiner halbjüdischen Frau nach London geflohen war, musste er irgendwas tun. Als Jurist konnte er da nicht arbeiten. Außerdem war er alsbald ein Angehöriger eines feindlichen Landes. Da er vorher schon - unpolitische, manchmal auch humorvolle - Essays geschrieben hatte, und er politisch sehr aktiv im Kopf war, schrieb er 1939/1940 (!) "Germany: Jekyll&Hyde".
Das Buch ist eine Rarität. Das deutsche Original gibt es nicht mehr, es musste von der englischen Ausgabe zurückübersetzt werden. Und es war so brisant, dass sogar Winston Churchill es las und jedem seiner Kabinettsmitglieder zum Lesen auf den Tisch legte.
(!)

VGD.


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RE: Anmerkungen zur Hartung'schen Zeitung (Live-Ticker) - von Dreadnoughts - 12-11-2018, 23:00

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