Es ist: 08-03-2021, 04:52
Es ist: 08-03-2021, 04:52 Hallo, Gast! (Registrieren)


Schaumgeborenes
Beitrag #1 |

Schaumgeborenes
Schaumgeborenes

Vergangenes war schaumgeboren
Mein Denken war schockgefroren
Allmählich taut es auf
Gefühl schwebt hinauf

Gegenwärtiges ist schaumgeboren
Mein Verstand ist ungeschoren
Erst jetzt wird klar
Was ist und was war

Zukünftiges wird schaumgeboren
Träume sind nie verloren
Bald siehst du mehr
Leere wird schwer
***
Schaumgeborenes überdauert
Zeitkreise
Zeitweise
Eiszeiten
Weisheiten
verblassen

Erkennen wollen
ist der erste Schritt des Verstehens.
Zunächst im Selbstversuch!

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Beitrag #2 |

RE: Schaumgeborenes
Hallo Helga,

"Schaumgeborenes" - irgendwie ein sehr interessanter Titel. Läd zum Klicken ein Icon_smile ...

Die zweite Strophe fängt mir etwas zu lang an, dieses "Gegenwärtiges" holpert ein wenig, liest sich umständlich, "Gegenwart" würde mir da besser gefallen. Genauso bei der Zukunft ... und in der ersten Strophe dann gleich Vergangenheit.
Mir ist klar, dass du da Parallelen zeichnen wolltest, aber die Versionen mit "-es" am Ende finde ich zu umständlich für dieses Gedicht.

"Träume sind nie verloren" - hier durchbrichst du das Schema zwei Zeilen mit dem gleichen Verb zu schreiben. Absicht? Oder einfach keine Möglichkeit gefunden? Würde dann eher "gehen nie verloren" schreiben, kA, also eine Silbe mehr reinbasteln.

Die letzte Strophe, die durch die Sternchen abgetrennt ist, gefällt mir am besten - vorher alles schön nachdenklich, so ein bisschen zwischen Zuversicht und Traurigkeit. Aber die letzte Strophe wirft einen dann hin und her, man kann die Zeilen einzeln sehen und zusammen, macht Spaß, zu lesen. Mir gefallen auch diese "schweren", bedeutungsschwangeren Worte wie Zeitenkreise, Eiszeiten usw. ... das gibt dem Gedicht Weite, Zeitlosigkeit, Tiefsinn.

Insgesamt gefällt mir dieses Gedicht am besten von denen, die ich bisher von dir gelesen habe - trifft am ehesten meinen Geschmack, ist zwar relativ "einfach" gehalten, aber trotzdem zum Nachdenken.
Du weißt ja, ich mags komplex und am besten noch tiefer als der Grund des Sees, aber muss ja nicht alles meinen Geschmack treffen. Ich finde, dass dieses Gedicht gut gelungen ist.

Liebe Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #3 |

RE: Schaumgeborenes
Hallo Zack,

Donnerwetter, Dir gefällt eines meiner Gedichte, also zumindest ansatzweise. Selbstverständlich geht dem Poeten, in dem Falle mir, da so einiges runter wie Öl.
Nun, dieses Gedicht habe ich ohne viel nachzudenken, einfach zwischen Frühstück und Mittag aus dem Ärmel geschüttelt. Was mich dafür inspirierte ist selbst mir verborgen. Was ich mir dabei dachte, kann man ganz kurz auf einen Nenner bringen: immer läuft alles auf dasselbe hinaus, man hat früher, heute, morgen Ideen aus Schaum, fällt in der Begleitung Entscheidungen, trägt die Konsequenzen und versucht aufs Neue aus dem Schaum zu steigen. Weisheiten zählen nicht. Die letzte Strophe: Wortspielereien.
Das Interessante und für mich Unfassbare: ein solches Gedicht gefällt.
Weißt Du, mir macht es Freude, Kommentare zu lesen, zu erfahren, was in ein Gedicht hineingedacht wird, welches nicht ganz klar und eindeutig gehalten ist. Es wird Tiefe vermutet. In der Regel ist der Autor damit geehrt, hat er doch etwas Bemerkenswertes zu Papier gebracht. Am Ende glaubt er es selber und ist furchtbar stolz.
Ich komme allmählich zu dem Schluss, dass die moderne Lyrik mit dem Menschen dahinter wenig zu tun hat, nur mit seinem Versuch ein x-beliebiges Gefühl oder eine Stimmung möglichst effektvoll in Worte zu kleiden. Oh, jetzt bin ich abgewichen.
Ich schreibe stets, wie mir zumute ist und wie ich bin: einfach, natürlich, ironisch und auf meine Art humorvoll, auf alle Fälle ehrlich und deutlich, leicht zu verstehen.
Dieses Gedicht war mal ein Experiment, eine Laune gewissermaßen.
Nun, nach diesen Worten will ich nur noch einmal sagen, dass ich mich freue, wenn meine Sachen kommentiert werden, ob gut oder schlecht ist nebensächlich, solange nichts unter die Gürtellinie geht oder schlicht dumm ist, aber dann sag ichs schon.

Ich danke Dir also sehr für Deine Mühe und Deine Meinung zum Gedicht.

LG Helga.

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Beitrag #4 |

RE: Schaumgeborenes
@Helga:

Muss dir an einer Stelle widersprechen:

Die letzte Strophe: Wortspielereien.
Das Interessante und für mich Unfassbare: ein solches Gedicht gefällt.
Weißt Du, mir macht es Freude, Kommentare zu lesen, zu erfahren, was in ein Gedicht hineingedacht wird, welches nicht ganz klar und eindeutig gehalten ist. Es wird Tiefe vermutet. In der Regel ist der Autor damit geehrt, hat er doch etwas Bemerkenswertes zu Papier gebracht. Am Ende glaubt er es selber und ist furchtbar stolz.


Das klingt mir zu sehr nach: Da wird was hingeschüttelt und andere vermuten Tiefe darin, obwohl keine da ist.

Oft sind schnell runtergeschriebene Gedichte die besten. Wenn ein Autor inspiriert ist und Übung hat, dann fließt es einfach - das Gedicht entsteht, intuitiv, assoziativ, so schnell, dass selbst der Autor es erst einmal mit Gedanken nachvollziehen muss. Ich denke, das ist eine unheimlich ehrliche und tiefe Lyrik.

Zum anderen entsteht die Tiefe ja eigentlich immer im Leser, das heißt, wenn der Leser eine gewisse Tiefe besitzt, wird er auch in "oberflächlichen" Gedichten etwas Tiefes sehen, wenn er eher "oberflächlich" ist, wird er auch in einem tiefsinnigen Gedicht nichts Tiefes finden.

Ich komme allmählich zu dem Schluss, dass die moderne Lyrik mit dem Menschen dahinter wenig zu tun hat, nur mit seinem Versuch ein x-beliebiges Gefühl oder eine Stimmung möglichst effektvoll in Worte zu kleiden.

Da hast du teilweise sicher recht. Ich habe auch schon viel Effekthascherei gelesen.
Moderne Lyrik befasst sich allerdings auch viel mehr mit dem Unbewussten, diese Werke sind dann "effektvoll", assoziativ, intuitiv, emotional, hochmetaphorisch, surreal ...
Über das Bewusste wurde schon so viel geschrieben, man kennt so viele Klassiker, wenn man sich interessiert - da kommt eine Sehnsucht nach mehr, nach Tieferem, Verworrenerem, schwerer Begreifbarem auf. Das ist moderne Lyrik für mich. Ein Spiel aus Beusstsein und Unterbewusstsein.
Zudem finde ich, "moderne Lyrik" bezieht den Leser stärker mit ein, durch die Interpretationsfreiheit, durch die Weite, das Entrückte ... dabei schrumpft natürlich der Anteil der Persönlichkeit des Autors.

So, jetzt bin ich auch abgeschweift.
Wollte nur sagen: Tiefsinnigkeit muss nicht mühevoll erdacht werden!

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #5 |

RE: Schaumgeborenes
Hallo Zack,
Deine Erläuterungen gefallen mir, sind plausibel, bin ich doch auch der Meinung, dass ein Gedicht die Gedanken des Lesers anschieben, oder besser noch die Fantasie zum Fliegen befähigen sollte. Das Zauberwort "Interpretationsfreiheit"! Natürlich, da bin ich doch bei Dir. Ich habe bloß nie die Sehnsucht nach Verworrenem und schwer Begreifbarem verspürt, eher nach Erklärung, nach Klarheit, nach Entwirrung und dabei möchte ich aktiv teilnehmen. Ich will es verstehen. Schwierig, schwierig! Die Kunst bleibt sicher an vielen Stellen geheimnisvoll und für Außenstehende nicht nachvollziehbar. In der Malerei begegnet mir dieses fortwährend. Nur schön, nur ansprechend, so simple ist es nun einmal nicht. Dennoch ist meine Intension immer das Einfache, das Fassbare, das Erklärbare und ich behaupte: darunter leidet die Tiefe nicht, ganz im Gegenteil, denn man blickt auf den Grund.
Ja, und die Sache mit dem Unterbewusstsein, ist ein Ding für sich, denn es hat quasi ein Eigenleben. Du hast ganz recht, von dort kommt Ehrlichkeit.
Mit dem Unterbewusstsein im Zusammenhang mit Lyrik habe ich mich noch nicht genug beschäftigt. (vielleicht gefallen Dir ja meine Gedichte deshalb nicht sehr, also in der Regel, weil ich so wenig mein Unterbewusstsein rauslasse...lächel...ich werde versuchen diesem mehr Freiheiten zu gestatten:icon_angel:, aber dann ist es wieder nicht alleine tätig, sondern gesteuert...hmm)
Danke Dir für den Anstoß auf alle Fälle sehr.Icon_smile

Lieben Gruß
Helga

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Beitrag #6 |

RE: Schaumgeborenes
liebe helga, ich antworte dir ohne die anderen kommentare gelesen zu haben weil ich nur kurz zeit habe, aber grad über dein gedicht gestolpert bin, das mir total gut gefällt.
ich bin zur zeit ein "verkürzungs-freak" und hab ein wenig dran rumgebastelt, sodaß es zur essenz kommt. (ein extrem langes haiku sozusagen *lach*)
nur so, zum anschauen:

schaumgeborenes

vergangenes schaumgeboren
denken war schockgefroren
allmählich taut es auf
gefühl schwebt hinauf

gegenwärtiges schaumgeboren
verstand ist ungeschoren
erst jetzt wird klar
was ist und war

zukünftiges wird schaumgeboren
träume sind nie verloren
bald siehst du mehr
leere wird schwer

schaumgeborenes
überdauert
zeitkreise
zeitweise
eiszeiten
weisheiten

- verblassen ...


nur so ein gedankenspiel...

alles liebe dir, raabenschnabel

Meine Schamanismus-Seite:
http://www.raabenweib.de.tl

Meine Kunst-Seite:
http://www.krah-krah.de.tl


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Beitrag #7 |

RE: Schaumgeborenes
Liebe Raabenschnabel,

klar, kann man auch so machen! Manchmal bin ich auch nur für "hingeschmissene" Worte und frage mich aber später sehr besorgt: "Wo bleibt da die Poesie, das Schöne der Sprache?"
Keine Ahnung, die kleinlaute Antwort. In der Regel schmeiß ich in der Tat ein Gedicht hin, manchmal dauert die Flugphase länger manchmal eben weniger. Die Qualität scheint damit eher nichts zu tun zu haben. Geht halt immer alles nach Lust und Laune. Dichten muss Freude bereiten, wenn nicht, dann lass ich es lieber. Ist meine Devise. Und ein jeder hat so seine Intensionen. So ist es richtig.
Schön, dass Dir auf die Schnelle, wie Du sagst, mein Gedicht gefällt.Icon_smile

Lieben Gruß
HBelga

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