Es ist: 08-03-2021, 04:06
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Die Tragödie des Kindes
Beitrag #1 |

Die Tragödie des Kindes
Die Tragödie des Kindes

Der Grund in die Tiefe zu tauchen
Liegt auf dem Grund
Den Fund nicht in der Tiefe zu lassen
Liegt auf der Hand

Alle müssen es sehen:

In tiefster Finsternis
Flüstert ein Kind,

Es höre den Wind
Sehe ihn nicht

Wir vernehmen es nicht
Holen kein Licht

In schwarzer Dunkelheit
Atmet ein Kind

Ein letztes Mal

Erkennen wollen
ist der erste Schritt des Verstehens.
Zunächst im Selbstversuch!

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Beitrag #2 |

RE: Die Tragödie des Kindes
Hallo Helga,

ich bin sicher kein großer Interpreator. Daher von mir keine große Inhaltsanalyse, das können die Meister/innen hier viel besser...

Dein Gedicht erzeugt in mir eine seltsame Stimmung. Deine lyrische Sprache ist verdichtet, das gefällt mir. So gewinnt sie an Kraft und Wirkung.

Die ersten zwei Zeilen

Der Grund in die Tiefe zu tauchen
Liegt auf dem Grund

rufen in mir: Ist das so? Diese Aussage wirkt wie ein Schlussatz, einer, der aus Erkenntnisgewinnung hervorgegangen ist und keine Fragen, keine andere Möglichkeiten offen lässt. Ist das so? Tauche ich in die Tiefe eines Sees, dann deshalb, weil ich mir beweisen will, dass ich es soweit runter schaffe. Eigentlich suche ich da unten nichts oder erwarte zumindest keinen Fund. Ich tauche gern aus Spaß.

Du wirst es anders meinen und das Abtauchen in seelische Tiefen ist keine sportliche Herausforderung, vielleicht eine therapeutische...

Alle müssen es sehen? Den Fund? Davor fürchte ich mich. Warum?

Rein technische Anmerkung:


Sehe ihn nicht

Wir vernehmen es nicht
Holen kein Licht

Gefällt dir das doppelte nicht? das dreifache icht?

Grüße vom Wipfel

Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.

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Beitrag #3 |

RE: Die Tragödie des Kindes
Ein Hallo zum Wipfel,

danke Dir, für Deinen Kommentar. Eigentlich dachte ich, dass mein Gedicht so eindeutig ist, dass man gar nicht groß deuten muss. Es ist halt die Tragödie der Vernachlässigung eines hilflosen Wesens. Die Gesellschaft, die eigenen Eltern sehen nicht seine Pein, hören kein Flüstern, bemerken nicht seinen Tod. Wie auch, denn keiner vernahm vorher das Schreien.
Wie konnte es also dazu kommen? Das wäre der auf der Hand liegende Grund, um in die Tiefe zu tauchen. Das zutage Geförderte bedeutet akkuter Handlungsbedarf. Nun, man gelobt Einsicht und verstärkte Aufsicht. Aber wirkliches Licht, dass alle Kinder aufatmen können, gibt es nicht. Das Deaster der ungewollten, ungeliebten Kinder, ihre Tagödie versinkt wieder in der Dunkelheit.
Ja, das war so der Hintergrund meines Gedichtes.
Das Ganze völlig anders zu betrachten, psychisch, seelisch, traumatisch. Bitteschön, warum nicht, gefällt mir auch.
Ich danke Dir sehr für Deine weiterführenden Gedanken.Icon_smile

Grüße von Helga

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Beitrag #4 |

RE: Die Tragödie des Kindes
Ein sehr düsteres Gedicht, aber voller Wahrheit. Leider ist es für den Großteil der Menschen leichter wegzusehen. Dabei wäre es so einfach, eine Hand zu reichen.
Wir leben in einer Zeit, in der Funde von Babys in Mülltonnen nur mehr eine Randnotiz in den Nachrichten darstellen. Es betrübt einen immer und immer wieder und bei solchen Meldungen dreht sich mir regelmäßig der Magen um, weil ich nicht begreifen kann und will, wie wehrlosen Kinder all dieses Elend angetan werden kann.
Aber leider bleiben oft die Hilferufe der Kinder ungehört, wenn sie überhaupt noch in der Lage dazu sind.

Ein tiefgründiges Werk und sehr gut zu lesen.

LG

Sven


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