Es ist: 09-05-2021, 12:30
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5 Wörter Teil 8 (abgeschlossen)
Beitrag #10 |

RE: 5 Wörter, Teil 8
Es war einmal ein alter Ritter. Seine Rüstung war nicht mehr die Neueste und spannte schon unangenehm um seinen fülligen Bauch. Aber Ritter Arnold ritt noch immer frohen Mutes auf seinem stämmigen Ross neuen Abenteuern entgegen. Er war ein Drachentöter vom alten Schlag, einer der es verstand mit dem Schwert umzugehen. Sein König hatte ihm eine großzügige Belohnung versprochen, sollte er den Drachen töten, der im Hohen Gebirge lebte. Sofort hatte sich Arnold mit Sack und Pack auf die Reise begeben. Mit dieser Belohnung kann ich endlich in Ruhestand gehen, dachte sich Arnold und malte sich schon die Feste aus, die er dann feiern könnte. Sah sich selbst in feinen Zwirn gekleidet und mit freundlich lächelnden Jungfrauen umgeben.
Frohen Mutes trieb er sein Ross zu einem leichten Galopp an und erfreute sich an seiner rosigen Zukunft.
Arnold ritt über Wiesen, durch Täler und durchquerte so manches Dorf. Nach einem langen und anstrengenden Tagesritt sah Arnold schließlich einen Berg vor sich aufragen. Da es schon dunkel wurde, beschloss er den Aufstieg erst am nächsten Morgen zu wagen.

Als der Tag heraufdämmerte, gürtete Arnold sein Schwert um sich, band sein Ross an einen Baum und mache sich daran den Berg zu erklimmen.
Zunächst fiel ihm das Klettern auch nicht schwer, doch dann löste sich ein Teil seiner alten und rostigen Rüstung und fiel in den Abgrund hinab. Arnold hielt inne, sah aber keine Möglichkeit etwas zu tun, außer den Aufstieg fortzusetzen.
Die Sonne stieg immer höher und trieb ihm noch mehr Schweiß auf die Stirn, als es das anstrengende Klettern tat.
Auf einem kleinen Felsvorsprung gönnte sich Arnold eine Pause. Er lehnte sich mit dem Rücken gegen den Fels und ließ die Füße über dem Abgrund baumeln. Dann untersuchte er seine Rüstung und stellte fest, dass ihm ein Teil seiner Schulterpanzerung abgefallen war. Für einen kleinen Moment dachte er darüber nach, die Rüstung vollständig abzustreifen, aber es erschien ihm sinnvoller sie anzubehalten, schließlich wollte er gegen einen Drachen antreten. Arnold ruhte noch ein paar Momente dann erhob er sich und kletterte weiter.
Je höher er stieg desto schwerer fiel es ihm. Kaum war Arnold wieder ein paar Meter geklettert, als das nächste Teil von seiner Rüstung fiel. Diesmal stürzte sein linkes Knie in den Abgrund. Der alte Ritter ließ sich davon nicht beirren, bis der Einbruch der Nacht ein weiteres Vorankommen verhinderte.
Müde inzwischen ohne Rüstung, aber noch immer mit seinem Schwert bewaffnet, legte sich Arnold auf einem Felsvorsprung schlafen.

Der nächste Morgen dämmerte herauf und Arnold erwachte. Sofort sah er, dass er vor einem Höhleneingang übernachtet hatte.
Das muss die Drachenhöhle sein, schlussfolgerte der Ritter und schritt mit blankgezogenem Schwert in die Dunkelheit. Es war stockfinster, aber Arnold ging tapfer weiter, bis das Licht in seinem Rücken verschwand.
Dort drinnen gibt es für mich keinen Ausweg. Ich gehe geradewegs in eine Mausefalle, dachte er fast schon panisch. Aber ich bin der beste Drachentöter weit und breit, sprach er sich Mut zu und ging weiter. Nach wenigen Schritten tauchte vor ihm ein Lichtschein auf.
Die Drachenhöhle!, freute sich Arnold. Doch als er sie betrat, sah er keinen Drachen.
Er sah bloß ein kleines Mädchen in einem Rosenfeld sitzen.
„Wo ist der Drache?“, fragte Arnold und fürchtete schon um seine Belohnung und seine Zukunft.
„Hier gibt’s keine Drachen“, antwortete das Mädchen und hielt ihm eine weiße Rose entgegen.
Arnold nahm die Blume: „Aber mir wurde eine Belohnung versprochen, wenn ich den Drachen töte. Also muss es auch einen Drachen geben.“
„Es gibt doch schon lange keine Drachen mehr. Das Märchen habe ich nur erfunden, damit niemand hierher kommt und meine schönen Rosen niedertrampelt.“
Missbilligend sah die Kleine den halbnackten Ritter an und ärgerte sich offensichtlich, dass er sie belästigte.
Missmutig machte Arnold auf dem Absatz kehrt und stieg den Berg wieder hinab. Ohne seine Rüstung fiel ihm das Klettern leichter.
Immer noch schlecht gelaunt stieg er auf sein Ross und ritt davon. Den Drachen mit dem rosenartigen Schuppenmuster und das kleine Mädchen auf seinem Rücken sah Arnold nicht.

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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RE: 5 Wörter, Teil 8 - von Sommerwind - 27-05-2009, 21:19
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