Es ist: 08-12-2022, 07:32
Es ist: 08-12-2022, 07:32 Hallo, Gast! (Registrieren)


VR: Blaues Blut (453 d.D)
Beitrag #19 |

RE: VR: Blaues Blut
„Was soll das heißen, du bist fertig. Machst du Witze?“
Schnell überflog Yerim das Pergament, das Andamir ihm reichte. Anerkennend schnalzte er mit der Zunge. Der Junge schien tatsächlich in den wenigen Stunden, die er gestern und am heutigen Morgen konzentriert über das Papier gebeugt geschrieben hatte, den ganzen Text fein säuberlich übertragen zu haben. Gespannt begann Yerim zu lesen, doch schon nach wenigen Sätzen ließ er es sinken.
„Was ist denn das? Das steht nirgends im Original.“
„Ich habe es etwas... umformuliert.“ Andamir blickte verlegen drein. „Ihr sagtet, Ihr wollt “reiche, verwöhnte Westländer“ beeindrucken. Also dachte ich...“
Yerim blickte den Jungen, der vor ihm saß und nervös die Finger verschränkte, schmunzelnd an. Sollte er ihn nun schelten, dass er die Rede eigenmächtig geändert hatte? Oder sollte er ihn dafür loben? Denn was immer ihn geritten hatte, als er die Vorlage, die er hätte übersetzen sollen, vollkommen verdrehe - sein dramatischen Worte war wesentlich beeindruckender als das, was Yerim und seine Berater sich mit Müh und Not aus den Fingern gesaugt hatten.
Wieder einmal befielen Yerim Zweifel, ob er in seiner jetzigen Position am richtigen Platz war, ob er sie würde ausfüllen können. Zumindest vorerst konnte es nicht schaden, einen Schreiber um sich zu haben, der aus gutem Hause stammte. Zweifel. Wie er sie hasste!
„Yerim, da ist jemand, der dich sprechen will.“ Kins rundes Gesicht lugte vorsichtig zur Tür hinein.
„Was gibt’s?“ Yerim war überrascht. Er konnte sich nicht daran erinnern, heute einen Gast geladen zu haben.
„Keine Ahnung. Der Typ sagt, er brauche eine Information und würde gut dafür bezahlen.“ Kin grinste. „Und er sieht aus, als könne er ziemlich gut bezahlen.“
Yerim zögerte einen Moment, doch er fühlte sich ohnehin nicht in der Verfassung, sich mit der Rede zu befassen. Nicht, weil sein Gefangener eigenwillig war - damit würde er, Yerim, mit links fertig werden. Aber irgendetwas an dem Jungen irritierte ihn.
Unwillig schüttelte er den Kopf. „Hol ihn rauf,“ wies er Kin an, indem er sich erhob. „Ich warte nebenan.“

Wie von Kin angekündigt sah man es dem Fremden sofort an, dass er aus gutem Hause kam. Der Mann, dessen heller Haarschopf über dem feisten Gesicht mit den blassen, glasigen Augen bereits schütter wurde, hatte sich offenbar bemüht, dezente Kleidung zu tragen, doch der weich fallende Stoff war von feinster Qualität.
„Mein Name ist Yerim,“ stellte sich Yerim knapp vor und deutete auf einen Stuhl. „Darf ich mich nach dem Eurigen erkundigen?“
„Aber sicherlich.“ Der Fremde lächelte freundlich. „Mein Name ist Kelim Vanderkeyn. Ich bin Händler und deshalb von Beruf aus in Kayro'har. Die meisten Geschäfte allerdings tätige ich in Lumnar.“
„Ich verstehe,“ sagte Yerim. „Doch sagt, was ist der Anlass für Euren Besuch? Wie ich hörte, kommt Ihr mit einem Anliegen zu mir.“
„In der Tat.“ Kelim verspeiste langsam und mit Bedacht, sich nicht schmutzig zu machen, eine der Erdbeeren, die Yerim ihm, gemäß den Regeln der ostländischen Gastfreundschaft, angeboten hatte, bevor er eine reich verzierte Schatulle zum Vorschein brachte.
„Einer meiner untergebenen Händler hat dieses Medaillon vor einigen Tagen hier auf dem Markt erworben. Es stammt aus Aven'kan, nicht wahr?“
Yerim nahm die Schatulle entgegen und öffnete sie. Das Schmuckstück war in der Tat eine Arbeit der Khami, aber es schien nichts besonderes daran, bis auf den kleinen Edelstein vielleicht, doch warum das Gespräch noch unnötig in die Länge ziehen? Yerim klappte die Schatulle zu. „In meiner Heimat habe ich Schmuckstücke mit ähnlichen Mustern schon tausendfach gesehen.“
Schon überlegte er, wie er sich am schnellsten von dem Mann verabschieden könnte, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen. Doch Kelim hob beschwichtigend die Hände.
„Einen Moment. Ich würde gerne etwas mehr darüber erfahren. Könnt Ihr schätzen, in welcher Region diese Art von Medaillons hergestellt wird? Wer trägt sie? Gibt es noch einen anderen Zweck als reiner Schmuck?“
Yerim hob die Brauen. Wenn das Muttersöhnchen glaubte, er könne sich mit jemandem, der in einem Nomadenzelt geboren war, über Schmuck unterhalten, dann hatte er sich geirrt.
„Wie bereits gesagt,“ erklärte Yerim und konnte nicht verhindern, dass Ungeduld in seiner Stimme schwang, „ähnlichen Schmuck gibt es vielfach. Es ist nichts weiter Besonderes daran.“
„Reden wir offen miteinander.“ Der Ausdruck des Händlers hatte sich plötzlich verändert. Yerim hatte das Gefühl, dass Kelim ihn genau beobachtete, während er sehr sachlich sagte: „Eure Mühe soll nicht vergeblich sein. Jede Information, die mir hilft, den Ursprung dieses Medaillons zurück zu verfolgen, wird Euch in Gold aufgewogen werden. Ich bin sicher, dass wir hierbei einen Handel schlagen können, der für uns beide von Vorteil sein wird.“
„Gold.“ Yerim ließ sich das Wort auf der Zunge zergehen. „Ich mag für Euresgleichen nicht so aussehen, aber ich habe bereits genug davon. Für die Aufgaben, vor denen ich stehe, brauche ich kein Gold. Vielmehr Weitsicht, Redegewandtheit und Menschenkenntnis. Und wo wir gerade dabei sind auch einen Adler, der über alle Hindernisse hinweg fliegt und von oben jede Bewegung der Stadt übersieht, und einen Gedankenleser, der noch die kleinste Lüge enttarnt. Leider sind all das Dinge, die ich mir von Gold nicht kaufen kann.“
Zu Yerims Überraschung schien der Händler keineswegs entmutigt. Im Gegenteil, er hatte das Gefühl, mit dem Mann sei eine unsichtbare Verwandlung vorgegangen. Das Gesicht war immer noch das Gleiche, doch diese violett schimmernden Augen und das kalte Lächeln waren ihm vorher nicht aufgefallen.
„Ihr seid ein interessanter Mann, Yerim.“, sagte der Mann leise. „Euer Anspruch ist nicht niedrig, doch vielleicht kann ich euch mehr zum Tausch anbieten als Gold. Wie es der Zufall will, kenne ich einen Gedankenleser, der euch helfen wird.“
Yerim verschlug es einen Moment lang die Sprache, dann lachte er verächtlich auf. „Einen Gedankenleser? Wie soll das vor sich gehen? Erzählt mir nicht, Ihr gebt Euch mit dem Magierpack ab, das in Kayro’har herumstreunt.“
„Ah ja, ich vergaß, die Khami geben nicht viel auf Magie.“, antwortete Kelim falsch lächelnd. „Es gibt in Kayro'har einen Gedankenleser, keine Angst, er ist kein Magier der Schwarzen. Er wird euch helfen, wenn nicht freiwillig, gibt es einen einfachen Weg, ihn ....“ Er hielt kurz inne und das Lächeln verbreiterte sich. „... zu überzeugen! Er ist ein guter Mann, glaubt mir. Nur wenige meistern die Kunst des Gedankenlesens. Eure Gegenleistung wird sein, mir alles über dieses Medaillon herauszufinden, was möglich ist.“
Yerim schwieg. Ganz offenbar hatte er sein Gegenüber unterschätzt. Nun galt es, schnell abzuwägen. Ein Gedankenleser... Unwillkürlich schauderte er. Er hatte an der Grenze von Aven’kan die skrupellosesten Wüstenbanditen zur Strecke gebracht, hatte sich weder vor ihren zermürbenden Versteckspielen noch vor wahnwitzigen Verfolgungsjagden gescheut, hatte jeden Hinterhalt überlebt. Er hatte als Söldner geholfen, eine Revolte in Kohn’kan niederzuschlagen, nur um dann in Aven’kan selbst eine zu initiieren; ein Unterfangen, das ihm seine Frau und seinen ältesten Sohn genommen hatte und ihn, wäre es fehlgeschlagen, noch viel mehr hätte kosten können.
Nein, man konnte ihm nicht vorwerfen, er sei ein Feigling, aber wenn Magie ins Spiel kam, war ihm die Sache nicht geheuer. Was ihm seine Leute von ihrem Gang über den Marktplatz erzählt hatten, der offenbar erst gestern von einem Magier verwüstet worden war, trug nicht gerade zu seinem Vertrauen gegenüber den unheimlichen Robenträgern bei. Andererseits, blieb ihm eine große Wahl? Er misstraute auch Milena, die so unschuldig aussah, die ihn aber aus furchtlosen Augen anblickte. Und er misstraute der Geschichte, die sie ihm so freigiebig erzählt hatte.
Yerim gab sich einen Ruck. „Auf Euren Seher bin ich gespannt,“ sagte er. „Ich werde Euch gerne erzählen, was ich weiß.“
Im Stillen jedoch fragte er sich, was in aller Welt wohl an der Kette so bemerkenswert war.

„Ich habe aber jetzt Hunger.“ Herausfordernd blickte Milena Kin an. „Was ist so schwierig daran, uns eine Kleinigkeit zu bringen, hm? Hast du Angst, wir könnten entwischen? Wozu hast du einen Schlüssel, um uns einzuschließen?“
„Ihr wollt mich doch nur durch die Gegend kommandieren,“ beschwerte sich Kin. „Dass das mal klar ist: Ich bin nicht euer Leibsklave!“
„Gut, dann gehe ich selbst in die Küche und lasse mir eine Suppe geben,“ gab Milena gereizt zurück. „Liebend gerne. Ein bisschen Bewegung wäre jetzt genau das Richtige.“
Mit einem theatralischen Seufzer verdrehte Kin die Augen. „Also gut,“ lenkte er ein. „Ich geh ja schon. Aber nur, weil Andamir bei Yerim einen Stein im Brett hast.“
„Einen Stein im Brett?“ Arjuk horchte auf. „Warum sollte ich. Ich fürchte eher, ich habe ihn ziemlich verärgert. Erst bezeichne ich das beste Produkt aus Aven’kan als Gaunerei und dann ändere ich auch noch seine Rede auf eigene Faust.“
„Genau - und du hast dir dennoch keinen Ärger eingehandelt.“ Kin blickte ihn bedeutungsvoll an. „Jedem anderen wäre Hören und Sehen vergangen, glaub mir. An deiner Stelle würde ich ihn nicht zu sehr reizen. Yerim ist ein umgänglicher Herr, aber im Herzen ist er auch immer noch ein General, der erwartet, dass seine Befehle ausgeführt werden.“
Mit diesen Worten ließ Kin die Tür hinter sich zufallen. Kaum war das Geräusch des Schlüssels, der sich scheppernd im Schloss drehte, verklungen, drückte Milena auch schon das Ohr gegen die Wand zum Nebenzimmer.
„Ach, deshalb dein plötzlicher Hunger. Sehr listig.“ Arjuk grinste und lehnte sich ebenfalls gegen die Wand. Yerims Stimme klang nur gedämpft herüber, aber bei genauerem Hinhören war sie deutlich verständlich.
„An Medaillons wie diesem ist an nichts Ungewöhnliches,“ erklärte Yerim gerade. „Außer vielleicht dieser rote Edelstein. Der dürfte ziemlich wertvoll sein.“
Arjuk hätte beinahe aufgelacht. Das waren die geheimen Informationen, aus denen Milena ihren Fluchtplan schmieden wollte? Belustigt spitzte er die Ohren.
„Es ist also wahrscheinlicher, dass der Besitzer aus dem Adel stammt,“ mischte sich der Fremde ein. Seine Stimme war weich und sehr bedacht.
„Ja und nein,“ antwortete Yerim. „Für die längste Zeit wäre dieses Amulett viel zu volkstümlich für adelige Stände gewesen, die sich ja sehr an der Mode Gandal’hars orientierten. Seit der Revolution allerdings könnte ich mir vorstellen, dass eine Dame in gehobenen Kreisen diesen traditionellen Schmuck verwendet und den Stein nachträglich einsetzen ließ.“
„Sehr interessant.“ Der Fremde schien zufrieden. „Vielleicht war es ein Magier...“
Ein Magier? Arjuk horchte auf. Magie hatte er erst ein Mal in seinem Leben direkt gesehen - keine sehr angenehme Erinnerung -, und in der Tat hatte sich damals auch eine Kette mit auf der Bühne befunden. Eine Kette, so ging ihm plötzlich auf, mit einem winzigen roten Stein in der Mitte...
„Magie?“ Auch Yerim schien überrascht zu sein. Er zögerte einen Moment. „Habt Ihr schon einmal einen Ostländer in Magierrobe gesehen? Ich bezweifle es! Sicherlich wisst Ihr, dass wir den Untergang unseres Königreiches im Wesentlichen den Magiern unserer Feinde zu verdanken haben, denen wir nichts entgegen zu setzen hatten. An dieser, nennen wir es, magischen Schwachstelle hat sich bis heute nichts geändert. Bis auf eine Ausnahme: Die Bergbewohner.“
Arjuks Herz machte einen schmerzhaften Sprung. Konnte das ein Zufall sein? Ein Amulett mit einem roten Stein in der Mitte, möglicherweise mit magischen Kräften, möglicherweise gar aus den Bergen fern im Osten - es passte alles so genau! Stellte sich nur die Frage, wie die Kette von jenem Mädchen, das sie damals getragen hatte, in die Hände von Yerims mysteriösen Gast gewandert waren. Ob sie sie verkauft hatte? Denkbar wäre es, schließlich hätte sie das Geld sicherlich dringend gebraucht.
„Aber wie kommt Ihr auf diese Vermutung?“, fragte Yerim misstrauisch. „Ihr interessiert Euch sehr für Magie, scheint es. Doch diese Spur in die Berge ist eine gänzlich andere als die Spur in die Oberschicht Aven’kans, die wir gerade entwickelt haben.“
„Sicher. Dennoch sollte beiden Möglichkeiten nachgegangen werden,“ erwiderte der Fremde hart. „Wisst Ihr, von welchem Tier das ist? Der Vorbesitzer hatte es offenbar an dem Medaillon befestigt.“
„Die Feder.“ Unwillkürlich hatte Arjuk die Worte geflüstert.
„Was?“ Milena blickte auf, doch Arjuk legte eindringlich einen Finger auf die Lippen.
„Eine Feder?“, erklang da Yerims Stimme. Milena blickte Arjuk überrascht an. „Nun, mir kommt diese Farbgebung nicht bekannt vor, aber es lässt sich sicherlich herausfinden, von welchem Vogel diese Feder stammen muss und wo man ihn findet. Das bedeutet, ich müsste Nachforschungen in die Oberschicht und in der Region, aus der diese Feder stammt, anstellen. Zu den politischen Zentren, Aven’har und Caralmur, habe ich Verbindungen. Falls uns die Feder aber tatsächlich in die Berge führen sollte, so müsst Ihr wissen, dass kaum jemand für einen Westländer auch nur einen Schritt in die Berge wagen würden.“
Yerim legte eine dramatische Pause ein. „Um ehrlich zu sein, viele sehen die Bergbewohner nicht als ein Teil unseres Volkes an. Wenige gehen zu ihnen, und wenige von ihnen kommen zu uns. - Meine Mutter hat es getan. Sie ist in den Bergen geboren und aufgewachsen, und noch immer kennt sie jedes Gesicht, ja, jeden Stein dort. Einen besseren Mann als mich werdet Ihr für Eure Nachforschungen nicht finden.“
Arjuk schielte nervös in Richtung der Tür. Noch schien sich Kin mit dem Essen Zeit zu lassen. Sicherlich beschwerte er sich gerade bei dem pockennarbigen Herbergsvater über seine unleidlichen Gefangenen. Wenn die beiden dort drüben nur noch etwas mehr über dieses Medaillon verraten würden!
„Allerdings wäre das doch ein recht ungleicher Austausch. Ihr erwartet, dass ich größere Nachforschungen anstelle, dass ich Leute ausschicke. Die Frage ist, warum tut Ihr es nicht selbst? Ich nehme an, Ihr seid im Osten Athalems noch nicht all zu sehr herum gekommen. Sehr Ihr, mir geht es ganz genau so. Ich brauche jedes Stückchen Informationen über drei Personen, die sich lange Zeit in Noato aufgehalten haben. Aber ich habe keinerlei Verbindungen nach Noato. Meine Leute kennen sich dort nicht aus und werden sofort auffallen, und der Krieg macht die Sache nicht einfacher.“
Einen Moment lang herrschte Schweigen, dann erklang wieder die Stimme des Fremden.
„Aus Noato Informationen zu bekommen, ist zur Zeit für jedermann schwer, fürchte ich“, sagte der Mann langsam, „allerdings wüsste ich einen Weg, einen Weg, der Euch mehr einbringen könnte, als Ihr denkt.“
„Was meint Ihr damit?“, fragte Yerim nun misstrauisch.
„Da Ihr Euch hier nicht für Gold interessiert, interessiert Ihr Euch vielleicht für Macht,“ erklärte der Fremde in sachlichem Ton. „In diesem Krieg führt Macht über keinen anderen als Fürst Vulun.“
Arjuk riss unwillkürlich die Augen auf, als er den Namen seines Onkels fallen hörte.
„Das dachte ich mir,“ antwortete Yerim trocken. „Aber was hat das mit meinem Problem zu tun?“
„Ich kenne einen Weg, Vuluns Gunst zu gewinnen und über ihn werdet Ihr jede Information über Noato bekommen, die Ihr braucht. Im Grunde werdet Ihr alles von Vulun bekommen, wenn Ihr ihm seinen Neffen Arjuk bringt.“
Arjuk wollte aufschreien, doch Milena drückte ihm die Hand vor den Mund und deutete ihm zu schweigen.
„Dieser Junge ist der Schlüssel zu Vuluns Krieg. Er sucht ihn wie von Sinnen. Wer immer ihm Arjuk bringt, wird für immer in des Fürsten Gunst stehen. Lasst Euch nicht von den Geschichten abschrecken, der Junge sei tot. Ich bin sicher, er ist untergetaucht und aus Noato geflohen. Für Eure Spione sollte es kein Problem sein, ihn zu finden.“
Arjuk schreckte auf, als die Türklinke hinunter gedrückt wurde. Schnell rückte er von der Wand ab, während Milena sich einfach mit dem Rücken an ebendiese lehnte, als wolle sie es sich nur gemütlich machen.
„Da hast du Suppe für die nächsten hundert Jahre.“ Kin, der einen großen Topf in den Händen hielt, stutzte einen Moment, als er Arjuks entsetztes Gesicht sah, doch Milena lenkte ihn ab.
„Bleibt zu hoffen, dass wir nicht die nächsten hundert Jahre hier fest sitzen,“ murrte sie.
„Das wäre allerdings fatal,“ stimmte Kin sofort zu. „Zwei Tage genügen mir bereits vollkommen.“
Arjuk aber dachte mit klopfendem Herzen an die Worte des Fremden: Der Junge ist der Schlüssel zu Vuluns Krieg...

Als sich Kelim endlich verabschiedet hatte und der Handel zwischen beiden abgeschlossen war, seufzte Yerim erleichtert auf. Seine Hände, die noch immer das Papier hielten, zitterten. Yerim musste schlucken, als er auf die Zeichnung hinab sah.
Natürlich gab es äußerlich einige Unterschiede zwischen Seyjuk und Andamir. Andamirs Haarschopf fiel ihm in wirren Locken in die Stirne, während Seyjuks Gesicht von aalglatten dunklen Strähnen umrahmt wurde. Während Andamir oftmals eher schüchtern aus seinen großen fragenden Augen in die Welt blickte, hatte Seyjuk die verwegen geschwungenen Brauen und dieselben schmalen Augen wie Yerim selbst. Und selbstverständlich sah man ihnen den Standesunterschied geradezu an der Nasenspitze an, denn Andamir hatte die helle Haut eines reichen Westländers, der nie unter der Sonne schuften musste.
Und dennoch... Yerim fühlte sich durch Andamir so lebhaft an Seyjuk erinnert, dass er sich wunderte, warum es ihm bis jetzt nicht bewusst geworden war. Vielleicht bestand die Ähnlichkeit der jungen Männer einfach nur darin, dass sie beide dieselben eleganten Worte fanden, mit denen man in gebildeten Kreisen um Aufmerksamkeit heischte. Sicherlich jedoch darin, wie die beiden ihn, Yerim, in gleicher Weise voller Vorwurf und Entrüstung anblickten, wenn sie nicht seiner Meinung waren, und wie sie ihn, Yerim, in gleicher Weise voller Misstrauen beobachteten.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Nachrichten in diesem Thema
VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Mira - 06-03-2008, 20:33
RE: Athalem: Blaues Blut - von Ichigo - 19-04-2008, 18:58
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 21-09-2008, 17:58
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 25-09-2008, 13:10
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 02-10-2008, 00:57
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 03-10-2008, 12:44
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 04-10-2008, 13:50
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 07-10-2008, 00:16
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 13-10-2008, 01:09
RE: VR: Blaues Blut - von mondenschein - 23-10-2008, 20:15
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 23-10-2008, 21:05
RE: VR: Blaues Blut - von Mira - 25-10-2008, 16:53
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 25-10-2008, 17:35
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 28-10-2008, 01:29
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 28-10-2008, 16:01
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 31-10-2008, 13:30
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 06-11-2008, 15:01
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 10-11-2008, 00:04
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 13-11-2008, 22:32
RE: VR: Blaues Blut - von mondenschein - 16-11-2008, 19:02
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 26-11-2008, 02:49
RE: VR: Blaues Blut - von mondenschein - 10-01-2009, 19:11
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 15-01-2009, 21:37
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 08-02-2009, 02:09
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Ichigo - 07-03-2009, 20:08
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Ichigo - 12-03-2009, 22:45
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Dende - 19-03-2009, 22:16
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Ichigo - 19-03-2009, 22:48
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 02-05-2009, 22:34
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 03-06-2009, 21:59
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 01-09-2009, 22:17
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 07-09-2009, 00:41
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 01-10-2009, 23:04
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 02-11-2009, 19:19
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 16-03-2010, 00:27
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 20-07-2010, 13:34
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 31-07-2010, 23:21
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 23-02-2011, 00:09
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 11-05-2011, 21:00
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 12-05-2011, 01:49
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 05-10-2012, 19:48
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 14-10-2012, 18:02
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 07-05-2021, 15:50
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 19-05-2021, 20:46
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 29-07-2021, 22:32

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 2 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2022 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme