Es ist: 26-09-2022, 11:40
Es ist: 26-09-2022, 11:40 Hallo, Gast! (Registrieren)


VR: Blaues Blut (453 d.D)
Beitrag #25 |

RE: VR: Blaues Blut (453 d.E)
Die junge Frau vor ihm zuckte zusammen und fuhr mit aufgerissenen Augen herum. Geriyon lächelte freundlich und hoffte, dass sie dieses Lächeln auch sah. Dann erhob er sich von der kühlen Grabplatte, auf der er mit untereinander geschlagen Beinen gesessen hatte und hob die Hand zum Gruß.
Ein kühler Luftzug strich über die Gräber und bauschte seinen langen, dunkeln Reisemantel, der vorne aber von einem ledernen Gürtel zusammen gehalten wurde. Es war ihm zweckmäßig erschienen, hier nicht in der Robe eines schwarzen Magiers aufzutreten, denen man meistens nicht viel Vertrauen entgegenbrachte. Zurecht, wie Geriyon fand. Allerdings hätte er sich wohl besser für etwas helleres entscheiden sollen, wenn er den Gesichtsausdruck der Ungeformten richtig deutete. Er schüttelte die Kapuze vom Kopf und entschied, das Lächeln einzustellen, es mochte an einem Ort wie diesem etwas grotesk erscheinen.
„Seid gegrüßt!“ sagte er freundlich und strich sich widerspenstiges Haar aus dem Gesicht. „Mein Name ist Geriyon, Geriyon Raven. Silberschwinge kennt Ihr ja schon!“ Der Rabe erhob sich vom Grabstein und setzte sich flatternd auf die Schulter des jungen Magiers, der in eine Tasche seines Mantel griff und ihm einige Brotkrumen hinhielt.
„Und wie ist euer Name, wenn ich fragen darf?“
„Äh … Kara. Meine Name ist Kara.“, kam die zögerliche Antwort, während die junge Frau ihn misstrauisch musterte. „Seid ihr auch ein Magier?“ Vorsichtig trat sie etwas näher. „Ich hatte in letzter Zeit einige … seltsame Begegnungen mit Magiern.“
Geriyon hob seine Augenbrauen. „Wirklich? Nun, dann wird es wohl Zeit, dass Ihr eine etwas weniger seltsame Begegnung habt.“
Belustigt sah die Ungeformte sich um. „Auf dem Friedhof in Gesellschaft eines sprechenden Vogels – ich sehe schon, was ihr meint“
Er hob die Schultern. „Nun ja, es ist ziemlich zweckmäßig.“ Kurz warf Geriyon einen Blick zum Eingang des Platzes, dann ergriff er Kara am Arm und zog sie mit sich tiefer zwischen die alten Gräber. „Ich hoffe das Euer Freund uns hier nicht aufspüren kann.“
Sein Gegenüber schüttelte ärgerlich den Kopf. „Ach, mein sogenannter Freund sollte wohl eher ‚selbsternannter Beschützer’ heißen. Wenn ich noch länger in einem Keller verbracht hätte, dann hätte ich wohl Schimmel angesetzt.“ Sie schloss die Augen und seufzte. „Sagt, könnt Ihr mir wirklich helfen? Könnt ihr mir sagen, was passiert ist?“, fragte sie schließlich unsicher.
„Das hoffe ich doch.“ Nachdenklich betrachtete er ihre Gestalt, die sich nur schwach im Mondlicht abzeichnete. Wenn man von ihrem abgerissenen Äußeren absah, wirkte sie völlig normal. Nichts wies auf die Gabe hin, die tief in ihr schlummerte. Am liebsten würde er ihre Aura hier und jetzt lesen, doch das konnte sich auf der geweihten Erde des Friedhofes als schwierig erweisen. Außerdem hatten sie nicht ewig Zeit.
Schweigend ließen die beiden sich auf einer der Grabplatten nieder. Außer dem gelegentlichen Zirpen einer Grille durchbracht nichts die schwere Stille, die über diesem Ort lag. Abwesend lehnte sich die junge Frau zurück, dann holte sie tief Luft.
„Ich kann mich an nichts erinnern, das früher als vor zwei Tagen geschehen ist. Ich hatte einen Unfall am Marktplatz und weiß nicht was passiert ist, und vor allem nicht warum. Die halbe Stadt ist auf der Suche nach mir, und die Schwarzmagier beschuldigen mich, dass ich unerlaubt Magie angewendet habe.“ Zornig funkelte sie ihn an. „Ich habe keine Ahnung, was ich getan habe!“
Beschwichtigend hob Geriyon die Händen. Sie musste ziemlich durcheinander sein, nach allem, was sie in den letzten Tagen erlebt hatte. Viele Bürger Athalems bekamen Magie niemals zu Gesicht, außer man hielt die Tinkturen verschrobener Kräuterweiber dafür. Er runzelte die Stirn.
„Du konntest mit Silberschwinge sprechen, oder?“ Sie nickte und blickte Geriyon erwartungsvoll an.
„Nun, wie war es in deiner Kindheit? Hast du da schon mit Vögeln gesprochen?“ Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass die Gabe sich nicht geäußert haben sollte … aber in dieser Form wäre sie jedenfalls nicht besonders auffällig gewesen. Vielleicht -
„Ich sagte doch ich kann mich an nichts erinnern!“
„Ja stimmt, das erwähntet Ihr. Verzeiht …“ Geriyons Gedanken begannen um den Vorfall auf den Marktplatz zu kreisen.
„Hm …, ein Gedächtnisschwund könnte von der besonderen Stresssituation durchaus ausgelöst worden sein, in der Euer Geist in dem Moment gestanden haben muss. Wenn man von einer arkanen Rückkopplung ausgeht - schließlich ist das Trägermedium für Magie nun mal der menschliche Geist – dann könnte sich eine etwaige Beherrschungsmatrix in der Eruption natürlich -“
Sie unterbrach seinen Gedankenstrom mit einer energischen Handbewegung und er schob etwas verärgert die Augenbrauen zusammen.
„Aber was soll das gewesen sein, diese Situation, die mein Gedächtnis ausgelöscht hat?“
Geriyon hob die Schultern.
„Nun, wie du vielleicht schon weißt, hattest du auf dem Markt einen Unfall. Einen Unfall der den halben Platz in die Luft gejagt hat.“ Das war vielleicht etwas drastisch formuliert, aber er hielt es für sinnvoller, sie direkt mit der Wahrheit zu konfrontieren. Sie würde die Ungeformte sicher empfänglicher für seine Vorschläge machen.
„Was … was genau ist passiert?“ Ihre Stimme zitterte etwas.
„Ich denke dafür muss ich etwas weiter ausholen.“ Geriyon gab Silberschwinge mit einer Kopfbewegung zu verstehen, zum Eingang zu fliegen. Eine unliebsame Überraschung konnte er sich jetzt nicht leisten.
Dann wandte er sich wieder an Kara. „Unter tausend Menschen gibt es vielleicht einen, der mit einer besonderen Gabe geboren wird.“ Wie immer, wenn er sich das wieder vor Augen führte, ließ so etwas wie Stolz seine Brust anschwellen. Ja, auch Geriyon, ein einfacher Bauernjunge ohne Hoffnung darauf, jemals aus dem engen Heimatdorf fort zu kommen, zu entkommen, hatte diese Gabe, war etwas besonderes. Hatte doch eine Zukunft.
„Diese Gabe wird, meistens, in jungen Jahren entdeckt und gefördert sowie geschult. Wenn das allerdings nicht geschieht, dann kann es sein, dass sie sich irgendwann gewaltsam Bahn bricht.“ Kurz hielt der junge Magier inne, doch Kara schwieg nur, den Kopf etwas schräg gelegt und lauschte gebannt. „Diese Gabe nennt man den arkanen Funken – oder auch einfach: Magie.“
Kara schien kurz nachzudenken.
„Und das – diesen Funken – den habe ich?“ So beugte sich näher zu ihm hin, als wollte sie nur ja kein Wort verpassen. „Ja. Ihr seid eine Ungeformte. Eine Halbmagierin. Und dieser Funken ist aus Euch herausgebrochen. Durch irgendetwas ausgelöst. Was genau müssen wir noch heraus finden.“ Der junge Magier erhob sich. „Jedenfalls ist es gefährlich Euch jetzt im Unwissen zu lassen, Ihr müsst geschult werden, sonst könnte es Euch irgendwann einfach zerreißen.“
Und die Menschen in ihrer Umgebung mit ihr.
„Und deshalb bin ich hier!“ Kurz fragte Geriyon sich, ob das vielleicht etwas zu dick aufgetragen war, aber Kara schwieg nur. Ob nachdenklich, oder sprachlos, konnte er nicht sagen.
„Habe ich jemanden verletzt?“, fragte sie schließlich besorgt.
„Naja, nicht besonders schwer“
Schockiert blickte sie ihn an. „Kann so etwas noch einmal passieren?“
Geriyon nickte langsam. „Wie ich Euch gerade erklärt habe, kann der Funken, vor allem jetzt, wo er erst einmal geweckt wurde, immer wieder hervor brechen. Ihr müsst geschult werden.“
Verzweifelt zog die Ungeformte die Knie an und stützte sich darauf. „Und … wo? Die Magier sind auf der Suche nach mir und wollen mich verurteilen!“
Perfekt! Er hatte sie genau da, wo er sie haben wollte. Es lief deutlich besser, als er erwartet hatte.
„Die schwarzen Magier sind auf der Suche nach dir! Nicht die grauen.“
Er ließ sich wieder neben sie auf die Grabplatte sinken und legte ihr sanft die Hand auf die Schulter.
„Und Ihr seid einer von welchen?“
Entsetzt blickte Geriyon an seinem dunkeln Gewand herab. „Sehe ich etwas aus wie ein schwarzer?“
„Wir treffen uns auf einem Friedhof.“
„Ja?“
Ein Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. „Na ja, woher soll ich wissen, was für eine Gesinnung Ihr habt?“
Etwas verwirrt mustere Geriyon sie. „Nun … hm … Jedenfalls … bin ich kein schwarzer Magier, sonder einer der grauen Gilde.“
Sie hob die Schultern. „Gut. Und was soll ich jetzt tun?“
Geriyon entspannte sich. Sie kamen wieder auf sicheres Terrain. „Das ist natürlich allein Eure Entscheidung. Ihr könntet versuchen Euch alleine durch zuschlagen, um an der nächsten Straßenecke von den Häschern der Schwarzen erwischt zu werden, oder Ihr vertraut mir.“
„Das klingt nicht so, als hätte ich eine Wahl“, seufzte sie und verdrehte die Augen.
„Man hat immer eine Wahl.“ Geriyon lächelte fröhlich. „Ob die Alternativen sinnvoll sind, ist eine andere Frage.“ Abwartend verschränkte er die Arme. Sie kamen in die entscheidende Phase.
„Wohin führt mich denn Eure Alternative, wenn ich fragen darf? Hoffentlich nicht in einen muffigen Keller.“
Innerlich jubelte Geriyon. „Ich nehme an ihr wollt nicht zurück zu eurem ‚Beschützer’? Es wäre interessant etwas mehr über ihn zu erfahren, aber darum können wir uns kümmern, wenn wir Euch in Sicherheit gebracht haben. Wo glaubt Ihr wird man euch in einer Stadt, in der alle Magier nach euch suchen, am wenigsten vermuten?“ Kara zog eine Augenbraue hoch.

***

Die engen Gassen der Stadt lagen im düsteren Schatten der Häuser ringsum. Nur gelegentlich wurden sie vom schwachen Licht des Mondes etwas erhellt. Viel zu laut schallten ihre Schritte über das Kopfsteinpflaster, während Geriyon und seine Begleiterin durch die Nacht eilten.
„Ernsthaft? Ihr wollt mich in die Magierakademie bringen?“, fragte Kara ungläubig. Er spürte ihren zweifelnden Blick in seinem Rücken.
„Dort wird Euch niemand vermuten, weder die Schwarzen, noch dieser Dende!“ Dende … dieser Name klang seltsam vertraut, rührte an irgendeiner Erinnerung tief in seinem Unterbewusstsein. Woher kannte er nur diesen Namen? Kopfschüttelnd schob er den Gedanken bei Seite, er hat jetzt wichtigeres zu tun.
„Der Plan ist einfach perfekt!“ Geriyon hätte sich am liebsten selbst auf die Schulter geklopft.
„Ja, und wenn mich jemand erkennt, was dann? Diesen Teil finde ich noch nicht so perfekt.“ Er verdrehte die Augen. Warum musste sie nur so skeptisch sein? Andererseits ging es ja um ihr Leben … schlagartig wurde Geriyon bewusst, dass er nun die Verantwortung für ihre Sicherheit übernommen hatte. Eine schwere Last hatte er sich da aufgebürdet. Aber er wusste, dass er Kara beschützen konnte.
„Dafür werden wir gewiss eine Lösung finden. Immerhin liegt dort das geballte Wissen einer Akademie der Magie direkt in unserer Reichweite. Wir müssen es uns nur holen!“ Es wurde sowieso langsam Zeit, sich die Katakomben der Schwarzen etwas näher an zusehen. „Außerdem meint Silberschwinge, dass sich Eure Verkleidungskünste durchaus sehen lassen können.“ Der junge Magier konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Dann warf er einen prüfenden Blick zum Himmel. Viel Zeit hatten sie nicht mehr. Er legte noch einmal einen Schritt zu.
„Meine Verkleidungskünste? Nun ja, wenn einige Lumpen und etwas Asche ausreichen um Magier zu täuschen, dann muss ich mir wirklich keine Sorgen machen.“ Geriyon konnte Kara hinter sich immer schwerer atmen hören. Unwillkürlich fragte er sich, wann sie wohl zum letzten Mal etwas vernünftiges zu Essen bekommen hatte.
„Aber wozu bringt Ihr mich überhaupt auf die Akademie? Ich glaube nicht, dass ich mich so gut verkleiden kann, dass ich einfach am Unterricht teilnehmen kann.“
Der junge Magier schüttelte den Kopf. „Ich hatte auch nicht vor, mich ausschließlich auf weltliche Kostümierungen zu verlassen. Ihr seid dort vorerst sicher und ihr werdet euch bald frei bewegen können. Und etwas beibringen kann ich euch auch!“
„Oh, na dann.“
Irgendwie war sie verdammt dickköpfig. Aber andererseits war er froh –
Etwas streifte seine Wahrnehmung. Es war nur ein unbestimmtes Gefühl, vielleicht durch ein leises Geräusch ausgelöst, vielleicht durch ein huschenden Schatten. Schlagartig blieb Geriyon stehen und wirbelte herum. Die überraschte Kara lief fast gegen ihn.
„Irgendetwas stimmt nicht.“, murmelte er. Verwundert sah Kara an ihn an.
„Was ist?“
Der junge Magier versuchte die Dunkelheit hinter ihnen zu durchdringen. Irgendetwas war falsch, jemand war in der Nähe. Auch Silberschwinge fühlte es, der Rabe bewegte sich unruhig auf Geriyons Schulter und plusterte das Gefieder. „Kann er uns so schnell gefunden haben?“ Doch selbst wenn, so einfach würde er die Ungeformte nicht zurück bekommen. Kara hatte sich gegen Dende entschieden und Geriyon würde dafür sorgen, dass sie dieser Entscheidung auch folgen konnte.
„Schnell, Ihr müsst weiter! Silberschwinge wird euch führen“ Sie waren schon so nah an der Akademie … wie ärgerlich! Eilig zog der Magier eine zusammengelegte Robe aus einer der weiten Taschen seines Mantels.
„Hier, zieht das an, wenn Ihr in die Nähe der Türme kommt“
Zögerlich nahm Kara das Kleidungsstück entgegen.
„Aber-“
Mit einen Kopfschütteln unterbrach er sie. „Jetzt ist keine Zeit für Diskussionen, oder wollt Ihr wieder in muffigen Kellern landen?“
Kara schwieg verdattert und folgte dem zu Boden geflatterten Raben, der voraus hüpfte.
Gut, sie war erst einmal aus der Gefahrenzone. Und jetzt würde er nachprüfen, was hier vor sich ging. Er hatte durchaus Mittel und Wege, um zu einem ernstzunehmenden Hindernis zu werden. Der junge Magier langte nach dem Siegel, das sein rechtes Auge bedeckte, um es hoch zu schieben – und erstarrte Mitten in der Bewegung. Plötzlich fühlte er kalten Stahl an seiner Kehle. „Keine Bewegung, Meir“, knurrte es unangenehm nah an seinem rechten Ohr. Jemand hatten seinen toten Winkel ausgenutzt. Er war zu langsam gewesen. Aber er hatte sein Auge doch nicht vor Kara enthüllen können!
„Ist er das?“, tönte es neben ihm.
„Hm … Magierkluft, bandagiertes Auge. Wer soll es sonst sein?“ Eine Gestalt schälte sich vor ihm aus den Schatten. „Verzeihung, seid ihr zufällig ein Hellseher?“ Geriyon schwieg nur und funkelte seinen Gegenüber an. Konnte es sein, dass die beiden gar nicht hinter Kara, sondern hinter ihm her waren? Er konzentrierte sich und leitete Macht in sein linkes Auge. Augenblicklich wurde alle Konturen schärfer und er nahm die Aura des Sprechers als Abglanz wahr. Ohne sein arkanes Auge, kostete es ihn weit mehr Konzentration, den Hellsichtzauber aufrecht zu erhalten. Aber wehrlos war er jedenfalls nicht.
„Schweigen ist auch eine Antwort, oder?“ Seine geschärften Sinne verrieten Geriyon, dass er es mit einem Ostländer zu tun hatte. Die bronzefarbene Haut und das feine, pechschwarze Haar, waren auffällig genug. Der Mann zu seiner linken, der ihm immer noch eine leicht gekrümmte Klinge an den Hals hielt, befand sich leider auch weiterhin in seinem toten Winkel, aber er konnte ihn ruhig atmen hören.
„Ich darf euch besondere Grüße von Yerim, dem Botschafter Aven’kans ausrichten.“ Der Ostländer begann in einer ledernen Umhängetasche zu kramen, die halb von seinem Umhang verborgen wurde. Währenddessen rasten Geriyons Gedanken. Zunächst würde er dem Kerl an seiner Seite Herr werden müssen. Aber bewegen konnte er sich dabei nicht. Eine Illusion vielleicht? Er konnte den beiden vorgaukeln, plötzlich doppelt da zu sein, oder sich in ihren Augen in ein Raubtier verwandeln. Für derartige Manipulationen war der menschliche Geist sehr empfänglich, er musste nur - in diesem Augenblick zog sein Gegenüber eine versiegelte Schriftrolle aus seiner Tasche und hielt sie ihm hin.
Überrascht sah Geriyon auf das zusammen gerollte Schriftstück hinab. „Lest schon!“ Etwas Druck der Klinge bekräftigten den Befehl von der Seite. Vorsichtig griff Geriyon nach der Schriftrolle und rollte sie auseinander.
„Worauf wartet ihr? Wir sollen Eure Antwort direkt zurück bringen“
Immer noch perplex blickte er auf die flache Handschrift hinab. Kaum mehr als eine kurze Notiz.

Seid gegrüßt,
Ich erwarte Euch morgen im Verlaufe des Tages in meinem Anwese. Sollet Ihr nicht erscheinen, erfährt die Akademie von Eurer Zugehörigkeit zur grauen Gilde.
Yerim


Geriyons Gesichtszüge entgleisten. Es war wie ein Schlag in die Magengrube. Vielleicht hätte er sich wirklich zusammen gekrümmt, wenn das Messer vor seiner Kehle nicht gewesen wäre. Wie konnte das nur sein? Wer hatte das heraus finden können? Er hatte doch nicht den geringsten Fehler gemacht, oder doch? Angst schwappte über ihm zusammen wie dunkle Wogen und schnürte ihm die Luft ab. Er musste erst mal Ruhe bewaren. Ruhe bewaren! Seine Hände begannen unmerklich zu zittern. Wenn das rauskam, würde die graue Gilde sich von ihm abwenden müssen, um andere Operationen zu decken, er wäre ein Einzeltäter und stände unter Gerichtsbarkeit der schwarzen Gilde. Und Geriyon konnte sich weit schlimmeres vorstellen als den Tod …
„Nun was ist? Was dürfen wir Yerim ausrichten?“
Geriyons Herz hämmerte wie wild gegen seinen Brustkorb. Er war so stolz gewesen, als man ihm diese anspruchsvolle Aufgabe übertrug, er hatte gedacht, er könnte es jetzt allen beweisen. Aber er hatte auf ganzer Linie versagt. Er konnte schon ihre Stimmen hören, ihr Gelächter. Er war eben doch nur ein Bauer. Geboren um Untertan zu sein, um – Nein! Geriyon atmete tief durch und versuchte Ruhe in seine Gedanken zu bringen. Panik nützte ihm jetzt überhaupt nichts.
„Bleibt mir etwas anderes übrig?“, knurrte er schließlich. „Richtet eurem Herrn aus, dass ich kommen werde“ Seine Stimme klang ruhig und beherrscht, doch innerlich war er immer noch völlig aufgewühlt. Noch war nichts verloren. Bestechung war schon immer ein adäquates Mittel der grauen Gilde gewesen.
„Sehr gut! Es wird Yerim freuen, das zu hören.“ Der Ostländer gab dem anderen einen Wink mit dem Kopf und dieser verabschiedete sich durch einem weiteren Druck mit der Klinge, bevor beide in der Finsternis der Gassen verschwanden.
Geriyon ging in die Knie und begann schwer zu atmen. Seine erste Operation und direkt solch eine Bewährungsprobe! Doch Geriyon drängte die Angst immer weiter zurück, ersetzte sie durch rationale Überlegungen. Nur in seiner Magengegend blieb ein flaues Gefühl zurück. Schließlich richtete sich der junge Magier auf und sah auf seine Hände. Als letzter Ausweg blieb immer noch, diesen Yerim zu töten. Sein Blick wurde hart. Aber dann schüttelte er den Kopf und entspannte sich wieder. Soweit war es noch lange nicht. Kurz verharrte er noch nachdenklich, dann wandte er sich um und eilte, immer schneller werdend, Kara und Silberschwinge hinterher. Zuerst musste er sich dieser Aufgabe widmen, musste Kara sicher in die Akademie bringen. Und morgen würde er sich mit Yerim auseinander setzen.

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VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Mira - 06-03-2008, 20:33
RE: Athalem: Blaues Blut - von Ichigo - 19-04-2008, 18:58
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 21-09-2008, 17:58
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 25-09-2008, 13:10
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 02-10-2008, 00:57
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 03-10-2008, 12:44
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 04-10-2008, 13:50
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 07-10-2008, 00:16
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 13-10-2008, 01:09
RE: VR: Blaues Blut - von mondenschein - 23-10-2008, 20:15
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 23-10-2008, 21:05
RE: VR: Blaues Blut - von Mira - 25-10-2008, 16:53
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 25-10-2008, 17:35
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 28-10-2008, 01:29
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 28-10-2008, 16:01
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 31-10-2008, 13:30
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 06-11-2008, 15:01
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 10-11-2008, 00:04
RE: VR: Blaues Blut - von Dende - 13-11-2008, 22:32
RE: VR: Blaues Blut - von mondenschein - 16-11-2008, 19:02
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 26-11-2008, 02:49
RE: VR: Blaues Blut - von mondenschein - 10-01-2009, 19:11
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 15-01-2009, 21:37
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 08-02-2009, 02:09
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Der Weltenwanderer - 04-03-2009, 19:23
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Ichigo - 07-03-2009, 20:08
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Ichigo - 12-03-2009, 22:45
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Dende - 19-03-2009, 22:16
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Ichigo - 19-03-2009, 22:48
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 02-05-2009, 22:34
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RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 23-02-2011, 00:09
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 11-05-2011, 21:00
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 12-05-2011, 01:49
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 05-10-2012, 19:48
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 14-10-2012, 18:02
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 07-05-2021, 15:50
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 19-05-2021, 20:46
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 29-07-2021, 22:32

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