Es ist: 28-09-2022, 21:21
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VR: Blaues Blut (453 d.D)
Beitrag #39 |

RE: VR: Blaues Blut (453 d.D)
„Car Daemando?“
Geriyon schüttelte den Kopf.
„Weiter.“
Der junge Magier saß mit untereinander geschlagenen Beinen auf dem Bett und legte sich einen Stützverband an, zog ihn so fest wie möglich um seinen rechten Arm.
Mit dem Schlag hatte er wohl etwas übertrieben - aber er hatte sicher gehen müssen, dass der Lehrmeister nicht überleben würde. Probeweise bewegte er den Arm und verzog das Gesicht. Es schmerzte immer noch.
Seine Körpermagie war wirklich ein zweischneidiges Schwert. Kraft und Schnelligkeit, die einem Menschen normalerweise nicht zustanden, ohne viel astrale Kraft zu verbrauchen … allerdings strapazierte sie die Muskeln doch ungemein.
„Astocollo?“
Geriyon warf einen kurzen Blick hinüber zu Kara. Sie hatte es sich bäuchlings auf dem Boden bequem gemacht und blätterte in dem großen Folianten. Die Augen in Konzentration zusammen gekniffen.
„Nein.“
Die junge Frau seufzte leise und beugte sich wieder über das Buch.
Wind strich durch das geöffnete Fenster von Geriyons kleiner Kammer und Gänsehaut breitete sich auf dem entblößten Oberkörper des Magiers aus. Doch der nahm keine Notiz davon sondern blickte nachdenklich hinaus. Die Sonne stand bereits hoch über den dunklen Mauern der Akademie.
Hätte Silberschwinge nicht längst zurück sein müssen? Allerdings war die Last mit der er den Raben losgeschickt hatte nicht ganz leicht … Geriyon schüttelte den Kopf. Er wusste, dass er sich auf Silberschwinge verlassen konnte.
„Sereganta?“
„Wie war das?“
Kara setzte sich auf und hob den Folianten auf ihren Schoß. Noch immer erschauderte sie sichtlich, wenn ihre Finger über den Einband strichen.
„Sereganta … könnte es das sein?“
Während er zur Bettkante rutschte, nickte der Magier.
„Klingt vielversprechend.“ Rasch reichte Kara ihm das Buch und ließ sich ebenfalls auf dem Bett nieder. Geriyon begann die eng geschriebenen Zeilen zu überfliegen. Die eherne Sprache der Elben, gepresst in das unzureichende Korsett menschlicher Buchstaben.
„Blut … Gesicht.“ Der Magier runzelte die Stirn. „Oder Blutmaske. Perfekt!“
„Das klingt nicht gerade sehr vertrauenerweckend ...“ murmelte die junge Frau neben ihm und warf Geriyon einen unsicheren Blick zu.
Der Magier hob die Schultern.
„Es ist schwarze Magie … natürlich wirkt es nicht vertrauenerweckend.“
„Aber es ist nicht gefährlich oder? Ich meine … man kann es doch rückgängig machen?“
Statt zu antworten blätterte Geriyon mehrere der vergilbten Seiten um, bis das Buch eine seitenüberspannende Zeichnung offenbarte. Ein komplexes Muster aus verschlungenen fadenartigen Strukturen, deren unterschiedliche Farben zwar verblasst, aber immer noch zu erkennen waren. Dann beugte er sich noch tiefer über den Folianten, sog das Muster förmlich in sich auf. Seine Gedanken wirbelten, während er die Struktur analysierte, ihre Verästelungen aus der Zweidimensionalität des Buchs hob.
Da zuckte er zusammen, fast hätte er Kara vergessen.
„Magie ist immer gefährlich … zumindest wenn man nicht vorsichtig damit umgeht. Aber ja, dieser Zauber ist dazu gedacht ihn an- und abzulegen wie eine Maske.“ Ehrfürchtig zog er mit dem Finger einige nach Außen endende Fäden nach - sie symbolisierten die Matrixstränge, die letztendlich an die Aura des Anwenders ankoppeln sollten - und hielt überrascht inne.
„Was ist?“ Kara musterte ihn forschend.
Nachdenklich blickte Geriyon zurück. Mit einem Mal wurde ihm bewusst, was für eine Bürde er sich eigentlich aufgeladen hatte, über die Sicherheit der jungen Frau hinaus. So lange sie keinen Meister hatte, musste er diesen Part übernehmen. Zwar schien Kara bisher auch gut ohne Schulung zurecht gekommen zu sein … aber nach dem Vorfall auf dem Marktplatz mochte das nun endgültig vorbei sein.
„Ich denke … es wird Zeit dir etwas über Magie beizubringen.“
Zögerlich rückte sie näher.
Geriyon schloss kurz die Augen, versuchte sich an die Worte seines Lehrmeisters zurück zu erinnern.
„Wenn du in die Kunst der Magie unterrichtet werden möchtest, braucht es mehr als nur guten Willen, Kara. Du brauchst einen Mentor … vielleicht könnten wir einen grauen Meister für dich am Rat der Drei hier in Kayro'har finden. Solange allerdings, wirst du noch nicht viel lernen können.“
Kara strich sich eine nussbraune Haarsträhne aus dem Gesicht, schien zu überlegen.
„Ich dachte … vielleicht – könntest du mir nicht beibringen, was ich wissen muss? Ich meine damit ich nicht wieder ... die Kontrolle verliere?“
Überrascht sah Geriyon auf, dann blickte er auf seine Handflächen hinab. Das war natürlich auch eine Möglichkeit. Aber er wollte sich nicht anmaßen … andererseits konnte er vielleicht tatsächlich den Pakt mit ihr schließen - zumindest vorübergehend.
„Das könnte ich. Aber du musst wissen, dass wir dafür einen Pakt schließen müssten … einen Pakt, der einige Blockaden in dir lösen wird, aber der dich mir gleichzeitig verpflichtet, so lange bis dieser Pakt vom Mentor wieder gelöst wird.“ Erinnerungen flackerten vor seinem inneren Auge auf. Er selbst, wie er vom Erzmagister seiner Akademie den Lehrpakt erhielt, so wie alle neu aufgenommenen Adepten. Es schien bereits so lange Zeit her …
Natürlich kannte er die nötigen Riten - jeder ausgebildete Magier kannte sie. Es war ein Zeichen von Macht und Status, wenn man als Lehrmeister über Adepten gebot. Allerdings war Geriyon sich nicht sicher, ob er wirklich schon bereit dafür war. Ob er überhaupt dazu fähig war …
Sein Magen zog sich zusammen.
„Einen Pakt? Ich weiß nicht … ist das wirklich nötig?“
Erleichtert schüttelte Geriyon den Kopf.
„Noch ist es nicht nötig … aber irgendwann wirst du einen schließen müssen. Doch wie gesagt, wir können auch einen anderen Mentor für dich suchen! Mach dir mal Gedanken darum.“
Der Magier fühlte, wie eine große Last von seinem Rücken herab glitt. Er war zwar verantwortlich für Kara, solange sie sich in seiner Obhut befand … aber direkt den Lehrpakt zu schließen wäre ihm zum jetzigen Zeitpunkt doch etwas zu weit gegangen.
Kurz atmete Geriyon durch, ordnete seinen Gedankenstrom.
„Aber einige Grundlagen kann ich dir schon beibringen. Gib mir deine Hand.“
Zögerlich kam Kara der Aufforderung nach und zuckte leicht zusammen, als Geriyons Finger sich um ihre schlossen und er sie behutsam zum Muster im Buch führte.
„Entspann dich! Und schließ die Augen. Was fühlst du?“ Gespannt beobachte der Magier Karas Gesicht.
„Ähm … Linien“, sagte sie zaghaft, die Brauen zusammengezogen. Doch dann lockerte sich ihre Muskulatur sichtlich. „Das Muster, es scheint herauszuwachsen. Es ist fast so, als ob ich es vor mir sehen würde!“
Geriyon nickte ihr lächelnd zu.
„Wenn man Magie wirkt, formt man Muster wie diese. Die meisten Magier nehmen diese Matrizen visuell wahr ...“ Er tippte auf sein versiegeltes Auge. „So wie ich. Aber eine Minderheit versteht sie besser mit anderen Sinnen. Anscheinend war der Autor dieses Buchs ein Taster. Er hat Magie erfühlt. Es wäre interessant zu erfahren, was du bist.“
Fragend blickte Kara ihn an. „Und wie findet man das heraus?“
Der Magier erhob sich, legte den Folianten neben Kara auf das Bett und schritt dann zu der kleinen Komode, die zu dem wenigen Inventar der Kammer gehörte.
„Indem man zaubert. Du wirst mir etwas helfen.“ Er kramte in einer der Schubladen und fischte schließlich einen kleinen ledernen Beutel heraus. Nun ließ Geriyon etwas von dessen Inhalt in seine Hand rollen. Es war ein kleiner, bläulicher Splitter. Vielleicht daumennagelgroß.
Die Auseinandersetzung in dieser Nacht hatte ihn einiges an Kraft gekostet. Er musste sparsam mit den Steinen umgehen, aber andererseits konnte er auch nicht warten, bis er sich von selbst regeneriert hatte. Je früher sie die Akademie verlassen würden, desto besser.
Trotzdem nahm er sich die Zeit um den Kristall gegen das Licht zu halten und auf Einschüsse zu untersuchen, bevor er ihn in den Mund nahm. Kühl lag er auf Geriyons Zunge – aber fast augenblicklich begann es zu prickeln, in seinem Mundraum angefangen seinen Hals hinab. Die Hände des Magiers zitterten etwas als sich die Leere tief in seinem Geist schloss.
Er seufzte erleichtert, dann schritt er zum Fenster und schloss die Fensterläden. Dabei wurde ihm bewusst, dass Silberschwinge immer noch nicht zurück war. Aber darüber würde er sich später Gedanken machen. Denn langsam wurde er unruhig. Es wurde wirklich Zeit die Maske zu erschaffen und die Akademie dann so schnell wie möglich zu verlassen. Irgendetwas lag in der Luft.
„Kara? Unter dir, unter dem Bett ist eine Tonschale. Leg sie bitte in die Zimmermitte.“
Mit einem verwirrten Gesichtsausdruck tat die junge Frau, was Geriyon ihr aufgetragen hatte und blickte ihn fragend an, als sie die Schale auf den Boden gestellt hatte.
Der Magier schloss die Augen und beruhigte seinen Atem, bis die Luft in einem stetigen Strom aus und in ihn floss. Zunächst musste er diesen Raum abschirmen, nicht das zufällig jemand die Magie spürte, die hier gewirkt werden würde. Er breitete die Arme aus und murmelte einige Worte in der geheimen Sprache, während er die Pforten zu seinem Geist öffnete. Ein Hochgefühl breitete sich in ihm aus, flutete seinen Brustkorb, während die astrale Kraft aus ihm floss und sich als dünne Schicht über die Wände der kleinen Kammer legte. Irrlichtartiges Funkeln erfüllte den Raum.
Neben Geriyon sog Kara überrascht den Atem ein. Während sie sich fasziniert umsah, eilte der Magier wieder zur Kommode und förderte einige Kreidestücke zu tage.
Immer wieder Blicke auf das Muster im Buch werfend, zeichnete er verschlungene Symbole auf den blanken Fußboden. Formte zwei Bannkreise, einen kleinen direkt um die Schale und einen größeren außen herum. Sie würden die Form bilden, sozusagen die Schablone durch die Geriyon den Zauber wirken würde. Nun füllte er klares Wasser aus einer einfachen Kanne in die tönerne Schale und wandte sich an Kara.
„Jetzt fehlt nur noch eines. Möchtest du wissen, warum der Zauber Blutmaske heißt?“
„Ich glaube ich ahne es…“, hauchte sie und ein Schauer durchlief ihren Körper. Dann jedoch streckte sie entschlossen den Arm aus.
„Blut. Es fehlt noch Blut, richtig?“
Der Magier hatte ihre Antwort nicht abgewartet, sondern bereits einen schlanken Dolch aus dem weiten Mantel gezogen, der unachtsam auf das Bett geworfen worden war, als Geriyon sich seiner entledigt hatte. Jetzt nickte er.
„Die Maske ist essentiell abhängig von dem Blut, das für sie verwendet wird. Dieser Zauber soll es ermöglichen die Identität eines anderen anzunehmen, deshalb benötigen wir eigentlich Blut von jemanden dessen Platz du einnehmen möchtest.“
„Oh ...“ Kara ließ den Arm sinken. „Aber wie … woher sollen wir -“
Geriyon unterbrach sie mit einer energischen Handbewegung.
„Darüber habe ich mir schon Gedanken gemacht. Wir mischen. Meines und deines … wir erschaffen so eine ganz neue Person.“ Eine Person, die vermutlich so aussähe wie Karas und seine gemeinsame Tochter. Geriyons Mund klappte auf und er fühlte wie sein Gesicht heiß wurde. In Gedanken fluchte er lautstark, während er die Vorstellung aus seinem Bewusstsein verbannte.
Währenddessen hatte Kara sich anscheinend entschieden. Sie hob zögerlich wieder ihren Arm. Der Magier holte noch einmal tief Luft, dann hob er die Tonschale unter Karas Hand und setzte die Klinge so vorsichtig wie möglich. Einige vereinzelte Bluttropfen fielen in die Schale und platzten förmlich auf der Wasseroberfläche, verteilten sich langsam, faserig. Geriyon schnitt sich nun selbst und beobachtete dann, wie sich sein eigenes Blut langsam mit dem von Kara vermischte. Soweit, so gut.
„So … und nun brauche ich deine astrale Kraft.“ Er winkte sie zu sich heran.
Verwirrt kam Kara näher.
„Aber du weißt schon was das letzte Mal passiert ist … also magisch ...“
Geriyon nickte ihr ernst zu.
„Wir werden vorsichtig sein … aber ich dachte es wäre ganz sinnvoll, die Quelle anzuzapfen die in dir ruht … schließlich kannst du deine Kraft sowieso noch nicht gezielt verwenden und vielleicht brauchen wir meine noch?“
Unsicher blickte Kara auf ihren Hände herab.
„In Ordnung … wie du meinst. Du bist hier der Magier.“
Der Magier war mittlerweile zu konzentriert, um sich mehr als ein leichtes Schmunzeln zu gestatten.
„Hab keine Angst! Ich werde die Schleusen in deinem Geist ein wenig öffnen, das wird sich im ersten Moment etwas seltsam anfühlen.“ Aufmunternd klopfte Geriyon der jungen Frau auf die Schulter, dann griff er nach ihrer Hand. Kara hatte schon ganz recht. In Anbetracht der Gewalt, die sie auf dem Marktplatz entfesselt hatte, musste er sehr behutsam vorgehen.
„In Ordnung ...“ Mit seiner linken, freien Hand malte der Magier ein kantiges Symbol in die Luft. Eine Linse für den Fluss seiner eigenen Magie. Vorsichtig tastete Geriyon sich in Karas Aura ein, umschloss die versiegelten Punkte – und öffnete die Pforten geringfügig. In Erwartung eines wahren Sturzbaches an magischer Kraft spannte der Magier sich an, doch stattdessen begann es eher zu tröpfeln.
Geriyon hob eine Augenbraue, während er Kara forschend musterte.
„Ist was …?“ Mit einer nervösen Geste strich die junge Frau ihr Haar hinter die Ohren.
Höchst eigenartig … das in Kara magisches Potential steckte war unbestreitbar … aber wie sie eine Explosion zustande bekommen haben sollte, war Geriyon unklar. Egal, darum würde er sich später Gedanken machen, jetzt galt es wichtigeres zu tun.
„Nein, nein alles in Ordnung.“
Die Energie die Kara bisher aufbrachte, reichte bei weitem nicht für ihre Zwecke aus … aber kurz zögerte der Magier doch. Was, wenn er etwas entscheidendes übersah?
„Ach zur Hölle ...“ Seine linke Hand schnellte vor und berührte Kara mit Zeige- und Mittelfinger an der Stirn.
„Öffnen!“
Die junge Frau riss die Augen auf, und diese wurden für einen Atemzug leer. Hätte Geriyon sie nicht gestützt, wäre sie wohl vorwärts gefallen.
Doch dann kam die Magie.
In rötliches Licht getaucht, das sie wie eine zähe Flüssigkeit umwaberte, richtete Kara sich auf, während ihr Haar in einem ätherischen Wind hoch wehte.
Zufrieden setzte Geriyon einen Schritt zurück.
„Schau auf deine Hände! Siehst du etwas?“
Kara schüttelte den Kopf.
„Aber … aber ich spüre etwas! Ein Kribbeln – nein warte! Meine Hände werden ganz warm ...“
Der Magier hob eine Augenbraue.
„Was für eine Überraschung … wobei, wenn ich deine Reaktion auf die Linien im Folianten berücksichtige, vielleicht auch nicht.“
Verwirrt blickte die Ungeformte ihn an. Die stark geweiteten Pupillen machten es allerdings schwer, mehr aus ihren bräunlichen Augen zu lesen. Der schockartige Zustand den der freie Fluss der magischen Kraft auslöste schien noch an Intensität zu zu nehmen. Allzu lange sollte Geriyon Kara wohl nicht in diesem Zustand halten.
„Wir sprachen über visuelle Magier und Taster, erinnerst du dich? Du bist eine Tasterin. Aber was das genau bedeutet erkläre ich dir später. Es wird Zeit mit dem Zauber zu beginnen. Bist du bereit?“
Ein schwaches Nicken beantwortete seine Frage.
„Gut.“
Der Magier wandte sich zur Tonschale, während er seine linke Hand auf Karas Schulter legte. „Du wirst jetzt … fühlen wie es ist zu Zaubern. Am besten du schließt die Augen und konzentrierst dich ganz auf dein Gespür!“
Die entfesselte Magie der jungen Frau leckte wie eine kühle Flamme über Geriyons Hand strömte die nackte Haut seines Armes hinauf und hinterließ dabei Gänsehaut, die sich rasch ausbreitete. Es war ein unbestimmtes Gefühl von Macht, dass eigentlich Sinne in ihm ansprach, die tief in seinem Geist lagen und doch deutlich auf seiner Haut zu spüren war. Er hatte bereits einmal mit fremder Kraft gezaubert … das Besondere, das dem anhaftete war längst verblasst … trotzdem, in diesem Moment verstand er, warum die Bücher vor Sucht warnten.
Energisch schüttelte Geriyon den Kopf, dann klärte er seinen Geist, isolierte jeden Gedanken als Fremdkörper, der nicht auf seine Aufgabe gerichtet war.
Und dann begann er Worte zu murmeln. Worte in einer uralten und doch wunderschönen Sprache. Worte die das Spiegelbild des Musters waren, das er zu weben gedachte. Es war eine ganz besondere, filigrane Arbeit, die er mit Werkzeugen seines Bewusstseins vollführte. Er griff förmlich nach der rohen Magie, die Kara ausstrahlte und verdichtete sie zu Fäden. Als wäre seine Aura eine Spindel, wickelte sich das erste grobe Muster um den Magier und floss dann in die Symbole, die Geriyon auf den Boden gezeichnet hatte. Sie begannen zu glimmen. Schwach erst, doch rasch wurde ihr Leuchten stärker, während die beiden Kreise sich langsam zu drehen begannen. In entgegengesetzte Richtung.
Geriyons Stimme wurde lauter, nahm an Intensität zu und auch die Symbolkreise bewegten sich nun schneller, lösten sich sogar vom Boden um jetzt auch vertikal zu rotieren. Immer rascher, bis die Tonschale von zwei übereinander gestülpten Kuppeln aus schimmernden Schriftzeichen eingeschlossen war. Die Macht die seinen Körper durchströmte jagte eine unbeschreibliche Spannung durch Geriyons Körper. Es war als wäre er erfüllt von der knisternden Kraft eines ganzen Gewitters.
Der Magier hob jetzt beide Hände über den Kopf und schrie die letzten Worte heraus.
„Sereganta!“
Begleitet von einer Welle, die am ehesten mit Euphorie zu beschreiben wäre, brandete der letzte Teil des Musters, der Abschluss, das Siegel aus Geriyon heraus. Und die Kreise gehorchten, schossen auf die Schale zu, rasten in sie hinein -
und stockten. Verharrten vor den sich nur widerwillig vereinigenden Bluttropfen. Der Magier bleckte die Zähne, während Schweiß auf seiner Brust schimmerte. Daran würde es jetzt nicht mehr scheitern.
„Sereganta!“
Geriyon half nach, presste das Blut geradezu zusammen -
und es funktionierte. Für einen Atemzug faltete sich das Muster des Zaubers in strahlender Perfektion vor seinem zweiten Gesicht auf, dann verschwand es in der Schale, die schwankend auf dem Boden zurück blieb.
Erleichtert seufzte Geriyon auf, nur um sofort nach Karas Arm zu greifen, als diese bedenklich zu schwanken begann.
Er half der ausgelaugten Frau sich auf dem Bett niederzulassen. Ihre Gesichtsfarbe hatte ein bedrohlich bleiches Weiß angenommen.
Kurz zögerte Geriyon. Er hatte nicht wirklich Erfahrung mit solchen Situationen. Doch schließlich tätschelte er ihr aufmunternd den Kopf.
„Das ist völlig normal. Du hast gerade fast deine gesamte gespeicherte Kraft verloren!“ Wieder wurde dem Magier bewusst, wie wenig Macht das gewesen war, wenn man die Vorfälle auf dem Marktplatz, die magische Erruption die er selbst hier auf der Akademie noch gespürt hatte, berücksichtigte. Es wurde Zeit Kara ein wenig näher zu analysieren. Aber dazu später. Mit einem gewissen Stolz hob er nun die Schale auf und reichte sie der Ungeformten.
„Das ist dein Schlüssel zu Kayro'har!“
Eine Art Stoff, ein silbriges feines Gespinst lag im Tongefäß.
Vorsichtig hob Kara die Hand um in die Schale zu fassen, zögerte einen Moment, und berührte schließlich das magische Gewebe. Rasch zog sie die Hand wieder zurück.
„Fühlt sich kalt an … und fremd“, murmelte sie leise.
Langsam nickte Geriyon, die Augenbrauen zusammen geschoben.
„Vielleicht ist das nicht schlecht … so vergisst du nie, das es nicht dein Gesicht ist, das du trägst.“
Kara beugte sich tiefer über das Gefäß in ihren Händen.
„Und … wie funktioniert das jetzt?“
Der Magier lächelte, während er die Arme hob, um die Kammer wieder zu entsiegeln.
„Eigentlich ist es nicht besonders schwer, ein bisschen Übung und -“ Er stockte und seine Augen weiteten sich erschrocken. Die magische Barriere, die er um den Raum gelegt hatte, hatte verhindert, dass der Zauber entdeckt worden war, doch umgekehrt hatte sie auch Geriyons Sinne für die Umgebung blockiert.
„Verdammt!“ Der junge Magier wirbelte herum und streckte die Hände zur Tür aus. Ein leises Klicken ertönte, als der Schlüssel sich wie von Geisterhand bewegt herum drehte. Fast im selben Augenblick wurde die Klinke energisch heruntergedrückt und an der Tür gerüttelt. Draußen waren aufgebrachte Stimmen zu hören.
„Schnell, versteck die Maske!“ Eilig sah Geriyon um sich, versuchte nicht in Panik zu verfallen, während er nach einem Ausweg suchte. Nur – es gab keinen.
Aus dem Augenwinkel bemerkte er, wie Kara mit spitzen Fingern die schimmernde Maske aus der Schüssel nahm und in ihre Hosentasche stopfte, während sie die Tonschale unter der Bettdecke verschwinden ließ. Das Buch! Eilig warf Geriyon seinen Mantel, den er eigentlich lieber angezogen hätte über den Folianten, während wütend an die Tür geklopft, nein gehämmert wurde. Und nun …?
„Kara? Wir brauchen irgendeine Ausrede, warum du hier bist. Irgendetwas ...“ Der Magier blickte an seinem immer noch entblößten Oberkörper herab. Und eine die erklärte, warum er in diesem Aufzug -
„Oh …!“

Die Tür barst förmlich nach innen auf und einer der schwarzen Magier betrat die Kammer, flankiert von zwei der Akademiegardisten in ihren dunklen Lederrüstungen. Die Glatze des Lehrmeisters war unverkennbar.
„Meister Gavrakas“, hauchte Geriyon.
Der Angesprochene wandte sich mit einem gehässigen Grinsen zu ihm um und seine kalten Augen strichen über die Szenerie.
Kara und Geriyon lagen auf dem Bett in halb aufgerichteter Position. Die junge Frau schmiegte sich eng an den Magier, den Kopf an die nackte Brust gelegt.
„Sieh an, sieh an … meine Zimmerdurchsuchung trifft euch beide wohl in einer etwas … unpässlichen Situation.“ Geriyon, der seinen Arm demonstrativ um Karas Schulter gelegt hatte, zog diese noch näher zu sich heran – auch wenn ihm das ein gewisses Unbehagen bereitete – um sie vor Gavrakas Berührung zu bewahren. Doch dessen Hand zuckte vor und packte die junge Frau am Kinn, drehte ihren Kopf hin und her, als würde er um ein Pferd auf dem Markplatz feilschen.
„Empfindest du ein Bauernmädchen denn als ziemend für einen Novizen der schwarzen Magie?“
Geriyon schwieg nur und funkelte den Lehrmeister an. Seine Worte trafen den Graumagier mehr, als Gavrakas ahnen konnte.
„Aber das ist nicht der Grund, aus dem ich hier bin.“ Der Schwarzmagier gab den beiden Wächtern einen Wink und diese richteten ihre Hellebarden auf Geriyon, während Gavrakas sich interessiert in der kleinen Kammer umsah.
„Wie du vielleicht weißt, Novize, versteckt sich ein Verräter unter uns.“ Der Lehrmeister ließ ein schnaubendes Lachen hören.
„Und der hat sich erdreistet zwei Bücher aus unserer Bibliothek zu stehlen. Wenn das eine auch eher unwichtig war.“
Angespannte Stille breitete sich aus, während Gavrakas einige Schubladen aufzog. Der schwarze Magier schien es sichtlich zu genießen, seinen Schüler in einer unvorteilhaften Lage verharren zu lassen.
„Hm … hier scheint nichts zu sein.“ Es klang fast enttäuscht. Doch da fiel Gavrakas Blick auf den unordentlich in die Ecke geworfenen Mantel Geriyons. Eine steile Falte zerfurchte seine Stirn.
„Warum hast den nicht eben schnell übergeworfen? Hm … das solltest du dringend nachholen!“ Eine rasche Bewegung mit dem Magierstab und bevor Geriyon reagieren konnte, segelte das Kleidungsstück in seine Richtung.
„Na was haben wir denn da!“
Geriyons Gedanken begannen zu rasen. Kurz erwog er zu behaupten, dass er zwar dieses Buch entwendet hätte, doch nichts von dem Verbleib das weit wichtigeren anderen Buches ahnte. Doch er bezweifelte, dass er damit durchkommen würde.
Der junge Graumagier seufzte, während sich seine Sinne auf das Äußerste schärften.
Gerade wandte sich Gavrakas um.
„Wachen, nehmt sie fest. Sie beide!“
Magie strömte wie flüssiges Metall durch Geriyons immer noch lädierten Muskeln, lösten Blockaden, die normalerweise nur in Extremsituationen geöffnet wurden … und auch dann nur für kurze Zeit.
Der Graumagier schnellte in die Höhe und drehte sich gleichzeitig so zur Seite, dass er zwischen die beiden Hellebarden kam.
Seine beiden Arme explodierten förmlich als er sie den Gardisten unter das Kinn hämmerte.
Während die beiden Männer zurück taumelten, wirbelte Geriyon herum und ergriff mit einer Hand Karas Arm, während seine andere den Mantel zu fassen bekam. Keine Zeit für lange Erklärungen.
Er zerrte sie in die Höhe und Richtung Tür. Gavrakas Gesicht verzog sich zu einer zornigen Grimasse.
„Halt!“
Das war mehr als nur ein einfaches Wort . Geriyon erstarrte mitten in der Bewegung, als die Fäden des Zaubers in seinen Geist tasteten. Und auf erbitterten Widerstand trafen.
„Freiheit!“, fauchte der Graumagier und ein gleißendes Schriftzeichen formte sich in der Luft. Mit vor Überraschung geweiteten Augen taumelte Gavrakas zurück.
„Und jetzt lauf!“
Geriyon eilte los, Kara hinter sich herziehend, den Mantel über der Schulter. Wenn sie gerade nicht in Lebensgefahr schweben würden, hätte er den Anblick wohl belustigend gefunden.
Sie schlitterten über den blankpolierten Steinboden des Gangs, während hinter ihnen die beiden Wachen aus dem Zimmer stürzten. Eigentlich hätten Geriyons Schläge die beiden bewusstlos zurücklassen müssen. Gavrakas führte sie anscheinend an magischen Fäden, wie Marionetten.
Der Graumagier und die Ungeformte schnellten um eine Biegung, die lange Reihe der steinernen Statuen raste als verwischter Schemen an ihnen vorbei.
Auch die Muskeln in Geriyons Beinen begannen unter der zusätzlichen Belastung mit schmerzhaften Wellen zu protestieren, doch der Graumagier bis nur die Zähne zusammen. Dafür war jetzt keine Zeit!
Dann erreichten sie endlich die Treppe, die Gardisten trotz Geriyons Anstrengungen dicht auf ihren Fersen. Allerdings hatten sie ihre Waffen fallen gelassen.
Mit halsbrecherischem Tempo spurtete der junge Magier die Stufen hinab und schoss in die große Vorhalle der Akademie -
nur um auf dem großen Mosaik - einer stilisierten Sonne - rutschend zum stehen zu kommen.
Das schwere Tor war geschlossen und davor hatte sich eine Reihe von Akademiegardisten aufgebaut, die Klingen erhoben. Von einer der Säulen in der Nähe der Wände löste sich die hagere Gestalt eines weiterer Lehrmeisters. Langes, schneeweißes Haar umspielte sein ebenso bleiches Gesicht.
Er grinste breit.
„Bei allem Dämonen!“
Verzweifelt sah Geriyon sich nach einem Fluchtweg um. Hinter sich konnte er bereits die zwei Gardisten hören, die er niedergeschlagen hatte. Mit seltsam abgehackten Bewegungen kamen sie langsam die breite Treppe herunter, gefolgt von Gavrakas, eine Hand auf Schulterhöhe gehoben, die Finger gespreizt.
Wo war Geriyon da nur rein geraten? Ein kurzer Augenblick der Unaufmerksamkeit … und die ganze Akademie hatte sich in eine tödliche Falle verwandelt.
Die Halle begann, sich um den erstarrten Graumagier zu drehen. Was sollte er nur tun? Er hätte die Maske nicht noch in der Akademie schaffen sollen … aber jetzt war es zu spät für Hader. Einen Seitenblick zu Kara, die mit weit aufgerissen Augen neben dem Graumagier stand und immer wieder ungläubig den Kopf schüttelte.
Doch noch war es nicht vorbei, noch hatten sie Geriyon Raven nicht geschlagen.
„Halt dich gut fest!“, knurrte er. Dann führte er seine freie Hand zum Mund und biss hinein. Der salzige Geschmack von Blut in seinem Mund.
Der Graumagier ging in die Knie und bemerkte, wie der Lehrmeister am Tor argwöhnisch die Stirn runzelte.
„Gefangen nehmen – jetzt!“
Geriyon legte seine blutende Hand flach auf den Boden. Mühte sich um Konzentration. Versuchte seinen Geist zu einer Insel zu machen, im aufgewühlten Strom der Realität. Dann griff er nach seiner Astralenergie.
„Nebelgeist!“
Die Vorhalle der Akademie füllte sich fast schlagartig – mit Nebel.
Sofort richtete sich der junge Magier wieder auf, griff nach seinem Siegel und enthüllte sein rechtes Auge. Es brauchte so kaum einer Anstrengung um den nötigen Zauber zu weben.
Um ihn herum begannen die Auren seiner Widersacher in den Farben von Nervosität und Zorn zu strahlend, während sie sich auf den Ort zu bewegten an dem Geriyon und Kara standen. Oder zumindest gerade noch gestanden hatten.
Geschickt schlängelte sich der Graumagier zwischen den anstürmenden Wachen hindurch, der dichte Nebel verhinderte, dass diese wirklich planvoll vorgehen konnten. Doch das Tor wurde leider immer noch versperrt von dem Lehrmeister, zumindest konnte Geriyon jetzt Zeit gewinnen, Zeit, die er bitter nötig hatte.
Mit eiligen Schritten verschwand er hinter einer ganz bestimmten Säule, Kara weiterhin an der Hand. Mit fliegenden Fingern tastete er nun über den kühlen Stein der Wand fand ein Muster. Lautlos glitt ein Teil der Mauer zur Seite gab eine kleine Wendeltreppe frei, die der Graumagier und die Ungeformten nun hoch eilten, während sich der Durchlass hinter ihnen wieder schloss. Wiedereinmal zahlte es sich aus, dass Geriyon den Grundplan des Akademiegebäudes studiert hatte.
Immer weiter schraubte der Gang sich in die Höhe bis sie schließlich eine kreisrunde Kammer erreichten. Eine Art Observatorium, zumindest ließen die zahlreichen Wandmalereien von Sternen und anderen Himmelsphänomenen darauf schließen.
Schwer atmend sank Geriyon zu Boden. Er fühlte wie sein Auge seine Magie aufsaugte, als wäre es ein schwarzes Loch. Ewig Zeit hatte er nicht mehr. Aber da musste er sich keine Sorgen machen. In einer Kammer mit nur einem Eingang würde sie auch nicht ewig sicher sein.
Doch es verschaffte ihm die Augenblicke die er brauchte. Geriyon straffte sich und schlug die Beine untereinander.
Kara stand ihm gegenüber, die Arme auf die Oberschenkel gestützt. Ihr Atem ging stoßweise, einige verirrte Haarsträhnen fielen ihr wirr ins Gesicht.
„Das war aber knapp ...“
Der Graumagier nickte nur schweigend. Und es war noch lange nicht vorbei. Er musste einen Ausweg finden.
Einige Atemzüge sammelte er sich, sog Ruhe und Gelassenheit aus seiner Umgebung. Dann begann er wieder ein Muster zu formen. Glühende Symbole zeichneten sich wie von selbst auf dem Boden um ihn herum … Worte der Klarsicht, Zeichen des Weitblicks. Geriyon kniff sein linkes, normales Auge zusammen und riss sein Rechtes um so weiter auf.
Nach und nach verschwamm die Kammer um ihn herum, die Mauern schienen zu verwischen, an Substanz zu verlieren, während die Sinne des Graumagiers sich weiteten. Die Gänge der Akademie breiteten sich vor ihm aus wie ein Lageplan. Ein Lageplan auf dem kleine aufgebrachte Ameisen herum liefen.
Der Nebel in der Vorhalle war natürlich längst gebannt worden und die Gardisten, ebenso wie die Lehrmeister waren aus geschwärmt um die Fliehenden zu finden. Leider hatten sie trotzdem nicht den Fehler gemacht, dass Tor unbewacht zu lassen.
Kurz stockte Geriyon … ein seltsames Gefühl hatte sein Bewusstsein gestreift, als würde nicht nur er die Akademie beobachten, sondern das Gebäude auch zurück starren. Der Magier schüttelte sich und der Eindruck verging. Er musste sich jetzt völlig auf seine Aufgabe konzentrieren.
Stattdessen ließ er die Fühler seines Geistes durch die Korridore des Gebäudes fließen, auf der Suche nach einem Ausgang – irgendeiner Fluchtmöglichkeit. Schließlich breiteten sich die Verliese vor Geriyons zweitem Gesicht aus … und da war es! Kaum mehr als ein Rattenloch und doch ein Schwachpunkt.
Begeistert schnellte der Graumagier in die Höhe, was Kara erschrocken aufblicken ließ.
„Ich ...“
Geriyon stockte und fuhr herum. Sein Auge pochte schmerzhaft, schien kaum mehr zu sein als ein Fremdkörper in seinem Gesicht.
Es war die Akademie – nein das war nicht richtig, jemand übernahm die Kontrolle über das Gebäude. Magie floss nun wie Blut durch die dicken Mauern.
Rasch schlug der Graumagier seine Faust gegen die Wand und begann Worte der Macht zu murmeln. Kleine silberne Buchstaben breiteten sich über der Mauer aus, flossen auf seine Hand und von dort seinen Arm hinauf.
Doch über ihm, am höchsten Punkt der Akademie hielt jemand mit unglaublicher Kraft dagegen. Die Räume zwischen den beiden Kontrahenten schienen zusammen zu schrumpfen und mit einem mal stand Geriyon dem Erzmagister der Akademie gegen über. Dessen vor Anstrengung verzerrte Gesicht schimmerte im Schein unzähliger Kerzen. Die Arme über einem im Boden eingelassenen Pentagramm erhoben, murmelte der Meister der schwarzen Magie Worte ähnlicher derer, die Geriyon von sich gab. Es war eine Pattsituation. Dank seiner Hellsichtmagie sah der Graumagier das Muster seines Gegners klar vor sich, konnte immer wieder wichtige Stränge durchtrennen, doch Geriyons Macht reichte nicht, um zum Gegenangriff überzugehen. Zu allem Überfluss fühlte er, wie seine rechte Gesichtshälfte langsam taub wurde.
Da betraten weitere Gestalten das Pentagrammzimmer, der jüngere Magier nahm sie nur schemenhaft wahr, doch der eine schien Meister Gavrakas zu sein und der andere – einer seiner Mitschüler!
Gavrakas führte den Novizen zu dem Erzmagister, der langsam einen schlanken Dolch hob, ohne den Blick von Geriyon abzuwenden.
Erschrocken sog der junge Graumagier die Luft ein.
„Kara verlass die Kammer, schnell!“
In diesem Augenblick stieß der Erzmagister zu, zerteilte mit einem einzigen sauberen Schnitt die Kehle des jungen Novizen. Mit Unglauben in den Augen stürzte dieser zu Boden und sein Blut ergoss sich in die Rillen des Pentagramms.
Und unbändige Kraft wallte auf. Einer Flutwelle gleich sprudelte sie über Geriyon hinweg, zerbrach seine Verteidigung und schmetterte ihn zu Boden.
Die Mauern des Observatoriums begannen weich zu werden, wie eine zähe fädenziehende Flüssigkeit – dann veränderten sie sich. Die Bilder des Sternenhimmels verblassten, kühle große Steinquader stießen hervor. Alles begleitet von einem Gefühl des Fallens.
Dann war es vorbei.
Mit einem Quietschen schwang die mit Eisen beschlagene Tür zu dem Kerker auf. Der Lehrmeister mit dem weißen Haar betrat sie, begleitet von mehreren Gardisten und blickte grinsend auf Kara und Geriyon herab.
„Endstation.“

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten

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VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Mira - 06-03-2008, 20:33
RE: Athalem: Blaues Blut - von Ichigo - 19-04-2008, 18:58
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RE: VR: Blaues Blut - von mondenschein - 16-11-2008, 19:02
RE: VR: Blaues Blut - von Der Weltenwanderer - 26-11-2008, 02:49
RE: VR: Blaues Blut - von mondenschein - 10-01-2009, 19:11
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 15-01-2009, 21:37
RE: VR: Blaues Blut - von Ichigo - 08-02-2009, 02:09
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Ichigo - 07-03-2009, 20:08
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Ichigo - 12-03-2009, 22:45
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Dende - 19-03-2009, 22:16
RE: VR: Blaues Blut (453 d.E) - von Ichigo - 19-03-2009, 22:48
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 02-05-2009, 22:34
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 03-06-2009, 21:59
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RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 07-09-2009, 00:41
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Der Weltenwanderer - 30-09-2009, 22:12
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 01-10-2009, 23:04
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 02-11-2009, 19:19
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 16-03-2010, 00:27
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 20-07-2010, 13:34
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Dende - 31-07-2010, 23:21
RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 23-02-2011, 00:09
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RE: VR: Blaues Blut (453 d.D) - von Ichigo - 29-07-2021, 22:32

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