Es ist: 25-11-2020, 03:53
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VI 05: Alltagswandel
Beitrag #1 |

VI 05: Alltagswandel
Für den Versimpuls, obwohl ich eigentlich keine große Dichterin bin ...

Alltagswandel

Hektik, Streß und Arbeitswut,
liederliche Lumpen!
Ihr schärft mir ein: „Es geht dir gut“
alles erlogen und erstunken!
Was sollst du mit den Jahren,
die dir so reichlich gegeben sind?

Ich will auf des Wales Rücken fahren,
mit dem Gesicht im Wind!
Was sollst du da, alles Leben stürzt
sich plötzlich nur auf uns!


Niemals sah ich weite Meere,
Ruhe, Stillstand, unendliche Weiten...
Träumereien! Weißt du nicht, wie es wäre
wenn alle ab und zu die Zeit anhalten?!

Im Herzen ich euch nimmer band!
So will ich fliehen, hier und jetzt,
in mein kaltes Schlaraffenland!

Nun sind sie fort, oh, schweigsame Nacht
Erfüllt mit ruhigem Leben
Und auf die Träume will ich geben
immer große Acht.
Denn Wandel ist es ständig
so wie die Träume sich erfüllen
kommen neue, selbst unbeständig.
Angst nutzen sie als Trampolin.

Angst vor gestern,
Angst vor Grau.
Angst vor dem Morgen
und Angst – ja, wovor?

Hoffe, es gefällt, auch wenn es einfach so aus dem Handgelenk geschrieben ist - einfach drauf losdichten ist doch eine legitime Methode, oder nicht Icon_wink

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

(Avatar: 'Batbastard', © by Trin o'Chaos)

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Beitrag #2 |

RE: VI 05: Alltagswandel
Hallo Trinity!

Schön, dich beim Versipuls zu sehen! Icon_smile

Dann mal gleich los:
Dein Gedicht liest sich wie ein einziger Brainstorm, es beginnt bei einer unbestimmten Wut auf eine irgendwie geartete Alltagsverleugnung, geht über Meerträumereien hin zu beinah barockanklingenden Nachtschwärmereien und endet recht plakativ in der Aufzählung von Traumängsten (Angstträumen?)
Die kursiven Stimmen kann ich noch nicht ganz einordnen, mir vermitteln sie ein bisschen was Sektenhaftes, Weltabkehrtes. Und das obwohl sich das Ich einer Meerphantasie hingibt ... es scheint, als wollten die Stimmen Ich etwas ausreden, ohne recht Substanz zu haben. Vielleicht reden sie einfach und sagen doch nichts und dann geht Ich ins kalte Schlaraffenland, die schweigsame Nacht.
Du baust alle Verse ein, Respekt! Mir kommt dein Gedicht aber (wahrscheinlich gerade deswegen) sehr zusammengebastelt vor, als würdest du dich von Vers zu Vers hangeln ... die Bilder leben nicht wirklich auf. Es geht vom Rücken des Wals ins kalte Schlaraffenland, nur irgendwie verbindet die beiden kein Wasser ... die beiden Leben-Verse hast du gut eingebunden, das Angsttrampolin zum Schluss wirkt auf mich eher deplatziert ... vielleicht wäre es dem Gedicht besser bekommen, vorher abzubrechen ... nicht noch Traumängste heraufzubeschwören, die mit dem Anfang (wir sind ja beim Alltagstrott gestartet) nichts mehr zu tun haben. Es würde, wenn du in der Nacht aufhörst, in dieser romantisch-einsamen Stille, zwar kein sehr origineller Alltagswandel sein, aber dem Gedicht an sich wären dann etwas eher Grenzen gesetzt, die du aber auch noch verschärfen könntest, denn wir sind gestartet bei "Hektik, Stress und Arbeitswut" ... das gleitet bei den Träumen stark ins Philosophische ab.
Den Aufbruch des Reimschemas finde ich soweit ganz gut, auch wenn es am Anfang irritiert ... wahrscheinlich muss man sich vor "Nun sind sie fort" eine größere Sprechpause und dann ein langsameres Tempo vorstellen (ich finde ja, die meisten Gedichte gehören vorgetragen und nicht stillgelesen *g*) Ein bisschen melodramatische Entschärfung würde dem Gedicht trotzdem ganz gut tun, aber das gleich näher in den Anmerkungen.
Was mir sehr gefällt, ist die Aggressivität des Anfangs, schade, dass sich das dann etwas verliert.

Alles andere direkt am Text:
Zitat:Was sollst du mit den Jahren,

die dir so reichlich gegeben sind?

Ich will auf des Wales Rücken fahren,


mit dem Gesicht im Wind!
Die beiden markierten Verse brechen raus, weil sie zu lang sind, vielleicht raffst du ein bisschen:
Was willst du mit den Jahren,
die dir gegeben sind?

Ich will auf den Walen fahren
mit dem Gesicht im Wind.
Zitat:Niemals sah ich weite Meere,

Ruhe, Stillstand, unendliche Weiten...

Träumereien! Weißt du nicht, wie es wäre

wenn alle ab und zu die Zeit anhalten?!
vllt "große Meere"?
Und dann:
Träumerein! Weißt nicht, wie's wäre,
wenn wir die Zeit anhalten

So oder ähnlich, lies es dir mal vor, dann merkst du, dass es sich nicht ganz flüssig liest.
An der Stelle scheinen sich auch die Stimmen gegen den Alltagstrott aufzulehnen, gegen die Hektik ... sind sie letztlich doch auf der Seite von Ich? Warum will es dann gehen, sie denken ja doch recht ähnlich, suchen einen stillen Augenblick.
Zitat:Im Herzen ich euch nimmer band!
Der Satz ist für das Verständnis ja recht zentral, deswegen ist es schade, dass er so im Reimzwang untergeht und damit fast unverständlich wird.
Vielleicht etwas wie: Mein Herz ist, wer euch niemals band!
Ob das verständlicher ist, ist eine andere Frage, aber es würde vom Satzbau her etwas stimmiger klingen.
Zitat:Und auf die Träume will ich geben

immer große Acht.
Diese Stelle liest sich sehr gezwungen, vielleicht (da du sonst keine umarmenden Reime drin hast) etwas in der Richtung:
"Und auf die Träume nehm ich Acht
und werd sie weiter geben ..."
Auch nicht das Gelbe vom Ei, wahrscheinlich wär's besser in den zweiten Vers was Neues einzubauen, also z.B.
"Und auf die Träume geb ich Acht,
werd Stille noch anstreben ..."
Hm. Vielleicht findest du ja etwas Passendes.
Der Reim von "ständig" auf "unbeständig" wackelt auch etwas ... falls du wirklich an der Stelle aufhörst / aufhören kannst, würde vielleicht etwas gehen wie:
"sowie die Träume sich erfüllen, / kommen neue, ungebändigt."

Auf RS, Grammatik und Zeichensetzung hab ich jetzt weniger geschaut, weil ich denke, dass du falls du dieses Gedicht überarbeitest erstmal auf den Rhythmus und den inhaltlichen Rahmen schauen solltest. Der Rest ist dann Beiwerk Icon_wink.
Ich hoffe, ich habe es dir nicht ganz zerredet und deutlich machen können, wo es im Moment noch hängt. Reimen an sich finde ich meistens mutig ... weil es einfach schwer ist, das in einem ordentlichen Klang hinzubekommen, da ist es doch schön, dass wir nicht mehr in der Zeit der festen Strukturen schreiben Icon_smile

Einen schönen Abend dir!
- Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

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Beitrag #3 |

RE: VI 05: Alltagswandel
Hi Libertine,

danke für die Kritik. Gerade hier freue ich mich über jeden Kommentar, da ich das Dichten wirklich nicht einfach finde. Meiner armen Mülltonne zuliebe werde ich mich mal um mein lyrisches Gespür bemühen [Bild: muelltonnen_smileygarden4.gif] Ich werde den "Alltagswandel" noch einmal überarbeiten, wenn ich Zeit finde, mit deinen Vorschlägen hört es sich sicher zehnmal so gut an. Mindestens.
Also, noch einmal herzlichen Dank,

Gruß
Trinity

"Unmöglich? Du selbst bist doch die Fürstin des Unmöglichen. Du hast mir das Leben geschenkt und es dann zur Hölle gemacht. Zwei Väter hast Du mir gegeben, und beide mir entrissen. Unter Schmerzen mich geboren und zu Schmerzen mich verdammt. Nun spreche ich zu Dir aus dem Grabe, zu dem Du mir die Welt geschaffen hast: Ich bin Deine Tochter - und Dein Tod."
- aus Bastard -

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